3. Øec sen. Garlika:

Meine Damen und Herren! Der vorliegende Regierungsantrag Druck Nr. 1251 verdankt sein Entstehen dem Streike der Radiumbergarbeiter in St. Joachimsthal. So wie durch unsere Partei bereits im Abgeordnetenhause festgestellt wurde, daß wir diesen Antrag selbstverständlich begrüßen, so klar stellen, wir aber auch heute abermals fest, daß er keineswegs geeignet ist, jenen zu helfen, die, wie schon oben gesagt, durch ihren Streik diesen Antrag verursachten. So unangenehm Ihnen dies auch sein mag, stelle ich auch hier fest, daß die Radiumbergarbeiter nach den Beratungen, die wir mit ihnen ständig abhalten, nicht gewillt sind, sich mit dieser Lösung zufrieden zu geben. Wir fordern deshalb auch im Senate, daß ein besonderes Gesetz zum Schutze der Radiumbergarbeiter in St. Joachimsthal unter allen Umständen geschaffen wird. Ich erkläre auch hier wieder, daß meine Partei absolut gangbare Wege in ihren verschiedenen Anträgen aus dem Jahre 1936 und 1938 aufgezeigt hat und daß wir auch in der Zukunft nicht davon ablassen werden, uns noch mehr als bisher für den Schutz des Lebens der Radiumbergarbeiter einzusetzen.

Bereits im Abgeordnetenhaus haben wir zu dem vorliegenden Gesetzesantrag ausführlich Stellung genommen. Der Antrag will die bisher fakultative Wahrung der Leistungen der Arbeiterunfallversicherungsanstalt für Berufskrankheiten, die spätestens mit dem 1. Jänner 1929 aufgetreten sind, in eine Pflichtleistung der Arbeiterunfallversicherungsanstalt umwandeln. Dieses Bestreben ist zu begrüßen, wenn auch festgestellt werden muß, daß der Gesetzesantrag an sich noch keineswegs genügt, um ein Minimum an sozialem Ausgleich herbeizuführen. Wir müssen feststellen, daß sich die Regierung zu diesem Antrag reichlich spät entschlossen hat, wir können nicht annehmen, daß der Regierung der Radiumtod in Joachimsthal bis zum Feber 1938 gänzlich unbekannt war, obwohl er der medizinischen Wissenschaft und der öffentlichkeit seit dem Jahre 1925 bekannt ist. Wir wollen nicht annehmen, daß dies eine Wissenslücke einet verantwortlichen Regierung sei. Zweifellos ist durch die Einbeziehung der Lungenverstaubung im Radiumbergbau in den Kreis der Berufskrankheiten etwas geschehen, um den Skandal von Joachimsthal ein klein wenig zu mildern. Es wäre aber von gleicher Wichtigkeit, und wir verlangen dies mit allem Nachdruck, als die stärkste Partei im Staate und als die einzig gerechte Sprecherin der sudetendeutschen Volksgruppe, daß der Minister für soziale Fürsorge im Einviernehmen mit der Regierung zu einer sozialeren Praxis Veranlassung nimmt und jede unsoziale Bürokratie mit sschärfster Strafe ahndet. Es geht nicht an, daß, wie im Falle des Bergarbeiters Anton Helmich, die Arbeiterunfallversicherungsanstalt die Rente verweigert, weil angeblich keine Folgen der Berufskrankheit in solchem Maße bestanden, daß die Zuerkennung der Rente erteilt werde, und dann der abgewiesene Rentenwerber innerhalb 6 Wochen tot ist.

Ich könnte Ihnen hier viele Protokolle dieser Art zur Verlesung bringen. Ich will bloß ein einziges Protokoll herausgreifen:

"Ich unterfertigte Anna Helmich, Witwe nach dem an Lungenkrebs verstorbenen Bergarbeiter Anton Helmich, gebe folgendes an, was ich mit meiner eigenen Unterschritt decke: "Mein Mann war am staatlichen Betrieb >Edesleutstollen< durch ca 22 Jahre als Förderer und die letzten Jahre als Häuer ununterbrochen beschäftigt. Er klagte seit Ende 1935 viel über Schmerzen im Rücken. Im August 1936 erfolgte die Anmeldung der Berufskrankheit an die Arbeiterunfallversicherungsanstalt in Prag. Nachdem sich die Krankheit von Monat zu Monat verschlimmerte, ließ sich mein Mann 1. September 1937 provisionieren. Seine Rente betrug für 20 Jahre 4 Monate 231 Kè 85 h, zuzüglich Erziehungsbeitrag; davon gingen allmonatlich 10 Kè an Krankenversicherung ab. Am 2. November 1937, obwohl schon ganz kaput, wurde er nach Prag zur Arbeiterunfallversicherungsanstalt zwecks Untersuchung einberufen. Von der langen Reise heimgekommen, verschlimmerte sich sein Zustand so bedenklich, daß er sich am 8. Dezember 1937 endgültig legen mußte, um nicht mehr aufzustehen. Anfang Jänner 1938 kam endlich der Bescheid, daß mein Mann wegen leichter Lungenverstaubung ersten Grades abgewiesen wor den ist. Durch diese schwere Enttäuschung ging es mit ihm rapid dem Ende entgegen. Obwohl er nicht mehr sprechen konnte, weil er an Atemnot schwer litt, konnten ich und andere durch Mienen und Gebärden entnehmen, daß er nur an diese Sache dachte und daß er mit drohenden Händen noch etwas machen wollte. Dann setzte der Todeskampf ein. Von der Arbeiterunfallversicherungsanstalt in Prag habe ich bis zur Stunde noch kein Wort gehört. Man fragt nicht darnach, ob ich mit meinem Kinde zu leben habe oder nicht. So ereilt das Schicksal alle Joachimsthaler Radiumbergarbeiter, den einen früher, den andern später, je nach der körperlichen Konstitution. Mein Mann starb im 41. Lebensjahr. All das Angeführte bestätige ich mit meiner eigenhändigen Unterschrift: Anna Helmich, Joachimsthal."

Meine Damen und Herren! Auch hier müßte doch endlich einmal etwas geschehen, daß diese Verhältnisse bei der Arbeiterunfallversicherungsanstalt abgesehafft werden. Wenn die Vorschriften der Anstalt für die ärztliche Untersuchung nicht ausreichend und veraltet sind, dann müssen diese Vorschriften eben dem neuen sozialen Geiste angepaßt werden, der allerdings keine Sinekuren in den sozialen Anstalten mehr anerkennt. Der gleiche soziale Geist muß aber auch bei dem Schiedsgerichte der Arbeiterunfallversicherungsanstalt und bei den ärztlichen Gerichtssachverständigen zum Durchbruch gebracht werden. Formelbefunde nach einer fixierten Bewertung der Prozente der Erwerbsminderung sind uns Beweis dafür, daß die soziale Medizin nicht als Wissenschaft, sondern als ein Handwerk im übelsten Sinne des Wortes betrieben wird. Die tausende Akten des Schiedsgerichtes legen Zeugnis dafür ab, daß das Gericht an sich dem formalistischen Sachverständigen-Befund gegenüber überflüssig ist. Die Reform der sozialen Medizin und der sozialärztlichen Gutachtertätigkeit ist die Voraussetzung dafür, daß Gesetzesanträge nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch ihrer Absicht gemäß ins Leben umgesetzt werden.

Wir werden im Senate für den Antrag der Regierung stimmen, weil wir in diesem Antrage einen kleinen Versuch sehen, den Joachimsthaler Bergleuten den Dank abzustatten, der ihnen für das bewußte Opfer ihrer Gesundheit und ihres Lebens gebührt. Wir werden aber mit allem Nachdruck dafür eintreten, daß dieser Dank in einer solchen Form gesetzlich gewährleistet wird, daß er nicht nur ein Bettelgeld darstellt.

Die Joachimsthaler Bergleute sind Soldaten gegen den Tod, dafür gebührt ihnen wie anderen Soldaten der Dank des Vaterlandes und der ausreichende Schutz für Leben, Gesundheit und Alter, im Falle der Erkrankung aber eine ausreichende Versorgung. Die Sudetendeutsche Partei wird in dieser Richtung neuerlich einen weitergehenden Antrag in beiden Häusern der Nationalversammlung in den nächsten Tagen einbringen und erwartet, daß dieser Antrag nicht in den Schubladen der Kommissionen und Subkommissionen nur deshalb ein stilles Begräbnis erfährt, weil er von der Bewegung Konrad Henleins ausgegangen ist. Vor der ganzen Welt müßten wir eine solche Parteikleinlichkeit im Angesicht eines hundertfachen Opfertodes unbarmherzig brandmarken. Wir müssen bei dieser Gelegenheit auch mit Entschiedenheit dagegen Stellung nehmen, daß sich die Regierung vielleicht hintr der Bestimmung des § 147 der Regierungsverordnung vom 10. Feber 1938, Slg. Nr. 41, verschanzt und in der öffentlichkeit die vom Gewerbeinspektor aufgetragene ärztliche Untersuchung als eine genügende Vorsorge für die Joachimsthaler Bergarbeiter hinstellt. Die èechischen Gewerbeinspektoren im sudetendeutschen Lebensraum bieten uns keine Gewähr dafür, daß die Anordnung der ärztlichen Untersuchung auch dort erfolgt, wo sie wirklich notwendig ist. Das èechische Volk wehrt sich mit vollem Recht dagegen, seine Gesundheit deutschen Beamten zu überantworten. Das gleiche Recht beanspruchen wir aber für unsere sudetendeutsche Volksgruppe, Wir müssen hiezu übrigens feststellen, daß die Regelung derart wichtiger Fragen in einem demokratischen Staate durch die Volksversammlung zu verfolgen habe und nicht durch eine Regierungsverordnung. Diese Art der Erledigung hat nichts mit Demokratie gemein. Bei dieser Gelegenheit begehre ich im Auftrage des parlamen tarischen Klubs die eindeutige Festlegung der Berufskrankheiten der Bergleute überhaupt und besonders der rheumatischen Erkrankungen der Bezgleute. Wer sich im Dienste für die Allgemeinheit zu Schanden gearbeitet hat, der erlangt einen moralischen Anspruch gegenüber der Allgemeinheit. Es beweist die Höhe der Kultur eines Staates, wenn die moralischen Pflichten, der Allgemeinheit gegen ihre Diener durch Gesetze verankert sind. Diese Gesetze dürfen aber niemals etwas Starres sein und zu einem leeren Formelkram werden, sondern sie haben sich jeweils der Entwicklung der Zeit und ihren Forderungen raschestens anzupassen. Wir können nicht glauben, daß das Wort Kultur und Kulturerrungenschaft ein leeres Schlagwort sein kann, wenn es bei großen Festen von den verantwortlichen Trägern der Regierung vor aller Welt verkündet wird. Wir müssen voraussetzen, daß das Wort Kultur auch in diesem Staate einen Inhalt hat und daß sich die Regierung verpflichtet fühlt, diesen Inhalt in der Fürsorge für die Diener an die Allgemeinheit vor aller Welt zu dokumentieren.

Ich bin in der Lage, eine ganze Reihe von Protokollen sowohl von Arbeitern selbst, als auch von den bedauernswerten Witwen nach den in jungen Jahren verstorbenen Arbeitern vorzulegen. Des weiteren befindet sich meine Partei im Besitze einer Entschließung der gesamten Belegschaft von Joachimsthal, in welcher sie ihre Forderungen in der kommenden Woche bei den zuständigen Ministerien sowie auch im Ministerpräsidium einbringen wird. Die Arbeiterschaft hat sich ohne Rücksicht auf die parteipolitische Zugehörigkeit eindeutig mit hunderten Unterschriften zu diesen Forderungen bekannt und erwartet von der Regierung sowie von den gesetzgebenden Körperschaften die Anerkennung dieser Forderungen in der Form einer gesetzlichen Sicherung ihres Lebens.

MeineDamen und Herren! Ich muß hier mit aller Deutlichkeit erklären, daß wohl kein Berufsstand überhaupt derart von Schaden an der Gesundheit, ja selbst von frühem Tode bedroht ist, wie die Arbeiterschaft in Joachimsthal. Hierzu ist außerdem zu sagen, daß diese Menschen im Dienstem der gesamten Menschheit stehen, da sie jenes Element aus der Erde holen, durch das Tausenden Menschen die Gesundheit wiedergegeben wird. Nicht unerwähnt möchte ich belassen, daß es sich hier nicht um Tausende Arbeiter handelt, welchen Sie zum Schutze ihres Lebens eine gesetzliche Sicherung schaffen sollen, sondern lediglich um knapp 500 Menschen. Wenn wir die Lage dieser Arbeiter und den Kampf, die sie seit einer Reihe von Jahren um ihre Rechte führen, näher betrachten, kann man nur seiner Verwunderung darüber Ausdruck geben, daß nicht schon seit langem die Regierung von sich selbst aus den Klagen Rechnung getragen und Abhilfe geschaffen hat.

Meine Damen und Herren! Ich unterbreite dem Hause heute den Vorschlag, eine Kommission einzusetzen, welche sich nach Joachimsthal begeben mag, um sich selbst davon zu überzeugen, ob wir diese Anklage hier mit Berechtigung vorbringen. Gehen Sie so wie mein Kamerad Abg. Böhm zu den Arbeitern oder zu den Kranken und dann werden Sie wiederkommen und sagen müssen: Es gibt nur eine Feststellung in dieser Frage, sie ist eine Tragödie! Ich habe bereits gesagt, daß wirdemnächst einen neuen erweiterten Antrag im Abgeqrdnetenhaüse einbringen werden und wir erklären heute schon mit aller Deutlichkeit, daß wir unseren ganzen Einfluß aufbieten wer den, damt diese Frage einmal endgültig geregelt wird. An Sie alle aber stelle ich die Forderung und appelliere dabei gleichzeitig an Ihr menschliches und soziales Empfinden: schaffen Sie ein Gesetz zum Schutze, dieser Menschen, erhalten Sie den Frauen und Kindern ihre Väter, geben Sie ihnen die verdiente Pension und Sie werden sich den besonderen Dank einiger hundert Menschen verdient haben.

Meine Damen und Herren! Es ist nicht notwendig, weiter darüber zu sprechen, denn vieles und langes Reden hat für diese Menschen keinen Sinn; hier muß gehandelt werden, wenn wir diese Menschen vor denn Untergang retten wollen. Ich will mich auch nicht in Politik einlassen, aber es sind hier Worte von einer zweiten Schweiz gefallen, es sind Worte gefallen, daß es uns gut geht. Ich möchte erwähnen, daß im Abgeordnetenhause ein Regierungsantrag zur Änderung und Ergänzung des Gesetzes auf Unterbringung von Iängerdienenden Unteroffizieren aufgelegt wurde. Diese Vorlage ist ein neuer Angriff auf den deutschen Arbeitsplatz und hier wird immer behauptet, es geschehe den Deutschen nie Unrecht, denn sie hätten dasselbe Recht wie die anderen Nationen in diesem Staat, Bei dieser Vorlage aber sehen Sie wieder; daß es doch nicht so ist, wie es immer gesprochen wird. (Potlesk senátorù sudetskonìmecké strany.)

4. Øeè sen. H. Müllera:

Hoher Senat! Wir begrüßen diesen Gesetz entwurf auf das herzlichste, weil er eine wichtige und wertvolle Etappe in dein Kampfe, den die Union der Bergarbeiter und un sere deutsche sozialdemokratische Partei seit Jahren führt, darstellt. Wenn der Vorredner gesagt hat, daß der vorliegende Gesetzentwurf auf die Bemühungen der SdP und vielleicht auf den Streik zurückzuführen ist, so möchte ich ihm raten, einmal den ganzen Gang der Bemühungen um die Radiumbergarbeiter in Joachimsthal zu studieren. Unsere Partei und die Union der Bergarbeiter hat seit dem Jahr 1928, seit der Zeit, als eine feste wissenschaftliche Grundlage in der Erforschung des Lungenkrebses geschaffen war, in ständiger mühevoller Arbeit für die Bergarbeiter von Joachimsthal gewirkt. Von der Enquete im Jahre 1928 über die Denkschriften der Union, über die Denkschrift an den Präsidenten Masaryk, über die unermüdlichen Bemühungen, die Verhältnisse in den Gruben in Joachimsthal selbst zu bessern, sind wir endlich dazu gekommen, heute die­ sen Gesetzentwurf zu beschließen und damit den Bergarbeitern von Joachimsthal einen gewissen Teil der Schuld abzustatten. Es ist sicher richtig, daß es ein tragisches Schicksal ist, wenn Menschen, die für die gesamte Menschheit wichtige Heilstoffe aus der Erde holen, selbst einer schrecklichen, fürchterlichen Krankheit anheimfallen.

Wir haben geglaubt, daß das Gesetz Nr. 99 vom Jahre 1932, das Berufskrankheitengesetz, das der Minister Dr. Ludwig Czech geschaffen hat und das eines der besten Gesetze Europas darstellt, den Radiumbergarbeitern in Jöachimsthal einen größeren.

Nutzen bringen wird. Im Gesetz selbst sind die Möglichkeiten dazu gegeben gewesen. Leider hat- die Praxis der Unfallversicherung das Gesetz nicht, voll und richtig zur Wirksamkeit kommen lassen. Meine Damen und Herren! Solche Angelegenheiten, wie die Krankheit der Bergarbeiter in Joachimsthal, kann man nicht mit dem spitzigen Bleistift des Versicherungsmathematikers erledigen, dazu gehört menschliches Fühlen, dazu gehört die Kenntnis der Verhältnisse in diesem Radiumbergwerke selbst. (Pøedsednictví pøevzal místopøedseda dr Heller.).

Wir haben bei der Beratung in den Ausschüssen im Parlamente und im Parlament selbst von den Vertretern der Unfallversicherung gehört, daß nunmehr die Praxis der Unfallversicherung auf diesem Gebiete eine für die Arbeiter günstigere werden soll. Wir nehmen das mit Dank zur Kenntnis, wir glauben aber, daß auch aus anderen Gründen eine Novellierung des Unfallversicherungsgesetzes, das in vielen Teilen überholt ist, ehestens durchgeführt werden muß. Die Revierbruderlade in Falkenau hat weit über 400.000,- Kè mehr an erkrankte Bergarbeiter in Joachimsthah ausgezahlt, als sie eingenommen hatte. Das ist vielleicht für die Unfallversicherungsanstalt ein Beispiel, wie es gemacht werden sollte. Wir glauben, daß durch die Gesetzwerdung dieser Vorlage den Bergarbeitern sicher einiges gebracht wird. Wir wissen aber, daß auch durch die Maßnahmen in den Gruben selbst sicherlich manches gebessert wurde. Wenn Fachmänner und Verwaltungsmenschen nun sagen, daß mit diesen Maßnahmen die Gesundheit jener Bergarbeiter, die noch nicht erkrankt sind, geschützt ist, ist uns das nicht Beweis genug, um nicht auch mit den Maßnahmen zum Schutze der Gesundheit in den Gruben selbst fortzufahren. Wir begrüßen diese Maßnahmen, wir wissen, daß sie ebenfalls auf Grund eines ziemlich harten Kampfes der Union und unser er Partei errungen worden sind. Wir wünschen, daß auch in diesen Maßnahmen fortgefahren wird.

Neben den Zusagen, die in der Regierungsverordnung Nr. 36 vom Jahre 1938 enthalten sind und, die wiederum das Wer k der Union und der Bergarbeitervertreter sind, nicht der SdP, finden wir ebenfalls einige günstige Erledigungen. Ich teile der Ordnung halber mit, daß in diesem Protokoll, das von 3 Ministern unterschrieben ist, kein Name von SdP-Vertretern daraufsteht, obwohl sie in Joachimsthal einen förmlichen Wettlauf um die Bergarbeiter veranstaltet haben, obwohl sie sich, nachdem die Sache bereits zum Abschluß gediehen war, hingestellt und gesagt haben "Seht, wir sind es, die wahren. Jaköble - wie man draußen sagt - "wir haben Euch alles gebracht". Wir wissen, daß das in der Verordnung und im Gesetz Niedergelegte für die Bergarbeiter ordnungsmäßig, streng und bis zur letzten Konsequenz durchgeführt werden muß. Wir begrüßen es insbesondere, daß das Gesetz eine rückwirkende Kraft hat, daß frühere Erkrankungen also bis zum 1. April 1929 auch unter seinen Schutz fallen. Wir begrüßen es, daß im § 3 Ansprüche auf Entschädigung nach den vorausgegangenen Paragraphen bis Ende 1940 über die normale Frist ausgedehnt wurden. Wir begrüßen es, daß die Geltendmachung von Ansprüchen nach dem neuen Gesetz nicht unter den Tisch fällt, wenn frühere ungünstige Entscheidungen vorliegen. Wir begrüßen auch die vorliegenden Resolutionen und wünschen nur, daß sie nicht bloß Resolutionen bleiben, sondern praktische Wirksamkeit erlangen.

Das Gesetz, das entgegen dem Regierungsentwurf im sozialpolitischen Ausschuß des Abgeordnetenhauses insbesondere durch die fleißige Mitarbeit der Abg. Irene Kirpal ausgebaut worden ist, soll eine große Etappe zum Schutze der Bergleute in Joachimsthal sein. Wir begeben uns aber keineswegs auf den Weg der politischen Lizitation oder auf das Gebiet, daß man nur aus politischen Gründen in Joachimsthal den Bergarbeitern Versprechungen macht oder Anträge stellt, von denen die Antragsteller wissen, daß sie nicht in Erfüllung gehen. Wir leisten weiterhin reale, gute und praktische Arbeit.

Ich muß nun sowohl auf die Ausführungen des Herrn Sen. Maixner, als auch auf die Vorgänge in Joachimsthal zurückkommen und auch einige politische Worte sagen. Auch die Angelegenheit der Bergarbeiter wurde in Joachimsthal von der SdP, wie alle anderen Angelegenheiten; politisch mißbraucht. Man hat versucht, von Seiten der SdP aus dem Elend der Arbeiter in Joachimsthal ein politisches Kapital zu schlagen. Man hat gewußt, daß die Union, die Betriebsräte und unsere Partei bereits ein großes Stück Weg gegangen sind und alles vorbereitet war, um einen Teil der Wünsche der Bergleute zu erfüllen. Es ist der SdP bekannt gewesen, daß das wichtige Protokoll von 3 Ministern und den Unionsvertreter n gefertigt war, aber keinen Namen der SdP enthalten hat. Man hat aber Flugblätter herausgegeben, man hat den Bergarbeitern die Sachlage falsch erklärt und versucht, aus diesen Verhältnissen politischen Gewinn zu ziehen. Man hat sogar in diese Versammlungen einen gewissen nationalistischen staatsfeindlichen Zug gebracht und in skrupelloser Weise agitiert, ein trauriges Zeugnis und keineswegs ein Zeugnis von der Kultur, von der heute schon von zwei Rednern der SdP gesprochen worden ist. (Výkøiky: Was haben die Arbeiter von drei Unterschriften!) Die Arbeiter haben Euch abgelehnt. Interessant und charakteristisch ist, daß, als man den Streikenden Lebensmittelpakete in die Grube schickte, von dem SdP gedruckte Zettel beigelegt wurden, in welchen stand: "Haltet aus, morgen greift das Ausland ein." Meine Herren! Ist das als soziales Gefühl oder politisches Raffinement zu verzeichnen? Es ist interessant, daß überhaupt die SdP bloß auf das Ausland baut. Ihr Aufschwung in der letzten Zeit ist keineswegs ihrer inneren Tätigkeit oder Leistungsfähigkeit zuzuschreiben, sondern der außenpolitischen Entwicklung, der Entwicklung in Österreich, und auch der Umfall der Christlichsozialen und Landbündler ist eine Folge der österreichischen Entwicklung. Die SdP stellt also sozusagen die Hyänen des außenpolitischen Schlachtfeldes dar. Jede ihrer Entscheidungen muß in Berlin angefordert werden. Wenn irgendetwas zu entscheiden ist, fährt der Herr Zierhut oder Henlein oder Frankl oder 2 erst nach Berlin, um dort zu sondieren, was die Kraft, die hinter ihnen steht, eigentlich will. Auch das Heu des Herrn Neuwirth wird wahrscheinlich aus dem Ausland geliefert, das Heu, das unser Haus in Brand stecken soll übrigens ist es sehr humoristisch, in diesem Heu kriechen auch die drei berühmten Wanzen des Herrn Frank herum, es sind nun wieder drei, die grüne, schwarze und die große braune. Es ist wieder die große braune, auf die das Wort von Heine paßt: "Es saß ein fetter Wanzerich auf einem Pfennig und spreizte sich". (Rùzné výkøiky.)

Ich sage dies, um die besinnungslose Auf putscherei in den deutschen Grenzgebieten auch einmal von dieser Seite klarzustellen. Dort wird schließlich jetzt schon die Herrschaft des Faltenstiefels propagiert. Jeder, der einen oder zwei Faltenstiefel angezogen hat, ist bereits ein germanischer Heros. Die Gleichschaltung wird in einer Weise betrieben, daß es nicht nur für den Staat, sondern auch für das deutsche Volk sehr bedenklich ist. Die Jugendherbergen hat man gleichgeschaltet, aber dabei vergessen, daß gerade die deutschen Sozialdemokraten im Jugendherbergswerk das meiste geschaffen haben. Man schaltet die deutsche Jugendfürsorge gleich, vergißt aber zu sagen, daß es der sozialdemokratische Minister Dr. Czech war, der der deutschen Jugendfürsorge einen gewissen Teil der Autonomie gesichert hat. Man spannt die Lehrer ein, denen der Herr Eichholzin § 2-Versammlungen das Nötige sagt und die nun plötzlich einen Kotau vor Herrn Henlein machen müssen, die Lehrer, die auch in ihrem Kampf um Existenz und Kultur den Sozialisten soviel zu verdanken haben. Sie reden von Freiheit und vergessen darauf, daß gerade dort, wo es sie hinzieht, jede Freiheit des Denkens in der Schule verboten ist, daß die Schulen Kasernen geworden sind, daß es dort so ist, wie es Herr Goebbels gesagt hat: "Das deutsche Volk braucht nicht zu denken, wir denken schon für Euch". Wenn die Lehrer etwas nachdächten, wenn sie den Kampf um Freiheit der Schule und der Lehrerschaft einmal studieren würden, so würden sie sich wahrscheinlich an die Brust schlagen und sagen, daß sie auf dem falschen Wege sind und daß nach diesem Rausch auch bei den Lehrern der Katzenjammer kommen wird.