Wir wissen sogar, daß in der letzten Zeit die deutschen Burschenschaften, deren Kappe und Band von den Sudetendeutschen heute noch bei den Alten-Herrenabenden gerne getragen wird, ebenfalls der Gleichschaltung im, Dritten Reich weichen mußten. Im übrigen wundert es mich, daß die Herren von der Sudetendeutschen Partei ihre Meinung über das. heutige Deutschland so sehr verbergen. (Hluk.) Es wäre besser, wenn die Herren endlich einmal ihre Meinung über das Dritte Reich zum Ausdruck bringen wollten, wenn sie endlich einmal Schluß machen wollten mit der Taktik erbärmlicher Feigheit, die aus der Leipaer Rede Konrad Henleins sprach, der dort die feige Ausrede gebrauchte, er wisse nichts, was im Dritten Reiche-vorgeht. (Hluk a výkøiky.) So mancherlei Terrorakte geben uns bereits heute ein Bild davon, was den Sudetendeutschen zuteil würde, wenn der Feldzug Hitlers gelingen würde. Was den Sudetendeutschen auf. dem Gebiete der Volkswirtschaft zuteil würde, darüber erhalten wir Aufschluß, wenn wir nach dem Dritten Reiche blicken. Wir beklagen uns in der üechoslovakei mit Recht über die Herrschaft des Großkapitals, über die Herrschaft des Finanzkapitals. Aber in keinem Staate ist die Herrschaft des - Finanzkapitals so stark geworden, wie gerade im Dritt ten Reiche. Die Dividenden, die zur Auszahlung gelangen, sind heute höher, als in den Jahren 1932 und 1933. Die Tantiemen und die Gehälter der Aufsichtsräte der großen Gesellschaften und Industriekonzerne sind bedeutend gestiegen. Das geht aus den deutschen Zeitungen, aus den Berichten über die Industrieversammlungen usw. klar hervor. Ich habe hier als einen charakteristischen Beleg für die Wirtschaftsauffassung, die heute im Deutschen Reiche herrscht, wo man den arbeitenden Klassen die Abschaffung des Finanzkapitals, die Abschaffung der Zinsknechtschaft usw. versprochen hat, eine authentische Äußerung des Leiters der Kommission für Wirtschaftspolitik Bernhard Köhler in. Essen, der auf einer Kundgebung in dieser Stadt sich ausführlich über die staatliche Wirtschaftslenkung äußerte. Wir lesen über diese Kundgebung in der "Frankfurter Zeitungs: "Freie Wirtschaft, private Initiative, persönliche Verantwortung, sind nicht eine Forderung des Unternehmertums an uns, sondern unsere Forderung an das Unternehmertum." Also freie kapitalistische Wirtschaft! "Wir haben freie Wirtschaft versprochen und sind gewohnt, unsere Versprechungen zu halten." Das haben sie allerdings getan, das Versprechen mit der Zinsknechtschaft aber haben sie nicht gehalten. Dann heißt es, weiter: "Wem die Luft in dieser freien Wirtschaft zu scharf ist, der kann ja ausscheiden. An seine Stelle werden gehärtete und willensstärkere Naturen treten." Aus dem schwulstigen Stil des Dritten Reiches in gutes Deutsch übersetzt, heißt das: Wer es nicht aushält, den soll der Teufel holen, der Großkapitalist wird diesen scharfen Wind sclzon v ertragen. Weiter lesen wir: "Es wäre aber kindisch verkennen zu wollen, daß nicht nur Großbetriebe, sondern auch übertriebliche Zweckverbände mit wirtschaftlichen Autgaben notwendig sind, wenn die gewerbliche Arbeit vernünftig und vorteilhaft geleistet werden soll. Kartelle, Syndikate und andere Gebilde werden wir immer wieder haben." Auch die Abschaffung der Kartelle versprach man den arbeitenden Massen und Herr Bernhard Köhler sagt heute: "Eine krisenlose Volkswirtschaft kann selbstverständlich nicht das Ziel nüchterner Politik sein." Und zum Schlusse befaßt er sich ganz wie bei uns, wo man alles auf die Rationalisierung schiebt, ebenfalls mit dieser Frage, die tatsächlich ein gerütteltes Maß von Schuld an der heutigen Krise trägt. Nur mit dem Unterschiede, daß Bernhard Köhler mit Stolz verkündet "Heute schon beginnt die große Rationalisierung der Betriebe." So sieht die Wirtschaftspolitik des Dritten Reiches aus, mit der wir beglückt werden würden, wenn das Hitlerregime siegreich wäre. Was uns in diesem Falle auf dem Gebiete der Kultur erwartet, darüber sind nicht viel Wor te zu verlieren. Reaktionärer Rückschritt auf allen Gebieten, V ernichtung alter Kulturgüter und vor allem die Tendenz gegen den denkenden Menschen. Das ist keine übertreibung, sondern dieses Ziel ist verkörpert in dem Buch des deutschen Forschers Jäntsch, das den Titel trägt "Körperliche Formen, Wesensart und Rasse." Jäntsch nimmt in seinem Buche eine Klassifikation der Menschen vor und unter scheidet drei Typen: einen weichen empfindsamen Typ; den "denkenden Typ" und den Typ des kampffrohen Soldaten. überflüssig zu sagen, daß der "denkende Typ" der Typ der "Auflösung" ist. Denken bedeutet also Zersetzungund Auflösung. Der richtige Mensch für das Dritte Reich ist der Mensch, der nicht denkt. (Vykøiky: Dafür denkt einer für alle!) Wir sehen den geistigen Zusammenhalt zwischen dem Hitlerdeutschland und einem Teile unserer hiesigen Deutschen an einem Werbeplakat der Sudetendeutschen Partei. Auf diesem Werbeplakat sieht man eine Reihe von Men schen marschieren. Man sehe sich dieses Plakat nur genau an, wie der Zeichner, ein Künstler der Henlein-Partei, sich das Ideal des deutschen Menschen vorstellt. Nicht etwa frisch, froh und frei marschierende Menschen, sondern wie eine Schnur ausgerichtete Körper; jedes Bein und jede Zehe sind in gleicher Höhe, jedes Gesicht, jede Nase ist der des anderen gleichgerichtet und gleichgeschaltet. Das ist das Menschenideal des Dritten Reiches und unserer Sudetendeutschen Partei. Das ist die Aussicht, die uns erwartet, wenn Hitlers Feldzug auch gegen uns gelänge. Es handelt sich also hier nicht allein um eine Gefahr, die der deutsche Fascismus des heutigen deutschen Regimes für die kleinen Völker und ihre nationale Freiheit und Staatlichkeit bedeutet, die. uns als internationalen Kommunisten selbstverständlich ans Herz gewachsen ist; sondern die allergrößte Gefahr droht von dieser Seite dem deutschen Volke selbst. Ebenso wie die ungeheure Machtstellung des deutschen Imperialismus 1917 nach den Friedensverträgen von Bukarest und Brestlitowsk das deutsche Volk in die Katastrophe von Versailles hineingeführt hat, würde das Kriegsabenteuer, das das heutige deutsche Regime zur Verwirklichung seiner Kriegsziele vorbereitet, noch viel schlimmere Katastrophen für das deutsche Volk bringen. Aus dieser Katastrophe gibt es nur eine Rettung: daß diese Kriegsgefahr unter der Führung der Sowjetunion und der werktätigen Massen in allen Ländern, mit Hilfe aller Menschen, die den Frieden wollen, abgewendet werde, daß das deutsche Volk durch die Niederlage des heutigen deutschen Regimes zur brüderlichen demokratischen Zusammenarbeit mit den anderen Völkern geführt werde. (Souhlas a potlesk komunistických sendtorù.) Aus diesen Gründen ist die Politik des Außenministers. Dr Bene¹, die er in seinem Expose hier vertreten hat, nicht nur im Interesse der in der Èechoslovakei lebenden Deutschen, jsondern auch im Interesse des gesamten Deutschtums, wie diese Friedenspolitik - in internationalen Ausmaßen - im Interesse aller Völker gelegen ist.
Diese Politik bedarf aber der Mitwirkung aller Völker und der werktätigen Massen aller Völker, sowohl im Innern jedes Staates, wie auch im internationalen Zusammenwirken. Auch im Innern der üechoslovakei ist es notwendig, daß diese Politik gesichert werde durch die Unterstützung seitens aller Nationalitäten, auch der nationalen Minderheiten, und aus diesem Grunde haben wir die Pflicht, uns einzusetzen und dahinzuarbeiten, daß alles in der Èechoslovakei geschehe, um. den nationalen Minderheiten auch die Möglichkeit zu geben, diese Politik mitzumachen, um sie für diese Politik zu gewinnen.
Es ist richtig, wenn der Außenminister sagt, daß die Minoritätenpolitik der èechoslovakei den Vergleich mit der der Nachbarstaaten aushalten würde. Wir wissen, wie es den nationalen Minderheiten, also auch den Deutschen in Polen und in Ungarn geht, und wie wir hinzufügen, in Polen unter der Billigung des Dritten Reiches. Und nicht nur in Polen! Wir wissen, daß seinerzeit Hitler, bevor er zur Macht gelangt ist, als er noch in Freundschaft mit Mussolini lebte, ihm mit großer Geste die Deutschen Südtirols hingeschmissen hat: Da hast du sie, friß sie, wir haben nichts dagegen! In letzter Zeit, im Zeichen der Freundschaft zwischen Deutschland und Polen, hat die Nationalpartei in Polen, die eine Filiale der deutschen nationalsozialistischen Partei ist, bekanntlich für die polnische Regierung gestimmt, die zugleich die br utalste Politik gegen die Minderheiten und so auch gegen die Deutschen durchführt.
Es ist richtig, wenn gesagt wird, daß die Minderheitenverträge, die im Völkerbundpakte wie auch im Friedensvertrage von Versailles niedergelegt sind, den nationalen Minderheiten einen Schutz vor der allerärgsten Unterdrückung und vor der Entnationalisierung gewähren, und wir wollen auch nicht bezweifeln, daß diese Minderheitenverträge in der cechoslovakei besser als in anderen Staaten eingehalten werden. Aber wír müssen zugleich feststellen, daß das alles ungenügend ist und däß die üechoslovakei und ihre Regierung keinen Anlaß und das Recht haben, selbstzufrieden darauf zu pochen und dabei zu beharren: Wir halten die Minderheitenverträge ein und damit genug, es gibt keine Minderheitenfrage mehr bei uns!
Vor allem und an die Spitze jeder Minderheitenpolitik muß der Kampf gegen die Not im Wohngebiete der nationalen Minderheiten gestellt werden, vor allem gegen die Not im deutschen Gebiete. Die Not, die Arbeitslosigkeit, der Hunger im deutschen Gebiete sind die besten Verbündeten Hitlers in der Èechoslovakei, die besten Agitatoren Hitlers in der (Èechoslovakei. Ich möchte nur auf einiges aufmerksam machen. Wir alle sprechen davon und sind uns bewußt, was für eine furchtbare Gefahr besonders dem deutschen Gebiete in der Èechoslovakei im Falle eines Krieges droht. Aber ich frage Sie: Wie können Sie Menschen mit der Gefahr der Verwüstung durch den Krieg schrecken, die in Rothau, in Neudek, in Zwickau, in Heinersdorf sehen, wie Betriebe mitten im tiefsten Frieden zu Ruinen geworden sind, wie Betriebe, wie der Riesenbetrieb Heintschel in Heinersdorf, wie alte Burgruinen aus dem Mittelalter aussehen? Diese Verwüstungen sind das beste Gegenmittel gegen unsere Agitation gegen die Kriegsgefahr. Wie wollen Sie Menschen zur Agitation gegen den Krieg dadurch gewinnen, daß Sie ihnen die Kriegswirtschaft in Deutschland vor Augen führen, die Not an Butter und Fleisch usZvA Glauben Sie, daß man damit einwirken kann auf Menschen - und das ist der Großteil der deutschen Bevölkerung in der üechoslovakei - die überhaupt nicht mehr wissen, wie Butter und Fleisch schmeckt? Das macht keinen Eindruck auf diese Menschen! Wenn von Kriegsindustrie und von Zwangsarbeit in Deutschland, und mit Recht, gesprochen wird, so macht das keinen entsprechenden Eindruck auf Menschen, die schon fünf und sechs Jahre ohne jede Arbeit und die in eine Verzweiflungsstimmung geraten sind und denen es vollständig egal ist, was für eine Arbeit sie kriegen, wenn sie nur eine Arbeit bekommen. Eben diese Verzweiflungsstimmung ist der beste Verbündete der Kriegstreiber, aus der heraus die Menschen nicht mit Recht, sehr mit Unrecht, aber begreiflicherweise sich sagen: Ärger kann es nicht werden; besser, gleich im Kriege umkommen, als langsam verhungern. Das ist eine größere Gefahr als alle anderen Gefahren, die uns hir seitens des Dritten Reiches drohen.
Außerdem ist die persönliche Gleichberechtigung aller Staatsbürger, die wir als Angehörigeder nationalen Minderheiten besitzen, nicht ausreichend, um die nationalen Minderheiten zufriedenzustellen. Eine wirkliche Befriedigung kann es nur geben aufgrund der währhaften Gleichberechtigung der Nationen selbst und ihrer Sprache, durch die Beseitigung des Zustandes, der verfassungsgemäß die Nationen einteilt in Nationen vollen Rechtes und in Nationen minderen Rechtes, die Staatsnationen und die Minderheitsnationen. In dieser Richtung muß die Befriedigung der nationalen Minderheiten der üechoslovakei erfolgen, damit die friedliche Politik unserer Außenpolitik auch in den breiten Massen der nationalen Minderheiten eine wirkliche Stütze findet. Dieses Minderheitenrecht findet seinen Ausdruck überall, es findet seinen Ausdruck in der Anwendung der Sprache, in der Besetzung der staatlichen Ämter, in der Besetzung der Posten bei Eisenbahn, Post usw. Selbstverständlich wissen wir ganz genau, daß es keine Verteidigung der demokratischen Rechte und Freiheiten wäre, wenn fascistische Elemente in den Staatsdienst aufgenommen würden. Aber dieser Grundsatz muß ebenfalls für die Angehörigen aller Nationen im Staate gelten, nicht nur kein Deutscher und kein Ungar, sondern auch kein èechischer und slovakischer Fascist dürfte im Staatsapparat eines Staates aufgenommen werden, der sich die Verteidigung und Wahrung der Demokratie zur Aufgabe gestellt hat. Dieses Regime wird noch durch verschiedene Einzelheiten verschärft, so z. B. dadurch, wenn Beamte in das deutsche Gebiet versetzt werden, die nicht einmal imstande sind, sich mit derAeutschen Bevölkerung zu verständigen und die einen Dolmetsch herbeirufen müssen, wenn sie mit ihnen reden wollen. Verschärft wird dieser Zustand auch durch die Hetze in einem großen Teil der èechischen Presse, leder auch manchmal in solchen Blättern, die sich sozialistisch nennen, vor allem aber durch die Tendenz, die man in der èechischen Presse sehr oft findet, einfach alle Deutschen mit der fascistischen Führung der Sudetendeutschen Partei in einen Topf zu werfen. Es muß hier erklärt werden und wenn Sie das nicht zur Kenntnis nehmen wollen, wenn Sie einen Mißgriff machen wollen, werden Sie die Verhältnisse im deutschen Gebiet nur verschärfen - es ist falsch, anzunehmen, daß alle Wähler und Mitglieder der Sudetendeutschen Partei Fascisten und Exponenten des III. Reiches seien. Es gibt eine große Masse dieser Leute, die mit dieser Politik nichts zu tun haben, die aus anderen Gründen zu dieser Partei gekommen sind; ganz abgesehen davon, daß Artikel in der èechischen Presse erscheinen, in denen von fascistischen Tendenzen gesprochen und einfach gesagt wird "die Deutschen in unserer Republik", ohne irgendwie einen Unterschied zu machen zwischen den Parteien und den politischen Richtungen in einer und derselben Partei, wie in der Sudetendeutschen Partei.
Auch der Schrei nach mehr Gendarmerie und Polizei wird durchaus nicht die politische Krise im deutschen Gebiete mildern, und es ist auch kein Stein zum Aufbau eines Zusammenlebens im Staate, wenn in einer sozialistisch sein wollenden Zeitung, im "A-Zet", ein Herr Pangräc fulminante Artikel schreibt, daß Ehen von Üechen im deutschen Gebiet mit deutschen Frauen verboten werden sollten. Das ist, mit Verlaub zu sagen, schon der Standpunkt Hitlers, nur daß es nicht mehr Rassenpolitik ist, sondern eine Politik, die auch zwischen den verschiedenen Nationalitäten angewendet wird, die nach der Rassentheorie derselben Rasse angehören. Auf der anderen Seite sehen wir, daßdort, wo eingegriffen-werden sollte, nicht eingegriffen wird. Wir sehen dies bei der Verfolgung von wirklichen und angeblichen Verbrechen und Anschlägen gegen die Republik gegenüber der 'fäscistischen Bewegung im deutschen Gebiet. Es werden meist die Kleinen herausgesucht, díe verführt worden sind und man wendet auch hier das Prinzip än Die kleinen Diebe hängt man, die großen läßt man laufen. Wir sehen direkt eine Prötegierung gerade der fascistischen Elemente. Ich will zwei Beispiele anführen. Das eine berührt das Ressort des Justizministeriums. Ich verweise auf den Fall Jung und Schubert, die nur durch die äußerste Liberalität des Justizministeriums dem Gerichte ent gehen konnten. Ich verweise auf die Begnadigung des Herrn Kasper, der im Volksspoortprozeß verwickelt wär; der heute seine Begnadigung dazu ausnützt, um als Redner der Sudetendeutschen Partei herumzureisen. Das steht im schroffen Gegensatz zur Behandlung unserer Genossen Gottwald, ©tìtka und anderer Kommunisten. Ich möchte ein Beispiel aus dem Ressort des Finanzministers anführen. In allen Trafiken und auf allen Bahnhöfen der Republik, auch in Prag, wird nicht nur die èechische, sonder n auch die deutsche fascistische Presse "Zeit", "Rundschau" usw. verkauft, aber das "Rude právo", "Die Rote Fahne" und andere kommünistische Zeitungen sind vom Verkauf von dieser Seite ausgeschlossen. Wenn däs aüf dem Gebiete des Kampfes gegen den Fascismus unter der Verantwortung eines soziäldemokratischen Ministers geschieht, dänn glaube ich, wäre es hoch an der Zeit, daß in dieser Hinsicht Remedur geschaffen werde. Ein wirklicher Kampf gegen den Fascismus, gegen die Agenten des III. Reiches in der üechoslovakei wird nur geführt werden müssen als Kampf für Arbeit und Brot und für eine gründliche Fürsorge für die Arbeitslosen und vor allem für die Jugend. Das wird der schwerste Schlag gegen alle fascistischen Tendenzen sein, wenn Sie erstens den Leuten Arbeit verschaffen und den Arbeitslosen äuch eine anständige Unterstützung gewähren, und wenn Sie verhindern, daß die Jugend verelendet und verzweifelt; wenn Sie zweitens ausgiebige Hilfe an die Staatsverwaltung, an die Gemeinden, auch eine Hilfe für die im deutschen Gebiet in Massen zugrundegegangen, Kleingewerbetreibenden, Kleinbauern und stellungslosen Intelektuellen gewähren, die in ihrer Verzweiflung das beste Reservoir der fascistischen Bewegung sind; drittens der Kampf für die nationale Gleichberechtigung, der Kampf für die politische Freiheit. Das wären die Punkte, auf Grund deren am gründlichsten und sichersten der Kampf gegen die fascistische Gefahr zu führen wäre. Wir sehen das auch in den einzelnen Fragen; das unwürdige Theater, das um die Frage einer deutschen Radiostation geführt wird. Dieses Hin und Her trägt nicht dazu bei, das Ansehen eines demokratischen Stäates in der Bevölkerung zu heben.
Um eine solche Politik der Sicherung der demokratischen Rechte und Freiheiten, der Sicherung der Republik, um eine solche Politik des Kampfes gegen den Fascismus durchzusetzen, ist es notwendig - daß die Bourgeoisie in diesem Kampfe eine Hilfe sein wird, ist sehr zu bezweifeln - daß die werktätigen Massen aller Nationen zusammenstehen, daß sie alle nationalen, politischen und religiösen Meinungsverschiedenheiten zurückstellen und sich zusammenschließen, um die fascistische und die Kriegsgefahr zu bannen. Wir wissen, daß selbstverständlich zwischen den verschiedenen Richtungen und Parteien, die ihre Anhänger in der werktätigen Bevölkerung haben, Differenzen prinzipieller und taktischer Natur bestehen, Differenzen darüber, welches der letzte Weg sein wird, um aus der Ausbeutung und aus der Unterdrückung herauszukommen. Aber in der jetzigen Stunde droht der Fascismus, droht ein neuer Krieg, uns auch den allernächsten Schritt nach Vorwärts unmöglich zu machen, bedroht uns, daß wir zurückgeworfen werden. Darum müssen wir, egal, wie wir uns die weitere Entwicklung vorstellen, die Gefahr des Fascismus und des Krieges zu bannen, um überhaupt eine Entwicklung zu ermöglichen, die Diskussion über alle Streitfragen in diesem Augenblick zurückstellen. Denn schließlich und endlich, wenn wir das nicht tun, dann wird uns allen, ob Deutschen oder Èechen, ob Sozialdemokraten oder Kommunisten, ob Juden,, Christen, Konfessionslosen oder Atheisten schließlich das Schicksal zuteil werden, daß wir über die uns heute trennenden Fragen einmal im Massengrab oder im Konzentrationslager diskutieren können. Der Zusammenschluß aller werktätigen Klassen ist eine unbedingte Notwendigkeit. Alle, die wirklich aus innerster überzeugung für die Demokratie sind, die wirklich den Frieden wollen und den Fascismus bekämpfen w ollen, müssen sich zusammenschließen. Das ist auch notwendig, um die Außenpolitik durchzusetzen, die Herr Minister Benes uns hier vorgetragen hat. Um das von Benes gestellte Ziel zu erreichen, ist es notwendig, die Politik unseres Außenministers wirklich und tatkräftig zu stützen. Trotz der Versicherung des Herrn Ministers, daß er in seinem Optimismus sozusagen ein Stück seiner Berufstätigkeit erblickt, trotzdem kann ich mich nicht enthalLen zu sagen, daß wir nicht so optimistisch sind wie der Herr Minister. Ich würde es aber sehr aufrichtig begrüßen, wenn in diesem Falle der Herr Minister und nicht wir recht behalten. Aber die heutigen Verhältnisse scheinen leider diesem Optimismus nicht recht zu geben, und zwar sowohl in der Hinsicht auf die Sicherheit des Friedens in der Außenpolitik, als auch hinsichtlich der inneren Verhältnisse.
Wir haben hier heute auch die Erklärung eines neuen Ministerpräsidenten zur Kenntnis genommen. Der neue Herr Ministerpräsident hat erklärt, daß an der bisherigen Regierungspolitik keine Änderung vorgenommen wird. Aber wir nehmen diese Erklärung mit großem Mißtrauen auf. Wir glauben nicht, daß unter der Führung der neuen Regierung wirklich die bisherige Politik fortgeführt w erden wird, ohne daß wir damit sagen wollen, daß diese bisherige Politik der Regierung richtig gewesen wäre. Wir haben im Gegenteil die starke Befürchtung, daß dieser Wechsel in der Ministerpräsidentschaft und daß die Umstände, unter denen dieser Wechsel vorgenommen wurde, die Gefahr in sich birgt, daß der Kurs der inneren Politik der Regierung nach rechts gehen wird. über die innere Politik wollen. wir heute nicht sprechen, aber dieser Kurs ist auch gefährlich für die Außenpolitik. Der neue Herr Ministerpräsident kommt aus einem Lager, das nicht der politischen Konzeption entspricht, die der Herr Außenminister Dr Bene¹ in seinem Exposz festgelegt hat. Seine politische Vergangenheit ist übrigens sehr bedenklich und wir können nicht glauben, daß Konopischt eine Vorschule für die Friedenspolitik bedeutet, und eine Vorschule der nationalen Befreiung ist, und wir können auch nicht daran glauben, daß die Mitarbeit Hod¾a s für den Nachrichtendienst des Armeeoberkommandos im sehr alten österreich, wo Hodza in dem sogenannten gemeinsamen Zentralnachweisbureau unter besonderer Verwendung gegen die èechoslovakischen Legionäre gearbeitet hat, ihn für sein neues Amt besonders befähigt. Hodza hat in diesem Amt mit besonderer Verwendung gegen die èechoslovakischen Legionäre gearbeitet. Er war ein Soldat. Sehr richtig. Aber in einer Zeitung las ich dieser Tage, daß er sich ins Pressequartier hinausgerettet hat. Einem Soldaten kann man keinen Vorwurf machen, wenn er am Kriege an der Front teilnimmt. Man kann ihm auch keinen Vorwurf machen, wenn es ihm gelingt, aus der Front herauszukommen. Wenn er aber Briefe der russischen Kriegsgefangenen durchstöbert, oder Material, gegen die èechoslovakischen Legionäre sammelt, um darüber Bericht zu erstatten, dafür ist er dann verantwortlich. Mir liegt hier ein Buch vor: "Kriegs und Industriespionage, 12 Jahre Kundschafterdienst." Sein Verfasser ist Generalmajor Max Ronge. Das Buch ist in Amalthea-Verlag Zürich, Leipzig und Wien erschienen. Das Erscheinungsjahr des Büches ist 1932. Major Ronge war der letzte Chef des Nächrichtendienstes der alten Armee und in diesem Buche lesen wir: "Bezeichnend für die Mittel, mit welchen unsere Kriegsgefangenen in die Legionen gepreßt wurden, sind die von Dr Milan Hod¾a bei der Zensur im. gemeinsamen Zentralnachweisbureau gemachten Beobachtungen, die er am 5. Juli 1918 in einem Bericht niederlegte. (Ministr dr Derer: Hod¾a nebol ani v èeskej, ani v slovenskej ani v chorvatskej cenzuøe!) Es wird, schrieb ein Kriegsgefangener, mit uns Slaven hier eine große Schweinerei getrieben. Man z`vingt uns gegen unser Vaterland zu kämpfen." Ähnliche Äußerungen kehrten in der Körrespondenz immer wieder. Nicht nur patriotische Entrüstung, sondern auch politische Ernüchterung gegenüber der Entente kommen vielfach zum Ausdruck. "Ein Skan dal, daß sie nicht ohne Kriegsgefangene siegen können." Sehr beschwerten sich die Slovaken, die engeren Landsleute Hodzas, mit welchen brutalen Mitteln die Öechen sie zur Legion nötigten.