Pøíloha k tìsnopisecké zprávì

o 30. schùzi senátu Národního shromá¾dìní republiky Èeskoslovenské

v Praze v úterý dne 8. dubna 1930.

Øeè. sen. Adolfa Scholze:

Hohes Haus! In ernster Stunde tritt die gesamte Landwirtschaft dieses Staates an Sie heran, um Ihnen Vorlagen zu unterbreiten, von deren Verwerfung oder Annahme es abhängt, ob die Landwirtschaft völlig dem Untergang geweiht werden soll, oder ob sie künftighin auf Grund der Vorlagen, die jetzt im Abgeordnetenhause beraten werden, hoffen darf, Verständnis für ihre schwere Lage auch hier zu finden. Frei und offen können wir vor jede Partei und vor jeden einzelnen von Ihnen treten, Ihnen ins Gesicht sehen und Ihnen folgende Fragen vorlegen. Erstens: Hat die andwirtschaft dringende Hilfe äußerst notwendig? Ist sie wirklich schuldlos in diese für sie so schwierige Situation hineingedrängt worden? Die Notwendigkeit einer sofortigen Hilfe brauche ich wöhl nicht näher zu begründen, denn wenn es soweit mit uns ist, daß wir die meisten unserer Produkte zu halben Selbstkostenpreisen zu verkaufen gezwungen sind, ja, wenn dadurch die Verschuldung der gesamten Landwirtschaft derart zunimmt, daß die Schuldzinsen jährlich 2000 Millionen Kè übersteigen, müßten auch unsere größten Gegner einsehen, daß bei den hohen Steuerlasten, den hohen Arbeitslöhnen, die nebstbei geleistet werden müssen, ein vollständiger Zusammenbruch unvermeidlich ist. Ja, in keinem Staate der Welt mit Ausnahme von Russland, geht es den Landwirten so schlecht wie bei uns, da wir heute sogar die durch die Reparationen ausgepreßten Landwirte des Deutschen Reiches an Schulden per-zentuell bereits überragen. Ebenso können wir beweisen, daß wir schuldlos in die Verarmung hineingeraten sind und in sie hineingedrängt wurden. Als im Jahre 1926 unser erster notdürftiger, für uns heute vollständig unzulänglicher Schutzzoll beraten wurde, ist von Seite der damaligen Opposition darauf hingewiesen worden, daß nicht Schutzzölle unser Heilmittel sein können, sondern, daß die hiesige Landwirtschaft durch Vervollkommnung und Verbesserung ihrer Betriebe und durch Erzielung von Mehrerträgen trachten müsse, der überseeischen Konkurrenz zu begegnen.

Wir nehmen auch tatsächlich innerhalb der letzten Jahre die größtmöglichste Intensivierung unserer Betriebe vor. Die Meliorierung unserer Felder und Wiesen wurde in erhöhtem Maße durchgeführt und erleidet nur dadurch Verzögerungen, daß nicht die Landwirte, sondern Länder und Staat den übernommenen Verpflichtungen nicht nachkommen. Die sorgfältigste Bodenbearbeitung mit menschlicher, tierischer und motorischer Arbeitskraft mit den geeignetsten Maschinen, ließen wir uns angelegen sein. Die Verbesserung der Düngerwirtschaft durch Herstellung der modernsten Düngerstätten und Jauchegruben, um jeden Wertverlust des Düngers zu verhindern, war eine unserer wichtigsten Aufgaben. Um Vollernten zu erzielen, gelangten alle Arten von Kunstdünger zur Anwendung. Der Verwendung von hochwertigen Saatgut wurde das größte Augenmerk zugeführt. Wir gingen daran, durch Förderung des Feldfutterbaues, durch Einführung der Verwendung von Kraftfüttermitteln, Gründung von Viehzuchtvereinigungen, Hochzucht von Rassevieh, Schaffung gesunder Stallungen, Anlagen von genossenschaftlichen und privaten Viehweiden, Eiriführung der Milchleistungskontrolle und vieles andere unsere Betriebe zur höchsten Vervollkommnung und größten Leistung zu bringen. Wir haben dadurch erreicht, daß unsere Landwirtschaft heute einen achtunggebietenden Platz in der ganzen Welt einnimmt. Es war uns möglich, unsere Hektarerträgnisse zu verdoppeln, bedeutend höher zu gestalten, als in so manchen Ländern, wo die Bodenverhältnisse bessere, günstigere sind als bei uns. (Pøedsednictví pøevzal místopøedseda Trèka.) Doch was ist der Endeffekt? Daß heute bei den niedrigen Getreidepreisen der verwendete Kunstdünger genau ein Drittel mehr kostet als im günstigsten Falle das daraus erzielte Produkt uns einbringt. Ja, es ist uns heute leicht möglich, die Selbstversorgung der gesamten Bevölkerung des Staates zu übernehmen und Milliarden an Volksvermögen zu erübrigen, nun müssen unsere Selbstkosten uns garantiert werden. Und sind unsere Selbstkosten nicht bescheiden zu nennen? Die Arbeit; welche der Landwirt zu verrichten hat, ist unbestritten die schwierigste unter allen Berufsständen, am besten dadurch bewiesen, daß ein ständiger von Jahr zu Jahr zunehmender Arbeitermangel herrscht, während bei allen anderen Berufszweigen Arbeitslosigkeit zu verzeichnen ist. Keinesfalls ist die Bezahlung hier ausschlaggebend, da unsere Hausgehilfen außer gesunder kräftiger Kost derartige Bezüge erhalten, daß sich alle bei einiger Sparsamkeit selbständig machen können, was bei anderen Berufszweigen eine Seltenheit ist. Wir sind auch der einzige Stand, wo der Arbeitgeber zusammen mit dem Arbeitnehmer nicht nur Schulter an Schulter arbeitet, sondern auch gemeinsam die Mahlzeiten einnimmt. Ein Landwirt, der genügend eigene Kinder zur Arbeit zur Verfügung hat, genießt nicht vielleicht eine bessere und reichlichere Kost, sondern begnügt sich ebenso wie seine Kinder stets mit einfacher, minderer Kost. Wie ist denn unsere Arbeitswerkstätte beschaffen? Es ist der offene, freie Himmel. Während heute der geringste Industriearbeiter verlangen kann, daß seine Werkstätte hygienisch und sanitär einwandfrei dasteht sowohl richtig temperiert als auch ventiliert, weiß er auch, daß bei einiger Vorsicht ihn kein Schaden treffen kann, da alle notwendigen Schutzvorrichtungen vorhanden sein müssen. Wir sind dagegen bei der schwersten Arbeit einer versengenden Hitze, während des Winters der grimmigsten Kälte ausgesetzt. Regen und Sturm, Blitz und Hagel, Eis und Schnee müssen wir über uns ergehen lassen. Dabei ist unser Betrieb heute der riskanteste. Er ist nicht nur mit einer Lotterie, sondern direkt mit einem Hasardspiel zu vergleichen. Nimmt unfer normalen Verhältnissen unsere Verschuldung schon rapid zu, so sind wir bei Unglücksfällen dem direkten Ruin ausgesetzt. Jeder andere Betrieb kann sich heute gegen alle möglichen in Betracht kommenden Unfälle versichern, nur nicht wir. Bei uns gibt es keine Versicherung gegen Wolkenbruch, Sturmschäden, gegen Schnecken-. Hamsterund Mäusefraß: Wir haben keine Versicherung gegen Nässe und keine gegen Trockenheit. Wohl haben wir Versicherungen gegen Feuer, Hagel, Viehumfälle, Unfall und Haftpflicht; doch nur die allerwenigsten Landwirte können da in alle hineingehen, da die Prämien nicht zu erschwingen sind. Eher müssen sich die meisten Landwirte ohne Versicherung der Gefahr aussetzen, über Nacht zu Bettlern zu werden, auf einmal alles zu verlieren.

Das ist das viel beneidete Los des Landwirtes. Wie sieht es mit seiner Lebensgefährtin aus? Eine Landwirtfrau, welche auch nur einem mittleren Betriebe vorsteht, muß heute sehr viele Fachkenntnisse besitzen, um ihren Pflichten in Stall, Küche und Keller Genüge zu leisten. Daß diese Kenntnisse der allgemeinen Bildung einer Beamtensgattin zumindest gleichkommen, ist sicher. Ja, eine angehende Bäuerin muß nicht nur Kenntnisse, sie muß auch Vermögen besitzen. Um seinen übrigen Kindern ein Erbteil geben zu können, ist der abtretende Bauer gezwungen, seinem Nachfolger den Besitz so teuer zu übergeben, daß dieser ohne entsprechende Mitgift seiner Braut den Besitz nicht übernehmen könnte. Jetzt ziehen sie einmal eine Parallele zwischen der Gattin eines Beamten, welche nichts als ihren Gatten und ihre Kinder zu betreuen hat und die sich bei dieser geringen Arbeit noch hinten und vorn bedienen läßt, und der Arbeit einer Bäuerin. T'äglich um vier Uhr morgens beginnt in Stall und Küche ihre schwere Arbeit, um nach dem Frühstück auf dem Feld oder in der Scheuer bis 11 Uhr fortgesetzt zu werden. In aller Eile läuft sie dann nach Haus, um geschwind ein Mittagessen fertigzustellen, Groß-, KleinSchwarzvieh und Geflügel zuzuspringen, um den ganzen Nachmittag den übrigen Arbeitern gleich wieder mitzuarbeiten. Wenn am späten Abend die übrigen Hausgenossen müde sich der verdienten Ruhe hingeben, da hat sie noch immer Arbeit in Küche und Keller und muß die Nächte aufopfern, um ihre Liebsten, ihre Kinder, nur einigermaßen betreuen zu können. Kommt sie, was in den meisten Fällen der Fall ist, in treuer Pflichterfüllung ihren Arbeiten nach, so gibt es für sie Jahr aus Jahr ein weder einen Ferialtag, noch einen Sonntag, weder einen Tag der Erholung, noch einen der Erfrischung. Vergleichen sie ein 20jähriges Stadt- und Bauernmädchen. Niemand wird mir bestreiten, daß Jugendfrische und Kraft nur im Bauernmädel verkörpert sind. Betrachten sie 25 Jahre später eine Stadt- und Bauersgattin, so finden wir die Stadtfrau wohlerhalten, während die Bäuerin durchfurcht, vergrämt zusammengerissen, einer Ruine gleich, schon dahingewelkt ist. Für sie gab es keine Wöchnerinnen - und Säuglingsberatungsstellen, kein Ausspannen vor und, keine Schonung nach der Geburt ihrer Kinder. Das Los der Trägerin des gesamten Menschgeschlechtes ist heute - die Stadt, auf sich selbst angewiesen, würde binnen wenigen Generationen aussterben - ein mehr als erbarmungswürdiges. Für unsere Kinder gibt es heute weder ein Kindermädchen noch eine Gouvernante, sie sind sich selbst überlassen. Im günstigsten Falle beaufsichtigt das fünfjährige das zwei- oder dreijährige. Kindergärten sind in den meisten Ortschaften nicht vorhanden. In Ermangelung der notwendigen Arbeitskräfte müssen unsere Kinder in der zartesten Jugend oft auf Kosten der Schule mitarbeiten. So sehr wir eine gediegene Fachbildung unsere Kinder anstreben und begrüßen, muß sie in den meisten Fällen unterbleiben, da der Bauer heute kein Geld hat, und weiters seine Kinder als Arbeiter nicht entbehren kann. Jeder Beruf schickt seine Anwärter in die Fortbildungsschule. Der erste und wichtigste Stand, der Ernährer der andern, kann aus Not seinen Kindern diese Wohltat nicht angedeihen lassen. Wie ist die Altersversorgung des Landwirtes beschaffen? Durch das Gesetz vom 10. Juli 1925, Nr. 148 wurde zwar eine Selbständigenversicherung geschaffen, doch wir Landwirte müssen uns gegen die Inkraftsetzung desselben zur Wehr setzen, so notwendig wir auch eine Altersversorgung brauchen. Denn es ist vollkommen ausgeschlossen, daß der Landwirt imstande wäre, die zu leistenden Prämien zu begleichen. Der altersschwache zutode gearbeitete Landwirt bleibt deshalb auf das Ausgedinge angewiesen. Was stellt dasselbe vor? Nichts anderes als ein Almosen. Dem zumeist schwer belasteten Landwirt fällt es schwer, dem Ausgedinger soviel zu geben, daß derselbe ein wenn auch nur kümmerliches Dasein weiter fristen kann, während der Ausgedinger sich kaum getraut, von dem um seine Existenz ringenden Wirt etwas zu verlangen. Wir sehen auch, daß die meisten Prozesse in bäuerlichen Kreisen wegen des Ausgedingebezuges stattfinden. Erniedrigend, beschämend für den Staat muß ich es bezeichnen, wie er die Arbeit bewertet, welche ein Landwirt durch ein volles Menschenalter geleistet hat. Diese ohnehin kärglichen Ausgedinge unterliegen sogar der Rentensteuer, d. h. mit genauen Ziffern ausgedrückt. Von einem Ausgedingebezuge von jährlich 5000 Kè sind volle 1000 Kè an Steuern und öffentlichen Abgaben zu entrichten. Unsere Staatsbeamten in der ersten Besoldungsgruppe haben Anspruch auf eine Pension von jährlich 78.000 Kè, die sie ohne Abzug erhalten. Hat ein Ausgedinger außer seinem Ausgedinge noch irgendeinen kleinen Nebenbezug, dann ist er angeblich nicht mehr ausschließlich auf das Ausgedinge angewiesen und dieses Ausgedinge wird mit der höchsten bestehenden Steuer belastet. So gestaltet sich heute das Leben und Wirken des Landwirtes und seiner Angehörigen. Jeder objektiv Urteilende wird mir beipflichfen, daß durch ein Leben von Mühe und Plage, durch eine bescheidene Lebensführung der Selbstkostenpreis unserer Produkte nicht übermäßig belastet ist. Kommt Ihnen jedoch der Selbstkostenpreis infolge der Belastung unserer Lebenshaltung zu hoch vor, dann verlangen Sie von uns, daß wir in asiatische Kulturverhältnisse zurückgedrängt werden. Unsere Wohnstätten müßten verelenden, in einen Raum ohne Fußboden mit der gesamten Familie wäre Schwarz- und Federvieh untergebracht, die Fenster statt mit Glas mit Papier verklebt. Die Kleidung bestünde Wochen- und Sonntags, Sommer und Winter aus dem glei chen Umschwung, während wir 9 Monaten barfuß und 3 Monate in Hadern zu gehen hätten. Selbstverständlich würden wir den letzten landwirtschaftlichen Arbeiter verlieren. Unsere Kaufkraft, welche heute 80% dcr industriellen Erzeugnisse ausmacht, würde auf ein Minimum zurückgehen. Das Heer der Arbeitslosen würde vermehrt werden. Unsere landwirtschaftliche Produktion würde derart zurückgehen, daß wir binnen Kurzem nicht nur ganz auf die Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte angewiesen wären, sondern auch zum vollständigen Vasallen und Sklaven des Auslandes würden. Sie sehen jetzt schon, daß die jetzige Krise der Landwirtschaft auf alle Berufszweige übergreift. In demselben Maße und noch stärker würde ein Verfall der Landwirtschaft - hier ist die Geschichte die beste Lehrmeisterin - den Verfall der gesamten Volkswirtschaft nach sich ziehen. Wenn heute in allen Staaten Europas die Notlage des Bauernstandes erkannt und überall zu seiner Unterstützung Hilfsmaßnahmen gesetzlich festgelegt wurden, so bitten auch wir nicht nur in unserem, sondern im Interesse aller Glieder dieses Staates um Annahme dieser Vorlagen. Diese sind eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sie beweisen nur, wie interesselos die gesamten öffentlichen Ämter der Landwirtschaft bisher gegenüberstanden, wenn sie erst durch ein Gesetz gezwungen werden müssen, nür einheimische Produkte zu verwenden, während das Mehlmischungsgesetz nur der Kräftigung der gesamten Bevölkerung dient. Es sind angeblich Gesetze zum Schutze der Landwirtschaft, in Wirklichkeit tragen sie aber zur Besserung der Lage derselben nicht das mindeste bei. Nach unserer Ansicht können sie nur ein Prüfstein sein, ob das Parlament das volle Verständnis für die richtige Hilfeleistung für unseren in schwerer Notlage befindlichen Stand besitzt und auch später einem genügenden Schutzzoll aller unserer Erzeugnisse zustimmt. (Potlesk.)