Pøedseda (zvoní): Prosím pana sen. Hartla o klid.

Sen. dr. Heller (pokraèuje): Die Ausgaben für die èechischen Hochschulen betragen nach dem uns vorliegenden Budget 79. 663. 560 Kè, die für die deutschen Hochschulen 23. 508. 481 Kè. Der Anteil der deutschen Hochschulen würde so ungefähr, nicht ganz, dem Bevölkerungsschlüssel entsprechen, aber Sie haben für Ihre Hochschulen auch die Ruthenen, die Ungarn, und alles, was es sonst noch im Staate gibt, mitgeschluckt, so daß heute die Ausgaben für die èechischen Hochschulen nahezu 3 1/2mal so hoch sind wie die für die deutschen Hochschulen. Aber durch einen Erlaß der Regierung wird dieses Verhältnis wesentlich verschlechtert. So verbieten Sie im Erlaß vom 20. Oktober 1924 für 1925 alle Reparaturen an den Gebäuden, es darf kein Fenster, keine Tür mehr repariert werden, die Hochschulen müssen in diesem Jahr, soweit es die Witterung und die Verhältnisse mit sich bringen, einfach verfallen. Aber es kommt noch viel schöner. Mit einem Erlaß werden die für 1925 bewilligten außerordentlichen Kredite nur zur Einrichtung der im Jahre 1924 aufgeführten Bauten verwendet, es werden die außerordentlichen Dotationen gestrichen, bis auf die ordentliche Dotation von 6. 000 Kronen. (Sen. Holý: To je na èeských ¹kolách také!) Nein, Herr Kollege, hören Sie den Erlaß an. Es werden diese außerordentlichen Kredite den deutschen Hochschulen genommen und zur Einrichtung der im Jahre 1924 aufgeführten Bauten verwendet. Und das sind eben ausschließlich Bauten der èechischen Hochschulen. (Hört! Hört!) So werden die Einrichtungen der deutschen Hochschulen einfach zunichte gemacht, die Beträge, die sie unbedingt brauchen, den èechischen Hochschulen überwiesen. (Sen. Thoø: Ty byly ¹patnì vypraveny!) Herr Kollege, stellen Sie sich vor, daß ein Institut -, der Herr Kollege Mare¹ wird es Ihnen vielleicht bestätigen können - ein Jahr lang mit einer Dotation von 6. 000 Kronen auskommen soll! Ist das möglich? Das ist ganz unmöglich! Mit diesem Erlaß werden alle Gelder den deutschen Instituten weggenommen und zur Einrichtung der neuaufgeführten Bauten der èechischen Universität verwendet, die deutschen Institute werden auf den Bettel von 6. 000 Kronen jahrlich verwiesen.

Im Budget pro 1925 finden Sie für die medizinische Fakultät der deutschen Universität in Prag 24 Stellen für außerordentliche Professoren systemisiert, für die auch die Bedeckung vorgesehen ist. Tatsächlich aber gibt es nur 16 außerordentliche Professoren, 8 Stellen sind derzeit frei, und mit Erlaß vom 6. November 1924 wird verfügt, daß systemisierte Stellen, wenn sie frei werden, nicht mehr zu besetzen sind. Meine Herren, erstens ist es unerhört, gerade die medizinische Fakultät derer zu berauben, welche die Studenten unterrichten sollen, und zweitens frage ich: warum präliminieren Sie 24 Stellen, wenn zur Zeit, als präliminiert wurde, tatsächlich nur 16 besetzt waren? Da wird das berühmte Virement eintreten und das Geld, welches für deutsche außerordentliche Professoren bestimmt war, wird wiederum für die èechische Universität verwendet werden.

Meine Herren, so behandelt man unsere deutschen Universitäten. Wir fordern, und das sage ich hier noch einmal, für unser gesamtes Schulwesen die nationale Autonomie, weil wir wissen, daß nur dann, wenn wir unser Schulwesen selbst verwalten und bezahlen, diese Streitigkeiten zwischen Ihnen und uns aufhören werden; und wir wünschen die Beseitigung der Streitigkeiten.

Was ist aus der Bodenreform in diesem Staate geworden? Die Bodenreform, die von uns gedacht war als die Überführung des Eigentums an Grund und Boden aus den Händen Privater in die Hände der Gemeinschaft, der Gesellschaft, der Gemeinden, der Bezirke, von Bezirks- und Gemeindeverbänden und Genossenschaften, was ist daraus geworden? Ein rein kapitalistisches Unternehmen (Souhlas na levici), wie es mein Genosse Czech sehr richtig im Abgeordnetenhaus gesagt hat, die Schaffung eines neuen èechischen Landadels ist daraus geworden und ein Instrument der Èechisierung. Da werde ich Ihnen jetzt Beispiele sagen, die Sie nicht kennen - das heißt, ein Teil von Ihnen kennt sie schon und billigt sie - aber ich muß doch annehmen, daß die meisten von Ihnen sie nicht kennen. Da haben Sie den Ort Nebosedl im Bezirk Luditz, ein rein deutscher Ort, in dem es eine einzige èechische Familie gibt, die Familie des dortigen Meierhofpächters. Dieser hat es durchgesetzt, daß ihm der dortige Großgrundbesitzer mit Zustimmung des Bodenamtes diesen Meierhof verkauft hat. Für die Herren vom Bund der Landwirte (obrácen k levici) möchte ich nur erwähnen, daß dieser èechische Meierhofpachter bei den letzten Wahlen in die Gemeinde Vertretung auf die Liste des Bundes der Landwirte kandidiert hat und gewählt wurde. Dieser èechische Meierhofpächter hat nun, kaum daß ihm dieser Meierhof gehört hat, seinen Arbeitern gesagt: "Hier wird eine èechische Schule errichtet. Entweder schickt ihr die Kinder in die èechische Schule oder ich hole mir andere Arbeiter aus den èechischen Gebieten. " (Sen. Thoø: Tak to dìlali Nìmci!) So machen Sie es jetzt. (Sen. Thoø: (To je taktika nìmecká!) Und heute besteht in Nebosedl eine èechische Schule, in welche das eine Kind des èechischen gewesenen Pächters und 12 oder 13 deutsche Kinder gehen. Und da hat Herr Minister Støíbrný, der heute hier eine kurze Gastrolle gegeben und nach ungefähr einjähriger. Abwesenheit sich hier etwa 10 Minuten lang hat blicken lassen, den Mut zu sagen: "Wir wollen nicht ein einziges Kind den Deutschen rauben, wir dulden aber auch nicht, daß unsere Kinder verdeutscht werden. " Hier haben Sie den einen Fall. Es gibt im Ort Kuèerau im Bezirk Wischau eine èechische Schule, die drei Kinder hat, Untersuchen Sie die Sache! Dort in Kuèerau im Bezirk Wischau hat die Národní Jednota 10 Ha Grund billig erworben und verpachtet ihn an jene Deutschen dort, die ihre Kinder in die èechische Schule schikken. So wird die Bodenreform in Ihren Händen zu einem Instrument der Èechisierung. (Výkøiky na levici. ) Nun will ich Ihnen einige andere Fälle zeigen. (Výkøik: My to teï umíme, proto¾e jste nám to ukázali!) Es ist sehr traurig, daß jemand, der sieh Sozialist nennt sagt: "Wir können es jetzt, weil Ihr es uns gezeigt habt. " Meine Mappe weist unzählige solcher Falle aus. Sie werden an geeigneter Stelle zur Kenntnis gebracht werden, aber heute will ich nur einige wenige aus diesem reichen Material herausgreifen, um Ihnen zu zeigen, wie hier neues èechisches Privateigentum durch die Bodenreform geschaffen wird. Im Bezirk Bilin liegt der Ort Schwaz. Dort befindet sich eine Herrschaft, die dem erzbischöflichen Metropolitankapitel in Prag gehört hat. Die Gemeinde Schwaz hat dem Bodenamt angeboten, sie wolle diese Herrschaft um 3. 700. 000 Kronen kaufen. Das Bodenamt hat dieses Angebot abgelehnt und dieselbe Herrschaft um 2,8 Millionen, also um 900. 000 Kronen billiger, an einen gewissen Herrn Koke¹ verkauft, der natürlich ein Neffe unseres sehr geehrten Herrn Kollegen Prá¹ek ist und hinter dem die Zemìdìlská zálo¾ní banka steht. Das Anbot der Gemeinde - so hatten wir uns und wohl auch Sie sich die Bodenreform vorbestellt, daß vor allem Gemeinden diesen Grund und Boden erwerben - das um 900. 000 Kronen höher war als das dieses Privaten, wurde abgelehnt und diese Herrschaft um 2,8 Millionen Kronen verkauft. Und was macht Herr Koke¹? Er verkauft Grund und Boden und Holz aus dieser Herrschaft um 2,5 Millionen Kronen, so daß ihn der Rest heute nur noch 300. 000 Kronen kostet; und den bot er jetzt der Gemeinde Schwaz um 2 1/4 Millionen Kronen zum Kaufe an. (Výkøiky na levici: Skandal! Pfuj! - Hluk. )

In der Nähe der Stadt Turn liegt das Gut Daubrowitz. Dieses versorgt die Stadt Turn hauptsächlich mit Milch. Infolgedessen hat die Stadtvertretung von Turn beim Bodenamt um Zuweisung dieses Gutes angesucht und die Antwort erhalten, daß vorläufig in eine Verhandlung nicht eingegangen werden könne, bis der Großgrundbesitz des Herrn Clary zur Aufteilung gelangen wird. Bis dieser Großgrandbesitz des Herrn Clary zur Aufteilung gelangt, werde die Angelegenheit behandelt werden. In der Zwischenzeit hat jedoch der Großgrundbesitzer Clary mit Zustimmung des Bodenamtes dasselbe Gut dem èechischen Pächter Herrn Vohryzek verkauft. (Hört! Hört!) So wird die Bodenreform bei uns gehandhabt. (Výkøiky. ) Und, meine Herren, was ich hier von diesen zwei Orten erzählt habe, gilt von Podersam und Saaz, wo 12 Meierhöfe an der Verband der èechischen Meierhofpächter verkauft wurden. Ich möchte wissen, und ich frage besonders die èechischen Genossen, ob sie sich die Bodenreform so vorgestellt haben. Und genau so war es auch in Liboch. Dort ist der Besitz - ich kenne ihn besonders gut - gleich nach dem Umsturz zur Verteilung gelangt, weil er Eigentum einer sächsischen Gräfin war. Vollständig mit Recht. Zum Zwangsverwalter wurde der Pächter eines der Höfe bestellt, der zu Liboch gehört, Herr Homolka. Nach nicht ganz einem Jahre hat diese Gräfin mit Zustimmung des Bodenamtes die Herrschaft mit Ausnahme eines Hofes, den die Legionäre bekommen haben, an Herrn Homolka um einen Pappenstiel verkauft. So sieht die Bodenreform aus. (Výkøiky. ) Ich könnte Ihnen die Falle von Loschowitz, Weseritz, Hermannsdorf, Peterswald usw. aufzählen. Überall gibt es so einen Homolka oder Vohryzek, überall haben Sie in Gegenden, die rein deutsch sind, Güter an Privatunternehmer verkauft, überall mit Zustimmung des Bodenamtes, überall sind Sie der Aufteilung aus dem Wege gegangen, Gemeinden und Bezirke wurden übergangen. Und das nennen Sie Bodenreform.

Es sind mehr als zwei Jahre her, als ich einen Antrag überreichte, der sich auf die Zusammensetzung des Bodenausschusses bezog. Dieser Antrag ist bis heute noch nicht im Verfassungsausschuß verhandelt worden. Als ich vor zwei Jahren fragte, ob es recht ist, daß die Deutschen im Bodenausschuß nicht vertreten sind, haben Sie den Kopf verneinend geschüttelt; vor Kurzem wurde nun der Bodenausschuß - abermals unter Ausschluß der Deutschen - neu errichtet. Das ist ja ganz selbst verstandlich, weil Sie eine Kontrolle nicht dulden können, weil alle diese. Ungeheuerlichkeiten, dieses ganze unsozialistische Vorgehen von uns nicht kontrolliert werden soll, weil wir zwar nach und nach dahinter kommen, aber natürlich erst dann, wenn es zu spät ist, und weil Sie nicht dulden, daß wir irgend etwas von diesem ungeheuerlichen Unrecht verhindern. Sie haben uns gefragt, warum gerade wir Sozialdemokraten uns heuer in so heftiger Opposition - nicht gegen den Staat, - gegen das Regime, gegen die Koalition, gegen dieses Budget gestellt haben; deshalb, weil in der letzten Zeit die èechoslovakische Regierung systematisch deutsche Arbeiter von ihrem Arbeitsplatz verdrängt, sowohl dort, wo die èechische Regierung als Arbeitgeber aufgetreten ist und auftritt, bei den Eisenbahnen und bei den Staatsbeamten, als auch dort, wo sie als Auftragsgeber auftritt, wo sie Bauten im deutschen Gebiete vergibt. Nennen Sie mir einen einzigen Bau von diesen zahllosen Schulen, diesen Bergkolonien, von alledem, was im deutschen Gebiet nicht von èechischen Baumeistern errichtet wurde. Vor kurzem hat die Stadt Brüx dem Militärärar einen Bauplatz unter der Bedingung verkauft, daß der Bau. der dort aufgeführt wird, auch dann von einem Brüxer Gewerbetreibenden errichtet werden muß, wenn er um 5% teuerer ist, als der auswärtige Bewerber. Das hat das Ministerium, beziehungsweise dessen Vertreter, unterschrieben. Unter dieser Voraussetzung hat die Stadt Brüx dem Militärärar den Platz verkauft. Als es zur Ausschreibung kam, war der billigste Offerent ein Brüxer. Bekommen hat ihn unter vollständiger Mißachtung des geschlossenen Vertrages der teuere Offerent aus Prag. Und so geht es bei uns überall. Schauen Sie sich Ihr Investionsbudget an. Soweit es überhaupt kontrollierbar ist, werden alle Investionen ins èechische Gebiet gegeben. Von den 1500 Millionen, die im Investitionsbudget ausgewiesen erscheinen, gehen keine 10 Millionen ins deutsche Gebiet. Und weiter. Was geschieht bei den Eisenbahnen? Wieder ist der Herr Eisenbahnminister nicht da und es bedrückt mich, in seiner Abwesenheit davon sprechen zu sollen. Ausgelöst wurde ja diese ganze tiefe Empörung durch die Rede, die der Herr Eisenbahnminister in Laun gehalten und in der er angekündigt hat, daß 7000 deutsche Eisenbahner deshalb, weil sie die Sprachenprüfung nicht bestanden haben, aufs Pflaster geworfen werden sollen. (Výkøiky na levici.) 7000 Eisenbahner mit ihren Familien sollen brotlos gemacht werden, 7000 deutsche Arbeiter sollen entlassen werden, weil sie die Sprachprüfungen nicht bestanden haben. Meine Herren! Sie wissen wohl, wie die Arbeiter arbeiten müssen; Sie wissen sehr gut, daß gerade bei der Eisenbahn der Achtstundentag kein Heiligtum ist, ein solcher Arbeiter, und ob er jetzt Oberbauarbeiter, Weichenwärter oder Werkstättenarbeiter ist, soll sich nach achtstündiger schwerer Arbeit hinsetzen und eine ihm bis dahin fremd gewesene Sprache lernen! Ist das nicht einfach eine unmögliche Zumutung? Sie berufen sich auch in diesem Falle auf die kongruente Bestimmung im alten österreichischen Reglement und wissen doch ganz genau, Sie, die im èechischen Gebiete gelebt haben, wie diese Bestimmung gehandhabt wurde. Hat man mit dem èechischen Eisenbahnarbeiter im èechischen Gebiete deutsch oder èechisch gesprochen? Èechisch. (Hlas: Málo kdy!) O nein! (Sen. Kroiher: Neumìli jste èesky!) Reden Sie uns das nicht ein! Man hat mit ihnen èechisch gesprochen. Wenn es auch auf dem Papiere stand, daß die Amtssprache deutsch war, so ist diese Bestimmung doch nicht gehandhabt worden, weil es eine Unmöglichkeit ist. (Sen. Havlena: Podle slu¾ebního naøízení smìli se za Rakouska stýkati úøednì jen nìmecky!) Ja, aber es wurde nicht gehandhabt, Kollege Havlena, es wurde nicht davon Gebrauch gemacht, sondern im èechischen Gebiet hat der èechische Beamte mit dem èechischen Arbeiter èechisch gesprochen. Das werden Sie mir doch nicht abstreiten wollen! Es war auch ganz in Ordnung. Eine dumme Bestimmung des Gesetzes muß man eben durch die Praxis aufheben. Es war das vollständig in Ordnung. Aber genau so sollten Sie jetzt handeln. (Sen. ©»astný: Pøed pøevratem to bylo v Èechách!) Ale není pravda, bylo naøízení, ale nedìlalo se to. Ich habe das hundertmal beobachtet, ich bin doch damals auch nach Prag durch èechisches Gebiet gefahren. Und, meine Herren, dasselbe droht unseren übrigen Staatsbeamten - ich rede den Herren schon viel zu lange, aber mir auch. - Aber ich könnte Ihnen die Fälle von den Staudinger Waggonfabriken anführen, wo der Herr Juri¹ka, der Leiter der Arbeitsvermittlungsstelle in Oderberg, Einfluß auf den Betrieb nimmt in der Weise, daß an Stelle des mit den Organisationen vereinbarten nationalen Schlüssels die Aufnahme von neuen Arbeitern in der Weise erfolgt, daß wieder mehr èechische Arbeiter und weniger deutsche aufgenommen werden. Und genau dasselbe gilt vom Drahtwerk in Oderberg, wo zwischen den Organisationen, den Betriebsausschüssen und der Unternehmung eine Vereinbarung getroffen wurde und wo sich wieder die Behörden und zwar eine Kommission, bestehend aus dem politischen Beamten Dr. Kulhánek, Polizeikommissär Dr. Müller und eben diesem Herrn Juri¹ka eingemischt hat, an Ort und Stelle gekommen ist, Erhebungen gepflogen und die mit allen Organisationen geschlossene Vereinbarung umgestoßen hat. Und meine Herren, es war der Herr Kollege Luke¹, der, als man die andesarbeitsvermittlungsstelle in Schlesien einführen wollte, den Gemeinden das damit mundgerecht machen wollte, daß er sagte, diese Arbeitsvermittlungsstellen würden ja gleichzeitig dazu dienen, hier èechische Arbeiter unterzubringen. Sie sehen also, daß das System, daß die Regierung und die Beamten der Regierung in allen ihren. Zweigen und in allen Fällen von A bis Z, wo sie als Arbeitsgeber auftreten, wo sie Einfluß nehmen, überall deutsche Arbeiter, deutsche Beamte von ihren Arbeitsplätzen verdränget, brotlos machen; und das, Genossen, hat in uns diese furchtbare Erbitterung hervorgerufen, zusammen mit der Schuldrosselung, der Androhung der Entlassung von 7000 deutschen Eisenbahnern, der Androhung der Entlassung von Tausenden deutscher Staatsbeamter; alle diese Dinge und nichts anderes hat uns so erbittert. Und das sollten Sie verstehen.

Soll ich viel vom Militarismus dieses Staates reden? Soldatenselbstmorde lesen, wir Tag für Tag in den Zeitungen, Soldatenmißhandlungen kommen vor, wie in jeder Armee. Die massenhaften Unfälle im Flugwesen unserer Armee im Gegensatz: zum Zivilflugwesen zeigen, wie sehr hier alles im Argen liegt. Wenn wir nur zwei Ziffern gegenüberstellen, werden Sie finden, daß die Ausgaben für die Armee im Budget 1856 Millionen betragen, dagegen, im alten Österreich 301 Millionen Kronen im Jahre 1913. Wenn wir mit Rücksicht auf die Entwertung der Krone im Verhältnis zur damaligen Goldkrone das Sechsfache nehmen, so finden wir, daß die Èechoslovakei mit ihren 13 1/2 Millionen Einwohnern jetzt noch, nach all diesen Restringierungen, ebensoviel wie Österreich für den Militarismus verausgabt, Österreich mit seinen 35 oder 40 Millionen Einwohnern. Sie sehen, um wieviel stärker hier der Militarismus ist.

Und von der Miliz ist es ganz still geworden. Sie arbeiten Anträge aus wegen.

Herabsetzung der Dienstzeit. Alles recht schön und gut. Auch mit den Anträgen wegen Herabsetzung des Kontingents sind wir vollständig einverstanden. Aber punkto Miliz sind Sie alle miteinander ganz still geworden. Und doch ist die Miliz den Völkern dieses Staates mit dem Wehrgesetz versprochen worden. Sie ist nicht mehr da.

Meine Herren, es erübrigt sich, sich hier noch mit dem finanziellen Teile des Budgets einigermaßen zu beschäftigen. Die Finanzwirtschaft dieses Staates hat ja in der letzten Zeit in der Welt ziemlich viel Staub aufgewirbelt. Ich will mich nicht mit diesen Vorkommnissen allzu sehr befassen, aber es war doch immerhin sehr merkwürdig, daß, als der bekannte Artikel in den "Times" erschien, und zuerst hier durch das "Präger Tagblatt" veröffentlicht wurde, vor allem wie auf Kommando die èechischen Zeitungen über uns hergefallen sind und gesagt haben, daß die Deutschen dies verbrochen hätten. Sie tun so, als würde man in England das èechoslovakische Budget gar nicht lesen. Derjenige aber, der das Budget liest, sieht doch, daß das Defizit heuer noch ungefähr 1592 Millionen Kronen bträgt, 273 Milionen im ordentlichen und außerordentlichen Budget, und 1319 Millionen für Investitionen, zusammen also 1592 Millionen. Nun schickt der Herr Finanzminister seinen Schwiegersohn nach England, um eine Anleihe aufzunehmen, ( Sen. dr. Horáèek: Das hat de Bismarck auch gemacht!) Bismarck hat zwar auch seinen Schwiegersohn, den Grafen Rantzau, und sogar seine Söhne ins Ausland geschickt; allerdings waren das Leute, die schon unzählige Jahre im diplomatischen Dienste tätig waren und nicht junge Leute, bei denen das nicht der Fall ist. Aber ich mache dem Herrn Minister ja gar keinen Vorwurf daraus, vielleicht haben sich auf einem Umweg die hervorragenden finanziellen Eigenschaften unseres Herrn Finanzministers sozusagen noch bei Lebzeiten auf den Schwiegersohn vererbt. Aber glauben Sie nicht, daß es doch etwas unvorsichtig war? Die "Times" haben geschrieben, daß die Èechoslovakei einen ungeeigneten Unterhändler hingeschickt hat. Darauf ist der Finanzminister aufgestanden und hat gesagt: "Der Ungeeignete war mein Schwiegersohn. " Also, es war ein bißchen deplaziert, ein bißchen naiv, möchte ich fast sagen, und ich möchte meinen, daß die Naivität nicht eine unbedingt notwendige Voraussetzung für die Qualität eines Finanzministers ist. Aber davon wollte ich nicht sprechen, ich wollte nur sagen, daß dieser Herr stand in London war, um eine Anleihe für die Èechoslovakei aufzunehmen. Glauben Sie wirklich, daß die Bank von England, die ja in solchen Dingen das letzte Wort in England zu sprechen hat, so naiv ist, sich nicht erst denjenigen anzusehen, dem sie Geld borgen will? Und da nimmt sie - so sind die Engländer einmal und so sind auch Herr Montague und Norman als vorsichtige Kapitalisten, die sie nun einmal sind - das Budget des betreffenden Landes zur Hand und aus diesem Budget konnte sie ersehen, daß die Èechoslovakei in wenigen Jahren 80 Milliarden Schulden angehäuft hat. Aus dem Budget haben sie ersehen, daß heuer wieder ein Defizit von 1592 Millionen vorhanden ist, daß wir also das Vergnüngen haben, wenn wir keine Anleihe bekommen... (Sen. dr. Horáèek: To jsou toké rakouské dluhy!) Das mag ja sein, obzwar Herr Kollege Horáèek wissen wird, daß von der österreichischen Schuld, bisher wenigstens, keine Zinsen gezahlt wurden und auch die Bezahlung der Zinsen von den Renten in der letzten Zeit vollständig aufgehört hat. Man hört und sieht nichts mehr von der Einlösung der Renten. Die èechische Regierung ist nicht nur die Kriegsanleihe den Leuten schuldig, sondern sie bleibt ihnen auch jetzt die Renten schuldig. Aber, meine Herren, wir wissen, daß mindestens diese 1592 Millionen, wenn wir keine Anleihe auswärts bekommen, in Form neuer Kassenscheine zu den 8 Milliarden hinzukommen werden. Außerdem kommen neue Zinsen hinzu, so daß im Laufe des Jahres die Kassenscheine auf mindestens, 10 Milliarden anwachsen werde. Weiters_ wissen wir, daß in diesen Schulden noch nicht enthalten sind die 91 Millionen Dollar, die die Èechoslovakei an Amerika schuldet, das sind drei Milliarden Kè. Es kommen ferner hinzu die Schulden an Italien, England und Frankreich. Es kommen die Reparationsschulden hinzu, zusammen ein Betrag, den der Herr Minister des Äußern mit ungefähr 30 Milliarden beziffert hat. Sie wissen, daß er damals die Hoffnung ausgesprochen hat, daß dieser Betrag wesentlich herabgemindert wird. Aber wir wissen doch, daß diese Herabminderung in erster Reihe von der Regelung der interalliierten Schulden überhaupt abhängt.

Aus der Botschaft des amerikanischen Präsidenten Coolidge und aus allen seinen Reden haben Sie doch gelesen, daß Amerika nicht daran denkt, diese Schulden nachzulassen. Wir müssen uns also doch einrichten, daß wir ihnen diese horrenden Beträge noch bezahlen müssen. Und da finden Sie es dann nicht ganz selbstverständlich, daß dieser Mann in England, der doch ein Kapitalist ist, der vor allem für die Sicherheit seines Geldes Sorge tragen muß, von seinem Standpunkt sich das anschaut und Ihnen diesen Warnungsartikel in den "Times" losläßt? Meine Herren! Ich spreche mich genau so wie Sie gegen jeden Kontrollor aus, nicht so sehr aus Gründen des Prestiges, sondern deshalb, weil wir aus den Erfahrungen, die mit dem Kontrollor in Österreich gemacht wurden, wissen, daß sich die Kontrolle vor allem gegen die Arbeiter richtet. (Souhlas. ) Deshalb sprechen wir uns dagegen aus. Allerdings Sie, die Sie an der Kontrolle in Österreich mitgearbeitet haben, haben nicht das Recht, für sich die Kontrolle abzulehnen. Aber wir, die wir die Kontrolle abgelehnt haben, haben schon ein Recht, uns gegen jede Kontrolle auf das entschiedenste zu verwahren. Aber das hindert nicht, daß wir uns ernstlich mit der Frage werden befassen müssen, was mit den Finanzen unseres Staates wird. Ich will hier nicht schwarz malen, es fällt mir nicht ein, die Èechoslovakei ist ein reiches Land. Wenn nicht in diesem Staate der nationale Unfrieden herrschen würde, wenn hier nicht solche Dinge vorgingen, wie wir sie heute während der Rede des Kollegen Kovalik gesehen und angehört haben, meine Herren, wenn wir in diesem Staate alle miteinander arbeiten zur Regelung der finanziellen Schwierigkeiten und wenn sie als Mehrheit die Voraussetzungen für diese Mitarbeit schaffen würden, dann wäre es vielleicht möglich, daß wir nach und nach auch diesen Staat aus seinen finanziellen Kalamitäten herausbringen würden. Die Voraussetzungen schaffen Sie mit den Schuldrosselungen nicht, schaffen sie nicht mit der verfehlten Bodenreform, schaffen Sie nicht mit der Verdrängung des deutschen Arbeiters von seinem Arbeitsplatz, mit den unzähligen Konfiskationen, schaffen Sie nicht mit der Niederdrückung der Preße und Versammlungsfreiheit, schaffen Sie nicht mit der Niederdrückung der Demokratie und der Aufrichtung einer Oligarchie, sondern dazu bedarf es eben anderer Dinge und es tut mir nur leid, daß Herr Kollege Horáèek in seinem Referat wieder von den staatstreuen, den staatsbildenden Parteien gesprochen hat... (Výkøiky na 'pravici. )... Meine Herren, wie gefährlich ist es doch für Sie, daß Sie die Koalition mit dem Staat identifizieren! Dann ist ja die Niederlage der Koalition, die sich doch bei den nächsten Wahlen leicht erleiden kann, eine Niederlage des Staates! Begreifen Sie doch, was Sie selbst mit Ihrem Staate machen!