Pøíloha k tìsnopisecké zprávì
o 174. schùzi senátu Národního shromá¾dìní republiky Èeskoslovenské
v Praze dne 8. listopadu 1923.
1. Øeè sen.
NiessneraMeine sehr verehrten Damen und Herren! Die Rede des Herrn Außenministers Dr. Bene¹, die er in der letzten Sitzung des Hauses hier vorgetragen hat, hat in einem Teile der deutschen Öffentlichkeit eine große, überraschende Wirkung gehabt. Es wurde an der Rede die Offenheit gelobt, mit welcher der Herr Außenminister bestimmte Kapitel seines Exposées behandelt hat. In der Tat hat es auch uns sehr gefreut, daß der Herr Minister mit einer bestimmten Deutlichkeit ausgesprochen hat daß die èechoslovakische Außenpolitik unter keinen Umständen, was immer in Deutschland sich ereignem werde, eine Einmengung in die innerpolitischen Verhältnisse des Deutschen Reiches beabsichtige. Es bleibt allerdings die Frage, ob es dabei bleibt, und ob die Regierung, ob der èechoslovakische Staat, der ja nicht unabhängig, sondern bestimmten äußeren Einflüssen.. (Hluk.)
Místopøedseda dr Soukup
(zvoní): Pánové, sna¾nì prosím, aby byl zachován klid a øeèník byl sledován.Sen. Niessner (pokraèuje): ... nur zu leicht zugänglich ist, in der konsequenten Durchführung dieses Versprechens auch beharren wird. Ich will hier gar nicht untersuchen, ob der genannte Teil der Ausführungen des Herrn Außenministers dieses Lob der Offenheit und Klarheit rechtfertigt. Er hat ein paar offene Worte über Deutschland gesagt. Aber ich finde, daß in dieser Genugtuung, die sich hier ausgedrückt hat, die Tatsache zum Ausdrucke kommt, wie wenig wir bisher durch den Herrn Außenminister verwöhnt wurden. Das erinnert mich in gewissem Sinne an ein Gedicht von Mirza Schaffy. In diesem Gedichte heißt es, daß der Schah mit eigener Hand ein Manifest geschrieben hat, und alles Volk im Perserland ist staunend stehen geblieben, um die Worte zu lesen, die so klug, so klar waren. Mirza Schaffy steht aber verwundert und fragt: >Warum dies Staunen? Ist es etwas so absonderliches, wenn auch Könige verstehen, klar und deutlich zu sprechen?<
Man staunt über das Lob über die Offenheit; warum? Weil die Rede des Herrn Ministers nicht bloß das uns ja leider so oft vorgetragene undurchdringliche Wortgestrüpp enthalten hat, sondern weil er auch eine Reihe von allerdings sehr bekannten Tatsachen angeführt hat. Ich schätze und respektiere die Gewandtheit und Klugheit des Herrn Außenministers außerordentlich. Aber Klarheit und Offenheit? Ich glaube, davon wollen wir nicht sprechen. Ich meine, auch diese letzte Rede läßt nach vielen Richtungen hin viel zu wünschen übrig. Die Anerkennung, die nach dieser Richtung seiner Rede gezollt wurde, zeigt nur, wie bescheiden wir geworden sind, wenn wir jedes Fettauge auf dieser armseligen Suppe, die uns meist verabreicht wird - armselig in dem Sinne, daß uns in Wirklichkeit mit vielen Worten nichts gesagt wird - begrüßen. Ich will mich nicht der Aufgabe unterziehen, nachzuspüren, was der Herr Minister vorsiehtiger Weise verschwiegen hat. Ich will mich vielmehr daran halten, was er gesagt hat, und daraus Schlüsse ziehen.
Der Herr Außenminister hat als leitende Idee seiner Außenpolitik bezeichnet: eine Politik des Friedens, der Rekonstruktion, der Demokratie und der Sicherung des Staates. Es scheint mir, daß diese letzte Aufgabe, die Politik der Sicherung des Staates, weniger ein außenpolitisches, als ein innerpolitisches Problem ist, und daß es falsch ist, die Sicherung des Staates nur auf außenpolitischem Wege durch Bündnispolitik, durch Anschluß am die mächtigen Staaten zu fördern. Ich will ohne weiteres zugeben, daß der Herr Außenminister diese Politik der Sicherung des Staates mit voller Überzeugung betreibt, sie gut und ehrlich meint. Aber ich bin der Anschauung, daß seine Politik, wie überhaupt die Politik des èechoslovakischen Staates an einem schweren inneren Widerspruche leidet und daß beim besten Willen die Sicherung des Staates auf diesem Wege, wie sie betrieben wird, nicht bewerkstelligt werden kann. Denn diese Politik stützt sich vor allem auf die Unversehrtheit und Erhaltung der Friedensverträge, ist also eine Politik, von der wir meinen, daß sie vielleicht im Augenblicke der Sicherung des Staates dienen kann, aber nicht geeignet ist, wirklich eine Politik des Friedens, der Rekonstruktion, der Demokratie und der Erhaltung des Staates zu sein. Wir glauben also, daß es das schlechteste, oder zumindest ein sehr schlechtes Mittel ist, die Politik des Friedens auf der Grundlage der Friedensverträge, der Erhaltung und der Unverletzbarkeit der Friedensverträge zu machen.
Denn diese Verträge sind nicht der Friede, sie sind der Krieg, und sich mit ihnen verbinden, heißt, die Konsolidation aufheben, sie verschieben und verschleppen, heißt nicht, den Frieden fördern, sondern die heutigen unruhigen Zustände in Permanenz zu erklären.
Ich weiß, daß den Herrn Außenminister vor allem die Sorge um die Erhaltung des Staates in seinen heutigen Grenzen leitet. Zu diesem Zwecke geht die Außenpolitik darauf aus, Anschluß, Verbündete zu suchen, und sie hat sie vor allem in Frankreich, gefunden, weil Frankreich gegenwärtig die meisten Soldaten besitzt und weil es am unnachgiebigsten für die Einhaltung der Verträge eintritt. Ich komme hier auf die Fehler der inneren Politik zu sprechen, die ja in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Außenpolitik steht.
Wenn nicht gleich anfangs bei Gründung des Staates und in den ersten Jahren seines Bestandes und sogar bis in die heutigen Tage hinein die Fiktion des Nationalstaates aufgestellt worden wäre, wenn man es verstanden hätte, die den Staat bewohnenden Nationen heranzuziehen, wenn man es verstanden hätte, einen Vergleich mit ihnen zu finden, eine Basis der Verständigung zu konstruieren, so brauchte man heute nicht die Bajonette der Franzosen und man hätte das, was dem èechoslovakischen Staat und seiner Bevölkerung ungemein teuer zu stehen kommt, indem es uns verpflichtet, ein riesiges Heer zu erhalten, besser, wirksamer, durchgreifender auch ohne diese Bündnispolitik, ohne Anlehnung an den französischen Imperialismus, durch die Verständigung mit den anderen Nationen im Staate haben können. Es sind aber 5 Jahre nutzlos verstrichen, man hat geglaubt und glaubt bis jetzt, und glaubt noch weiter, daß wegen der außenpolitischen Lage die offizielle Politik des èechoslovakischen Staates richtig ist, und daß man es daher nicht nötig hat, an eine Verständigung zu denken; und es wurde bis jetzt buchstäblich noch kein Finger gerührt, um das Problem des Staates, das sein brennendstes, sein unaufschiebbarstes Problem sein müßte, auch nur um einen Schritt der Lösung näherzubringen. Es sind diese 5 Jahre des Bestehens der Republik eine verlorene Zeit nach dieser Richtung hin, von der wir glauben, daß sie keine guten Früchte tragen wird. Aber nicht nur daß man bisher Fehler gemacht hat, man begeht auch neue Fehler. Ich verweise hier nur auf die Reise des Herrn Präsidenten Masaryk, eine Reise, deren Begleiterscheinungen durchaus nicht geeignet waren, eine Stimmung der Versöhnlichkeit unter die Bevölkerung zu tragen. Ich will nicht von der Äußerung sprechen, daß die èechoslovakische Republik in guten und bösen Tagen zu Frankreich stehen werde, ich will auch nicht von der sehr einseitigen Beurteilung sowohl der westlichen Kultur, wie der Kultur Deutschlands sprechen, ich will nur sagen, daß bei dieser Reise and bei allen Kundgebungen, die im Rahmen dieser Reise vor sich gingen, die Mühe erkennbar war, eine Darstellung zum Ausdruck zu bringen, als wenn dieser Staat nur eine èechische Bevölkerung hätte. Man hat die Tatsache ganz übersehen, daß hier im Staat auch Millionen und Millionen andersnationaler Bürger wohnen. Viele Worte, die dort gesprochen wurden, haben unnötigerweise Bitterkeit erregt, es war unnötigerweise eine böse Saat, und wir können van dieser Reise sagen, es wäre besser gewesen, wenn sie unterblieben wäre. Diese Worte richten sich naturgemäß vor allem an den Herrn Minister des Äußern.
In der Rede des Herrn Außenministers haben wir gehört, daß die Beziehungen der Èechoslovakei z
u Frankreich herzlich und intim sind und daß diese Beziehungen in Zukunft nur noch intimer sich gestalten werden. Wir wissen, was das Wort >intim< in diesem Zusammenhang bedeutet, und Sie wissen auch, wohin die Bestrebungen abzielen, nämlich auf die Schaffung eines militärischen Bündnisses, das, wie es scheint, bis heute wohl noch nicht zustande gekommen ist, das aber offenbar auf dem besten Wege ist, geschaffen zu werden. Es ist nun gewiß sehr merkwürdig und findet bei einem großen Teil der Bevölkerung, vor allem der nichtèechischen Bevölkerung. Abweisung, daß je unnachgiebiger Frankreich wird, je dreister es sich in den Besitz der Kohlengruben des Ruhrgebietes setzt, je offenkundiger es die separatistischen Bestrebungen auf Losreißung des Rheinlandes unterstützt, je offenkundiger es wird, daß Frankreich eine Verständigung in der Ruhrfrage, in der Reparationsfrage obstruiert und hintertreibt, daß umso herzlicher und umso intimer die Beziehungen unserer Außenpolitik zur französischen Politik werden. Ich frage: das soll eine Politik des Friedens, eine Politik der Konsolidation, eine Politik der Demokratie, eine Politik der Sicherung dieses Staates sein? Ich bezweifle ganz entschieden, daß sich unsere Außenpolitik hier auf dem richtigen Wege befindet. Vor allem glaube ich, daß die Annahme falsch ist, es wäre das baste Mittel zur Sicherung des Staates, sich hinter die Verträge zu stellen und an ihrer Unverletzlichkeit festzuhalten.Es ist sicher, daß es die tiefste Sehnsucht eines jeden Volkes ist, eine Einheit zu bilden. Das war der Traum des italienischen Volkes, das war der Traum, aller Völker, dessen Erfüllung sie anstrebten. Es ist aber auch sicher, daß trotz der Vorfälle in Deutschland, trotz der Losreißungs-bestrebungen einzelner Länder vom Reichsganzen über kurz oder lang eine Wendung und Wandlung sich auch in Deutschland vollziehen wird, daß man auch in Deutschland erkennen wird, daß die Vereinigung notwendig ist. Es ist sicher, daß das, was die anderen Völker getan haben, in absehbarer Zeit auch das deutsche Volk wieder zu tun bestrebt sein wird, nämlich alle seine Angehörigen, alle seine Volksteile, wo immer sie leben, zusammenzufassen, wenigstens dort, wo ein deutsches Sprachgebiet mit dem Deutschen Reich zusammenhängt. Ich weiß, daß dieses Streben vorhanden ist oder sicher kommen wird. Wir sind uns aber auch der Tatsache bewußt, daß es trotzdem Staaten gibt, in denen Teile von Nationen leben, die losgetrennt sind von ihrer Volksgemeinschaft. Ich verweise auf die Schweiz, wo Deutsche, Franzosen und Italiener leben, ohne daß bei ihnen Losreißungsbestrebungen irgend, welcher Art sichtbar wären. Die Möglichkeit also, daß über dieses Streben nach der Volkseinheit hinweg doch bestimmte Volksteile, und wenn sie auch Millionen von Menschen umfassen, sich in einer anderen Heimat einrichten und wohlfühlen, diese Möglichkeit ist sicher gegeben. Und ich sage, sie könnte auch hier gegeben sein. Natürlich dürfte man nicht mit den Mitteln vorgehen, mit denen man bisher 5 Jahre hindurch vorgegangen ist, man dürfte nicht die bisherigen Methoden des Abstoßens, der Zurücksetzung, der Demütigung anwenden, sondern müßte sich vor allem sagen, daß es notwendig ist zu verhidern, daß in der Zukunft derartige Lostrennungsbestrebungen sich geltend machen. Es ist ein fehlerhafter Gedankengang, wenn unsere Außenpolitik glaubt, diese Sicherung unseres Staates, lasse sich nur auf außenpolitischen Wege bewerkstelligen, indem man sich auf die Bajonette des französischen Imperialismus stützt. Wir glauben, daß durch eine Politik im Innern, durch eine Verständigungspolitik diese Sicherung viel gründlicher, viel durchgreifender und viel sicherer bewerkstelligt werden könnte, als so.
Nun glauben wir, den Hauptfehler in der Politik des Herrn Außenministers darin zu erblicken, daß sie sich auf die Unverletzlichkeit der Friedensverträge stützt. Dieses Stützen auf die Friedensverträge verpflichtet uns oftmals, für Interessen einzutreten, unter dem Deckmantel dieser Politik Interessen zu fördern, die durchaus nicht die unseren sind. Wir dürfen bei all dem, was hier getan wird und was zur Konsolidierung unserer wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Verhältnisse getan und versprochen wird, bei all dem dürfen wir nicht vergessen, daß unser Schicksal des Staates, schließlich untrennbar von dem Schicksal Europas abhängt, daß wir schließlich und endlich uns nicht loslösen und nicht separieren können, daß wir nicht unberührt bleiben können von all den Dingen, die draußen vorgehen; und wenn, wie wir überzeugt sind, die Friedensverträge zum Ruin, zumindest zur schwersten und dauerndsten Schädigung der europäisehen Wirtschaft führen, so wird das nicht nur an uns nicht spurlos vorübergehen, sondern auch diesem Staate und seiner Bevölkerung schwersten Schaden zufügen. Es gibt heute schon in Europa sehr viele Staatsmänner, hervorragende Gelehrte, auch leitende Staatsmänner, welche von der Unhaltbarkeit und von der Schädlichkeit der Friedensverträge überzeugt und durchdrungen sind. Man muß aber nur staunen, daß gerade bei uns hier, bei den Machthabern dieses Staates am wenigsten noch die Überzeugung, die Erkenntnis von der Unmöglichkeit dieser Friedensverträge durchgedrungen ist. Hier steht man noch immer auf dem Standpunkte und hier hören wir nicht nur in der Presse, sondern auch in sehr offiziellen Kundgebungen immer nur wiederholen, Deutschland solle zahlen. Darin erschöpft sich die ganze Stellung, die man hierzulande zu den Friedensverträgen einnimmt, als ob es sich überhaupt nur bei den Friedensverträgen um die Zahlungspflicht, um die Reparationen Deutschlands handeln würde, als ob in den Friedensverträgen überhaupt nichts anderes enthalten wäre, als die Verpflichtung Deutschlands, eine gewisse Wiedergutmachung an die siegreichen Staaten zu leisten. Es ist leider der Inhalt der Friedensverträge entweder der großen Masse der Bevölkerung überhaupt nicht zum Bewußtsein gekommen oder dem Gedächtnis schon entschwunden. Meine Damen und Herren! Es würde für so manchen nützlich sein, ein gründliches Studium dieser Friedensverträge von Zeit zu Zeit vorzunehmen. Ich bin überzeugt, wenn die Bevölkerung den Inhalt der Friedensverträge kennen würde, es müßte sich ihrer ein Entsetzen bemächtigen darüber, welcher Wahnwitz in diesen Verträgen zu Papier gebracht worden ist. Das ist nicht zu vergleichen mit den Friedensverträgen des oder der letzten Jahrhunderte überhaupt. Das ist buchstäblieh die zu Papier gebrachte, formulierte, festgesetzte Grausamkeit, das ist die Entäußerung von aller Vernunft, von aller Besonnenheit, ist nichts als der schnaubende Rachegedanke, der in diesen Friedensverträgen niedergelegt ist, ein Schriftstück, gezeugt im Rausche des Sieges, ohne Besonnenheit, ohne Vernunft. Wir sehen, wo mit diesen Friedensverträgen die Welt heute schon hingekommen ist, wir sehen deutlich, wie die Welt läuft und wo sie, noch hinkommen wird. Meine Damen und Herren! Was die Friedensverträge enthalten, ist nicht bloß die Wiedergutmachung im allgemeinen Sinne und in dem Sinne, daß nach Möglichkeit, daß nach Kräften und nach der Leistungsfähigkeit des Volkes und des Staates diese Wiedergutmachung erfolgt, sondern in diesen Verträgen geht man mit kalter Grausamkeit darauf aus, Deutschland zu vernichten, es zu zerschlagen, seine Lebenskraft langsam, aber sicher auszutilgen bis zu ihrem letzten Rest. Das ist der leitende, Gedanke: es geht nicht bloß um Reparationsleistungen, die kapitalistischen Friedensverträge sind direkt systematisch darauf angelegt, die Wirtschaft eines anderen Staates, den man als einen gefährlichen Konkurrenten betrachtet, restlos zu vernichten, schonungslos und ohne Erbarmen. Man muß nur bedenken, es werden sich schließlich alle schneiden. Das ist eben das Furchtbare der Friedensverträge. Nicht nur daß man durch die Friedensverträge Deutschland aller Kolonien beraubt hat, daß man ihm wichtige Verkehrsmittel genommen hat, ihm nahezu seine ganze Handelsflotte genommen hat, daß man alle seine Guthaben, die privaten und öffentlichen Guthaben und Werte im Auslande schlankweg konfisziert hat, hat man ihm, was allerdings weiter kein Schaden wäre, sein ganzes Kriegsgerät, seine Kriegs-schiffe, alles vernichtet, Deutschland zur Entwaffnung gezwungen. Es wäre kein Schaden darum, wenn wir sehen würden, daß die Zerschlagung des Kriegsgeräts auch auf der anderen Seite erfolgt, wenn die Abrüstung auch bei den Siegesstaaten erfolgen würde. Man hat aber noch mehr getan. Man hat die Souveränität Deutschlands auf Jahrzehnte hinaus unmöglich gemacht, hat seine Souveränität, beseitigt, es unter eine wirtschaftliche und finanzielle Kontrolle gestellt; nicht nur daß man Millionen Deutscher unter Fremdherrschaft gestellt hat, weite Gebietsteile von Deutschland losgelöst hat - damit meine ich vor allem Öberschlesien - hat man als Ersatz für die demolierten und verwüsteten Kohlengruben in Nordfrankreich Deutschland das Saarbecken dauernd genommen. Die Kohlengruben in Nordfrankreich werden längst wieder, repariert sein, aber dauernd werden die Kohlengruben des Saarbeckens in Frankreichs Besitz übergegangen sein. Man hat Deutschland einem Unmaß von Quälereien und Demütigungen ausgesetzt, ja mehr noch als das, hat man Menschen, das deutsche Volk auf Jahrzehnte hinaus dadurch zu Heloten -, zur Sklavenarbeit verurteilen, wollen und will sie noch verurteilen, daß man dem Staat Entschädigungen auferlegt hat, so absurd, von so absolut unmöglicher Art, daß sie Deutschland nicht zu tragen imstande ist und daß schon daran die Friedensverträge scheitern müssen. (Sen. dr. Karas: Co pak v roce 1871, to nebyly také podmínky?) Gewiß, wenn Frankreich im Rahmen der Bedingungen von 1870/1871 bleiben würde, würde niemand etwas dagegen haben! Aber ich bitte den Herrn Zwischenrufer, sich die Friedensverträge zur Hand zu nehmen, dann wird er finden, daß es hier nicht bloß um die Zahlung der Kriegsentschädigung geht. Obwohl in den Bedingungen zurzeit des Krieges, in den Bedingungen der Entente und in dem Versprechen der Entente der Gedanke von Kriegsentschädigungen verworfen, wird, hat man doch Entschädigungen festgesetzt. Aber gut, möge Wiedergutmachung geleistet werden, und wir selbst anerkennen es, auch Deutschland anerkennt die Pflicht der Wiedergutmachung an, aber im Rahmen der Möglichkeit, nicht jedoch so, daß man Volk und Staat in den Abgrund stürzt, es ruiniert, ihm den Lebensatem raubt. (Sen. dr Karas: V¾dy» nic neptatili! Jak pak se znièili?) Mit solchen Argumenten kann, man schwer polemisieren, wenn gesagt wird, daß nichts gezahlt wurde. Wir sind nicht blind. Wir wissen, daß wenn der deutsche Imperialismus gesiegt hätte, er wahrscheinlich, auch, sehr, arg gewütet hätte. Der Imperialismus ist unvernünftig. Wir wissen das und wir schöpfen unsere Überzeugung aus den Kriegszielen, die die Mittelmächte aufgestellt haben. Wir wissen sehr wohl, daß unter Wilhelm II, Deutschland, wenigstens das offizielle Deutschland, von einem Machtrausch, von einem Gewaltgeist erfüllt war, der sich bitter gerächt hat und der dann schließlich dazu führen mußte, Deutschland ins Verderben, zu stürzen. Wir wissen das alles, wir wissen, daß der deutsche Kapitalismus ebenso lüstern war nach den Eisenbecken von Französiseh-Lothringen, wie jezt der französische Kapitalismus lüstern ist nach dem Kohlenbecken des Ruhrgebietes und wie er sich die Kohlenbecken des Saargebietes, angeeignet hat. Das wissen wir alles. Aber dann soll man uns wenigstens nicht sagen, daß der französische Imperialismus besser ist, auch wenn er sich uns in der Maske der Demokratie, zeigt. Dann soll man uns nicht etwas vormachen, dann soll man uns nicht die Behauptung entgegenhalten, als wenn es jetzt anders geworden wäre. Im Gegenteil. Wir behaupten, daß das, was in den Friedensverträgen niedergelegt ist, die blanke Unmöglichkeit ist, es durchzuführen, und führt man es durch, dann geht nicht bloß Deutschland zugrunde, dann geht mehr zugrunde, dann geht Europa zugrunde.
Wir sehen also, es geht hier nicht um Deutschland allein, es geht um ganz Europa.Und wenn wir betrachten, wie die Welt heute aussieht, wieviel Gährung, wieviel Unruhe, wieviel Unfriede, wieviel Gewaltgeist und wieviel nationalistischer Haß da vorhanden ist, wenn wir betrachten, wie das Wirtschaftsleben aller Staaten, der besiegten und siegreichen Staaten stagniert, sich nicht entwickeln kann, wenn, wir sehen, daß der Militarismus nicht beseitigt wurde, sondern daß die Staaten wieder in Waffen starren und noch mehr in Waffen starren als vor dem Kriege, und wenn wir sehen, wie überall sich neue Brandherde bilden, wie die Keime neuer Kriege überall gelegt sind, so müssen wir sagen: es geht nicht um Deutschland allein, es geht um mehr, es geht um das Schicksal und um die Zukunft Europas; eine Tatsache, die man heute noch nicht erkennen will, aber eine Tatsache, die immer sichtbarer wird an der ständig fortschreitenden Zerrüttung, an der ständig fortschreitenden Verwüstung der Welt. Es ist so gekommen, wie Clémenceau in einer Sitzung der französischen Kammer bei Begründung der Friedensverträge gesagt hat, daß die Verträge ein Mittel sind, um den Krieg weiter zu führen. In der Tat, der Krieg hat 1914 begonnen, er ist aber heute noch nicht zu Ende. Es ist nur eine andere Form, es reden nicht mehr die Waffen, aber der Kriegszustand in Europa dauert fort und wirkt weiter zerfressend, weiter verwüstend an Europas Wirtschaft. Vergleichen wir doch einmal Europa, wie es vor dem Kriege ausgesehen hat und wie es heute aussieht. Es war ein relativer Wohlstand vorhanden, naturgemäß angepaßt der kapitalistischen Ordnung, aber soweit als die kapitalistische Ordnung den Wohlstand der Allgemeinheit zeitigen kann, war er vor dem Kriege vorhanden; das Leben jedes Einzelnen, war ein besseres, erträglicheres, seine Existenz sicherer gestaltet, die Welt war auf einer weit größeren Höhe des Fortschrittes und der Entwicklung, durch ganz Europa ist ein Strom des Lebens hindurch gegangen, die Menschen und Staaten lebten in einer gewissen relativen Sicherheit und ebenso war auch die allgemeine Friedensstimmung eine ganz andere, als es heute der Fall ist. (Místopøedseda Kadlèák ujímá se pøedsednictvi.) Doch wenn wir uns heute die Welt ansehen, so sehen wir überall nur Unsicherheit, Verfall, Stagnation, Zerstörung, Arbeitslosigkeit, wir sehen Millionen von Menschen in Europa herumirren, die nach Arbeit suchen, sie aber nicht finden, wir finden einen gesteigerten, bis zum Fanatismus gediehenen. Völkerzwist überall, so daß man für die Zukunft die ärgsten Besorgnisse hegen muß. (Sen. Albert Friedrich: Das ist alles die Schuld Frankreichs!) Es ist nicht die Schuld Frankreichs, sondern vor allem die Schuld der Friedensverträge, welche dieses Element der Unsicherheit und Zerstörung in die Welt getragen und diese Zerstörung und diesen Gewaltgeist in der Welt erhalten haben. Es ist also heute niemand zufrieden, weder die Sieger, noch die Besiegten. Man zeige mir doch in Europa ein Land, das aus diesem Frieden schon Vorteil geschöpft hätte, einen wirklichen Vorteil. Stellen Sie sich vor, wie es hätte werden können, wenn, die Völker Europas nach dem Verbrechen, nach der Katastrophe des Krieges zusammen in gemeinsamer Arbeit aufgebaut hätten, was dieser Wahnsinn zerstört hat! Wo stünden wir, wie weit wären wir, wenn wir bemüht gewesen wären, die Kultur und Wirtschaft in gemeinsamer Arbeit wieder aufzubauen, anstatt in Haß und Verbitterung gegeneinander zu stehen und diesen Kriegsgeist zu verewigen in der Form der Friedensverträge, in der Festlegung dieser unerhörten Bedingungen. Ich weiß, daß es auch zum Teil Schuld des Krieges ist, wenn es noch nicht so ist, wie es vor dem Kriege war; wenn 41/2 Jahre verwüstet, gemordet, zerstört wurde, kann nicht über Nacht alles wieder emporblühen. Ich weiß, daß ein großer Teil der Schuld den Krieg überhaupt trifft. Aber meine verehrten Anwesenden, wir haben doch auch andere Kriege gesehen oder wissen ihren Verlauf aus der Geschichte, und wir wissen, daß nahezu nach jedem Kriege sehr bald wieder Prosperität eingetreten ist, ein Aufblühen und ein Gedeihen, daß sich die kriegführenden Staaten von den Wunden, die sie sich gegenseitig geschlagen hatten, wieder erholen, wieder befreien konnten. Aber heute sehen wir nur Lähmung, düstere Wolken, wir sehen nur, daß es immer ärger wird, anstatt besser, und auch wir hier sind nicht von der Entwicklung dieser Dinge, von dem Verderben, das von den Friedensverträgen ausgeht, verschont geblieben und werden nicht verschont bleiben. Wir sehen also, es wird immer trostloser, die Welt ist aus den Fugen, weil eben der Krieg weiter geht, weil man es bis jetzt nicht verstanden hat, einen wirklichen Frieden zu machen und den Gewaltgeist aus der Welt hinauszubefördern. Wo ist der dauernde Friede, von dem man in der letzten Zeit des Krieges nicht nur erwartet, sondern es direkt versprochen hat, es sollte ein Bund von Völkern entstehen, es sollte keine Geheimdiplomatie geben, es sollten alle Völker gemeinsam zusammenstehen, alle Verträge sollten öffentich sein, eine Abrüstung sollte erfolgen, alle Streitigkeiten sollten durch ein Schiedsgericht ausgetragen werden? Wo ist das alles? Eine Stelle in der Rede des Herrn Außenministers gibt uns klipp und klar die Antwort darauf. Er sagt darin, von der Abrüstung sei vorläufig nicht viel zu sagen. Nein, davon kann man wirklich nicht viel sagen, umsomehr aber von der Rüstung. Denn die Rüstung schreitet fort, nicht aber die Abrüstung, und wir sehen heute in Europa mehr Menschen unter Waffen, als vor dem Kriege gestanden sind. Wir sehen, es kommt so - die Entwicklung weist darauf hin - Deutschland geht an den Verträgen - ich weiß freilich, daß auch andere Faktoren mitspielen - zugrunde. Aber glaubt man, daß das nur Deutschland und sein Volk angeht? Glaubt man, daß das Unglück, von dem heute das deutsche Volk heimgesucht ist, stehen bleiben wird an den Grenzpfählen dieses Staates und der anderen Staaten? Glaubt man das, wenn Deutschland ein Trümmerhaufen wird, wenn dort die Anarchie ausbricht, die, wie es scheint, zu kommen droht? Wir glauben nicht daran, daß sich dort eine Diktatur von rechts halten kann, wie sich kaum auch eine Diktatur von links wird halten können. Was dann? Die reine Anarchie, nachdem man die Demokratie erschlagen hat. Glauben Sie, das alles geht uns nichts an, die Verheerungen, die dort angerichtet werden und sich vollziehen, werden Halt machen an den Grenzen der anderen Staaten und auch dieses Staates? Ich meine wenn schon nicht die Menschlichkeit bestimmend ist, Einhalt zu tun, Deutschland zu quälen und die Politik der Quälerei Deutschlands zu unterstützen, müßte es die Erkenntnis sein, daß wir uns ins eigene Fleisch schneiden, wenn wir diese Forderung der französischen Politik dulden und mitmachen.