Pøíloha k tìsnopisecké zprávì

o 55. schùzi senátu Národního shromá¾dìní Republiky Èeskoslovenské

v Praze ve ètvrtek dne 16. øíjna 1930.

1. Øeè sen. Jokla:

Meine Damen und Herren! Die gegenwärtige Entwicklung der Weltwirtschaftskrise wurde von uns schon gelegentlich der letzten Wirtschaftsdebatte vor ungefähr 1 1/2 Jahren vorausgesagt. Mindestens 15 1/2 Millionen arbeitsloser Menschen werden gezählt, dazu kommt noch die große Anzahl von Kurzarbeitern. Mein unmittelbarer Vorredner, Koll. Tichi, meinte, daß man der Weltwirtschaftskrise ratlos gegenüberstehe. Richtig ist, daß diese Krisen Erscheinungen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung sind, und so lange es eine kapitalistische Produktionsweise geben wird, so lange wird es Krisen geben. Die anarchistische Produktionsweise des Kapitalismus, wo nicht für den Bedarf, sondern aus Profitgründen produziert wird zeitigt die Krisen, und die diesmalige Weltwirtschaftskrise wird noch durch ganz besondere Maßnahmen und Einrichtungen der kapitalistischen Entwicklung verschärft. Die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise bestätigt wieder einmal die Richtigkeit der Lehren von Karl Marx und seines Mitarbeiters Engels. Schon vor vielen Jahrzehnten schrieb darüber ausführlich Karl Marx in seinem zweiten Band des >Kapital< und Engels in einer Polemik mit dem bürgerlichen Nationalökonomen Engen Düring in seinem Werk >Herrn Eugen Dürings Umwälzung der Wissenschaft.< Folgendes: >In den Krisen kommt der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung zum gewaltsamen Ausdruck. Der Warenumlauf ist momentan vernichtet; das Zirkulationsmittel, das Geld, wird Zirkulationshindernis; alle Gesetze der Warenproduktion und Warenzirkulation werden auf den Kopf gestellt. Die ökonomische Kollision hat ihren Höhepunkt erreicht. Die Produktionsweise rebelliert gegen die Austauschweise, die Produktionskräfte rebellieren gegen die Produktionsweise, der sie entwachsen sind.< Und Friedrich Engels zergliedert ausführlich diesen Prozeß, der zur Vergesellschaftlichung der Produktionsmittel führen muß: >Indem die kapitalistische Produktionsweise mehr und mehr die große Mehrzahl der Bevölkerung in Proletarier verwandelt, schafft sie die Macht, die diese Umwälzung bei Strafe des Untergangs zu vollziehen genötigt ist.<

Das, was Marx und Engels damals niedergeschrieben haben, erfährt seine volle Bestätigung. Auf der einen Seite ein ungeheurer Überfluß an Getreide, das Getreide wird verfüttert, es werden damit Maschinen geheizt, und auf der anderen Seite Zehntausende von hungernden Menschen. Auf der einen Seite die mit allen Bedarfsartikeln gefüllten Warenhäuser, auf der auderen Seite Zehntausende von Menschen, die alle Bedarfsartikel entbehren müssen. Der Wahnsinn der kapitalistischen Produktionsweise könnte keine deutlichere Illustration erfahren als durch die Tatsache, daß ein so wichtiger Bedarfsartikel wie Kaffee in Brasilien in ungeheuren Massen lagert. Am 31. August zählte man dort 23 1/2 Millionen Sack Kaffee, genügend, um den Weltbedarf für 2 Jahre zu decken, und um den Überfluß an Kaffee herabzudrücken, wurden 45.000 Sack Kaffee unter dem Vorwande, daß es sich um minderwertigen Kaffee handle, in das Meer geschüttet. Und bei dem jüngst abgeschlossenen Vertrag zwischen Brasilien und Polen erhielt Polen 300.000 Sack Kaffee von der brasilianischen Regierung gratis, um den Kaffee in Polen propagieren zu können. So sieht die beste, angeblich von einem höheren Wesen gewollte Gesellschaftsordnung aus.

Die gegenwärtige Weltwirtschäftskrise hat eine besondere Verschärfung durch die kapitalistische Rationalisierung und den gedrosselten Inlandskonsum erfahren. Wir haben, was Agrarprodukte anlangt, zwei ungeheure Rekkordernten hinter uns. Man schätzt z. B. den Weizenertrag der letzten Ernte in Australien und Argentinien mit 12 Millionen Tonnen, wozu noch 7.2 MillionenTonnen der vorjährigen Ernte kommen. Diese Rekkordernten sind auch auf die Rationalisierung im Bodenbau zurückzuführen, der eine gesteigerte Produktivität aufzuiveisen hat. Auf der einen Seite haben wir eine Vermehrung der Bodenfläche, auf der anderen Seite, auch bei uns, eine bedeutende Steigerung des Durchschnittsertrages per Hektar. 1920 wurden in der Èechoslovakei auf einen Hektar Grund an Roggen 9.3 q geerntet, 1927 15.4 q, im Weizenbau 1920 11.3, heute 17.2, Kartoffeln 1920 82.7, heute 40.1 q. All diese Umstände haben dazu geführt, daß die Preise für Weizen im Großhandel ungeheuer zurückgegangen sind. 1929 war der höchste Kurs für Weizen im Feber 205 Kè, im Jänner 1930 ist er 120 Kè, Roggen: Feber 1929 Höchstkurs 187. heute 80 Kè. Das Arbeitsstatistische Amt hat nachgewiesen, daß der Großlandelpreis - 1914 mit 100 angenommen - heute für Inlandsweizen in Gold berechnet 76.3, für Roggen 67.8, für Weizenmehl 84.5 und für Roggenmehl 75.9 beträgt. Es ist aber noch ein verschärfendes Moment in der letzten Zeit eingetreten, und zwar das zweifellos vorhandne Dumping nicht nur in Weizen, sondern auch in einer Reihe anderer Rohprodukte seitens Sowjetrussland. Russland hungert, die Menschen stehen Schlange vor den Lebensmittelgeschäften.. (Sen. Schwamberger: Das äst eine Lüge!) Das ist keine Lüge, ich werde Ihnen das sofort nachweisen. Vozu hat das Zentralkomittee angeordnet, daß die Brotkarten den weniger bevorzugten Personen genommen werden sollen, wenn das nicht Tatsache ist? (Hluk.) Das Zentralkomittee gibt zu, daß die bisherigen Ergebnisse der Getreideablieferung außerordentlich ungünstig sei. In der Verordnung heißt es: >Es ist nunmehr ernstlich mit einer Hungers­ gefahr im kommenden Winter zu rechnen.< Das schreibt das Zentralkomitee. (Sen. Schwamberger: Sie wollen Sozialist sein? - Hluk.) Sie Dummkopf, Sie wissen nicht, was Ihre eigene Partei schreibt. Ich wiederhole, das Zentralkomitee der kommunistischen Partei schrieb, daß im kommenden Winter ernstlich mit einer Hungersnot zu rechnen ist, da das Programm für August nur 67%, das für September aber sogar nur bis zu 47 durchgeführt ist. (K sen. Schwambergerovi, a Langerovi): Sie können ja, nicht dafür, daß, es dort so ist. Sie tragen nicht die Verantwortung für diese Politik. Das Präsidium des Zentralvollzugsausschusses gibt bekannt, daß auch der Verlauf der Herbstaussaat vollkommen unzureichend ist. Aus Vertretern der Industriearbeiter und der kommunistischen Jugendverbände wurden Stoßbrigaden gebildet, die in den Dörfern die Getreideablieferung organisieren müssen. (Sen. Schwamberger: Wo haben Sie das Material her, Herr Kollege?) Das werde ich Ihnen gleich sagen. Sie können sich übrigens bei der sowjetrussischen Gesandtschaft erkundigen, ob das richtig ist.

In demselben Augenblicke, wo auf der einen Seite in Sowjetrussland ein kommender Hungerwinter angekündigt wird, wirft Sowjetrussland ungeheuere Quantitäten von Weizen auf den Weltmarkt, Russland hat bisher 1,600.000 Tonnen Weizen ausgeführt, nicht nur auf die amerikanischen Getreideplätze. Auch Frankreich, Italien, Griechenland, ja sogar die jugoslavischen Länder, die bisher donaurussischen. Weizen bezogen haben, werden mit sowjetrussischem Weizen überschwemmt. Die Russen haben in den letzten. Tagen neue Frachträume von den Schwarzen-Meer-Distrikten auf europäische Häfen gechartert und es ist mit einer gebundenen Verschiffung von 600.000 Tonnen im November zu rechnen in allererster Linie mit einer Verschifung von Weizen. Der Verkauf zu Dumpingpreisen ist es, gegen den man sich mit Recht wenden muß. Russland verkauft unter den Gestehungskosten das Getreide, weil es die Möglichkeit in der Hand hat, die Preise nach Willkür herunterdrücken zu können.

Aber wir haben es nicht nur mit einem Dumping, mit dem Verkauf sowjetrussischen Getreides zu Schleuderpreisen zu tun, wir haben es auch mit einem Dumping bei anderen Rohprodukten zu tun besonders greifbar ist das sowjetrussische Dumping auf dem Gebiete des Holzexportes. Man braucht nur einen Vergleich der Notierungen der Holzbörsen von Berlin, Hamburg und London heranzuziehen, um feststellen zu können, wieviel auf die normalen Frachtsätze Sowjetrussland bei seinem Holzexport zuzahlt. Auch dieser Holzexport Russlands hat wieder ungeheuere Nachwirkung für die èechoslovakische Arbeiterschaft. Die ganze Forstwirtschaft der Èechoslovakei liegt darnieder. Tausende und Abertausende von Forstarbeitern sind arbeitslos, es wird in den entlegenen Forsten nicht ein Baum abgestockt, weil Sowjetrussland mit seinem Holz die ganze Welt, auch uns überschwemmt. (Výkøiky sen. Schwambegera.) Gehen Sie hinaus in die Grenzländer, dort sind Tausende von Holzarbeitern arbeitslos. In dem angrenzenden preusischen Gebiet, wo früher èechoslovakisches Holz verarbeitet worden ist, wird heute sowjetrussisches Holz verarbeitet. Wir stehen geradezu vor einem Bankerott der Holzindustrie. Flachs und Garn kommen gleichfalls massenhaft auf den Weltmarkt. Flachs wurde schon früher aus Russland bezogen und hier versponnen. Nun ist eine ganze Anzahl von Flachsspinnereien stillgelegt. Das stellt auch der kommunistische >Vorwärts< fest, der zugibt, daß es bei uns Zehntausende von Arbeitslosen gibt, weil Garn aus Russland bezogen wird, weil hier kein Flachs infolge des russischen Dumpings zu Garn verarbeitet wird. (Výkøiky sen. Schwambergera.) Ich werde Ihnen sagen, warum Russland exportiert, nämlich aus drei Gründen. Erstens ist der sowjetrussische Dumping auf die Tatsache zurückzuführen, daß Sowjetrussland sich ausländische Zahlungsmittel beschaffen muß, Sowjetrussland gibt seinen Arbeitern kein Brot, sondern gibt ihnen Maschinen, die es vom Alusland bezieht. Weiters ist anzunehmen, daß Sowjetrussland der Ansicht ist, durch dieses Dumping einen Druck auf das kapitalistische Europa und auf Amerika ausüben zu können, damit es Kredite bekommt, weil es Geld braucht. Und das dritte und wichtigste Moment ist das, daß Stalin überzeugt ist, mit diesem Dumping eine Karte in dem Weltrevolutionsprozeß ausspielen zu können. Durch den sowjetrussischen Dumping glaubt er die arbeitende Bevölkerung der europäischen Staaten in eine verzweifelte Situation treiben zu können, um sie so der sowjetrussischen Putschtaktik gefügig zu machen.

Es ist eine Tatsache, daß die niedrigen Preise, die heute auf dem Weltmarkt herrschen, von der Bevölkerung nicht zu spüren sind, bezw. daß diese niedrigen Preise nicht zur Auswirkung kommen. Es ist eine alte Erfahrung, daß, wenn die Großhandelspreise steigen, die Kleinhandelspreise sofort nachklettern, in dem Augenblicke aber, wo die Großhandelspreise heruntergehen, dauert es sehr lange, bevor sich der Kleinhandel dazu bequemt, mit dem Preisrückgang des Großhandels Schritt zu halten. Im August 199 betrug der Großhandelsindex für Nahrungsmittel 900, im August 1930 835, d. i. eine Differenz von 65 Punkten. Im Kleinhandel betrug der Index im August 1929 857, im August 1930 730, also eine Differenz von 127 Punkten. Wie ungeheuer der Kleinhandel im Laufe der letzten Jahre zugenommen hat, dafür sind die Ziffern ein Beweis, die das Gremium der Kleinhändler in Teplitz-Schönau veröffentlicht hat. Im Jahne 1914 wurden dort 500 Mitglieder gezählt, heute sind es rund 15.000. Der Brotpreis ist heute genau so hoch wie zur Zeit, wo der Meterzentner Korn 170 Kè gekostet hat. Es ist erwiesen oder praktisch von einer Reihe von unabhängigen Wirtschaftsorganisationen durchgeführt worden, daß ein Brotpreis unter 1.90 Kè pro kg dem heutigen Preise lange nicht mehr entsprechen würde. Es hat vor kurzem die allgemeine Konsum- und Erzeugergenossenschaft in Rakonitz eine Aufstellung veröffentlicht, in welcher sie nachweist, daß sie kontinuierlich seit 1929 mit dem Brotpreis zurückgegangen ist. Ich kann darauf verweisen, daß die Genossenschaft am 23. September 1930 ein kg Brot mit 1.60 Kè verkauft hat, (Sen. Thoø: U nás je za 1.50 Kè u pekaøe! Kolik ho chcete? Já Vám ho dám k disposici!) Das müßten Sie erst nachweisen, Herr Kollege. Ich möchte Sie jedenfalls ersuchen, uns den Ort und die Bäcker zu nennen, die das Brot mit 1.50 Kè verkaufen. Ich kann Ihnen nur mitteilen, daß in meinem Wohngebiet bei den Bäckern das kg Brot noch mit 2 Kè verkauft wird. (Sen. Thoø: U nás za 1.50 Kè!) Sie leben jedenfalls in einer Gegend, Herr Kollege, wo der Wucher nicht so groß ist wie bei uns.

Genau so ist es beim Fleisch. Der Landwirt bekommt für 1 kg Lebengewicht beim Schwein 7.5O Kè bis 8 Kè, totes Gewicht 10 Kè, der Detailpreis in den Fleischergeschäften beträgt 16-18 Kè, unter Umständen 20 Kè. Wir müssen mit allem Nachdruck fordern, daß die angekündigte Verbilligungsaktion energisch und zielbewußt durchgeführt wird, daß sie ihre Ergänzung finde durch Vorschriften bezüglich des Anschreibens der Preise unter Erlassung von Richtpreisen, deren strenge Einhaltung mit Hilfe der Wuchergerichte gefordert werden muß.

Meine Damen und Herren! Wir erkennen an, daß in der Landwirtschaft eine Krise herrscht, und wir haben schon deshalb ein Interesse an deren Linderung. Krisen sind Erscheinungen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, sie können nicht aufgehoben, sie können nur gemildert werden. Krisen werden erst verschwinden, bis die kapitalistische Gesellschaftsordnung verschwindet, wie ich schon eingangs meiner Ausführungen gesagt habe. Wir sind also für eine Linderung auch der Krise der Landwirtschaft schon deshalb, weil eia inniger Zusammenhang zwischen Industrie und Landwirtschaft besteht, der Landwirt ein bedeutender Käufer für Industrieprodukte ist. Wir können heute schon in einer Reihe von lndustriezweigen nachweisen, daß ihr Stillstand vielfach auf den Nichteinkauf der Landwirte zurückzuführen ist.

Es wurde hier im Hause von agrarischer Seite eine Reihe von Anträgen eingebracht. Ohne auf diese Anträge im Detail einzugehen, möchte ich nur feststellen, daß sie einerseits recht unklar sind und es notwendiger wäre, diesbezüglich deutlicher zu werden. Andererseits greifen diese Vorschläge auf jene zurück, die wir Sozialdemokraten bereits im Frühjahr gemacht haben. Erfreulich ist die Tatsache, daß sich in agrarischen Kreisen die Ansicht Bahn bricht, daß die Hilfe nicht durch die Zölle kommt, sondern daß andere Wege. gegangen werden müssen, um das Ziel zu erreichen. Ich möchte bei dieser Gelegenheit nachweisen, daß in Deutschland, wo Schiele diese Politik der Zölle auf das Höchste getrieben hat, man vor einem Zusammenbruch der dortigen Zollpolitik steht. Hilfe kann auch der Landwirtschaft nur durch Einrichtungen gebracht werden, durch die der Konsument nicht belastet wird. Wer mit den Landwirten zusammenkommt, wird bestätigen, daß denkende Landwirte keine Erhöhung der Preise ihrer Produkte verlangen, sondern daß sie eine Abhilfe der Krise in anderer Weise verlangen, und zwar vor allem durch Abbau der Preise für jene Industrieartikel, die die Landwirtschaft bezieht. Und da geht in allererster Linie die Klage der Landwirte mit Recht dahin, daß der Preis Für eines der notwendigsten und unentbehrlichsten Produkte der Landwirtschaft, für Kunstdünger, ungeheuer hoch ist. Wir wissen, worauf das zurückzuführen ist, nämlich auf das im Jahre 1926 vom Bürgerblock beschlossene Zollgesetz auf Chemikalien, wodurch dem ®ivnokonzern ungeheure Mehrprofite zugeschanzt worden sind. Ich habe vorhin einen Vergleich gebracht der Preise in der Landwirtschaft, die ungefähr 2/3 der Goldpreise der Vorkriegszeit ausmachen. Ganz anders ist es aber bei Industrieprodukten kartellierter Natur. Den Wertmesser im Juli 1914 mit 100 Goldkronen angenommen, ist heute der Preis für gewöhnliches lichtes Bier 139.4, Halbzeug und Eisenfabrikate 114.6, Steinkohle 167.5, Koks 203.4, Spiritus 265, Portland-Cement 115.9 und für Ziegel 133.4.

Wir wissen, daß beispielsweise der Rückgang der Eisenpreise erst ein Faktum der allerjüngsten Zeit ist. Wir können ein typisches Beispiel, wie Kartelle die Bevölkerung auswuchern, an einem Kartell nachweisen, nämlich am Papierkartell. Das Papierkartell verteuert die Herstellungskosten einer Zeitung ganz gewaltig, ohne jede Berechtigung. Würden wir heute nicht das Papierkartell haben, dann würde das Zeitungspapier um 30 bis 40 % niedriger stehen als heure, und. würde dem Papier keinen Zoll haben, dann würde von Deutschland massenhaft Papier eingeführt werden können und auf den Preis des heimischen Papieres drücken. Dieses Papierkartell, mit dessen unheilvollen Wirkungen man sich scheinbar bei uns bis heute noch nicht beschäftigt hat, bekommt bis in die letzte Zeit hinein noch Frachtbegünstigungen bei der Zufuhr von Schleifholz.

Das Mittel, wie der Landwirtschaft zu helfen, wie der Krise überhaupt beizukommen ist, ist, die Kaufkraft der Massen zu heben. Dann, muß es umso mehr Verwunderung hervorrufen, daß von den Agrariern dem Hause auch ein Antrag unterbreitet wurde, der die Aufhebung des Mieterschutzes verlangt. Ich glaube, diese Sache damit abtun zu können, daß nicht nur wir Sozialdemokraten, sondern alle verantwortungsvollen Sozialpolitiker und Volkswirtschaftler eine derartige Zumutung ganz entschieden ablehnen müssen. Der gegenwärtige Moment ist wohl am allerungeeignetsten um einen Antrag, wie die Aufhebung des Mieterschutzes, auch nur zu stellen.

Das deutsche statistische Reichsamt hat sich bemüht, die Auswirkungen der Krise ziffernmäßig zu erfassen und hat festgestellt, daß im ersten Halbjahr 1930 mit einer Einbusse von 2 Milliarden Mark für die deutsche Volkswirtschaft infolge der Krise zu rechnen ist. Für ganz Europa kann man ohne Übertreibung von einem Verlust von 60 Milliarden Kè rechnen. Die verminderte Kaufkraft spielt nicht nur eine Hauptrolle unter den Ursachen der gegenwärtigen besonders scharfen Wirtschaftskrise, sondern sie ist auch die Ursache für die agrarische Krise. Neben der Agrarkrise haben mir eine ungeheuere Industriekrise, die auch wir in der Èechoslovakei zu spüren bekommen haben. Die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen betrug Ende August 83.000, dazu kommt die ungeheuere Zahl von Kurzarbeitern, und nachdem das nur ein Teil der wirklichen Arbeitslosen ist, kann man ruhig sagen, daß wir wenigstens 150.000 bis 200.000 Arbeitslose und Kurzarbeiter haben. Die Sozialversicherung hat festgestellt daß im Juni heurigen Jahres um 100.000 Arbeiter weniger versichert sind als vor einem Jahr. In den letzten Monaten weist die Zahl der Arbeitslosen eine neuerliche Steigerung auf, so in Teschen von August zu September 1930 von 3.828 auf 4.490, in Komotau 1.165 auf 2.062, Kaaden 436 auf 696, Karlsbad 1.558 auf 1.936, Reichenberg Stadt und Land von 2.222 auf 2.637, Neudek 350 auf 1.601, Saaz 352 auf 1.007, und so könnte ich die Liste noch weiterhin vermehren. Ich muß konstatieren, daß es vorwiegend deutsche Gebiete und Bezirke sind, die von der Arbeitslosigkeit und der Krise heimgesucht werden. Die Ursache dafür ist neben anderen Umständen auch darin zu suchen, daß unsere Industrie vorwiegend für den Export arbeitet und in deutschen Gebieten angesiedelt ist. Sicher ist richtig, daß kein Staat so gesunde Grundlagen für die Entwicklung seiner Volkswirtschaft von Haus aus gehabt hat wie die Èechoslovakei. Wir haben von der alten österreichischen Textilindustrie 76 % an Arbeitern und 80 an Maschinen übernommen, von der Hüttenindustrie 62 %, von der Metallindustrie 44 % der Beschäftigten usw. Damals hatte unsere Industrie ein Absatzgebiet von 54 Millionen im Inlande heute sind es nur 13 Millionen Menschen und dazu kommt, daß vom Anfang an eine Wirtschaftspolitik betrieben worden ist. die nicht zum Vorteil des Exportes gereichte. Man hat zur Zeit der Gründung des Staates eine Politik der Autarkie, der Selbstgenügsamkeit gemacht und als man später auf den Fehler gekommen ist, als unsere Reisenden auf den Balkan kamen, um die alten Absatzplätze aufzusuchen, waren diese Plätze von der Konkurrenz Deutschlands und anderer Industrieländer besetzt. Der Merkantilismus, der bis in die jüngste Zeit getrieben wird, führte dazu, daß die sogenannten Nachfolgestaaten mit der Gründung eigener Industrien vorgegangen sind. Geradezu unglaublich ist eine Meldung, die dieser Tage aus Oberschlesien gekommen ist. Wir stecken mitten in einer schweren Krise und da soll das Arbeitsministerium auf Anregung des Fabrikanten Stejskal in Prag eine außerordentliche Einfuhr von 120.000 Tonnen polnischer Kohle zugestanden haben. Der OstrauKarwiner Bergbau steckt seit langem in einer schweren Krise, es wird nur 4 Tage in der Woche gearbeitet. Wenn sich die von mir erwähnte Nachricht bestätigt, so bedeutet das die Entlassung von 400 Arbeitern auf ein Jahr. Das wäre natürlich begleitet von einem Rückgang im Handel und Gewerbe des ganzen Gebietes. Wenn wir auch momentan nicht in der Lage sind, diese Nachricht auf ihre Richtigkeit zu überprüfen., so müssen wir jetzt schon, wenn sie zutreffen sollte, mit aller Energie dagegen protestieren. Es scheint das eine Politik zu sein, wo die rechte Hand nicht weiß, was die Linke tut.

Durch eine Umfrage unserer Gewerkschaµten in den deutschen Gebieten wurde die Arbeitslosigkeit in den einzelnen Industrien festgestellt und ich will ganz kurz ein Spiegelbild der Erhebungen geben. Wir haben in der Textilindustrie im erfaßten deutschen Gebiet 180, stillbelegte Betriebe mit 20.000 Arbeitern. Ende August hatte die Union der Textilarbeiter über 30.000 Arbeitslose zu unterstützen gehabt. Die Zählung in der Glasindustrie im deutschen Gebiete ergab in 93 Betrieben 42 % Arbeitslose und Kurzarbeiter. In der keramischem Industrie wurden 24.5% Arbeitslose oder Kurzarbeiter gezählt. Nun die Metallindustrie: Im Laufe eines Jahres hat der Internationale Metallarbeiterverband Komotau von seinen Mitgliedern 16.366 unterstützt. In der Papierindustrie sind von 92 Betrieben im deutschen Gebiete nur 3 voll bechäftigt, in der Zukkerindustrie sind heute 2.000 Arbeitez weniger beschäftigt, in der chemischen Industrie 4.000 Arbeiter weniger. Die Krise erfuhr eine bedeutende Verschärfung dadurch, daß der Abbau der Staatsangestellten bei Menschen vorgenommen worden ist, die noch Jahre hindurch arbeitsfähig gewesen wären. Diese Abgebauten und die große Zahl von Altpensionisten, die mit ihrer Pension nicht leben können, waren gezwungen, auf den Arbeitsmarkt zu gehen und sich um jeden Preis anzubieten, und sie haben so dazu beigetragen, den Arbeitsmarkt zu belasten.

Ein bedenkliches Zeichen sind die Daten des Herbstaußenhandels. Der gesamte Außenhandel betrug September 1930 2786 Millionen Kè, um 305 Millionen weniger als 1929 und um 686 Millionen weniger als 1928. Die Ausfuhr betrug 1520 Millionen Kè, gegenüber 1929 um 214 Millionen, gegen 1928 um 309 Millionen weniger; die Einfuhr 1.266 Millionen Kè, gegen 1919 um 291, gegen 1918 um 377 Millionen Kè weniger. Die Rohstoffbezüge aus dem Auslande haben in den ersten drei Vierteljahren 1930 einen Tiefpunkt erreicht, wie er bisher überhaupt noch nicht dagewesen ist. Wir brauchen unter allen Umständen die Erstellung von Handelsverträgen, und da möchte ich in allererster Linie die Mahnung, richten, daß der Handelsvertrag mit Ungarn, der in Kürze abläuft, unter allen Umständen erneuert werde.

Die kapitalistischen Kreise haben nur zwei Vorschläge für die Abhilfe und wir haben sie aus dem Munde des Kollegen Tichi vorgestern gehört: Lohnherabsetzungen und Abbau der sozialen Lasten, wie sie es heißen, und es gibt andere Kreise der Industrie, die sogar ernsthaft von einer Verlängerung der Arbeitszeit reden. Es gibt aber nur eine Abhilfe gegen die Wirtschaftskrise und das ist der gegenteilige Weg: Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Löhne. Landwirtschaft und Industrie bekommen heute sehr deutlich am eigenen Leib den fortwährenden Abbau der Löhne schwer zu verspüren. Im Jahre 1921 betrug in Böhmen der Durchschnittstageslohn eines unfallversicherten Arbeiters 31.97 Kè, im Jahre 1927 28.10 Kè. Daß der Weg, den wir da weisen, der einzig richtige ist, stellen nicht nur wir fest, sondern es wird heute bereits bei einer Reihe von bürgerlichen Nationalökonomen und Industriellen festgestellt, die einsichtig genug sind, das anzuerkeunen. Ich verweise auf den amerikanischen Industriellen Ford, der längst schon die 5tägige Arbeitswoche eingeführt hat. auf den amerikanischen Großindustriellen Duran, den Begründer der General Motors,Compansy und Leiter dieses Unternehmens, der vor einigen Tagen in der >Vossischen Zeitung< über die Krise u. a. sagte: >Kein Land der Welt, in dem niedrige Löhne gezahlt werden, erfreut sich großen Wohlstandes. Hohe Löhne für den Arbeiter bedeuten gesteigerten Konsum. Der Aufschwung unserer gesamten Industrie datiert erst von dem Augenblick an, wo wir die breiten Massen des Volkes konsumfähig gemacht haben.< Wir haben auch schon bei uns einige solche weiße Raben aus Industriellenkreisen. Die Erkenntnis ringt sich langsam aber mit zwingender Notwendigkeit durch. Dieser Tage wurde bei einer Reihe von Textilindustriellen eine Rundfrage über ihre Meinungen zur Abhilfe der Krise durchgeführt. Es haben sich einige gefunden, die tanz vernünftige Grundsätze vertreten haben. So sagt z. B. Kuno Grohman, Würbenthal: > Am raschesten ist die Krise zu überwinden durch eine starke Verbilligung des Produktes, also durch Vereinfachung der Herstellung zu laufend verbilligten Preisen. Die Menschen würden nicht nur doppelt so viel Schuhe - das ist ein Hinweis auf den Schuhfabrikanten Ba»a - sondern auch doppelt soviel Anzüge und Wäsche tragen, wenn deren Kosten auf die Hälfte herabgesetzt werden würde.< M. B. Neumann Söhne - Union, Textilindustrie und Druckfabriks A. G. Königinhof a. E.: >Es sei nur bemerkt, daß infolge der allgemeinen Krise und der landwirtschaftlichen Verarmung ein Rückgang im inländischen Verbrauch eingetreten ist...< A. Wagner, mechanische Weberei, Asch: > Abgesehen von Frankreich ist das europäische Publikum wegen Geldmangels nicht kaufkräftig, denn der Arbeitslose hat kein Geld für Textilien. Es klingt gewiß absurd, aber da die Erzeugung zu groß ist, wird sich von selbst ergeben, daß statt 48 Stunden nur noch 36 Stunden pro Woche gearbeitet werden darf.< Ein ungenannter Einsender schreibt: >Aber gerade der bisherige Abbau, Stillegung und Liquidation zahlreicher Betriebe hat die gegenwärtige Situation nur noch mehr verschärft.<