Pøíloha k tìsnopisecké zprávì

o 28. schùzi senátu Národního shromá¾dìní republiky Èeskoslovenské

v Praze ve ètvrtek dne 3. dubna 1930.

1. Øeè sen. Stöhra.

Hoher Senat! Ich werde mir gestatten, in ganz kurzen Zügen eine der wichtigsten Kapitel zu besprechen. Das Kapitel >landwirtschaftlichen Notlage<. Ich will eine Parallele ziehen zwischen den Verhältnissen der Landwirtschaft in diesem Staate und den Verhältnissen anderer Berufsstände. Ich gehe aus von der Anschauung, daß die herrschende steigende Notlage unserer Landwirtschaft kein Problem ist, mit dem sich lediglich die unmittelbar betroffene Berufsschicht allein auseinanderzusetzen hat. Bei der engen Verflechtung aller Zweige der Wirtschaft unseres Staates wird sich eine länger andauernde und damit tiefer wirkende Beeinträchtigung der Landwirtschaft auch bei allen anderen Berufsschichten und Erwerbszweigen des Staates ganz merklich fühlbar machen. Daß diese meine Anschauung richtig ist, wird durch die Meldungen von schlechter Beschäftigung und schlechtem Geschäftsgang gewisser Industrien bestätigt. Meine Herren! Wenn Sie die Tagespresse in die Hand nehmen, finden sie am Beginne der Woche spaltenlange Ankündigungen von Ausgleichen, Konkursen, Moratorien usw. Es bildet dies ein Spiegelbild des schlechten Geschäftsganges und der Lage unserer Wirtschaft in diesem Staate. Wir finden aber auch, daß die Zahl der Arbeitslosen in der letzten Zeit sich erhöht hat. Der Landwirt betätigt sich nicht nur als Produzent, er betätigt sich auch als Konsument, teils als Käufer so vieler Erzeugnisse heimischer industriellen und gewerblichen Produktion, wie als Lieferant der hauptsächlichsten Nahrungsmittel, und es bildet unsere Landwirtschaft die Grundlage unseres volkswirtschaftlichen Leben. Das Sinken der Kaufkraft unserer Landwirtschaft wird sich in einem Nachlassen der Nachfrage und des Bedarfes an industriellen und gewerblichen Erzeugnissen ausdrücken, es wird eine allgemeine Beschäftigungserminderung eintreten., und damit das, was ich bereits vorher konstatiert habe, eintreten. Eine derartige Agrarkrise, wie wir sie heute ganz allgemein zu verzeichnen haben, kann man nicht mehr nur als Agrarkrise betrachten, Wir müssest diese Krise als eine volkswirtschaftliche Krise betrachten. Mit dem Worte Krise bin ich auch nicht ganz einverstanden. Wenn ein Arzt einen Patienten hat, zeigt sich im Verlaufe der Krankheit das Moment einer Verschlimmerung, der Höhepunkt, den er als Krise bezeichnet. Der Arzt bezeichnet diesen Gipfelpunkt der Erkrankung als Krise, in der Ansicht, daß dieser Zustand sich im Laufe der nächsten Zeit bessern wird und die Gesundung bringen wird. Er spricht von einer Katastrophe, wenn sich die Verhältnisse nicht mehr ändern lassen, bez. durch ärztlichen Einfluß nicht mehr geändert werden können. Ich beurteile die herrschenden landwirtschaftlichen Verhältnisse nicht mehr als Krise, sondern bezeichne sie direkt als eine Katastrophe. Da unsere Landwirtschaft mit cca 40 % an der erwerbstätigen Bevölkerung unseres Staates beteiligt ist., stellt sie einen Faktor dar, der unter allen Umständen in bester Weise eine entsprechende Berücksichtigung und Beachtung verdient und wohl auch als Machtfaktor gewürdigt werden muß. Es zeigt sich aber, daß dem nicht so ist. Fragen wir uns warum? Weil wir bis heute nicht im Stande waren diesem Machtfaktor, den wir repräsentieren sollen, auch in der entsprechenden Weise zur Geltung, zu verhelfen. Die Bedeutung unserer Landwirtschaft für die Volkswirtschaft ist aber mit ihrem zahlenmäßigen Anteil an der Gesamtbevölkerung und an der erwerbstätigen Bevölkerung nicht erfaßt. Überall in der menschlichen Wirtschaft ist die Grundlage des Lebens. In einer Volkswirtschaft aber, deren Ernährungsgrundlage ganz oder überwiegend auf den Kräften des heimischen Bodens ruht, erfüllt die Landwirtschaft nicht nur diese eminent wichtige Funktion der Volksernährung, sondern sie stellt als Absatzgebiet der heimischen Industrieprodukte den weitaus wichtigsten Teil des innerer. Marktes dar. Auf diesen Hinweis möchte ich besonders Gewicht legen. Die Landwirtschaft unseres Staates ist ein tragender Pfeiler unseres Wirtschaftslebens. Ein Zusammenbruch erheblicher Teile unserer Landwirtschaft würde und müßte das Gefüge des gesamten Wirtschaftslebens aufs schwerste treffen und wohl auch erschüttern, müßte unabsehbare Folgen zeitigen. Es steht fest, daß in keinem einzigen Berufsstand der Produktionsstillstand so gleichbedeutend ist mit Produktionsrückgang, wie wir dies gerade bei unserer Landwirtschaft verzeichnen müssen.

Meine Herren! Wenn die Gefahr besteht. oder heranrückt, daß da, wo heute noch zwei Halme wachsen, nur noch ein Halm wächst, daß das Getreide von der Kiefer verdrängt wird, wenn sich der Übergang von der intensiven Wirtschaftsweise zur extensiven Wirtschaftsweise langsam, aber sicher vollzieht, dann werden sich Verhält nisse herauskristallisieren, die einen Ausweg aus der Krise dann nur schwer finden lassen würden, wie ich es skizziert habe, könnte es vielleicht zu spät sein, einen Ausweg zu finden. Wer Augen hat, wird sehen können, daß heute schon bei der Bestellung unserer Felder, bei der Pflege unserer Wie Gärten usw. wir langsam einen Abbrueh, ein Zurückgehen zu verzeichnen ha. ben, daß au den Gebäuden sich fühlbare Mängel bemerkbar machen, daß das tote und lebende Inventar durch die Ungunst der Verhältnisse in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Lage unserer heimischen Landwirtschaft ist die denkbar schlechteste. Die Einnahmen reichen heute nichts aus, um auch nur die Regie decken zu können. Die Abstattung von Steuern fällt mehr wie schwer und von irgendwelchem Ersparnisscmachen kann keine Rede sein. Die Ausgaben werden hingegen von Jahr zu Jahr größer. Die Getreidepreise sind soweit gesunken, daß die Existenz tausender und aber tausender von Bauern aufs Schwerste bedroht ist. Genau so verhält es sich mit den Rüben- Hopfen- und Gemüsebauern usw. Wir haben keinen einzigen Betriebszweig unserer gesamten Landwirtschaft, wo man sagen könnte, daß derselbe noch irgendeinen günstigen Konjunktureffekt zu verbringen vermöchte. Alle unsere Produktionszweige sind passiv, soweit passiv, daß wir von der Substanz leben müssen.

Der bekannte österreichische Volkswirtschaftler, Minister Dr Hainisch, - kein Agrarier im eigentlichen Sinne, er ist heute Handelsminister - hat durch die Buchstelle der Landwirtschaftskammer Nieder - Österreichs errechnet, daß die Produktionskosten für den Meterzentner Weizen sich auf 41.54 Schilling gleich 205 Kè und die des Roggens auf 37.70 Schilling gleich 195 Kè stellen. Was hat aber der Weizen der Ernte 1929 und der Roggen der Ernte 1929 für Preise gebracht? Preise von 160 Kè und von 135 Kè. Ich stelle hiemit unter Beweis, (laß die Produktionskosten durch den Verkaufspreis nicht gedeckt erscheinen. Jeder Bauer Österreichs hat beire Verkauf eines Meterzentners Weizens und Korns 50 Kè draufzahlen müssen. So wie die Verhältnisse in Österreich liegen, genau so sind sie auch bei uns. Ich habe schon Gelegenheit gehabt zu sehen. daß sich Brunnen ausschöpfen, auch wenn sie noch so tief sind. Wird es möglich sein. an die heimische Landwirtschaft die Forderung zu stellen, weiter unter diesen Verhältnisen wirtschaften zu sollen, bez. wirtschaften zu können? Welcher ehrlich denkende Mensch aus den Kreisen des Konsums wird derartige Verhältnisse noch als tragbar bezeichnen können? Ein Teil unserer wirtschaftlichen Gegner wird hier einwerfen und sagen, daß eine Besserung der Getreidepreise nur den Großgrundbesitzern und den Großbauern zugutekommt, daß nur sie allein ein Interesse an einer höheren Gestaltung der Preise für Getreide haben, während die mitteleren und besonders die kleinen Bauern dieses Interesse nicht haben können und nach Anschauung dieser Gegner auch nicht haben, weil sie angeblich das in der eigenen Wirtschaft erzeugte Getreide im eigenen Haushalte verbrauchen, teils verzehren., teils verfüttern. Diesbezüglich weise ich nur auf eine von dem bekannten Nationalökonomen König in Baden aufgestellte Statistik.Er hat folgendes konstatiert: Von 28 501 Kleinbauern verkauften 16.809 Getreide (das entspricht 57 %), 6.013 deckten mit ihrer Produktion den eigenen Bedarf (dasind 23 %), während nur 5.679 Landwirte Getreide zukauften (das sind 20 %), bez. zum Ankauf von Getreides verhalten waren. Es ist als ein Irrtum anzusehen, wenn mau behauptet, daß der Selbstversorger durch die Höhe der Preise für Getreide nicht berührt wird. Der Bauer, der billig gewordene Getreide selbst verzehrt, vergeudet damit einen Teil seiner Arbeitskraft, seines Arbeitslohnes. Für uns bildet ja der Verkanf unserer Produkte den Lohn unserer Arbeit, und was der Bauer in der eigenen Hauswirtschaft verbraucht, ist ein Teil des Lohnes, seiner mühseligen Arbeit. Der betreffende Bauer würde besser fahren, den Bau von Getreide einzuschränken: lieber solches zuzukaufen und Produkte produzieren, die im Preise noch nicht so tief gesunken sind, bezw. die noch einen Ertrag abwerfen. Daß auch das ein Trugschluß ist, will ich durch folgendes Beispiel beweisen. In Österreich hat man einen Teil der nicht vollkommen sicher ertragsfähigen Böden dem Getreidebau entzogen und ist in diesen Gebieten zur Viehwirtschaft und Milchproduktion übergegangen. Was war die Folge? Die große Konkurrenz für Vieh, Milch und deren Pro dukte, die die anderen Gebiete beeinträchtigt haben, hat sich im Preissturze ausgedrückt. Was nützen billigere Getreidepreise, wenn bei der Erzeugung anderer Produkte, wie Fleisch, Milch und der Milchprodukte, der Preis sich wieder derart steigert, daß auf der anderen Seite ein doppelter Verlust zu verzeichnen ist?

Aus dieser kurzen Bemerkung ist klar ersichtlich und erwiesen, was für Unsinn in dem Bestreben unserer wirtschaftlichen Gegner liegt, den >Hörndlbauer< gegen den >Köriidlbauer< ausspielen zu wollen. Es ist eine unumstößliche Tatsache, daß unsere ganze Landwirtschaft das größte Interesse an der Hebung der Preise des Getreides hat und haben muß. Es wirft sich nun die Frage aus, ob denn die Landwirtschaft durch Zollmaßnahmen überhaupt zu schützen ist und ob nicht Einfuhr billigerer Lebensmittel im Interesse der Konsumenten und der Industrie liege, die dann infolge niedrigerer Löhne gegenüber dem Auslande an Konkurrenzfähigkeit gewinnen würde. Auch diese Anschauung fällt als Trugschluß in sich von hausaus zusammen. Zwischen den einzelneu Teilen der Völker oder des Volkes, bezw. zwischen Berufsständen eines Staates besteht eine nicht trennbare Interessensolidarität. So wie die Völker oder das Volk eines Staates für den Unterhalt der arbeitslosen Industriearbeiter aufkommen und den arbeitslosen Arbeiter schützen, gerade so muß jeder Staat seinen Bauernstand schützen und darf ihn nicht zugrundegehen lassen. (Sen. Kindl: Ihr seid Großkapitalisten!) Nach Ihrer Anschauung ist jeder Großkapitalist, auch ich, Ich. weiß nicht, wo ich am Samstag das Geld hernehmen soll, um meine Arbeiter auszuzahlen. Wenn ich es durch Fleiß, durch meiner Hände Arbeit und durch mein Wissen und Fähigkeiten soweit gebracht habe, daß ich mich auf eigene Füsse stellen konnte, wollen sie mich deshalb zum Großkapitalisten stempeln? Wir Bauern können nicht als Kapitalisten im Sinne Ihrer Auffassunbetrachtet werden. (Sen. Kindl: Das hängt aber doch mit dem Kapital zusammen!) Ich habe genau so wie Sie, Herr Kollege, als Arbeiter, bez. Beamte angefangen und ich weiß genau, welche Pflichten ich als Arbeiter, bez. Angestellter zu erfüllen hatte, und weil ich sie erfüllt habe, weil ich mich auf den Standpunkt gestellt habe, aus mir selbst etwas zu machen, werden Sie mir das nachtragen und mir das als Gott weiß was für ein Verbrechen anrechnen? Machen Sie es genau sowie, ich, vielleicht gelingt es Ihnen auch. Wir müssen uns stets vor Augen halten, daß nicht ein Ansammeln von Reichtümern der Zweck der Agrarzölle als Schutz der Landwirtschaft ist. Der Zweck des Agrarschutzes gipfelt in der Erhaltung der Existenz unserer Landwirtschaft, unseres Bauernstandes. Dieser Aufgabe und dieser Pflicht darf sich wohl kein Staat entschlagen wollen.

Bezüglich des Schutzes der heimischen Landwirtschaft durch die Zölle sind bis heute die Meinungen verschieden. Bezüglich des Schutzes der Landwirtschaft durch Zölle möchte ich Folgendes bemerken: Man war bei der Behandlung der Zolltarife im Jahre 1926 bestrebt, bestimmte Sätze für Getrei. de, Vieh und andere landwirtschaftliche Produkte in den Zolltarif aufzunehmen. Aber war damit eigentlich unserer Landwirtschaft geholfen? (Sen. Kindl: Nein!) Ich sage auch nein. Und warum nicht? Ich bin nicht der Anschauung, die Sie vertreten, Herr Kollege, und zwar deshalb nicht, weil im Artikel 2 das, was bei der Regelung des Zolltarifes uns im Artikel 1 gegeben wurde, wieder genommen worden ist. Darum nicht, weil immer und wieder bei allen Handelsvertragsabschlüssen ein Kuhhändel gemacht wurde, u. zw. sind auf Kosten der heimischen Landwirtschaft alle Bestimmungen und Verträge abgeschlossen worden. Es wird vielfach das System der gleitenden Zölle anempfohlen und von verschiedenen Seiten sogar als das Idealere bezeichnet, als jenes, das in der Richtung, der Gleichmäßigkeit besser zu wirken vermag als die starren Systeme. Das Moment der Erzielung der Gleichmäßigkeit aller Preise für Getreide und Mahlprodukte, auch von VichMilchprodixkten ist jenes Moment, das im Interesse der Produktion und des Konsums liegt. Die Erfahrung hat aber gelehrt, daß die breiten Massen der Konsumenten etwas höhere, stabilere, aber konstante Preise für Nahrungsmittel weit leichter und besser vertragen als das schwan. kende Ungewisse, vors dem sie in keinem einzigen Falle noch jemals einen Vorteil zu verzeichnen hatten. Wenn Sie die, Spitzenleistung in der ganzen Preisbewegung sich vor Augen halten, werden Sie finden, daß die oberste Spitze der Handel einnimmt, die unterste Stufe der Produzent. Bei allen Preisschwankungen gehen die Kleinhandelspreise mit den anderen Preisen nicht gleichen Schritt. Der Leidtragende ist der Konsument und Produzent, der Lachende immer der Dritte. Wenn Sie sagen würden: Gehen wir alle gemeinschaftlich auf diesen Dritten los, so erkläre ich: Ich gehe mit Ihnen und trage die Fahne! Dann werden wir uns finden, aber nur ehrlich und offen die Frage so angehen, wie sie faktisch ist. Wir sind dazu bereit, ob Ihr dazu bereit sein werdet, wird man ja sehen. Ganz eigentümlicher Weise haben sich aber die gleitenden Zölle in der Praxis nicht bewährt. Sie haben viel mehr für das Spekulantentum ein sehr vollkommenes Betätigungsfeld abgegeben, denn Spekulantentum Tür und Tor geöffnet.

Meine Herren! Wie schaut es mit unserer Ernährung überhaupt aus? Man kann heute als sicher annehmen, daß trotz der Ernte von 1929, die an Brotgetreide um 10 % geringer war als die Ernte 1928, wir konstatieren können, daß wir vollkommen versorgt sind. Es lagern sogar noch größere Vorräte; als wir gebrauchen. Wenn man nun die Feststellung machen kann und muß, daß unsere großen Mühlen und Bäckereien nur ein Drittel inländischen Weizens verarbeiten, ein Drittel aus Amerika und ein Drittel aus den Oststaaten kaufen und auch große Mengen selbst aus Deutschland importieren, kann es eben bei uns nicht besser aussehen. Man fragt sich wieso ist denn das möglich? Warum greift man nicht, auf das Primäre, auf das Heimische zuerst? Muß da erst ein Gesetz geschaffen werden? Ist es nich tief beschämend, daß wir erst durch ein Gesetz unsere Staatsbehörden und Staatsämter, die Länder, Bezirke und Gemeinden zwingen müssen, daß sie zuerst das heimische Getreide aufkaufen, die heimische Produktion fördern? Es ist tief bedauernswert, und ich werde darauf noch zu sprechen kommen.

Meine Herren! Der Schutz, den die Landwirtschaft bisher genossen hat, entspricht in keiner Weise. Vor dem Krieg war der Zollsatz 7.5 und 7 für Weizen und Korn. Während des Krieges waren die Zollsätze aufgehoben und wir mußten dann lange warten, schwer kämpfen und uns raufen, bis man. uns im Jahre 1925 notgedrungen die gleitenden Zölle zuerkannt hat. Erst im Jahre 1926 kam, weil sich die gleitenden Zölle nicht bewährt haben, die Zollnovelle mit den Tarifsätzen. Die Industrie hat aber schon im Jahre 1922 die Schutzzölle bekommen, die das 15fache, das 30fache und noch Mehrfache des Friedenszolles ausmachten.

Angesichts der Tatsache, daß ein Staat nach dem anderen sich durch Zollmauern absperrt, seine Eigenproduktion erhöht und eigene Industrien errichtet, muß auch unser Bestreben in erster Linie auf Festigung des inländischen Marktes gehen. Von diesem Gesichtspunkte ist dann an die Landwirtschaft die Forderung, zu stellen, ihre Produktion dahin umzustellen, daß diejenigen Artikel, für die wir auf den Import angewiesen sind, in erster Linie zu forcieren wären. Anden seits muß aber die Überproduktion möglichst eingeschränkt werden, müssen also eine Umstellung des ganzen Wirtschaftsbetriebes als solche vornehmen. Aber so schön diese Ratschläge sein mögen - vielleicht sind sie auch gut - sie sind für uns heute nicht durchführbar. Warum? Weil wir zu jeder Umstellung in erster Linie Kapital brauchen, Wie sollen sich die Hopfenbauern, die Hunderttausende und Millionen in den Grund und Boden investiert haben, heute so mir dir nichts umstellen? Es fehlt das Kapital. Es muß zuerst die Unterlage, die Grundlage geschaffen werden, Verhältnisse geschaffen werden, daß die landwirtschaftlichen Betriebe sich als rentabel erweisen, daß die Preise für unsere Produkte gesichert sind, Preise, die eine Stabilisierung der Verhältnisse mit sich bringen. Wir wissen ja, wie sich die Verhältnisse in der Praxis auswirken. Gegenwärtig verspüren wir die Krise eigentlich nur so recht auf dem Gebiete der Bodenproduktion. Infolge der reichlicheren Futtermittelernte des Jahres 1929 und der geringen Preise unseres Getreides hat sich ein Großteil unserer Landwirtschaft umgestellt auf die Viehzucht, insbesondere auf die Schweine. zucht. Herr Finanzminister Dr Engli¹ hat gesagt, als man mit ihm wegen der Vieh zölle verhandelte: Was wollt Ihr denn? In der Viehproduktion habt Ihr doch keine Krise! Ja, sollen wir denn erst warten, bis auch dort das Malheur geschehen ist und die Preise abgebaut sind, Schundpreise herrschen werden? Wir müssen doch vorbeugen und Verhältnisse schaffen, daß eine solche Krise unbedingt hintangehalten wird. Das wäre eine kurzsichtige Politik, wenn wir es soweit kommen lassen würden. (Výkøik: Getreidezölle, dann Viehzölle, das ist ein bischen viel!) Bei Euch ist es auf einmal zuviel, wenn wir Getreide- und Viehzölle verlangen. Ich werde schon noch auf diese Spezialfälle zurückkommen. Vielleicht wirst Du, Herr Kollege, nicht imstande sein, Dich darauf einzustellen, dann wer de ich Dich belehren und Du wirst Dich belehren lassen müssen. (Sen. Köhler: Ich lasse mich gerne belehren!) Bitte! Wir finden heute, daß sich der Hauptteil unserer Landwirtschaft auf die Schweineproduktion eingestellt bat. Wir sehen, daß das noch fortschreitet. Die Ferkelpreise sind noch gut. Ich habe schon x-mal erlebt, daß wenn ich Ferkel eingekauft habe und sie als Fleisch- oder Fettschweine dann verkauft habe, mir die Preise einstweilen zwischen den Fingern durchgelaufen sind, daß ich weniger eingenommen habe für ein Fleischschwein, als ich für zwei Ferkel ausgegeben habe. Haben wir denn keine Machtmittel gegen den so schädigenden Import? Scheinbar traut sich unsere Regierung nicht und will Machtmittel nicht in Anwendung bringen, um bessere Verhältnisse für unsere heimische Landwirtschaft herbeizuführen. Wenn wir heute bei dem Stande unserer Viehproduktion z. B. bei Rindern und Schweinen nur um 1 Kè bis 11/2 Kè per Kilogramm Lebendgewicht an Abbau zu ver- zeichnen haben würden, so würde dies einest Verlust von über 5 Milliarden Kronen an Volksvermögen bedeuten. Ein Verlust, weil wir das Treffen von Maßnahmen versäum- ten, die niemanden heute etwas kostest würden. Glauben Sie, daß ein Mirakel geschehen wird? Die Spannung zwischen Einkauf und Verkauf ist schon so groß, daß in diesem Zwischenraum sehr vieles Platz hat. daß man dort Sachen unterbringen könnte, die bei gutem Willen wirklich unterzubringen wären. Die Konsumenten stehen der landwirtschaftlichen Krise teilweise, ich weil:, nicht, wie ich sagen soll, sehr, ja mehr alt teilnahmslos gegenüber. Sie verspüren ja im allgemeinen von dem kolossalen Rückgange der Preise der landwirtschaftlichen Produkte nichts. Warum denn? Das Brot ist beinahe so teuer wie vor einem halben Jahre, es ist erstellt auf einest Preis von 230 Kè für das Korn und wir haben heute einest Kornpreis von ein paar 90 bis 100 Kè. Viel. leicht sind es einige Heller mehr. Das Weißgebäck ist erstellt auf einen Weizettpreis von 400 Kè. Die Semmeln und die Kipfelts sind aber nicht größer, nicht besser und auch nicht billiger geworden: Betrachtest Sie, meine Herren, noch das Bier! Es ist, ja beinahe nichts darin wie Wasser um? Steuern. Der Hopfen hat 3.500 bis 4.000 Kè gekostet und die Gerste 240 Kè. Damals ist den Brauereien der heutige Bierpreis zugestanden worden. Heute ist der Preis noch immer so hoch, trotzdem wir für den Hopfen und für die Gerste eigentlich nichts bekommen. Da könnte der Herr Minister Bechynì die Hebel ansetzest, da hätte er ein großes Betätigungsfeld. In dieser Frage könnte er sich so recht vertiefen. Dankbar wären wir ihm, wenn er da Remedur schaffen würde. Wir bekommen für die Kartoffel 15 bis 16 Kronen. für den Meterzentner Im Kleinverschleiß kosten sie noch immer 80 bis 190 Kè. (Sen. Kindl: Wir hungern zweiter!) Wer ist schuld? Sind wir denn schuld daran? Wir sollen geköpft werden dafür, daß andere die Lumpereien machen. Ebenso sind die Verhältnisse auf dem Gurkenmarkt, auf dem Gemüsemarkt usw. Oder schauen Sie einmal die Geschichte mit dem Wein an. In Prag kostet der Viertelliter 6 bis 8 Kè. Wenn man drei Viertel getrunken hat, brummt einem am anderen Tag der Schädel, weil der Wein auf der Kellerstiege gewachsen ist. Der Bürgermeister Baxa hat das ja selber zugestanden, daß in Prag mehr Wein gemacht wird, als die ganze Èechoslovakei produziert. Muß das sein? Wir sind stets dabei, mitzuhelfen, wenn es gilt, wirklich Ordnung zu schaffen. Es muß dort ein gegriffen werden, wo es notwendig ist. Auch hier hätte Herr Minister Bechynì ein Betätigungsfeld.

Die Zwischenhandelsspanne wird, wie ich. bereits erwähnt habe, von Jahr zu Jahr größer. Was bekommen wir für die Produkte und was muß der Konsument zahlen? Wir bekommen kaum 40 bis 45 %. In Deutschland sind die Verhältnisse schon weit besser. Dort bekommen die Produzenten 65 bis 70 %, in Dänemark und in den nordischen Staaten über 7515. Das muß mis zu denken geben. Hier muß Remedur ge. schaffen werden, daß diese große Spanne des Zwischenhandels beseitigt wird. Glauben Sie, daß die große Masse der Zwischenhändler so schlecht lebt wie wir? Diese Herren leben alle zusammen viel besser als wir Bauern. Da geht der Mann im Mai in die Kur und im Juni oder Juli geht die Frau mit den Kindern in die Kur. Betrachten Sie aber bei uns die Verhältnisse in den Bauerndörfern! Müssen denn immer wir uns als das Ausbeutungsobjekt gegenüber den andern ansehen lassen und abgeben? Wenn wir die Forderung nach Erhaltung der Existenz dieses grundlegenden Berufsstandes, der die Grundlage der Kultur des Staates ist., stellen, dann werden wir verhöhnt, verlacht und verspottet. Auch auf dieses Kapitel werde ich noch zu sprechen kommen. Das sind unhaltbare Verhältnisse. (Sen. Kindl: In Deutschland kriegen sie für 3 Kè 1 kg Zucker!) Was kriegen denn wir? (Sen. Kindl: Warum geht es bei uns nicht?) Fragen Sie, bitte, wo anders an, ich würde doch lieber das Doppelte meinen Arbeitern auszahlen, wenn mir die Möglichkeit geboten wäre. Glauben Sie, ich habe ein Vergnügen daran, geringe, niedrige Löhne auszuzahlen? Ich habe gar kein Vergnügen daran. Aus den Verhältnissen in der Industrie wissen wir, daß unsere Exportindustrie immer mehr auf Schwierigkeiten stößt, weil diejenigen Staaten, die für uns als Exportstaaten in Betracht kommen, die Ware mit 40 bis 100 Perzent Zoll belegt haben. Das gilt für unseren Zucker, für Gerste, Malz, Hopfen usw. Wir wissen, daß der Schutz. der Industrie den Schutz des Industrie. arbeiters bedeutet und daß wir alle landwirtschaftlichen Haus- und Bedarfsartikel um 30 % billiger einkaufen könnten, wenn die Industriezölle nicht in dieser Höhe bestünden. Wir wissen aber auch, daß ein Großteil unserer heimischen Industrie morgen die Bude zusperren müßte, wenn die Industriezölle fallen würden. Wenn wir sogar ein Arbeitsmarktschutzgesetz haben, das es unmöglich macht, ausländische Arbeitskräfte in der Èechoslovakei zu beschäftigen, dann ist es ein Gebot der Stunde, daß auch die landwirtschaftliche Arbeit entsprechend geschützt wird. Es ist eine. traurige Tatsache, daß die Konsumentenpreise ein Vielfaches der Produktionspreise betragen. Die Erhöhung des Schutzzolles wird bei ent. sprechender Handhabung unter keinen Um ständen eine Erhöhung der Ausgaben der Konsumenten mit sich bringen. Wenn uns gesagt wird, daß der Zoll in Mißkredit gekommen ist, dann müssen wir darauf hin- weisen, daß dies nur an der falschen Aufklärung unserer Bevölkerung liegt, und da muß eben durch Aufklärung dafür Sorge getragen werden, daß mehr Verständnis für volkswirtschaftliche Fragen und Notwendigkeiten geschaffen wird und diese Notwendigkeiten nicht mit politischen Schlagwortei. oder althergebrachten Thesen erledigt wer. den. (Sen. Köhler: Wie soll man den Arbeiter aufklären, wenn er den Heller dreimal umdrehen muß, bevor er, ihn ausgibt?) Es geht uns auch nicht besser. Mein Großvater ist noch in Holzpantoffeln, in der Lederhose und mit dem blauen Schurz gegangen. Glaubst Du, Herr Kollege, wir können nicht wieder in der Lederhose und in Holzpantoffeln umhergehen? Aber ihr Städter werdet dann wohl kaum in Seidenstrümpfen und Lackschuhen herumgehen können. Das ist ja lauter Gelatsch, was Ihr uns da vorhalten wollt. (Výkøiky sen. Kindla.) Bitte, erhöhen Sie nicht die Zölle, ersetzen Sie uns die Differenz zwischen den Verkaufspreisen und den faktischen Produktionskosten, uns ist es einerlei. Der Schutz der Produktion muß auch von der Staatsverwaltung verlangt werden. Hat denn der Staat bis heute in der Erledigung der Krise auch nur das Geringste gemacht? Er hat noch gar nichts gemacht. Wie hat der Staat uns geholfen, die Krise zu beheben? Dagegen hat man in Deutschland Kredite für die Genossenschaften gegeben, hat Anbaukredite und Bergungskredite für die Ernte usw. gegeben, Minister Schiele ist mit dem Antrag gekommen, der Landwirtschaft neuerdings 200 Millionen Mark, also über 11/2 Milliarden Kronen zur Förderung der heimischen Land. wirtschaft zu geben. Was hat man uns gegeben? Die Genossenschaften liegen darnieder, und wenn Sie zum Landwirtschaftsminister kommen, sagt er: Recht gerne, aber mit dem Finanzminister Engli¹ ist nicht zu reden. Bei uns will niemand anbeißen, keiner getraut sich, ja oder nein zu sagen. In erster Linie muß vom Staat verlangt werden, daß er hier eingreift. Wenn er uns 10 Millionen gibt, was erhebt sich da für ein Geschrei auf der anderen Seite. Da wollen die andern gleich. 100 Millionen. Es ist das Malheur, daß die Verhältnisse nicht so beurteilt werden, wie sie faktisch sind. Eine Reihe von Industrievertretern hat bereits erklärt, daß der Landwirtschaft unbedingt geholfen werden muß und die landwirtschaftliche Krise in irgend einer Form behoben werden muß. Sie haben auch die Zollfrage im bejahenden Sinne anerkannt. Es ist unmöglich, daß wir bei den gegenwärtigen Verhältnissen und Preisen unserer landwirtschaftlichen Produkte bestehen können. Auf der anderen Seite wandern Millionen und Millionen in das Ausland für importierte Artikel, die die heimische Landwirtschaft in bester Weise zu kultivieren und zu produzieren imstande wäre, wenn uns die Möglichkeit, diese Produktion vorzunehmen, auch geboten würde. Das Projekt der Reorganisation der landwirtschaftlichen Betriebe, der neue. Wirtschaftsplan, muß, wenn er sich in der Praxis auswirken soll, mit dem gesamten Produktionsprobleme, mit dem Probleme der Umstellung unserer Ernährung, in Einklang gebracht werden. Wir haben leider Gottes noch immer nicht den Frust der Situation so erfaßt, wie es notwendig wäre. Unsere Weizenanbaufläche entspricht nicht voll und ganz. Sie wird erhöcht werden müssen, wenn wir auch in dieser Hinsicht den Verhältnissen gerecht werden wollen. Kein Kunststückl wäre dies. Warum? Weil durch die von Deutschland getroffenen Maßnahmen in Punkto Gerstenund Malzausfuhr es uns in der kommenden Zeit benommen sein wird, auch nur 1 kg Gerste nach Deutschland auszuführen. Wir müssen uns umstellen. Wir müsen uns umstellen und anstatt eines Teiles Gerste Sommerweizen bauen.