Aber wir wissen ja, wie dise Sprachen verordnung zustände gekommen ist. Es ist kein Geheimnis, daß sie ein Kompensatioznsobjekt an die Kramáøpartai für die von ihr sa beharrlich bekämpfte Anerkennung Sovjetrußlands darstellt. Sie ist aber auch danach ausgefallen. Es mußte den Deutschen viel angetan werden, wenn es Herrn Dr. Kramáø befriedigen sollte, der schon als erster Ministerpräsident seine Einstellung zu den Deutschen in die Worte kleidete: "Wir werden die Deutschen nicht zu fürchten haben. Sie werden sich nicht rühren können in diesem Staat, wenn wir nur gesund und stark bleiben" und der erst jetzt wieder im gleichen Gedanhengange die Mahnung erließ: "Nicht fürchten und stark bleiben!" Nun, Dr. Kramáø kann ztifrieden sein! Wie aber das deutsche Volk über diese üngeheuerliche Sprachenverordnung denkt, das scheint Sie vorläufig gleichgültig zu lassen.

Aber auch auf Ihrer Seite gibt es heute schon einsichtige Männer, die fühlen, daß aus einer solchen Saat grundlosen Hasses nichts anderes aufgehen kann, als ebensoleher, aber gerechter Haß. Ein Zeichen für solche Frkenntnis ist die Tatsache, daß zwei Minister es abgelehnt haben, ihre Namen unter diese Sprachenverordnung zü setzen. Die Zeit wird kammen, da Sie es bitter berenen werden, daß Sie mit ihrer gehässigen, immer gewalttätiger auftretenden Politik der Entrechtung und bewußten Demütigung alle Möglichkeiten, die Deutschen, dieses wertvolle Viertel der Gesamtbevölkerung, für ein friedliches Zusämmenarbeiten zu gewinnen, damit aber auch eine der wichtigsten Quellen staatlicher Kraft in verhängnisvoller Verblendung von Anfang an verschüttet haben (Potlesk stoupencù.)

3. Øeè sen. Luksche:

Hohes Haus! Bevor ich auf das, was ich sagen will, eingehe, protestiere ich im Namen aller Deutsehen gegen die Beleidigungen des deutschen Volkes, die, wir jetzt von dieser Stelle gehört haben. Ich halte es unter meiner Würde auf diese Gemeinheiten gegen ein ganzes Volk hier zu antworten. Wir sind diese Gemeinheiten von Herrn Dyk ja gewohnt. Machen Sie nur so fort, ein gutes Ende wird es gewiß nicht nehmen. Er hat ja ein begreifliches Interesse daran, daß die Kluft zwischen der Opposition und der Mehrheit immer größer, wird, anstatt daß wir zusammenkommen.

Und nun zur Sache selbst. Nachdem sich nun der Herr Ministerpräsident förmlich scheut, uns über seinen neuen Vergewaltigungsakt, die Durchführungsverordnung zum Sprachengesetz hier Rede zu stehen, denn behanntlich hat er die Beantwortung unserer Interpellation von Ihnen als der Majorität ablehnen lassen, so erübrigt sich für uns nichts anderes, als diese Gelegen heit der Debätte über die Karlsbader Vorgänge, die ja unmittelbar mit der Sprachenverordnung zusammenhängen, zu benützen, unsere Erbitterung und die der 3 1/2 Millionen Deutschen in diesem Staate hier zum Ausdruck zu bringen.

Ich will eines vorausschicken. Beim seinerzeitigen Empfange des Herrn Präsidenten in Pohrlitz war ich einer der Ersten, der seine Ansicht dahin geäußert hat, daß sich unsere Opposition nicht gegen den Staat richtet. Sie richtet sich gegen die fast alltägliche Vergewaltigung unserer Nation, die gerade wieder in der Durchführungsverordnung so recht zum Ausdrucke kommt. Ich erwähne dies deshalb, weil die oppositionellen Redner nach dem Auslande hin immer als Irredentisten hingestellt werden. Nein, sage ich, ich bin es nicht. Aber gegen das, was man uns antut, werden wir uns wehren, denn auch wir haben eine Ehre im Leibe und einer unserer größten Dichter sagt: "Nichts würdig ist die Nation, die nicht ihr Alles setzt auf ihre Ehre."

Nun will ich auf die Sprachenverordnungen selbst eingehen Im Schaltjahre 1920 und am Schalttage selbst, am 29. Feber, wurde die èechische Staatssprache von der revolutionären Nationalversammlung bei der kein Deutscher anwesend war, in Konsequenz der Fiktion des Nationalstaates und das ist Ihr Verhängnis - festgelegt. Natiönalstaat und Nationalitäteustaat sind doch keine Rechtsbegriffe und ihre eigene Volkszählung straft Sie Lügen, denn sie hat ergebein, daß in diesem Staate 6,3 Millionen Èechen und 6,7 Millionen anderssprachige Menschen leben. (Sen. Kroiher: Nechcete tomu rozumìti!) Die Volkszählung hat es ergeben und ieh kann nicht verstehen, daß Sie auch noch das in Abrede stellen wollen. Da kann man mit Ihnen überhaupt nicht debattieren. Daß so viele Deutsche in Ihrem Staat hineingekommen sind war doch Ihre Säche. Ich sage, daß es ein Selbstbetrug ist, wenn Sie von diesem Staat als einem Nationalstaat sprechen. Der italienische Minister Nitti, der Ihnen einmal nahe gestanden ist, ja sogar an den Friedensverhandlungen in St. Germain selhst teilgenommen hat, hat gesagt: "Die Èechoslovakei ist ein verkleinertes aber ein viel komplizierteres altes Österreich".

Vor einigen Tagen nun wurden die Durchführungsverordnungen zu diesem Gesetze veröffentlicht, ohne daß die Deutschen zur Beratung heiangezogen werden, wie es ihnen klar und deutlich von Herrn Minister ©vehla zugesagt wurde, daß dieses Gesetz den Verfassungsausschuß passieren wird, daß die Deutschen zu den Beratungen herangezogen werden, bevor die Durchführungsverordnung zu demselben herauskommt. Haben Sie im alten Österreich einmal gehört, daß ein Minister sein Wort nicht gehalten hat? Gibt es vielleicht ein doppeltes Ehrenwort? Es wird nämlich eingewendet, daß er damals Minister des Innern war und jetzt Ministerpräsident ist. Ja, aber es ist doch dieselbe Person. Nun sagen Sie uns in Zukunft von der Ministerbank, was Sie wollen: nachdem wir einmal von der Ministerbank Unwahrlieiten gehört haben, halten wir uns an ein Sprichwort, das da sagt, daß man jemanden, der die Unwahrheit gesprochen hat, nicht glaubt, wenn er auch nächstens einmal die Wahrheit sagt. Fast sechs Jahre getraute es sich keine èechoslovakische Regierung mit dieser Durchführungsverordnung in die Öffentlichkeit zu treten und es gehörte ein trauriger Mut dazu, gerade jetzt mit einer Durchführungsverordnung, die alle unsere Befürchtungen, die die Deutschen schon vorher äußerten weit übertrifft, zu kommen. Wir müssen es dem Herrn ©vehla überlassen, ob der Zeitpunkt der richtige war jetzt rnit Rücksicht auf die chaotischen Zustände in der Koalition selbst mit dieser Verordnung zu kommen, mit Rücksicht darauf, daß Herr Minister Engli¹ vor einigen Tagen gesagt hat, daß, wir heute ärmer sind als vor dem Kriege, was sich darin zeigt, daß unser Preisniveau das Neunfache beträgt, die Durchschnittsbezüge der Bevölkerung aber nur den sechsfachen Betrag. Er behaüptet weiter, daß die Bevölkerung mit öffentlichen Lasten überbürdet ist und daß es Aufgabe der Regierung sei, daß das fürchterliche Defizit verschwinde. Und in dieser Zeit, in der das ganze Augenmerk auf eine wirtschaftliche Konsolidierung gelenkt sein sollte, kommen Sie mit dieser Durchführungsverordnung. Jeder ABC-Politiker und auch der Herr Ministerpräsident ©vehla sollten doch wissen, daß der wirtschaftlichen und finanziellen Konsolidierung unbedingt die politische und nationale Konsolidierung vorausgehen muß. Ich will mich darüber nicht weiter auslassen, nachdem ich von den chaotischen Verhältnissen gesprochen, wie die Herren in der Koalition untereinander stehen. Vor einigen Tagen erst hat ein Blatt der èechischen Volkspartei gegen Herrn Beèka losgezogen, und geschrieben, daß er als Minister der Exponent der ®ivnostenská banka gewesen sei, während Herr Dr. Engli¹ Finanzminister sei. Der Streit hat sich dadurch ergeben, daß der eine das Budget als aktivund der zweite als paseiv bezeichnet hat. Einer von ihnen wird Recht haben, beide können nicht recht haben; aber wie es in der Koalition aussicht, sagt das zitierte Blatt zum Schluß: "wenn es so weitergeht, wird die Koalition ihren Kramladen bald zusperren müssen". Ich bitte auch das zu bedenken, mit solchen, die Deutschen tief verletzenden Verordnungen in einer Zeit zu hommen, wo Ihneu drüben im Parlament von einer Gruppe von Abgeordneten, einer Gruppe, die durch die Wahlen groß geworden ist, zugerufen wird, und zwar bei einer Debatte über militärische Angelegenheiten: "Ja, die Generäle die gehören Euch, die Soldaten, die gehören uns". Ich unterstütze das nicht, fällt mir nicht ein, aber es ist nur ein Beweis, wie weit wir schon in diesem Staate gekommen sind. Man muß doch bedenken, in welchen Zeiten wir heute leben. Und jetzt kommt man mit einer solcher Durchführungsverordnung. Wir hönnen Herrn ©vehla heute schon sagen: "Das deutsche Volk empfindet den neuen Vergewaltigungsakt als einen Keulenschlag". Die Deutschen wissen wohl, daß diese Durchführungsverordnung nur eine Teilaktion des planmäßigen Vernichtungsfeldzuges auf politischem, wirtschaftlichem und insbesondere auf nationalem Gebiet gegen uns Deutsche ist. Es ist ganz klar, es wird keinen geben, der nicht auf meinem Standpunkt steht, daß durch dieces systematische planmäßige Bestreben des Herrn Dr. ©vehla und der Koalition aus uns ein Volk minderer Art gemacht verden soll. Man will uns zu verstehen geben, daß wir heute als minderwertiges Volk hier betrachtet werden, daß win nichts andenes als, mein Herr Vorredner hat es durch die Blume ausgedrückt, und wir wollen es nicht, zu Heloten werden sollen, und wir uns, heute dem èechischen Volke einfach fügen müssen, der Gewalt, die Sie uns antun. Jetzt kann man erst ermessen, wie größ die politisclxe Not, die politische Verzweiflung des Herrn ©vehla v or der Einberufung des Parlamentes gewesen sein muß, daß er jetzt dem nationaldemokratischen Terror, dem Terror eines Kramáø, weichen mußte. Ein èechischer Professor hat vor 2 Tagen geschrieben: Diese Verordnung ist nichts anderes als eiu Sieg Kramáø s über Maaryk. Ich wiederhole, mit Rücksicht auf den Zwischenruf der Herrn Senators Kroiher, es war ein èechischer Professor, und zwar Hochschulprofessor Rädl. Man wollte doch durch diese Verordnung nichts anderes bezwecken, als die Krise in der Koalition hintanzuhalten, es, war also eine Konzession an die nationaldemokratische Partei, an die èechischen Faszisten - an die Totengräber dieses Staates. Aus demGrunde mußte eine politische Tat unternommen werden, die in ihren Auswirkungen geradezu die Ausgeburt des verwerflichsten negativen Nationalismus ist, der nicht danach fragt, ob er in diesem Staate aufbaut. Nein, das ist ihm ganz gleichgültig, auch wenn er niederreißt. Die einzige Sorge ist nur, uns Deutsche um jeden Preis, auch wenn momentan keine Vorteile erzielt werden, zu schädigen. Wo wir hinsehen, nichts als Gewalt: Anstelle des Rechtes ist überall die Gewalt getreten. Gewalt und wieder Gewalt. Ich zitiere wieder einen èechischen Schriftsteller, der sagt: "Mit Gewalt hann man eine Zeitlang. Geschichte machen; aber die Grundfeste eines Staates werden sie sich durch die Gewalt nicht sichern". Er sagt, weiter: "Jede Staatlichkeit enthält drei Elemente: Macht, Recht und Ethos. Doch wehe, wenn die Macht das Recht und Ethos in den Hintergrund drängt, wehe dem Staat, dessen Angehörige nur durch Gewalt und nicht durch das ethische Band der Liehe und Treue mit dem Staat verbunden sind. Nur der Staat, und besonders wenn es ein Nationalitätenstaat ist, kann bestehen, dessen Volksgenossen sagen können, der Staat bin ich". Das sagt einer Ihrer Schriftsteller.

Ich will auf die Verordnung nicht näher eingehen, das hahen schon meine Vorredner getan. Schon die trockenen Buchstaben atmen Gewalt, Gewalttätigkeit und Rache. Bis der letzte Deutsche am eigenen Leib die Tücken und die Fußangeln, die versteckten Fallen dieser Verordnung erfahren haben wird, bis im praktischen Leben sich jeder bewußt werden wird, was diese Verordnung an Degradierung unserer lieben deutschen Muttersprache beinhaltet, dann wird der Schrei, der heute ohnehin durch das ganze Land geht, zu einem Verzweiflungsschrei werden, zu einem Schrei der Rache aus unsererm Volk, ein Schrei nach Rettüng des in seiner Ehre tief verletzten deutsehen Volkes. Wenn der Schrei heute noch nicht lauter ist, so ist jedenfalls dafür nur die Ursache die, wenn man das deutsche Volk und seine Eigenschaften kennt. Es wäre jedoch kein Wunder, wenn das deutsche Volk schon längst verzweifelt wäre. Meine Herren, das sage ich, der ich auf dem Boden dieses Staates stehe. Was hat man uns zugefügt von Anfang an? Banknotenabstempelung! Wen hat sie betroffen? Die Einlösung der Kriegsanleihen. Wen hat sie getroffen? Die Vermögensabgabe und die Bodenreform. Ihre eigene Blätter schreiben, daß nur mit ungefähr 5 % Grundstücken die Deutschen beteilt worden sind, während die Enteignting deutscher Bodenbesitzer mehr als 90 % ausmacht. Jetzt kommt noch die Schuldrosselung dazu. Mehr als 4000 Klassen hat man uns zugesperrt. Das sind amtliche Ziffern aus Ihrer Statistik. Vielleicht wird man auch noch die Drangsalierung unserer deutschen Angestellten in Ahrede stellen wollen? Das ist also nichts. Ich habe einen Fall in meinem cigenen Wahlbezirh Mähr - Trübau. Dort soll jetzt einer der letzten deutschen Beamten, der Bezirksrichter selbst, trotz 95prozentiger deutscher Bevölkerung in diesem Bezirke versetzt und an seine Stelle schon ein Èeche mit etlichen Kindern gekommen sein. (Sen. Kroiher: Ale ten Èech mluví nìmecky, kde¾to ten vá¹ Nìmec se èesky nenauèil!) Zählen Sie mir einen einzigen Fall auf, wo das in einem Ihrer Bezirhe mit 95 % èechischer Bevölkerung vorgekommen ist. Ihre ganze Arbreit geht doch darauf los. (Slovní potyèka mezi sen. Hartlem a sen. Kroiherem. - Sen. Hartl: Wir Sind ein Sklavenvolk! - Sen. Kroiher: To není pravda! Vy nejste národem slu¾ebníkù, ale my jsme páni!) Da haben Sie es wieder einmal gehört. Herr Kroiher sagt: "Wir sind die Herren. Gerade

aus dem Munde eines Geistlichen nimmt sich diese Anmaßung schön aus. Das ist die Nächstenliebe des Herrn. Pfarrers Kroiher. (Sen. Kroiher: Øíkám vy nejste slu¾ebníky, ale my jsme v republice pány! Nìkdo musí byti, pánem, my máme odpovìdnost!) Gut, daß Sie uns das sagen, das werden wir zur Kenntnis nehmen und ins Merkbuch eintragen. (Sen. Kroiher: Vy jste nám nepomáhal, vy jste byl proti tomu!)

Meine sehr geehrte Herren! Es kann sich der Herr Ministerpräsident und auch der Herr Kroiher hinter die Ohren schreiben: So einfach und diktatorisch werden wir uns unsere Sprache, die wir Hunderte und Tausende Jahre lang in unserem Lande und in unseren Heimatdörfern gesproehen haben, nicht nehmen lassen. Das bitte ich zur Kenntnis zu nehmen. Aber ich will Hern ©vehla noch etwas sagen: Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Ich bin der Meinung und festen Überzeugung, auch den Deutschen wird einmal die Geduld ausgehen, wenn Sie so weiter mit uns verfahren und sich nicht ein bischen anstrengen wollen, ruhigere Verhältnisse in diesem Staate zu schaffen. Wir leben nun einmal hier und Ihre Arbeit muß darauf gerichtet sein, ein Nebeneinanderleben, wenn schon ein Zusammenleben schwer ist, hier möglich zu machen. Spannen Sie den Bogen nicht zu straff, daß er nicht einmal zerspringt. Das ist schon öfters geschehen. Die Verhältnisse entwickeln sich oft ander, als man denkt, und das kann auch Ihnen und den Staat selbst betreffen. Wir würden Herrn ©vehla - nicht vom Standpunkte der Deutschen, um die Zukunft der Deutschen braucht uns nicht gar so bange zu sein, auch über die Episode werden wir hinwegkommen - ich meine im Interesse dieses Staates raten, sich nicht von den Tiraden der übernationalistischen Presse, die sie gerade in der letzten Zeit so gerne anstimmt, betören zu lassen.Vielleicht hat das auch etwas Gutes, für uns Deutsche. Denn Ihnen haben wir es zu verdanken, was unsere Vorfahren und wir selbst jahrzehntelang nicht erreicht haben, das Sie es nämlich zustande gebracht haben, endlich das Nationalbewußtsein unseres Volkes zu erwecken. Das haben wir Ihnen zu verdanken. Und daß Sie es so gemacht haben, werden Sie vielleicht einmal selbst bereuen. Das steht fest, daß Herr ©vehla mit seinem traurigen Mut bewiesen hat, daß er kein Staatsmann mit politischer Einsicht ist sein politischer Weitblick scheint über die Gemarkungen Prags nicht hinauszureichen. Es scheint diese Politik eben nichts auderes als eine Verlegenheitspolitik des Herrn ©vehla und der Koalition zu sein, die von Tag zu Tag ein schwereres Leben fristet. Und die Koalition muß zusammengehalten werden und wenn der Staät darüber in Trümmer gehen sollte, muß sie einfach gehalten werden. Das ist das Um und Auf der Politik des Herrn ©vehla in diesem Staate. Wenn wir diese Sprachenverordnungen uns und auch ganz Europa vor Augen führen, so kommt man zxx denx Urteil: Eine solche Handlung gegen das zweitgrößte Kulturvolk dieses Staates in geradezu beleidigender Weise in Szene gesetzt, zeugt von der Politik eines irrsinnigen Chauvinimmus. Muß es nicht jedem anständigen Èechen geradezu die Schamröte ins Gesicht treiben, wenn ein Mussolini es wagt, als Beleg für seine sinnlose Politik der Vergewaltigung der Südtiroler Deutschen die èechische Politik gegen die Minderheiten in diesem Staate ins Treffen zu führen? Es giht heute schön leider mehr Mussolinis, drüben einen und hier einen. Und beide streiten sich um die Palme des Sieges, wer den anderen in der Vergewaltigung der Minderheiten übertrifft. Mussolini I. und Mussolini II. (Sen. Böhr: Und Mussolini I. beruft sich auf Mussolini II.!) Ja, der eine auf den anderein. Ich will nicht näher darauf eingehen, nachdem es schon von Vorrednern erwähnt wurde; daß diese Verordnung eine kolossale, geradezu unerträgliche Mehrbelastung, sei es in geldlieher Beziehung, sei es an Zeit den Gemeinden oder den einzelnen Personen auferlegen wird. Man kann nicht von Leuten, die 30 oder 40 Jahre alt geworden sind ünd nicht Gelegenheit hatten èechisch zu lernen, verlangen, daß sie über Nacht die èechische Sprache kennen sollen. Sie müssen daher kolossale Vertretnngskosten zahlen für die Übersetzungen. Für mich ist es klar, diese ganze Verordnung hat keinen anderen Zweck, als das, was das sogenannte Abbaugesetz bezwecht hat, nämlich den letzten deutschen Angestellten auf das Pflaster zu setzen und wenn jetzt die èechischen Zeitungen sogar schreiben, wir haben nichts mit dem Abbaugesetz finanziell erreicht, so wissen wir, daß ungefähr 80 % der Deutschen aus den verschiedenen Staats-, Landes- und Germeindeämtern hinausgeworfen worden sind, und viele davon jetzt am Hungertuche nagen müssen. Um nur auf eines, was insbesondere unsere Selbstvertretungskörper unsere Gemeindem betrifft, hinzuweisen, sage ich, daß diese Verordnung direkt der Gemeindeordnung widerspricht, weil sie den Gemeinden das Recht nimmt, die Verhandlungssprache selbst zu bestimmen. Nun ist diese Gemeindeordnung ein Gesetz und diese Verordnung ist eben nur eine Verordnung, die dazu nicht einmal die Unterschriften sämtlicher Herren Minister trägt und wir würden gern wissen, warum die Herren Minister der èechischen Sozialdemokratie diese Verordnung nicht unterschrieben haben. (Výkøik: Weil sie sich geschämt hätten!) Es würde uns interessieren zu wissen, was sie dazu veranlaßt hat. In diesem Staate wird sehr viel mit Schlagwörtern gearbeitet, und zwar nur aus dem Grunde, um die Aßenwelt über die tatsächlichen, für uns Deutsche unertrüglichen, aber auch für diesen Staat unhaltbaren Verhältnisse und Zustände irrezuführen und zu täuschen. Wie könnte es sonst möglich sein, daß die "Lidové noviny" folgende Notiz einer Bostoner Zeitung wiedergeben: "Die Èechoslovakei ist unter allen Staaten ein Musterbeispiel der Freiheit, Bildung und Fortschrittlichkeit. Die Èechen richten sich näch den Grundsätzen des Präsidenten Masaryk und sind von liberalster Gesinnung. Alle Rassen verhalten sich der Èechoslovakei gegenüber loyal." (Výkøik: Sind das die "Fliegenden Blätter"?) Nein, das ist ein Artikel aus einer amerikanischen Zeltung, den ich hier zitiere. "Auch die Deutschen haben sich als den èechoslovakischen wirtschaftlichen und kulturellen Idealen im überraschender Weise zugänglich erwiesen. Mit ihrem Verhalten den einzelnen Stämmen gegenüber haben die Èechen in ganz Europa ein leuchtendes Beispiel gegeben." Ich aber bin der Ansicht, das ist ein Beispiel, wie man es eben nicht machen soll.

Bei uns wird sehr viel von der Demokratie als Schlagwort gesprochen und heute haben wir wieder dieses Wort schon einigemal gehört. Demokratie heißt Volksherrschaft. Nun frage ich alle Oppositionsparteien, oh sie schon etwas von dieser Volksherrschaft verspürt haben. Schauen Sie sich zum Beispiel das Schutzgesetz an, das hier geschaffen wurde, ist das vielleicht Demokratie? Man sagt uns, daß Demokratie Diskussion wäre. Wann, wo und mit wem ist es überhaupt möglich zu diskutieren? Hier in diesem Parlament, das ist ja doch nur ein Scheinparlament. To je vìt¹ina, to je men¹ina, und das heißt man Diskussion. Es wäre höchstens vielleicht möglich, daß wir uns mit dem Gummiknüppel des Herrn Støíbrný in eine Diskussion einlassem können.

Jetzt haben wir nach dem Schlagworte Demokratie wieder ein neues Schlagwort, das ist der Geist von Locarno, obwohl gerade diese Verordnung direkt dem Geist von Locarno widerspricht. Locarno sollte nach außen hin in Europa den Frieden bringen. Soll aber dies der Fall sein, dann müssen sich die Verhältnisse nicht nür in den Außenstaaten, sondern auch hier im Innern gründlich ändern, denn ohne Befriedigung der Minderheiten wäre der Frieden nach außen nur ein Scheinfrieden, ohne dauernden Bestand.

Für die außenpolitisehe Lage und für die ausländische Beurteilung ist meiner Ansicht nach der Geist maßgebend, dem diese. Verordnung entsprungen ist, und das ist jener zwiespältige Geist, der in Paris allen in der Èechoslovakei wohnenden Nationen die vollen und gleichen Rechte versprochen hat. Ich will Ihnen nur einige Stellen vom St. Germainer Vertrag zur Kenntnis bringen. Der Art. 7 sagt: Alle èechoslovakischen Staatsbürger ohne Unterschied der Rasse. Sprache oder Religion werden vor dem Gesetze gleich sein und dieselben bürgerlichen und politischen Rechte genießen, Dagegen sagt der Herr Pfarrer Kroiher in einem früheren Zwischenruf: Wir sind die Herren und Ihr seid die Knechte. (Sen. Kroiher: To jsem já neøekl!) Ich habe es aber so verstanden. Der Art. 8 sagt: Die zu den sprachlichen Minderheiten gehörenden èsl. Staatsangehörigen werden rechtlich und faktisch dieselbe Behandlung und die gleichen wirtschaftlichen Vorteile genießen, wie die übrigen èsl. Staatbürger, Sie sehen jedoch, wie die, Verhältnisse in Wirkliehkeit hier liegen. Den Vertrag von St. Germain hat auch unser Minister des Äußern Herr Bene¹ unterschrieben, aber auch diese Durchführungsverordnung zum Sprachengesetze trägt seine Unterschrift. Das sind aber zwei Dinge, die weit auseinandergehen. Kann ein Minister seine Unterschrift unter zwei Verträge setzen, die sich nicht nur nicht decken, sondern konträr direkt auseinander gehen? Der Herr Minister des Äußern hat damit eigentlich kundgetan, daß er einen Teil der Friedensverträge für ungiltig erklärt und diesen in den Papierkorb geworfen hat. Wir haben gewiß nichts dagegen, wenn er den ganzen St. Germainer Vertrag in Papierkorb werfen würde. Wenn er aber das Wenige, das dieser in diktatorisher Weise zusammengekommene Vertrag uns seinerzeit zugestanden hat, noch nehmen will, dann meine ich, daß Sie damit ein. Volk bis zum Äußersten reizen. Für uns ist aber weiter auch der Geist maßgebend, der einmal eine èsl. Sprache festgelegt hat, die aber durch die Praxis bloßgestellt wurde, weil es eine èsl. Sprache überhaupt nicht gibt und auch nicht geben hann. Uns ist weiters jener Geist maßgebend, der in den öffentlichen Schulen lehrt, daß jede Verfassung auf dem Grundsatze der Selbstbestimmung und Selbstverwaltung der Nationen fußt und weiters sagt, daß die Unterdrückung einer Nation ein Verbrechen gegen die Menschheit sei. Das wird in den Schulen gelehrt, während man gleiehzeitig in dem Organ eines hohen Staatsfunktionärs liest, daß es neuerlich gelungen ist, im Wege der Bodenrefom die Grenzen zwischen Deutschen und Èechen zugunsten des èechischen Staatsvolkes zu verschieben. Das sagt einer Ihrer Minister. Maßgebend ist uns aber auch jener Geist, der nicht nur in der Rede, sondern auch in der Tat zwiespältig ist, der zwischen den kulturellen und wirtschaftlichen Interessen des Staatsvolkes und denen der Minderheitsvölker scharf unterscheidet, jener Geist, der Tausende von noch leistungsfähigen deutschen Beamten, Angestellten und Arbeitern ausgerechnet vor Weihnachten auf das Straßenpflaster warf, womit selbstverständlich wie bei dem Abbaugesetz, wie èechische Blätter schreiben, nicht nur nichts erspart, sondern sich die Auslagen für den Staat noch bedeutend erhöhen werden. Umsomehr wird nichts erspart, wenn man gleichzeitig neue Stellen schafft, um den Angehörigen des Staatsvolkes einen noch größeren Anteil an der Staatskrippe zu sichern. Maßgebend ist aber auch jener Geist, der letzthin - ich staune, daß es gerade, die Gewerbepartei ist, die erst jetzt in einem Regierungsorgan freudig festgestellt hat, daß das deutsche Element in diesem Staate im Absterben begriffen ist. In demselben Blatte wird die Hoffnung ausgesprochen, daß in zehn Jahren - der Schreiber übertrifft da sogar Clemenceau, dem bekanntlich 20 Millionen Detitsche in Europa zu viel gewesen waren - eine Million Deutsche verschwunden sein werden.

Und nun will ich von Ihrem Standpunkte, vom Standpunkte des Staates selbst sprechen. Wer hat den Krieg gewonnen? Nicht Europa, nicht Frankreich, aber am wenigsten Sie, nein, den Krieg hat wirklich Amerika gewonnen und Japan. Unsere Aufgabe als Europäer wäre es, daß wir dieses Europa wieder wirtschaftlich, kulturell und politisch wieder zu jener Bedeutung bringen, wie es vor dem Kriege der Fall gewesen ist. Wie kann das aber geschehen? Der einzelne Staat, eine einzelne Nation kann nichts machen, das kann nur auf Grundlage ehrlicher Zusammenarbeit aller geschehen. Diese Zusammenarbeit ist nur im Rahmen, und darüber kommen Sie, meine sehr geehrten Herren nicht hinweg, vollund gleichberechtigter Staaten und Nationen möglich. Es muß unser aller Aufgabe sein, heute ein Paneuropa zu schaffen, um mit der Fortentwicklung Europas wieder dorthin zu kommen, wo wir vor dem Kriege waren.