Ich finde noch einen zweiten Fehler. Es wäre wichtig gewesen, wenn, man, im Gesetz festgelegt hätte, daß man auch dieser Kommission, die die Tiere besichtigt und lizenziert, ein Veterinärorgan beigezogen hätte, welches 8 Tage vorausfährt, die Tiere mit Tuberkulin impft und sehe, ob diese Tiere auch gesund sind. Davon hängt ja auch der Erfolg der ganzen Viehzucht ab. Wenn so ein Vatertier, das in einem Jahr hunderte Nachkommen haben kann, tuberkulös ist, so ist es selbstverständlich, daß die Nachkommenschaft ebenfalls tuberkullös sein wird. Wir haben in einzelnen Bezirken es bereits obligatorisch eingeführt, daß ohne Impfung mit Tuberkulin überhaupt keine Kommission auffahren darf. Es wind mir von meinen Berufsgenossen vielleicht vorgeworfen werden, daß ich dadurch, die Stierhaltung verteuern will. Überlegen wir uns aber die Sache: Gewiß wird dieser staatliche Tierarzt nicht umsonst hinausfahren, er wird bezahlt werden müssen, aber ich glaube, daß diese Ausgabe sich im Interesse einer gesunden Viehhaltung rentieren wird, wenn wir das Vatertier tierärztlich beschauen lassen. Und dann müssen wir festsetzen - und das ist das wichtigste - daß alle kranken Vatertiere von der Nachzucht ausgeschaltet werden müssen. Bis jetzt ist dies nicht der Fall, Ich hoffe, daß wir Gelegenheit haben werden, im Verordnungswege das nachzutragen, was wir hier noch auszusetzen hätten.
Im Gesetz ist ferner auch vorgesehen, daß man eigene Zuchtgebiete einrichten soll, um eine einheitliche konstante Rasse herauszuzüchten. Ich sage hier offen: Wir sind der ganzen Sache schon 30 Jahre vorausgeeilt. Wir haben unsere Tätigkeitsgebiete im Böhmen so eingeteilt, daß wir gesagt haben: die Gebirge, der Böhmerwald oder das Vorgebirge, das Erzgebirge, das Riesengebirge, das Adlergebirge usw., das sind unsere natürlichen Zuchtgebite, die das Vieh aufziehen sollen, während unten die Rübenwirtschaften das Nutzungsgebiet darstellten. Das Zuchtgebiet soll uns die Melkkühe liefern, weil man oben im Gebirge bei der Weidewirtschaft die Nutzungstiere billiger aufziehen kann, als unten bei der Stallfütterung. Darum hätte ich erwartet, daß das Gesetz auf diejenige Richtung Rücksicht nimmt, die dieser Einteilung nachkommt, uns auch die Zugochsen liefert, die die Zuckerfabriken und die der Bauer im Rübengebiete braucht. Das ist eine nicht zu verkennende Tatsache. Es ist ganz falsch, wenn man behauptet. Viehzucht könne man überall treiben. Es kommt eben darauf an, wie man das tut. Wir haben in der deutschen Sektion des Landeskulturrates prinzipiell diese Teilung in das Zuchtgebiet und in das Nutzungsgebiet durchgeführt. Nach Blowitz, Neugedein, Tachau, Königsberg z. B. fahren die ganzen Industrieökonomien und kaufen dort ihre Zugochsen. In anderen Gebieten, wie in Mähren und Ost-Böhmen sehen wir wieder ein ausgezeichnetes Melkvieh. Dort kaufen die Abmelkwirt-Schäften des Großgrundbesitzes ihre Milchkühe. Das ist Arbeitsteilung. Und wenn wir mit einer modernen Landwirtschaft rechnen wollen, müssen wir diesem Prinzipe Rechnung tragen. Wir haben hier keine natürliche Aufzucht, weil uns die Futterflächen fehlen und weil der Boden zu kostspielig ist. Wo wir Hopfen, Gemüse und Rüben bauen können, werden wir doch nicht Weiden einrichten. Aber das minderwertige Gebiet im Böhmerwald, Riesengebirge usw. ist das natürliche Weidegebiet. Wir hatten seinerzeit einen Professor aus der Schweiz da, Professor Lauer, der auch an der Èechischen Technik einen Vortrag gehalten halt. Als wir ihn in den Böhmerwald führten, hat er uns gesagt: >Was reden Sie von der Schweiz? Sie haben ja in Böhmen noch mehr, als eine Schweiz. Sie können dieselben Erfolge haben, wie die Schweiz, aber Sie müssen so wirtschaften und so arbeiten, wie das in der Schweiz geschieht.< Dort gibt es ja bekanntlich keinen Großgrundbesitz, weil die Schweiz die älteste Republik ist und nur Kleinbauern kennt. Gerade diese Kleinbauern, die ihr Vieh selbst füttern, pflegen und putzen, die in einer Alpwirtschaft das Jungvieh aufziehen, haben uns gezeigt, was man leisten kann. Natürlich tragen verschiedene Umstände mit dazu bei. Wenn wir also in unseren Gebirgen eben solche Erfolge erzielen können, wie in der Schweiz, warum tun wir es nicht? Sogar das Erbfolgegesetz bestimmt in der Schweiz, daß das Erbrecht nur dann beansprucht werden kann, wenn der betreffende Bauer den Befähigungsnachweis, ebenso wie ein Gewerbetreibender, liefern kann. Der Handwerker muß drei Jahre lernen, dann zwei Jahre als Geselle dienen. Der Schweizer Bauer im Kanton Zürich oder in Graubünden muß mindestens 2 Jahre in einer Bauernschule theoretisch und praktisch Kenntnisse erwerben und von dem Erfolge hängt es ab, ob er die Wirtschaft übernehmen darf, Wundern Sie sich denn, wenn der Schweizer Bauer uns in der Viehzucht um 100 Jahre voraus ist? Wenn wir weiter sehen, daß dort die Landwirt schalt ein Gewerbe ist, wie jedes andere, >daß eis in der Eidgenossenschaft keinen Unterschied zwischen Gewerbe und Landwirtschaft gibt, daß die Landwirtschaft dort das erste Gewerbe ist, daß man dort den Befähigungsnachweis, vor allem den geistigen Befähigungsnachweis vom Bauer fordert, dann begreifen wir das, Der Bauer am Strickerhof im Kanton Zürich muß nicht bloß physische, sondern auch alle geistige Arbeit leisten, in der Schüfe wie in der Landwirtschaft. Das sind Momente, auf die wir achten müssen, wenn wir dasselbe erreichen wollen, wie unisere Nachbargebiete.
Ich will meine Redezeit nicht allzusehr überschreiten. Ich hoffe und wünsche, daß mit der heutigen Gesetzesvorlage die Frage der Förderung der Viehzucht nicht abgetan ist. Wir sehen in ganz Mitteleuropa eine Bewegung, die sogenannte >Grünlandbewegung<. Es ist vielleicht leichter, Getreide zu importieren als Schlachtvieh und Schweinefett oder geschlachtete Schweine, Widmen wir uns dieser großen Aufgabe der Grünländbewegung! Wenn wir unsere Statistik verfolgen, so finden wir, daß uns nach dem Bevölkerungsschlüssel, nach der Kopfzahl der Bewohner l Million Hektar Böden zur Fütterfläche fehlt. Nachdem wir abgetrennt und ein selbständiger Staat geworden sind, so müssen wir den Rechnung tragen. Wir dürfen nicht verkennen, daß auch die heutige Bevölkerung, besonders die industrielle Bevölkerung, den Fleischgenuß fortwährend steigert und wenn wir, die Landwirtschaft, unsere Mission als der Nährstand erfüllen wollen, dann müssen wir denn Rechnung tragen und müssen mehr Futterpflanzen bauen und die Viehzucht heben. Ich sage offen und ehrlich: bei diesen Preisen werden wir mit den überseeischen Ländern nicht konkurrieren können. Bei diesen Korn und Weizenpreisen ist die Landwirtschaft in Böhmen verloren. (Sen. Jarolim: Der argentinische Landarbeiter hat den fünffachen Lohn als der èechoslovakische.) Herr Kollege, Sie dürfen nicht vergessen, daß in Argentinien, Kanada und Indien auf die Einheitsfläche Boden der Körnerertrag nicht ein doppelter, sondern unter Umständen, in Mesospotamien z. B., mindestens ein fünffacher unseres Durchschnittsertrages ist. Daß wir mit diesen Leuten nicht mehr konkurrieren können, das wird jeder Mensch einsehen. Darum sage ich: Wir müssen uns an die Verhältnisse in der Weltwirtschaft anpassen. Wenn bei ums der Korn oder Getreidebau unrentabel wird, so werden Sie als Sozialdemokraten doch nicht verlangen, daß die Armee der Arbeitslosen bei der Industrie noch durch die Regimenter der Landarbeiter vermehrt werde. Das können Sie als Sozialdemokraten nicht wünschen. Darum sage ich jetzt: Es ist unsere oberste Pflicht und auch die Pflicht der Staatsverwaltung, daß sie den gegebenen Verhältnissen Rechnung trägt. Wir, die Èechoslovakische Republik, sind ein Sandkörnchen von der Welt, wir werden nicht diktieren, in welcher Weise die Weltwirtschaft ausgeführt werden soll. Wir müssen was in die gesamte Weltwirtschaft einfügen, wenn wir überhaupt unsere Aufgabe erfüllen, und die Ernährung unserer Heimat für die Zukunft sichern wollen. Wir werden allmählich übergehen zur intensiven Viehzucht, zur Milchwirtschaft und zur Mastung und auch zur Schweinezucht. Sie sehen, wie viel Geld wir für dänisches und holländisches Fleisch ausgeben müßen, bei dieser Valutadifferenz! Es wäre unverständlich, wenn wir in dem starren System der Großväter hängen würden. So wie sich unser Kleingewerbe zu einer Industrie emporarbeiten mußte, um mit der Weltkonkurrenz rechnen zu können, so muß auch unsere Landwirtschaft von dem alten Standpunkt losgetrennt wenden. Jeder Bauer muß den Bleistift in der Hand haben und rechnen. Sie werden nicht widersprechen, wenn ich sage, wir müssen der großen Weltwirtschaft Rechnung tragen. Wenn bei uns ein Produktionszweig nicht mehr rentabel ist, so ist es unsere persönliche Aufgabe, aber auch die Gesamtaufgabe unserer ganzen Volkswirtschaft, daß wir uns in die Verhältnisse einfügen. Wo können wir noch rentabel mit Erfolg arbeiten? Wenn wir sehen, daß der Rübenpreis heute noch irgend einen Erfolg gibt, so ist es natürlich, daß wir in den tiefen Lagen uns mehr auf den Rübenbau verlegen und in Gebirgslagen ist es natürlich, daß wir nicht teueres. Vieh aus dem Ausland einführen, das wir mit holländischen Gulden bezahlen müssen, sondern es selbst produzieren. Dann wird unsere Landwirtschaft die Möglichkeit haben zu existieren. Sie werden nicht die Feinde der einheimischen Landwirtschaft sein wollen und es wäre unverantwortlich, wenn unsere konsumierende Bevölkerung den gegenteiligen Standpunkt einnähme. Wir selbst sagen: Wenn unsere Industrie prosperiert, so haben auch wir ein Interesse daran, denn das sind unsere natürliche Abnehmer, wir wollen nicht die Konsumenten im Auslande suchen, wir müssen sie im Inlande haben; wenn die Industrie prosperiert, dann ist auch die Möglichkeit geboten, daß auch eine Landwirtschaft existieren kann. Wir wollen nicht, daß jene Erscheinung eintritt, daß der Bauer und der Landarbeiter das Land fliehen und in die Stadt gehen muß, um das Proletariat in der Stadt noch mehr zu vergrößern und die Arbeitslosigkeit in den Industriebezirken zu einer sozialen Gefahr heranzuzüchten. Das kann gewiß nicht der Standpunkt eines Volkswirtes sein.
Also ich sage: Wir müssen zur Förderung der Landwirtschaft schreiten, gleichgültig ob wir Industriearbeiter, ob wir Fabrikanten, Gewerbetreibende oder Beamte sind, die gesamte Bevölkerung hat an der Ernährungsfrage das größte Interesse. Wir wollen nicht. Wucherer sein, und es wäre das Schädlichste, wenn die Landwirtschaft der Vorwurf treffen sollte, daß wir die konsumierende Bevölkerung bewuchern. Aber wir wollen auch für unsere Arbeit einen Lohn, und jede Arbeit, sagt der Volkswirt Röscher, ist ihres Lohnes wert. Sie werden dem landwirtschaftlichen Arbeiter nicht sagen: Du sollst Hungerlöhne beziehen, damit die Industriearbeiter hohe Löhne beziehen. (Výkøiky sen.Jarolima.) Ich bin gewiß einer, der für die Kollektivverträge eingetreten ist. Wir wollen uns nicht durch Streiks und lauter solche Sachen mit den Arbeitern heramraufen, wir wollen mit den Landarbeitern Kolektivverträge schließen, wir müssen aber die Garantie haben, daß sie auch die Verträge halten. Denn wir wollen nicht jeden Tag vor der Frage Stehen, ob nicht morgen ein Streik ausbricht. Wir wollen diese Unsicherheit in unseren wirtschaftlichen Verhältnissen nicht, die mit Schuld daran ist, daß wir so wenig investieren. Wie soll ich investieren, wenn ich nicht weiß, ob ich morgen noch auf dem Hof sitzen kann? Also, geordnete Rechtsverhältnisse zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber muß unsere Losung sein.
Das sind Fragen, die zwar nicht zur Viehhaltung gehören - verzeihen Sie, Herr Präsident, wenn ich abschweife - aber ich bin durch gewisse Zwischenrufe herausgefordert worden, zu reagieren. Wir sind uns unserer Aufgabe bewußt, und es kann kein Landwirt wünschen, daß er mit seinem Hausgenossen, mit seinen Landarbeitern in Fehde und Streit liegt. Darum haben wir Kollektiv vertrage verlangt und haben sie mit Ihnen ehrlich abgeschlossen. Ich möchte auch wünschen, daß Sie in ihrer politischen Partei auch dazu beitragen, daß wir nicht solche Elemente hingeschickt Kriegen zu Lohnverhandlungen, die überhaupt eine Lohnregelung nicht wollen. Das ist bedauerlich und Ihre Partei ist moralisch verpflichtet, wenn sie ein Interesse an ihrer eigenem Existenz hat, die Möglichkeit zu bieten, daß alle diese Streiks und Lohnkämpfe womöglich aus der Welt geschafft und überhaupt ausgeschaltet werden. Wenn Sie das ehrlich tun, dann werden Sie an uns Bundesgenossen finden und nicht Feinde und nicht Gegner. Wir wollen geregelte Verhältnisse haben. Wir wollen, Ihnen aufgrund von Kalkulationen, die wir aufstellen, was uns heute das Kilo Fleisch kostet usw., Einsicht geben, Sie können es übrigens auch selbst machen; Ihre Kleinbauern kennen ja auch rechnen und lesen, sie wollen Ihnen ausrechnen, was der Meterzentner Korn kostet, welcher Lohn entsprechen wird, um einen Meterzentner Korn zu produzieren. Je mehr Einblick Sie in unsere Verhältnisse nehmen, desto näher werden wir einander kommen. Wir verkennen durchaus nicht, daß die Lebensbedingungen der Arbeiter bei dieser Not, und Teuerung gewiß sehr schwierige sind. Würden wir unser gemeinsames Ziel erreichen, wunde ich das als den höchsten sozialen Fortschritt auf diesem Gebiete betrachten. Wollen wir ihn erreichen, müssen wir uns ehrlich zusammensetzen. Und haben wir das erreicht, dann werden wir in gegenseitigen Wettbewerb eintreten. Ich wünsche und hoffe, daß der letzte Bauernknecht und Landarbeiter eine höhere soziale Stufe erreichen könnte, daß er einmal ein eigenes Dach über seinem Haupte habe, daß der in der Natur aufgewachsene Bauern und Arbeitersohn an seinem Lebensabend sein Herz am Stück eigenen Bodens, den er sein Eigen nennen kann, erfreuen kann.
Wenn wir das erreicht haben, haben wir gegenseitig unsere Pflicht erfüllt und es soll mich nichts mehr freuen, als wenn, wir jedem Arbeiter die Möglichkeit bieten können, auf der sozialen Stufenleiter aufzusteigen und ein Kleinbauer zu werden. Auch dazu kann die Möglichkeit geboten sein. Wir haben Tausende von Beispielen, wo aus einem kleinen Landarbeiter ein tüchtiger Bauer ist. Nicht beneiden werden wir ihn, sondern wir werden uns freuen, daß er in seinen Berufe eine höhere soziale Stufe erreicht hat, um an seinem Lebensabende nicht von Tür zu Tür betteln gehen zu müssen, daß er vielmehr dann eventuell eine Rente, die Rente der Sozialversicherung genießen kann. Wenn wir dieses Ziel erreicht haben, dann, glaube ich, können wir zufrieden sein. Wir können nebeneinander und miteinander leben. Das wünschen wir auch durch diese Gesetzesvorlage erstreben zu können, und ich erkläre, daß wir für diese Gesetzvorlage stimmen werden, nachdem der Antragsteller zwei Anträge, die wir gestellt haben, mit in das Gesetz aufgenommen hat. (Souhlas a pochvala na levici.)