Lassen Sie mich zunächst ganz kurz zu der Interpellation wegen des Generals Gajda Stellung nehmen. General Gajda, dessen Vergangenheit und abenteuerliche Laufbahn, dessen Eignung für die Stelle eines stellvertretenden Chefs des Generalstabes der èechischen Armee mich nicht besonders berührt, weil mir die èechoslovakische Wehrmacht als Mittel zur Förderung der französischen Politik begreiflicherweise nicht ans Herz gewachsen ist, General Gajda ist einer von den vielen, die für ihre nichtgeprüften Verdienste um das Gelingen der Revolution belohnt werden mußten. Ob es sich in dem einen Falle um einen hohen Generalposten, um die Verleihung von 36 Dienstjahren an einen 35jährigen Menschen oder um die Zuteilung eines Restgutes, einer Tabaktrafik im deutschen Gebiete handelt, das sind alles Auswüchse eines und desselben Systems, über das schon soviel Nutzloses geschrieben und gesprochen wurde, eines Systems, das sich auch nicht ändern wird, nachdem General Gajda, dieses Protektionskind der Revolution und der èechischen chauvinistischen Kreise, abgesägt wurde und zwei deutsche Minister in die Regierung eingetreten sind. Bezeichnend und herzerfreuend ist es aber für den, der in solchen Erscheinungen und Entwicklungen Verfallserscheinungen erblickt, daß die Gründe, die zum Sturze Gajdas führten, seit Jahren schon jenen Stellen bekannt waren, welche erst dann die Energie, gegen ihn einzuschreiten, aufbrachten, als seine widerholt bew....e Verantwortungslosigkeit und Hemmungslosigkeit eine Gefahr für sie selbst wurden. Man möge aber ja nicht glauben, daß Gajda den Faszismus gemacht hat; im Gegenteil, der Faszismus hat ihn zu dem gemacht, was er heute ist. Der èechische Faszismus ist nicht auf eine Person beschränkt und von einer Person abhängig, er wurde erzeugt und gezüchtet von jenen, welche die Verbrechen vom 4. März 1919, die eigenmächtige Zerstörung unserer Denkmäler, das Zerschlagen unserer Straßentafeln und Firmenschilder und so viele andere Gewalttätigkeiten gegen die Deutschen ungesühnt ließen, wurde heraufbeschworen durch die dem èechischen Volke immer wieder vorgegeigte Melodie, daß dieser Staat die Nage Republika ist, in der die Deutschen und andere nichtèechische Nationen wohl Steuern zu zahlen und Rekruten zu stellen, sonst aber nichts mitzureden haben. Sie selbst, die seit dem 28. Oktober 1918 eine Diktatur der èechischen Parteien über den Staat ausgeübt haben, deren Leitmotiv die Enteignung des nichtèechischen Besitzstandes war, sind die Vorläufer der heutigen Faszisten, die ein von Ihnen errichtetes System mit Gewalt aufrechterhalten wollen, das unter der Last seiner Unaufrichtigkeit und Unmoral zusammenzubrechen droht. Der Faszismus, der durch jedes auch nur scheinbare Entgegenkommen gegen die nichtèechischen Nationen starke Impulse erhält und den Sie zwar öffentlich verleugnen, im geheimen aber begünstigen, weil sein Bestand und sein Wirken Ihnen eine gute Ausrede für Ihren Mangel an jeglichem Entgegenkommen gegenüber Ihren deutschen Bundesgenossen in der Regierung in allen nationalen Dingen gibt, zeigt durch seinen Bestand allein die Hohlheit der demokratischen Phrase von der nationalen Gleichberechtigung auf. Früher waren es die Legionäre, die eine ungesetzliche Nebenregierung im Staate bildeten und vor Gesetzübertretungen und Gehorsamsverweigerungen nicht zurückschreckten, wenn es galt, die Fassade dieses Staates mit blau-weiß-roter Farbe zu übertünchen. Seit diese durch die verschiedensten Pfründen, General- und Beamtenstellen, Tabaktrafiken und Bahnhofswirtschaften, Zuteilung von deutschem Grund und Boden auf unsere Kosten befriedigt wurden und ein gemäßigtes Element bilden, das auf Masaryk und Bene¹, auf Demokratie und auf die Verfassung schwört, hat der Faszismus deren Rolle übernommen. Wenn die allnationale Koalition nicht mehr möglich ist, wenn die Mitarbeit der Deutschen bei Aufrechterhaltung des Systems nicht mehr möglich ist, dann sollen sie auf den Plan treten, um den nationalen Staat zu retten. Dann ist der Kampf um den nationalen Staat bei jener Entwicklung angelangt, von welcher man im alten Rom sagte: "Res ad triarios venit". Meiner Ansicht nach werden aber die Kosten dieses unehrlichen Spieles letzten Endes nicht die Deutschen bezahlen, sondern das èechische Volk.

Wenn ich mich nunmehr der Regierungserklärung zuwende, um die Stellung meiner Partei zu dem sogenannten historischen Ereignis, das durch den Eintritt deutscher Minister sich angeblich vollzogen hat, klarzulegen, so muß ich diesbezüglich zunächst auf die Ausführungen meiner Klubkollegen Abgeordneten Dr Keibl und Senator Hartl hinweisen, die jener in der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 13. d. M., dieser heute hier an dieser Stelle zum selben Gegenstande gemacht haben und die die Einstellung meiner Partei zu diesem Ereignis mit voller Klarheit kennzeichnen. Die Regierungserklärung des Herrn Ministerpräsidenten zeichnet sich durch ihre Kürze, Inhaltslosigkeit und Undeutlichkeit aus. Das erstemal, seit wir eine parlamentarische Regierung haben, ist keine sozialistische Partei in ihr enthalten. Der Herr Ministerpräsident aber weiß diese Kursänderung mit keinem Worte zu erklären, sondern er verweist darauf, daß die neue Regierung die Staatsgeschäfte im Geiste der von ihm am 18. Dezember 1925 namens der Regierung abgegebenen Erklärung, in welcher die beiden èechischen sozialistischen Parteien vertreten waren, weiterführen wird. Das erstemal seit dem Bestehen dieses Staates sitzen zwei deutsche Minister in der Regierung, die gesamte Presse des In- und Auslandes beschäftigt sich mit dieser aufsehenerregenden Tatsache und knüpft eine Menge Mutmaßungen daran. Der Herr Ministerpräsident aber hat das Wort "Deutsch" in seiner Regierungserklärung ängstlich vermieden, sondern spricht von dem Zusammenleben verschiedener nationaler Kulturen und von dem Versuche, dieses Zusammenleben harmonisch zu gestalten. Ungenau und mit den Tatsachen im Widerspruch sieht die Behauptung der Regierungserklärung, daß die Regierung eine Gemeinschaft ohne Unterschied der Nationen, Konfessionen und der sozialen Schichtung, obwohl die linksgerichteten Parteien in ihr nicht mehr enthalten sind, bildet.

Bezeichnend ist die Redewendung, daß die Èechoslovakei ein klassisches Schulbeispiel enger Beziehungen von verschiedenen nationalen Kulturen sei, eine Redewendung, die wie die Katze um den Brei und das Zugeständnis der Tatsache herumgeht, daß die Èechoslovakei kein Nationalstaat, sondern ein Nationalitätenstaat ist. Der Herr Ministerpräsident ist sich bewußt, daß die aus der Verschiedenheit der nationalen Kulturen - wieder vermeidet er ängstlich das Bestehen verschiedener Nationalitäten zuzugeben - sich ergebenden Differenzen nicht verschwinden können, worin ich vollständig mit ihm übereinstimme, und weist darauf hin, daß wir in diesem gesegneten Lande der Demokratie als freie Bürger offen als Gleiche mit Gleichen verhandeln können. Da wir bisher von, offenen Verhandlungen nichts gemerkt haben, sondern nur von geheimen Verhandlungen hinter verschlossenen Türen, die den Zweck verfolgten, deutsche Parteien zum Eintritt in die Regierung zu veranlassen, müssen wir annehmen, daß erst von jetzt an offen Verhandlungen von Gleichen mit Gleichen, d. h. von Ministern mit Ministern einsetzen werden.

Vollkommen recht hat der Herr Ministerpräsident, wenn er sagt, daß es sich ihm darum handelt, die Art der Erledigung und Beseitigung von Differenzen und Streitigkeiten zum besseren zu wenden. Dadurch, daß ein Teil der deutschen Parteien einen Teil der Regierungsmehrheit bilden, dadurch, daß zwei deutsche Parlamentarier dem Ministerrate angehören, werden die Differenzen und Streitigkeiten angenehmer erledigt werden, nämlich durch den auf einen möglichst kordialen Ton gestimmten kollegialen Verkehr der Minister und durch das Überstimmen der zwei deutschen Minister durch die 11 èechischen Minister. Das ist dem Herrn Ministerpräsidenten natürlich bedeutend angenehmer, als wenn alle deutschen Parteien in gemeinsamer Abwehrfront zur Regierung in Opposition stehen, und es ist ihm natürlich auch sehr wertvoll, daß von nun an die in der Regierungsmehrheit vertretenen Parteien auch außerhalb des Parlaments loyaler Weise die Opposition gegen das System, an welchem Sie ja von jetzt an mit die Verantwortung tragen müssen, aufgeben und die Aufklärung der Bevölkerung über die von ihr nicht so ohne weiteres geduldeten Èechisierungsmaßnahmen von den Parteien bestritten werden muß, die in der Opposition geblieben sind. Daß dies eine bedeutende Erleichterung für die weitere Arbeit der hinter dem Wandschirm einer gemischtnationalen Regierung im selben Sinne wie zuvor arbeitenden èechischen Bürokratie bedeutet, ist jedem, der die ungeheuere Macht des èechischen Verwaltungsapparates kennt, ohne Weiteres klar. Wir sind von einer unterdrückten Minderheit plötzlich zu einem Volksteile geworden, der sich von den Èechen nur durch, eine andere nationale Kultur unterscheidet, ein Bevölkerungsteil, von dem sich ein Teil in, der Regierung, ein Teil in der Opposition befindet. Nehmen wir zum weiteren Verständnis dieser Ausführungen der Regierungserklärung die Aufklärung zu Hilfe, welche ein deutscher Minister dem Prager Tagblatt gegeben hat, in der er ebenso wie sein Regierungschef auf das jahrhundertelange Zusammenleben der beiden Nationen hinweist, und die ganz bemerkenswerte Feststellung macht, daß die Deutschen und die Èechen zwar eine verschiedene Sprache sprechen, davon abgesehen aber eine homogene Masse bilden, dann erkennen wir die ungeheure Gefahr, welche in dieser von deutscher Seite übernommenen selbstlosen Zusammenarbeit liegt, weil diese Zusammenarbeit ohne vorherige Bereinigung der nationalen Frage, die Geburtsstunde des "deutschen Èechoslovaken" bedeutet, der sich von dem "èechischen Èechoslovaken" nur durch die andere Sprache unterscheidet.

Meine Damen und Herren! Es ist schwer, bei Besprechung der Regierungserklärung an dem Verhalten derjenigen deutschen Parteien, welche heute in der Regierung sitzen, vorbeizugehen, es ist schwer, wenn nicht unmöglich, für uns Deutschnationale, die Politik dieser Parteien vom nationalen Gesichtspunkt zu betrachten, ohne sich dabei in leidenschaftlichen Anklagen zu ergehen. Und doch, wenn sich auch unsere Wege nunmehr vollständig getrennt haben, will ich an meiner stets eingehaltenen Linie so weit als möglich festhalten, an der Ansicht festhalten, daß der Streit im deutschen Lager über die Art und Weise der Behandlung nationaler Fragen, nicht hier vor das Forum des èechoslovakischen Parlaments gehört, sondern, daß dieser Streit, diese Meinungsverschiedenheiten einzig und allein von unserem Volke selbst entschieden, in unserer Heimat ausgetragen werden müssen. Wenn ich mich daher in meinen Ausführungen mit den deutschen Regierungsparteien nur so weit, als dies hier unbedingt notwendig ist, beschäftigte und mich dabei nur auf sachliche Feststellungen beschränke, so wolle man daraus um Gottes Willen nicht die Vermutung ableiten, als ob wir Deutschnationale dieses Verhalten, die Einstellung begreiflich fänden und vielleicht, wie es bereits in der einen und der anderen Zeitung angedeutet wird, mit ihnen im Einverständnis gewissermaßen eine doppelgeleisige Politik dieser Art für nützlich und erfolgversprechend halten würden. Die beiden deutschen politischen Geleise laufen nicht nebeneinander, sondern gehen auseinander und ich sehe, solange der eine Teil eine Politik einer derartigen nationalen Selbstlosigkeit und Bescheidenheit führt, wie wir es jetzt anzunehmen gezwungen sind, keine Möglichkeit, daß die beiden Geleise wieder zusammenführen. Diese Möglichkeit besteht schon deshalb nicht, weil ich das von den deutschen Regierungsparteien befahrene Geleise für ein totes Geleise halte, auf dem der von ihnen gesteuerte Zug binnen absehbarer Zeit an den Prellböcken des èechischen nationalen Staatsgedankens und des vollkommenen Versagens der geplanten Verständigung zum Stehen gebracht werden wird. Dagegen glaube ich annehmen zu können, daß die èechische Politik die alte bereits in Österreich so meisterhaft geübte Kunst der Politik des doppelten Bodens, wieder zur Anwendung bringt, indem zwischen den beiden Gruppen, der Regierungs- und der Oppositionsgruppe die Rollen im beiderseitigen Einverständnis verteilt sind.

Eines aber müssen wird hier auf diesem Platze feststellen: für alles, was sich unter der Ägide der gemischtnationalen, der èechisch-deutsch-slovakischen Regierung ereignen wird, ist die Regierung und mit ihr deren deutsche Mitglieder verantwortlich. Für jede deutsche Schulklasse, die gesperrt wird, für jeden deutschen Beamten, der abgebaut wird, für jeden Hektar deutschen Bodens, der an Èechen abgegeben wird, für die Art und Weise, wie die Sprachenverordnung angewendet und die staatliche Verwaltung gehandhabt wird, machen wir als nationale Partei die Vertrauensmänner der deutschen Parteien in der Regierung verantwortlich; die Ausrede oder Entschuldigung, daß die beiden deutschen Minister unter 15 Ministern sich mit ihren Wünschen und Beschwerden, mit ihren guten Absichten und Forderungen nicht durchsetzen können, weil sie eben überstimmt werden, können wir nicht gelten lassen. Die Mitglieder der Regierung sind dem Volke gegenüber für jeden Schaden, den dieses unter ihnen erleidet, als Solidarschuldner zu betrachten und dafür voll und ganz zur Verantwortung zu ziehen.

Wir werden uns daher mit den nächsten Regierungsvorlagen, die den gesetzgebenden Körperschaften unter der Ära der gemischtnationalen Regierung vorgelegt werden, auf das eingehendste beschäftigen, wir werden untersuchen, inwieweit im kommenden Staatsvoranschlag die 31/2 Millionen Deutschen, ihre Wirtschaft und ihre Kultur besser berücksichtigt sind als in den früheren. Jahren, wir sind neugierig, ob die von uns ebenso wie von den heutigen deutschen Regierungsparteien immer wieder verlangte nationale Sektionierung jener Stellen, welche kulturelle oder wirtschaftliche Zwecke, welche deutsches Vermögen verwalten, nunmehr durchgeführt und dadurch dieser wertvolle Besitzstand unseres Volkes einer chauvinistischen Beamtenschaft entzogen wird.

Wir nehmen insbesondere die vom Herrn Kollegen Sen. Hilgenreiner gestern von dieser Stelle aus abgegebene Erklärung der deutschen Regierungsparteien zur Kenntnis, in welcher dieser sagt: "Wir begrüßen, diese Entwicklung vom Herzen, wenn und insoweit sie eine Gewähr dafür bietet, daß der Grundsatz, der hier zum Ausdrucke kommt, sich in der ganzen Gesetzgebung und Verwaltung durchsetzt. Die politische Gleichberechtigung aller Völker in diesem Staate wird verlangt. Die Minister sind Versprechen, aber keine Erfüllung" - wird gesagt, "und vergangenes Unrecht muß gut gemacht, künftiges vermieden werden" - wird gefordert. "Bürgen dessen sind unsere Vertreter in der Regierung. Wir begleiten ihre Tätigkeit mit Vertrauen." So wurde gestern von dieser Stelle von den deutschen Regierungsparteien ihre Stellung innerhalb der Gesamtregierungsparteien gekennzeichnet. Meine Damen und Herren, wir wollen den guten Glauben und das Wollen der deutschen Regierungsparteien in keinerlei Zweifel ziehen und sind überzeugt, wenn der Glaube allein auch auf diesem Gebiete Berge versetzen könnten, dann würden die deutschen Minister die ihnen gestellten und von ihnen übernommenen Aufgaben ebenso erfüllen, wie die deutschen Regierungsparteien, dann könnten wir mit der vollen Gleichberechtigung, mit der vollen Wiedergutmachung des an uns begangenen Unrechtes, mit der Vermeidung und Verhinderung weiteren Unrechtes rechnen. Aber, meine Herren, hier fehlt das Vertrauen zu dem ehrlichen Willen der èechischen Regierungsparteien, den èechischen Nationalstaat mit seinem zwangsläufigen Unrecht und der aus ihm erfolgenden Unterdrückung und Enteignung wirklich abzubauen, mir fehlt insbesondere das Vertrauen zu der Kraft der deutschen Minister und der deutschen Regierungsparteien, sich unter ihren èechischen Kollegen, bzw. unter den èechischen Regierungsparteien durchzusetzen.

Ich bin heute noch überzeugt, daß sich die Deutschen der ungeheueren Verantwortung bewußt sind, welche sie übernommen haben, als sie sich ohne vorherige Sicherstellung der Erfüllung nationaler Mindestforderungen zur Teilnahme an der Macht bereit erklärten, ich hoffe andererseits, daß sie der Regierung ihre Mithilfe und Mitarbeit versagen werden, wenn sie sehen, daß die Hoffnungen, die sie an ihren Eintritt in die Regierung geknüpft haben und die sie zur Begründung ihres Eintrittes in die Regierung der Bevölkerung in schönen, wenn auch nicht ganz deutlichen Redewendungen mitgeteilt haben, sich nicht erfüllen, ich entnehme endlich den Stimmen im èechischen Lager, nicht zuletzt aus Gier gewundenen Regierungserklärung des Herrn Ministerpräsidenten und des Herrn Abgeordneten Kramáø, daß die von den deutschen Parteien gehegten und erwarteten Hoffnungen, auch wenn diese nicht sehr groß waren und groß sind, sich nicht erfüllen werden. Deshalb glaube ich, daß die Teilnahme Deutscher in der Regierung - von der Teilnahme an der Regierung kann ja nicht die Rede sein - nur eine Episode bilden wird in der Geschichte des èechoslovakischen Parlamentes. Wenn der Eintritt deutscher Parteien in die Regierung ein Fehler war, was ich glaube, was aber erst die Geschichte beweisen wird, so wäre es ein weitgrößerer Fehler, ja geradezu ein Verbrechen, in diesem Fehler aus Prestigegründen, um den Irrtum nicht eingestehen zu müssen, zu verharren, wenn er auch von denen schon als Fehler erkannt wurde, die ihn begangen haben. (Výkøiky.)

Denn nach unserer Ansicht ist die Zeit, einen Ausgleich zwischen dem èechischen und dem deutschen Volke, wenn überhaupt von einem solchen gesprochen werden kann, der aber doch die Voraussetzung für den Eintritt Deutscher in die Regierung hätte bilden müssen, noch nicht reif, wie ja die Ausführungen verschiedener Redner während der Debatte über die Regierungserklärung wie auch die Äußerungen der èechischen Presse klar und deutlich zeigen. Noch ist das èechische Volk zu sehr von der Ideologie des èechischen Nationalstaates erfüllt, um etwas von der Macht ir der "na¹e republika" herausgeben zu wollen, noch sind die Differenzen zwischen den èechischen Parteien der verschiedenen Richtungen nicht groß genug, um die Wiederkehr der allnationalen Koalition unmöglich zu machen oder auch nur zu erschweren, und dadurch die unbedingte Notwendigkeit der Mitregierung deutscher Parteien herbeizuführen, noch sind die infolge der èechischen Alleinherrschaft entstandenen wirtschaftlichen Mißstände nicht groß genug, um auf die wirtschaftlich eingestellten Kreise den erforderlichen Druck auszuüben, noch hat sich des deutschen Reiches bereits bemerkbarer politischer und wirtschaftlicher Aufstieg nicht stark genug bemerkbar gemacht, um den èechischen führenden Persönlichkeiten den Bankerott ihrer Nationalstaatsidee mit ihrer zwangsläufigen Deutschfeindlichkeit klarzumachen. Wenn ich sage, daß die Zeit für einen deutsch-èechischen Ausgleich noch nicht reif ist, so bitte ich zur Kenntnis zu nehmen, daß ich dabei an die von von den sogenannten Aktivistenparteien vertretene Richtung der deutschen Politik denke und von deren Gedankengängen aus von einem Ausgleich spreche. Für die deutsche Nationalpartei gibt es keinen Ausgleich, der einem Unterwerfen unter die durch 1918 und 1919 geschaffenen Zwangstatsachen gleichkommt und ein Aufgeben unseres großen nationalen Zieles bedeutet. Wenn der Herr Ministerpräsident in seiner Regierungserklärung von dem Glauben spricht, daß wir Deutsche für alle Zukunft mit den Èechen beisammen bleiben werden, so erlaube ich mir, ihm meinen unerschütterlichen Glauben und meine unüberwindliche Hoffnung entgegenzusetzen, daß wir heute oder morgen das nationale Ziel eines jeden Volkes, die

Freiheit, das ist das Recht, unser Schicksal und unsere staatliche Zugehörigkeit uns selbst zu bestimmen, noch nicht erreichen werden und können. Sie aber, meine Herren von der èechischen Seite, müssen zugeben, daß ein Volk von 61/2 Millionen allein für sich nie und nimmer imstande sein wird, die Vereinigung von 31/2 Millionen Angehörigen eines anderen Volkes an das angrenzende Volk, mit dem sie zusammen ein Volk von 80 Millionen Seelen bilden, verhindern kann, Sie müssen als nationaldenkende Menschen zugeben, daß ganz abgesehen von der Behandlung, die wir Deutschen hier in diesem Staate genießen, ein geschlossener Volksteil von der Größe des Sudetendeutschtums auf die Dauer - und wenn die, sagen wir, zwischenstaatliche Möglichkeit hiezu gegeben ist, nicht davon zurückgehalten werden kann, die Heimkehr zu seinem Volke zu betreiben und zu verlangen, Sie müssen, wenn Sie die Geschichte, die beste Lehrmeisterin des Lebens, studiert haben, zugeben, daß beschworene Verträge immer Menschenwerk gewesen sind und in der Zukunft bleiben werden, daß Staaten, die festgefügt waren in einer Jahrhunderte alten Geschichte, zerfallen sind, gesprengt wurden durch die nationale Idee, wie u. a. auch jenes alte Österreich, das, wie der Herr Ministerpräsident bezüglich der Èechoslovakei in seiner Erklärung so treffend sagte, ein klassisches Beispiel enger Beziehungen von verschiedenen nationalen Kulturen war. Der Tag, an dem sich das Schicksal des deutschen Volkes in Mitteleuropa erfüllen wird, wird kommen und muß kommen, weil gerade seit dem Krieg, dessen unglücklicher Ausgang Ihnen einen Staat in den Schoß geworfen hat, den Sie bei Gott noch ein paar Jahre vorher in Ihren kühnsten Träumen nicht erhofft haben, nunmehr die Nation, nicht aber das historische Recht oder die wirtschaftliche Notwendigkeit auf Grund allgemeiner internationaler Anschauung zur Staatsbildung berechtigt ist. Nicht der Haß gegen das èechische Volk diktiert uns diese Stellung, sondern die Liebe zum eigenen Volke, das Vertrauen darauf, daß die geschichtliche Entwicklung nicht gerade vor dem deutschen Volke Halt machen wird und daß Sie selbst einmal, um Ihrem eigenen Volke den Weg in eine Zukunft, in der es sich frei von nationalen Kämpfen entwickeln kann, zu sichern, den Ausgleich mit dem deutschen Volke schließen werden, der von Dauer nur dann sein wird, wenn er nicht mit irgend einer Partei und irgend einem Teile, sondern mit dem deutschen Gesamtvolke geschlossen wird, entsprechend der Form: jedes der beiden Völker bildet seinen auf sein Siedlungsgebiet beschränkten nationalen Staat, die im Frieden und Freundschaft miteinander leben können, sich gegenseitig kulturell und wirtschaftlich befruchtend, dann sind Sie frei. Dann, meine Damen und Herren, sind Sie frei von dem zermürbenden Nationalitätenkampfe, befreit von dem Kampfe gegen die deutsche Wirtschaft, der ihre eigene untergräbt, befreit von der Sorge um die Zukunft. Ihres Staates, befreit von der Notwendigkeit, sich mit ungeheueren Opfern eine unverhältnismäßig große Armee zu erhalten, dann sind Sie frei und neben Ihnen dann als Ihre Freunde wir: (Potlesk stoupencù.)