Wenn ein kapitalistischer Staat gegen einen anderen Staat Dumping treibt, läuft er Gefahr, mit denselben Waffen von diesem Staate angegriffen zu werden. Sowjetrussland kann Dumping treiben, ohne daß ihm Gefahr droht, von den betroffenen Staaten mit gleichen Waffen angegriffen zu werden, weil eben Sowjetrussland allen Handel monopolisiert hat und weil eben aller Han del in den Händen-des Staates liegt.

Im freien. Wettbewerb und in der freien Wirtschaft muß jeder einzelne Erzeuger, wenn er bestehen und sich behaupten will, sich bestreben, sich vor Verlusten zu schützen. Gelingt ihm dies nicht, dann kann er sich eben nicht erhalten und muß zugrunde gehen. Was für den Einzelnen gilt, gilt analog auch für den Staat. Nur Sowjetrussland braucht sich diesbezüglich keine Bedenken zu machen. Alles, was Sowjetrussland an seinem Ausfuhrgeschäfte verliert, deckt ja die russische Gesamtwirtschaft von über 160 Millionen Menschen. Es muß weiters noch in Betracht gezogen werden, welche Macht die sowjetrussische Währung gegenüber der kapitalistischen Welt darstellt. Es ist eine bekannte Tatsache, daß in Sowjetrussland die Inflation auch heute noch herrscht. Die Sowjetregierung diktierte mit 1. Jänner 1924 den Kurs des Tscherwonetz und setzte ihn gleich dem englischen Pfund. Mit 1. Oktober 1928 wurde der Notenumlauf mit 1.628 Millionen Tscherwonetz angegeben, der bis zum 1. Juli 1929 nach offizieller Mitteilung auf 4.35. Millionen Tscherwonetz stieg. Es hat sich also der Notenumlauf in dieser kurzen Zeit von 3/4 Jahren verdoppelt. Von genauen Kennern Sowjetsrusslands wird die Deckung des Notenumlaufes aber nur mit 20 von 100 geschätzt. Ein jeder andere Staat und jedes kapitalistische Staatswesen müßte sich als bankerott erklären, wenn es derartige Währungsverhältnisse zu verzeichnen hätte. Das Russland von heute kümmert sich eben um dieses Moment blutwenig. Für den Auslandsverkehr braucht Russland den auf den ausländischen Börsen überlzaupt nicht gehandelten Tscherwonetz nicht und für den Verkehr im Inland schreibt die Regierung einfach den Wert der Währung vor. Eine sehr einfache und praktische Einrichtung. Die Sache hat aber doch ihren Hacken. weil diesem Sowjetrussland für die Aufwände der Durchführung des Fünfjahrplanes die erforderlichen guten Valuten fehlen. Die 2 Millarden Dollars, die zur Durchführung dieses Fünfjahrplanes erforderlich sein sollen, müssen auf irgendeine Weise beschafft werden. Es bestrebt sich nun die Sowjetregierung, Auslandsverkäufe zu tätigen und zwar zu tätigen unter allen Umstünden. um eben gute Valuta zu erhalten und die fehlende gute Valuta ins Land zu bringen. Russland treibt deswegen auch ohne jedwede Rücksicht Schleuderpolitik beim Verkaufe dieser seiner Waren im Auslande und befaßt sich nur mit dem Bestreben, seine Waren im Auslande abzusetzen. Es ist der Sovvjetregierung dabei ganz einerlei. um. welchen Preis diese Waren im Auslande abgestoßen werden. Russland spürt ja diesen hiebei in Kauf genommenen Verlust nicht und nimmt keine Rücksicht darauf, ob bei dieser Wirtschaftsweise ein Großteil der Bevölkerung zu Grunde geht oder nicht. Sowjetrussland bedient sieh gleichzeitig in der Ausfuhr seiner landwirtschaftlichen Produkte einer Waffe, um politisch mißliebige Staaten gewissermaßen zu züchtigen.

Es hat z. I3. in. der letzten Zeit Getreide- und Naphtaerzeugnisse auch nach Amerika ausgeführt. Es wurden die amerikanischen Märkte mit einem Angebote von ungefähr 7 Millionen Bushel Getreide überflutet, in dem Bestreben, die Märkte des Auslandes, die Märkte der Welt, noch mehr zu ruinieren, als dies schon der Fall ist. Die bolschewistische Regierung Russlands ist sich dessen bewußt, daß sie in der Verfolgung des auf politischer Brutalität aufgebauten Fünfjahrplanes mit der vermehrten Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte den europäischen Staaten große Unannehmlichkeiten bereiten kann. Die europäischen Staaten müssen sich daher gegen dieses Bestreben der sowjetrussischen Regierung ganz energisch zur Wehr setzen und sich diesbezüglich auf internationaler Basis einigen. Ob ein anderes wrirksames Mittel gefunden werden kann oder schon vorhanden ist, ist eine Frage, über die ich mich heute nicht weiter verbreiten will. Bei der Verhandlung. der eingebrachten Agrarvorlagen werde ich wohl noch Gelegenheit finden, mich mit dieser Frage etwas näher und eingehender befassen zu können.

Die Regierungen einzelner Staaten am Balkan und die Regierung Frankreichs haben schon diesbezügliche Abwehrmaßnahmen getroffen. Was man bei ans unternehmen wird, wenn Russland auch uns mit Getreide überfluten wird, auf das bin ich neugierig.

Uns ist schon seit Monaten an Theorie als Hilfe für die Beseitigung der Wirtschaftskrise und besonders der Krise in der Landwirtschaft sehr viel aufgetischt worden. Es war dessen nicht wenig. Aber auch von. erprobten Praktikern und erfahrenen Volkswirtschaftlern wrden unserer hohen Regierung sehr brauchbare und gute Ratschläge erteilt. Es hat sich diese unsere hohe Regierung aber bis heute, augenscheinlich nicht entschließen können, wirklich etwas zur Steuerung der allgemeinen Wirtschaftskrise und speziell zur Steuerung der so über aus schweren Krisis unserer Landwirtschaft zu unternehmen. Bestrebt sich einmal wirklich ernstlich ein Faktor, den im Dreck bis über die Achse verfahrenen Karren durch ein energisches Ziehen nach links herausbringen zu wollen, zieht ganz sicher der zweite Faktor nach rechts, damit der Karreu ja im Drecke weiter stecken bleibt.

Stellt der Minister für Landwirtschaft eine wohldurchdachte und zur Steuerung der Notlage unserer heimischen Landwirtschaft vollkommen berechtigte Forderung auf, wird diese wohl kaum nach Jahresfrist zur Beschlußfassung und Durchführung kommen, weil dieser Forderung sofort von allen anderen Ressortministern Gegenforderungen entgegengestellt werden. Der Beispiele könnte man gar viele bringen. Der bei uns so im Schwung befindliche Kuhhandel im Kreise der Regierung muß ja auf seine Rechnung kommen. Es darf aber auch bei der Behandlung einer wenngleich noch so hochwichtigen und überaus dringenden Wirtschaftsmaßnah- me ja nicht das Prestige der einzelnen politischen Parteien angetastet oder verletzt werden. Einbuße darf es aber keinesfalls erleiden.

Die Krise in unserer Landwirtschaft, teils Absatzkrise, teils Preiskrise, wirkt sich am deutlichsten in von unseren ländlichen Geldorganisationen veröffentlichten Zahlen aus. Der Einlagenstand bei unseren ländlichen Geldinstituten ist seit dem Jahre 1926 bis heute von Monat zu Monat zurückgegangen. Daß dieser Rückgang sich nicht noch mehr zahlenmäßig ausdrückt, beruht auf der vermehrten Sparsamkeit unseres Landvolkes. Unsere bäuerliche Bevölkerung wird durch die herrschenden Verhältnisse einfach zur Befolgung des alten Wirtschaftsgrundsatzes: >Die Ausgaben im Haushalte und in der eigenen Wirtschaft den Einnahmen tunlichst anzupassen< bemüssigt und gezwungen. Daß durch die Befolgung dieses alten Wirtschaftsgrundsatzes unsere Industrie. unser Handel und Gewerbe ganz fühlbar in Mitleidenschaft gezogen wird, dieser Tatsache werden sich hoffentlich heute auch jene nicht mehr verschließen können. die diese Tatsache mit ihren von uns stets hervorgehobenen Folgeerscheinungen früher nicht anerkennen wollten.

Es hat kein Vertreter unserer politischen Partei oder unserer wirtschaftlichen Organisation jemals die Behauptung aufgestellt, daß für die Steuerung der Krise in unserer Landwirtschaft die Zölle als das alleinige Heilmittel anzusprechen sind: (Sehr richtig!) Die Landwirtschaftszölle sind vor allem viel zu gering bemessen und dadurch so festgelegt, daß sie nicht in der Lage sind. unter geänderten Verhältnissen unserer heimischen Landwirtschaft jene stabilen Preise für ihre Produkte zu sichern, welche selbe zur Prosperität ihrer Wirtschaft unbedingt benötigt.

Insolange sich aber unsere Regierung nicht entschließt, vor allem die so übergroße Einfuhr fremden Getreides fremden Mehles, fremder Mahlprodukte und fremden Viehes Zu regeln. und zwar zu regeln im Sinne des faktischen Bedarfes (So ist es!) und diese Einfuhr nur als Ergänzung der etwa bei uns zum Fehlen gelangenden Mengen dieses oder jenes Produktes behandelt, wird es für unsere Landwirtschaft nicht besser werden. (Sehr richtig!) Wenn nicht weiters bei dieser Einfuhrregelung gleichzeitig der Verkehr mit diesen Importprodukten durch eine zu schaffende Stelle Hand in Hand geht, wird es unserer Regierung wohl kaum möglich sein, jenes Dumping auszuschalten, das alle Staaten in der einen oder anderen Form beim Export ihrer überschüssigen landwirtschaftlichen Produkte gegenüber uns heute üben. Es wird auch nicht möglich sein. unserer Landwirtschaft die unbedingt erforderlichen und gewiß auch berechtigten Preise für ihre Erzeugnisse zu sichern.

Wie es bezüglich der hinfuhr von Getreide und Mehl z. B. aus Ungarn heute aussieht, hiezu folgendes Datenmaterial: Im verflossenen Monat wurden um 3500 Waggon Getreide und MehI aus Ungarn zu uns mehr eingeführt, als im gleichen Monate des Vorjahres. (Skandál!) Auch der laufende Monat Oktober verzeichnet gegenüber dem gleichen Vorjahrs monat einen sehr bedeutenden Vorsprung bezüglich der Einfuhr von Getreide und Mehl aus dem Auslande, insbesonders aus Ungarn. (Výkøiky: Kdo to sem dová¾í?) Sofort, Herr Kollege gebe ich Auskunft! Diese Mitteilung stammt aus dem amtlichen Berichte über unseren Außenhandel pro September 1930 und muß als Konstatierung dieser Tatsache, als das beste Agitationsmittel für die von unseren beiden Agrarparteien im Senate eingebrachten Anträge, betreffend Erlassung von Schutzmaßnahmen gegen das Bestreben des Spekulantentums angesehen werden. (Sehr richtig!) Diese Mitteilung bestätigt nur allzu treffend die unbedingte Notwendigkeit und Dringlichkeit der Durchführung der in unseren Anträgen geforderten Maßnahmen.

Man bemüh! sich ganz allgemein, um dem mit 15. Dezember in Kraft tretenden erhöbten Zollzuschlag tunlichst ans dem Wege zu gehen. Man erhofft sich aber auch weiters erhöhte Preise für diese importierten und aulgestapelten Vorräte an Getreide und Mehl. Ist derartiges spekulatives Handeln mit unseren alltäglichen notwendigen Lebensbedürfnissen wohl etwa auch noch berechtigt? Vielleicht finden sich auch hier noch Leute, die dieses Schiebertum und Spekulantentum in Schutz zu nehmen sich bemüssigt sehen.

Ich wäre nur neugierig, zu sehen, was unsere Herren Vertreter unserer Industriearbeiter tunr und unternehmen würden, wenn zur Zeit größerer Arbeitslosigkeit in dem einen oder anderen Industriezweige Unsummen von Industrieerzeugnissep dieser Branchen zu uns zur Einfuhr kommen würden! Ich kann mir sehr lebhaft das Bild vorstellen, das die beiden Häuser des Parlamentes in diesem Falle bieten würden. Ich bin auch der Anschauung, daß sich in diesem Falle bei unseren. Herren Arbeitervertretern niemand um die auf internationaler Basis geschlossenen Verträge und selbst um bestehende Handelsverträge kümmern würde. Man würde unsere Regierung einfach zwingen, sofort entsprechende Maßnahrnen zum Schutze unserer heimischen Arbeiter und der heimischen Produktion zu treffen. Wir alle würden. diese Forderung nur begrüßen und selbe wärmstens unterstützen (Jawohl!), weil wir sie bei objektiver Beurteilung als richtig und nötwendig erkennen müßten.

Genau in einer bleichen Situation befindet sich heute unsere heimische Landwirtschaft. Durch bestehende Handelsverträge, die heute in. Anbetracht der im unserer heimischen. Landwirtschaft bestehenden Katastrophe gar keine Berechtigung der Existenz besitzen, wird unser Staat von den ungarischen Börsenspekulanten und Schiebern, mit Getreide und Mehl überflutet.

Es soll am verflossenen Freitag der ungarische Gesandte in unserem Außenministerium vorgesprochen und dort protestiert haben gegen die von den beiden Agrarparteien im Senate letzthin eingebrachten Anträge.

Am verflossenen Montage hat unser Außenministerium an der Hand des statistischen Zahlenmaterials der ungarischen Gesandtschaft die unseren Staat so überaus schädigende Handlungsweise Ungarns nachgewiesen.. Kann sich ein unabhängiger und freier Staat eine derartige Handlungsweise ohne Gegenmaßnahmen bieten lassen? Ich glaube nein. Wir Landwlksparteien werden uns von dem Spekulanten- und Schiebertum nicht bevormunden lassen. (Sehr richtig!)

Meiner Anschauung nach hat es unsere Regierung in der Hand, von dem Ermächtigungsgesetze des Jahres 1920 Gebrauch zu. machen und die Getreideund Vieheinfuhr so zu beschränken, bezw. selbst zeitlich ganz zu sistieren, wie es eben die herrschenden Verhältnisse erheischen. Die Regierung scheint aber gewisse Angst vor der Gebrauchnahme dieses Ermächtigungsgesetzes zu haben. Warum z. 73. gerade unsere deutsche Gewerbepartei momentan auch so Sturm läuft gegen die Anwendung des sogenannten Ermächtigungsgesetzes, bildet für mich ein Rätsel. Unsere Regierung wird doch notgedrungen in diesen sauren Apfel beißen müssen.

Es wird vielfach die Idee der Schallung eines Getreidemonopols propagiert. für welche Idee sich aber unsere Bauernschaft bis heute noch nicht so recht erwärmen konnte. Es schweben unserer Bauernschaft nämlich immer noch die während des Krieges und nach dem Kriege von der Regierung geschaffenen Kriegszentralen vor Augen, welche Einrichtungen gar so viele Schikanen für unsere Bauernschaft erbrachten, wobei die Gegner aus den Reihen der Bauernschaft gegen ein zu schaffendes Getreidemonopol bei ihrer Argumentation aber vergessen, daß damals Not an allen Bedarfsartikeln, besonders an Nahrungsmitteln herrschte und daß deswegen den Bauern das letzte Kilo seiner erzeugten Produkte zwangsweise genommen wurde. Heute sind aber die Verhältnisse gerade die konträren. Heute schwimmen wir im Überflusse an gewissen Bedarfsgegenständen des täglichen Lebens und müssen darauf bedacht sein, daß diese Produkte noch um einen halbwegs entsprechenden Preis an den Mann gebracht werden.

Andere Faktoren sprechen wiederum der Errichtung eines Einfuhrsyndikates das Wort. Es soll die zu schaffende Einrichtung so oder so heißen, das spielt keine Rolle, uns kann es gleich sein, oh das Kind Hans oder Seff heißt, aber niemals wird hier jenes starre System zur Durchführung gelangen dürfen, wie dies seinerzeit bei den Kriegszentralen der Fall war. Es soll vielmehr der Verkehr mit Getreide, Mehl- und Mahlprodukten im Inlande vollkommen frei bleiben. Es soll nur der Verkehr mit dem importierten Getreide einer zu schaffenden Monopolstelle überantwortet werden. Daß wir auch zum Schutze unserer heimischen Viehproduktion eine ähnliche Einrichtung gleichzeitig ins Leben. rufen müssen, liegt klar auf der Hand und sei hier nur vorderhand angedeutet.

Es hat sich die Idee der Errichtung einer monopolisierten Einfuhrstelle für Getreide und Mehlprodukte in einigen Ländern bereits durchzuringen vermocht und verweise ich diesbezüglich auf die Schweiz und Österreich. In Österreich ist man zur Einsicht gekommen, daß durch ein Gesetz eine offizielle Einfuhrstelle für Brotgetreide und Mahlprodukte geschaffen werden muß, welche zu schaffende Einfuhrstelle allein berechtigt ist, das zu importierende Brotgetreide, Mehl- und die Mahlprodukte im Inlande in Verkehr zu setzen, bei welchem Inverkehrsetzen der heimische Handel nicht ausgeschaltet werden soll. Durch die Schaffung einer derartigen Einfuhr stelle und Regelung des monopolisierten Verkehres mit dem importierten Getreide, Mehl- und Mahlprodukten muß durch diese Stelle natürlich mich der Verkaufspreis im Inlande für das importierte Getreide, die Mehl- und Mohlprodukte so geregelt werden, daß er angepaßt ist den Produktionskosten des heimischen Getreides. Durch das Ausbieten des importierten Getreides und Mehles zu einem entsprechenden. Preise auf der Produktenbörse des Inlandes werden auch die Getreidepreise im Inlande zwangsläufig gehoben werden. Die zu schalfende Einfuhrstelle soll als Regulator für die Getreidepreise im Inlande dienen. Unsere Mühlenindustrie wird die Schaffung einer derartigen Einfuhrstelle als eine vorteilhafte Einrichtung nur bestens begrüßen, da damit die für sie heute so schwer fühlbare Konkurrenz mit den ungarischen Han,. delsmühlen wenigstens teilweise zur Ausschaltung käme.

Daß durch die Schaffung einer derartigen Einfuhrstelle der heimische Konsum in keiner Weise beeinträchtigt werden würde oder dürfte, steht außer Zweifel. Die große Preisspanne, die sogeäannte >Preisscheee< die heute zwischen dein Preise der landwirtschaftlichen Produkte und dem Preise dieser Produkte beim Konsumenten besteht, ist eine solche, daß eine Erhöhung der bestehenden Preise für unser Getreide und Vieh um 50% noch immer keinen Anlaß zur Erhöhung der Preise für Brot und Semmeln, bezw. für Fleisch und Wurstwarem geben würde. (Sehr richtig!)

Ich werweise diesbezüglich auf die bestehenden Verhältnisse. In unseren Kartoffelbzm treibenden Gebieten bietet man dem Landwirt 10 bis höchstens 15 Kronen per 100 kg Kartoffeln. Ich war vor kurzer Zeit im. Gebiete Luditz und Buchau. In diesem Gebiete wurden die Kartoffeln um 10 bis 12 Kronen per 100 kg verkauft. Ich habe in Karlsbad und Fischern, 15 bis 18 km von Buchau ent fernt, in einigen Geschäften nach den Preisen der dort zum Verkaufe ausgebotenen Kartoffeln befragt. Die Forderung bewegte sich von 60 bis 80 Kronen für 100 kg. Bei Abnahme von 300 bis 500 kg bot man einen Nachlaß von 5 Kronen per Meterzentner. (Rùzne výkøiky.)

Als eine unserer besten Krautgegenden ist das Gebiet um Tuschkau, Malesitz bei Pilsen usw. anzusprechen. Dort bietet man den Bauern 10 bis 12 Kronen für 100 kg, für ausgeschnittene hochprima Ware 18 Kronen. Die Herren Vertreter der städtischen Beamtenschaft wollen sich bei den Hausfrauen der Stadt nur erkundigen, welche Preise selbe für Kraut bezahlen müssen.

Bei unserem Gemüse und Obst ist es um keine L aus besser. Unsere südmährischen Gurkenpflanzer mußten im verflossenen Sommer die Salatgurken bis zur österreichischen Grenze den österreichischen Käufern zu Schundpreisen zuführen. Der Preis, der ihnen gezahlt wurde, er deckte nicht einmal den Fuhrlohn von der Erzeugungsstätte bis zur Ablieferungsstelle. Im Gebiete um Melnik und V¹etat lagern hundert und Hunderte von Waggons an Gemüse, insbesondere an Zwiebeln, die unter Schundreisen nicht einmal an den Mann zu ringen sind. Es wäre dem gegenüber von Interesse zu erfahren, wieviel Waggons fremde Zwiebeln monatlich nur nach Prag eingeführt werden. V¹etat und Melnik liegen ja in Hinterindien oder Hindustan und es würden ja die Frachtspesen für den Konsum von Prag als unerschwinmlich und der Preis der Ware als so schwer belastend erkannt werden müssen.

Der Liter besten Traubenmostes kostet heute in Südmähren 80 Heller bis 1.20 Kè. Was der Liter Wein, der aus diesem Most gewonnen wird, kosten wird, das werden wir ja sehen. Ich bin nur neugierig, ob unsere Weinhändler auch bei diesen so elenden Mostpreisen den Wein noch zu taufen sich bemüssigt sehen werden oder ob sie ihn überhaupt nur wieder auf der Kellerstiege werden wachsen lassen.

Das Kilogramm Brotmehl kostet heute 9.30 bis 1.35 Kè. Wie schaut es mit dem Brotpreise und dem Preise für Weißgebäck aus?

Die neuen Brotpreise in Prag sind ab Oktober um ungefähr 50 Heller niedriger geworden und notieren heute:

Ein Laib Brot im Gewichte von 1.15 kg aus weißem Mehl erzeugt, oder im Gewichte von 1.25 kg aus schwarzem Mehl erzeugt, kostet Kè 2.60.

Ein Laib Brot im Gewichte von 1.53 kg aus weißem Mehl erzeugt, oder im Gewichte von 1.66 kg aus schwarzem Mehl erzeugt, kostet Kè 3.40.

Ein Laib Brot im Gewichte von 2.30 kg aus weißem Mehl erzeugt, oder im Gewichte von 2.30 kg aus schwarzem Mehl erzeugt, kostet Kè 5.20.

Ein Laib Brot im Gerichte von 3.45 kg aus weißem Mehl erzeugt, oder im Gewichte von 3.75 kg aus schwarzem Mehl erzeugt, kostet Kè 7.80.

Seit 2 Jahren sinken die Getreidepreise von Woche zu Woche. Auch jene Parteien, die immer und immer wieder betonen, daß es für die Arbeiter und Beamten unerträglich wäre, die heimische Getreideproduktion durch entsprechende Zölle zu schützen, müßten zur Überzeugung kommen, daß dem Preissturze am Getreidemarkte eine entsprechende Herabsetzung der Brotpreise und der Preise für Weißgebäck nicht folgte. Besonders unsere sozialdemokratischen Parteien stellten sich seinerzeit gegen die berechtigten Wünsche der Landwirtschaft auf Erlassung von wirksamen Schutzmaßnahmen, stellten sich gegen Maßnahmen, welche die übermäßige Einfuhr von Getreide, Mahlprodukte und Vieh aus dem Auslande regeln sollten und erklärten immer und immer wieder, daß der Verbraucher durch derartige Maßnahmen allzu fühlbar betroffen werden würde, bezw. betroffen werden könnte. Kollege Dundr steht ja heute scheinbar auch noch auf diesem Standpunkte.

Die erfolgte Herabsetzung der Brotpreise in Prag in der letzten Zeit, die rund 7 % beträgt, obwohl der Roggen um mehr als 50 % und der Weizen beinahe um ebensoviel Prozent in seinem Preise gesunken ist, wird von den sozialdemokratischen Parteien als ein Riesenerfolg des Ministeriums für Volksernährung hingestellt. Ich brauche wohl der Worte nicht viel zu verlieren, wenn ich darauf verweise, daß eine Verblligung des Brotes um 7 % in keinem Verhältnisse zum Preisrückgange beim Roggen steht. (So ist es!) Die Unterlagen für die Berechnungen, die dem Ministerium für Volksernährung zur Verfügung gestellt wurden; scheinen wohl nicht recht zu stimmen. Man hat hier gewiß wiederum gegenüber dem sozialdemokratisch geleiteten Ministerium für Volksernährung betont, daß eine weitere Herabsetzung des Brotpreises naturgemäß eine Herabsetzung der Löhne für die im Bäckergewerbe Beschäftigten nach sich ziehen müßte und scheint das Ministerium für Volksernährung auf diesen plumpen Witz wirklich hereingefallen zu sein.

Wenn das Brot nur zu 14% aus Mehl bestehen würde und zu 86% aus Arbeitslöhnen, Beiträgen für die Krankenund Sozialversicherung, Steuern und dergl., dann hätte wohl die durchgeführte 7,% ige Verbilligung des Brotes gegenüber dem 50 % igen Rückgange des Preises im Korn eine Berechtigung. Nachdem dem aber nicht so ist, so muß die von mir vorhin aufgestellte Behauptung als richtig erkannt werden. Es scheint auch der 11 all zu sein, daß sich das Ministerium für Volksernährung viel zu viel von der Prager Arbeiterbäckerei beraten läßt, welche Arbeiterbäckerei zwar eine sozialdemokratische Einrichtung ist und wohl auch von strammen Sozialdemokraten geleitet sein wird, die aber in ihrer Geschäftsgebarung blutwenig mit der Sozialdemokratie zu. tun hat und sich von den kapitalistischen Unternehmungen in nichts unterscheidet.

Nun über die Tragödie der Zuckerpreise.

Vor Jahresfrist kostete Zucker in New-York noch 175 Kè per Ztr. Heute notiert Kubazucker in New-York knapp 60 Kè per Ztr. In Prag notierte Rohzukker in den letzten Tagen 66 Kè franko Aussig Dieser Preis vermag nicht einmal die Zuckererzeugungskosten zu decken, wenn man die Rübe gleich Null im Preise einsetzen würde. Hier hat unsere Regierung doch schon vor Zeiten helfend eingegriffen und hat die Tragödie unserer Zuckerindustrie dadurch etwas gemildert, daß sie zumestimmt hat, daß der Zucker für den Inlandskonsum ziemlich teuer verkauft werden muß. Durch diese Maßnahme der Regierung fällt doch für unsere Zuckerindustrie für diesen Teil ihrer Produktion noch ein ganz hübscher Brocken ab. Wenn wir imstande wären, den Inlandskonsum um ein Beträchtliches zu heben, könnten einerseits die Preise für den Inlandskonsum auch wesentlich herabgesetzt werden und andererseits würde sich der Preistiefstand am Weltzuckermarkte für unsere Zuckerindustrie nicht so schwer fühlbar auszuwirken vermögen, weil uns wreniger Zucker für Exportzwecke zur. Verfügung stünde. Die Èechoslovakei trägt an den heute herrschenden ungünstigen Verhältnissen am Zuckermarkte wohl die geringste Schuld. Unsere Zucke produktion betrug in der Kampagne 1925/26 rund 15 Millionen Ztr. und brachte in der Kampagne 1929/30 bloß etwas über 10 Millionen Ztr., hat sich also um 30 verringert. Es haben aber viele Länder, die bis vor kurzer Zeit eine sehr starke Zuckereinfuhr zu verzeichnen hatten, ihre eigene Zuckerproduktion bedeutend vermehrt und denken heute daran, in allernächster Zeit selbst Zucker auszuführen. Ich verweise hier auf Österreich, Italien und verschiedene 13alkanstaaten. Unsere Herren Zuckerindustriellen tragen aber ad Person an dem Umschwunge dieser Verhältnisse selbst den Großteil der Schuld. Es haben verschiedene heimische Zuckerindustrielle unter Mithilfe heimischer Banken im Auslande, besonders am Balkan, Zuckerfabriken errichtet und haben damit den Export in diese Staaten uniergraben oder wenigstens bedeutend beeinträchtigt. Dieselben Verhältnisse finden wir auch in anderen Industriebranchen.

Der Großteil der Schuld, daß wir heu, te am Weltzuckermarkte derartige Verhältnisse haben, trägt Kuba mit seiner so unglücklich betriebenen Produktionsund Preispolitik. Kuba hat die festgelegt und vereinbart gewesenen Restrinktionsmaßnahmen nicht befolgt und eingehalten und dadurch es herbeigeführt, daß heute bei Beginn der diesjährigen. Kampagne in Kuba selbst um eine Million Ztr. Zucker mehr lagern als in derselben Geit des Vorjahres. Kuba und Java betreiben Katastrophenpolitik und machen beide Staaten heute eine schwere finanzielle Krise durch, deren Tragweite nicht übersehbar ist. Es werden auch in diesem Falle die Verhältnisse stärker werden als der Wille zum Treiben derartiger unsinniger Katastrophenpolitik und wird die kommende Zeit auch diese zwei größten Zuckerproduktionsstaaten zum Abschlusse und auch zur Einhaltung von Übereinkommen zwingen, welche die Existenz dieser Produktion sichern.