Pøíloha

k tìsnopisecké zprávì o 249. schùzi senátu Národního shromáždìní republiky Èeskoslovenské v Praze ve ètvrtek dne 15. února 1934.

Øeè sen. dr Hellera (viz str. 9 tìsnopisecké zprávy):

Hoher Senat! Wir können die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne auf die furchtbaren Ereignisse, die sich in den letzten Tagen in Österreich abgespielt haben, zurückzukommen. Diese Ereignisse haben in den deutschen Arbeitern dieses Landes den stärksten Widerhall gefunden.

Seit Jahr und Tag ununterbrochen gereizt, hat die Arbeiterschaft Österreichs eine wahrhaft bewundernswerte Geduld bewiesen. Die völlig unbegründete Ausschaltung des Parlaments, eine stetige Kette von Eingriffen in die persönliche und politische Freiheit, in die Vereins- und Versammlungsfreiheit, der Versuch, durch finanzielle Maßnahmen die Stadt Wien in ihrer sozialen Tätigkeit zu hindern, polizeiliche Durchsuchungen der Wohnungen und der Parteilokale, die Verhaftung zahlloser Vertrauensmänner, der widerrechtliche Abbau der sozialen Errungenschaften, die Aufhebung der Koalitionsfreiheit, schließlich die von den maßgebenden Personen angekündigte Aufhebung der bestehenden und Oktroyierung einer neuen plutokratischen Verfassung, damit die Beseitigung aller demokratischen Rechte, haben die Arbeiterschaft zum Schütze der Republik, der Demokratie und ihrer sozialen Rechte gezwungen.

Die fascistische Reaktion hat mit Kanonen und mit dem Galgen geantwortet.

Die fascistische Reaktion hat die stolzen Häuser der Stadt Wien, in denen Arbeiter und Angestellte menschenwürdig wohnten, in Trümmer gelegt. Sie hat zerstört, was die Arbeiterschaft in jahrlanger, mühsamer Arbeit aufbaute.

Der erste Akt der unverhüllten fascistischen Reaktion ist die Niederwerfung der Arbeiterbewegung, ist die Ermordung von hunderten Männern, Frauen und Kindern.

Und das alles, weil sich die Arbeiterschaft dem Joche nicht beugen, weil sie die von allen beschworene Verfassung schützen wollte.

Die deutsche Arbeiterschaft dieses Staates steht mit ihrem ganzen Herzen an der Seite der österreichischen, sie zollt ihrem heroischen, in der Geschichte einzig dastehenden Kampfe ihre tiefste Bewunderung und sendet den Brüdern und Schwestern in Österreich ihre heißesten Grüße.

Die deutsche Arbeiterschaft dieses Staates senkt in innigster Verbundenheit, in herzlichster Anteilnahme und in tiefster Trauer ihre Fahnen an den Gräben der Opfer der fascistischen Reaktion.

Aber nicht nur die Errungenschaften der Arbeiterschaft sind bedroht; wir erblicken in den Ereignissen dieser Tage eine schwere Gefährdung des Friedens.

Mit wachsendem Erstaunen und mit wachsender Entrüstung verfolgt die Arbeiterschaft die Stellungnahme der èechischen und deutschen bürgerlichen Presse.

Schon folgt der sozialen Verfolgung die nationale Hetze, die sich in Österreich gegen die Èechen richtet. Mag sich der Fascismus hakenkreuzlerisch oder christlich drapieren, immer ist er nationalistisch. Mag das Ziel die Gleichschaltung oder die Restaurierung der Habsburger sein, in beiden Fällen bedroht der Sieg des Fascismus den demokratischen Charakter, die Selbständigkeit und den Bestand unserer Republik. Wer den Fascismus in Österreich stützt, wer die Kämpfe der Arbeiter Österreichs verhöhnt und verurteilt, der ist ein Soldknecht des Kapitals, niemals aber ein Verfechter der Interessen unseres Landes. In dieser schicksalsschweren Stunde, in dieser Stunde des Stolzes und der Trauer zugleich, erklären wir Vertreter der deutschen Arbeiter dieses Landes, daß wir alles, Gut und Blut, einsetzen für die Demokratie, für die sozialen Rechte, für die Selbständigkeit und den Bestand unserer Republik. (Potlesk.)