Pøíloha k tìsnopisecké zprávì

o 286. schùzi senátu Národního shromá¾dìní republiky Èeskoslovenské

v Praze ve støedu dne 19. prosince 1934.

1. Podrobný výèet jmen pøi hlasování o osnovì zákona tisk 1421.

>Ano< hlasovali senátoøi: dr Baèinský, Berkovec, dr in¾. Botto, Curkanoviè, Èasný, Èerný, Danko, Donát, Dresler, Eichhorn, dr Farkas, dr Feierfeil, Filipínský, Foit, Goth, dr Havelka, Havlena, in¾. Havlín, Havránek, dr Heller, dr Hilgenreiner, dr Halitscher, Horák, Hrubý, Hubka, Johanis, Jokl, Just, dr Kapras, Kahler, dr Karas, Karpí¹ková, Kianièka, dr Klouda, Kopøíva, Kostka, Kotrba, in¾. Koubek, Koukal, dr Krno, Kroiher, Køí¾, Lichtneckert, Lippert, Luksch, in¾. Maru¹ák, Merta, Mìchura, dr Milota, Modráèek, Navrátil, Nentvich, A. Novák, Fr. Novák (lid.), Fr. Novák (rep.), Olejník, Palme, Pánek, Pavelka, Petøík, Pichl, Plamínková, Pocisk, Polach, dr Rehák, Rejmon, Reyzl, Riedl, dr Rozko¹ný, Sechtr, Sláma, Spies, Stodola, Stolberg, Stöhr, Str¾il, Schacková, Scholz Ad., Scholz Fr., ©achl, ©elmec, ©imek, ©olc, dr ©robár, ©tastný, Thoø, Tichi, Trnobranský, Vanìèek, dr Veselý, Votruba, in¾. Winter, dr Witt, Zimák, dr ®i¹ka.

>Ne< hlasovali senátoøi: Janèek, Janík, Jílek, dr Kovalik, J. Krejèí, Rovòan, ©abata.

2. Øeè sen. Stöhra.

Hoher Senat! Die in Behandlung stehende Militärvorlage stellt - dafür könnten wohl Argumente welche etwa das Gegenteil beweisen wollten, kaum mit Erfolg erbracht werden - ganz wesentlich erhöhte Anforderungen an die Wirtschaft des Staates und damit auch an unsere Landwirtschaft schwer erfüllbare Forderungen. Wenn nun unsere Landwirtschaft diese neuen vermehrten Lasten pflichtgemäss auf sich nimmt, obwohl die ihr bisher auferlegten Lasten den Kampf um ihre Existenz schon mehr als hen, so liefert sie damit neuernings den Beweis, dass sie bestrebt ist, ih- ren Pflichteten Staate gegenüber in jeder Weise gerecht zu werden. Wenn sie hiebei die Forderung stellt, dass ihr seitens der Regierung auch jene Unterstützung in ihrem so schweren Kampfe um die Erhaltung ihrer Existenz zuteil wird, die ihr zuteil werden muss, dann muss man ihre Stellungnahme bei der Verfechtung ihrer Interessen als vollauf gerechtfertigt anerkennen, soll sie diesen Kampf auch bestehen können.

Bedauernswert ist es, dass bei dieser Vorlage bezüglich der Frage des Kontingentes der Ersatzreserve nicht im Sinne der von uns gestellten Forderungen entsprochen wurde: Für unsere Landwirtschaft spielt diese Frage eine sehr grosse Rolle. Wir wissen, wie schwer es fällt, einen Anspruchsberechtigten nach dessen erfolgter Einrückung zur aktiven Dienstleistung in die Ersatzreserve umreinen zu lassen. Auch hier wäre wohl eine liberale Auslegung des Gesetzes dringendst geboten.

Dem anwesenden Herrn Minister für nationale Verteidigung unterbreite ich diese Bitte und ersuche ihn um deren wohlwollendste Behandlung. Bezüglich des Einrückungstermines der Ersatzreservisten stehen wir auf dem Standpunkte, dass dieser Termin auf den 1. Feber festgesetzt wird, damit diese Leute zur Zeit der Ernte wieder zuhause sein können.

Heute, wo man sich endlich notgedrungen mit dem Schuldenregelungsproblem für unsere Landwirtschaft ernstlich zu befassen bemüssigt sieht, wird insbesondere von jenen Schichten Sturm gegen die Lösung dieses Problems gelaufen, welche eigentlich als die direkten Schuldtragenden der Ueberschuldung unserer Landwirtschaft zu betrachten und zu bezeichnen sind. Ich vertrete diesbezüglich die Auffassung, dass all den anderen das Recht auf irgendwelche Einflussnahme zu dem landwirtschaftlichen Schuldenregelungsproblem von Haus aus genommen werden muss. Mir und uns allen kann es bei der Lösung dieses Problems mehr oder weniger gleichgiltig sein, ob z. B. der Vertreter des internationalen Grosskapitals und der internationalen Grossindustrie, der Chauvinist Abg. Dr. Hodáè und seine so sauberen Hintermänner, auf oder niederspringen und ob Abg. Hodáè bei der Verfechtung der versteckten Interessen dieser Machtgruppen selbst die Prager Gasse mobilisiert und dabei direkt mit dem Feuer spielt. Ich halte mir stets das altbekannte Sprichwort vor Augen, welches besagt, dass unser Herrgott selbst der Ziege den Schwanz nicht zu lange wachsen lässt und dass heute zu jeder Hacke der passende Stiel gefunden werden muss, wenn man sich bestrebt, diesen Stiel auch zu finden.

Der >Prager Börsen-Courier< vom 23. November 1934 sagt in seinem Leitartikel, dass unter dem Deckmantel einer staatlichen Planwirtschaft und unter Berufung auf das Ermächtigungsgesetz sich unsere Bürokratie in der letzten Zeit manchen bedenklichen Vorstoss erlaubte, den sie früher nicht zu riskieren wagte. Deshalb sei es gut, dass die öffentliche Diskussion über den vom Landwirtschaftsministerium ausgearbeiteten landwirtschaftlichen Entschuldugsplan diesen zu Fall brachte. Das erwähnte Blatt bemerkt weiters, dass die Artikel im >Prager BörsenCourier< das Ihrige zu diesem zufallbringen beigetragen haben. Aus diesem Beispiel ersehen wir, wer alles sich heute schon um die Interessen unserer Landwirtschaft so fürsorglich kümmert. Der >Prager Börsen-Courier< frohlockt, dass er angeblich dazu beizutragen vermochte, dass der von unserem Landwirtschaftsministerium ausgearbeitete Antrag über die Regelung der Schulden unserer Landwirtschaft zu Fall kam. Es sei von dieser Stelle aus bemerkt, dass unser Landwirtschaftsministerium einen neuen landwirt schaftlichen Entschuldungs-, bezw. Schuldenregelungsantrag vor ganz wenigen Tagen im Ministerrat eingebracht hat und dass, wie ich schon früher von dieser Stelle aus bemerkte, der Stein ins Rollen gebracht wurde und dass ihn in diesem seinem Weiterrollen keine noch so grosse Gegnerschaft und auch selbst der Herr Chefredakteur des >Prager BörsenCouriers< nicht aufzuhalten imstande sein wird, wenngleich dieser Herr täglich noch zehn so einfältige Artikel gegen die landwirtechaftliche Schuldenregelung loslassen würde. Es sei diesem Herrn aber ganz ernstlich gesagt und dabei der gute und wohlgemeinte Rat gegeben, den Bogen nicht allzu straff spannen zu wollen, da wir Bauern auch zu dieser Hacke, wenn es notwendig sein müsste, den richtigen Stiel finden würden.

Bezüglich unserer Wirtschaft bemerke ich Folgendes: Wir hatten nach dem Umsturze eine Zeit der wirtschaftlichen Blüte zu verzeichnen, welche sich aber leider nur als Scheinblüte erwies. Der ihr gefolgte ganz allgemeine Konjunkturzusammenbruch zeitigte derart schwere Folgen, dass wir uns von ihnen bis heute noch nicht zu erholen vermochten. Der Industrieabsatz stockt allenthalben; überall Ueberfüllung, Ueberproduktion und Verstopfung der Weltmärkte. Jedes Land war bestrebt, sich mit Regierungsmassnahmen irgendwie aus der Wirtschaftskrise und der Not zu retten. Ueberall stiegen die Zahlen der Arbeitslosen rapid an, überall sank die Kaufkraft der breiten Massen der Bevölkerung und überall stiegen die innerpolitischen Spannungen. Die Schornsteine der Industrie haben mehr und mehr zu rauchen aufgehört. Das Ausland, in denselben Nöten, schliesst von Monat zu Monat seine Tore unserem Absatz. Wir Landwirte wissen genau, welchen ungünstigen Einfluss die Arbeitslosigkeit so grosser Massen auf unsere landwirtschaftliche Produktion auszuüben vermag und auch bisher auszuüben vermochte. Unsere Landwirtschaft, die durch Steuern und Abgaben, durch soziale Lasten und ganz besonders durch den grossen Zinsendienst für Leihkapital überlastet ist, kann in Anbetracht dieser Umstände unter ein gewisses Mass der Produktionsverbilligung doch keinesfall heruntergehen.

Ganz allgemein hört man, dass die alleinige Rettung aus dem herrschenden Chaos im Interessenausgleich der Völker und in der Verständigung der Staaten untereinander liege. Es ist gewiss richtig, dass sich diese Erkenntnis und Notwendigkeit irgendwann einmal wird auch durchsetzen müssen. Da aber derartige Entwicklungen lange Zeit brauchen bezw. dauern, wir Landwirte aber auf diese Zeit in Anbetracht der herrschenden Not nicht warten können, weil wir bis zu dieser Zeit schon längst zugrunde gegangen wären, müssen wir von unserer Regierung die Erlassung von solchen Massnahmen zum Schutze unserer Landwirtschaft fordern, welche dieser unserer Landwirtschaft auch endlich wirkliche positive Hilfe zu bringen vermögen. Die Wege, die wir Landwirte hiebei zu gehen haben werden, sie werden uns weder von der oder jener Berufsgruppe noch von einer politischen Partei aufgezeigt werden können; den richtigen Weg werden wir Bauern uns schon selbst suchen müssen und ich bin der felsenfesten Ueberzeugung, dass unsere Landwirtschaft unter der Führung unseres derzeitigen Landwirtschaftsministers Dr. Hod¾a diesen richtigen Weg auch finden wird.

Wir dürfen uns aber nicht mehr allzulange um die Frage des Wegauffindens herumstreiten; wir müssen so rasch als möglich einen Weg betreten und unentwegt weiter auf diesem marschieren; sollte es sich zeigen, dass wir bei dem Betreten dieses Weges vielleicht nicht zur festgesetzten oder vorgesehenen Zeit das gesteckte Ziel zu erreichen vermöchten, dann muss eben dieser Weg geändert werden. Für mich ist vorderhand das Marschieren die Hauptsache, damit das Ziel so rasch als möglich erreicht wird.

Wir müssen uns weiters vor Augen halten, dass je mehr die anderen Länder sich gegen unseren Export verschliessen, desto mehr wir unser Augenmerk dem Binnenmarkte zuwenden müssen, und zwar ganz einerlei, ob dies der A oder B in seiner bornierten Auffassung will oder nicht.

Das Rückgrat unseres Binnenmarktes war, ist und bleibt unsere Landwirtschaft. An dieser unumstösslichen Tatsache muss festgehalten werden. Der Staatsmann und Politiker, der nicht erkennnen wolte, dass in der heimischen Landwirtschaft die Grundlage zum Wiederaufbau und zur Wiedergesundung unserer Volkswirtschaft zu suchen ist, würde sich schwer, ja sehr schwer an unserer Volkswirtschaft versündigen und würde seiner Aufgabe niemals gerecht zu werden vermögen. Wir brauchen eine planmässige Wirtschaftsführung durch den Einfluss des Staates und stehen ohne Zweifel in einem viel tiefer greifenden Zeitwandel, als die Gegenwart es bis heute schon zu erkennen vermochte. Tatsache ist, dass der reine Privatkapitalismus in seiner ungeheueren Wirkungsmöglichkeit der Vorkriegszeit, das liberalistische Wirtschaftssystem, auf der ganzen Linie abgewirtschaftet hat. Wir haben meines Erachtens nur dafür zu sorgen, dass man nicht nach der Seite des starren Sozialismus hin so weit getrieben wird, dass die Schaffenskraft der handelnden Einzelpersöhnlichkeit zuweit eingeengt wird, was schlecht und falsch wäre, da doch nur auf der Schaffenskraft der Einzelpersöhnlichkeit der wirtschaftliche Aufstieg erfolgen kaum.

Wir können bezüglich unserer Landwirtschaft mit gewissem Stolze behaupten, dass sie ackertechnisch auf höchster Stufe steht, dass sie viehzüchterisch grosse Fortschritte aufzuzeigen hat, dass sie selbst in einzelnen Betriebszweigen an allererster Stelle in der Welt steht, wie z. B. beim Hopfenbau, dass sie aber leider auf dem Gebiete des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens, des landwirtschaftlichen Kreditwesens und der landwirtschaftlichen Organisation noch viel nachzuholen hat, dass sie aber auch kaufmännisch blutwenig geschult ist. Die nach dem Kriege durchgeführten vielen, zum Teil allzu vielen und allzu grossen Investitionen, die vielfach übertriebene Modernisierung der landwirtschaftlichen Betriebe, die übertriebenen Intensivierungen, meist vorgenommen mit zum Grossteil teuerem Leihkapital, geben Zeugnis dafür, dass die kaufmännische Schulung des Grossteiles unserer Landwirte viel, ja sehr viel zu wünschen übrig lässt. Die vielen Neuerungen wurden meist ganz vorbehaltlos auf Grund gewissenlosester Anpreisung und überschwenglicher Reklame von unserer Landwirtschaft aufgenommen. Man rationalisierte und wollte vielfach den Menschen durch die scheinbar billigere - in Wirklichkeit aber so teuere - Maschine er setzen. Man glaubte, auf diese Weise kaufmännisch zu arbeiten und hat bei dieser Gelegenheit leider das Gegenteil gemacht, hat das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

Es wurde weiters x. B. viel zu einseitig der Anbau derjenigen Produkte gefördert, welche die meisten Einnahmen versprachen. Hatten bei uns z. B. in einem Gebiete in einem Jahre einige Krautpflanzer mit dieser Produktion ein Konjunkturjahr zu verzeichnen, im folgenden Jahre haben sich gleich um X % mehr Landwirte in diesem Gebiete und auch in anderen Gebieten, die sich für den Krautbau aber von Haus aus gar nicht einmal eigneten, Kraut angebaut. Das Fazit war, dass das Kraut dann selbst unter Schundpreisen nicht an den Mann zu bringen war. Ganz ähnlich war es mit dem feldmässigen Anbau der Zwiebeln und mit dem anderen Gemüse, es trat die Zeit ein, wo für die Zwiebel kein Käufer selbst unter Schundpreisen zu finden war und wo die Zwiebeln vom Bauern einfach am Felde liegen gelassen und eingeackert oder zur Kompostbereitung verwendet wurden. Ich könnte auch bezüglich der Hopfenproduktion über das gleiche Ergebnis einer planlosen Produktion sprechen, ich könnte auch in gleicher Weise über die Schweineproduktion der letzten Jahre sprechen, immer die gleiche Geschichte, das gleiche Resultat, die gleichen Fehler und Sünden, bei welchen Fehlern und Sünden aber unseren Landwirten ein Teil der Schuld selbst beizumessen ist. Deshalb unterstreiche ich nochmals den von mir vor. hin bereits gemachten Hinweis, dass wir eine planmässige Wirtschaftsführung durch den Staat und eine gewisse Einflussnahme des Staates auf die Regelung der Wirtschaft dringend brauchen.

Ich vertrete die Auffassung, dass mir als werktätigem Landwirt selbst die allergrösste wirtschaftliche Freiheit heute nichts nützt und nichts hilft, wenn ich bei dieser vermeintlichen goldenen Freiheit schliesslich und endlich doch um Haus und Hof kommen muss, wenn diese Freiheit eigentlich doch keine Freiheit im wahren Sinne des Wortes ist. Wenn bei aller dieser sogenannten Freiheit mir z. B. von der Börse in Liverpool oder von irgendwo her die Preise für den von mir produzierten Weizen, für den von mir produzierten Roggen u. s. w. vorgeschrieben werden, mir der Lohn für meine Arbeit einfach von fremder Seite und fremder Macht diktiert wird, dann bedanke ich mich ganz ergebenst für eine solche Freiheit. Derartige Zustände lassen sich mit dem Hinweis auf Preisregelung durch Angebot und Nachfrage als ehernes Gesetz oder mit dem Hinweis auf das freie Spiel der Kräfte nicht weiter aufrecht erhalten mit all diesen Auffassungen und Anschauungen, welche mit dem liberalistischen Wirtschaftssystem gar so innig verknüpft waren und mit denen das internationale Grosskapital und die Spekulation die Bauern der ganzen Welt in Fesseln schlug und bis zum letzten Blutstropfen ausbeutete, jenes Gaunertum, das nie säte, aber immer reichlich erntete, das eigentlich nie faktische Arbeit leistete, dafür aber all die anderen recht fleissig schuften und rackern und dafür schmachten und notleiden liess. Diesem Gaunertum, das so grossen, scheinbar unbegrenzten Einfluss überall zu gewinnen vermochte, muss endlich das Handwerk gelegt werden. Es muss von der Bildfläche verachwinden und mit ihm auch jene Faktoren, welche bisher in so überaus geschickter Form es verstanden haben, die meist dunklen Geschäfte dieser Sippschaft zu fördern und zu schützen.

Es bedeutet für uns Landwirte einen mehr als schwachen Trost, wenn man z. B. darauf verweist, dass es auch unseren Berufsgenossen in anderen Ländern nicht besser gehe, ja dass es diesen sogar noch erheblich schlechter gehen soll als uns. Für jenen Bauer, der um seine letzte wirtschaftliche Existenzmöglichkeit ringt; bedeutet dieser Trost und Hinweis so viel wie nichts, weil ihm mit diesem Hinweis und Trost eine Sicherung seiner Existenz nicht gewährleistet wird.

Bei unserer Landwirtschaft sind wir heute dort angelangt, wo es dem einzelnen nicht mehr möglich ist, aus sich heraus und durch sich selbst alle jene Lasten zu tragen, welche ihm in so hohem Masse auferlegt sind. Die Landwirtschaft benötigt dermalen so dringend der Hilfe, weil die eigene Macht und Kraft für die Erfüllung all der so schweren Verpflichtungen nicht mehr ausreicht. Aus Gründen der Selbsterhaltung und aus klugen. politischen Erwägungen heraus wird sich unsere Regierung entschliessen müssen, hier ehetunlichst helfend einzugreifen.

Die Ernten der letzten Jahre waren stets sehr schnell ausverkauft, leider ausverkauft unter Preisen, welche nur einen Bruchteil der eigenen Produktionskosten erbrachten. Der Erlös reichte auf keiner Seite; der Landwirt konnte seinen ihm auferlegten Verpflichtungen nicht wie einstens 100 %ig gerecht werden und blieb trotz allen guten und besten Willens mit der Erfüllung eines Teiles seiner Verpflichtungen im Rückstande, im Verzuge. Welche Folgen dieses >in Verzugbleiben< hatte, davon kann der Grossteil unserer Landwirte ein gar vielstrophiges Lied singen. Der Gerichtsvollzieher wurde der ständige Gast in unseren Dörfern und Bauernhütten und Zwangsversteigerungen von landwirtschaftlichem Zubehör und Erzeugnissen und selbst von ganzen bäuerlichen Liegenschaften standen auf der Tagesordnung. Bei dieser Art des Wechsels des Besitzers der bäuerlichen Wirtschaft handelte es sich aber nicht mehr um eine Wanderung des Bodens in die Hände des besseren Wirtes, sondern um die Wanderung des Bodens zum Inhaber der ersten Hypothek. Dass die Grosszahl aller Gläubiger hiebei mit ihren Forcierungen ins Bodenlose fiel, bzw. bei den herrschenden Verhältnissen ins Bodenlose fallen musste, das sei nur nebenbei bemerkt. Wie die Verhältnisse heute bei uns liegen, ist eines sicher: Jene Beträge, die der Staat aus eigenen Mitteln zur Lösung des landwirtschaftlichen Schuldenregelungsproblems wird erbringen müssen, diese Beträge werden nicht nur unserer überschuldeten Landwirtschaft die notwendige Hilfe bringen, es werden diese Zuwendungen aber auch unserer gesamten Wirtschaft eine recht merklich fühlbare Hilfe bringen.

Unsere Auffassung wegen dieser Hilfeleistung durch den Staat ist folgende: Nur verrannte Parteipolitik oder völlige Verkennung von Seiten der Gläubigerschaft könnte bestreiten wollen, dass durch die Lösung des landwirtschaftlichen Schuldenregelungsproblems nicht auch unserer gesamten Wirtschaft Hilfe gebracht wird und dass es im ureigensten Interesse des Staates als solchen gelegen ist, unserer Landwirtschaft diese Hilfe zu bringen. Will man den weiteren Verfall unserer Landwirtschaft, die völlige Devastierung einer grossen Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe verhindern, dann muss sich unsere Regierung gar bald zu ernstem Handeln entschliessen. Aber auch im Interess der Gläubiger liegt es, wiederum leidlich gesunde Verhältnisse in der Landwirtschaft herzustellen und damit einer allgemeinen wirtschaftlichen Aufwärtsbewegung derart unter die Arme zu greifen, dass dieses Wunder der Aufwärtsbewegung sich uns auch zu zeigen vermag.

Ich vertrete weiters die Auffassung und Ueberzeugung, dass je unsicherer die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse bleiben, umsomehr unsere Landwirtschaft bestrebt sein muss, jedwedes vermeidbare Risiko bei ihrer Wirtschaftsführung bezw. Betriebsführung auszuschalten. Daher; Keine unnötigen Aufwendungen, insbesondere aber nicht mit Leihkapital, keine unnötigen Spekulationen und auch keine Konjunkturhascherei. Diese letzten Worte möchte ich speziell an unsere Hopfenbauer richten. Das Risiko unserer landwirtschaftlichen Betriebsführung müssen wir auf möglichst viele Faktoren verteilen, wobei wir aber anerkennen sollen, dem Ackerboden kein weiteres Mehr mit Gewalt abzuzwingen. Wir müssen uns vielmehr bestreben, die Natur im weitesten Masse zu unterstützen, und in dieser so unsicheren Zeit unter völliger Ungewissheit dessen, was uns die Zukunft bringen wird, wenigstens den Versuch machen, sich mit möglichst geringen Verlusten so lange zu erhalten, bis doch günstigere, bessere Zeiten kommen.

Es muss und wird sich die Erkenntnis ganz allgemein durchdringen, dass jede Erneuerung eines Volkes und die Wiedergesundung der Wirtschaft des Staates nur kommen kann aus einem lebensfähigen und bodenständigen Bauerntum und wehe dem Volke, dem Staate, welcher diese Quelle seiner Wiedergeburt versiegen liesse. Auch bei uns bestand schon die Gefahr, den angesessenen Bauer geistig und wirtschaftlich sozusagen zu amerikanisieren. Der bäuerliche Grund und Boden wurde Handelsware. Da aber Grund und Boden keine Ware ist, die man beliebig teilen und zerstückeln kann, der bäuerliche Besitz auch niemals Handelsware im wahren Sinne des Wortes sein kann, muss unsere Regierung gesetzliche Massnahmen schaffen, dass dem nicht so sein kann. Mit der vorerwähnten Wanderung des Bodens zum besseren Wirt schuf man wohl Landbesitzer, Wirtschaftsbesitzer, aber keine bodenständigen Bauern und Landleute. Der städtische Unternehmer, der einen Landbesitz kauft, tut dies meist nur deshalb, um seine Ueberschüsse an Kapitalien in Grund und Boden sicher anzulegen oder um sich einen Landwohnsitz für das Wochenende zu schaffen; er ist damit noch lange kein Bauer, kein Landmann geworden und wird dadurch auch niemals ein Bauer, ein Landmann werden. Er wird sich niemals mit der Scholle verbunden fühlen und auch nicht mit dieser Scholle verwachsen sein, wie der angeborene, der ansässige, der angestammte Bauer, der mit der väterlichen Scholle so eng verbunden und verwachsen ist, der mit jeder Faser seines Herzens auch an dieser Scholle hängt, an der Scholle, auf der seine Väter einst säten, ernteten und in der sie ruhen, und in der er selber einmal begraben sein will, wenn er seinen Kindern den Besitz in Ordnung hinterlassen hat. Nur in dieser angeborenen und nicht erlernbaren grundlegenderi Auffassung, die den baren Gewinn niedrig, die Sesshaftigkeit aber über alles schätzt, kann die Sicherheit eines jeden Staates liegen, aus ihr kann nur die Erneuerung kommen. Aus ihr entstand die Verbundenheit mit dem Staate, das wahrhaft konservative staatserhaltende Gefühl, das an eine bestimmte Staatsform so ganz und gar nicht gebunden ist Zu dieser Auffassung, ohne eigene Ueberschätzung und namentlich ohne Unterschätzung des in den Städten arbeitenden Mannes, müssen wir im Zeitaler der sich überlebenden Industrialisierung allmählich zurückkehren. Das zu erreichen scheint uns weitblickende Staatsauffassung und Staatspolitik zu sein.

Im Bestreben, neue Wege in unserer Wirtschaft zu finden, welche uns aus dem herrschenden Chaos, aus der Wirtschaftskrise, herausführen könnten, muss wohl in erster Linie von bestehenden und gegebenen Tatsachen ausgegangen werden. Was bei einer jeden Betrachtung uns heute immer wieder ins Auge springt, ist die Tatsache, dass sich bei uns die Krise auch heute noch immer weiter drückend fühlbar macht. Solange die Finanzen unseres Staates es noch erlaubten, war die Intensität der Wirtschaftskrise nicht allgemein voll verspürt worden. Die Verschlechterung der Staatsfinanzen lässt es in der Zukunft aber als ausgeschlossen erscheinen, dass das Gemeinwesen Stützungsaktionen ins Unendliche vermehren und ins Ewige verlängern kann. Es wird wohl nicht mehr lange dauern und der >Allhelferstaat< wird nicht mehr in der Lase sein, planlos sein Hilfswerk fortsetzen zu können.

Es nützt uns in der heute so überaus ernsten Zeit aber blutwenig und trägt auf keinen Fall zur Aenderung der Sachlage bei, wenn wir uns heute darüber streiten wollten, ob der derzeit bestehende wirtschaftliche Zustand vom freibändlerischen Wirtschaftsliberalismus zu 75 oder 90 % verursacht würden ist, oder ob zur Bekämpfung dieses Zustandes dem freien Spiel der wirtschaftlichen Kräfte von Staatswegen Fesseln angelegt werden mussten und ev. noch weitere angelegt werden müssen, damit sich dieses freie Spiel nicht ungerindert nach den ökonomischen Regeln von Angebot und Nachfrage, zum Schaden der Wirtschaft weiter entwickeln kann.

Heute den Vorwurf zu erheben, das unser Staat durch. eine andere Wirtsehaftspolitik die Krise hätte verhindern oder entsprechend eindämmen können, ist wohl als eine überholte Sache zu betrachten. Wir müssen vielmehr den Hebel ehebaldiest dort ansetzen, wo er anzusetzen ist, damit es bei uns - und zwar je früher, desto besser - endlich besser wird. Ich bin der Auffassung, dass wir da wohl alle mehr als schwere Arbeit zu leisten haben werden.

Unsere Volks- und Privatwirtschaft ist zum Grossteil in ihrem Wesen und ihrer Struktur dem Auslande zugewendet und vielfach auf den Export angewiesen. Bei all unserem Sinnen und Streben für die Besserung der Verhältnisse in unserer Wirtschaft sollte aber auch alles getan werden, um mit dem Auslande, insbesondere aber mit unsren nächsten Nachbarn in solche wirtschaftliche Beziehungen zu treten, dass sich daraus wiederum die unserer Wirtschaft schon so notwendig gewordenen Vorteile ergeben würden.

Von dem Momente an, wo die uns umgebenden Staaten aus irgendwelchen Gründen zur wirtschaftlichen Autarkie sich umbildeten und ausbildeten, sich wirtshaftlích mehr oder weniger selbst zu genügen begonnen hatten, war es einem Staate, wie der Èechoslovakei, wohl kaum mehr möglich, sich dagegen mit Erfolg zu wehren und war es einfach ausgeschlossen, die eigene Wirtschaft an der Weltwirtschafisgefahr schadlos vorbei manövrieren zu können. Das wäre als ein ebenso aussichtsloses Unterfangen zu betrachten gewesen, wie das einer auf die Zahlungsfähigkeit anderer Wirtschaftszweige angewiesenen Industrie, die sich trotz dem Darniederliegen dieser Wirtschaftszweige doch noch zu vergrössern und weiter zu entwickeln suchen würde.

Zur Stunde handelt es sich vor allem darum, unsere tasächlich recht ernste Lage gewissenhaft zu beurteilen, sich zu bestreben, dieselbe zu erkennen und offen und ehrlich allen Kreisen einzugestehen, wie die Verhältnisse eigentlich stehen und liegen. Die Tatsache, steht unwiderleobar fest, dass uns eine ganze Anzahl ausländischer Märkte dermalen einfach verschlossen sind und vielleicht auch für späterhin verschossen bleiben, sei es. wegen der nationalen Handelspolitik dieser Staaten und Länder, sei es wegen des Umstandes, dass jene ausländische Kundschaft zwar wohl noch in der Lage wäre, uns mit Bestellungen zu beglücken, deren Ausführung aber nicht mehr zu bezahlen vermöchte. Die Aussichten der europäischen Wirtshaft lassen vorläufig die freudige Hoffnung noch nicht so recht aufkommen, dass bei diesen für uns unabänderlichen Faktoren in nächster Zeit eine wesentliche Besserung eintreten wird, obwohl bei uns doch schon soviele Anzeichen dafür sprechen, dass wir bei uns den Kulminationspunkt der Krise hinter uns haben.

Wir sind uns aber auch dessen bewusst, dass durch Subventionen oder Zuteilung von Almosen verschiedenster Art sich unsere Wirtschaft von heute auf die Dauer nicht erhalten lässt. Wir müssen - wie ich bereits bemerkt habe - uns bestreben, neue Wege in unserem Wirtschaftssystem ausfindig zu machen und auch zu betreten. Unser Staat muss sich zu Massnahmen entschliessen, welche den einzelnen Wirtschaften auch faktische wirkliche Hilfe zu bringen vermögen und darf sich nicht weiterhin mit Massnahmen begnügen, welche etwa vorbeugenden Charakter besitzen. Unser Staat muss sich zur Erlassung solcher Massnahmen entschliesen, welche das Vertrauen zur Regierung stützen und fördern, damit sich nicht zur Wirtschaftskrise die noch viel gefährlichere Vertrauenskrise gesellt. Unsere Wirtschaft dürfen wir auf keinen Fall preisgeben. Die Völker unseres Staates wollen ja weiter leben. Es käme die Preisgabe unserer Wirtschaft einer Preisgabe der Existenzen der Bürger unseres Staates gleich. Unsere Regierung kann sich bei der Erlassung der fraglichen Massnahmen darauf stützen; dass bei uns im Volke noch ein mächtiger Wille zum Weiterleben und ein rücksichtsloser Wille zu den durchzuführenden Reformen im Wirtschaftssysteme und in der Wirtschaftspolitik glüht. Unsere gemeinsame Losung muss lauten: Wir wollen miteinander durchhalten, bis Zeiten und Tade unsere Lage wieder günstiger gestalten. Sicherlich wird und muss wieder einmal eine Zeit kommen, wo harte Not und Entbehrung den Völkern auch jene bessere Einsicht wieder bringen wird, wo die Nationen wieder besreifen werden, dass eine nationale Absonderung und wirtschafliche Abriegelung auf die Dauer zu einer allgemeinen Verarmung Aller führen muss. Derartige Verhältnisse, wie sie heute bestehen, werden auf keinen Fall zu der so dringend notwendigen Verständiesung der Völker, zum Völkerfrieden, führen. Das sollten eigentlich auch schon all jene erfasst haben, welche in Genf sich angeblich um den Völkerfrieden so ernstlich bemühen.