Pøíloha
k tìsnopisecké zprávì o 180. schùzi senátu Národního shromá¾dìní republiky Èeskoslovenské
v Praze ve støedu dne 12. èervna 1929.
Øeè sen. dr
Hilgenreinera (viz str. 14 tìsnopisecké zprávy):Senatoren, Senatorinnen! Das gegenwärtige Gesetz läßt die verwickelte Frage des Eigentums des Nationaltheaters und des seit einigen Jahren damit verbundenen Ständetheaters unberührt und weist nur die Verwaltung und den damit entstehenden Kostenaufwand dem Staate zu. Das bedeutet zunächst ein Geschenkan das Land Böhmen, das bisher mit dieser Erhaltung betraut war und, so viel ich weiß, dafür über 20 Millionen jährlich aufbringen mußte. Aber vor alle bedeutet es ein Geschenk an die èechische dramatische Kunst, deren Voranschreiten auf diese Weise gesichert werden soll. Und mit Recht verbinden unsere èechischen Kollegen damit die Hoffnung, daß das èechische Nationaltheater vereint mit dem Ständetheater unter staatlicher Führung einen noch bedeutend besseren Fortschritt nehmen werde als bisher.
Die deutschen Regierungsparteien haben im Abgeordnetenhause für dieses Gesetz gestimmt und werden auch im Senat dafür stimmen. Wir gehen dabei von der Überzeugung aus, daß das Theater, wenn es gut geführt wird, tatsächlich ein Fortbildungs und Erziehungsmittel bedeutet, dessen Einfluß von Tag zu Tag wächst. Wir gehen weiters von der Überzeugung aus, daß, wenn das gutgeleitete Theater für breite Schichten der Bevölkerung erschlossen werden soll, es nicht einzig und allein auf seine Besucher an gewiesen sein kann, sondern daß es notwendigerweise Anspruch auf öffentliche Zuschüsse erheben muß. Sonst wären die Eintrittsgelder zu hoch und auf diese Weise die Möglichkeit genommen, daß auch unbemitelten Schichten dieses Bildungsmittel erschlossen wird. Wir würdigen dabei auch die hohe Bedeutung, die das èechische Nationaltheater für die ganze èechische Nation hatte und hat. Ein stolzes Wort hat das èechische Volk über die Bühne seines Theaters geschrieben: >Národ sobì<, >Das Volk für sich<, und zwar aus eigenen Mitteln! Denn aus eigenen Mitteln hat das èechische Volk zweimal dieses sein Theater auf- und ausgebaut zu einem Institut, das nicht bloß im Lande, sondern auch außerhalb desselben Ansehen genießt. Hier war die Wiege von Schöpfungen, die über die ganze Welt gegangen sind und den Namen des èechischen Volkes ins Ausland getragen haben, noch bevor das èechische Volk einen eigenen Staat sein eigen nannte. Gott sei Dank, die Kultur des einen Volkes ist kein Schaden, kein Raub an der Kultur eines anderen Volkes, im Gegenteil, an der Kultur eines Volkes zehren alle anderen Völker und der schönste Wettbewerb, den wir uns denken können, ist der Wettbewerb der Völker, auch in diesem Staate, auf kulturellem Gebiete. Dabei können alle nur gewinnen. Weil wir die hohe Bedeutung des Theaters für das èechische Volk einschätzen, deshalb stimmen wir auch für diese Vorlage. Wir erkennen an, daß das èechische Volk ein Recht hat, in diesem Staate sich kulturell auszuleben, selbstverständlich unter der Bedingung, daß auch den anderen Völker, die hier vereinigt sind, das gleiche Recht und die gleiche Möglichkeit gesichert ist.
Hochverehrte! Wenn wir diese Gesetzesvorlage als selbstverständlich ansehen, so ist es uns ebenso selbstverständlich, daß mit der gleichen Elle, mit der man die èechische dramatische Kunst mißt, auch die dramatische Kunst der anderen Völker gemessen wird und die berechtigten Bestrebungen der anderen Völker, insbesondere des deutschen Volkes, in diesem Staate auf diesem Gebiete durch öffentliche Mittel entsprechend gefördert werden. Wir Deutsche in diesem Staate sind nicht so glücklich, eine Haupstadt zu besitzen, eine allgemein anerkannte kulturelle Hauptstadt, wir sind nicht so glücklich, unsere dramatische Kunst zu konzentrieren und von einem Nationaltheater aus in die ganze Welt zu tragen. Auf alter künstlerischer Tradition fussend und auf der Opferwilligkeit von wohlhabenden Kreisen hat bis heute das >Neue Deutsche Theater< in Prag eine hohe künstlerische Stufe erreicht und hält sie bis heute fest. Aber als Nationaltheafer aller Deutschen der Republik kann es doch nicht erscheinen. Unsere deutschen Theater in der Provinz haben sich bemüht, es dem Neuen Deutschen Theater in Prag nachzutun und haben, soweit die Mittel reichen, auch schöne Erfolge erzielt. Aber auch hier müssen wir konstatieren: es ist unmöglich, obwohl manche deutsche Kreise sich einer gewissen Wohlhabenheit erfreuen, das deutsche Theater in Prag und die deutschen Theater in der Provinz den breiten Schichten des Volkes zugänglich zu machen, wenn sie nicht auch aus öffentlichen Mitteln namhafte Zuschüsse bekommen, damit sie in entsprechender Welse ihre Tore auch den unbemittelten Schichten öffnen kann. (Sen. Hubka: Pøimlouvali jsme se za to, za v¹echna divadla, také pro va¹e! Zaslou¾í si toho!) Ich weiß es und danke Ihnen auch dafür, meine Herren.
Es ist bekannt, daß die deutschen Theater im allgemeinen teurer sind als die èechischen Trotzdem sind die deutschen Theater nicht imstande,
sich vor einem unheilbaren Defizit zu bewahren, wenn sie bei der öffentlichen Hilfe nicht genügend berücksichtigt werden. Da möchte ich doch die Denkschrift des >Deutschen Theatervereins< in Prag zur Kenntnis bringen, mit der sich dieser an das Schulministerium in den letzten Tagen gewendet hat. In der Denkschrift heißt es: >Der Staatsvoranschlag für das Jahr 1929 sieht für die Theater der Èechoslovakischen Republik Subventionen im Gesamtbetrage von 4,500.000 Kè vor. Von diesem Betrage wurden bisher den deutschen Theatern nur 40.000 Kè, also ein ganz verschwindender Bruchteil gewidmet<. Man darf sich nicht darauf berufen, daß das Deutsche Theater in Prag aus öffentlichen, namentlich aus Landesmitteln, über 2 Millionen Subvention genießt, denn diese Subvention ist, wie die Denkschrift auch sagt, eine in feierlicher Weise zugesicherte Subvention, die bewilligt wurde gelegentlich der gewaltsamen Wegnahme des Ständetheaters, die für das deutsche Theafer auch eine namhafte materielle Schädigung bedeutet hat. Diese Subvention ist ein Schadenersatz und man kann sich nicht darauf berufen, wenn von einer staatlichen Subvention die Rede ist. Der Anteil der Deutschen von 40.000 Kè aus einer mehr als 4 Millio nen Kè betragenden Theatersubvention ist ganz gewiß nicht ein Betrag, der dem Art. 9 des Friedensvertrages entspricht, der besagt, daß die Minderheiten bei Institutionen, die der Erziehung gewidmet sind - Theater sind doch gewiß öffentliche Erziehungsinstitute - >entsprechend< berücksichtigt werden sohlen. Dieser Anteil an der Theatersubvention entspricht gewiß weder der Bevölkerungsziffer, noch der Bedeutung des deutschen Volkes in diesem Staate. Daher finden wir es begreiflich, wenn der deutsche Theaterverein in seiner Eingabe an das Schulministerium eine bedeutende Erhöhung dieser Subvention aus staatlichen Mitteln verlangt; dieses Gesuch wird von uns dringend unterstützt.Hochverehrte! Daß das Theater für möglichst weite Kreise Erziehungsmittel werde, dazu soll der Staat auch die Mittel beibringen. Aber das Theater soll auch wirklich Erziehungsmittel sein. Ich habe mich gefreut, daß von mehreren Rednern in dem Debatte dieses Moment betont worden ist. Theater, welche Anspruch darauf erheben, aus öffentlichen Mitteln unterstützt zu werden, dürfen nicht den niedersten Trieben dem Masse schmeicheln, dürfen nicht Geschäfte machen mit Kien tierischen Instinkten der menschlichen Natur, sie müssen vielmehr appellieren an das Höchste, Edelste, Heiligste, was im Menschen lebt und webt. Nenn reiche Leute, die schon in ihrer Blasiertheit nicht mehr wissen, welche Vergnügungen und Lüste sie sich gönnen sollen, an irgendwelchen Nacktrevuen ihr Vergnügen haben, dann mögen sie sich diese Theater nach ihrem Geschmack auch selbst vollständig bezahlen. Aber Theater, die für das Volk da sein sollen, die darauf ausgehen. Kulturinstitute, Erziehungsinstitute zu sein, müssen davon absehen, sagen wir, Experimentierstätten für pathologische Medizin zu sein (Výbornì!) oder gar vielleicht Animierbuden für alle mögliche Unzucht, Kloaken für diese Unarten zu sein, das überlassen sie lieber gewissen Nachtlokalen, von denen wir leider Gottes nach dem Kriege viel zu viele in die Großstädte bekommen haben. Die Theater aber mögen sich ihrer hohen Aufgabe bewußt sein und bleiben. Und das umsomehr, weil sie ja aus Steurgeldern künftig mehr als bisher werden unterstützt werden. Steuergelder werden schwer verdient und sind darum viel zu gut, um hinausgeworfen zu werden dafür, daß blasierte Menschen ihre verrückten, perversen Lüste befriedigen.
Das soll keine Kritik an diesem oder jenem Theater auf dieser oder jener Seite sein. Das soll nur eine Tendenz bekämpfen, die wir im allgemeinen leider Gottes auch in unserem Theaterwesen merken. Und da hoffen wir, daß die staatlich unterstützten Theater Erzieher sein und zei gen werden, daß das Volk nicht nur angemeinen Vorstellungen, nicht nur an irgendwelchen überreizten Problemen und blendenden Techniken sein Gefallen findet, sondern daß das Volk auch Geschmack und Sinn für gesunde Kunst besitzt, wenn ihm solche geboten wird.
Meine Verehrten! Wenn man uns bei diesem Gesetz eines zum Vorwurf machen könnte, so könnte es höchstens das sein, daß man uns sagt: Habt Ihr denn keine wichtigeren Ausgaben zu machen, als für das Theater? Gibt es nicht Dinge. die uns noch viel mehr brennen, bei denen der Staat noch viel, rascher eingreifen und Ordnung schaffen müßte, als im Theater? (Sen. Stark: Die Kriegsinvaliden und Waisen!) Sie haben ganz recht. Herr Kollege! Ich war z. B. traurig überrascht, als ich hörte, daß die Regierung das Invalidengesetz in vollkommen unveränderter Form eingebracht hat und ich gelbe die Hoffnung nicht auf, daß es den Koalitionsparteien doch gelingen werde, wenigstens was die Schwerstverletzten anbelangt, noch kurz vor Torschluß eine Besserung zu erzielen. (Sen. Stark: Was ist denn mit den Altpensionisten?) Herr Kollege, darüber halbe ich ja so häufig schon gesprochen. Wie Sie wissen, hat da nicht die Koalition, sondern der Herr Finanzminister das entscheidende Wort, und dieser hat bis zum heutigen Tage uns die Mittel nicht zur Verfügung gestellt. (Sen. Stark: Hier oben sprechen Sie so und wenn Sie dort sitzen, stimmen Sie dagegen!) Ich wiederhole, daß wir die Lage der Allpensionisten nicht aufbessern können, wenn der Herr Finanzminister kein Geld dafür hergibt. Wenn ich von wichtigeren Aufgaben rede, denke ich an eine Sache, die sich gerade jetzt zwischen Staat und Land abspielt, ich meine die Verhältnisse im All gemeinen Krankenhaus in Prag.
Sie wissen, daß in letzter Zeit die Vorstände aller Kliniken der è
echischen undder deutschen Universität sich an die Öffentlichkeit und an die Regierung mit einem Promemoria gewendet haben, in welchem sie auf die unhaltbaren Zustände im Allgemeinen Krankenhaushier in Prag hinweisen. Hier stehen den raschen Reformen insbesondere die unsicheren Kompetenzen im Wege oder besser gesagt, das Zusammenspielen von mehreren Kompetenzen. Denn dort hat das Landesamt, das Schulministerium und das Gesundheitsministerium mitzureden. Die Herren wissen, wie lange es dauert, wenn man nur mit einer amtlichen Stelle zu tun hat, wie erst sieht es aus, wenn drei Ämter mitzureden haben! Darum ist die Forderung der klinischen Vorstände ganz berechtigt, daß dieser Zustand endlich einmal beseitigt wird und daß die Kliniken samt den Abteilungen, bei denen jetzt die Professoren als Primariuse der Abteilungen im Krankenhaus erscheinen, also das Allgemeine Krankenhaus samt und sonders endlich der Schulverwaltung allein übergeben werde. Auf diese Weise wurde eine Einheitlichkeit erreicht, die raschen Anschaffungen und dem so notwendigen raschen Ausbau mancher Kliniken zugute kommen würde.Meine Verehrten! Das Gesetz, das hier vorliegt, wird heute beinahe einstimmig wie im Abgeordnetenhause so auch im Senate angenommen werden, obwohl es sich um einen Kulturzweck handelt, der in erster Linie nur einem Volke zugute kommt. Möge sich dieses Schauspiel der einstimmigen Annahme oft und öfter in beiden Häusern wiederholen, insbesondere auch dann, wenn es sich um deutsche Belange handelt. Ich habe mir erlaubt, zu dem Gesetze, das nachher zur Verhandlung kommt, zum Gesetze der Errichtung einer Handelshochschule mit èechischer Unterrichtssprache in Prag, eine Resolution zu beantragen, in der die Regierung aufgefordert wird, die nötigen Vorbereitungen zu treffen, daß auch, eine deutsche Handelshochschule gegründet werde. Bei der großen Ausdehnung, die Handel und Gewerbe unter den Deutschen haben, bei der innen und außenpolitischen Bedeutung, die gerade auf diesem Gebiete dem Deutschtum zukommt, ist es gewiß keine übertriebene Forderung, wenn wir verlangen, daß hier im Lande den Deutschen die Möglichkeit geboten werde, sich so auszubilden, daß sie als Kaufleute, Industrielle oder sonst wie kommerziell sich in der ganzen Welt sehen lassen können. Es kommt dies der Entwicklung von Handel und Industrie und dem Wohle aller Völker dieses Staates zugute. Ich bitte die Herren, gerade diesen Gedanken, daß wir gegenseitig die Kultur fördern wollen, dadurch zum Ausdruck zu bringen, daß Sie diese Resolution - sie ist ja vorläufig leider nur Papier - ebenso wie im Abgeordnetenhaus auch im Senate annehmen.
Im übrigen sind die Mittel, die Kräfte, die wir im Dienste der Kultur lebendig machen, wirklich aufs allerbeste angewendet, viel besser als für Militärausgaben, die wir leider, wie die Dinge heute noch stehen, immer noch bewilligen müssen. Die Einrichtungen der Kultur, die wir schaffen, kann kein bezahlter Spion dem Auslande verkaufen, sie sind unser und bleiben unser und wachsen sich aus in Kraft und Blüte und Fortschritt aller Völker des Staates. Ich habe gesprochen. (Potlesk.)