Pøíloha k tìsnopisecké zprávì

o 11. schùzi senátu Národního shromá¾dìní republiky Èeskoslovenské

v Praze ve støedu dne 27. listopadu 1935.

Øeè sen. Kostky:

Hoher Senat! Wir können vom deutschen Standpunkt die wirklich idealen Darlegungen des Herrn Berichterstatters nur anerkennen. Wie er seine Schule liebt, lieben wir unsere deutsche Schule und kämpfen um jedes Stück Schule. Wir wissen auch das Bedürfnis sehr wohl zu schätzen, daß einem jeden Kinde seine Bürgerschule geschaffen werden solle, und wir wissen, daß damit eigentlich sehr bedeutungsvolle Intentionen des Schulministeriums nach einer bestimmten Richtung hin verfolgt werden, nämlich die Schaffung der Einheitsschule, die Einheitsschule, von der niedrigsten Stufe angefangen, durch fünf und vier, also durch neun Jahre, wie es die Wissenschaftler und alle Lehrer verlangen, als Unterstufe und dann der gleichmäßige Fortgang weiter, wie es z. B. der Schulminister Dr. Krèmáø betont, die Schaffung einer einheitlichen Mittelschule also die Einheitsform, und es fügt sich der vorliegende Gesetzentwurf sehr gut diesem Bestreben an.

Nur wird man natürlich, wenn man auch die guten Gedanken, wie sie in letzter Zeit Ministerialrat Pøíhoda in seinem Buche über die Rationalisierung des Schulwesens niedergelegt hat, durchdenkt, eines beachten müssen, und das müssen wir besonders vom deutschen Standpunkte aus betonen : Es soll durch die Schaffung des Guten nicht etwas Gutes verdrängt werden. Es muß bei der Durchführung des von uns befürworteten Gesetzes unbedingt Vorsorge getroffen werden, daß in Zukunft unbedingt auch die nationale Teilung des Schulwesens aufrechterhalten bleibe, daß nicht aus der Begründung neuer Volksschulen eventuell ein Vermischungssystem geschaffen werde, wie es für das Schulwesen in keiner Weise zuträglich ist. Ich kann aus meiner Heimat Reichenberg ein Beispiel anführen, das wir durcharbeiten. Wir haben uns aus eigener Kraft eine sehr gute Bezirksfortbildungsschule für das Handwerk geschaffen, und Beweis dafür, daß die Schule gut funktioniert, ist, daß sie heute tausend Schüler hat. Nun wünschen wir ja auch, daß die Èechen in diesem Gebiete sich ebenfalls ihr Fortbildungsschulwesen ausbauen. Aber es kam sofort das Bestreben zutage, man möge diese èechische Fortbildungsschule, die geschaffen werden soll, in die deutsche eingliedern. Das ist ganz und gar unmöglich, und zwar aus rein raumtechnischen Gründen und aus Gründen der wirklichen Fortbildung. Wir wünschen, daß dieselbe Bildung beiden Nationen zugute komme, aber es ist nicht zweckmäßig, ein Vermischungssystem und daraus welche gemischtsprachigen Bezirke zu schaffen, daß deutsche Kinder in èechische Schulen geschickt werden; daraus würde kein Frieden im Schulwesen entstehen, es könnte die Sprengelbürgerschule zum Unfrieden im Bezirke beitragen.

Noch etwas anderes, das sehr wohl zu berücksichtigen wäre. Ich glaube, der Herr Bprichterstatter und auch einer der Herren Vorredner hat darauf hingewiesen. Wenn Sie Sprengel im Umkreis von 5 Kilometern schaffen, so kann es vorkömmen, daß kleinere Schulen, die bisher ausgezeichnet gewirkt haben, von Schülern entvölkert werden und aus zwei-, dreiklassigen Schulen einklassige Schulen werden, eventuell weitere Schulsperrungen durchgeführt werden. Das müßte unbedingt verhindert werden, und da wir besonders in unseren deutscheu Bezirken wie Sie wissen, einen harten Kampf ürri eine jede Schulklasse führen, müßte auch bei der Durchführung dieses Gesetzes unbedingt vermieden werden, daß Schulklassen gesperrt werden. Wir müssen auch darauf Rücksicht nehmen, daß solche Bürgerschulen, wenn sie geschaffen werden - das ist eine rein fachliche Frage, die mit der nationalen Seite nichts zu tun hat - durch entsprgchende H'ilfsschulen unterstützt werden. Schon die Volksschule leidet darunter, daß das minder begabte Kind den Lehrer und die übrigen Kinderin der Zusammenarbeit belastet. Diese minderbegabten Kinder müßten in einer Hilfsschule vereinigt werden, dadurch würden de Erfolge der Bürgerschulen in Zukunft garantiert werden. Gerade in den Bürgerschülen ist unbedingt notwendig, daß das minderbegabte. Kind möglichst rechtzeitig von den anderen Kindern separiert werde. Wir müssen nätürlich äuch auf die Verkehrs- und Wegeverhältnisse Rücksicht nehmen. Es müß schon heute dem Schulminsterium unbedingt nahegelegt werden, daß es darauf achten müsse, daß die unterpernährten Kinder, wie sie heute leider, leider, in vielen deutschen Bezirken in so großer Menge anzutreffen sind, keinen weiten Weg zurucklegen können. Síe können es einfach nicht.

Auch darin hat ein Vorredner recht: wir brauchen Brot und Arbeit, wir brauchen auch notwendig die Erhaltung unserer Kultur und unserer Schule. Das ist auch Brot für den Geist, und den müssen wir uns erhalten, und dieses Brot muß auch in Zukunft geschützt werden durch praktische sorgsäme Arbeit, die sich dene gegebenen Verhaltnissen anpaßt. Das Gesetz wird nicht so leicht durchzuführen sein in eiem Elendsbezirk wie einem Bezirke, der sich noch etwas von seiner guten alten Zeit her erhalten hat oder der sich wieder erholt; es gibt auch solche Bezirke. Freilich kommt heute noch eines dazu, worauf auch schon der Vorredner hingewiesen hat. Denn daß sich die Gemeinden heute in den schwierigsten Situationen befinden, so daß sie selbst die dringendsten Kulturbedürfnisse kaum mehr erfüllen können, das wissen wir alle und das sehen wir insbesondere in unserem, Gebiete heute sehr deutlich. Wir müssen daräuf aufmerksam machen, daß man den. Gemeinden nicht allein Verpflichtungen aufladen darf, sondern daß der Staat auch seinen Verpflichtungen den Gemeinden gegenüber präzis nachkommen muß. Wenn ich dies heute von dieser Stelle aus wieder vorbringe, so soll das eine kleine Mahnung zu einer besseren Erfüllung der Verpflichtungen des Staates sein. In unserer Stadt Reichenberg haben wir heute vom Staate noch eine reine Schulumlage von 2 Millionen Kè zu fordern. Stellen Sie sich vor, wie das Budget einer Stadt aufgebaut werden soll, wenn wir 2 Millionen Kè aus einer heute unbestrittenen Schulumlage noch nicht aubezahlt bekamen.

Ich erwähne für meinen Ort auch noch. einen zweiten Fall. Wir haben eine Fortb dungsschule mit einer Summe von 4 Millionen Kè aufgebaut, gewiß ein nennenswerter trag fur eine Stadt. Es wurde uns vom Staate ein Drittel - dieses Betrages als Beitragsleistung für die gewerbliche Bezirksfortbildungsschule zugesichert, wir haben aber dieses Geld leide noch auf dem Papier, müsseg äber weiter budgetieren und wollen heute auch der èechischen Bevölkerung in der Weise entgegenkommen, daß wir sagen: wenn wir dieses Drittel erhalten, so überweisen wir für Eure Fortbildungsschule einen gewissen Teil zu Euren Gunsten. Es müssen also unbedingt auch die finanziellen Folgen hier genaues erwogen werden. Dann werden wir in dieser wichtigen Frage weiterkommen und vlelleicht einmal daran gehen können, die Zahl der Kinder nicht mehr auf der Höhe von 60 zu erhalten, sondern vieileicht auf 40 herunterzugehen, was als entsprechende Zahl betrachtet wird.

Man wird vielleicht auch in Zukunft daran gehen können, bessere Ausbildungsmoglichkeiten für die Bürgerschullehrer zu schaffen. Sie wissen, daB die Lehrerschaft verlangt, daß ihr auch die Hochschulbildung zuteil werde. Denn sonst haben wir Bürgerschulen, aber nicht die ents.prechenden Lehrer dafür. Es könnte eventuell eine. Erweiterung der pädagogischen Akademien erfolgen oder ein einjähriger bezahlter Urlaub für den Bereich von Hochschulkursen eingeführt werden, die dann die Kandidaten absolvieren müßten, wenn sie an den Bürgerschulen arbeiten wollen.

Nun gestatten Sie mir - und auch der Herr Referent wird mir es vielleicht gestatten - daß ich bei dieser Gelegenheit auf eine Frage zurückkomme, die sich nur indirekt mit der Bürgerschule befaßt, aber auch sehr wichtig ist, das ist die Frage der Bezirksschulinspektoren. Alle kennen Sie die Leiden dieser Gruppe von Personen, es wurde ihnen schon wiederholt eine Besserung versprochen. Trotzdem es sich nur um ungefähr 250 Personen im ganzen Staate handelt, hängen Sie mit ihrer Systemisierung als Staatsbeamte vollständig in der Luft, und gehen auch bei ihren Diäten und ihrem sonstigen Einkommen immer noch auf ein Gesetz vom Jahre 1873 zurück. Die Diäten wurden gegen den Stand von 1873 nur auf das 2 1/2fache erhöht, w ährend bekanntlich die Lebensmittelpreise bei uns nicht mit 2 1/2 bemessen werden können. Wenn der viel belastete Inspektor zu Fuß, ermüdet, besonders in den weiten Bezirken, die er durchwandern muß, in die Schule kommt, so kann er vor Müdigkeit kaum weiter und wenn er dann nachhause zurückkehrt, so warten auf ihn nöch seine Arbeiten im Bureau, die auch nicht' gering sind. Ich will nur einige hervorheben: Berichte, Meldungen, Statistiken, Qualifikationsbeschreibungen, Lehr- und Stundenpläne, Inspektionsberichte, Schulerrichtungen und Auflassungen, Anstellungen und Enthebungen, Ortsschulratpräliminare, Bibliotheken, Schulbücher u. s. w. Es hat unsere Gruppe schon vor länger er Zeit im Abgeordnetenhause urgiert, daß die Gesetzgebung auch dieser Kategorie ihre Aufmerksamkeit zuwendet und die Bezirksschulinspektoren mit in die Organisierung des Ganzen aufnimmt. Ich wiederhole es hier.

Im übrigen werde ich für das Gesetz, betreffend die Sprengelbürgerschulen, stimmen.