Ein ganz kurzes Wort noch. Nicht Nation und Zugehörigheit zu einer Nationalität ist rechtsbestimmend - das ist ein Grundsatz, der heute in allen zivilisierten Staaten gilt - soudern Staatsbürger zu sein, das schafft das Recht. Also nicht ein nationaler Bevölkerungsteil ist in einem Gemeinwesen Träger der Souveränität, sondern der Staat als solcher. Der Mensch, die Menschennatur muß wieder zur Geltung kommen, sie steht über jeder politischen und sonstigen Zugehörigkeit. Sprachliche regionale Mehrleiten sollen nach ihrem gegenwärtigen Vorhaudensein beachtet werden, nicht ob sie im Vergleich mit einer anderen etwa eine Minderheit bilden. Es hat vor kurzer Zeit der jetzige Papst ein neues Fest angeordnet, das Fest des Königstunts Christi: Ihn zu feiern als den Friedensfürsten und Rechtsbringer der Völker. Möge man doch auch in diesem Sinne arbeiten, Frieden und Recht schaffen! Es wird Ihnen und uns zu Nutzen sein. Geben Sie uns das gleiche Recht, und es wird nationaler Friede werden, und denken Sie an ein ernstes Wort, das in seiner Inaugurationsrede zu Wilna im verflossenen Jahre der Universitätsrektor Prof. Dr. Zdiechowski sagte, indem er von dem Gedanken ausging, nicht die Materie, sondern der Geist, der freie Wille müssen bestimmend sein, denn wenn die Materie, bloßes Gehirnphosphoreszieren, bloß mechanische Notwendigkeit, meint er, Geschichte macht, dann ist die Unkultur da, kein freier Wille und kein Fortschritt. Um Freiheit und Glück, vielleicht um dem Bestand Europas wäre es geschehen! (Potlesk na levici)

5. Øeè sen. Schuberta:

Hohes Haus! Ich hätte sicherlich das Wort nicht mehr ergriffen, weil die Fragen bezüglich der Sprachenverordnung und die Interpellation des Senators Dr. Heller genügend besprochen wurden. Alle Parteien haben sich geäußert und haben auch festgestellt, daß in Wirklichkeit die Sprachenverordnungen und die Erlässe vollständig ungesetzlich sind und daß durch ihre Anordnung die deutsche Bevölkerung und auch die anderen Nationen dieses Staates unnützerweise gereizt wurden. Ich meine, wir müßten uns eigentlich mit einer anderen Frage beschäftigen, die heute noch nicht angeschnitten wurde. Es wurde nur vom gesetzlichen Standpunkt gesprochen, aber nicht von dem psychologischen Standpunkt, der die Machthaber dieses Staates beherrscht. Man hätte annehmen können, daß die Regierenden der Republik vom alten österreichischen Staat etwas gelernt hätten. Wenn von den hute Herrschenden behauptet wird: "Das ist unsere Republik, das ist unsere Armee. Hier haben wir zubefehlen," so mag das ja alles riehtig sein. Wir wissen auch, daß in allen Staaten, nicht nur in der Èechoslovakei, die Regierung selbstverständlich die Macht darstellt. Es fragt sich nur, ob man aus den Erfahrungen der zusammengebrochenen alten Staaten nicht etwas lernen sollte, ob man nicht darüber nachdenken sollte, daß bei einer solchen Zusammensetzung des Staates, wie sie heute ziffermäßig festgestellt wurde, es unmöglich ist, auf die Dauer mit Gewaltanwendung gegen andere Nationen zu arbeiten. Wir müßten, fragen, ob die Interpellation vom Minister des Innern in Wirklichkeit richtig beantwortet wurde. Die Regierung muß doch in einer bestimmten Richtung die Verantwortung tragen. Sie kann doch nicht herkommen und erklären, was heute irgendein Beamter ebenso vortragen könnte. Mit demselben Recht hätte der Minister des Innern direkt Herrn Wotava herkommen und berichten lassen können. Eine einseitige Erklärung ist keine Befriedigung und keine Gewähr, daß sich derartige Dinge nicht wiederholen werden. Durch die Debatte soll eigentlich klipp und klar festgestellt werden: Sind wir ein konstitutioneller demokratischer Staat oder ein Polizeistaat? Diese Frage ist wichtig. Wir haben im alten Österreieh ein Parlament gehabt und ich erinnere mich noch der Zeiten, die ich selbst in Prag erlebt habe, wo die Èechen gesagt haben: Das ist eine Scheinkonstitution, in Wirklichkeit sind die nationalen Minderheiten und die sozialen Schichten unterdrückt, wir haben infolgedessen einen Polizeistaat. Dasselbe ist auch hier der Fall. Wir müssen den schönen Flitter, mit dem man sich nach außenhin umgibt, herunterreißen, und dänn bleibt nichts anderes als Pendreks und Bajonette übrig, wenn man auf die Bühne schaut und den Vorhang zurückgezogen hat. Sie haben davon gesprochen, daß wir in einem demokratischen Staate leben und es den Deutschen und allen anderen Nationen möglich war, am Wahltage durch die Stimmenabgabe sich eine Volksvertretung zu wählen. Sie haben Recht, es ist sehr hübsch, wenn man imstande ist, mittels des Stimmzettels zu sagen: Wir wünschen eine solche Volksvertretung. Aber schauen Sie die Wirklichkeit an! Ich meine, wenu heute nach vielen Wochen die gesetzgebende Körperschaft auf einige Minuten einberufen wird, so muß man schon sagen, daß das sehr traurig ist. Wenn heute nicht durch eine Interpellation dazu Gelegenheit geboten worden wäre, würden wir vielleicht auch gestern nicht länger als 15 oder 20 Minuten hier gesessen sein. Es mußten ausgerechnet Granaten explodieren, es mußten Gewalttätigkeiten der Polizei bei einer Demonstration vorgekommen sein, damit eine Interpellation eingebracht werden konnte, um den Volksvertretern Gelegenheit zu geben, zu Worte zu kommen und ihre Wünsche und Beschwerden hier vorzubringen. Sie erklären: Demokratie ist Diskussion. Ja, wann soll man denn diskutieren? Vielleicht erst dann, wenn eine Explosion erfolgt ist, erst wenn sich die Bürokraten alles zurechtgelegt haben? Dann erst sollen die Volksvertreter kommen und sagen: Das war schön oder nicht schön. Aber es ist geschehen und wir müssen uns damit abfinden. Eine Diskussion ist vollkommen überflüssig, da sie unterbunden ist. Die Sprachenverordnungen sind erledigt. Sie haben niemanden gefragt, ob man nicht die darin enthaltenen Härten mildern könnte, ob es nicht möglich wäre, die Sache so zu machen däß friedlich weitergearbeitet werden könnte. Ich spreche selbsverständlich als Oppositioneller. Aber selbst von Ihrem Standpunkte müßten Sie doch als Demokraten ein Interesse daran haben, dem Volke entgegenzukommen. Sie müßten beweisen, daß die Demokratie beser ist als die Diktatur. Trotzdem geben Sie sich nicht die geringste Mühe. Im Gegenteil. Wenn wir heute als Abgeordnete als gewählte Volksvertreter in Volksversammlungen draußen sprechen, und das Volk erklärt, daß es diese Sprachenverördnungen nicht verträgt, daß es durch die Beeinträchtigung seiner Rechte gereizt ist, so kann auch ein gewählter Volksvertreter der Opposition für seine Kritik nach dem Schutzgesetz ins Kriminal wandern, weil er bestehende Einrichtungen des Staates kritisiert. Vergessen Sie nicht - und das möchte ich eigentlich der Opposition nahelegen, es ist von der Kritik der Maßnahmen in Karlsbad gesprochen worden. Ja, wo bleibt da der Geist von Locarno und der Geist dieser Friedensverträge? Täuschen wir uns nicht. Diejenigen. die diese Geretze und Verträge in der Hand haben, die die Macht haben, legen eben die Gesetze und Verträge nach ihrem Sinn aus. Darüber kommen wir nicht hinweg. Denn, genau so wird das moralische Gesetz übertreten, das christliche Gesetz: "Du sollst nicht töten"; wir haben beobachten können, daß dieselben Leute, die das befohlen haben, ganz einfach bei bestimmten Anlässen sagten: "Das Töten ist doch erlaubt". Hier ist genau dasselbe. Man sagt: Es sollen alle demokratisch sein, aber im Notfall können wir doch auch trotz der Verträge absolutistisch herrschen. Der Beweis dafür sind die Versammlungsverbote und Einkerkerungen. Auf diese Art und Weise zeigen Sie nicht, daß Sie die Absicht haben, die Demokratie auch wirklich zu achten. Sie müssen, wenn Sie auf eine Schichte der Bevölkerung Ihre ganze Tätigkeit aufbauen, wenn Sie nicht gemeinsam mit allen Schichten arbeiten wollen, Gewalt anwenden und wir sind nicht enttäuscht darüber als Kommunisten Wir sehen schon lange, daß die Demokratie nichts ist als eine verhüllte Diktatur der herrschenden Klasse und bekommen das jeden Tag am eigenen Buckel zu spüren. Sie haben Vergleiche gezogen mit dem alten Österreich. Ich habe auch im alten Österreich gelebt und habe zur Zeit, wo die èechische Bevölkerung sich darnals gelegentlich der Sprachenverordnungen Badenis gewehrt hat, mir die Demonstrationen angesehen. Ich habe ein Interesse darn gehabt, zu sehen, um was es sich dabei handelt. Ich war noch ganz ohne politische Schulung. Ich hörte, wie die Leute nach Recht riefen, nach gleichmäßiger und gerechter Behandlung. Ich muß aber konstatieren, daß damals im alten Österreich erst zwei bis drei Tage lang Tumulte vorkommen mußten, bever man mit den äußersten Mitteln vorging, bevor man sich dazu entschloß, das Standrecht zu verhängen. Ich selbst kann mich noch gut daran erinnern daß wir alten Österreich ver schiedene geheime Vereine, so z. B. einen Verein unter den Namen "Havlíèek" hatten, daß das èechische Volk sich selbst erzögen hat und daß dem unterdrückten èechischen Volk seine eigenen Leiden den späteren Weg vorgezeichnet haben. Dadurch ist in ihm der Trieb entstanden, selbatändig zu werden. Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, daß Sie sich diese Republik nicht erkämpft haben. Vergessen Sie nicht, daß sie Ihnen eigentlich nur durch die Kriegsfolgen in den Schoß gefallen ist. Und wenn man Ihnen durch den Vertrag von Versailles eine ganze Menge von Nationen in das Land mit hineingeschoben hat dann sollten Sie eben versuchen, mit diesen Völkern ein einheitliches wirtschaftliches Ganzes zu bilden, sich aber nicht auf den Standtpunkt stellen, durch Umfärben von einigen Tafeln mit rotweißer Farbe und durch verschiedene Aufschriften sich nur äußerlich das Gepräge des Nationalstaates zu geben. Dadurch werden Sie sicherlich beim Ausland nicht mehr Kredit bekommen. Sie werden auch nicht an Ansehen gewinnen. Sie dürfen aber nicht vergessen, daß Sie in Ihrem Lande die Ruhe benötigen, daß Sie heute ungeheuere Lasten zu tragen haben: ich erinnere an die Währungsschulden, an die Auslands - Schulden an die Schulden aus den provisorischen Verträgen, an die, Befreiungstaxe, und nach einer Statistik der Zeitungen soll dieser Betrag über 79 Milliarden ausmachen. Und wenn Sie sich dies alles überlegen, müssen Sie zu dem Schluß kommen, daß Sie dia Mitarbeit aller Kulturnationen dieses Staates benötigen. Es geht aber nicht an, sich einfach auf den Standpunkt zu stellen und zu sagen: Wir müssen unser Recht behaupten. Aus den Reden der Koalitionsredner ist klar hervorgegangen, daß sie ihren Staat selbst als Polizeistaat bezeichnen, indem sie erklären, daß Sie die Armee für den inneren und äußeren Feind bratuchen. Und es ist sonderhar wenn dies sogar von offiziellen Persönlichkeiten fest gestellt wird, wie es gestern bei dem Begräbnisse der beiden Soldaten der Fall war, wo der Geistliche, der die Rede gehalten hat, erklärt hat, daß wir unsere Armee brauchen, denn wir müßteu sie für den inneren und den äußeren Feind in Vorbereitung halten. Dazu kommt noch daß man die Demokratie vollständig mißachtet, wenn es sich um das Recht der Volksvertreter handelt, indem man ihnen die Wache auf den Hals schicht, indem man sie einfach hinauswerfen kann, wie und wo man will. Wir haben heute ein größeres Gendarmerieaufgebot, als wir es früher hatten. Vergessen Sie nicht, daß dadurch das Volk aufgereizt wird, und nicht nur dadurch: Schauen Sie sich einmal unsere Heeresmacht an. Alle Augenblicke finden Manöver statt. Es werden Übungen unternommen, bei Versammlungen marschiert die Gendarmerie auf damit wir sehen welch ungeheure Polizei und Militärmacht ttn zur Verfügung steht, um im Notfalle die Rebellanten zur Raison zu bringen. Wäre es nicht vorteilhafter, wenn man es versuchen würde, die Leute nicht erst so unzufrieden zu machen daß sie Protestversammlungen veranstalten müssen? Ist es beispielsweise notwendig daß man beim Abbau der Beamten und Arbeiter in erster Reihe die ärmsten treffen mußte? Welchen Sinn soll beispielsweise die Maßnahme haben, daß sie von einem Oberbauarbeiter bei den Eisenbehnen auch die Staatssprache verlangen? Wenn Sie, die Kenntnis derselben vielleicht von den Neueintretenden verlangen, begreift man es. Aber müssen Sie ausgerechnet Leute mit 20 und mehr Dienstjahren abbauen, weil Sie die Sprache nicht erlernen können, da ihnen die Vorbildung dazu fehlt? Mit einer Bagatelle wurden die Leute abgefertigt uüd hinausgeworfen und können mit ihnen 40 bis 50 Jahren heute keine Arbeitmehr bekommen; Unterstützung erhalten sie auch keine von den Gemeinden, weil diese finanziell zugrunde gerichtet sind. Auf diese Weise werden Sie keine Zufriedenheit schaffen. Auf dem Boden des Gesetzes haben Arbeiter in den letzten Wöchen versucht, den Behörden klar zu machen, däß es den Arbeitern unmöglich ist, bei den heutigen schlechten Löhnen auch nur einen Heller Abzug zu ertragen. Das Finanzministerium gibt einfach die Weisung heraus, daß den Leuten 3 % vom Lohne abzuziehen sind. Man vergißt ganz einfach, daß die Leute noch von früher, wenn sie auch noch arbeitslos waren, verschuldet waren, daß sie durch Krankheit heruntergekömmen sind oder daß ihre Kinder arbeitslos waren. Und es ist wahrlich keine Böswilligheit, wenn die Leute sagen, sie können nicht bezahlen. Die Leute werden aber nur künstlich gereizt, wenn man, ohne sich auf irgend ein Gesetz zu stützen, hergeht und den Leuten ungesetzliche Abzüge machen will. Ich bin zwar kein Jurist, aber ich habe eine Ahnung vom Erpressungsparagraphen, in dem es heißt: Wenn jemand von irgend jemandam durch Androhung eines Nachteiles etwas verlangt, so ist es Erpressung. Nun beauftragen die Finanzbehörden die Unternehmer auf Grund des Aufträges des Finanzministeriums, den Arbeitern Bögen zür Unterschrift vorzulegen, mit welcher Unterschrift sie sich freiwillig mit dem Abzug von 3 % ihres Lohnes einverstanden erklären. Auf diese Weise begeben sich die Leute ihrer gewährleisteten Rechte, denn ohne Gesetz kann niemand verurteilt werden; in ihrer Angst aber unterschreiben die Leute, weil sie glauben, daß, falls sie nicht unterschreiben, sie 5 % zu bezahlen häben. An all dies sollten die Herren denken und dann müßten sie darauf kommen, daß die Zahl der Unzufriedenen von Jahr zu Jahr gewachsen ist. Statt aber den Leuten entgegenzukommen, soweit es von ihrem kapitalistischen Standpunkt aus möglich ist, werden Petitionen, die an die Regierung eingebracht werden, überhaupt nicht beantwortet, wichtige Gesetze überhaupt nicht erlegdigt. Ich weiß, daß man es nicht allen im Staate recht machen kann. Man muß aber versuchen, den heuten entgegenzukommen, man muß ihnen den guten Willen zeigen, man muß sie diskutieren lassen. Dazu soll das Parlament ständig tagen und nicht warten, bis irgendeine dringliche Interpellation den Volksvertretern die Möglichkeit gibt, einige, Worte im demokratischen Staate zu sagen.

Nun kommen einige Koalitionsredner und sagen: Wir müssen das Ansehen unserer Polizei wahren es tut uns leid, wenn wir einmal zuschlagen müssen, aber die Polizei därf sich keine Beschimpfungen gefallen lassen. Wir würden die letzten sein als Menschen, die heute die Demonstranten in irgendeiner Art und Weise anfeuern würden, irgendeinen unschuldigen Polizisten oder Soldaten zu mißhandeln, oder ihn gar an seinem Leben zu gefährden. Aber wir hätten jetzt darüber nachzudenken, ob es beispielsweise beim Fall Karlsbad notwendig war, daß man ohne Ursache Polizei auf die Gasse schickte. Wäre die Polizei in der gaserne und in den Wachzimmern geblieben, so wäre es niemanden eingefallen, Krawall zu machen, oder gar die eigenen Wohnungen und Läden zu demolieren. Wenn man natürlich die Gassen absperrt und sagt: "Ihr müßt dorthin gehen, wohin wir wollen," so ist das keine demokrätische Politih und man erzieht damit die Staatsbürger nicht zur Liebe. Dasselbe Schauspiel zeigt sich bei jedem kleinlichen Anlaß. In meinem eigenen Wählhezirke in Kaaden mußte ich bei der politischen Bezirksverwaltung intervenieren, da bei einem Streik von 30 Leuten an einem Tage nicht weniger als 35 Gendarmen zusammengezogen wurden. Die Streikenden hatten nicht die geringste Absicht, etwas zu machen, es ist auch nicht das Geringste vorgefallen. Aber man hat Gendarinerie in Massen herangezogen. Was wär die Folge? Es sammelten sich Neugierige an, um zu sehen, was los ist. Die Gendarmen forderten die Leute zum Auseinandergehen auf mit der Bemerkung, daß sie keine Arisammlungen dulden werden, und fingen an, die Leute mit dem Bajonett auseinanderzutreiben. Die Leute sägten: Was wollt ihr von uns, wir machen doch nichts! Da hieß es gleich: "Keinen Widerstand, sonst müssen wir zur Verhaftung schreiten!" Durch Zufall kam ich rechtzeitig dazu, um zu verhindern, daß die Gendarmen gegen die Lente vorgehen. Es wäre sonst vielleicht zum Blutvergießen gehommen. 14 Tage, 8 Wochen hat der Streik gedauert und weder dem Fabrikanten, noch den Streikbrechern ist etwas geschehen. Sie seben, daß es nur notwendig ist, ruhiges Blut zu bewahren ünd nicht bei jedem Anlaß zu zeigen, daß man Bajonette zur Hand hat. So kann man das Volk nicht erziehen.

Einige Koalitionsredner haben behauptet: "Wir wollen mit den Deutschen zusammenleben". Die anderen wieder behaupten: "Wir lassen uns keine Vorschriften machen, to je na¹e republika". Wir haben nichts dagegen, aber man darf die Leute nicht reizen. Meiner Ansicht nach ist es keine Demonstration, wenn man den Leuten in Versammlungen klar machen will, in welcher Art und Weise man vom Staat etwas erreichen könnte. Ich will z. B. den Arbeitern etwas erklären, den Kleinbauern etwas von der Bodenreform erzählen. Da muß ich doch mit den Leuten sprechen können. Es ist klar, daß man der Regierung zeigen muß, daß sich mehr Leute dafür interessieren. Man muß dann größere Versammlungen einberüfen. Wenn Sie das aber gleich als Demonstration gegen den Staat auffassen, dann wird nie Ruhe eintreten, weil die Gendarmerie immer zur Verfügung steht. So habe ich vorige Woche in Kaaden eine Versammlung auf einem öffentlichen Platz angekündigt: Die Abhaltung wurde mir verboten, weil ich die Versammlung drei Stunden zu spät angemeldet habe. Ich berief eine neue Versammlung ein. Darauf wurde ich zur Behörde vorgeladen, wo mir einfach gesagt wurde, die Versammlung wird nicht bewilligt. Es lagen keine Gründe zu diesem Verbot vor. Bei den jetzigen Vorgängen ist es schwer, die Verantwortung zu übernehmen. Können Sie die Leute mehr reizen, als wenn ich hinausgehen und ihnen sagen muß, die Regierung habe durch ihre Behörden die Abhaltung der Versammlung verboten? Auf diese Weise wird Mißstimmung erzeugt und so wird selbstverständlich die Demokratie verfälscht. Ich meine, daß wir in Wirklichkeit Schutzmaßnahmem genug besitzen und es nicht notwendig haben, Gendarmen und Polizisten auf die Gasse zu schicken. Der Fall von Karlsbad beweist deutlich, daß mit solchen Dingen nicht gespielt werden soll. Ein Koalitionsredner hat davon gesprochen, daß ein Steinwurf schon genügt. Man dürfe sich das nicht gefallen lassen, man müsse sich Respekt verschaffen. Wenn ein unbesonnener Juge einen Stein wirft so kann daraus für die Steuerträger einer ganzen Stadt ein ungeheuerer Schade erwachsen. Dabei ist das Risiko auf beiden Seiten. Aber man kann doch den Leuten sagen: Nachdem ihr euere Diskussion nicht in Ruhe und Frieden abführt, sondern gewalttätig vorgeht, so sind auch wir gezwungen, Gewalt anzuw enden. Das wäre begreiflich und entschuldbar, aber so, wie es jetzt getrieben wird, seit vielen Monaten ist es undenkbar, daß man das Volk beruhigen kann. Ich habe auch hier in Prag zur Zeit des alten Österreich Demonstrationen miterlebt, ich habe auch van Verurteilungen von Leuten gelesen, die wegen Demonstrationen auf dem Wenzelsplatz angeklagt waren, weil sie "Nieder mit der Regierung!" gerufen haben. Damals erfolgte in dieser Sache der erste Freispruch des Oberlandesgerichtes in Prag mit der Begründung, daß dieser Ausruf zulässig sei als Kritik, da der bloße Ausruf bloß beweise, daß die Betreffenden mit der Regierung nicht züfrieden sind. Wie schaut es heute bei uns aber diesbezüglich nach den Bestimmungen des Schutzgesetzes aus? Im Jahre 1923 habe ich vor einigen Jugendlichen in einem geschlossenen Raum eine Versammlung abgehalten, in der ich nichts anderes gesagt habe, als daß es heute in der Republik zu arg getrieben wird, nachdem man schon von jedem Nachtwächter verlangen wird, daß er èechisch sprechen müsse und daß es eine Brutalität sei, daß man Denkmäler umstürze. Wegen Verächtlichmachung der Regierung und der behördlichen Maßnahmen wurde ich vom Brüxer Kreisgericht zu zwei Monaten schweren Kerkers verurteilt und das Oberlandesge richt in Brünn hat die Strafe auf vier Monate verbessert. Ich nehme jede Strafe auf mich und verantworte alles, was ich sage. Aber ich erkläre: So wird man die Bevölkerung nicht zur Demokratie erziehen.

Im Gegenteil, wir können uns nur schützen durch die Diktatur des schaffenden Volkes, durch die Diktatur der Arbeiter und Bauern gegen die herrschende Klasse. Diese Gedanken peitschen Sie den Leuten ein, so daß sie in Massen zu uns kommen. Glauben Sie, daß wir allein imstande wären, sie derart an uns heranzuziehen? Schauen Sie sich die Neuwahlen an. Wir sind überzeugt, daß nicht alle, die uns wählten, Kommunisten sind. Aber sie sind mit den herrschenden Zuständen nicht zufrieden. Daraus sollten Sie lernen und sich selbst fragen, wo man die persönlichen Freiheiten der Staatsbürger erweitern, wie man polizeiliche und ähnliche Maßnahmen einschränken könnte. Nur so, wenn Sie den Arbeitern entgegenkommen, die ihnen aufgehalsten Steuerlasten mildern, wenn Sie endlich einmal Arbeit schaffen werden, wird der größte Teil der Unzufriedenheit genommen und die Leute könnten bei vollem Magen besser diskutieren. Sie werden es durch die bisherigen Methoden selbst zustande bringen, uns die größte Konkurrenz zu machen, sodaß Sie die Kommunisten zur Zerstörung ihres Staates nicht brauchen werden. Auf diese Art und Weise macht man keine Politik. Wir geben Ihnen diesen Rat, denn wir wollen nicht, daß das Volk unnützerweise bluten soll. Entweder haben Sie unfähige Leute, oder Leute, die brutal sind und einfach nur mit Macht herrschen wollen, die von Demokratie nichts wissen wollen, dann aber wäre es Ihre Sache dafür zu sorgen, daß Änderungen in der Regierung eintreten, damit den Arbeitern und der schaffenden Bevölkerung dieses Staates sowohl wirtschaftliche als auch politische Rechte gesichert werden. (Potlesk na levici).