Diese Explasionskatastrophe regt unbedingt zu der Betrachtung an Wozu hat denn die Èechoslovakische Republik ein solch ungeheueres Heer und wie schaut das Heer eigentlich aus? Die ersae Frage hat uns ein èechischer Minister beantwortet, Minister Bechynì hat in einer Wählerversammlung in Sternberg gesprochen und dort gesagt:" Wir brauchen das Heer nicht gegen den äußeren Feind, sondern gegen unaere Deutschen, unsere Ungarn und unsere Kommunisten! (Hört! Hört! - (Výkøiky: Je dokázáno ¾e to neøekl!) Also, kein Heer im eigentlichen Sinne des Wortes stellt dieser ungeheure Apparat dar, sondiern einen riesigen Polizeiapparat. Ist das nicht befeidigend für den Minister selbst, der das sagt, nicht blamierend für die ganze Anschauung über die Konsolidierung des Staates, der statt eines Heeres, wie man es sich früher vorgestellt hat, 1ediglich einen Polizeibüttelverein zusammenstellt und ist das nich beleidigend für diejenigen, die im Heere dienen? Kann denn einer mit Freude beim Militär dienen, wena er nur da ist, um gegen seine Mitbrüder nicht mit dem Pendrek, sondern auch mit Granaten und Sprengstoffen loszugehen? Nach Minister Støíbrný, der nicht mehr hier ist, hat das. Heer allerdings auch noch eine andere Aufgabe, aber wie er eben sagt, für uns und vielleicht auch für unsere Wähler genügt der Pendrek,
Wir Deutachen haben von Anfang an gesagt: Die Èechoslovakei kann kein stehendes Heer brauchen, die Èechoslovakei könnte nur ein Volksheer haben, nämlich für jedes Volk sein eigenes Heer. Das hätte einen Sinn. Nur in Form einer Miliz könnte ein Heer geschaffen werden, das einen wirklichen Wert hat, Erstens: Wenn Sie die Landkarte betrachten und sich die Grenzen der Èechoslovakei anschauen, so muß ein jeder, der billig und objektiv denkt, sich sagen: Welch ungeheueres Heer müßten Sie haben, wenn Sie diese Grenzen, die dort gezeichnet sind, wirklich zu verteidigen in der Lage sein sollten! Zur Verteidngung reicht das Heer nicht hin, denn eine Bewohnerschaft von 12 bis 14 Millionen kann unmöglich ein Heer aufbringen, das imstande ist, solche Grenzen zu verteidigen, Was ich aber von vornherein nicht erfüllen kann, das übernehme ich nicht und fange es nicht erst an.
Zweitens Die Bevölkerung der Èechoslovakei biesteht aus vielen Nationen Mehr als die Hälfte der Nationen sind unzufriederne Nationen. Wie wollen Sie aus all den Nationem ein Heer zusammenstellen, aus der Jugend dieser Nationen, welche nur zusammenwachsend etwas Ganzes, etwas Wirkliches und Brauchbares geben können, Sie haben aus dem Weltkriege gesehen und speziell das èechische Volk hat es bewiesen, welch furchtbare Wirkungen ein derart erzwungenes künstliches Zusammenzimmern von verschiedenen Völkern in ein Heer in Wirklichkeit haben kann. Denn das haben die österreichischen Truppen in den Karpathen und in Galizien übersll mittemach. Ich brauche es nicht weiter auszuführen.
Ich sage drittens Die Èechoslovakei kann sich kein solches Heer halten, sie hat nicht das Geld dazu, Seitdem Jahre 1919 sind 18, 8 Milliarden für Heereszwecke ausgegeben worden. Jedes Jahr wurden es mehr. Und was wurde dazu noch investiert, was wurde überhaupt schon an Beständen übernommen? So ungeheure Summen sind das, daß sie sich eine Bevölkerung von 12 Millionen und in der Zusammenstellung, wie sie 1918 geschaffen wurde, unter keinen Umständen leisten kann, die sie auf die Dauer auch nicht wird ertragen können. Und was waren de Leisfiungen für diese ungeheueren Ausgaben? (Výkøiky na levici! Die Mobiliszerung gegen Ungarn!) Die werde ich sofort bringen. Die Leistungen waren vor allem die zahllosen Flugzeugünglücke, die eins nach dem anderen eingetreten sind. Überall sind Flieger abgestürzt. Sie kennen den Benzinprozeß; Unglücksfälle können überall vorkommen, aler hier war es in einem Maße, daß die ganze Welt aufmerksam werden mußte. Der Herr Minister verteidigt jetzt das Militär bis in die Details; daß die Wagen richtig beschaffen waren, daß die Granaten richtig verladen waren usw.; das Muster, das er hier gegezeigt hat, wird wohl lesr gewesen sein, Nach allem, was vom Anfang hier gesagt wurde, war diese Granate System Janeèek von Anfang an nicht sicher; auf jeden Fall ist das ein Geschoß mit brisanter Ladung, ohne genügende Sicherheit gegen das Losgehen, Sörgar im Krieg haf man die Granaten bis in die Schützengräben in Teilen herbeigeschaft, die Zünder extra und erst im Schützengraben wurden die Granaten zusammengesetzt. Ich halte es also für eine leere Ausrede, wenn man sagt, man könne ruhig so vorgehen, wie der Minister geschildert hat. Das ist vielmehr etwas, was gegen die Bevölkerung gerichtet ist, es ist Schlamperei; und selbst werinn es bloße Einbildung wäre, schadet es der ganzen Bevölkerung. Auf keinen Fall ist das eine vis major und meiner Meinung nach hat der Staat die. Verpflichtung, für älle Schäden und all das aufzukommen, was durch die Explosion angerichtet worden ist.
Und von dem, was das Heer sonst geleistet hat, will ich einige weitere Punktenennen Die ersfe Leistung war der 4, März 1919. Das waren Glanzleistungen, Ich selbst habe es in Eger gese`hen, in Asch stand! ich am Grabe der Opfer und habe dort geprochen, ich habe die Folgen in Kaaden gesehen. Ja, das waren Glanzleistungen, wie man auf die Bevölkerung geschosisen hat gleichwie auf Hasen. Mit einer im Leben noch nicht beobachteten Überhebung haben sich die Soldraten erlaubt, die Bevölkerung, die steuerzahlenden Bürger, so zu behandeln! Das war die Leistung. Soll die in jemandem Freude am èechoslovakischen Militär wachrufen? (Výkøiky na levici.)
Weiter wurde die Mobilisierung gegen Ungarn erwähnt. Wer ist damals nicht eingerückt? Die große Zahl! Es sind doch nur wenige eingerückt, was freilich erst nachträglich herauskam, aber die große Zahl jener, die nicht einrückten, stammten genade aus dem èechischen Volke. Ich behaupte, daß überhaupt niemand in die Schützengräben ginge, wenn es heute zu etwas käme. Denn wer vom Kriege wur etwas gesehen hat, der macht dierses Theater nich jmehr mit, es sei denn, daß es sich um eine heilige Sache handelt, die vom Herzen kommt. Dann aber müssen Sie die Deutschen ganz anders behandeln, wenn es den Deutschen aus dem Herzen kommen soll, wenn sie sich für eine militärische Sache interessieren sollen.
Die letzte Leisfung war jetzt, wenn ich so sagen darf, die Schlacht in der Tischlergasse. Kann und soll dras Volk für dieses Heer die ungeheueren Steuerzahlungen, diese fortwährenden Milliarden willig leisten? Und besonders die deutsche Bevölkerung? Vergessen Sie doch nicht, meine Herren, die Deutschen sind ja selbst wie eine Granate, geladen sind selbst afle zum Explodieren, Wenn Sie heute all das betrachten, was uns seit der Kriegsanleihe geschehen ist, wen Sie die Bodenrefonm sehen, die Verteilung der Restgüter, wenn Sie sehen, wie mit unseren Steuergeldern in unsere deutschen Bezirke mitten hinein eine Kolonie gesetzt wird, nur damit künstlich eine èechische Minorität erzeugt werde, wie man für acht èechische Schulkinder eine Schule errichtet, während man bei uns bei 39 Kindern die Schule sofort schließt, weil es nicht 40 sind, soll bei all dem die Betreffenden nicht die Wut packen und soll da nicht eine Stimmung der Bevölikerung entstehen, die der einer gefüllten Gränate gleicht, wo sich auch nur etwas an der Zündunrg zu rühren brautcht, um es zur Explosion zu bringen?
Das letzte Stück sind die Sprachenverordnungen. Da hat es sich gezeigt, daß das Volk wirklich nahe daran ist, zu explodieren, Der 28. Feber hat Versammlungen gezeitigt, wie Sie sie in der Èechoslovakei selten hatten, Vielleicht ist das gar nicht ohne Zusammenhang, daß gerade in Prag zu der Zeft die Granaten über die Straße in die Kasernen und überall hin transportiert werden; vielleicht hat man gesagt Teufel noch einmal, mit dem 28. Feber, am Ende wird das Volk doch wach und könnfe sich einmal rühren, wär müssen das Zeug herschaffen, daß man jeden Mann nur auszurüsten branicht, daß man die Leute nur hinauszuschcken braucht, um gegen das Vofk aufzutreten. Möglich ich kann es nicht beweisen. (Výkøiky na levici.)
Diese Sprachenverordnungen sind etwas, was wir Deutsche niemals und unter keinen Umständen werden vertragen können. Erinnern Sie sich an den Werdegang. Sechs Jahre hat es gedauert, bis Sie diese Verordnungen herausbringen. Wie hat man vor sechs Jahren gesprochen? Das Sprachengesetz, so hieß es, ist streng, aber die Sache schaut nur scharf aus, durch die Durchführungsverordnung wird man mildern, es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Und der damalige Minister des Innern ©vehla erklärte: "Ja, die Sprachenverordnungen werden unbedingt dem Parlament vergelest werden, sie wenden vorher dem verfassungsrech tlichen Ausschuß vorliegen, " Nun siehe da, das Minisrterwort ist natürlich gebrochen, es ist nicht das erste Ministerwort, das ge`brochen wurde. Es ist traurig, daß das vorkommen kann. In früheren Zeiten gab es das nicht, daß ein Minister einfach ein gegebenes Wort glatt nicht gehalten hätte. Er wäre gegangen oder hätte sonst irgendeine Konsequenz gezogen, aber nachsagen hätte er es sich niemals lassen, daß er als Staatsminister sein Wort nicht hält. Und dann Was machen die Sprachenverordnungen? Sie dekretieren nichts anderes als uns zu Staatsbürgern, nicht zweiter Klasse, sondern letzter Klasse. Wir sind Heloten, Schämen muß man sich, wenn man das liest, man ist ein Deufischer und man steht da in dem Staat, und wenn man sagt: Ich bin ein Deutscher und spreche deutsch, muß man schon achtgeben, ob nicht ein paar hineinhäuen mit dem Pendrek oder vielleicht mit dem Säbel. Die Sprachenverordnungen sind so raffiniert und ausgetüftelt, daß sie wie ein Gasangriff wirken. Wie im Kriege: das Giftgas big in den 1etzten Schützengraben, bis in jede Furche hinein kommt und alles tötet, so wirkt auch die Spracheverordnung tödlich in unsere Gemeindeautonomie. Es ist doh geradezu entsetzlich, wenn ich mir anschaue, daß in der reichsfreien alteri deutschen. Stadt Eger ein einziger èechischer Gemeinderat sitzt, der aufsteht, èechisch spricht und èechische Eintragungen und Erledigungen verlangt. Die Sprachenverordnung gibt ihm Recht. Meine Herren, haben Sie denn nicht die Empfindung, wie empörend das auf jeden Deutschen wirken miß? Das erzeugt einen Haß, den Sie auf andere Weise gar nie erzeugen können. Es ist, als ob man es geradezu künstlich maehte, um zu reizen, damit einer über die Schnur hauen soll, da mit man ihn dann fassen, unmöglich machen und wegbringen kann.
Jeder geringste Postbedienstete macht sich förmlich einen. Spaß daraus, uns Deutsche zu treten oder zu beweisen, was er für großer Herr ist gegenüber dem deutschen Steuerzahler. Ein Pferd rennt an den Postkasten - das hat ein Kollege jüngst konstatiert - der Postmeister nimmt den Postkasten weg, er glaubt, wir sollen jetzt selbst zur Post kommen, selbst die Briefe abgeben und ihm vielleicht auch noch melden, was darin steht, Das würde Ihnen so passen. Ist das micht zum Teufel holen? Ein Advokat sch reibt in ir-gend einer Sache einen Brief nach Frauenreuth im Egerlande. Der Herr Minister sagte selbst, daß diese Ortsbezeichnung "im Egerlarnd" berechtngt ist; diese Bezeichnnung ist aber auch notwendig, well es mehrere Frauenreuth geben kamn; und der Postbeamte sollte dankbar sein, wenn er ein Postbeamter und nicht ein chauvinistischer Hetzer wäre - weil er die Pakete und die Post richtig befördern könnte. Das sind alles Sach en, die so empörend sind und wirken, daß wir fordern müssen - ünsere Bevöfkerung hat es auc`h am 28. Feber gefordert und überall geschrien - daß die Sprachenverordnungen zurückgezogen werden, - Und ich sage Euch, deutsche Volksgenossen, alle sollten hier zusaarmmenhalten, und ich behaupte, daß hier überhaupt nicht verhandeft werden sollte, solange diese Sprächenveromdnungen nicht zurückgezogen sind. (Výkøiky na levici.) Das wäre das Benehmen, das einsetzen müßte, geriauso wie wir es heute nicht dulden durften, daß ein Minister, ein Mitglied der Regierung, gegen einen Senator eine solche Beleidigung ausspricht und ihm mit dem Pendrek droht, wenn nicht direkt droht, so doch in wegwererfender Weise sagt: "Für Euch genügt der Pendrek!" Meine Herren! Zür Verteidigung dieser ganzen Zustände, wie ich sie hier geschildert habe, sollen wir ein so ungeheueres Heer unterhaltena, das auch noch zu allem die Gesundheit der Staatsbürger in Gefahr bringt, wie wir eigens in der Tischlergasse gezeigt haben. Ich bin der Ansicht, daß wir kein Heer brauchen, und daß wir kein Heer brauchen können, habe ich vorhin an anderen Punkten bewiesen, und ich frage: Wözu hat der Herr Dr. Bene¹ seine Verträge abgeschaossen? Nach seiner An sicht geben ihm ja die Verträge unbedingt die Sicherhevt nach allen Richtungen, Wozu muß er ein so ungeheueres Heer unterhalten, wenn er weiß, daß man die Grenzen niemals wird verteidigen können? Er hat auch die Kleine Entente, von der anfangs soviel gesprochen wurde, Auf einmal hör man nichts mehr von ihr Vielleicht ist aus der Entente eine Ente geworden. Aber ich irage: Wo ist der Geist vo Locarno? Ist er vielileicht darum zu sehen, wenn Herr Mussolini aufsteht und Deutschland mit Gift und Galle, Hohn und Spott begeifert, weil er weiß, da er sich die Hände selbst in Locarno gebunden hat und jetzt niht mehr heraus kann, - Ist das der Geist von Locarno? Oder sind es vielleicht die Sprachenverordnungen? Das ist nicht der Geist von Locarmo, Ich sage: Der Geist von Locarno ist überhaupt derselbe Lug und Trug, wie er seit diem Beginn des Weltkrieges in ganz Europa herrscht. In ganz Europa herrscht seit dem Weltkriege Lug und. Trug, denn alles, was gesprochen und getan wird, richtet sich nur gegen alles Deutsche und zu diesem Zweeke wird jedes Mittel benützt, es ist kein Mittel zu schlecht, um diess Ziel zu erreichen. Mit der Kriegsschuldlüge hat es begonnen, Sie wissen, wie die Northcliffpresse gelogen hat und wenn sie nicht gelogen hätte, wäre es nie gelungen, die Welt so durcheinanderzubringen, wie es tatsächlich geschehen ist. Sie wissen, daß die Wilsonschen Artikel unseren braven Soldaten in unseren Schützengräben die Köpfe verdrehd haben, so daß diese apferen Soldaten selbst die Waffen hingelegt haben, weil sie diesen Lug und Trug geglaubt haben, sie wissen, wie uns das Memoire III geschadet hat. Dieses Memoire III hat uns mehr geschadet als ein paar falsche Tausendfranknoten, die jetzt herumgekommen snid. Das hat uns Sudetendeutschen unendlich mehr in St. Germain und Versailles geschadet, Und Locarno selbst ist, meiner Ansicht nach, nichts anderes als Lug und Trug, und es wird sich auch als Lug und Trug herausstellen und ich möchte es im Interesse Deutschlands beinahe begrüßen, daß es so ist. Denn es ist unmöglich, zu glauben, daß ein Volk, wie es das deutsche Volk ist, sichs auf ewige Zeit selbst die Hände binden soll, damit andere ja beruhigt sind und ruhiger schlafen können im Besitze der Herrschaft über das sche Völk, Das ist widersinnig und kann sich auf die Dauer nicht halten. Im übrigen sehen Sie, was Locarno wert ist, jetzt bei den Verhandlungen in Genf. Ist das nicht direkt skandalös, wenn man dort sichere Abmachungen getroffen hat und auf einmal beginnt, ganz neue Verhand- 1ungen über eine ganz neue Zusammensetzung des Völkerbundrates und dieser ganzen Institution anzubahnem, Volksgenossen! Wir haben jetzt 150, 000 Mann Militär, Italien mit seinem Mussolini, mit seinem - wie soll ich gleich sagen (Výkøiky Imperator!), Imperator Caesar, hat bloß 122. 000 Mann, Amerika hat noch viel wenier. Ich bin jetzt mit einem Amerikaner gefahren der mir mitteilte, daß ganz NewYork 200 Soldaten besitzt. Bedenken Sie, für ganz New York! Und für ganz Amerika gibt es nicht einmal 100.000 aktive Soldaten, Und wir müssen diesen ungeheueren Militäretat erhalten. Was könnten wir mit dem Gelde tun, wenn das Militär aufelassen würde? Wie könnte män die Beamten und Lehrer bezahlen, wie könnte man die Schulden decken, wie wünde alles ausschauen wenn man diese Beträe richtig verwernden würde! Ich wiederhode noch einmal: dieses Soldatenspiel hat für die Èechoslovakei keinen Zweck und ich sage weiters, daß die Èechoslovakei ein so teueres Soldatenspiel nicht bezahlen und nicht erhalten kann. Und darum weg mit dem ganzen Heer. (Potlesk na levici!)
3. Øeè sen. Löwa:
Hoher Senat! Dadurch, daß Sie der Dringlichkeit der Interpellation zugestimmt haben, haben Sie die Möglichkeit gegeben, die Vorkommnisse in Kalsbad und im Polizeirayon von Karlsbad hier in ganz objektiver Weise zu besprechen. Aber es ist eigenalich merkwürdig, daß wir, während wir es dort hauptsächlich mit einer Polizeikliue zu tun hatten, die sich auf den Pendrek eingestellt hat, hier bei der Besprechung einer dringlichen Interpellation auch mit dem Pendrek, wenn auch nicht tatsächlich, so doch wörtlich in Berüh rung gekommen sind, und daß es sogar dem Herrn Minister für nationale Verteidigung gefallen hat, dem Pendrek hier zu huldigen, ist gewissermaßen damit zu erklären, daß er für eine bestimmte Anzahl von Senatoren den Pendrek für notwendig hält, Ich habe vor kurzeam in einem Orte gesehen, daß dort eine weiße Tafel angebracht ist, auf der in einem Kreise ein Pendrek aufgehängt ist, und darunter steht geschrieben: "Das ist das Szepter der Èechoslovakischen Republik". Es schaut winklich so aus, als wenn man tatsächlich in diesem Staate nocht anders als mit dem Pendrek regieren könnte.
Was hat sich eigentlich in Karlsbad zugeträgen? Die Sprachenverordnungen, die ungeheuere immerwährende Bedrückung der arbeitenden Klassen, die immer neue Lasten, die ihnan aufgehalst werden dadurch, daß man die Erhöhung der Staatsbeamtengehälter nicht anders finänzieren kann, als daß man den Arbeitern immer neue Lasten auferlegt, die Erhöhung der Militärdienstzeit usw. usw. - alles das hat natürlich in den arbeitenden Kreisen, nicht allein in den deutschen, sondern auch in den èechischen Gegeniden ungeheuere Empörung hervorgerufen und man darf sich nicht wundern, wenn die arbeitenden Klassen auf die Straße gegangen sind und gegen dieses unerhörte provokatiorische Vorgehen der Regierung protestieren, Nicht anders war es ja auch in Karlsbad. Die Sprachenerordnunrgen haben bewirkt, daß gerade wir Deutschen im deutschen Gebiet unsere Meinung sagen mußten, weil wir es nicht ohne weiters hinnehmen können, daß die deutschen Arbeiter hier in diesem Staate gewissermaßen nur geduldet werden, daß sie ihre ganze Kraft dem Staate zur Verfügung stellen und dafür in die letzte Klasse der Bewohner dieses Staates eingereiht werden. So wurde also für den 2. März in Karlsbad eine große Versammlung einberufen, die unter freiem Himmel auf dem Märktplatz in Karlsbad und nur bei schlechtem Wetter in der Sprudelhalle stattfinden sollte, Aber aus der einen Versammlung mußten drei gemacht werden, Die Empörung, die die zuströmenden Menschen ergriffen haite, war so groß, daß es nicht so bald eime ähnliche Bevegung gegeben hat, wie die, die in Karlsbad am 2. März zutage getrefien ist, Die Versamm- lung war angemeldet und polizeilich genehmigt und sie hatte auch einen würdigen. Verlauf, wie es auch nicht anders sein konnte. Wir sind gewöhnt, alle unsere Veranstaltungen, die wir machen, persön1ich zu verantworten und es hat schon in Österreich Zeiten gegeben, daß, wenn, die Polizei und Gendarmerie sich nicht sehen ließen, wir die Ordnung aufrecht erhalten hahen, aber anders, als es hier heute der Fal1 ist, Aber nur in diesem Staate ist es möglich, daß man durch die Polizei und das Polizeikommissariat Unordnung in die Versammlung hineingebracht, uns aber ausgeschaltet hat, weil wir Ordnug halten wollten.
Nach Beendigung der Versammlung, die, wie ich bereits sagte, in der würdigsten Weise vor sich gegangen ist, mußte man das muß doch jeder Mensch zugeben bei der großen Menschenmenge in so schmalen Gassen, wie es in Karlsbad der Fall ist auf einen Abzug der Massen in geordneter Weise bedacht sein, und wenn Minister Støíbrný order Generäle hier anwesend wären, so müßten sie sagen, daß man große Menschenmassen nicht dort zurückführen kann, wo sie aufmarschiert sind, sondern daß dafür gesorgt werden muß, daß sie in anderer Richtung abmarschieren. Das sollite keine Demonstration sein, sondern es munte, wie gesagt, für den Abrnarsch des Massen gesorgt werden, weil wir keine Zusammenstöße haben wollten, weil wir gewohnt sind, in ruhiger und würdiger Weise unsere Demonstrationen abzuhalten und unsere Beschwerden vorzubrigen. Aber es sollte anders kommen. Der Polizeigewaltige ließ die Gassen beim Stadttheater absperren. Stellen Sie sich vor Zehntausende von Menschen die gewohnt waren, diesen Weg zu gehen, weil es überhaupt fast keinen anderen Weg gibt, mußten an der Bezirksh auptmannschaft vorbeigehen; sie mußten auf der anderen Seite der Tepl zurückfluzen, um nicht gegen die anderen zu drücken, um sich nicht gegenseitig den Weg zu verrammeln. Als nun das Polizeiaufgebot dagegen einschritt, da waren wir uns klar, daß, wenn da nicht sofort energisch interveniert wird, ein Unzglüzck gesehehen müßte. Sofort hat auch der Einberufer der Versammlung, user Parteisekretär Sacher den Polizeirat Wotava angerufen, der daraufhinauch so fort die Sfraße freigab, Das war das erste, Aberman konnte sich nicht mehr verständigen, denn. an der Spirtze der Karlsbader Polizei steht ja ein früherer k. k. Rittmeister, der Inspektor Kasik, der bekannt ist durch die Orgien, die er zu feiern versteht, aber nicht vor dem Feind, sondern in den Kabaretts und Nachtlokalen, ein. Mann, dem man auch nachsagt, daß er am. Morgen um 10 Uhr bereits 11 Glas Bier vertilgt hat. Einem solchen Menschen vertraut man die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in Karlsbad an; einem Menschen also, der nicht imstande ist, gegen sich selbst Ordnung zu halten, dem traut man zu, zehntausende Menschen in Ordnung zu harlten. Es ist dann schließlich doch geltrongen, ihn zu überzeugen, daß er die Straße freigeben müsse. Als aber die Menschenmassen weiterfluteten, fiel es demselben Mann wieder ein, anzurdnen, daß die Maseen nicht wentergehen dürfen, und zwar deswegen, weil einige Leute darunter waren, welche die gefaßte Resolution bei der Bezirkshauptmannschaft dem Herrn Dr. Fiedler übergeben wollten. Die Bezirkshauptmannschaft war abgesperrt und weil doch einige Leute hinaufgehen wollten, ging nun der Trubel los, Wie wütend ging die Polizei mit dem Pendrek auf die Menge los und es wurde in einer Weise losgehauen, wie man es sich nicht ärger vorstellen kann, Ich habe nch sofort vorgedrängt und auch die Abgeordneten Hillebrand und de Witte mit mir, um den Herren begreiflich zu machen, was denn eigentlich entsteh en muß, wenn auf der einen Seite die Menschen mit Pendrek verfolgt werden und sie auf der anderen Seite ebenfalls keinen Ausweg finden. Es waren furchtbare Szenen, Kinder im zartesten Alter wurden niederSeschlagen, Frauen, die mitgekommen waren, geprügelt, in einer geradezu unerhörten Weise. Alles wollte aus der Prügelei herauskommen und so geschah es, daß sogar das Brückengeländer nachgeben mußte und ein Teil in die Tiefe stürzte. Als ich den Polizisten vorhielt, was sie denn da eigentlich treiben, und daß sie damit endlich aufhören sollten, wurde ich beim Arm gefaßt, den ich in der Binde hatte und als ich mich dagegen verwahrte, wurde mir gesagt "Ja, warum sind Sie denn nicht zu Hause geblieben. Sie haben hier nichts zu tun". Es war aber meine Pflicht hinzugehen, um die Menschen zu schützen und um der großen Volksmenge zu sagen, was hier geschieht. Als die Hauerei kein Ende nehmen wollfie, wurde ein Menschenzug über die Brücke auf das linke Teplufer dirigiert. Aber kaum waren die Menschen drüben, da kam die Polizei von der anderen Seite henan, Nun stellen Sie sich vor Bei der Bezirkshauptmannschaft am rechten Unfer eine Hauerei mit den Pendreks, auf dem linken Ufer, wo man die Menschen hindirigieren wollte, ein Trupp Polizisten im Anmarsch, der ohne Grund neuerdings zu schlagen anfängt, So ist es geschehen, daß tatsächlich Menschen in die Tepl springen mußten, wenn sie sich vor dem Pendrek schützen wollten, vor diesem Pendrek, von dem der Herr Landesnerteidigungsminister vorhin gesagt hat, daß er ihn auch für unsere Senatoren hier anwenden wolle, Man kann sich vorstellen, welche ungeheuere Panik daraus entstanden ist, ein allgemeines Aufschreien und hinterdrein die Polizisten mit dem Pendrek ununterbrochen darauf loshauend. Wir haben uns bemüht, in die Menge Ordnung zu bringen und haben die Vertrauensmänner zusammenberufen. Nach langen Bemühungen ist es uns endlich gelungen und die Polizisten mußten schließlich doch einsehen, däß sde zurückgehen müssen und sind zur Vernunft gekommen. Hätten sie es gleich getan, hätten sie uns nicht gestört, es wäre nicht ein unschönes Wort gefallen. Die Versammlung war ja zu Ende.