Aber nicht nur in dieser Beziehung haben wir Klage zu erheben, sondern auch inbezug auf die Ausgestaltung, beziehungsweise die Erhaltung des Bestehenden. Es ist ja richtig, daß, wenn wir das große Unrecht betrachten, welches dem mittleren und dem niederen deutschen Schulwesen bisher angetan worden ist, jenes, das dem deutschen Hochschulwesen bisher angetan wurde, wenig in die Wagschale fällt. Die deutschen Hochschulen hat man bisher nicht vollkommen hergenommen. Durchaus nicht, man hat sie, sagen wir, etwa bis zu einem erträglichen Maße ungeschoren gelassen. Aber es ist darauf hinzuweisen, daß notwendige Ausgestaltungen von Einrichtungen, die bestehen, nicht durchgeführt wurden. So fehlt uns eine unbedingt notwendige deutsche chirurgische Klinik. Die Zustände, die an der chirurgischen Klinik herrschen, sind geradezu haarsträubend. Sie sind hier oft und oft geschildert worden, und noch heute warten wir vergebens auf eine Besserung. Vergebens durchsuchen wir das Investitionsbudget nach einem kleinen Beitrag, nach einer ersten Rate zum Bau einer deutschen chirurgischen Klinik. Nichts von all dem ist zu finden. Das Gleiche gilt für die deutsche Ohrenklinik und insbesondere für die Poliklinik auf dem Obstmarkte. Aber nicht nur das. Man hat uns auch die seinerzeit der deutschen Klinik angeschlossene deutsche Hebammenschule glatt gesperrt, und heute noch existiert keine deutsche Hebammenschule. Es wird immer davon gesprochen, ja, ja, demnächst wird sie eröffnet werden. Aber auca das scheint ein Politikum geworden zu sein. Es ist nicht einmal möglich, diese Kleinigkeiten durchzusetzen.
Aber ich muß auch Kritik üben an dem, wie man für die Zukunft vorsorgt. Es macht den Eindruck, daß man versucht, Angelegenheiten, die eigentlich nur in die Universität und in die Technik gehören, in Zukunft derart zu losen, daß man sogenannte Staatsinstitute schafft und damit dieses Arbeitsgebiet den Universitäten entzieht. Dadurch, daß sie Staatsinstitute werden, werden sie natürlich èechisch und auf diese Weise werden die Universitäten indirekt geschmälert, vielleicht momentan nicht, sicher aber in der Zukunft. Ich erinnere z. B. an das zahnärtliche Institut. Das Ministerium für Volksgesundheit hat geplant, daß die Zahnärzte von nun an in einem eigenen staatlichen zahnärztlichen Institute erzogen, spezialistisch ausgebildet werden sollen. Bisher wurden die Zahnärzte selbstverständlich, wie auch andere Spezialgebiete der Medizin an der medizinischen Fakultät unterrichtet. Jetzt soll das sozusagen vereinigt und dieses zahnärzliche Institut soll so rein èechisch werden. Heute eben bekommen wir die Antwort auf einen Resolutionsantrag, den wir im Vorjahre, glaube ich, hinsichtlich der Errichtung einer sozialärztlichen Akademie an den medizinischen Fakultäten unter gleichzeitiger Reform des Unterrichtes der Physikats-, bzw. der Amtsärzte gestellt haben. In dieser Antwort heißt es, das Ministerium für öffentliche Gesundheitspflege plane mit amerikanischer Unterstützung der >Rockfeller Fondation< ein großes Gesundheitsinstitut zu schaffen, und in diesem sollten auch in Zukunft die Amtsärzte erzogen werden. Also auch hier wieder sehen wir die Tendenz, den Universitäten, bzw. in diesem Falle den medizinischen Fakultäten das wegzunehmen, was ihnen, gebührt und was sie bisher hatten. Gegen diese Tendenz müssen wir schon heute mit Kraft und Energie Einspruch erheben.
Aber wenn wir uns noch weiter ansehen, was die einzelnen Institute an Dotationen erhalten, müssen wir sagen, daß es geradezu lächerlich ist, daß diese Summen noch immer die gleiche Höhe aufweisen wie vor dem Kriege. Hier im dieser Beziehung haben sich die Verhältnisse aber nicht gebessert, im Gegenteil, wir kämpfen hier mit den allergrößten Schwierigkeiten. Die Forschungsbedürfnisse sind teuerer als je und dazu ist noch gekommen, daß die Druckkosten, die wir selbst zu tragen haben, ins ungemessene gestiegen sind. Und all dem trägt die Regierung im Unterrichtsbudget gar keine Rechnung. Allerdings, ich will nicht leugnen, daß die Unterrichtsverwaltung Überschreitungen der einzelnen Institutsdotationen wohlwollend behandelt; sie übernimmt Überschreitungen zur Zahlung. Aber leider Gottes, läßt sie ungeheuer lang auf die Zahlungen warten. So weiß ich aus eigener Erfahrung, daß ich im vorigen Jahre eine Rechnung zur Begleichung eingereicht habe, und jetzt bekomme ich vom Lieferanten die Nachricht, daß sie noch immer nicht bezahlt ist. Das alles sieht in der Tat nicht darnach aus, als ob das deutsche Hochschulwesen besonders gefördert würde. Im Gegenteil, es macht den Eindruck, daß es niedergehalten und unterdrückt werden soll. Ich kann mich nicht des Eindruckes erwehren, daß hier eine Tendenz, ein bestimmtes Ziel verfolgt wird, daß sich auch hier wieder, möchte ich sagen, ein Teil der von Frankreich vorgeschriebenen Politik äußert, das Deutschtum nicht nur in Deutschland, im Deutschen Reiche, sondern überall, wo es ist, niederzuhalten. Das beste Mittel dazu ist natürlich, das Schulwesen, auch das Hochschulwesen klein zu machen.
Ich möchte hier noch ein paar Worte über das nationale Moment sagen. Wundern Sie sich nicht, aus dem Munde eines Sozialdemokraten auch in dieser Beziehung Einiges zu hören; aber es ist nicht möglich, die Schulfrage anders zu behandeln. Es handelt sich ja nicht um nationalistische Tendenzen. Bedenken Sie, daß die Nation zum unverläßlichen Individualeigentum eines Menschen gehört, sie ist so wie sein Name und vieles andere mit ihm verbunden und muß geschützt werden, und sie wird auf den Schute unserer Partei rechnen können, wie sie auch stets von uns geschützt worden ist. Das hat nichts mit Nationalismus zu tun und jedenfalls dürfen die Vorwürfe und Forderungen, die ich erhebe, durchaus nicht benutzt werden, etwa die nationalistischen Tendenzen, wie sie leider Gottes gegenwärtig an unseren Universitäten herrschen, zu schützen. Solche nationalistische Tendenzen machen sich heute an allen Hochschulen breit, nicht nur an den deutschen, wie ich gleich beweisen werde, wenn ich etwas über die ukrainische Universität in Prag mitteilen werde. Wir verurteilen und bekämpfen diese nationalistischen Tendenzen insbesondere an den Universitäten und das gerade in ihrer häßlichsten Auswirkung, im Antisemitismus, wie er sich namentlich an der deutschen Universität nun einmal breit gemacht hat. Ich kann den Antisemitismus als nichts anderes als einen ganz primitiven, auf der niedersten Stufe stehenden Völkerhaß bezeichnen, wenn er auch noch so sehr mit einem wissenschaftlichen und sachlichen Mäntelchen verbrämt sein mag.
Die Sache ist einfach so. Überall an Stellen, wo Völker miteinander gemischt sind, an den Grenzen zwischen Italien und dem Deutschtum, zwischen Frankreich und dem Deutschtum, zwischen Deutschland und Dänenmark, zwischen Èechen und Deutschen, überall an den Grenzen gibt es diesen Völkerhaß. Und überall arbeitet er mit den gleichen Argumenten, das heißt, es wird der anderen Nation alles Üble in die Schuhe geschoben, die Schuld für die wirtschaftliche Notlage und alles mögliche. Die Juden haben das Unglück, daß sie sich als Voilfc erhalten haben meist wegen der Beibehaltung ihrer religiösen Einrichtungen, und so sind sie ein Zwischenvolk geworden, welches nicht nur an einzelnen Grenzen sitzt, sondern auf der ganzen Welt verbreitet ist. So ist es gekommen, daß der primitive Antagonismus der Völker sich insbesonders auf die Juden konzentriert hat und es sozusagen einen internationalen Antisemitismus geben kann. Aber besonders häßlich erscheint er mir an den Hochschulen. Das, was man als >Verjudung< der Hoohschullen bezeichnet und womit man sich bestrebt, zuerst vielleicht den Rektor, dann die Professorenschaft und schließlich auch die Hörerschaft möglichst judenrein zu erhalten - ich erinnere Sie daran, daß der nulmerus clausus in Wien so gut wie beschlossen ist - dieses Schlagwort und der Kampf gegen die Verjudung der Universitäten ist in diesem speziellen Falle - sonst will ich über den Antisemitismus nicht sprechen - nichts als purer Neid und Mißgunst. Als langjähriger Hochschullehrer habe ich in Wien und in Prag die Erfahrung gesammelt, daß sich gerade unter den jüdischen Studenten mehr solche Leute finden, welche fleißig sind, die wissenschaftliche Interessen haben und daß infolgedessen der jüdische Hochschüler im allgemeinen die anderen ein bischen überragt. Gegen diese Tatsache können wir uns nicht wehren. Das ist jedoch nicht die Ursache des Antisemitismus, es sind auch nicht die Rasseneigentümlichkeiten, auch keine wirtschaftlichen Gründe, durchaus nicht Gerade in den Kreisen, die ich beobachten konnte, befanden sich zufälligerweise Söhne unbemittelter Leute, die ihren Stadien sogar vielfach unter persönlichen Opfern oblagen. Wenn nun gegen die Juden in so höchst unkollegialer Weise gekämpft wird, und zwar nicht nur gegen den jüdischen Rektor und die Professoren, sondern sogar gegen die eigenen Kollegen, gegen die Studenten, hat das gar keinen anderen Grund, als sich durch diesen primitiven Haß gegen das andere Volk auf irgendeine Weise das Studium zu erleichtern und namentlich den Konkurrenzkampf herabzusetzen. Gegen diese Tendenzen, die so eng verschwistert sind mit der politischen Reaktion, müssen wir mit allen Mitteln ankämpfen, und wir tun dies. Das kann man aber nicht in der Weise tun, daß man gegen die Hochschule selbst vorgeht. Man kann nicht sagen, die Hochschule selbst sei eine reaktionäre Einrichtung. Ich gebe ohne weiteres zu, daß die Organisation unserer Hochschule der modernen Zeit nicht entspricht und daß sie in Zukunft anders organisiert werden muß. Zweifellos. Aber die Hochschule selbst an sich ist eigentlich niemals eine reaktionäre Einrichtung gewesen. Ja, im Gegenteil, wir sehen zu Zeiten die Hochschulen an der Spitze des Fortschrittes marschieren. Notwendig ist, daß Studenten und Lehrer nicht reaktionär seien, daß sie eine freiheitliche Gesinnung betätigen. Es scheint mir daher notwendig, daß wir nicht gegen die Hochschule als solche ankämpfen, sondern bestrebt sein müssen, die Hochschule mit neuem fortschrittlichen Geiste zu erfüllen. Das kann, naturgemäß in der Weise geschehen, daß die Hochschulen viel mehr, als es bisher der Fall war, allen Schichten der Bevölkerung zugänglich gemacht werden, damit die im Volke wurzelnde freiheitliche Gesinnung zur Geltung komme.
Das bringt mich auf das wichtige Kapitel der Studentenfürsorge, welche in der Beziehung das Beste leisten könnte. Wenn es uns gelingt, durch den Ausbau der Studentenfürsorge die Hochschule wirklich allen, auch den ärmsten Schichten der Bevölkerung zugänglich zu machen, dann erscheint mir dies als das beste Mittel, den reaktionären Geist an den Hochschulen zu bekämpfen. Erfeulicherweise ist für Zwecke der Studentenfürsorge in diesem Budget ein höherer Betrag ausgepfifrt, als im Vorjahre, und zwar 10 Millionen Kronen, die nicht nur für die Hochschulen allein, sondern für die ganze Studentenschaft besfiinmt sind, während im Vorjahre bloß 8.7 Millionen für die gesamte Studentenschaft eingesetzt waren. Auf die Hochschulen entfallen davon für das heurige Jahr 6.4 Millionen gegenüber 5,4 Millionen im Vorjahre. Die nicht unbedeutende Vermehrung dieser Budgetpost ist auf das wänmste zu begrüßen. Aber auch in dieser Beziehung schneiden die Deutschen sehr schlecht ab. Die deutsche Studentenfürsorge ist gegenwärtig eigentlich eine private Fürsorge, der Staat tut sehr wenig für sie und er sollte umsomehr hier etwas tun, als die Stipendien für die Universitätshörer, die ja früher an unserer Universität nicht unbeträchtlich waren, dadurch vollkommen ausgeschaltet wurden, daß alles in Kriegsanleihe angelegt worden ist. Von den zahlreichen Stipendien, die an unseren deutschen Universitäten bestehen, kann fast keines verliehen werden, weil kein Geld da ist, da alles in Kriegsanleihe umgewandelt wurde. Die Studentenfürsorge liegt heute ausschließlich in den Händen des Vereines >Deutsche Studentenfürsorge<, der sich auch nur auf Prag bezieht, da die anderen Hochschulen und namentlich Brunn nicht miteinbegriffen sind. Wovon lebt dieser Studentenverein? Bedenken Sie, wir haben in Prag 3000 Universitätshörer und zirka 2200 Techniker. Es sind ihrer noch etwas mehr, da die Zahlung noch nicht beendet ist, es sind also rund 6000 deutsche Studenten da. Von denen stammt ein größerer Teil - und das muß ich hier hervorheben, weil man sonst immer der Anschauung ist, daß hier, wie in Deutschland nur bemitteltere die Hochschule besuchen können - aus unbemittelten oder minderbemittelten Kreisen. Der Verein der Studentenunterstützung lebt ausschließlich vom sogenannten Studentennotopfer und die Regierung hat bisher für diese deutsche Studentenfürsorge herzlich wenig getan. Es ist notwendig und ein Akt der Gerechtigkeit, wenn ich hier öffentlich sage, daß das größte Verdienst um diesen deutschen Verein >Deutsche Studentenfürsorge< der Professor der medizinischen Fakultät Armin Tschermak-Seysenegg hat, der sich mit der größten Energie für die Studentenfürsorge eingesetzt hat und in der Tat auch Ungeheueres geleistet hat. Zunächst konnten einmal für 350 Studenten Wohnungen besorgt werden, was natürlich noch immer sehr wenig ist. Zweitens konnte eine Studentenküche eingerichtet werden, welche eine tägliche Frequenzziffer von 1200 aufzuweisen hat. Das betrifft aber natürlich nur einen kleinen Teil der Studenten. Es ist gelungen, für die Studentenfürsorge vom Masarykfond den Betrag von 2 Millionen zu bekommen, von dem Sie wissen, daß er selbst wegen der Kriegsanleihe in Not ist. Von l Million dieses Geldes wurde ein Aufbau auf dem bestehenden Studentenheim in der Krakauergasse errichtet, so daß den deutschen Studenten, zusammen 350 Wohnungen zur Verfügung stehen. Damit ist aber noch lange nicht das Auslangen gefunden. Ein Neubau ist unbedingt notwendig und wenn man zusammen rechnet, was der Verein mit Hilfe des Studentennotopfers zusammegebracht hat und was noch fehlt - dieser Fond ist zum größten Teil aus der Tasche des Herrn Professors Tschermak gegangen, es möge dies hier in aller Öffentlichkeit gesagt sein - so ist hier die Forderung zu erheben, daß für die Studentenküche mindestens 50.000 Kronen und für die Regie der Studentenfürsorge ebensoviel jährlich notwendig ist. Was macht das nun aus auf den Köpft des Studenten? Das sind nicht mehr als 20 Kronen, die vom Staate für den Studenten verlangt werden. Das ist sicherlich nicht viel, wenn man bedenkt, was der Staat gegenwärtig für fremde, für vollkommen staatsfremde Studenten seit bereits 2 Jahren leistet.
So besteht hier in Prag ein sogenanntes Ukrainski Komitét, welches ausschließlich aus Studenten besteht, und zwar aus Polen, Ukrainern und Galiziern. Dieses Ukrainski Komitét ist ein Teil der sogenannten Ukrainska hromada. Dieses Ukrainski Komitét besitzt eine eigene ukrainische Universität, die von 1800 Studenten besucht wird, es ist dies übrigens eine ziemlich antisemitische Gesellschaft, denn Juden finden da nur sehr schwer Aufnahme, obzwar viele Ukrainer Juden sind. Diese Universität steht unter Leitung von 3 èechischen und 3 ukrainischen Universitätsprofessoren. Von diesen 1800 Studenten bekommt jeder, und zwar vom Staat monatlich 608 Kronen, dann die gesamte Kleidung und drittens die Taxen für die Prüfungen, Inskriptionsgebühren und Bücher; es ist dies also eine derart large Siudentenfürsorge, wie sie nicht einmal für die eigenen èehischen Studenten vom Staate geleistet wird. Es ist bereits darauf hingewiesen worden; ich habe mich erkundigt, wieso es kommt, daß der Staat soviel für die ukrainischen Studenten leistet und sie hier sozusagen auf eigene Kosten erhält und studieren läßt, den Studenten sogar das Studieren bezahlt. Es wurde mir gesagt, es scheine das so eine Art Reparation zu sein für das, was das èechische Militär in der Ukraine angerichtet hat; man will es auf diese Weise wieder gut machen. Ob es wahr ist, weiß ich nicht, und es wäre nicht uninteressant, aus dem Munde des Regierungsvertreters etwas darüber zu erfahren. (Sen. Reyzl: Wo sind die Posten im Budget?) Wo das im Budget versteckt ist, ist mir nicht klar geworden.
Es besteht aber auch ein Ruski Komitét, das ist besonders interessant. Es besteht aus 2400 Studenten - fast soviel wie die deutschen Studenten - welche übrigens auch stark antisemitisch sind, von diesen russischen Studenten bekommt jeder vom Staat 560 Kronen monatlich, dann die Taxen, die Bücher, die Kleidung, die Inskriptionsgebühren usw. Was sind das für Leute? Es sind fast durchgehends Angehörige der ehemaligen Wrangelarmee. Interessanterweise geht dieses Ruski Komitét nicht nur unter wissenschaftlicher Leitung, nicht nur unter Leitung des Professors Vilkow, sondern außerdem auch unter der Leitung eines Obersten Hayzi. Man kann sich denken, wenn solche Studenten auch unter der Oberaufsicht eines hohen Offiziers stehen, was da nebenbei mit den Studenten für Zwecke und Ziele verfolgt werden. Ich meine, wenn in derart larger Weise für Fremde gesorgt wird, muß auch für die eigenen Staatsbürger etwas zu haben sein, und es ist sicherlich nicht zu viel verlangt, wenn wir für unsere unbemittelten Studenten einen jährlichen Betrag von 20 Kronen verlangen, während die ukrainischen und russischen Studenten einen staatlichen Beitrag von 600 Kronen bekommen.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, daß jetzt bei der geplanten Verteuerung der elektrischen Straßenbahn in Prag selbstverständlich wieder die armen Studenten am schwersten getroffen sind. Es heißt, auch die Schülerlegitimationen sollen verteuert werden. Es ist ganz unmöglich, daß die Studenten ohne elektrische Bahn auskommen, die einzelnen Institute liegen sehr weit entfernt und es ist die Pflicht der Regierung, bei dieser Gelegenheit auf die elektrischen Unternehmungen einzuwirken, daß bei dieser Verteuerung die Studenten nicht wieder so schwer geschädigt werden. Überhaupt benehmen sich namentlich die Organe der Stadt Prag und auch die elektrische Straßenbahnverwaltung in höchst chauvinistischer und schikanöser Weise gegen die deutschen Studenten. Da komme ich auf etwas zu sprechen, was nicht nur die Studenten, sondern eigentlich alle Staatsbürger dieses Staates betrifft. Es handelt sich um den Namen. Es werden den deutschen Studenten bei Ausstellung der Legitimationen hinsichtlich der Ausfüllung derselben von der Stadt Prag die allergrößten Schwierigkeiten gemacht und man geht da soweit, daß sogar die Namen von deutschen Studenten sozusagen ins Èechische übersetzt werden müssen. Nun, Sie werden sich da erinnern, meine Herren, daß uns Mitgliedern der Nationalversammlung zugestanden worden ist, daß an unseren Namen, untren persönlichen Namen, nichts geändert wird, daß ich also nicht, wie es früher hieß. Vilém genannt werde, sondern daß mein wirklich richtiger Name Wilhelm Wiechowski beibehalten wird. Es ist das gesetzlich vollkommen begründet und ich glaube nicht, daß in dieser Beziehung für die Mitglieder der Nationalversammlung eine Ausnahme gemacht wird vor den anderen Staatsbürgern. Genau so, wie wir das Recht auf unsere Namen haben, daß sie unübersetzbar sind, haben alle anderen Staatsbürger dasselbe Recht. Diese Übersetzungspraxis führt unter Umständen oft zu höchst merkwürdigen Vorkommnissen. So z. B. ist folgender Fall mit der Frau eines Universitätsprofessors geschehen. Sie heißt Paula Zeynek. Auf dem Paß wurde selbstverständlich vermerkt: Pavla Zeyneková. Nun hatte sie ein Akkreditiv, ich glaube in Deutschland, und der Bankbeamte, der von ihr den Ausweis gefordert hat, hat zwei Namen gesehen, die beiden Namen stimmen nicht überein. Er sagte: Sie heißen Pavla Zeyneková, das ist etwas ganz anderes. Ich frage nun den anwesenden Herrn Justizminister, ob das im Gesetze begründet ist, daß auf die Weise allen deutschen Namen der deutsche Charakter genommen wird. (Výkøiky.) denn nicht nur die Prager Stadtvertretung oder die Verwaltung der elektrischen Unternehmungen, sondern alle Staatsämter gehen, in der Weise vor, so daß auf diese Weise überhaupt jeder deutsche Name aus dem Bereich der Republik, soweit er amtlich ist, gestrichen wird. Nur im privaten Verkehr gilt für uns der deutsche Name. (Výkøiky.) Ich möchte noch einmal die Anfrage stellen, ob das, was für uns Mitglieder der Nationalversammlung zugestanden ist, auch für die anderen Staatsbürger gilt. In dem Passe steht z. B. bei der Genossin Perthen nicht >Anna Perthenová< sondern Perthen. Meine Herren, in der Senatslegitimation steht auch >Anna Perthen<, und das ist auch richtig. Warum wird also bei anderen Personen nicht ebenso vorgegangen? Es handelt sich hier um den Namen, und der ist nicht èechisches Eigentum, sondern der Name ist unser Eigentum. In diesem Falle handelt es sich um ein amtliches Dokument, und da können Sie Namen denn doch nicht übersetzen. Sie könnten dann ebensogut sagen, wenn jemand Oskar Schmidt heißt, er heiße Oskar Kováø. Das ist unzulässig nach dem Gesetz.
Ich weise darauf hin, das wir sehr wesentliche praktische Nachteile haben können, wie das Beispiel zeigt, welches ich gebracht habe. Wenn ich mich nenne >Anna Perthen<, der Staat aber macht daraus >Anna Perthenová<, wird jeder gewissenhafte Menschen sagen, das sind zwei verschiedene Personen, (Výkøik.).Es handelt sich doch um ein amtliches Dokument, nicht darum, daß man es so im Èechischen sagt, sondern darum, daß das einerseits so auf den amtlichen Dokumenten steht, anderseits es aber bei den Mitgliedern der Nationalversammlung nicht geschehen ist. Wir haben in unseren Legitimationen deutsche Vornamen und auch den Zunamen ohne èechische Endung. Deswegen frage ich den Herrn Justizminister, ob die èechische Endung gesetzlich begründet ist oder ob man, auf dem Boden des Gesetzes stehend, Einspruch dagegen erheben kann, beziehungsweise daß die Behörden dazu verhalten werden, den Namen zu gebrauchen, den der Betreffende selbst angibt.
Ich möchte zum Schlüsse noch ein paar Worte über die Universitätsbibliothek sagen. Unsere öffentliche und Universitätsbibliothek befindet sich gerade zu in einem trostlosen Zustand. Es ist zu begrüssen, daß im heurigen Budget ein größeren Betrag als bisher, speziell im vorigen Jahre, für die Bedürfnisse der Bibliothek ausgeworfen ist. Aber man kann mit diesem Betrage die geradezu trostlosen hygienischen und Platzverhältnisse nicht bessern, sondern dazu ist ein Neubau notwendig, der schon längst beschlossen ist. Es ist auch der Bauplatz bereits gekauft und, das Projekt fertig. Es ist der Platz in der Nähe des neuen Rathauses in Prag, der sogenannte Marienplatz, der ganz unbebaut ist. Aber seit vielen Jahren geschieht in dieser Beziehung nichts. Es ist die Regierung dringend aufzufordern - alles ist ja schon fertig, ich weiß nicht, warum nicht gebaut wird - daß der Neubau ehestens in die Wege geleitet werde.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch noch ein Wort über die Organisation und die Inneneinrichtung der Bibliothek sagen. Ich bitte insbesondere, mich nicht zu verwechseln mit dem Kollegen Naegle, welcher große Rekriminationen wegen nichtgenügender Berücksichtigung des deutschen Elementes in der Bibliothekenbeamtenschaft erhoben hat. Ich selbst muß aber auch sagen, daß 7 deutsche Beamte unter 37 Beamten ein durchaus nichtentsprechendes Verhältnis ist. Aber ich muß anderseits zugestehen, daß keine Klagen darüber einlaufen, daß man dort etwa die Besucher chauvinistisch und schikanös behandelt. Im Gegenteil, Diener sowohl, wie die Beamten und Direktor kommen dem deutschen Publikum - das ist anzuerkennen - immer vollkommen sachlich und hilfsbereit entgegen. Aber es ist notwendig, daß in Zukunft mehr deutsche Beamte da seien, nicht allein aus dem Grunde, um einen ganz genauen Schlüssel aufrecht zu erhalten, über den sich zu einigen nicht ganz leicht wäre, sondern mit Rücksicht auf die sachliche Führung der Bibliothek. Heute steht die Sache so, daß fast keine deutschen Bücher angeschafft werden, das macht den Eindruck, alsob man nur Literatur aus den allierten Ländern, aus Rußland u. s. w. anschaffen wollte. Ganz besonders wird nicht berücksichtigt die deutsche schöne Literatur. Davon sieht man gar nichts. Wenn man bedenkt, mit welcher Leichtigkeit man heute bei dem gegenwärtigen Verhältnissen die Bibliothek durch deutsche Bücher ergänzen könnte, wo ja das fast nichts kostet, so muß man sagen, es ist ein Verbrechen, wenn diese Gelegenheit nicht ausgenützt wird. Ich weiß nicht, wem damit mehr geschadet wird, der deutschen Literatur oder der bodenständigen Bevölkerung der Republik, wenn unsere Bibliothek glaubt, die deutsche Literatur sozusagen vernachläßigen zu können.
Zusammenfassend möchte ich sagen, daß unsere Forderungen hinsichtlich der Ausgestaltung der bestehenden deutschen Hochschuleinrichtungen, dann aber auch die Forderungen hinsichtlich der Errichtung aller jener Hochschulen, die uns Deutschen in diesem Staate noch fehlen, in einer Resolution niedergelegt sind, welche wir dem Hause zur Annahme empfehlen, und ich hoffe, dass gerade von einem sozialistischen Unterrichtsminister zu erwarten steht, daß er diesen durchaus gerechtfertigten Forderungen, soweit er es imstande ist, zum Durchbräche verhelfen wird. (Souhlas a pochvala.)
4. Øeè sen. Laµo (viz str. 724 protokolu):







