Damit komme ich auf die Frage der Autonomie zu sprechen, über die in letzter Zeit manches zu hören gewesen ist.

Die Autonomie der Hochschulen umschließt nicht allein dass freie Vorschlagsrecht des Professorenkollegiums, in der Autonomie, steckt auch die Ausübung einer eigenen Polizei- und Disziplinargewalt in den Hochschulräumen. Die Autonomie enthält weiterhin dasselbständige Beschlußrecht über verschiedene Fragen und auch die Frage der eigenen Rechtspersönlichkeit in vermögensrechtlicher Hinsicht. Nun liegt. der Entwurf eines Gesetzes vor, mit dem das Gesetz vom 13. Feber 1919 über das Dienstverhältnis der Hochschulprofessoren abgeändert und ergänzt werden soll. Durch diesen Entwurf des Schulministeriums ist für uns die Frage der Autonomie eine der wichtigsten Fragen überhaupt geworden. Der Autonomie verdanken wir die ruhmvolle Vergangenheit unserer Hochschulen und wir müssendem Staate zurufen: Hüte dieses kostbare Gut, das Du in den Hochschulen besitzt! Das gilt insbesondere für die Besetzung der erledigten Lehrstühle. Die Vorschläge der Professoren müssen auch in Hinkunft maßgerbend bleiben. Eine diesbezügliche Bestimmung enthält das Gesetz vom 13. Feber 1919, das jetzt abgeändert werden soll. Aber in dieser Bestimmung des genannten Gesetzes erblicken wir mit Anerkennung den Geist des Präsidenten und Hochschullehres Masaryk. Deshalb darf an dieser Bestimmung keineswegs gerüttelt werden. Die Berufungen dürfen nur nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten erfolgen.

Das Gesetz vom 20. Feber 1919 - das ist ein anderes Gesetz - will uns mit dem Namen auch die Vergangenheit unserer deutschen Karls-Universität nehmen. Aber der Entwurf dies neuen Gesetzes, das jetzt in Ausarbeitung ist, will unserer Deutschen Universität und unseren deutschen Technischen Hochschulen die Zukunft rauben. Deshalb müssen wir dieses Gesetz mit dem allergrößten Ernst aufnehmen und überprüfen. Es ist dazu auch notwendig, daß man sich vorstelle, wie der Hochstand unserer Hochschulen zustande gekommen ist. Er ist nur dadurch zustande gekommen, daß wir in stetiger Verbindung mit den übrigen deutschen Kulturkreisen geblieben sind, d. h. mit dem Deutschen Reich, mit Österreich, mit der Schweiz, und was das Deutsche Reich anbelangt, möchte ich Sie daran erinnern, daß Minister Krofta uns vor wenigen Tagen in Karlsbad versichert hat, daß uns um den natürlichen Zusammenhang mit der großen deutschen Volksgemeinschaft nicht bange zu sein brauche. Wenn dies wirklich der Fall ist, dann kann uns auch der neue Entwurf des Gesetzes nicht bange machen. Aber so weit sind wir noch nicht.

Die Autonomie der Hochschulen umfaßt ferner auch ein Disziplinarverfahren, wie ich schon vorhin. sagte, und auch dieses soll durch den neuen Entwurf abgeändert werden. Aber es ist ja unmöglich, daß über deutsche Professoren vielleicht eine èechische Disziplinarkommission entscheidet, wie das bei Befolgung dieses Entwurfes durchaus möglich wäre. Minister Franke hat im Parlamente angekündigt, daß er seinen Entwurf noch verschärfen will. Wir möchten eindringlich davor warnen, diesen Autonomieentwurf, diese Autonomiebeschneidung, noch weiter zu verschärfen. Wir sind gesonnen, unsere Hochschulen und ihre Autonomie mit aller Zähigkeit und aufrecht zu verteidigen und nichts unversucht zu lassen, um sie in der durch das Gesetz vom 20. Feber 1919 gewährleisteten Form aufrechtzuerhalten. Wir werden vor keinem der erlaubten Mittel zurückschrecken und werden unsere Gegenwart in jeder Weise bemerkbar machen. Für uns handelt es sich um die größten und edelsten Kulturgüter, die unser Volk und der Staat sein eigen nennt.

Eine weitere Frage, die gleichzeitig mit.den Personalfragen der Hochschulen zusammenhängt, ist die Frage der Assistenten, wissenschaftlichen Hilfskräfte, Beamten, Kanzleikräfte und Angestellten überhaupt. Mit allen diesen Genannten sind unsere Hochschulen durchwegs ungenügend ausgestattet. Man hat nämlich die 10%ige Einschränkung, die sog. Restriktion der staatlichen Angestellten auch auf die Institute der Universitäten und technischen Hochschulen ausgedehnt, ohne Rücksicht darauf, daß dadurch die ernste wissenschaftliche Arbeit in Frage gestellt und der Lehrbetrieb sehr erschwert wird. Eine Verminderung ist in dieser Bezie- hung unmöglich. Auf eines möchte ich den hohen Senat noch aufmerksam machen, das ist die merkwürdige Stellung der wissenschaftjichen Hilfskräfte. Diese jungen Leute beziehen monatlich ein Gehalt von 500 Kè, das aber im Juli, August und September überhaupt nicht ausgezahlt wird; sie erhalten demnach nur neunmal 500 Kè im Jahr. Natürlich ist bei einer so geringen Bezahlung klar, daß - die Kräfte einem ständigen Wechsel unterworfen sind, was wiederum die notwendige Einarbeitung sehr erschwert. Es können daher die wissenschaftlichen Hilfskräfte die fehlenden Assistenten nicht ersetzen. Es kommt auch wiederholt vor, daß diese ohnedies geringen Gehälter der wissen schaftlichen Hilfskräfte infolge einer unbegreiflichen schwerfälligen Verwaltung erst nach Monaten zur Auszahlung gelangen! Es kommt vor, daß die jungen Leute bereits 3 bis 6 Monate an der Hochschule als Assistenten mit dem Namen einer wissenschaftlichen Hilfskraft gearbeitet haben, aber der Gehalt ist ihnen noch immer nicht angewiesen. Diese Verhältnisse sind einfach unmöglich. In solchen Fällen ist es auch vorgekommen, daß solche wissenschaftliche Hilfskräfte die Hochschule bereits verlassen hatten, weil z. B. die Eltern ihnen den Zuschuß nicht weiter zahlen konnten, und erst nach Verlassen der Hochschule ist das Gehalt angekommen. Wir fordern, daß die durch den Ministerrat verfügte 10%ige Herabsetzung der Zahl der Assistentenstellen sogleich aufgehoben wird, da schon die vor der Einschränkung giltige Zahl der Assistenten als zu niedrig bezeichnet werden muß. Hinzu kommt noch, daß die deutschen Hochschulen, die Universität und die Technischen Hochschulen, in viel größerem Maße als andere Hochschulen des Staates genötigt sind, auch für eine materielle Sicherstellung des inländischen Nachwuchses zu sorgen.

Es muß noch eine andere Angelegenheit bei dem Kapitel Assistenten zur Sprache gebracht werden. Es sind in der letzten Zeit Fälle vorgekommen, in denen die Ernennung oder Wiederbestellung von Assistenten und wissenschaftlichen Hilfskräften vom Ministerium einfach mit der Bemerkung abgelehnt wurde, daß der betreffende "nicht verläßlich" oder "bedenklich" sei; eine nähere Begründung wurde nicht gegeben. Dort, wo es Nachforschungen gelungen ist die nähere Begründung herauszubekommen, hörte man von Angaben der Polizei; es ist bereits in zwei Fällen - ich könnte sie anführen - der Hochschulbehörde, die diesen Mitteilungen nachgegangen ist, gelungen, ihre Haltlosigkeit zu erweisen. Dann hat allerdings das Ministerium, das muß zugegeben werden, die Leute bestätigt. Wozu also erst Unruhe und ungerechte Verdächtigungen hineintragen, die Leute monate-, jahrelang - so eine Bestellung dauert oft ein Jahr! - warten zu lassen? Deshalb müssen wir fordern, daß in solchen Fällen den Rektoraten der Hochschulen der eigentliche Grund der Bedenklichkeit oder Unverläßlichkeit angegeben werde. Es ist ja den Hochschulen selbst daran gelegen, nur würdige Männer anzustellen; sie müssen aber auch dafür sorgen, daß Unschuldige vor Denunziationen geschützt bleiben.

Der Stand der Beamten, Kanzleikräfte und Angestellten ist viel zu gering. Die Rektorate sind überlastet und sie könnten entlastet werden, wenn die schon häufig angeregte Frage der Fakultätsteilung auch bei der Technischen Hochschule durchgeführt würde. An der Deutschen Technischen Hochschule in Prag z. B. genügt das vorhandene Angestelltenpersonal nicht einmal, um das ganze Haus reinzuhalten. Wir fordern dringendst eine 30%ige Erhöhung des Standes der Angestellten. Wir schaffen damit wiederum. einer Reihe von Menschen Brot und Arbeit. Wir stehen selbstverständlich auf dem Standpunkt, daß hinsichtlich der Anstellung von Beamten und Angestellten an den deutschen Hochschulen nur Deutsche in Frage kommen. Es ist nicht mehr an der Zeit, daß eine schematische Gleichstellung zwischen den Hochschulen und den übrigen deutschen Schulen und anderen Staatsämtern stattfindet, ebenso wenig ist heute am Platz die Vorzugsstellung der Legionäre und längendienenden Unteroffiziere. Erfahrungsgemäß beherrschen die èechischen Antwärter die deutsche Sprache nur ungenügend, oft auch gar nicht. Sie sind daher für den Dienst an den deutschen Hochschulen einfach nicht befähigt und ihre Anwesenheit drückt außerdem diesen Instituten den Stempel der Fremdheit auf, was vollkommen unnötig ist. Wir haben das größte Interesse daran, daß die deutschen Hochschulen und deutschen Schulen jeder Art ihrer Bestimmung gemäß in jeder Beziehung als Einrichtungen erscheinen, die für uns Sudetendeutsche bestimmt sind. Ich bin überzeugt, man wird mir recht geben, wenn ich sage, daß diese bevorzugten Anwärter es wirklich nicht nötig haben, Anstellungen an unseren deutschen Schulen zu suchen. Es geht ihnen im Durchschnitt viel besser als unseren deutschen brotsuchenden Männern, es sind ihnen viel reichere Möglichkeiten gegeben, als ihren deutschen Mitbürgern. Darin liegt keine Feindseligkeit, sondern es wird nur eine feststehende Tatsache betont.

Ich komme zu den Baulichkeiten der Hochschulen. Die Unterbringung der deutschen Hochschulen ist eine der dringendsten Fragen. In den ersten Jahren des èechoslovakischen Staates sind eine Reihe von bewunderungswürdigen; Instituten der èechischen Hochschulen insbesondere hier in Prag entstanden, die überdimensioniert wurden und den Staat jetzt sehr belasten. De Folge war ein Mißtrauen der Behörde gegen neue Bauanträge und darunter leiden jetzt wir, die wir damals nicht gebaut haben. Von der deutschen Universität ist bekannt, daß die medizinischen und naturwissenschaftlichen Institute nicht mehr hinreichend sind. Die naturwissenschaftliche Fakultät z. B. ist nicht mehr im Besitz der Sternwarte. Praktische Astronomie kann man an ihr nicht mehr betreiben.

Nun die Kliniken der medizinischen Fakultat, Es wird mir schwer, mich wiederholen zu müssen. Denn es ist weltbekannt, in welchem Zustand sich diese Kliniken befinden. Dieser Zustand, kommt einer Kulturschande gleich. Ich kann es nicht anders nennen. Diese Kulturschande schädigt aber das Ansehen des Staates sehr schwer und es leidet darunter der wissenschaftliche Betrieb und die Zuständewirken sich, was am schlimmsten ist, zum Schaden der Kranken aus. Trotz alledern ist ein Fortschritt nicht erzielt worden. Am allerschlimmsten steht es mit der chirurgischen Klinik. Die dortigen Zustände lassen sich schwer schildern. Schwerkranke liegen in Badewannen und auf den Gängen. Vor wenigen Tagen habe ich aus einer zuverlässigen Mitteilung erfahren, daß die deutsche chirurgische Klinik nicht mehr in der Lage ist, Schädel oder Hirnoperationen auszuführen und daß in den letzten 14 Tagen 5 solcher Fälle nach Wien geschickt werden mußten! Was das für diese so schwer Kranken bedeutet, brauche ich kaum auszuführen. Dringendst zu fordern ist der beschleunigte Bau der chirurgischen, Klinik, einer Klinik für Hals-, Ohren- und Nasenkrankheiten, der psychiatrischen Klinik und des pathologischanatomischen Instituts.

Die philosophische Fakultät führt schwerste Klage darüber, daß ein Teil ihrer Institute, und zwar insbesondere das Seminar für Germanistik, dann das Seminar für deutsche Volkskunde und das besonders wichtige, weil sehr stark besuchte pädagogische Institut weit draußen in Prag XII, Weinberge, Budeèská, sich befindet. Stellen Sie sich unter diesen Umständen einen geregelten Unterrichtsbetrieb vor, und welche Zeit muß die Jugend verfahren, bevor sie wieder ins Hauptgebäude kommt!

Schlimm ist es auch mit der rechtswissenschaftlichen. Fakultät, mit den Repräsenta tionsräumen und den Kanzleien unserer Universität bestellt. Sie alle kennen die Gebäude Karolinum, Clementinum, Buquoy-Palais. Es handelt sich um Denkmäler vergangener Zeiten, um hinfällige, verwahrloste, altersschwache Bauten, vielleicht von architektonischem Wert, aber ihre Räumung ist höchst an der Zeit. Die deutsche Universität wünscht keine überdimensionierten Prachtgebäude, sie will zweckmäßige, würdige Gebäude. Ein Bauplatz in Hole¹ovice ist seit Jahren in Aussicht genommen. Es sind die Pläne ausgearbeitet, unzählige Zusagen wurden gemacht, aber praktisch ist nichts geschehen. Im Vordergrunde steht gegenwärtig der Bau eines neuen Zentral- und Kollegienhauses. Es handelt sich um einen Betrag von 30 Millionen, der wenigstens in Teilbeträgen bereitgestellt werden soll, damit im Jahre 1937 noch mit dem Bau begonnen werden kann.

Ganz ähnlich ist der Zustand der Bauten der deutschen Technischen Hochschule in Prag. Sie leiden unter den gleichen Umständen und ebenfalls unter dem Fehlen eines Zentralgebäudes. Das alte Hauptgebäude in der Husgasse, ein ehemaliges Kloster, ist durch An-, Auf- und Zubauten; zu einem unübersichtlichen Durcheinander geworden und einzelne Teile spotten jeder Beschreibung in gesundheitlicher wie feuerpolizeilicher Beziehung. Die Hochschule besitzt Neubauten aus der Zeit vor dem Kriege, das Maschinenbauinstitut und das Chemische Institut auf den Sluper Gründen. Letzteres wurde aber zu zwei Dritteln von der èechischen Handelshochschule beschlagnahmt, trotzdem es sich um einen Zweckbau für Chemie handelt. Seit 16 Jahren bemüht sich die Hochschule, dieses Gebäude wieder zu erlangen, kommt aber nicht vorwärts. Dabei sind die trostlosen Zustände der chemischen Laboratorien in der Husgasse allzu bekannt. Koll. Macek hat in der Aussprache im Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses vom 13. November auch darauf hingewiesen und ich schließe mich der dort ausgesprochenen Bitte an, daß der Herr Minister Franke die Technische Hochschule in der Husgasse besuche und sieh überzeuge, wie unsere Jugend gezwungen ist unter jämmerlichen Verhältnissen in den chemischen Laboratorien zu arbeiten und wie es um die Wohnung des Hauspförtners bestellt ist. Es ist eine Schande, den Mann mit Familie in diesen Zuständen mitten in der Großstadt in einem staatlichen Gebäude wohnen zu lassen. Auch die Wohnräume mancher Diener spotten jeder Beschreibung. Die Technische Hochschule in Prag fordert dringendst die Rückgabe des Chemischen Instituts auf den Sluper Gründen, damit endlich dem Platzmangel in der Husgasse gesteuert werde. Sie fragt weiter das Ministerium, wieso es kommt, daß jetzt auf ihrem Gebäude auf den Sluper Gründen ein. Aufbau aufgeführt wird, ohne daß der Rektor der Hochschule oder der Dekan der Abteilung für Chemie, der das Haus gehört, auch nur ein Wort davon erfahren Selbstverständlich nur deshalb, um wieder Räume für die èechische Handelshochschule zu schaffen. Institute der deutschen Technischen Hochschule sind in Häusern untergebracht, die weit voneinander entfernt liegen. Es gibt Institute, die durch das Hauptgebäude nur so erreicht werden können, daß man durch Aborte hindurchgeht, z. B. in den Instituten für Betonbau und für Utilitätsbaukunde. Die deutsche Technische Hochschule in Prag hat manche Anstrengungen gemacht, um zu Neubauten zu kommen. Der frühere Schulminister Dérer wurde nach einem Besuch in der Hochschule aufgefordert, sich auch die Räume der chemischen Laboratorien genau anzusehen. Gelegentlich der 125-Jahrfeier der Hochschule - wir sind die älteste Technische Hochschule - ist vom gleichen Minister die feierliche Zusage gemacht worden, daß ein Bauplatz gekauft werde. Die deutsche Technische Hochschule in Prag baut auf das gegebene Wort des Ministers! Wir fordern dringendst den Kauf eines der bereits bestimmten Baugrundstücke auf der Ry¾ánka in Braník und auf der Skalka in Ko¹íø, die die staatliche Regulierungskommission als in Betracht kommend bezeichnet hat. Nun liegt der Akt im Ministerium und es erfolgen lediglich kostspielige Bohrungen, um die Tragfähigkeit des Bodens zu erweisen. Sonst wurde nichts unternommen.

Die deutsche Technische Hochschule fordert weiter den Bau der zweiten Hälfte des Gebäudes für die landwirtschaftliche Abteilung in Tetschen-Liebwerd. Die deutsche Technische Hochschule in Brünn fordert den Neubau des Maschinen- und elektrotechnischen Laboratoriums und die Bewilligung der ersten Baurate von 1,5 Millionen. Wenn man gleichzeitig hört, wie wir jüngst in einer Prager deutsch gedruckten Zeitung lesen konnten, daß für den Neubau der umfangreichen Gebäude der Prager èechisehen Technischen Hochschule 84 Millionen Kè verausgabt sind, so dürfte wohl die Zeit gekommen sein, auch uns einige Millionen für unsere Neubauten, zur Verfügung zu stellen. Im übrigen sind wir selbstverständlich nicht neidisch, sondern wir freuen uns, daß die èechischen Kollegen in so guten Bauten untergebracht sind. Aber wir bitten dabei auch an die Gleichberechtigung zu denken.

Nur kurz möchte ich die Frage der sogenannten Dotationen berühren, das sind Geldmittel, die zur Beschaffung von Büchern, Lehrbehelfen, Modellen, Laboratoriumseinrichtungen und Instandhaltungen, dienen. Es muß gefordert werden, daß diese Geldmittel erhöht werden, u. zw. ist die gesamte Summe der derzeitigen Dotationen auf den Kaufwert der Dotationen zu erhöhen, wie sie vor den Sparmaßnahmen gewesen sind. Das ist ein allgemeiner Wunsch. Bei den Fürsorgeeinrichtungen müssen wir dringendst appellieren, an die soziale Studentenfürsorge und an das Stipendienwesen zu denken. Vor allem andern muß die Armut der deutschen Studentenschaft, die von Jahr zu Jahr wächst, berücksichtigt werden. Es muß weiter gefordert werden, was sehr wesentlich ist, daß diese Studienunterstützung rechtzeitig kommt. Es ist genau so wie mit den Minimalgehalten der wissenschaftlichen Hilfskräfte. Diese Studienunterstützung muß im Vorhinein gegeben werden, weil die Eltern tatsächlich nicht in der Läge sind, den betreffenden jungen Mann mit einigen Kronen nach Prag zu schicken. Es muß weiterhin an die Mensa Academica in Brünn und an den deutschen Technikerunterstützungsverein in Brünn gedacht werden, ebenso an die Wiedereinführung der Bekleidungsaktionen. Ich habe die Zahlen weggelassen um das Material nicht zu verlängern. Ich fasse zusammen, was die Fürsorgeeinrichtungen betrifft. Es handelt sich bei der sozialen Studentenfürsorge um die Erhöhung der staatlichen Studienunterstützungen und um die Wohnungsstipendien, um die Erhöhung der Beträge für die Ausspeisungen und für den Gesundheitsdienst.

In diesem Zusammenhang erinnern wir auch daran, daß die deutsche Hochschulzentrale für Leibesübungen dringend einer Ausgestaltung mit den notwendigen Mitteln bedarf. Weiters wünschen wir entsprechende Berücksichtigung deutscher Bewerber bei der Verleihung und Zuteilung von Stipendien und Auslandsstiftungen. Es muß weiter gefordert wer den die Wiederauszahlung oder Beträge für die volkstümlichen Hochschulkurse und oder Mittel für die Exkursionen, die bekanntlich für die praktischen Berufe insbesondere,der Technischen Hochschule - Reisen zwecks Besichtigung von Betrieben - äußerst dringend sind.

Die deutschen Hochschulen stellen weiterhin fest, daß ihre Mitglieder benachteiligt sind bei den Beteiligungen an öffentlichen Arbeiten, also an Planungen, Untersuchungen und Gutachten, die der Staat zu vergeben hat. Von diesen staatlichen, Arbeiten trifft uns sozusagen nur ein ganz geringer Bruchteil.

Was schließlich den schlüsselmäßigen Anteil der Staatsbeamtenstellen anlangt, müssen wir feststellen, daß die Absolventen unserer Hochschulen selbst bei sprachlich günstiger Befähigung und auch bei sonstigen ausgezeichneten Kenntnissen nur ganz geringe Aussicht haben, im Staatsdienste unterzukommen. Die Folge davon ist, daß die Mittelschüler schon beginnen, die Hochschulen zu meiden, sich verlieren, sich ins Ausland begeben, während es ja unsere Sorge wäre, für die technische Ausbildung der Mittelschüler zu sorgen.

Ich möchte noch zwei Punkte, die die Hochschulen betreffen, erwähnen. Der eine betrifft die Ausschaltung der Landesbehörden. Die Landesbehörden sind bekanntlich aus den früheren Staathaltereien entstanden und sie waren Vermittlerinnen zu den Ministerien in Wien. Eine solche Vermittlung ist heute nicht mehr notwendig und die Hochschulen wünschen sich schon seit langer Zeit die Ausschaltung der Landesbehörden und die übertragung ihrer Wirksamkeit auf das Ministerium für Schulwesen, und Volkskultur. Dieses Ministerium selbst hat 1932 den Entwurf einer entsprechenden Regierungsverordnung vorgelegt, die Regierungsverordnung wurde aber nie durchgeführt und ist nie erschienen. Wir weisen deshalb heute nochmals auf die Zweckmäßigkeit der Ausschaltung der Landesbehörden hin, denn es ist ja eine eigenartige Tatsache im Zeitalter des Sparens, wenn gleiche Angelegenheiten gleichzeitig von zwei verschiedenen Ämtern besorgt werden - und auf das läuft die Tätigkeit der Landesbehörden hinaus. Wir müssen auf die große Vereinfachung und auf die Beschleunigung der Verwaltung der Hochschulen hinweisen, die erfolgen würde mit der Ausschaltung der Landesbehörde. Wir müssen betonen rund darauf hinweissen, daß bekanntlich alle Staatsgewerbeschulen unmittelbar und ohne weiteres mit den Ministerien verkehren können und nicht über die Brücke der Landesbehörden. Zumindest sollte die Landesbehörde ausgeschaltet werden bei allen Nostrifikationsangelegenheiten, dann bei Angelegenheiten, der Assistenten, der wissenschaftlichen. Hilfskräfte, der Angestellten, bei Angelegenheiten der Bemessung und Anweisung der Dotationen.

Besondere Schwierigkeiten - und das ist der letzte Punkt, den ich wegen der Hochschulen zu erwähnen habe - ergeben sich für die deutschen Hochschulen aus der Sprachenfrage. Sowohl die Gemeindebehörde Prag als auch die staatlichen Prager Behörden und die Landesbehörde verkehren mit den deutschen Hochschulen nur in èechischer Sprache. Wo bleibt denn die Wirksamkeit des §5 des Sprachengesetzes, nach dem es den Minderheiten zusteht, in ihrer eigenen Sprache mit den Behörden zu verkehren? Es heißt ja aus drücklich: Die Minderheitsschulen werden in der Sprache der Minderheiten verwaltet -und das sind alles Verwaltungsangelegenheiten. Es werden Anstände und Schwierigkeiten gemacht, wenn die deutschen Hochschulen ihren Studierenden Bestätigungen und Ausweise in deutscher Sprache ausstellen; man nimmt Anstoß an den deutschen Stempeln und an den deutschen Universitätssiegeln und immer wieder kommt es zu Streitfällen, die den deutschen Hochschulen eine geordnete Verwaltung ihrer Angelegenheiten erschweren. Es kommt sogar vor, daß auch das Ministerium nur den formellen Inhalt eines Erlasses übersetzt und den eigentlich wesentlichen sachlichen Inhalt lediglich in èechischer Sprache ausfertigt. Wir sind zusammen mit unseren Hochschulen der Meinung, daß die nationale Verständigung, die doch im Interesse der Ruhe im Staate und besonders im Interesse des demokratischen Staates gelegen ist, nicht immer wieder gestört werden darf durch diese ewige Nadelstiche der Sprachschwierigkeiten und daß der i§ 5 des Sprachengesetzes gerecht und demokratisch im Verkehr mit den deutschen Hochschulen durchgeführt wird. Dabei muß in Erinnerung gebracht werden, daß die deutsche Pädagogische Akademie überhaupt die einzige Anstalt ist, die nicht einmal mit dem Ministerium in deutscher Sprache verkehren darf. Allen anderen deutschen Anstalten ist es gestattet, der deutschen Pädagogischen Akademie ist das aus gänzlich unbegreiflichen Gründen nicht gestattet und wir fordern daher die Einhaltung des § 5 des Sprachengesetzes auch für diese Anstalt.

Nun muß ich noch die Frage der Rechtschreibung anschneiden, die schon vom Kameraden Eichholz erwähnt wurde. Denn auch von den deutschen Hochschulen wird verlangt, daß sie die Worte èechoslovakisch oder èechisch mit È schreiben. Das ist ein fremdes Schriftzeichen. Wir fordern, daß die deutsche Rechtschreibung an allen unseren Schulen nach den gleichen Regeln gehandhabt wird, wie sie überhaupt im weiten deutschen Sprachgebiet, also auch in Österreich, in der Schweiz und im Deutschen Reiche gehandhabt wird. Aber diese Forderung ist so selbstverständlich, daß wir annehmen müssen, der Durchführung dieses Grundsatzes werde von der Schulverwaltung keine Schwierigkeit mehr bereitet werden. Die Schreibweise in der englischen Sprache ist cz, in der französischen Sprache tch. Ich bin überzeugt, wenn ein èechischer Schüler in der èechischen Schule das Wort èechische oder èechoslovakisch zu schreiben hat, wird ihm gelehrt, es im englischen mit cz zu schreiben, denn die englische Sprache kennt keine andere Schreibweise, und ich bin auch überzeugt, daß in der französischen Stunde einer èechischen Schule die Schreibweise tch gelehrt wird. Die Franzosen schreiben eben tch. Die deutschen Kinder und zwar nur die sudetendeutschen Kinder sollen nun èechische mit è schreiben. Warum? Wo liegt der tiefere Sinn dieses Wunsches? Diesbezügliche Interpellationen der Abg. Karmasin und Klieber sind bisher allerdings erfolglos gewesen. Bei der Beantwortung der einen von ihnen hat sich der Vorsitzende der Kammer der Abgeordneten Malypetr hinter das in der staatlichen Verlagsanstalt herausgegebene Wörterverzeichnis für die deutsche Rechtschreibung, sechste Auflage, Felbiger-Stejskal, verschanzt. Diese Ausrede können wir nicht hinnehmen, denn dieses Wörterbuch ist für uns nichtmaßgebend. Die deutsche Pädagogische Akademie, die philosophische Fakultät der Universität, und auch die èechische Akademie der Wissenschaften haben sich für die deutsche Schreibweise mit tsch ausgesprochen. Jetzt frage ich den Schulminister und überhaupt die èechische Allgemeinheit, was Sie für ein Interesse haben, uns zwingen zu wollen, dieses neue Schriftzeichen hier einzuführen, wobei Sie zugestehen müssen, daß die englische Sprache unbehelligt von Ihnen cz und die französische Sprache tch schreiben wird. Wir wehren uns dagegen und werden diese Schreibweise nicht annehmen und wenn sich das Schulministerium und Herr Malypetr hundertmal auf dieses Wörterverzeichnis berufen. Es ist ein Unrecht, eine derarrtige Sache einzuführen. (Rùzné výkøiky.) Ich bitte, lesen Sie: Die "Národní politika" hat den Nagel auf den Kopf getroffen. (Rùzné výkøiky.) Doch, Sie verstehen mich ganz gut. Sie schreibt, daß es sich für die Èechen darum handelt, die Frage nicht vom Standpunkt der Rechtschreibung, sondern vom politischen Standpunkt aus zu regeln. Wer hat nun recht? Habe ich recht, oder hat die Schreibweise è recht?