Pøíloha

k tìsnopisecké zprávì o 156. schùzi senátu Národního shromá¾dìní republiky Èeskoslovenskév v Praze v pátek dne 16. listopadu 1928.

1. Øeè sen. Zulegera:

Hoher Senat! Der Herr Landwirtschaftsminister Dr Srdínko hat bei der letztem Beratung im Budgetausschuß des Senates darauf hingewiesen, daß das Landwirtschaftsministerium einen großzügigen Plan für die Förderung der Landwirtschaft aufgestellt hat. Er hat insbesondere mit vollem Recht darauf verwiesen, daß man soviel als möglich das Risiko ausschließen muß, welches heute mit dem Betriebe der Landwirtschaft verbunden ist, daß man also dafür sorgen muß, daß der Landwirt wenigstens die Gestehungskosten für seine Produkte erhält, die er bei der Erzeugung hat aufwenden müssen. Der Herr Landwirtschaftsminister hat weiters darauf hingewiesen, daß wir die Erträge unserer Felder derart heben müssen, um auch hinsichtlich des Getreides vom Auslande unabhängig zu sein. Freilich will man der Landwirtschaft aber diese Mittel nicht leichterdings bewilligen, die zur rascheren Durchführung eines derartigen. Förderungsprogrammes notwendig wären. Das muß auch ich als Vorsitzender einer landwirtschaftlichen Körperschaft, des Landeskulturrates, konstatieren und voll und ganz bestätigen und dem Bedauern Ausdruck geben, daß auch im Voranschlage für das Jahr 1929 den Wünschen der Landwirtschaft nicht entsprechend Rechnung getragen wurde. Wir dürfen dabei nicht vergessen, daß es sich bei den Mitteln für die Förderung der Landwirtschaft nicht um Zuwendungen au einzelne Private handeln kann, sondern vielmehr um die Durchführung von Maßnahmen, welche zunächst wohl der gesamten Landwirtschaft, im weiteren Sinne, aber der gesamten Staatsbevölkerung zugute kommen müssen. Wenn wir im eigenen Lande soviel erzeugen, als wir zur Ernährung der Bevölkerung brauchen, dann sind wir vom Auslande unabhängig und werden uns auch nicht von diesem die Preise für Lebensmittel diktieren lassen müssen.

Ganz besonderes Gewicht legen wir aber auf die Schulung und Aufklärung unserer landwirtschaftlichen Bevölkerung. Es ist klar, daß vor allem die Jugend in landwirtschaftlichen Lehranstalten fachlich ausgebildet werden soll. Wir müssen anerkennen, daß die Èechoslovakische Republik mancherlei für den Ausbau de landwirtschaftlichen Bildungswesens getan hat, offen steht in dieser Hinsicht allerdings noch unsere Forderung nach Errichtung einer forstwirtschaftlichen Hochschule und einer Veterinärhochschule. Der Herr Minister Dr Hod¾a hat bei der Einstellung des Geometerkurses an der deutschen Technik in Prag uns dadurch zu entschädigen versucht, indem er erklärte, daß wir an die, deutsche Technik eine Handelshochschule angegliedert bekommen sollen. Ich fühle mich bei dieser Gelegenheit veranlaßt, mit besonderem Nachdruck darauf hinzuweisen, daß diese unsere Forderung bis heute leider noch nicht erfüllt ist.

Wir müssen aber auch der vielen Landwirte, gedenken, die nicht in der Lage waren, sich eine landwirtschaftliche Ausbildung anzuzeigen und müssen bestrebt sein, ihnen in dieser Beziehung durch den sogenannten Beratungsdienst zuhilfe zu kommen, durch die Beratung des Einzelnen in jeder besonderen landwirtschaftlichen und fachlichen Frage. Nun hat gerade die deutsche Sektion des Landeskulturrates in Böhmen Mittel und Wege gefunden, um außer den allgemeinen Vortragskräften die Lehrer der landwirtschaftlichen Fachschulen wie auch eigene Berater zu diesem Zwecke verwenden zu können. Es ist dies die Farm der Beispielswirtschaft und der Wirtschaftsberatungsstellen. Ich freue mich, hier feststellen zu können, daß auch die Abgeordneten Leibl und Schweichhart von der sozialdemokratischen Partei sich dieser unserer Arbeit angeschlossen, bzw. selbst beigetragen haben... (Sen. Reyzl: Wir haben mehr Verständnis für die Landwirtschaft als Ihr für die Arbeiter!) Ich kann mich hier nicht in eine Polemik mit Ihnen einlassen, maßgebend ist mir, daß die Vertreter jener Seite, die Sie selbst bestimmt haben, das sind die Herren Leibl und Schweichhart, diese Anerkennung im Parlamente selbst ausgesprochen haben. Ich bin überzeugt, daß bei ein bischen gutem Willen hinsichtlich der landwirtschaftlichen Forderungen weite Kreise der Bevölkerung die landwirtschaftlichen Bestrebungen unterstützen und fördern können und müssen, weil sie letzten Endes auch dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Ich verweise bei dieser Gelegenheit darauf, daß wir die Absicht haben, den Fortschritt der Technik auch in der Landwirtschaft zu benützen u. zw. die Verwendung aller landwirtschaftlichen Maschinen einzhführen, und besonders wird die Einführung von Dampfpflügen, Dampfdreschgarnituren, Elektromotoren, aber auch die Einführung der Motorpflüge angestrebt. Dazu braucht man aber geschulte Leute und geschulte Arbeiter. Wir haben selbstverständlich die Absicht, landwirtschaftliche Arbeiter für diese qualifizierten Arbeiten ausbilden zu lassen, denn ein geschulter landwirtschaftlicher Arbeiter hat einerseits den Vorteil, daß ihm kein Unfall passiert, andererseits hat er den persönlichen Vorteil, daß er besser bezahlt werden muß und daß nicht alle das Land fliehen und in die Städte rennen, wo sie unter Umständen auch keine Arbeitsgelegenheit finden und mit den kümmerlichen Arbeitslosen-Beiträgen ihr Leben fristen müßen. Die Wirtschaftsberatung wird zum Teil durch Lehrkräfte der landwirtschaftlichen Schulen, zum Teil durch eigene Wirtschaftsberater durchgeführt. Die Leute brauchen, um möglichst rasch große Gebiete bereisen zu können, ein Vehikel dazu, ein Auto oder ein Bicykel. Daß das Geld kostet, ist selbstverständlich und wir bitten daher dringend, diese Einrichtungen mit Geldmitteln auszustatten, weil sonst ein großzügiger Ausbau dieser Aktion nicht möglich wäre. Aber auch die rein praktische Ausbildung in verschiedenen Zweigen der Landwirtschaft wird vom Landeskulturrat gefördert. Wir sind daran, junge Landwirte und auch landwirtschaftliche Arbeiter in der Viehpflege, im Melken, in der Schweinezucht u. s. w. in eigenen Lehrbetrieben ausbilden zu lassen. Wir haben vor drei Jahren mit einer sogenannten Viehwärterausbildung begonnen, wie dies auf dem Gute Unter-Teschau des Dr. Ziegler im Böhmerwald der Fall war. Bis heute haben sich aber nur kleine Landwirte dazu gemeldet. Ebenso erfolgt die Ausbildung für sogenannten Schweinemeister auf dem Gute Kuttenplan beim Baron Bergenheim. Die Leute lernen dort sehr viel, weil sie auch theoretisch unterrichtet werden. So ist z. B. in Unter-Teschau auch ein Tierarzt beigestellt, ebensowie in Unterhartmanitz, der die Leute auf dem Gebiete der Geburtshilfe, sowie in der Behandlung von Krankheiten, die momentan auftreten, wie z. B. Kolik, unterweist. Es muß selbstverständlich jemand das nötige Verständnis haben, um sofort eingreifen zu können, bis das betreffende Veterinärorgan eintrifft. Wir wollen auch die landwirtschaftliche Lehrlingsfrage praktisch durchführen. In dankenswerter Weise hat sich eine ganze Reihe landwirtschaftlicher Betriebe für diese überaus wertvolle Arbeit zur Verfügung gestellt, nicht aber um sie auszubeuten oder auszunützen. (Sen. Stark: Wird wohl nicht anders werden, Herr Kollege!) Denken, Sie doch nicht immer schlimmer als es ist. Wir wollen das Beste. Wenn Ihr gescheiter seid, macht Ihr es. Diese Lehrlingsfrage ist auch von einer gewissen Bedeutung. Jeder Berufsstand kennt eine gewisse Vorbereitung und bei jedem Gewerbe ist das der Fall. Beim geistigen Gewerbe geht das große Studium voraus in Verbindung mit der Praxis, z. B. in den Spitälern, bei den Juristen die vorbereitende Praxis bei den Advokaten oder die Auskultantenzeit bei Gericht. Aber beim wichtigsten Berufsstand, bei der Landwirtschaft, ist, wie ich glaube, die Lehrzeit eigentlich mitbestimmend für die Zukunft und Existenz dieses Standes. Hat der Landwirt etwas gelernt, so kann er bei der Landwirtschaft unmöglich zugrundegehen, ob er nun Landarbeiter oder Kleinbauer ist. Der Reiche hat freilich selbst die Mittel, sich ausbilden zu lassen. (Sen. Stark: Es wird jedoch bei diesen Lehrlingen weder eine Krankenversicherung noch eine Sozialversicherung geben, denn da müßt Ihr ja doch wieder zahlen, und die Landwirtschaft könnte daran zugrunde gehen!) Wir können das freilich nicht so kostspielig machen, weil dann unter Umständen diese Ausbildung unmöglich gemacht werden könnte, da doch der eine oder der andere oft nicht die Mittel dazu hat. Es handelt sich doch da nicht um reiche Leute! Ob sie nun Arbeiter oder Kleinbauern sind, wir wollen das Beste. (Sen. Stark: Wie gut haben es doch die Lehrlinge beim Gewerbestand!) Sagen Sie das den Herren Gewerbetreibenden, ich bin keiner. (Sen. Stark: Genau so werden Sie es machen!) Das wissen Sie schon im vorhinein? Wir haben jedoch in dieser Beziehung große Erfahrungen, daß es nicht so gemacht werden wird, wie Sie uns zumuten. (Nepokoj na levici. - Rùzne výkøiky.)

Místopøedseda Böhr (zvoní): Prosím o klid!

Sen. Zuleger (pokraèuje): Auf zwei Dinge muß ich in diesem Zusammenhang noch besonders hinweisen. Das ist zunächst einmal die landwirtschaftliche Maschinenberatungsstelle der deutschen Sektion des Landeskulturrates, die unentgeltlich ohne irgendwie geschäftlich intereßiert zu sein, den Landwirten Ratschläge beim Ankauf von landwirtschaftlichen Maschinen erteilt. Das ist eine notwendige und gute Sache, weil beim Ankauf größerer landwirtschaftlicher Maschinen die Landwirte oft Maschinen kaufen, die sich dann nicht richtig verwerten oder ausnützen lassen. Die zweite Sache betrifft, wenn ich noch kurz auf die Einrichtungen eingehen will, die Maschinenprüfungsanstalt, die sich bei der landwirtschaftlichen Hochschule in Liebwerd befindet, wo als der geeignetste Fachmann Profesor Wirth die Maschinenprüfungsaustalt leitet. Außerdem entsendet dorthin der Landeskulturrat zwei geeignete Fachmänner, die unentgeltlich jede Maschine, die wir dem Landwirt empfehlen, erst überprüfen, und zwar sehr strenge. Sie wissen ja, daß zahlreiche Agenten von dem Verkauf solcher Maschinen leben, das sei ihnen gegönnt; sie sollen aber nicht den Leuten minderwertige Maschinen aufreden, die der Landwirt entweder überhaupt nicht brauchen kann, oder nach kurzer Zeit wegwerfen muß. Wir haben im Landeskulturrat einen Beschluß gefaßt, daß die Subventionierung einer Maschine überhaupt nicht erfolgen darf, die nicht in der Maschinenprüfüngsanstalt zuvor geprüft und als gut verwendbar empfohlen wird. ganz unabhängig davon, wer der Fabrikant dieser Maschine ist.

Wir haben noch einen anderen Wunsch, und das ist die sogenannte Bauberatungsstelle. Die Herren werden einseben, daß es eine große Rolle spielt, in welcher Weise landwirtschaftliche Gebäude, Stallungen Scheuern bis herunter zur Jauchengrube und Düngerstätte praktisch angefegt sind. Das ist die Rationalisierung der landwirtschaftlichen Einrichtungen, um den Betrieb der Landwirtschaft zu fördern und zu erleichtern. Daß zu diesem Zwecke gute Pläne zur Verfügung gestellt werden sollen, wird jedem einleuchten, da doch nicht jeder Bauer ein gewisses Verständnis auf dem Gebiete des Bauwesens haben kann. Hier sind wir anderer Anschauung als der Herr Landwirtschaftsminister und können uns infolgedessen seiner Ansicht nicht anschließen. Ich möchte daher dem Herrn Landwirtschaftsminister, bezw. den Beamten des Landwirtschaftsministeriums, besonders den technischen Beamten empfehlen, sich unserer Meinung, als der praktischer Landwirte, anzuschließen und unseren Vorschlägen die von der deutschen Sektion des Landeskulturrates dem Ministerium überreicht wurden, etwas mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden.

In einem Punkte ist man im Staatsvoranschlag für das Jahr 1929 unseren Wünschen ein wenig nachgekommen, u. zw. in der Frage der Förderung der Stalldünger und Jauchenwirtschaft. Es ist ja eine bedauerliche Tatsache, daß trotz der hohen Kunstdüngerpreise - zu unserem Bedauern müßen wir das immer wieder feststellen - die Stalldünger und Jauchenwirtschaft noch immer im Argen liegt. Es ist traurig zu beobachten, daß wir auf der eine Seite den teueren Salpeter und das teuere Ammoniak kaufen, während auf der anderen Seite der Stickstoff, den wir selbst erzeugen, oft sozusagen zum Tor hinaus in das nächste Gewässer abläuft. Wir haben auf diesem Gebiete durch die Landeskulturräte und die landwirtschaftlichen Schulen seit Jahrzehnten die Landwirte darüber belehrt, daß sie der Pflege und Aufbewahrung des Stalldüngers und der Jauche mehr Aufmerksamkeit zuwenden sollen. Wir haben - und ich will mich nicht selbst loben, denn es sind ja 54 Herren, die über diese Frage entscheiden - diesbezüglich ein Programm gemacht, eine große Aktion eingeleitet, die darin besteht, daß man den Kleinlandwirten wenigstens in jedem Bezirk einige Schulbeispiele ausarbeitet, Pläne für Düngerstätten und Jauchengruben. Die Zahl dieser Pläne ist bereits sehr stattlich. Durch zwei Wiesenbaumeister, oder wie sie bei uns heißen müssen, Tierzuchtassistenten, wurden in einem Jahre 248 derartige Pläne ausgearbeitet, die Kostenvoranschläge durchgerechnet und den Leuten, je nach der Situation, Spezialpläne für Düngerstätten ausgearbeitet. Wir waren in der Lage, für diese Jauchen- und Düngerstätten eine kleine Subvention des Landwirtschaftsministeriums zu erwirken. Die Leute haben aus diesen Arbeiten etwas gelernt, was ja der Hauptzweck ist. Wir können freilich nicht jedem geben, sondern müssen vor allem darauf bedacht sein, unseren Landwirten Musterheispiele für richtige Düngerstätten und Jauchengruben vorzuführen. Das ist besonderes für die kleineren Landwirte sehr wichtig, die oft nicht in der Lage sind, sich selbst eigene Pläne ausarbeiten zu lassen und die nun an dem Schulbeispiel erlernen können, in welcher Weise der Untergrund herzustellen und wie die ganze Sache richtig anzupacken ist. Dies ist auch vom volkswirtschaftlichen und sanitären Standpunkt sehr wünschenswert und wichtig, weil man so daraufhin arbeitet, daß in den Dörfern nicht die Brunnen durch Jauchengruben vergiftet werden. Es hat sieh gezeigt, daß der Ausbruch von Typhus oft seine Ursache darin, hat, daß die Jauchengruben und Düngerstätten durchlässig waren und dadurch im ganzen Ort die Trinkwasseranlagen verseucht wurden, wodurch natürlich die Möglichkeit von Typhus und anderen ansteckenden Krankheiten hervorgerufen wurde. Es wäre diesbezüglich wünschenswert, ein Gesetz zu schaffen, um solcher Verseuchung vorzubeugen, indem das Baugesetz auch bei Jauchengruben und Düngerstättenanlagen vorschreiben sollte. daß sie unbedingt undurchlässig, also mit Zement gemacht werden. Zement ist ja erschwinglich und es liegt im eigenen Interesse der Besitzer, lieber ein Paar Kronen mehr auszugeben, als die Gesundheit der Familie und des Personals zu gefährden.

Die Grundlage einer intensiven Viehzucht ist die Beschaffung guten Futters in reichlicher und bester Qualität. Die deutsche Sektion des Landeskulturrates hat es sich daher besonders angelegen sein lassen, den Futterbau zu fördern, weil ja die Deutschen eigentlich nur in den

andgebieten, an der Peripherie von Böhmen, Mähren und Schlesien im Gebirge gelegen sind. Diesen Futterbau in den deutschen Randgebieten zu fördern, ist eine wichtige und ernste Aufgabe für uns, wenn wir überhaupt einen Fortschritt in der Viehzucht erzielen wollen. Wir haben zu diesem Behufe sogenannte Grünlandwirtschaften oder Grassamengärten angelegt. Die von dem bekannten Pflanzenzüchter Prof. Freudl von der Versuchsanstalt in Tetschen - Liebwerd nach der örtlichen Lage, gezüchteten Grassämereien haben sich bezüglich der Bonität als ganz vorzüglich erwiesen, sie werden von Tetschen - Liebwerd aus an die einzelnen landwirtschaftlichen Vereine kostenlos abgegeben und es ist Sache der Kleinlandwirte, sich dieser Aufgabe, der Anlage von Grünlandwirtschaften und Grassämereien mit dem größten Interesse zu widmen, weil das für sie unter Umständen auch eine wertvolle Einnahmsquelle bildet. Es haben sich auch größere Saatgutzüchter und Grünlandwirtschaften dieser Frage gewidmet und dabei gute Erfolge erzielt und wir sehen, daß wir auf diesem Wege dazu gelangen, die Futterbauverhältnisse in den deutschen Randgebieten der Republik in wohltätiger Weise zu verbessern. Getreidebau kommt ja in diesen hochgelegenen Gebieten wegen der schlechten Ernten kaum in Frage und so bildet die Förderung der Grünlandwirtschaft, des Futterbaus für die deutschen Gebiete eine der wichtigsten Aufgaben. Auch in den Kar pathen oben haben wir diese Beispielwirtschaften, diese Grünlandwirtschaft, Saatenzucht vonnöten. Herr Kollege (obrácen k sen. Richterovi), denn der slovakische Bauer in den Karpathen ist ein armer Teufel, der sich das nicht aus Eigenem bieten kann, und deswegen haben wir diese Frage nicht nur im engeren Kreis der deutschen Sektion, sondern mit den Vertretern der Landeskulturräte von Karpathorussland, der Slovakei, Böhmen. Mähren und Schlesien behandelt. Wir stellen ihnen auch alles zur Verfügung (Sen. Richter: Danke!), und wenn die Herren Beamten sich weiter interessieren und ausbilden wollen, sind sie gerne bei uns gesehen, weil wir die moralische Verpflichtung haben, das nicht nur für unsere eigene Sektion durchzuführen, sondern für alle, die wir diesem gemeinsamen Staat angehören.

Eine andere Frage, die uns auch sehr interessiert und auf die auch der Herr Landwirtschaftsminister hingewiesen hat, ist die Erzeugung eines wertvollen Saatgutes. In dieser Frage weisen wir im eigenen Lande einen bedeutenden Fortschritt auf, wir haben eigene Saatgutzüchter. Semenäøi - wie sie auf der anderen Seite genannt werden - deren Saatgut anerkannt werden muß. Wer soll das anerkennen? Das müssen qualifizierte Landwirte tun oder Güterbeamte und Fachlehrer, die im Felde draußen das hochgezüchtete Saat

ausprobieren; daraus schauen dann höhere Erträge heraus. Natürlich muß der Mann für seine Mühe auch einen entsprechenden Lohn haben, denn jede Arbeit will ihren Lohn. In dieser Beziehung haben wir die besten Erfolge aufzuweisen. Wir haben auch die amerikanischen Verhältnisse studiert, auf Grundlage von Erhebungen, Statistiken u. s. w. Außer Deutschland und Böhmen und Mähren gibt es kein Land, das uns in der Saatgutzüchtung gleichzustellen wäre, auch Frankreich oder England nicht, nachdem dort der Wirtschaftsbetrieb vom Getreide abgerückt und zum Futterbau übergegangen ist. Alle diese Studienreisen, die unsere Herren in die westlichen Länder unternehmen, weil wir angeblich alle Kultur von dort bekommen, haben uns nicht überzeugt, daß wir dort etwas lernen können, und ich führe als. Zeugen meinen Koll. Fáèek an, der zwei Jahre in Frankreich vom Süden bis in die Normandie gereist ist. Er und alle anderen haben einmütig erklärt, daß wir Landwirte aus Böhmen und Mähren dort nichts lernen können, im Gegenteil, wir sind weit überlegen. Das bezieht sich auch auf andere Länder, auch auf amerikanische Verhältnisse, wo der Wirtschaftsbetrieb unr mit Hilfe der Technik möglich ist und wo man erst die Eisenbahnmaschinen legen muß, um die Ernte zu bergen. Wenn uns von Seite der Handelskammer Ziffern gezeigt werden, daß die ganze Bearbeitung eines Hektar Bodens in Nordamerika 70 Kè kostet, so muß uns das unwillkürlich ein Lächeln abringen. Unlängst hat sogar ein Professor im Auf trag einer Handelskammer das gemacht. Mit 70 Kè will man in Nordamerika einen Hektar Boden bearbeiten, kultivieren, dreschen und die Ernte bis zum Waggon schaffen! Das ist ein Wahnsinn, weil das Saatgut in Amerika auch nicht geschenkt wird; und wenn der dortige Landwirt das in Rechnung stellt und wenn er noch so wenig sät, der Hektar Saatgut allein kostet ja doch 400 Kè nach unserem Geld. Der amerikanische Arbeiter ist der bestbezahlte Arbeiter der Welt und der wird auch nicht den Traktor oder den Dampfpflug ohne Bezahlung oder gegen schlechte Bezahlung führen. Alle diese Verhältnisse sind uns nicht unbekannt. Aber warum erscheint auf einmal eine Broschüre, die uns als rückständig oder als dumme Kerle hinstellt? Das muß uns verdrießen. Wir haben hier in unserem engeren Heimatslande keinen Grund, uns von solchen Leuten belehren zu lassen, die uns dupieren wollen, alsob wir rückständig wären. Mit 70 Kè will man einen Hektar bebauen, ernten und dreschen! Und noch das Getreide bis zur Bahn führen! Wie stehen denn dann die Preise? Dann sind ja nicht wir die Wucherer, sondern die Amerikaner, die uns ja ohnedies auf dem Weltmarkt so schwere Konkurrenz machen. Aber Belehrung können sie uns keine geben, das ist einfach ein amerikanischer Schwindel, wie so vieles andere, was aus Amerika herüber kommt. Entschuldigen Sie diesen Ausfall, ich komme wieder zur Sache. Wir haben also gesehen, daß wir auch auf dem Gebiete des Pflanzenbaues turmhoch über anderen Ländern stehen, besonders in der Qualität, weil wir ein trockenes Klima haben und so bessere Qualitäten erzielen.

Aber auch unsere Bauern weisen eine hohe Intelligenz auf, die deutschen und die böhmischen Bauern, damit die Herren auf der anderen Seite nicht beleidigt sind; unsere Bauern haben etwas gelernt. Ich hege nur den Wunsch, daß auch hier, wie in vielen Kantonen der Schweiz, der Landwirt die Erbschaft nicht antreten darf, wenn er nicht den Befähigungsnachweis erbringt. Der Landwirt soll nicht der dümmste Mensch auf der Welt sein, im Gegenteil! In der Schweiz muß er den Nachweis liefern, da ist sogar im Erbrecht eine Bestimmung, daß er das Erbe seiner Väter gut weiter zu führen imstande sei. Im anderen Falle kann die Tochter oder der Schwiegersohn das Gut übernehmen, also die befähigten, Kinder, nicht die dummen. Die Landwirtschaft braucht gescheite. Leute und wir sehen, wie es den Armen im Geiste oft geht, wenn sie keine fachliche Bildung haben, wenn sie nicht rechnen gelernt haben; und daß ist oft das Übel, an dem die Bauern zugrunde gehen. Sie wirtschaften einfach ins uferlose, schreiben nichts auf, schimpfen auf den Steuerinspektor, daß er viel Steuern vorschreibt, aber sie können keinen Gegenbeweis bringen. Der Landwirt muß der Steuerbehörde gewachsen sein und nachweisen können, daß die Vorschreibung ungerecht ist. Dann steht er auf der Höhe der Zeit. Aber in dieser und auch in anderen Beziehungen müssen wir doch eine gewisse Rückständigkeit konstatieren. Da müssen wir fordern, daß der Übernehmer eines landwirtschaftlichem Betriebes so wie in der Schweiz für ein konzessioniertes Gewerbe befähigt sein muß. In der Schweiz kennt man keinen Unterschied zwischen Landwirtschaft und Gewerbe. Alles ist dort Gewerbe, das eine ist landwirtschaftliches Gewerbe, das andere ein technisches Gewerbe.

Bei der Frage des Pflanzenbaues muß ich auf ein Moment verweisen, das unseren Getreide- und Pflanzenbau schädigen und bedrohen kann. Das sind die Pflanzenschädlinge, teils tierischer, teils vegetabilischer Natur. Ich verweise auf den Brand und Rost beim Weizen, oder auf das Mutterkorn, lauter Erscheinungen, die wir bekämpfen müssen, die Auswinterüngsursache im Gebirge ist der Schneeschimmel, ein Pilz, der eventuell die Ernte vernichten kann. Beim Obstbau, der in Böhmen, besonders im günstig gelegenem Elbtal, bei Jièín, Pardubitz u. s. w. eine große Rolle spielt, tritt die Blutlaus und die Schildlaus auf. Im Hopfengebiete in Bayern hatte man drei Jahre fast keine Ernte, weil ein PeronosperaPilz, die Pseudoperonospera, die ganze Ernte vernichtet hat. Die Rotspinne oder der Kupferbrand ist in Jugoslavien aufgetreten. Es wäre die vornehmste Aufgabe des hochverehrten Herrn Landwirtschaftsministers, seine Fachreferenten hinzuschicken, um das große Unglück und die Verluste an Nationalvermögen zu sehen, auch an die Wissenschaft, an unsere Hochschulen zu appellieren, wie man all dieser Erscheinungen Herr werden konnte. Beim Kartoffelkrebs in Böhmen haben wir gesehen, daß es nicht unmöglich ist, ihn auszurotten. Ich rechne es dem Landwirtschaftsministerium als großes Verdienst an, daß dies gelungen ist, möge es auch den einzelnen hart betroffen haben. Auf drakonische Weise mußte der Kartoffelkrebs beseitigt werden. Man mußte dem Bauer des Verfügungsrecht über seine Kartoffel nehmen, man mußte sie auf Spiritus verbrennen und dem Bauer dagegen andere Konsumkartoffel zuzuführen. Die Aktion, war von Erfolg begleitet, wir haben den Kartoffelkrebs aus der Welt geschaft, der ungeheuer hätte wirken können. Wir mußten Grenzbezirke sperren, sie alle haben Zeter und Mordio geschrien. Warum hat das aber die Regierung gemacht? In unserem ureigenen Interesse, nicht um die Bauern zu schikanieren, sondern um sie vor Gefahren zu schützen. Und wie oft wurde das mißverstanden!

Wir müssen auch hinsichtlich der Viehzuchtförderung etwas veranlassen, nachdem jetzt eine Krisis eingetreten ist und wir auf dem Gebiete der Viehzucht noch nicht den nötigen Schutz gefunden haben. Ich gebe es zu, zu gewissen Zeiten war es nicht möglich, unsere Konsumzentren zu befriedigen, sie mit genügend Schlachtvieh zu versehen. Deshalb müsste das Landwirtschaftsministerium bedacht sein. Organisationen zwischen dem Produzenten und dem Konsumenten zu schaffen. Heute sind alle diese Geschäfte dem Handel ausgeliefert. Es ist ein altes Lied, daß der Mensch vom Profit lebt. Gewiß handelt nicht der Viehhandel den Konsumenten gegenüber aus Humanität. Im Gegenteil. Uns drückt er die Ware und Euch Konsumenten erhöht er den Preis, oft in ungerechtfertigter Weise. Da haben wir ein leuchtendes Beispiel in Deutschland. Ich kann mir nicht helfen, man muß auch über die Grenze schauen. In Berlin besteht für den Schlachtviehhof eine Organisation, die wir uns angeschaut haben. Wir müssen bekennen, daß wir in dieser Hinsicht weit rückständig sind. Ein Großteil des Konsums in Berlin wird von dieser Pommerschen Viehwertungsgesellschaft beliefert und glänzend befriedigt. Sie hält die Fleischpreise in gewissen Grenzen. Wenn die Viehbelieferung in Berlin dem Handel überlassen wäre, würden die Berliner ihre Wunder sehen. Gerade die Konkurrenz ist etwas, was moralisch gut wirken und das konsumierende Publikum schützen kann. Andererseits hat der Landwirt die Möglichkeit des Absatzes seines Viehes, was heuer besonders in die Wagschale fällt, wo wir infolge der Dürre an Futtermittelnot leiden, die Futtermittelpreise sehr gestiegen sind und die Notverkäufe den Preissturz für Vieh bedingen. Alle diese Fragen stehen im innigsten Zusammenhang.