Pøíloha

k tìsnopisecké zprávì o 243 schùzi senátu Národního shromáždìní republiky Èeskoslovenské

v Praze ve ètvrtek dne 21. prosince 1933

l. Øeè sen. Stöhra (viz str. 27 tìsnopisecké zprávy):

Hoher Senat! Eines der wichtigsten und am dringendsten der Lösung harrenden Probleme für unsere Wirtschaft, insbesondere aber für unsere Landwirtschaft, bildet heute das Kreditproblem. Die Verschuldung unserer Landwirtschaft hat im Laufe der letzten Jahre leider immer weitere Fortschritte gemacht und der verschuldete Landwirt ist bei den derzeit bestehenden Getreide- und Viehpreisen nicht mehr imstande, die Zinsen und Amortisationsbeträge für seine Schulden aufzubringen. Ich vertrete die prinzipielle Auffassung, daß Steuern und alle sonstigen Abgaben und auch Schuldzinsen nur vom Ertrage der Wirtschaft gezahlt werden können, da, wenn für die Erbringung dieser Verpflichtungen die Materie, die Substanz angegriffen werden muß, wie dies bei unserer Landwirtschaft schon seit mehreren Jahren leider der Fall ist, der Sturz in den Abgrund unvermeidbar ist. Mit dem Zuschreiben der unbezahlten Schuldzinsen zum Schuldkapital ist doch nichts getan und dem Landwirte auch nicht geholfen, da er dadurch nur noch immer weiter in die Verschuldung gerät. Der Großteil unserer Landwirte ist heute schon derart verschuldet, daß die einzelnen Geldinstitute aber auch nicht mehr in der Lage sind, bei diesen Landwirten die unbezahlten Schuldzinsen dem Schuldkapital zuzuschreiben, und die Geldansalten drängen auf Bezahlung der Schuldzinsen und der Amortisation, was aber dem Großteil der Schuldner dermalen selbst bei bestem Willen einfach unmöglich ist. Jede weitere Kreditfähigkeit ist dem verschuldeten Landwirte heute schon mehr oder weniger genommen und da ohne Kredit 90 % aller landwirtschaftlichen Betriebe unter den herrschenden Verhältnissen einfach nicht weitergeführt werden können, wird die Lösung des Kreditproblems für unsere Landwirtschaft von Tag zu Tag brennender.

Die Vorteile, welche man unserer Wirtschaft durch die Zinsenfestsetzung und Zinsensenkung durch das Bankengesetz zukommen lassen wollte, kamen bisher leider den Schuldnern nur zu einem geringen Teile zugute, während der ausgesprochene Löwenanteil an den Vorteilen den Geldinstituten zukam. Was man mit der Zinssenkung durch dieses Gesetz erreichen wollte, ist leider nicht erreicht worden. Die Verhältnisse sind aber heute solcher Art, daß die Frage der Herabsetzung des Zinsfusses für die Landwirtschaft in einer Weise geregelt werden muß, daß die Zinsenleistung auch im Einklang mit der Leistungsmöglichkeit der Wirtschaft gebracht wird. Es müssen Maßnahmen getroffen werden, daß die nicht grundbücherlich sichergestellten Schulden, daß vor allem alle kurzfristigen und hochverzinslichen Darlehen des Landwirtes in billig verzinsliche, langfristige, amortisierbare Darlehen ehebaldigst umgewandelt werden.

Es haben bereits eine größere Anzahl von Staaten in Europa, bzw. Mitteleuropa sich mit dem Problem der Entschuldung ihrer Landwirtschaft speziell in der letzten Zeit ganz intensiv befaßt und zum Teile bereits diesbezügliche gesetzliche Maßnahmen getroffen. Die Not ihrer Landwirtschaft hat die Regierungen dieser Staaten eben zu energischem Handeln gezwungen. Ich will im Detail auf die vorliegenden Fragen, bzw. Probleme heute hier nicht eingehen, da mir leider die notwendige Zeit nicht zur Verfügung steht.

Es wurde über Einschreiten und Initiative unseres Herrn Ministers für Landwirtschaft bereits vor ca. 3 Wochen eine Enquete vom Landwirtschaftsministerium einberufen, welche sich mit der Lösung dieses Problems zu befassen hatte. Da das Forum für wirklich zu leistende Arbeit zu groß erschien, wurde ein engeres Arbeitskomitee bestellt, welches Komitee sich mit den Detailfragen des Entschuldungsproblems unserer Landwirtschaft zu befassen haben wird. Es hat dieses Komitee seine Arbeiten bereits aufgenommen und wird von ihm allseits recht intensive Arbeitsleistung erhofft. Die Vertreter unserer Landwirtschaft haben sich bei dieser Enquete einmütig für die dringende Behandlung dieses Problems geäußert. Der gute Wille zu wirklichem Handeln konnte ganz allgemein festgestellt werden. Unser Herr Landwirtschaftsminister hat ebenfalls den besten Willen, hier helfend einzuschreiten, bekundet und da bekannterweise dort, wo ein Wille besteht, auch stets ein Weg zu finden ist, bin ich bezüglich der Lösung dieses Problems etwas optimistischer eingestellt. Ich bin auch deshalb optimistischer eingestellt, weil sich unsere Regierung notgedrungen zu einem ehebaldigen Einschreiten gezwungen sehen wird. Es darf nur wegen kleinlicher Bedenken oder selbst wegen rein persönlicher, etwa gegenteiliger Auffassungen und Ansichten das Werk nicht zum Scheitern kommen. Wer eben den guten Willen zu helfen aus dem oder jenem Grunde nicht aufzubringen vermag, den muß eben unser Herr Landwirtschaftsminister einfach kurzerhand aus der Beratung ausschalten. Wir rufen unserem Landwirtschaftsminister zu: »Verfolgen Sie, Herr Minister, unbedingt das Ziel, das Sie sich hier gesteckt haben, und alle, welche es wirklich ehrlich mit unserer Landwirtschaft und damit mit unserem Staate meinen, werden Sie nach besten Kräften unterstützen.« Die Zeit der Kompromisse ist meines Erachtens heute nicht mehr gegeben. Entweder ist die Forderung unserer Landwirtschaft in diesem oder jenem Belange berechtigt und gerechtfertigt, oder sie ist es nicht. Ist sie berechtigt und gerechtfertigt, dann muß man diese Forderung unserer Landwirtschaft auch erfüllen. Durch den ewigen Kuhhandel kommt nie etwas Taugliches heraus. Alle Kompromisse haben sich als Flickwerk erwiesen und brachten niemals das, was erbracht werden sollte. Da wir als Vertreter unserer Landwirtschaft nur fordern, wozu wir bemüssigt und berechtigt sind, und das, was wir fordern, auch I00 %tig gerechtfertigt erscheint, sind wir weiterhin nicht gesonnen, um die Erfüllung dieser unserer Forderungen zu bitten und zu betteln, wir sind entschlossen, in Hinkunft unsere Forderungen auch in einer Weise zu verfechten, daß die anderen zur Einsicht und Auffassung kommen müssen, daß diese Forderungen eben erfüllt werden müssen.

Durch die Lösung des Problems der Entschuldung unserer Landwirtschaft — nebenbei bemerkt ist der Ausdruck Entschuldung unserer Landwirtschaft schlecht gewählt, es kann sich, wie die Verhältnisse eben heute liegen, nur um die Regelung der Schuldenfrage unserer Landwirtschaft handeln — muß unter allen Umständen die Kreditfähigkeit unserer Landwirtschaft erhalten bleiben, da, wie bereits erwähnt, ohne Kredit 90 % unserer Landwirte ihre Betriebe nicht aufrechterhalten könnten. Es kann sich meiner Auffassung nach niemals etwa um die Streichung der Schulden der Landwirte handeln, wodurch der Gläubiger einfach von heute auf morgen um seine Forderung käme. Ich vertrete bei der Behandlung dieses Problems die Auffassung, daß selbst alle Schuldenregelung und Zinsfußfragenregelung unserer Landwirtschaft schließlich und endlich doch nicht den gewünschten Erfolg für die Zukunft wird erbringen können, wenn wir nicht die Verhältnisse für unsere Landwirtschaft so zu gestalten vermögen, daß unsere Landwirte auch seihst die verringerten Schuldzinsen und Amortisationsquoten aus dem Ertrage ihrer Wirtschaft bezahlen können. So lange aber unsere landwirtschaftlichen Betriebe ertraglos bleiben, dem Landwirte ein Lohn für seine Arbeit nicht zukommt und ihm nicht die Möglichkeit gegeben ist, seinen Verpflichtungen auch zu entsprechen, helfen alle diese Maßnahmen nicht oder nicht zu viel. Die Grundfrage zuerst lösen, ist wohl die oberste Aufgabe bei der Behandlung all der aufgeworfenen Probleme. Die Grundfrage ist und bleibt: »Schaffung der Unterlagen für die Rentabilität unserer Landwirtschaft!«

Da aber auch die Schuldenfrage und deren Verzinsung und Amortisierung bei der Lösung der Frage der Schaffung der Rentabilität unserer Landwirtschaft eine ausschlaggebende Rolle spielen, begrüßen wir diese und alle weiteren Bestrebungen, die zur Erreichung dieses Zieles beitragen können.

Von den Verhandlungen, die zwischen Landwirtschaft und Industrie schon seit einigen Wochen hinter verschlossenen Türen gepflogen werden, hören wir hie und da von der oder jener Seite eine Bemerkung, welche uns aber keineswegs befriedigt. Daß man es nicht für notwendig gefunden hat, weder einen Vertreter der deutschen Industrie noch der deutschen Landwirtschaft zu diesen Beratungen beizuziehen, wurde von mir bereits öffentlich beanständet. Ich spreche auch hier unser Befremden wegen der Nichtbeziehung eines Vertreters der deutschen Landwirtschaft zu diesen Verhandlungen aus und unterbreite den diesbezüglichen Wunsch neuerdings unserem Herrn Landwirtschaftsminister.

Es geht heute um Sein oder Nichtsein unserer Landwirtschaft, denn, wenn es nach den Anschauungen des so einflußreichen Herrn Generaldirektors Dr Preiss und seiner Freunde gehen würde, würden wir, Landwirte, in einem halben Jahre sauber aussehen. Da es sich aber bei den Verhandlungen zwischen Industrie und Landwirtschaft um Verhandlungen und eventuell um die Fassung von Beschlüssen von überaus großer Bedeutung und Tragweite handelt, wäre es doch für uns von Vorteil, wenn unsere deutsche Landwirtschaft bei diesen Verhandlungen auch entsprechend vertreten wäre.

Sehr modern scheint jetzt der Ruf nach Einführung der Planwirtschaft geworden zu sein. Es wird dieser Ruf auch von jenen gebraucht, welche von dem Wesen einer Planwirtschaft so viel wie nichts verstehen. Es ist der Ruf eben modern geworden und das sagt alles und entschuldigt auch so vieles.

Ich bemerke zu dieser Frage kurz Folgendes: Wir Landwirte sind für eine Planwirtschaft in unserer Landwirtschaft unter gewissen Bedingungen zu haben, stellen aber die Forderung, daß unsere Industrie sich ebenfalls einer Planwirtschaft unterwirft und daß insbesondere unsere Treibhausindustrie ehebaldigst verschwindet, d. h. daß bei uns jene Industrie verschwindet, die nur künstlich erhalten wird und die nie mehr in einer solchen Weise prosperieren wird, daß ihre Existenzberechtigung dadurch gegeben wäre.

Minister Dr Hodža stellt sich bei der Erörterung der Frage der Planwirtschaft unserer Landwirtschaft auf den Standpunkt, daß der Verfall des Liberalismus als gegebene Tatsache erkannt werden muß, da es in der gegenwärtigen Zeit als vollkommen ausgeschlossen zu betrachten sei, daß es dem Liberalismus noch möglich wäre, seine Prinzipien irgendwie noch geltend machen zu können. Das gestörte Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Konsum kann durch den freien Wettbewerb nicht hergestellt werden, ebenso wie durch die Prinzipien. des Liberalismus der wirtschaftlich und sozial Schwächere nicht verteidigt werden kann, weil im freien Wettbewerb der Kapitalsschwächere dem Kapitalstärkeren immer unterliegen muß.

Die Notwendigkeit der Schaffung einer Planmäßigkeit bei unserer Landwirtschaft wird von Minister Dr Hodža damit begründet, daß bei uns auf einer Fläche von rund 200.000 Hektar landwirtschaftliche Produkte erzeugt werden, für die kein Absatz vorhanden ist. Unsere Landwirte müssen nach der Auffassung Minister Dr Hodža s dazu verhalten werden, daß auf dieser Fläche Ersatzfrüchte gebaut werden, für welche noch Absatzmöglichkeit besteht. Wir anerkennen die Auffassung Minister Dr Hodža s und sind auch bereit, anzuerkennen, daß die Regulierung der landwirtschaftlichen Produktion dermalen nur im Wege von Zwangsmaßnahmen erfolgen kann, welche von der Regierung zu diesem Zwecke erlassen werden müssen. Außergewöhnliche Verhältnisse erfordern und rechtfertigen auch die Erlassung außergewöhnlicher Maßnahmen. Daß diese Anbaupolitik in der Praxis nur unter Zutun der bestehenden landwirtschaftlichen Spitzenkörperschaften unter Ausschaltung aller anderen Faktoren durchgeführt werden kann. sei hier, obwohl ich dies als eine Selbstverständlichkeit betrachte, nicht nur angeführt es sei dies aber auch x-fach unterstrichen. Bei uns könnte es durch den bestehenden Einfluß unserer sozialistischen Parteien vielleicht doch passieren, daß z. B. der best-bekannte Herr Generaldirektor Lustig, der ja überall dabei sein muß und der seine Finger gerne in jeder Suppe hat, auch hier auf den Plan treten könnte, und daß man uns durch dessen großen Einfluß z. B. im Hopfenbaugebiete Saaz an Stelle der Kultur des Hopfens, der Zuckerrübe, des Weizens und der Gerste die Anlage von Wiesen und Forcierung des Kartoffelbaues oder Anbaues von Flachs usw. dekretieren würde, Es ist uns ja bekannt, daß, wenn eine Maßnahme, ein Gesetz oder eine Verordnung im Interesse und zum Schütze unserer Landwirtschaft geschaffen, bzw. erlassen werden soll, sich alle rühren und alle mit hineinreden wollen und auch hineinreden. Es sprechen heute Leute mit, die eigentlich die Sache so viel wie gar nichts angeht und in 99 % der Fälle von der ganzen Sache auch so viel wie nichts verstehen. Wenn wir uns fragen, warum das so ist oder so sein kann., fällt die Antwort nicht schwer: weil wir Bauern uns das bisher bieten ließen. Weil wir uns derartiges bieten lassen, haben die anderen recht, wenn sie sich stets befleißen, uns kutschieren zu wollen.

Ein Beispiel: nach jahrelangem Bemühen ist es endlich gelungen, die Unterlagen für die so dringend notwendige Novellierung des Hopfenprovenienzgesetzes zu schaffen. Als es zur Beratung des Novellierungsantrages kam, hat sich unsere Brauindustrie und unser Hopfenhandel und ich weiß nicht wer noch gegen die Bestrebungen der Hopfenbauern gewendet und es ist diesen Gruppen gelungen, einen derart maßgebenden Einfluß auf die Novellierung dieses Gesetzes zu nehmen, daß die Novelle für die Hopfenbauern lange nicht mehr das bringen wird, was die Hopfenbauern forderten und als unbedingt notwendig anerkannten.

Mit der Schaffung der Planwirtschaft und Regulierung der landwirtschaftlichen Produktion als Zwangsmaßnahme soll doch nur die Herstellung des Gleichgewichtes zwischen Erzeugung und Konsum herbeigeführt werden. Daß die Bewirtschaftung unserer gesamten Getreideproduktion nur durch ein gesamtstaatliches Getreidemonopol erfolgen kann, welchem Monopol nicht nur die Distribution der gesamten inländischen Getreideerzeugung. sondern auch die Aufteilung des gesamten Getreide- und Futtermittelimportes zufallen muß, ist selbstverständlich. Daß aber in der Verwaltung dieses Monopols nicht wiederum jene Faktoren zu maßgebendem Einfluß gelangen dürfen, welche das Getreidemonopol genau so wie die derzeit bestehenden Syndikate als Mittel für ihre Zwecke benutzen würden, auf das sei hier ganz besonders und eindringlich verwiesen.

Alle jene Kräfte, welche in der heute für unsere Landwirtschaft so schweren Zeit diese Notlage unserer Landwirtschaft für ihre Bestrebungen nach allen Regeln der Kunst auszunützen sich bestreben, müssen künftighin von ihr ferngehalten werden. Es wird z. B. unser Prager Schlachtviehmarkt von einer Handvoll von Personen in einer Weise beeinflußt, daß diese Einflußnahme schon gleichkommt einem ausgesprochenen Diktate. Wenn ich die Namen dieser I4 oder I5 Firmen verlesen möchte, Sie, meine Herren, würden dann vieles besser verstehen. Unsere landwirtschaftlichen Viehverwertungsorganisationen konnten sich, weil ihnen die erforderlichen Mittel nicht zur Verfügung stehen, trotz besten Bemühens bis heute nicht so durchsetzen, als es ihrer Bedeutung entspräche. Auf diesem Gebiete gibt es wohl noch viele, ja recht viele Arbeit zu leisten. Da diese Arbeit aber nur mit tatkräftiger Unterstützung unseres Landwirtschaftsministeriums geleistet werden kann, bitte ich Herrn Minister Dr Hodža um Erfüllung der diesbezüglich gestellten Forderungen.

Für den überwiegenden Großteil unserer bäuerlichen Landwirtschaft bildet aber die Viehpreisfrage und da wieder die Schweinepreisfrage die weit wichtigere Frage, als z. B. die Weizenpreisfrage. Ebenso spielt die Frage des Preises der Milch und ihrer Produkte eine ausschlaggebende Rolle für unsere bäuerliche Landwirtschaft. Wenn nun die Viehpreise von Woche zu Woche, insbesondere aber die Schweinepreise derart fallen, daß der Bauer für ein fettgefüttertes I00 kg schweres Schwein nur mehr rund 400 Kè bekommt und der Großteil unserer Bauern ihre schlachtreifen Schweine überhaupt nicht an den Mann zu bringen vermögen, wo der Bauer gerade am Ende des Jahres eine Unsumme von zu diesem Termin fälligen Verpflichtungen zu erfüllen hat, welchen Ausgaben aber keine Einnahmen oder nur Einnahmen in nicht entsprechendem Umfange gegenüberstehen, dann gib es für den Bauer und dessen Familie nur sehr schleche und traurige Weihnachtsfeiertage und ein recht sorgenschweres Neujahr.

Unsere Bauern, und zwar nicht nur die deutschen, sondern auch die èechischen Bauern, können z. B. einfach nicht begreifen, warum trotz bestehenden Überangebotes an Schweinen heimischer Provenienz allmonatlich durch das Viehsyndikat den gewissen Kreisen von angeblichen Interessenten x-tausend Stück Vieh ausländischer Schweine zur Einfuhr freigegeben werden. Ich habe es wohl nicht notwendig, zu schildern, welche Stimmung unter unseren Bauern und unter dem Landvolke wegen dieser Misere herrscht. Die herrschende Stimmung kommt fast einer ausgesprochenen Verzweiflung gleich. Der Großteil unserer Bauern glaubt heute schon nicht mehr an eine Besserung ihrer Lage und sagt sich: v Was hilft denn mir und meiner Familie all das viele Arbeiten und Schuften, was hilft mir denn all das viele Sparen und all die mir und meiner Familie auferlegten Einschränkungen, es wird mir schließlich doch nicht möglich sein, die von meinen Vorfahren ererbte Scholle meinen Kindern erhalten zu können.« Aus diesen Gedankengängen heraus resultiert dann das Resigniertsein, das bis zum Wurstigkeitsstandpunkt ausartet. Es ist vielen von unseren Bauern heute schon ganz gleich, wie es noch werden wird, was die Zukunft bringt und was aus ihnen werden soll. Wenn zu mir am Samstag und Sonntag 20 und mehr Bauern kommen und jeder beinahe die gleichen Ansinnen von Hilfeleistung an mich stellt, und wenn der sich an mich um Rat und Unterstützung wendende Bauer vor seiner Verabschiedung von mir mich dann schließlich fragt: »Wird es denn möglich sein, daß ich meinen Besitz für die Kinder erhalten kann?«, dann, meine Herren, fällt mir die Erteilung der Antwort oft recht schwer. Nur mit Vertröstungen auf die Zukunft und mit der Hoffnung, daß in absehbarer Zeit für unsere Landwirtschaft doch wieder bessere Verhältnisse eintreten müssen, wird weder unser Herr Landwirtschaftsminister noch werden wir auf die Dauer damit unser Auslangen zu finden wissen. Versprochen wurde uns im Laufe der letzten 3 bis 4 Jahre schon mehr als genug. Auch Vertröstungen wurden uns genügend zu teil. Unsere Landwirtschaft braucht jedoch heute dringend eine Unterstützung, die auch die Zukunft des Bauern zu sichern vermag: sie braucht die Erlassung von Maßnahmen, welche die Erhaltung unseres Bauernstandes unbedingt sichern und gewährleisten. Unsere Landwirtschaft verlangt keine Subventionen und will auch keine Geschenke. Das, was sie dringend braucht und was sie fordert, dazu ist sie zu I00 % berechtigt und man kann ihr die Erfüllung dieser Forderungen wohl auch weiterhin nicht gut vorenthalten, weil sie sich gegen eine weitere Vorenthaltung der Erfüllung ihrer berechtigten Forderungen in einer Weise stellen müßte, daß jene, welche diese Vorenthaltung bis jetzt zu betreiben sich bemüssigt sahen, doch zur Einsicht kommen müßten, daß der Bauer nicht gesonnen ist, sich als Spielzeug weiter gebrauchen zu lassen.

Unsere Syndikate haben das in sie gesetzte Vertrauen nicht erfüllt. Der Einfluß, den alle anderen in diesen Institutionen auszuüben vermochten, hat sich zum Nachteil jener ausgewirkt, für welche diese Institutionen eigentlich geschaffen wurden. Ein Teil der angeblichen Ineressenten hat die Syndikate als Mittel zum Zweck benützt und war stets bestrebt, ihren Einfluß in diesem Sinne zur Geltung zu bringen. Ich frage nicht, wieviel tausend Schweine für den Monat X oder Y vom Viehsyndikat zur Einfuhr freigegeben wurden und beurteile die Tätigkeit dieses Syndikates nicht auf Grund dieser bewilligten Einfuhrzahlen. Der Verlauf des Prager Schlachtviehmarktes und dessen allwöchentliche Notierung ist es, was mir für die Beurteilung des Viehsyndikats die Unterlagen bietet. Wenn im Monat Oktober oder November allwöchentlich die Schweinepreise am Prager Schlachtviehmarkt zurückgegangen sind, dann, sage ich mir, hätte für die folgende Zeit eine weitere Einfuhr an Schweinen aus dem Auslande nicht bewilligt werden dürfen. Es sollen für den Monat Jänner wiederum 5.00O Stück Fettschweine zur Einfuhr freigegeben werden und weitere 2.00O Stück sollen als Einfuhrreserve dienen. Außer dieser Einfuhr von Feltschweinen sollen noch 95 Waggons Schweinefett zur Einfuhr bewilligt sein. Wenn das nicht schon an Wahnsinn grenzt, dann weiß ich überhaupt nichts mehr zu sagen. Die Stallungen der Landwirte im ganzen Staatsgebiete sind vollgestopft von schlachtreifen Schweinen, für die keine Nachfrage besteht. Die Ferkel werden heute an vielen Orten mit 20 bis höchstens 25 Kè pro Stück zum Verkauf angeboten, es finden sich aber keine Käufer dafür. Schlachtschweine und sogenannte Bratschweine werden heute mit 4 bis höchstens 41/2 Kè pro kg Lebendgewicht bezahlt.

Ich frage die Herren: können es unsere Bauern begreifen, daß bei dem herrschenden Überschuß an Schweinen noch allmonatlich, bzw. allwöchentlich so viel Schweine aus dem Ausland eingeführt werden? Unsere Bauern sind der Meinung, daß wir als ihre parlamentarischen Vertreter die Sache selbst nicht verstehen oder uns um die Sache nicht entsprechend kümmern. Es ist auch uns Bauern das Hemd näher zum Leibe als der Überrock und wenn ich im Sinne dieses alten Sprichwortes handeln muß, dann ist auch uns und muß auch bei uns das Ich weiterhin die erste und nicht etwa die vierte Person sein und bleiben. Was haben wir uns in unserer Not als Bauern des èechoslovakischen Staates um die Landwirtschaft der Balkanstaaten zu kümmern? Kümmern sich z. B. die Bauern des uns befreundeten Frankreich um unsere Landwirtschaft, bzw. um unsere Bauern? Fragen wir uns, ob sich die französische Regierung um unsere Wirtschaft überhaupt etwas kümmert? Das große Entgegenkommen Frankreichs in wirtschaftspolitischer Beziehung macht selbst der handelspolitischen Abteilung unseres Außenministeriums gar oft viele und große Sorgen. In Bezug auf unsere handelspolitischen Beziehungen und Abmachungen mit Frankreich verweise ich nur auf die vor wenigen Tagen begonnenen neuerlichen Verhandlungen zwischen den Vertretern der handelspolitischen Abteilung unseres Außenministeriums und den Vertretern der französischen Regierung. Bekanntlich sind die Franzosen zu einem Kontingentsystem übergegangen, bei dem sie nur 25 % der bisherigen durchschnittlichen Einfuhr der letzten 3 Jahre zugestehen wollen und die restlichen 75 % als Tauschobjekt zu behandeln sich entschlossen haben, während unsere Regierung demgegenüber die unbeschränkte Einfuhr in der Höhe der Importziffern des Jahres I931 gestattet. Den Franzosen entstehen durch diese Art der Regelung des Außenhandels ganz enorme Vorteile. Der Preissturz, der seit I931 eingetreten ist, ermöglicht den Franzosen eine beträchtliche Erhöhung der mengenmässigen Warenausfuhr zu uns, während das auf Gewichtsziffern aufgebaute neue Kontingentsystem der Franzosen für uns sich mehr als ungünstig auswirken muss. Es drohen aber unserer Ausfuhr noch weitere Schwierigkeiten durch die von der französischen Regierung beschlossenen besonderen Zollaufschläge, die besonders auf die Agrarprodukte aufgeschlagen werden können. Ich verweise hier nur auf die Ausfuhr unseres Hopfens nach Frankreich, wo die französische Regierung. uns gegenüber nicht so gehandelt hat, als dies nach unserer Auffassung der Fall hätte sein müssen. Wenn unser Herr Außenminister dermalen bei seinem letzten offiziellen Besuch bei der französischen Regierung den Herren Franzosen gegenüber die unbedingte Treue und Verläßlichkeit des èechoslovakischen Staates in allen Belangen bekundete, so sollte er nach meiner Auffassung auch einmal mit den Herren ein ganz ernstes Wort über unsere handelspolitischen Abmachungen reden. Das ist meine Überzeugung, der ich hiemit Ausdruck verliehen haben will.

Bei uns ist man bei der Erlassung von Maßnahmen zum Schütze unserer Landwirtschaft stets mehr besorgt um die anderen, um unsere Nachbarn im Osten, Süden oder jenseits des Rheins, und ventiliert viel zu viel die Frage, was unsere Nachbarn, unsere Freunde dazu sagen werden. Werden sie sich auch bereit finden, die von unserer Regierung zu erlassenden Schutzmaßnahmen im Interesse unserer Landwirtschaft auch anzuerkennen? Wenn unsere Regierung auf all diese Bedenken l00 %ig Rücksicht zu nehmen sich bemüßigt fühlt, wird sie unserer Landwirtschaft aber auch niemals wirkliche Hilfe zuteil werden lassen können. Wir müssen alles daransetzen, daß der Einfluß unseres Landwirtschaftsministeriums bei uns ein solcher wird, wie wir dies heute in allen Staaten Europas zu sehen Gelegenheit ha ben.

Wir selbst verstehen es nicht und können es auch nicht begreifen, warum in einer solchen Art und Weise Agrar- und Wirtschaftspolitik bei uns betrieben wird, und wie unsere Regierung, in der ja auch die Vertreter der agrarischen Parteien sitzen, zu einem derartigen Handeln die Zustimmung geben kann. Wir kümmern und sorgen uns mehr als notwendig für die Belange unserer Landwirtschaft. Fragen darf man uns aber nicht, was all das Sorgen und Kümmern für einen Effekt oder Erfolg uns bisher gebracht hat. Es sind ja alle anderen ohne Ausnahme gegen uns und da kann es eben nicht besser sein. Daß in dem Viehsyndikate, das doch zum Schütze der Interessen unserer heimischen Landwirtschaft geschaffen wurde, nicht Agrar- und Bauernpolitik, sondern vor allem Geschäftspolitik und etwa noch Agrarpolitik im Interesse der Staaten der Kleinen Entente betrieben wird, ist leider Tatsache. Wenn wir uns noch so sehr bemühen, wenn wir bitten und es nichts hilft, wenn wir schimpfen und kritisieren, es auch nichts oder nicht viel hilft, dann sage ich mir oft: wäre es nicht gescheiter, wir blieben alle schön zuhause und ließen jene weiterwursteln, die dieses Weiterwursteln bis nun so glänzend verstanden haben? Die Abrechnung, sie wird und muß kommen, wird aber so manchem die Überzeugung bringen, daß es doch ein großer Fehler war, daß man auf die heimische Landwirtschaft nicht mehr Bedacht genommen hat.

Wenn uns nun, wie bereits bemerkt, die Syndikate nicht das zu bringen vermochten, was wir im Interesse und zum Schütze unserer Landwirtschaft so dringend benötigen, so muß die Regierung an die Stelle dieser Syndikate eben etwas setzen, was dieser Aufgabe besser gerecht zu werden vermag. Wir wissen ja, daß Herr Minister Dr Hodža im Schöße seines Ministeriums dementsprechende Vorbereitungen getroffen hat und entsprechende Vorarbeiten durchführen ließ. Da die Verhältnisse aber heute drängen, ist Eile geboten. Wenn sich unsere Regierung notgedrungen zur Stützung der Getreidepreise, namentlich bei Roggen und Weizen, entschließen mußte, wenn für diese Produktion von der Regierung auch noch andere Maßnahmen erlassen werden mußten und noch erlassen werden müssen, dann sagen wir uns, dann wird es bei der Regelung der Viehpreise, insbesondere bei der Beeinflußung der Schweinepreise auch ohne entsprechende Unterstützung seitens der Regierung nicht gehen.

Daß hier vor allem auch auf das Moment der durchgreifenden Verwertungsorganisation ein Hauptaugenmerk zu richten sein wird, will ich hier noch besonders vermerken.

Unser Herr Minister Dr Hodža stellt sich in seinen Ausführungen gegen alle Autarkiebestrebungen. Ich kann diese seine Auffassung nur bis zu einem gewissen Grade anerkennen. Unsere Industrie macht unserer Landwirtschaft ob deren Autarkiebestrebungen die bittersten Vorwürfe, spielt sich anderseits aber als Gegner der Inflationspolitik auf und vertritt hundertprozentig die Deflationspolitik. Die Deflationspolitik hat sich aber bis heute nur bei unserer heimischen Landwirtschaft ausgewirkt, während die bisherigen Preise unserer Industrieerzeugnisse alles, nur keine Deflationspolitik darstellen. Warum es bis heute unserer Regierung nicht möglich war, die bestehende Preisdisparität zwischen landwirtschaftlicher und industrieller Erzeugung zu beseitigen, warum es unserer Regierung bisher nicht gelungen ist, die Frage der vollkommen unberechtigten und ungerechtfertigten Zwischenhandelsspanne zu bereinigen, darüber muß uns unsere Regierung Aufklärung geben. Auf alle Fälle wird man wohl bei der so dringend notwendigen Bereinigung dieser Fragen von nun ab etwas energischer vorgehen müssen und wird sich unsere Regierung auch zu einem wirklichen und etwas festeren Zugreifen schon entschließen müssen. Daß unsere Regierung ziemlich fest zuzugreifen vermag, das hat sie ja bei der Regelung verschiedener Fragen in der letzten Zeit erwiesen.

Bei uns spricht man so gerne von dem angeblich großen Einfluß der agrarischen Parteien in der Regierung und die Repräsentanten der Industrie und des Handels erklären in ihren Versammlungen, daß mit diesem großen einseitigen protektionistischen Einfluß der Agrarier endlich gebrochen werden müssen. Daß unsere sozialistischen Parteien, und besonders unsere marxistische Partei, genau in dasselbe Hörn blasen und es wohl am liebsten sehen würden, wenn diese so bösen Agrarier alle rech bald der Teufel holen möchte, das ist ja kein Geheimnis. Diese Herren würden mit unseren sogenannten Volksparteien ein viel leichteres Spiel haben, als sie es mit uns haben, da die Vertreter dieser Volksparteien eigentlich selbst nicht immer genau wissen, ob sie gebraten oder gekocht sind. Wenn ich mir die Verhältnisse objektiv betrachte, so sage ich mir, daß ich unsere beiden Agrarparteien ob ihrer Stellung und Einflußnahme im Staate eigentlich bedauern müßte. Wie steht es denn eigentlich mit all den vielen Begünstigungen, die man angeblich unserer Landwirtschaft bis nun zuteil werden ließ? Ich kann nur Eines konstatieren: Trotz all dieser angeblichen Begünstigungen — in der Tat haben wir ja solche von Bedeutung überhaupt nicht zu verzeichnen — ist unsere Landwirtschaft heute am Rand des Abgrundes angelangt. Wer etwas anderes behauptet, betreibt Demagogie oder verkennt in böser Absicht Tatsachen und verfolgt damit Ziele, über die ich mich hier nicht weiter verbreiten will.

In der Zeit der allgemeinen wirtschaftlichen Bedrängnis zeigt es sich immer deutlicher, daß eine echte wirtschaftliche Ankurbelung, die aus sich selbst neue Arbeitsgelegenheiten schafft, nur geschehen kann auf der einen Seite durch unmittelbare Förderung der landwirtschaftlichen Produktion, welche Devisen für die Einfuhr erspart, auf der anderen Seite in der Erteilung industrieller Aufträge, welche den Produktionsapparat wieder besser ausnützen, dadurch die Produktionskosten verbilligen und die Industrie zu vermehrtem Absatz befähigen. Festzuhalten ist an der Tatsache, daß es vor allem einer gesunden Agrarpolitik bedarf, um zu einem wirtschaftlich gesteigerten Geschäft zu gelangen.

Was wir als Vertreter der Landwirtschaft für diese und damit für den gesamten Landstand fordern, gipfelt in der Wiederherstellung der Lebensgrundlage unseres Bauerntums und damit der gesamten Wirtschaft. Die unhaltbaren Verhältnisse in unserer Landwirtschaft von heute sind mit dem Hinweis darauf skizziert, daß diejenigen unter den Landwirten, die am fortschrittlichsten — bisher und selbst heute noch — wirtschaften und auch die größeren Werte für das Volk lieferten, durch diese ihre intensive Wirtschaftsweise in die größte Not kommen. Es wird heute immer akuter die Frage: Ist das Mehr an Produktion, das unsere Landwirtschaft anstrebt, überhaupt noch ein Glück? Kann man ein Mehr noch wünschen, wenn schon das Vorhandene fast unabsetzbar ist und nur zu Preisen abgegeben werden kann, die der Arbeit keinen Lohn bringen? So, meine Herren, schaut die Sache in Wirklichkeit aus.

Die agrarischen Oststaaten Europas verlangen, daß die europäischen Industriestaaten ihnen den Überschuß ihrer Ernte und ihrer tierischen Produktion abnehmen. Es weisen diese Staaten mit Recht auf die wirtschaftlichen Wechselbeziehungen zwischen den Industrie- und Agrarstaaten Europas hin. Es können die östlichen Staaten nur dann Industrieerzeugnisse kaufen, wenn sie entsprechende Einnahmen aus den von ihnen produzierten landwirtschaftlichen Produkten bekommen. Die Übernahme dieser Getreideprodukte zu Weltmarktspreisen würde scheinbar auf keine so großen Schwierigkeiten stoßen, weil der Bedarf der europäischen Industriestaaten den Export dieser Agrarstaaten bei weitem übertrifft. Die agrarischen Oststaaten sagen aber, daß ihnen nur gedient ist, wenn die Übernahme zu einem Vorzugspreis erfolgt. Auf der Konferenz von Stresa suchte man für dieses Problem eine Lösung zu finden. Das Ergebnis dieser Verhandlungen ist aber mehr als unbefriedigend. Wie diese Sache heute steht, darüber sind wir Vertreter unserer deutschen Landwirtschaft leider nicht genau orientiert.

Wir deutschen Landvolkvertreter sind der Auffassung, daß es für die Sanierung des Getreidemarktes nur einen Weg gibt und daß dieser Weg in der Organisation des Getreideexportes liegt. Daß mit der Schaffung der Organisation des Getreideexportes aber eine Beseitigung der vorhandenen alten unverkäuflichen Überschüsse an Getreide und die Einschränkung der Produktion durch entsprechende Maßnahmen in den einzelnen Ländern und Staaten verbunden werden muß, soll diese Organisationsschaffung auch den zugedachten Erfolg bringen, das sei hier besonders vermerkt. Es ist erwiesen, daß der Getreideverbrauch die Eigenart besitzt, daß abgesehen von eigentlichen Hungergebieten der Konsum an Brot durch billige Preise und durch höheres Einkommen nicht wesentlich gesteigert wird. Man macht im Gegenteil die Erfahrung, daß die Menschen umso mehr Fleisch, Milch, Milchprodukte, Zuckerwaren, Schokolade usw. essen, je billiger das Brot und je mehr das Einkommen ansteigt. Es ist deshalb der Weltgetreideexport eine ziemlich feste Größe. Die Ausfuhr schwankt je nach der Ernte in den Einfuhrländern und wird heute auf 240 Millionen q an Weizen und Roggen geschätzt. Es liegt der Gedanke nahe, diese Exportmängel auf die einzelnen Exportstaaten zu verteilen, und dieser Gedanke bildete bei der Getreidekonferenz in Rom im Jahre I931 die Grundlage einer Besprechung der Vertreter der Getreideexportstaaten. Mit Ausnahme der Vertreter der Vereinigten Staaten von Nordamerika stimmten alle anderen Staatenvertreter diesem Projekte zu. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika erklärten, daß ihre Verfassung irgendwelche Beschränkung im Export nicht zulasse.

Nach Dr Laur ließe sich aber dennoch ein Ausweg schaffen, der darin liegt, daß die Kontrolle des internationalen Getreideverkehrs nicht von den Exportstaaten besorgt wird. Voraussetzung für die Regelung der Frage in diesem Sinne ist, daß auch an der Organisation des Getreideverkehres nicht nur die Agrarstaaten, sondern auch die Verbrauchsländer von Getreide sich beteiligen, und es dürfte von den Mitgliedern dieser Organisation zur Einfuhr nur jenes Brotgetreide zugelassen werden, für welches ein internationaler Geleitschein vorgewiesen werden kann. Für die Einfuhr alles anderen Brotgetreides müßte ein Überzoll eingehoben werden. Der zur Durchführung dieser Organisation bestellte internationale Getreiderat müßte die zur Ausfuhr bestimmte Menge an Brotgetreide auf die einzelnen Exportstaaten verteilen, bzw. den Importländern zuweisen.

Der Getreiderat müßte auch die Höhe der Gebühr für die Erteilung der Geleitscheine bestimmen. Gedacht waren von Prof. Dr. Laur seinerzeit pro I00 kg Getreide 2 Goldfranken, Schweizer Franken, was bei einem Exporte von 244 Millionen q Brotgetreide gleichkommt einer Einnahme an Gebühren von 480 Mill. Goldfranken, welcher Betrag in erster Linie für die Beseitigung der unverkäuflichen alten Überschüsse Verwendung finden sollte.

Der Weg, der hier für die Regelung des Getreideverkehres auf Grund internationalen Abkommens aufgezeigt wurde, denselben Weg bei der Regelung des Hopfenverkehrs zu betreten, wird von mir als Anregung gebracht und um ehetunlichste Erörterung dieser Frage durch unser Landwirtschaftsministerium gebeten. Wenn man beim Hopfen nur die Edelhopfen-Produktionsländer berücksichtigt, so kommen eigentlich nur die Èechoslovakei, Deutschland, Polen, Jugoslavien und zum Teil Frankreich in Frage, Bei nur halbwegs gutem Willen müßte sich diese Frage im Handumdrehen bereinigen lassen. Den hier in Frage stehenden Hopfenproduktionsstaaten wird auf Grund eines getroffenen Übereinkommens ein Exportkontingent in lausenden Zentnern Hopfen auf Grund seiner Bedeutung als Produzent von anerkanntem Qualitätshopfen und auf Grund seiner Bedeutung am Hopfenweltmarkt zuerkannt. Dieses Exportkontingent wird errechnet auf Grund von einwandfrei festgestellten Bedarfsziffern der Exportstaaten. Dadurch wird auch die Frage der Festsetzung der Anbaufläche der einzelnen Produktionsländer indirekt geregelt. Wird z. B. der Èechoslovakei ein Hopfenexportkontingent von 75.00O Zentnern Hopfen ä 50 kg zuerkannt, bzw. zugemessen, so kann die Hopfenanbaufläche der Èechoslovakei nur jenes Ausmaß umfassen, das diesem Kontingent plus dem Eigenbedarf an Hopfen entspricht.

Da wir trotz aller bisherigen internationalen Konferenzen und Besprechungen in Mitteleuropa der Lösung der schweren Agrarkrise um keinen Zoll näher gekommen sind, vielmehr jeder Staat nach eigenem Ermessen sich selbst zu helfen sucht, obwohl es sich nur um ein Fortwursteln handelt, kann unsere Regierung dermalen auch nur den eigenen Weg gehen und muß sich bestreben, zu helfen, wie sich eben helfen läßt. Daß sich unsere Landwirtschaft auf die Dauer nicht einzig und allein auf die Hilfe seitens des Staates und dessen Regierung verlassen wird können, das bemerke ich hier als aufrichtiger Vertreter unserer Landwirtschaft nur nebenbei, möchte diese Bemerkung aber doch ganz kräftig unterstrichen haben.

Wenn unser Herr Minister Dr Hodža vor wenigen Tagen bei der Behandlung der währungspolitischen Fragen erklärte, daß wir uns vor allem gegen jede Inflation stellen müssen und er jede Inflation als ein nicht absehbares Unheil und Unglück für unsere Landwirtschaft bezeichnete, so kann ich diese Auffassung, trotzdem ich bereit bin, sie selber im besten Sinne des Wortes zu würdigen, doch nicht zu 100 % anerkennen. Es wäre nach meiner Überzeugung für unsere Bauern gewiß sehr schlimm, wenn der Großteil von ihnen durch eine Inflation in kurzer Zeit Millionäre geworden wären. Ich bin überzeugt, daß sie alle nach dieser Inflationszeit ärmer wären, als sie es vorher waren. Daß aber die ausgesprochene Deflationspolitik, wie sie bei uns betrieben wird, auch ganz wesentlich dazu beigetragen hat, daß es speziell unserer Landwirtschaft heute so schlecht geht, ist eine erwiesene Tatsache. Die Deflation zeigt sich bis heute ausgesprochen nur bei der Landwirtschaft und nicht bei unserer Industrie, ganz besonders aber nicht bei unserer kartellierten. Industrie und bei den Kartellkonzernen. Deflation zeigt sich aber auch nicht bei unseren fiskalischen Lasten. Der innere Wert, die Kaufkraft der Krone hat sich bei der Deflationspolitik so erhöht, daß dieses Moment mit zur Verschuldung unserer Landwirtschaft beigetragen hat, weil bei den Ausgaben, Steuern, sozialen Lasten. kurz bei der ganzen Regie die Anpassung an die Aufwertung der Krone nicht stattgefunden hat. Es zeigt sich, daß Geld heute nicht mehr Tauschmittel ist, was es eigentlich sein soll, sondern daß Geld Ware ist, mit der spekuliert wird. Die Industrie hat sich durch Bindungen, Kartelle, Trusts usw. die Preise ihrer Produkte so gesichert, daß Angebot und Nachfrage ihr den Preis nicht mehr diktieren können. Die Industrie stellt einfach ihre Produktion ein und entläßt die Arbeiterschaft, wenn sich ihre Produktion nicht mehr rentiert. Die Auswirkungen der Deflation bei der Landwirtschaft sind uns ja bekannt, und ich habe auf selbe schon vorher verwiesen. Was ergibt sich aus der inneren Aufwertung der Krone für unsere Landwirtschaft? Wir zahlen, obwohl die Realsteuer gesetzlich nicht erhöht wurde, heute doch weit höhere Steuern, weil wir doch eine weit größere Menge unserer Erzeugnisse verkaufen müssen, um die in der Vorschreibung gleich gebliebenen Steuern bezahlen zu können. Das Gleiche gilt bei allen anderen Produktionskosten der Landwirtschaft. Es fällt unserer Landwirtschaft doch heute mehr als schwer, wenn sie eine mit einem niederen Werte der Krone einst gemachte Schuld ohne Umwertung mit einer hochwertigen Krone von heute tilgen oder gar rückzahlen soll. Wenn z. B. ein Landwirt in der Zeit, wo der Weizen mit 250 bis 300 Kè gezahlt wurde, eine Schuld von 200.000 Kè aufgenommen hatte, so hatte er Kur Begleichung dieser Schuld seinerzeit rund 61/2 Waggon Weizen verkaufen müssen. Heute müßte er rund 151/2 Waggon Weizen oder 25 Waggon Korn verkaufen, wenn er diese Schuld abzahlen wollte. Für die Verzinsung von 6 % und 1 % an Amortisation haben seinerzeit 14.00O Kè oder rund 15 q Weizen bei dem damaligen Weizenpreis geäugt. Heute muß er rund 100 q Weizen oder 165 q Korn oder Gerste oder über 200 q Hafer verkaufen, um den Tilgungsbetrag für diese Schuld aufzubringen. (Pøedsednictví pøevzal místopøedseda Votruba.)

Noch weit interessanter würde sich die Rechnung, bezogen auf die Viehpreise von damals gegenüber von heute, gestalten. Und noch krasser würde sich das Bild uns darstellen, wenn ich dieses Beispiel bei einem Hopfenbauern anstellen würde.

Nach Auffassung von Volkswirtschaftlern, die nicht als Nur-Theoretiker zu bezeichnen sind, wäre der Weg einer Teilinflation bei uns gangbar. Die Preise der landwirtschaftlichen Produkte würden denen der Industrie gleichgestellt werden, ohne daß letztere steigen dürften. Diesen Zustand müßte man zu erhalten trachten, bis sich unsere Landwirtschaft halbwegs erholt hat.

Der zweite Weg, welcher der heutigen. Deflation entsprechen würde, hätte zur Voraussetzung, daß die industriellen Produkte, die Steuern, die sozialen Lasten usw. dem heutigen Kronenwert angepaßt und auch Schulden und Geldeinlagen in diesem Verhältnis valorisiert werden. Es würde faktisch mit dieser Art der Schuldenregelung niemandem ein Unrecht geschehen. Es würde dem Kapitalisten und selbst dem Kleinrentner kein Abbruch zugefügt werden, denn für die durch Valorisierung verbleihende Summe erhält er dann, wenn alles, auch die Industrieerzeugnisse, den neuen Verhältnissen angepaßt sind, dieselbe Menge an Bedarfsartikeln wie einstens.

Wir verfolgen mit größtem Interesse die handelspolitischen Bestrebungen unseres Herrn Außenministers. Daß wir als Vertreter unserer heimischen Landwirtschaft die Bestrebungen des Herrn Ministers Dr Beneš, im Rahmen der Kleinen Entente eine Wirtschaftseinheit durch Ausbau und Zusammenarbeit aller Interesseninstitutionen., weiter durch Normalisierung der Erzeugung und engste Zusammenarbeit auf finanziellen und anderen Gebieten zu schaffen, mit sehr wachsamen Auge verfolgen werden und niemals für ein Bestreben zu haben sein werden, das sich schließlich und endlich zu 100 Prozent zu Ungunsten unserer heimischen Landwirtschaft auswirken müßte, hebe ich hier besonders hervor und warne heute schon unsere Regierung vor Schritten, welche diese von mir geäußerte allgemeine Befürchtung etwa bestätigen sollten.

Unsere Industrievertreter und ihre Organisationsführer begrüßen das Projekt Dr Beneš's auf Schaffung einer Wirtschaftseinheit durch die Staaten der Kleinen Entente, wobei anderen Staaten, wie z. B. Bulgarien und Polen, der Beitritt freigestellt wird, bestens, sie erkennen dieses Projekt als das aussichtsreichste von allen Donauprojekten und verweisen mit gewisser Befriedigung in ihrer Stellungnahme zum letzten Exposee unseres Herrn Außenministers darauf, daß unsere Landwirtschaft auch nach Auffassung Dr Beneš's die große Bedeutung unserer Industrie erkennen und berücksichtigen muß. Ich bemerke, daß die Vertreter unserer Landwirtschaft sich der Bedeutung unserer Industrie bisher stets bewußt waren, daß alle unsere bisherigen Regierungen, in denen ja stets auch die Vertreter unserer Landwirtschaft saßen, den Forderungen der Industrie in jeder Beziehung entsprochen haben und für die Industrie und deren Arbeiterschaft stets weit mehr Zugeständnisse gemacht wurden als man sich bereit gefunden hat, seitens der Industrie den Interessen unserer Landwirtschaft zu gewähren. Richtig ist vielmehr, daß unsere Industrie und der industrielle Arbeiter bis nun den Wert und die große Bedeutung unserer Landwirtschaft nicht zu erkennen vermochten und sich nicht bereit gefunden haben, diese Bedeutung auch im Interesse unserer Industrie und unseres industriellen Arbeiters anzuerkennen.

Wir sind nicht gegen einen Austausch von Industrieartikeln gegen Agrarerzeugnisse. Wir werden aber niemals zugeben, daß man zu uns Agrarerzeugnisse in Überfluß einführt, obwohl wir sie selbst in mehr als hinreichender Menge und besserer Qualität erzeugen, als sie uns im Export zukommen. Diese Einstellung muß wohl auch der Handelsminister Dr Matoušek und die Vertreter unseres Außenministeriums als richtig und gerecht anerkennen.

Wenn unsere Industrievertreter darauf verwiesen, daß unsere Landwirtschaft doch bedenken soll, daß ein weiteres Fortschreiten der Desorganisation im Herzen Europas auch für unsere Landwirtschaft in absehbarer Zeit die schwersten Schäden bringen müsse, so sage ich, daß sich die Herren diese Ratschläge hätten ersparen können. Die Vertreter unserer heimischen Landwirtschaft sind — und das sei den Herren hier ganz offen und frei gesagt — wirtschaftspolitisch schon so weit geschult, und die Not der langen Zeit der schwersten wirtschaftlichen Bedrängnisse, welche jeder Einzelne von Ihnen am eigenen Leibe verspüren mußte, hat sie derart wirtschaftspolitisch und volkswirtschaftlich geschult, daß sie Lehr- und Schulmeister aus den Reihen der Herren Industrievertreter nicht benötigen. Es sollten sich diese Herren stets nur mehr vor Augen halten, was auch Herr Minister Dr Beneš bezüglich unserer Exportindustrie in seinem Expose gesagt hat, und sie sollten stets der Tatsache eingedenkt sein, daß bis heute unsere heimische Landwirtschaft als der beste und sicherste Konsument und Abnehmer unserer Industrie zu betrachten war und für einen Großteil der Erzeugnisse unserer Industrie enorm hohe, meist kartellierte Preise bezahlen mußte, durch welche es der Industrie erst möglich wurde, überhaupt noch Export zu treiben.

Ein kleines Beispiel: Unsere Hopfenbauern, welche in den Jahren seit 1928 unter mehr als schwierigen Verhältnissen uns ihre Existenz kämpfen, mußten unseren kartellierten Drahtfabriken für den Hopfendraht Preise bezahlen, die um 100 und mehr Prozent höher waren als die Preise, zu denen uns z. B. Drahtfabriken aus Deutschland oder Polen ihre Fabrikate angeboten hatten. Trotz des hohen Zolles und der großen Frachtspesen hätte jeder Hopfenbauer am Zentner Hopfendraht beim Bezug aus dem Ausland wenigstens 100 bis 120 Kè erspart, so daß er nach Ablauf von drei Jahren im vierten Jahr seinen Hopfendrahtbedarf umsonst gehabt hätte. Ich könnte der Beispiele viele, ja sehr viele anführen und alle würden in ihrer Schlußfolgerung gleich lauten. Wir verfolgen mit großem Interesse alle Bestrebungen auf dem Gebiete der Exportbeförderung für unsere Industrie und bringen dieser Frage auch das erforderliche Verständnis entgegen.