Am 30. Juli ereignete sich bei Kremnitz eine Blindgängerexplosion, die Opfer waren zwei Tote und 8 Verletzte, darunter sieben Zivilpersonen.

Im August stürzte ein Militärkraftwagen auf der Straße Ostrau-Troppau ab. Von 15 Militärpersonen konnte sich ein Teil durch rechtzeitiges Abspringen retten, fünf Personen wurden leicht verletzt, zwei schwer.

Am 23. August ereignete sich bei Rudolfsstadt bei Budweis beim Auspacken alter Werndlgewehrmunition eine Explosion von 12 Paketen. 2 Arbeiter wurden schwer verletzt.

Am 27. August Manöverübung der 16. Brigade. Tod des Korporals Kollmann vom 3. Regiment durch plötzliches Losgehen des eigenen Gewehres.

Ende September: Am Artillerieschießplatz Malaczka bei Preßburg findet der 19jährige Zelenka einen Schrapnellblindgänger. Dieser Blindgänger kam zur Explosion und führte den Tod des jungen Menschen herbei.

Vierzehn Tage später ereignete sich anfangs Oktober auf demselben Schießplatz ein ähnliches furchtbares, tief erschütterndes Unglück. Kinder fanden dort einen Handgranatenblindgänger Dieser explodierte, 5 Kinder wurden schwer verletzt. Unschuldige Kinder die Opfer einer zwecklosen sinnlosen Spielerei, die Opfer einer verbrecherischen, gewissenlosen Schlamperei, ist das nicht tief erschütternd, krampft sich einem nicht das Herz zusammen beim Gedanken an diese unglücklichen Opfer des Militarismus? Wir fragen, wozu ist überhaupt das Handgranatenwerfen nötig? Ich habe über diese Angelegenheit bereits einmal im Wehrausschuß des Senates gesprochen und darauf hingewiesen, daß, wenn schon die Übungen notwendig sind, sie ganz gut und mit dem gleichen Effekt durchgeführt werden könnten, wenn sogenannte Atrappen verwendet werden. Auch in Österreich hat man Schießübungen und Übungen von Handgranatenwerfen durchgeführt, aber dort wurde ganz anders zu Werke gegangen, um eben solche Unglücksfälle nicht eintreten zu lassen, wie sie bei uns an der Tagesordnung sind. Dort wurde genau festgestellt, wie viel Geschoße ausgegeben worden sind und wieviele Granaten, es wurde genau nachgeforscht, ob sie auch krepiert sind und, was das wichtigste ist, es wurde nach jeder Übung das Übungsfeld gründlich abgesucht nach Blindgängern, die unschädlich gemacht wurden. Und ich frage Sie selbst, ob Sie sich erinnern können, daß so etwas im alten Österreich möglich gewesen wäre, wie es bei uns an der Tagesordnung ist. Wir müssen uns nur vergegenwärtigen, daß bei uns Übungen wohl gemacht werden, daß sich aber kein Teufel darum kümmert, niemand die Verantwortung übernimmt, niemand die Aufgabe übernimmt, das Übungsfeld auch gründlich zu überprüfen, ob nicht Blindgänger liegen geblieben sind und Gefahren der Zivilbevölkerung drohen.

Damit ist aber die Serie der Unglücksfälle noch nicht geschlossen. Auch im Monat Oktober ereignete sich, in Motol bei den Schießübungen des Artillerieregimentes Nr. 1 ein Unfall. Dem Artilleristen Houstecký ging ein Geschoß durch die rechte Hand, wodurch er schwer verletzt wurde. Auch hier gilt dasselbe, wie bei den übrigen Unfällen und den Flugzeugkatastrophen: mehr Achtung vor dem Menschenleben, etwas, was scheinbar bei unserer Militärverwaltung absolut nicht vorhanden ist, weiters strenge Bestrafung jener Offiziere, bei denen solche Unfälle vorkommen. Unfälle, bei denen das Leben oder die Gesundheit, sei es der Soldaten oder von Zivilpersonen gefährdet worden ist. Damit ist aber die Serie der Unglücksfälle noch lange nicht erschöpft.

Eine dritte nicht weniger große Gruppe sind die epidemischen Krankheiten. Im Jahre 1926 ereigneten sich in unserem Heer folgende Fälle an Genickstarre: In Böhmen 15 Fälle, in Mähren 13 Fälle, in Schlesien 2, in der Slovakei 9, in Karpatho-Rußland 3, insgesamt die ungeheuer hohe Zahl von 42 Fällen an Genickstarre. Außer Genickstarre ereigneten sich noch zahlreiche Fälle an Scharlach, Typhus und ähnlichen Seuchen, die alle auf die schlechten sanitären Verhältnisse bei der Unterbringung der Mannschaft zurückzuführen sind. Ich will ein Schulbeispiel dafür aufzeigen, das ich bereits einmal vor einigen Monaten im Wehrausschuße des Senates bekanntgegeben habe, freilich ergeblich, Abhilfe ist nie eingetreten. Fünf Batterien des 8. Artillerieregimentes sind in Grätz untergebracht. Die Mannschaft ist in den Baracken eines ehemaligen Kriegspferdespitals untergebracht, also in Baracken, die niemals für die Aufnahme von Menschen gedacht waren. In diesen Baracken, in denen immer drei Soldaten in zwei Betten schlafen müssen, wimmelt es von Ungeziefer, Wanzen. Flöhen, insbesondere aber von Ratten. Die Rattenplage ist dort so arg, daß sie den Soldaten in der Nacht über den Bauch und die Füsse laufen. Die Folge davon ist, daß eine Seuche nach der anderen ausbricht, und am verflossenen Sonntag ist wieder ein Fall von Bauchtyphus konstatiert worden. Trotzdem alle lokalen Militärbehörden für die Notwendigkeit der Verlegung dieser Batterien sich ausgesprochen haben und dieselbe verlangt haben, ist es unmöglich, diese Verlegung zu erreichen. Der Widerstand geht wohl vom Ministerium für nationale Verteidigung aus, den Grund können wir namentlich nicht wissen. Wir nehmen nur an, daß er darin zu suchen ist, daß für die Herren Offiziere geradezu ideale Unterkünfte in Lichnowski-Schloß vorhanden sind.

Wenn wir uns zur Einbringung der dringlichen Interpellation veranlaßt gesehen haben, so deshalb, um der Öffentlichkeit aufzuzeigen, was für eine Gefahr der Militarismus für die Staatsbürger bedeutet. Wir wollen damit das Gewissen der Mitbürger wecken, damit die Öffentlichkeit die Militärverwaltung zwingt, sich endlich dem Frieden anzupassen, d. h. jene Verhältnisse und Einrichtungen zu schaffen, damit nicht der Militarismus der größte Feind der Staatsbürger ist.

Nun gestatten Sie mir, daß ich auf die zweite Interpellation eingehe, auf den Fall Gajda. Wir sehen im Fall Gajda nichts anderes, als eine der vielen traurigen Folgeerscheinungen des Weltkrieges. Der Weltkrieg zeitigte eine Demoralisation und bereitete den Boden für ein Abenteurertum vor. Das lehrt uns schon die Weltgeschichte. Nach jedem langen Kriege versuchten Abenteurernaturen, in die Höhe und zur Macht zu kommen und vielen ist es auch eine Zeitlang gelungen. Eine solche Abenteurernatur ist unser Rudolf Heidl, wie er ursprünglich geheißen hat, Drogistenlehrling in Kromau. Wir müssen feststellen, daß der Mann das Bürgertum ganz genau gekannt hat und daß er gewußt hat, daß trotz aller demokratischen Dekoration das Einjährig-Freiwilligen-Streifel, der akademische Titel und eine Offizierscharge immer noch mehr gilt, als alles Können und Wissen bei dem Menschen. Und deshalb war auch sein erstes Beginnen darauf gerichtet, sich diese Attribute beizulegen. Da uns die Privatverhältnisse Gajdas höchst gleichgültig sind, registrieren wir nur die unbestrittene Tatsache, daß er sich taxfrei den Titel eines Einjährig-Freiwilligen, später den eines Arztes und schließlich auch den eines Kapitäns zugelegt hat. Wir wollen uns nun eingehend mit seiner Tätigkeit in Rußland und später beschäftigen, wir haben die Verpflichtung, das auszusprechen, was man in Dunkel hüllt, wenigstens bei uns in der Èechoslovakei, obwohl die ganze internationale Öffentlichkeit über die Dinge bis ins kleinste Detail unterrichtet ist. Während dem man hier im Dunkel des Untersuchungszimmers beisammen saß und sich ängstlich hütete, kein Sterbenswörtchen über das Ergebnis der Untersuchung in die Öffentlichkeit dringen zu lassen, brauchte man nur in das nächste Kaffeehaus in Prag zu gehen und irgendwelche reichsdeutschen, ungarischen oder polnischen, ja auch französischen Blätter zur Hand zu nehmen und man konnte diesen Blättern ganz genau entnehmen, wie die Situation steht. Heidls Aufstieg begann in dein Augenblick, als die Legion den beschwerlichen blutigen Marsch nach Vladivostok antrat. Damals stellte der Zufall den Kapitän Gajda an die wichtigste Stelle: er war der Kommandant von Irkutsk. Er versperrte der Roten Armee, die am Bajkal-See stand, den Weg. Er ermöglichte die Siege Koltschaks, der ihn zum General machte Gajda machte mit Koltschak halbpart. Er stellte die Legionen in den Dienst der weißen Kontrarevolution, er propagierte in der èechofilen Presse Amerikas und Enzlands die Diktatur Koltschaks und dieser versprach ihm dafür die Tressen eines russischen Generals. Gajda dachte damals kaum daran, nach seiner Heimat zurückzukehren. Alles spricht dafür, daß er in Rußland bleiben wollte, wo ihn niemand kannte, wo er in Freuden leben und in Schrecken herrschen konnte. Er dachte nicht daran, die Legionen, wie es der Befehl der Pariser Nationalregierung und ihres Kriegsministers ©tefánik verlangte, nach Osten zu führen und über den Stillen Ozean und die Atlantik an die französische Front zu eskortieren. Gajda richtete sich in Sibirien häuslich ein. Er ließ sich von den Weißen als Befreier feiern. Eigenmächtig errichtete er auf fremdem Boden Feldgerichte, die sich durch ungewöhnliche Rücksichtslosigkeit und Härte auszeichneten. Gajda, für seine Person ungehemmter Anarchist, verlangt von den Untergebenen bedingungslosen Gehorsam. Bei einer Legionärtagung in Omsk schickt er die Entschließung seines Leibregiments, in der der Nationalrat eine Versammlung von Redakteuren und Schreibern genannt wird, eine Versammlung, der sich sein Regiment niemals unterordnen wird, und er verlangt die sofortige Auflösung des Nationalrates. Die Tagung in Omsk hatte große Befürchtung wegen des Schicksals ihres Mitgliedes Houska, der ein Gegner des Eingreifens der Legionen in den russischen Bürgerkrieg gewesen ist und der sich in Gajdas Gewahrsam befand. Die Legionärversammlung verlangte die Auslieferung Houskas. Gajda antwortete: "Houska wird hier gehängt." Die Bauern verfluchten ihn. An seinen! Namen knüpfen sie an, wenn sie die Èechen "Gady", d. i. Schlangen nannten. Mit dem Schrecken dieses Namens drohten die sibirischen Mütter ihren Kindern. Unauslöschlicher Haß blieb in den Herzen der gequälten Bauern zurück. Gajda entfaltete ein blutiges Regiment. Er ließ Hunderte erschießen, neben Lytkin, Jakowlow, Iwanow, Sierow, Suchanow und Melnikow fielen unzählige Namenlose dem Wüten der Weißen zum Opfer. Eine unbewaffnete Musikkapelle von 60 Deutschböhmen wurde in den Fluß getrieben und mit Maschinengewehren geschlachtet. Am 18. August 1918 gab Gajda der Besatzung von Beresowka sein Ehrenwort, daß er kein Blut vergießen und den Roten Brot und Arbeit geben werde. Tags darauf ließ er einen Sanitätszug bei Missowaia bis auf den letzten Mann zusammenschießen. Die Abteilung des Panzerstrafwagens Gajdas überfiel russische Ortschaften, legte diese in Brand und feuerte mit Maschinengewehren in die flüchtenden Bauern, Frauen und Kinder. In der Nacht am 18. August wurde durch diese Abteilung die dänische Kommission des Roten Kreuzes überfallen und beraubt. Am 17. Juli 1918 wurden wegen des Verdachtes, daß sie zu den Bolschewiken gehören, ein ungarischer Offizier und der deutsche Parlamentarier Sivers vom Hinterhalte aus ermordet.

Der bekannte: Legionärmajor Kratochvil schreibt in seinem Buch "Cesta revoluce" über die Lage im Osten Folgendes: Gajda war der erste Militärkommandierende, welcher die Massen erschießen ließ und die Hinrichtung roter Gardisten handhabte und der durch seine rohen Taten das Verhältnis zur Eingeborenenbevölkerung trübte. Weil ein in bolschewistische Gefangenschaft geratener èechischer Kapitän von den Bolschewiken erschlagen wurde, hat die èechisch-russische Abteilung des Generals Gajda in Ostsibirien 600 Soldaten hingerichtet. Kratochvíl sagt: "Diese wildasiatische und unsinnige Maßnahme war die Erfindung von Gajdas Geist und politischem Talente."

Gajda hat weiter in Tjumen den Befehl zum Erschießen von 180 Legionärsoldaten gegeben, welche sich der weißgardistischen Koltschakarmee nicht anschließen wollten. In einem Armeebefehl vom 14. August 1918 in Charbin läßt Gajda 22 Todesurteile fällen. Ende August desselben Jahres kommt es zum Zerwürfnis mit Koltschak. Gajda übt Verrat und liefert Koltschak an die Bolschewiken aus. Koltschak wird an die Mauer gestellt und erschossen.

Gajda inszeniert einen Putsch, um die gesamte Befehlsgewalt in seine Hand zu bringen. Einen Tag lang ist er der Oberbefehlshaber sämtlicher russisicher Streitkräfte in Sibirien, dann bricht der Putsch zusammen. Auch darüber haben wir einen authentischen Zeugen, den Legionärmajor Kratochvíl, der in seinem Buche "Cesta revoluce" auf Seite 532 schildert, wie Gajda gegen seine Freunde vorgegangen ist, und wie seine Verhaftung erfolgte. Gajda entging der Strafe gleich den anderen Kämpfern. In diesem Zusammenhang schreibt Kratochvíl: Ebenso gelang es auch den anderen führenden Teilnehmern des Gajdaschen Aufstandes, sich zu retten. Die Ehre, den Heldentod zu erleiden, wurde nur einigen hundert Gajdaleuten zuteil, welche auf den Straßen massakriert und an den Wänden erschossen wurden. Gajda wurde mit seinen Offizieren auf freien Fuß gesetzt, u. zw. über Einspruch des èechoslovakischen Hauptquartiers. Für die Verdienste, welche er durch die Wiedergeburt Rußlands erworben, wurde er dem Gerichte nicht überliefert. So steht es in der offiziellen Begründung. Dafür unterfertigte er einen Revers, mit welchem er sich der Allrussischen Regierung verpflichten mußte, daß er binnen drei Tagen Rußland verlassen und dorthin ohne Bewilligung dieser Regierung nicht mehr zurückkehren und auch keinerlei Agitation gegen den Bestand dieser Regierung unternehmen werde. Gajda galt ihnen als ein ehrgeiziger Abenteurer und wurde Verräter genannt. Gajda verpflichtet sich also abzureisen. Er bekommt 70.000 Francs, nimmt aus Jekaterinenberg mit: 29 Pud Gold. Platin, Kreditbillets, wertvolle Teppiche, Brillanten, Weine, Luxusartikel etc., alles Dinge, die er beim Bürgertum requiriert hat. Man erhebt gegen Gajda Anklage, daß er, der beim Abzug aus Rußland ein großes Vermögen besaß, einen Teil dieses Vermögens in der Schweiz und in Holland in Sicherheit gebracht hat. Tatsache ist, daß als traurige Bilanz für das èechische Volk der Putsch Gajdas gegen Koltschak ca 800 Èechen das Leben gekostet hat.

Gajda kehrt in die Èechoslovakei zurück. Die heimkehrenden Legionäre erzählen von seinen blutigen Heldentaten. Sie werden von der Regierung beschwichtigt. Man wollte den Ruhm der èechoslovakischen Legionen nicht mit dem brutal vergossenem Blut beschmutzen. Die Beschwichtigung ging sogar so weit, daß man den Legionären bis nach Budweis entgegengefahren ist, um sie zu bestimmen, damit sie das, was in Rußland und Sibirien erlebt hatten und was Gajda dort getrieben hat, nicht der Öffentlichkeit übergeben. Gajda hat keine passende Beschäftigung. Als im Jahre 1920 die russische Armee vor Warschau steht, bietet er seine Dienste dieser als Korpskommandant an. In Rußland kennt man ihn, man lehnt ihn ab. Gajda wollte den ihm mißtrauenden Sowjets beweisen, daß er sein Angebot ernst meinte. General Gajda kommt in die Generalstabsschule nach Paris und liefert von dort Material an einen im Dienste der Sowjets stehenden General. Er meinte nunmehr das Vertrauen der Russen erworben zu haben. Vergebens. Er wird wieder abgewiesen. Von Paris zurückgekehrt, geht er nach Kaschau als Korpskommandant. Hier errichtet er ein Regiment der Selbstherrlichkeit. Alles, Militär, Staatsgewalt, Zivilbevölkerung muß sich seinen Launen fügen. Die Soldaten werden systematisch gequält. Die Zahl der Soldatenselbstmorde im Kaschauer Korpskommandogebiet steigt in erschreckender Weise. Nebenbei werden die Soldaten zu allerhand Schaustellungen als Statisten benützt. Gajda greift auch in die zivile Staatsverwaltung ein. Der Exekutor Josef Ma¹ek hat bei Gajda wegen einer Alimentationsangelegenheit zu amtshandeln. Gajda verlangt vom Minister Dr Mièura Ma¹eks Entlassung. Ma¹ek wird auf dem Disziplinarwege bestraft. Der Kafetier des Cafés "Slavia" mußte auf Befehl Gajdas den Kellner Firek entlassen, weil er es gewagt hatte, sich an einer kommunistischen Demonstration zu beteiligen.

Und das unerhörteste, ein Ereignis, das die Gefahr schwerer internationaler Verwicklungen hätte herbeiführen.können, ist Folgendes: Im April 1923 wurde der èechoslovakische Grenzaufseher Sedláèek ermordet. Gajda will einen regelrechten Einfall auf ungarisches Gebiet machen und in der betreffenden Gemeinde alle ungarischen Soldaten niedermetzeln lassen. Ein hoher Staatsbeamter erkennt die Gefahr, informiert rechtzeitig die Presse, wodurch der Plan Gajdas verhindert wird. Gajda läßt den Berichterstatter des betreffenden Blattes kommen und verlangt unter Drohungen die Bekanntgabe des Namens des Informators.

In zahlreichen Streikfällen schickte Gajda Soldaten in die Betriebe arbeiten. Den Soldaten wurde das Politisieren verboten. Noch bei den letzten Wahlen wurde den Soldaten verboten, Flugzettel, die man ihnen schickte, zu lesen. Gajda selbst entwickelt sich zum Prototyp des politisierenden Generals. Bei den letzten Gemeindevertretungswahlen stellt er eine Soldatenliste auf, schreibt Artikel für den "Slovenský Východ". Als im Jahre 1924 ein kommunistischer Umzug beim Gebäude der 11. Infanteriedivision vorbeikommt, schneidet General Gajda vom Balkon des Gebäudes aus Grimmassen; er gründet faszistische Offiziersvereinigungen. Als der Legionärkongreß im Jahre 1923 stattfand, läßt Gajda ein Flugblatt gegen die Sozialisten herstellen und verbreiten.

Bene¹, der Minister des Äußern, charakterisiert die Tätigkeit Gajdas in seinem Schreiben aus Genf folgendermassen: "General Mittelhauser sah als Chef des Generalstabes ungern die Demagogie des Generals Gajda in Kaschau und machte wiederholt aufmerksam, daß Gajda Politik in die Armee trage. Sein Urteil über Gajda war ungünstig. Als Marschall Foch nach Prag kam, äußerte er ein scharfes Urteil über Gajda." Gajda politisiert, bricht die Disziplin und trotzdem wird er Stellvertreter des Generalstabschefs.

Nebenbei noch ein Wort über seine militärischen Fähigkeiten für diese Stellung. Das Resultat seiner militärischen Fähigkeiten zeitigte seine Kaschauer Tätigket. Dort war es, wo der französische General Spirée anläßlich einer Manöverbesprechung in seinem Schlußworte zu Gajda Folgendes sagte: "Herr General, derartige Übungen wurden bei uns vor 20 Jahren von Negerkönigen vorgeführt, wenn dieselben in Frankreich zu Besuch weilten." Marschall Foch gab 1923 ein geradezu niederschmetterndes, vernichtendes Urteil über die militärischen Fähigkeiten Gajdas ab. Es ist bekannt, daß er einer der schwächsten Schüler in der französischen Kriegsschule im Jahre 1920 gewesen ist, und selbst die "Lidové Listy" schrieben bei der Ernennung Gajdas zum Generalstabschefstellvertreter, daß sie dessen Eignung für diese Stelle bezweifeln. Gajda wurde zum Generalstabschefstellvertreter ernannt, obwohl man seine Vergangenheit und seine Taten genau wußte und kannte und vor Gajda wiederholt gewarnt worden ist. Die Tatsache, daß man bei seiner Ernennung seine Vergangenheit genau gewußt hat, hat auch der Abgeordnete Støíbrný gestern im Abgeordnetenhause angeführt. Ein Schriftsteller, der gegenwärtig in Berlin wohnt und lebt, Elias Hurwicz, beschäftigt sich in seinem. Buche: "Staatsmänner und Abenteurer" ausführlich mit Gajda. Der Legionärmajor Kratochvíl, den ich heute schon einigemal genannt habe, hat in seinem Buche "Cesta revoluce" auf Seite 156 Folgendes gesagt: "Der Soldat Gajda jagt fieberhaft nach den Höhen, der General Gajda fühlt sich als Herr Sibiriens und Herr des Tages. Und doch ist es derselbe Gajda, welcher vor nicht einem Jahre seine Absendung auf den französischen Kriegsschauplatz verlangte, um seine Anerkennung des serbischen Offiziersranges für die französische Armee zu erlangen, welcher, wie behauptet wird, abgewiesen wurde, weil neidische Kollegen einen Ehren prozeß gegen ihn angezettelt und ihn beschuldigt haben, daß er sich eine gewisse, Offizierscharge eines gewissen Balkanstaates angeeignet haben soll."

Das Buch "Cesta revoluce" enthält noch eine Reihe anderer schwerer Anklagen gegen Gajda. Dieses Buch ist, glaube ich, 1920 erschienen und wie es mir bekannt ist und vielen Hunderten anderen, mußte es auch den verantwortlichen Faktoren in diesem Staate bekannt sein und sie mußten wissen, welche Anklagen darin ausgesprochen worden sind. Der kommunistische Abgeordnete Taussig hat im Abgeordnetenhause im Jahre 1922 sich ebenfalls mit Gajda beschäftigt, das Werk Kratochvíls zitiert und unter anderem Folgendes gesagt: "Wir haben darüber Belege, daß beim Vormarsch der Roten Armee auf Warschau es nicht nur General Gajda war, welcher seine Dienste dieser Armee angeboten hat, sondern daß eine Anzahl seiner Freunde dasselbe taten."

Kratochvíl hat ein zweites Buch veröffentlicht, ich glaube im Jahre 1924, es heißt "Na¹e revoluce". In diesem Buche schreibt er ausdrücklich. Gajda habe während seines Aufenthalts in Paris dem bolschewistischen Rußland eine ganze Reihe vertraulicher Dienste erwiesen, die für die Bolschewiken schon mit Rücksicht auf die damalige kritische Zeit - es war die Zeit der russischen Vormarsches gegen Polen - wertvoll gewesen wären, und damit auch für Frankreich Bedeutung gehabt hätten. - Es wird also 1924 das offen ausgesprochen, was nachträglich angeblich der entscheidende Grund gewesen war, die Liquidierung Gajdas in die Wege zu leiten. Ich selbst habe im Budgetausschuß heute vor einem Jahre, im Oktober 1925, als ich zum Kapitel des Ministeriums für nationale Verteidigung sprach, mich in ausführlicher Weise mit General Gajda beschäftigt und damals den Minister für nationale Verteidigung - es war derselbe, der es heute wieder ist, hier allerdings nicht anwesend ist, Minister Udr¾al - angefragt, wieso es möglich ist, daß ein Mensch, gegen den so furchtbare Anklagen erhoben werden, zum Generalstabschefstellvertreter ernannt werden kann. Sie erinnern sich, daß, als ich im Feber d. J. anläßlich der Debatte über die Katastrophe in der Tischlergasse zu Worte kam, ich damals ebenfalls auf den unheilvollen Einfluß Gajdas in unserer Armee aufmerksam gemacht habe. Vergeblich waren alle diese Warnungen. Es bedurfte erst der Veröffentlichung des Interviews im "Secolo", um den Vulkan zum Ansbruch zu bringen. Gajda hat wohl, das Interview geleugnet, wer aber dieses Interview liest, kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß Gajda wieder einmal - es ist nicht zum erstenmal in seinem Leben - die Unwahrheit gesprochen hat. Erst mit dem Augenblicke, wo durch dieses Interview im "Secolo" die Maske gefallen ist, hat man sich entschlossen, gegen Gajda einzuschreiten. Der Minister für nationale Verteidigung hat unsere Anfrage noch nicht beantwortet. Ich dehne diese Anfrage auf folgende Dinge aus:

Gegen General Gajda werden folgende Beschuldigungen und Anklagen erhoben. Wir fragen, ob selbe bekannt und untersucht worden sind:

1. Gajda hat bei seinem Aufenthalte in Paris im Jahre 1920/21 Rußland vertrauliche Dienste erwiesen.

2. Gajda hat an Rußland französische Dokumente militärischen Charakters verkauft. Auf Grund dieser habe u. a. der Bolschewiken-Reiterführer Budjeni seinen berühmten Ritt nach Warschau gemacht.

3. Gajda verkaufte 1920/21 èechoslovakische Geheimdokumente an Rußland.

4. Aus dem Geheimarchiv soll das "Instruktionsbuch mit Anweisungen für den Kriegsfall" verschwunden sein und wird Gajda damit in Verbindung gebracht.

5. Gajda bot laut Bekanntgabe des polnischen Gesandten im Außenministerium Rußland seine Dienste gegen Polen an.