5. Øeè sen. Beutela (viz str. 1422 tìsnopisecké zprávy):
Hoher Senat! Die dringliche Interpellation, die wir eingebracht haben, begründet sich sozusagen durch die Ausführungen des Herrn Ministers des Innern wie auch durch die Tatsache, daß erst vor einigen Tagen das Gesetz zur Gewährung von Subventionen bei Elementarschäden beschlossen worden ist. Von noch keinem Gesetze kann wohl gesagt werden, daß es nicht nur unter dem Drucke der Ereignisse so zeitgerecht zustande gekommen ist, wie das nunmehr vom Senat so verschlechtert beschlossene Gesetz zur Gewährung von Subventionen bei Elementarschäden, sondern daß es auch eine Lücke in der Gesetzgebung ausfüllt für jene Ärmsten der Armen, die unverschuldet durch Elementarereignisse, wie die letzten und früheren es waren, in Not und Elend geraten und oft für viele Jahre, ja manche für ihr ganzes Leben förmlich an den Bettelstab gebracht sind. Es ist ja zu begrüssen, daß gegenüber den vielen Bedürfnissen infolge des grauenvollen Zustandes, den die Wetterkatastrophen gezeitigt haben, nun nicht mehr so wie bisher nur Mitleid und Gnade, sondern ein Gesetz vorhanden ist, das nach entsprechender Überprüfung der Ansprüche für unverschuldet erlittenen Schaden es möglich macht, gesetzliche Hilfe wenigstens in Form von Darlehen zu gewährleisten. Das Gesetz hat noch große Mängel, aber es ist doch wohl ein Anfang. Notwendig ist nur, daß es auch wirklich gerecht gehandhabt wird und mit den zugesprochenen Mitteln die Darlehensunterstützung wirklich denen gewährt wird, deren wirtschaftliche Existenz faktisch bedroht erscheint. Ein großer Mangel des Gesetzes liegt vor allem darin, daß die Hilfe nur in Form von Darlehen geleistet wird und daß die staatliche Hilfe nur in der Verzinsung der Darlehen bei den in Betracht kommenden Geldinstituten, die niemand kennt, besteht. Auch fehlt die Bestimmung der Art des Vorganges und an wen sich der Bedürftige wenden muß, um zu dem Darlehen zu gelangen, sowie Aufschluß darüber, wielange die Darlehen gewährt werden, ob und gegen welche Sicherstellung oder ob eine solche nicht notwendig ist. Es ist also zu befürchten, daß auch in dieser wirklich dringenden Angelegenheit sich wieder bürokratische Verzettelungen und viel Schreibereien einstellen werden. Hier wird dringend Aufschluß notwendig sein, Hauptsache wäre rasche Hilfe in Form von nichtrückzahlbaren Zuwendungen, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, nicht aber lediglich Darlehen, die die armen schwer Betroffenen neuerlich zu Schuldknechten des Kapitals machen. Die von den Unwetterkatastrophen betroffenen sind doch zumeist Kleinhäusler, mit wenigen Ausnahmen, kleine Landwirte und Arbeiter, welche sich vor allem durch manuelle Arbeit erhalten und meistens ohne Barmittel dastehen. Anders ist dies mit den Bezirken und Gemeinden, dort können Darlehen wirklich gute Dienste leisten, aber selbst auch da ist rascheste Hilfe bei solchen Unglüksfällen doppelte Hilfe. Wenn wir einigermaßen das Elendsbild infolge der ungeheuern Katastrophen vor Augen führen und von der ungeheuern Gewalt einen annähernden Begriff machen wollen, so müssen wir bei der Tatsache verweilen, daß am 8. Juli dem Elemente ca 200 Menschen zum Opfer fielen. Der Großteil der Opfer entfällt auf das sächsische Erzgebirge, wo z. B. die Stadt Berggießhübel so viel wie vernichtet erscheint, während andere Ortschaften und Gemeinden ungeheuern Schaden an Straßen und Brükken, ebenso wie Private schwere Beschädigungen an Eigentum erlitten und oft dieses auch ganz einbüßten. Man muß allen Betroffenen wohl nicht nur die wärmste Anteilnahme an ihrem Schicksal entgegenbringen, sondern vor allem rasch helfen, wenn man wirklich menschlich teilnahmsvoll handeln will. Es ist daher wohl besonders das Verständnis für eine solche Situation vor allem zu loben, wenn wir hören, daß sofort am andern Tage nach den schweren Ereignissen der sächsische Ministerpräsident Held aus seinem Dispositionsfonde 125.000 Mark und sofort am dritten Tage früh der deutsche Reichsfinanzminister Dr Köhler eine Million Reichsmark bar für die armen Opfer des sächsischen Erzgebirges zur Verfügung stellten. Das sind zur sofortigen raschen Hilfeleistung keine Darlehen, sondern ca. 10 Millionen Kronen nicht rückzahlbares Geld. Wie sieht es damit bei uns aus? Auf Seite des böhmischen Erzgebirges vom Teplitzer Gebiet über Aussig bis Bodenbach und Leipa ist die Verwüstung gleichfalls eine ungeheuere, wenn auch glücklicherweise der Verlust an Menschenleben geringer ist. Bei uns ist auch rasch ein Minister und zwar der Herr Minister für öffentliche Arbeiten, Herr Dr Spina, zur Stelle gewesen. So sehr man aber die Raschheit des Erscheinens und die Inaugenscheinnahme der Katastrophe begrüßen muß, so lebhaft muß man bedauern, daß unser Herr Minister nichts als persönliches Mitleid, woran wir ja nicht zweifeln, und lediglich das Pflichtgefühl mitgebracht hat, jedermann, und namentlich dem »Prager Tagblatt« zu bestätigen, daß die Betroffenen, fast lauter arme Menschen, in großer Not sind, und daß das »Prager Tagblatt« die so oft angeregte Mildtätigkeit, die sich immer bewährt hat, auch in diesem Falle wieder anrufe, damit Banken, Industrie, Mittelstand, Kaufleute, Beamte und vor allem die Kinder selbst (wörtlich zu lesen im Aufruf des »Prager Tagblatt« vom 1 3. Juli 1927, Seite 3) rasch und willig Spenden überweisen. Es werden also wahrscheinlich die Kinder auch wieder in den Schulen, wie schon so oft, aufgefordert werden, Geld von zu hause für den edlen Zweck mitzubringen und so mancher Arbeiter oder gar die armen Arbeitslosen, die wenig oder nichts zu geben in der Lage sind, werden in den Augen der eigenen Kinder herabgesetzt, weil diese sich doch natürlich von der eigenen Notlage ihrer Eltern noch nicht das richtige Bild machen können, weil es sie schmerzt, wenn ihnen Mutter oder Vater nicht das geben können, was sie sich vorstellen und wie es Kinder der Bessersituierten zu tun in der Lage sind. Was hier unter den Kindern angestiftet wird und was dies für Folgen zeitigt, kann und soll hier nicht besprochen werden, sondern nur der Unterschied der Handlungsweise zwischen unseren und den Regierungsorganen des Deutschen Reiches aufgezeigt werden.
In Deutschland hilft die Regierung sofort mit barem Gelde, bei uns ruft der Minister in der aufgezeigten Art die Privatwohltätigkeit zu Sammlungen auf. Das ist der ganze Unterschied. Doch halt, wir müssen gerecht sein. Wenn auch nicht durch den Herrn Minister, so geschieht doch etwas durch die Regierung, denn durch die Zeitungen erfahren wir, daß über Einschreiten der deutschen Regierungsparteien die Regierung als vorläufige Hilfe der Unwetterkatastrophe in Nordböhmen den Betrag von zusammen 250.000 Kronen den politischen Bezirksverwaltungen Aussig und Tetschen zur Verfügung gestellt hat, Also welche Gnade, lediglich über Einschreiten der deutschen Regierungsparteien, als ob im Elende nicht alle gleich wären. Über einen derartigen Vorgang kann man sich wohl ebenfalls weitere Worte ersparen, Was dies bedeutet, wird uns klar, wenn wir uns die Situation an der Hand von Berichten etwas genauer vor Augen führen.
Im Teplitzer Bezirk waren es vor allem die Orte Graupen, Obergraupen, Voitsdorf, Müglitz und Vorderzinnwald, die durch Wolkenbrüche schwer heimgesucht wurden. Große Schäden wurden an öffentlichen Straßen, Bachregulierungen, landwirtschaftlichen Grundstücken und Häusern dadurch verursacht, daß die bereits projektierten, resp. von der forsttechnischen Abteilung bereits ausgearbeiteten Projekte noch immer nicht durchgeführt sind, obzwar die daran schon sich anschließende Regulierung bereits bewerkstelligt ist. Viel Unglück hätte hier verhütet werden können, wenn den Regulierungsarbeiten mehr Beachtung zugewendet worden wäre. Wenn der Herr Minister betont hat, daß niemanden die Schuld trifft, so sind wir diejenigen, die auch nicht ad personam dem Minister des Innern die Schuld geben oder anderen, aber eines muß gesagt werden, daß man für derartige Dinge oder Kulturarbeiten wenig oder gar kein Geld zur Verfügung hat.
Dies konstatiert die derzeitige dortige Bezirksverwaltungskommission, welche sich bereits mit einer Eingabe an das Ministerium für öffentliche Arbeiten gewendet hat. Im oberen Stadtteile von Graupen ist auf eine Strecke von ungefähr 300 Metern die Bezirksstraße mit Gerölle überschwemmt. 400 Meter Bezirksstraße sind zerstört. Große Stellen der Straße sind bis ein und einen halben Meter tief zerrissen Der von der Bezirksstraße nach Obergraupen führende Weg ist in einer Länge von 700 Metern zum Teile ausgewaschen. zum Teile mit Schutt überschwemmt. Die Wasserleileitung der Stadt Graupen ist in einer Länge von über 100 m freigelegt und die Röhren hängen in der Luft.
In Voitsdorf sind längs des Baches links und rechts alle Steige fortgeschwemmt. Auf der Straße nach Müglitz sind zwei Brücken der erwähnten Straße schwer beschädigt. Überdies ist die Straße selbst an vielen Stellen aufgerissen. Der Schaden, der der Teplitzer Bezirk durch die Wetterkatastrophe erlitten hat. wird auf ungefähr 400.000 Kronen geschätzt. Dazu kommen die Schäden der Gemeinden. Aber auch Privatbesitzer wurden schwer betroffen durch die Schäden an Gebäuden, Äckern, Gärten und Überschwemmung von Feldern und Wiesen.
Die Aussiger Bezirksverwaltungskommission hat ebenfalls in der kurzen Zeit einen Bericht erstattet, der an Klarheit und Übersicht über die angerichteten Schäden nichts zu wünschen übrig läßt.
Nach diesem Berichte, den ich nur ganz auszugsweise darstellen will, betragen die Schäden, die von den Bezirksverwaltungen gutzumachen sind: In Bokau ca. 40.000 Kronen, Postitz 25.000 Kronen, Groß-Kaudern 31 80 Kronen, Arnsdorf 3660 Kronen, Leukersdorf mehr als 17.000 Kronen, Spansdorf ca. 4000 Kronen, Slabisch ungefähr 9000 Kronen, Leißen 5500 Kronen, KleinTschochau 6000 Kronen, Böhm.-Bokau 5000 Kronen und Luschwitz ca 47.000 Kronen. Es sind das ca. 200.000 Kronen, die von den Bezirken zum Ersatz des Schadens aufzubringen sein werden, wobei gesagt werden muß, daß diese Schätzungen durch Fachleute gemacht worden sind, die beim Straßenbauamt bei der Aussiger Bezirksverwaltungskommission tätig sind und seit mehr als einem Vierteljahrhundert den Bezirk betreuen und die Voranschläge gemacht haben, woraus man sieht, daß diese Summe nicht vielleich, wie der Herr Minister betont hat, überschritten worden, sondern eher anzunehmen ist, daß sie viel bescheidener gehalten worden ist.
Man sieht, daß diese Summen keine Übertreibungen darstellen, sondern von den Straßenbauämtern festgestellt, tatsächliche Aufwände bilden werden. Natürlich fehlt bis dato die Übersicht über die Höhe der Schäden von Privaten an ihrem Eigentum aus dem ganzen betroffenen Gebiete.
So hören wir, daß am schlimmsten mitgenommen ist der Ort Schönwald, wo zwei Menschenleben zu beklagen sind. Sieben Häuser sind gänzlich vernichtet und gegen 30 dem Einsturze nahe, also soviel wie unbewohnbar. Auch ist Nutzvieh, namentlich viele Ziegen umgekommen, die natürlich ausnahmslos Kleinhäuslern gehörten. Die Hauptstraße ist gänzlich, andere Zufahrtsstraßen so stark zerstört, daß der Ort vom Verkehre fast ganz abgeschlossen ist.
Im unteren Teile von Ebersdorf wurden zahlreiche Häuser beschädigt, alle Brücken weggerissen, Straßen sowie Lichtleitung beschädigt. Ein Haus wurde durch Blitzschlag gänzlich zerstört. Auschine und Kulm wurden durch Teichdammrisse überschwemmt und beschädigt. Schlimm war es in Hohenstein, wo durch den unter einem Eisenbahnviadukt fließenden Bach, der zum reißenden Strome wurde, Häuser und Gartenanlagen überschwemmt, devastiert, sowie die Böschung zum Bahnviadukt auf beiden Seiten der Schienen über 20 Meter vollständig weggeschwemmt und der Bahnverkehr bedroht wurde. Auch ist der Ort ohne Trinkwasser, da die Wasserleitung zerstört und bloßgelegt ist. Im Priestner Grund wurde der 5 Meter breite Eisenbahndamm durchgerissen, so daß die Geleise über 20 Meter Länge in der Luft hängen und der Verkehr eingestellt werden mußte.
Auch die Stadt Karbitz wurde arg mitgenommen, Kohlen - Tagbaue sind ersäuft und die Wasserwerke beschädigt In Tellnitz ist die Straße in einer Länge von über 5 Kilometern völlig zerstört und sind eine größere Anzahl Häuser gefährdet. In Streckenwald sind neben ähnlichen Vernichtungen 40% der Ernte verloren. In Auschine, Arbesau, Postitz und Bokau wurden die kaum nach dem vorjährigen Unglück aufgebauten Stütz- und Ufermauern neuerlich zur Gänze weggerissen, Straßen und Wege zerstört und viel Privateigentum lauter kleiner Besitzer, zumeist Arbeiter, zerstört.
Nicht viel anders ist es im Tetschner Bezirke. Nur sind dort Orts-, Straßen-, Wegund Brückenzerstörungen und andere Schäden noch größer als in den vorgenannten Gebieten. In verschiedenen Orten, wie Eulau, Biela, Ullgersdorf bis Bodenbach soll der Schaden gegenüber jenem im Aussiger Bezirke sicher dreimal so groß sein. Das macht allein ohne die Privatschäden schon über 1,200.000 Kronen aus. Und angesichts solcher Zustände und des Massenelends, das der Herr Minister selbst in Augenschein genommen hat, ein Versprechen, daß auf Grund der Intervention der Regierungsparteien 250.000 Kè flüssig gemacht werden sollen! Für die Privatgeschädigten erläßt man einen Aufruf im »Prager Tagblatt«, laut welchem alle Spenden vom Herrn Minister für öffentliche Arbeiten ihrem wohltätigen Zwecke zugeführt werden. Das ist die momentane Hilfe unserer Regierung. Es ist ja ganz gut und schön, wenn man durch Gesetze lindernd zu wirken versucht, aber es ist in dieser Art des Vorgehens keinerlei System für sofortige Hilfe, welche die armen Verunglückten ungesäumt benötigen. Man wird auch auf jene nicht vergessen dürfen, die seit den vorjährigen Katastrophen heute noch auf Hilfe hoffen und namentlich auch jener Opfer in Schlesien muß man gedenken, welche im Mai dieses Jahres gleichfalls schwer gelitten haben, und für welche bis dato so viel wie nichts geschehen ist. Alle müssen in die Hilfsaktion einbezogen werden, unbekümmert darum, ob es durch die deutschen Regierungsparteien befürwortet wird oder nicht.
Man wird uns vielleicht wieder sagen, daß wir nichts treffen als nörgeln. Nein, meine Herren, wir wollen nicht nörgeln, wir wollen Ihnen nur sagen, daß man so den armen Verunglückten und schwer Betroffenen nicht hilft, wie es erforderlich ist, nämlich rasch, damit das, was hier durch die Elementargewalt der Natur zerstört und beschädigt wurde, ehestens wieder, so gut es geht, repariert und soviel als möglich dazu beiträgt, den Schmerz des Unglücks so schnell als möglich zu mildern. Dazu ist eine andere Hilfe notwendig, als lediglich Darlehen und eine solche Vorgangsweise. Sie werden mehr tun müssen; der Herr Finanzminister wird in den jeweiligen Budgets schon etwas mehr für Wildbachverbauungen, Bach- und Flußregulierungen, als dies bisher geschieht, vorsehen müssen. Es ist notwendig, durch Errichtung von Talssperren usw. mehr verhütend zu wirken. Wenn man heute zu den in Betracht kommenden Amtsstellen, wie Flußdistriktskommission, Landeskulturrat oder Sektion für Wildbachverbauungen etc., kommt, muß man immer das Lied hören, daß man leider nichts machen könne, da im Budget für derlei Zwecke entweder zu wenig oder gar nichts vorgesehen ist. Also Baufonds für Talsperren usw. werden dringend benötigt. Es gibt genügend Gelegenheit auf anderer Seite Einschränkungen zu machen und so für wirkliche Kulturzwecke Mittel herbeizuschaffen, damit gegen solche Katastrophen vorbeugend gewirkt werden kann und bei Ereignisfällen wenigstens die Folgen durch derlei Veranlagungen gemildert werden. Dies möchten wir dem Herrn Minister für öffenliche Arbeiten speziel ans Herz legen. Sonst hätten wir zu der Sache nur mehr zu sagen, daß man mehr dem Vorgange der deutschen Regierungsorgane sich nähern und die Hilfsaktion korrekter und rascher durchfahren möge als dies im Vorjahre der Fall war. Darüber könnte man noch viel reden, aber wir fürchten, daß es zwecklos, weshalb ich in der Hoffnung schließe, daß es diesmal noch Zeit ist, es besser zu machen als im Vorjahre. (Potlesk nìm. soc. demokratù.)
6. Øeè sen. Böhra (viz str. 1427 tìsnopisecké zprávy):
Hohes Haus! Die Regierungsvorlage, welche uns in den letzten Tagen beschäftigte, war bei ihrer Einbringung und Behandlung in dem anderen Hause der Nationalversammlung jenen Katastrophen vorangeeilt, die uns in dieser Stunde hauptsächlich beschäftigen und über welche die Herren Vorredner und der Herr Innenminister gesprochen haben. Hoch vom Erzgebirge, wo der Bergmann haust, oder noch mehr von den beiden Talsenken dies- und jenseits des Erzgebirges auf böhmischer und sächsischer Seite, kamen am 8. und 9. Juli schreckliche Unglücksnachrichten. Inniges Mitgefühl werden wir mit Millionen Mitbürgern unseres Landes, aber auch mit Millionen des Auslandes den schwer heimgesuchten Grenzgegenden Nordböhmens und Sachsens zu. Offiziell hat der Senat schon am 13. Juli die beredte, vom ganzen Hause aufrichtig zustimmend aufgenommene Kundgebung des Herrn Präsidenten Dr Hruban seiner Teilnahme Ausdruck gegeben. Auch hat bereits ein allgemeines Nothilfegesetz zur Milderung jener großen Elementarschäden am Mitwoch in diesem hohen Hause Annahme gefunden. Darauf komme ich noch kurz zurück.
Aber weit überragt all diese rühmliche tatkräftige und sofortige öffentliche und die vieler Orts einsetzende private Hilfeleistung die Größe der Not, die Schauerlichkeit des grausen Naturgeschehens. Ich will nicht die ausführlichen Berichte wiederholen, die wir ja in den Zeitungen gelesen haben, die wir jetzt von den verschiedenen Vorrednern und in sehr ausführlicher Weise vom Herrn Innenminister gehört haben. Ich will mich mit einer kurzen Hervorhebung gewisser örtlicher Vorkommnisse begnügen, die vielleicht weniger bekannt sind. Ich unterscheide zunächst die zum Teile arg, aber doch nicht so schwer betroffenen Gebietsteile des Hainspacher, Rumburger und Warnsdorfer Bezirks von dem diesmal unvergleichlich schlimmer heimgesuchten westlichen Teile des Aussiger und Teschener Bezirkes. Diese Gegenden reichen von dem vielgenannten Mückentürmchen am Erzgebirge bis hinunter an das liebliche Elbeufer und beinhalten auch eine Reihe von Orten, deren Namen aus der Schlacht bei Kulm in den napoleonischen Kriegen gewiß allen von uns bekannt sind. Die Katastrophe nahm westlich in der Schlucht der Bergstadt Graupen ihren Anfang und betraf auch das dortige Dorf Rosenthal. Die Fluten von den Hängen des Erzgebirges setzten zunächst einigen Wegen und Gassen des schönen berühmten Marktfleckens und Wahlfahrtsortes Mariaschein verwüstend zu, welcher Ort, nebenbei bemerkt, amtlich den Namen Bohosudov, das ist »Gottesurteil« bekam, welcher Namen aus einer alten Kampfepisode stammt, aber geschichtlich sich nicht für diesen Ort, sondern für westlich von Mariaschein gelegene Siedlungen eignet, die aber von dem Unwetter nicht betroffen wurden. Noch viel trauriger sieht es in den Orten östlich von Mariaschein, in Marschen und Hohenstein aus. Die Stadt Karbitz ist der Wasserleitung beraubt, weite Fluren in der Ebene ihrer Umgebung sind inundiert, so in Auschine und Senseln, u. s. w. Die Bilder der Verheerung - ich habe einige hier - nehmen die Gestalt des Schrecklichen an, wenn wir Tellnitz am Hange des Erzgebirges anschauen und über den Nollendorfer
Paß hinauf gegen Ebersdorf oder Streckkenwald nach Schönwald gehen.
Die Verkehrswege in Tellnitz sind buchstäblich zerrissen, einige Häuser verwüstet, acht Parteien obdachlos, Industrieobjekte furchbar geschädigt. Wir kommen hier und auch weiterhin in Gemeinden. auch im ganzen Eulathal, wo auch nur bei oberflächlicher Schätzung Schäden von 5 Millionen, 10, 20 und mehr Millionen Kronen genannt werden. Das sonst so friedliche große Grenzdorf Schönwald am Erzgebirge ist fast gänzlich zur Ruine geworden. Wohl 36 Häuser sind zerstört worden, 4 Häuser sind samt den Grundmauern derart weggefegt und das umgebende Gelände derart umgestaltet, daß die Einwohner heute nicht einmal deren früheren Standort feststellen können. Auch fanden hier in dem jähe zum Strom gewordenen Gottleuba-Bach zwei Personen, ein Vater namens Ritschel mit dem von ihm durch die Fluten davongetragenen Knaben, den Tod; dieser Bach hat wenige Kilometer weiter in Sachsen in finsterer Nacht weit über 100 Menschen den Ertrinkungstod bereitet. Was die Schrecken besonders erhöhte, war der Umstand, daß das erste Unglück in später Nacht eintrat. Erst die zweite Katastrophe am 9. Juli im selben Gebiete spielte sich bei Tage ab. Bei dieser Gelegenheit muß ich der heroisch mutigen Hilfe besonders der Feuerwehr in den einzelnen Orten gedenken, in Tellnitz des Ledeburschen Forstpersonals, in Schönwald auch besonders einer Militärabteilung, die dort gerade zu Übungen weilte. Sonst wären die Zahl der Opfer und der entsetzliche Materialschaden noch größer. Auf den Dachboden geflüchtete Leute rettete das Militär. Ein Wagner erzählt, wie er, seine Frau und sein Kind hinausgetragen wurden, worauf nach fünf Minuten das Haus einstürzte.
Weiteres Unheil wurde in der Nachbarschaft Schönwalds angerichtet, in Ebersdorf, Streckenwald u. s. w. Unten auf unserer Talseite des Erzgebirges ist das Eulautal schrecklich heimgesucht worden. Der Schaden ist dort wohl mit annähernd 20 Millionen zu beziffern. Königswald hat viel gelitten. Auch das Haus eines unserer geehrten Kollegen vom Senate ist schwer beschädigt, ein Fabrikant Zekart dort hat über 60.000 Kè Schaden erlitten. Ungeheuer stark sind die Orte Biela und Tyssa heimgesucht. Dort unten im Eulautale sind 30 Brücken wohl gänzlich weggerissen, ob sie nun aus Eisen, aus Beton oder aus Holz bestanden. Merkwürdigerweise ist eine einzige Brücke, eine 500 Jahre alte Holzbrücke, die Schafbrücke bei Bodenbach Bünauburg, stehen geblieben. Schrecklich heimgesucht wurde in Ulgersdorf ein Fabrikant Leis, der im vorigen Jahre durch Hochwasser über 200.000 Kronen Schaden hatte und jetzt wieder über 500.000 Kronen. Diesem Fabrikanten er hat eine Zuckerwarenbereitung für den Weihnachtsmarkt - wurden für 20.000 Kronen Zucker und für 40.000 Kronen Kakaobohnen weggeschwemmt. Und wie das Unglück nun spielt, diese reißenden Fluten im Eulautal haben derartige Geröll- und Steinmassen nach Bodenbach in die Elbe getragen, daß die Elbe tief hinein in ihre schiffbare Fläche ganz und gar versandet, verschlammt, mit einem Gesteinsdamm ausgefüllt ist, so daß zur Not nur schmale Personendampfer durchkommen. Man wird dort lange arbeiten müssen.
Ich habe die militärische Hilfe. die sich gut bemerkbar machte, wo das Militär auf Übungen weilte, hervorgehoben. Namentlich in Schönwald und in Tellnitz wurden die militärischen Hilfsaktionen bei den Aufräumungsarbeiten längere Zeit andauern müssen. Es ist in unseren Grenzbezirken ungeheuer schwierig, Tagarbeiter für diese schwere Aufräumungsarbeit zu finden, weil man drüben in Sachsen, wo das Unglück noch grausamer gewütet hat, beim günstigen Stand der Mark 80 bis 90 Pfennige Stundenlohn zahlt, das sind 6 bis 7 Kronen, die bei uns jetzt Gemeindevorsteher, Unternehmer und Baumeister zu leisten nicht in der Lage sind. Ich hebe hervor, daß unsere Behörden tatsächlich prompt und sachkundig eingegriffen haben, namentlich die Teschner Bezirkshauptmannschaft, wo Dr. Kahler mit wirklich großer Umsicht und Eile hilfsbereit eingegriff.
Wenn ich die augenblickliche Hilfe hervorhebe, lege ich natürlich nicht das größte Gewicht auf die erste Spende von 250.000 Kè, sosehr ich das Wort des Herrn Ministers unterstreiche, daß rasche Hilfe doppelte Hilfe ist. Es war ein Anfang und es sind weitere Hilfen in Aussicht genommen.
Ich könnte mich noch mit der Vorlage beschäftigen, deren Debatte auf heute verschoben wurde, aber Sie kennen den lnhalt, weshalb ich mich nicht über die Vorlage verbreiten will. Es heißt da, wirklich kräftig zugreifen und durchdringende Hilfe leisten. Der Herr Minister für öffentliche Arbeiten war dort, der Herr Innenminister hat sich mit dieser Sache befaßt, es waren auch Parlamentarier in der Gegend, und wir können gewiß den Urteilen der staatlichen Techniker recht geben, daß man jetzt nicht Teilarbeit besorgen möge, daß vielmehr planmäßig vorgegangen werden muß und Talsperren errichtet werden müssen.
Eine Wissenschaft, die man vielleicht in der Praxis stark unterschätzt, ist die Meteorologie. Sie liegt freilich noch in den Windeln, so viele Katheder sie auch an den Universitäten bereits zählt. Es ist ein Gebiet, auf dem vom Schöpfer noch unendlich viel dem Menschenverstande überlassen ist zu erforschen, welche Kräfte vom Luftraum her auf die Erde einwirken und unser Wetter beeinflussen. Auf eines möchte ich besonders die Aufmerksamkeit der hohen Regierung lenken, nämlich auf die schon längst uns versprochene, von uns in den letzten Tagen wiederum angeregte Flottmachung, Mobilisierung unserer vielen Sparkassen. Sie wissen, daß durch die Kriegsanleihe die Schluckenauer und an 140 andere Sparkassen notleidend geworden sind. Gerade in unserem Unglücksgebiete gibt es eine Reihe von Kassen, die noch nicht mobilisiert sind. Ich freue mich, daß das Finanzministerium in den letzten Tagen zugesagt hat, daß nun den Versprechungen, sobald die technische Vorbereitung beendet ist, Rechnung getragen werden wird. Ich spreche den Dank aus für das, was wir vom Herrn Innenminister gehört haben, ich spreche, als aus jener Unglücksgegend kommend, den Dank aus für die große Bereitwilligkeit, die hier alle Kollegen bewiesen haben, um die Hilfe zu schaffen, die man augenblicklich leisten kann Aber ich richte mein Schlußwort auch hinauf zum Herrn über alle Gewalten, zu dem wir alle so oft rufen: Vor Blitz und Ungewitter bewahre uns, o Herr! (Potlesk.)