Daß die wirtschaftlichen Interessen derÈechoslovakei auf einem ganz anderen Blatte stehen, daß die wirtschaftliche Unterbindung Deutschlands von. Tag zu Tag ihre verderblichen und zersetzenden Folgen immer mehr auch nach diesem Staate auswirken läßt, daß die traurigen wirtschaftlichen Verhältnisse unseres grossen Nachbarns und der Tiefstand der deutschen Reichsmark bei längerer Dauer auch hierzulande allmählich zu einer wirtschaftlichen Katastrophe führen müssen, das weiß nachgerade jeder politischer Säugling. Jedermann, der nur einigermaßen in die wirtschaftlichen Zusammenhänge einzudringen sich bemüht, muß zugestehen, daß keiner der Nachbarstaaten Deutschlands so sehr an dessen Gedeihen interessiert ist als die èechoslovakische Republik, für die das Deutsche Reich das größte Ein- und Ausfuhrgebiet darstellt. Es liegt deshalb im, ureigensten Interesse dieses Staates und seiner Wirtschaft, auch seinerseits aller daranzusetzen, um die wirtschaftlichen Zustände im benachbarten Deutschen Reiche einer raschen Besserung und Sanierung zuführen zu helfen. Wir leugnen mit der größten Entschiedenheit, daß die von Herrn Dr Bene¹ bisher getriebene Außenpolitik im wahren Sinne des Wortes eine, wie er sagte, èechoslovakische Politik ist, d. h. eine solche, welche, wie er meinte, dem èechoslovakischen Staate fromnnt, weil sie nicht die erforderliche Rücksicht nimmt auf die wirtschaftlichen Notwendigkeiten dieses Landes. Wir beharren nach wie vor auf dem Vorwurf, daß Herr Dr Bene¹ von jeher eine französierende Politik gemacht hat und dieselbe auch in Genua fortgesetzt hat. Er hat durch seine Tätigkeit in Genua und durch seine Erklärungen, die er vor seiner Abreise und nach seiner Rückkehr in beiden Häusern der Nationälitätenversammlung abgegeben hat, diese unsere Auffassung nicht nur nicht entkräftigt, sondern uns in ihr noch bestärkt. Oder ist es nicht ein Zeichen der innigsten Ideengemeinschaft zwischen der französischen Politik und der Kleinen Entente, wenn Frankreich in letzter Zeit alles daran setzt, um auch der Kleinen Entente, jedenfalls zur Stärkung seines eigenen Einflusses, Sitz und Stimme im sogenannten Hohen Rat zu verschaffen? Und wenn in der französischen Kammer der bereits genannte Deputierte Tardieu am 23. Mai pathetisch ausruft: >Die französische Armee schützt zugleich Jugoslavien und Mähren,< d. h. wohl die Èechoslovakei, so liegt für uns die Frage an den Herrn Ministerpräsidenten nahe, ob denn die Èechoslovakei, bzw. die Kleine Entente mit Frankreich ein Militärbündnis abgeschlossen habe. Auf diese Frage möchte ich vom Hern Ministerpräsidenten eine bestimmte Antwort erbitten. Die Senatoren des Deutschen parlamentarischen Verbandes und auch die der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei haben bereits am 27. April an die Regierung die dringende Interpellation gerichtet, ob es richtig ist, was die französischen Zeitungen berichteten, daß die Èechoslovakei bereit sei, an den von er französischen Regierung angedrohten militärischen oder wirtschaftlichen Zwangsaktionen gegen Deutschland teilzunehmen. Wir fordern auch heute wieder vom Herrn Ministerpräsidenten eine strikte Erklärung darüber, ob tatsächlich irgendwelche Abmachungen militärischer Art zwischen der französischen und der èechoslovakisehen Regierung bestehen oder ob alle auf einer Beteiligung an sogenannten Zwangssanktionen gegen Deutschland seitens der Èechoslovakei sich beziehenden Gerüchte und Vermutungen, welche die deutsche Bevölkerung vornehmlich an den Grenzen außerordentlich beunruhigt haben, jedweder Grundlage entbehren.

Bekanntlich hat der französische, Ministerpräsident Poincaré, diese Personifikation gallischer Eitelkeit und des borniertesten Deutschenhasses, nachdem alle seine Versuche, die er angestellt hatte wie der böse Geist hinter den Kulissen, um die Konferenz von Genua zunächst unmöglich zu machen und sodann zu sprengen, mißlungen waren, hinwiederum just an dem Tage, da der französische Delegierte zu Genua den Friedenswillen Europas bis zum äußersten betonte, in Frankreich öffentlich das Recht und die Absicht zu militaristischen Gewaltmaßnahmen gegen Deutschland proklamiert, jedenfalls um der Welt recht drastisch zu zeigen, wie weit man von dem Geiste des Friedens und des gegenseitigen Vertrauens, dessen Festigung die eigentliche Aufgabe der Genueser. Konferenz sein sollte, auch jetzt noch entfernt ist. Mit Recht hat am 29. Mai der deutsche Reichskanzler Dr Wirth im Deutschen Reichstage betont: >Es ist unmöglich, den Gedanken des Wiederaufbaues Europas in der Welt durchzuführen mit einer Politik der Termine und Drohungen mit Sanktionen. Kann man allen Völkern Frieden geben, aber gleichzeitig Deutschland Sanktionen aussetzen?< Und was in den Augen des hysterisch hochmütigen und heuchlerischen Frankreich Friedenswille und Friedensliebe zu bedeuten hat, um das richtige zu würdigen, geben Sie zu dem Reparationswahnsinn noch den Cäsärenwahnsinn hinzu, mit dem dasselbe Frankreich, das nicht aus eigener Kraft, sondern erst unter flehentlicher Zuhilfenahme aller fünf Erdteile unter Einsetzung von Truppen aller Farben, Rassen und Nationen der Welt Deutschland niederrang, im besetzten deutschen Gebiete ein System roher Gewalt und schwarzer Schmach aufrecht erhält, wie wir es selbst bei den berüchtigtesten heidnischen Tyrannen nicht angewendet finden. (Sen. Lisý: V¾dy» Vy jste na nás volali ty èernochy je¹tì za války! Vy byste byli dovedli dìlati sankce proti nám, kdybyste bývali vyhráli! - Sen. Dr. Herzigová: Eine Verteidigungsrede für die schwarze Schmach! - Sen. Luksch: Kulturgemeinschaft mit den Schwarzen! - Sen. Lisý k sen. Lukschovi: Vy jste byl jeden z tìch, kteøí nám tím hrozili v rakouském parlamentì! Vy jste nám øíkal, ¾e nás pøiskøípnete, a¾ pøestaneme dýchati. Teï se mù¾ete zlobiti, jak chcete! Co jste nám slibovali v sedmnáctém a je¹tì v osmnáctém roce? Øíkali jste, ¾e pro nás nestaèí v¹echny stromy... takové sankce jste nám vy slibovali! - Hluk. - Výkøiky: Wo haben wir das versprochen? - Sen. Lisý: Kde? V Liberci, v¹ude na svých schùzích! A podívejte se, co je tam stromù a Vy na nich dosud nevisíte! Dohoda je pøíli¹ dobrotivá proti Vám, to je povídání pro dìti! Celý svìt se tomu smìje!) Das sind keine Übertreibungen und der Herr Ministerpräsident hätte neulich dem Vortrag Korell im Deutschen Hause beiwohnen sollen, um zuhören, wie sich die Franzosen im besetzten Gebiete den Deutschen gegenüber benehmen. Selbst die drückendsten Bestimmungen des sogenannten Friedens von Versailles sind für diese französischen Kulturträger mit ihren weit mehr als 100.000 schwarzen Truppen nicht drückend genug. Und um solche Zustände, die zum Himmel schreien und die den Haß gegen das kulturschänderische und rachsüchtige Frankreich bis zur Siedehitze anfachen müssen, im besetzten deutschen Gebiet nach vier Jahren, nachdem Deutschland die Waffen gestreckt, zu dulden, besitzen wir einen Völkerbund, eilen die alliierten Mächte von einer Konferenz zur anderen. Aber solange diese Eiterbeule am Körper Europas nicht kräftig ausgestochen ist, solange nicht die Schmach der Besetzung von deutschem Gebiet weggenommen, solange Europa sich nicht schämt, gegen sein eigenes Wissen und Gewissen dem deutschen Volk allein die Schuld am Weltkriege in die Schuhe zu schieben, solange man diese heuchlerische Lüge, die zu unterschreiben man ein einziges Volk in seiner höchsten Not, um das Letzte zu retten, gezwungen hat, nicht aus der Welt schafft, solange dessen seien Sie sicher - wird kein wahrer Friede in Europa einkehren. Was hat der italienische Abgeordnete Crispi unlängst gesagt? Der Vertrag von Versailles sei ein Justizmord. an Deutschland, das den Krieg nicht gewollt und nicht veranlaßt habe. Die Wurzel alles Übels, an dem die Welt krankt, ist und bleibt der Friede von Versailles, oder genauer seine unter einem moralischen Mäntelchen angenommene unmoralische Maskierung mit dem deutschen Schuldbekenntnis.

Mögen die alliierten Mächte ihre Konferenzen in Washington, Brüssel, Cannes, Genua und demnächst wieder im Haag oder wo immer abhalten, von einem wahren Frieden in der Welt wird erst dann wieder die Rede sein können, wenn die wahre Gerechtigkeit in Europa wieder eingekehrt sein wird, jene Gerechtigkeit, welche in Genua niemand beredter und glühender vertreten hat, als das von hohem christlichen Geiste getragene apostolische Schreiben des Papstes Pius XI. an die Konferenz von Genua gerichtet hat. Dem totkranken Papste Benedikt XV. war mitten in der Abfassung einer Kundgebung zur Konferenz von Genua die Feder aus der Hand entfallen. Sein Nachfolger Pius XI. hat sie wieder aufgenommen und mit apostolischem Freimut der Konferenz ihre Aufgaben vorgehalten, die sie zu erfüllen habe. Hätte man in Genua den Ideen und Mahnungen des Papstes Rechnung getragen, dann hätte man wahrhaftig ganz andere Resultate erzielt.

Fünf bis sechs Wochen waren die Staatsmänner von über dreißig Staaten in Genua versammelt. Und das Resultat? Ich höre den Spottvers des römischen Dichters Horaz in meinen Ohren klingen: Parturiunt montes, nascetur ridiculus mus. Es kreisen die Berge, heraus kommt nur eine winzig kleine Maus. Immerhin eine Maus! Doch ich will nicht ungerecht sein. Es wäre verkehrt und unberechtigt, der Konferenz jede Bedeutung absprechen zu wollen. Wir finden schon in der Einladung der einberufenden Mächte und in so manchen auf der Konferenz gefallenen Äußerungen der maßgebenden Staatsmänner, wie auch in dem Eipose unseres Ministerpräsidenten das indirekte Eingeständnis, daß das Friedensdiktat von 1919 keine geeignete Grundlage gewesen ist für den so notwendigen Wiederaufbau Europas. Immerhin ein Eingeständnis, das als Symptom gewertet werden muß und in seiner konsequenten Auswirkung bei logisch denkenden, konsequent vorgehenden Männern eine weitere Emanzipation von der bisherigen Einstellung der sogenannten Siegerstaaten, erwarten lassen darf. Denn die tagtäglich in den Verhandlungen von Genua in die Erscheinung tretende zwiespältige Grundauffassung hat auch den hartnäckigsten Verteidigern der Friedensdiktate zeigen müssen, daß die politische und wirtschaftliche Entwicklung Europas naturnotwendig andere Wege einschlägt, als sich die unfähigen Diktatoren von Versailles und St. Germain haben träumen lassen. Ich gebrauchte absichtlich und. bewußt den Ausdruck >Friedensdiktat<, wenn auch Herr Dr Bene¹ in seiner Replik im Abgeordnetenhause vom 30. Mai glaubte, diese Charakterisierung zurückweisen zu müssen, indem er daran erinnern, mußte, daß die gesetzmäßigen Repräsentánten des deutschen Volkes das Versailler Diktat unterschrieben haben. Herr Dr Bene¹ vergißt jedoch, daß dies bloß in der höchsten Lebensnot geschehen ist, um das Letze, das Leben und die Einheit des Deutschen Reiches zu retten, und daß darum die Unterschrift unter absolutem Zwang, also ebensowenig freiwillig erfolgte, als wenn mir ein Feind die Pistole auf die Brust setzt unter Anwendung des bekannten Sprichwortes: >Friß Vogel oder stirb!<

Vielleicht hat doch Hers Dr Bene¹ in Genua etwas umgelernt, denn er hat noch in seiner vor der Abreise nach Genua am 3. April gehaltenen Rede gemeint, die Bedingungen der Friedensverträge seien nur >ein Mitfaktor<, um die chaotischen Zustände Europas zu erklären. Allein die èechoslovakischen Staatsmänner scheinen etwas langsamer zu denken,, als anderswo. Ich darf nur daran erinnern, daß es für sie drei bis vier Jahre angestrengten Nachdenkens bedurfte, um endlich sich zu der Einsicht emporzuringen, daß die Kriegsanleihe keine politische, sondern eine wirtschaftliche Frage ist. Wie es scheint, brauchen die Finanzminister hierzulande noch länger als 4 Jahre, um dieses schwierige Problem völlig auszudenken. Andere gewöhnliche Sterbliche, die keine Staatsmänner von Weltruf und keine Finanzminister sind, haben die Kriegsanleibefrage schon längst, ja von Anfang an, richtig bewertet. Doch das bloß nebenbei.

Der Herr Ministerpräsident hat ferner berichtet - und das interessiert uns Deutsche in diesem Staate in erster Linie - daß sich in Genua bei mancher der großen Mächte ein gewisses Mißtrauen gegenüber den kleinen Staaten gezeigt habe, weil sich auf dem Propagandawege die Legende gebildet hätte, als ob diese kleinen Staaten chauvinistischer und militärischer wären als die Großstaaten. Ein Ausdruck dieses Mißtrauens sei auch die Sorge um die nationalen Minderheiten in denkleinen Staaten gewesen. Ein außerordentlich wichtiges Zugeständnis für uns! Es scheint endlich auch für die Bedrückten und zum Teil ihrer natürlichen Rechte beraubten völkischen Minderheiten in der Èechoslovakei Tag werden zu sollen, da man selbst in Ententekreigen der alljährlich Millionen von Steuergeldern ver- schlingenden Lügenpropaganda der Regierung und ihrer Pressetrabanten keinen Glauben mehr schenkt. Bekanntlich war in Genua - auf Antrag des ungarischen Ministerpräsidenten unter Zustimmung von Lloyd George und de Facta eine eigene Unterkommission zur Behandlung der Minoritätenfrage aufgestellt worden, obwohl sich Dr Bene¹ in aller Schärfe dagegen, ausgesprochen hatte. Wir gehen wohl in der Annahme nicht fehl, daß in erster Linie das eigene schlechte Gewissen für ihn die Ursache bildete, weshalb er sich so sehr gegen die Behandlung des Minderheitenschutzes in Genua sträubte. Der von ihm geltend gemachte Standpunkt, daß die Genueser Konferenz bloß zur Behandlung wirtschaftlicher Fragen einberufen sei, ist doch nichts anderes, als eine gewöhnliche Ausrede, ist durch die in Genua gepflogenen politischen Verhandlungen ab absurdum geführt. Und hier in seinem in diesem hohen Hause gegebene Exposé treibt Herr Dr Bene¹ Vogelstraußpolitik, steckt den Kopf in den Sand und will sich und uns glauben machen, als ob die Minderheitsfrage durch die Friedensverträge hinreichend geregelt worden sei. Wohl hat Herr Dr Bene¹ als Außenminister in der alten Revolutionsversammlung am 30. September 1919 ausdrücklich erklärt, daß die èechoslovakische Republik das in dem Minoritätenvertrag vom 10. September 1919 zu St. Germaingegebene Wort ran vollen Maße einhalten wird. Ich möchte das Augurenlächeln sehen, wenn die èechischen Staatsmänner und Politiker sich die wahrhaft glänzende Einhaltung dieses gegebenen Wortes vor die Augen führen.

Doch mag sich Herr Dr Bene¹ in Genua oder in Genf oder wo immer gegen die Aufrollung und Verhandlung der Minderheitenschutzfrage noch so sehr sträuben: Veritas vincit, die Wahrheit siegt! So lautet sogar der Wahlspruch auf denn Wappen des Staates. Ja, die Wahrheit wird und muß siegen, sie hat schon angefangen wenigstens durchzusickern, sogar im Auslande, trotz der wertverzweigten, kostspieligen, Millionen von Kronen verschlingenden èechischen Auslandspropaganda. So hat die Union der Vöfkerbundsligen eine Kommission eingesetzt, welche die Frage des Schutzes der nationalen Minderheiten zu prüfen und der Vollversammlung der Union, die zu Pfingsten in Prag stattfindet, ihre Anträge zu unterbreiten hat. Der Vorsitzende dieser. Kommission ist der Engländer Dickinson, welcher bei der Prager Tagung das wichtigere Referat über den Minder heitsschutz erstatten wird. Er hat zu diesem Zwecke drei Monate lang die Nachfolgestaaten der Österreichischungarischen. Monarchie bereist und legt nunmehr in der englischen Zeitschrift >Good will< die aus eigener Erfahrung gewonnene Eindrücke nieder. Er sagt darin über die Èechoslovakei Folgendes: >Die Èechoslovakei hat die Vorbedingung für einen einigen und gedeihenden Staat in sich, vorausgesetzt, daß ihre Regierung die Fehler ihrer österreichischen Vorgängerinnen vermeidet. Aber wenn sie in dieser Richtung fehlgreift, so werden die schon jetzt bestehenden Strömungen der Unzufriedenheit immer an Stärke zunehmen und ihre ruhigen Gewässer in einen Wirbel verwandeln, in welchem das Schiff des èechoslovakischen Staates untergehen könnte.< Dickinson erhebt weiter in seinen Ausführungen seine warnende Stimme und meint, >die Regierungen. in Prag, Bukarest und Belgrad seien wohl ängstlich bemüht, die Minderheiten duldsam zu behandeln, das hindere aber nicht, daß diese vielfach ran eigenen Staate als Feinde behandelt werden. Denn niemals hätten die Alliierten in die Gründung eines neuen Staates wie die Èechoslovakei eingewilligt, und niemals hätten sie eine so ungeheuere Vergrößerung des rumänischen und des südslavischen Königreiches zugegeben, wenn sie nicht überzeugt gewesen wären, daß die Nationalitätenstreitig keiten, welche Österreich-Ungarn zu Falle gebracht haben, unter den neuen Verhältnissen aufhören müßten.< - (Sen. Kleèák: To s minoritami nedìláme, co Vy jste s nimi dìlali! - Sen. Kroiher: A to v¾dycky dr¾íte na Anglièany, co øeknou? - Sen. Lisý: Jak pak je to dávno, co jste volali: Gott strafe England! Mìli jste to i na fajkách napsáno!) Über diesen objektiven Auslassungen eines angesehenen Engländers von internationalem Namen sind die >Národní Listy< ganz aus dem Häuschen geraten. Wuterfüllt machen sie dem Herrn Dickinson die bittersten Vorwürfe und fordern ihn auf, bis zur Prager Pfingsttagung der Völkerbundliga seine den Deutschen, soll wohl heißen, der Wah heit günstige Meinung zu korrigieren. Dann heißt es zum Schluß in dem Blatte: >Es wäre ein unangenehmer Irrtum, wenn Herr Dickinson vermeinte, wir würden gestatten, daß der internationale Kongreß bei uns tagte und darüber entschiede, was von dem deutschen Programm schon jetzt erfüllt werden müsse.< Durch diese charakteristische Bemerkung ist eklatant erwiesen, daß die hinter den >Národní Listy< stehenden Männer und Parteien zur Führung internationaler Verhandlungen: vollständig unfähig sind. (Hluk.) Wenn sich jemand getroffen fühlt, kann ich nichts dafür.

Die >Nár. Listy< mögen sich beruhigen- Die ewige Wahrheit und Gerechtigkeit ist auf dem Marsche, ihren Laufwerden die >Národní Listy< nicht aufhalten können. Und es ist vielleicht näher der Tag, als die >Národní Listy< vermuten, wo uns Deutschen unser unsterblicher Freiheitsur dichter Theodor Körner wie 1837 wieder zurufen wird: >Frisch auf mein Volk, die Flammenzeichen rauchen! Der Freiheit eine Gasse!< (Souhlas a potlesk na levici.)

5. Øeè sen. Jelinka.

Hohes Haus! Als vorsichtiger Diplomat hat Herr Dr Bene¹ schon lange vor Eröffnung der Tagung von Genua erklärt, er verspreche sich nicht viel von dieser Konferenz, und in seinem Exposé vom 23. Mai sagte er bei Aufzählung der ihm wichtig erschienenen Einzelheiten, daß es fehlerhaft und ungerecht wäre, von einem Mißerfolg der Konferenz zu sprechen. Er bewegt sich also auch in der Beurteilung der Genueser Konferenz in der von ihm so beliebten mittleren Linie, ohne näher auseinanderzusetzen, ob ein Übergreifen nach links oder rechts der Politik des Staates, den er zu vertreten hatte, von Vorteil oder Nachteil gewesen wäre. So übergroße Reserve haben sich die übrigen Staatsmänner, welche bisher über den Verlauf der Konferenz von Genua berichtet haben, nicht auferlegt. Der führende Geist der Konferenz von Genua, Loyd George, nennt sie einen bedeutungsvollen Meilenstein auf dem Wege zum Frieden. In italienischen Blättern schreibt man und liest man von Zuversicht und Hoffnung, die der Verlauf der Konferenz verbürge, und der deutsche Reichskanzler hat gestern in der Sitzung des deutschen Reichstages folgende Worte gesprochen: >Die Ergebnisse der Konferenz sind nicht zahlreich und ihre Lösungen klein und bescheiden, aber gemessen an der großen Katastrophe der Vergangenheit sind die wichtige Fortschritte.< Als solchen Fortschritt bezeichnet Wirth das Friedenswerk von Rapallo und die wiederaufgenommene geistige Verbindung mit den ehemals feindlichen Nationen, die Fühlungnahme mit leitenden Publizisten, Staatsmännern, Politikern der Nationen, die acht Jahre nicht zusammengekommen waren. Mir will es scheinen, daß man von einem Erfolg der Tagung der Konferenz von Genua sprechen kann, und zwar zum ersten deshalb, weil das erste Mal, wie Wirth ganz richtig gesagt hat, nach dem Kriege alle Völker.Europas an einem Beratungstisch beisammensaßen, und zum zweiten deshalb, weil viele Kreise die Erwägung, ja die Notwendigkeit der Änderung der Friedensverträge nicht als Unmöglichkeit bezeichnet haben. Wenn man bedenkt, wie sich Frankreich und seine engeren Freunde gegen die Einladung Deutschlands und Rußlands sträubten, wenn man bedenkt, welche Mittel der intransigente Ministerpräsident Frankreichs angewendet hat, um diese Einladung zu verhindern, und wenn man sieht, daß trotz der von unversöhnlichem Haß diktierten französischen Politik die Konferenz doch zustande kam unter Teilnahme Deutschlands und Rußlands, so muß man wohl von einem Siege der Realpolitik, von einem Siege des Versöhnungsgedankens sprechen können. Und es hat wahrlich weder dem Prestige Frankreichs noch dem Ansehen der übrigen Mächte geschadet, daß Wirth, Rathenau und Tschitscherin an ihren Tischen saßen, im Gegenteil, die Ausführungen dieser Männer haben das Niveau der Verhandlungen um ein Bedeutendes gehoben, sie haben wichtige Angelegenheiten in den Kreis der Erörterungen gezogen, über die sonst gewiß kein Wort gesprochen worden wäre. Denn wenn auch allseits die deutsche und russische Frage als das Hauptproblem Europas verkündet wurde, in Abwesenheit der verantwortlichen Leiter der russischen und deutschen Politik wäre man über eine, wenn ich so sagen darf, platonische Aussprache nicht hinweggekommen. Und daß der deutsch-russische Vertrag just während der Konferenz von Genua publiziert wurde, ist auch auf die Habenseite der Konferenz zu buchen, denn daß diese zwei gequälten und verfolgten Völker vor dem Forum Europas den Beweis erbrachten, daß Feindschaft sich in Freundschaft wandeln kann, ist jedenfalls ein Erfolg, der Nachahmung verdienen würde, umsomehr, als er nichts anderes bezweckt, als daß sich zwei große Nationen zur gemeinsamen Wiederaufbau vereinigen und damit nicht nur sich selber, sondern ganz Europa einen großen Dienst erweisen. Einen speziellen Erfolg hätte Ministerpräsindent Bene¹ im Interesse seines Staates erzielen können, wenn er offen und klar erklärt hätte, daß der Weg, den er im Einverständnis mit der Entente eingeschlagen hat, nicht nur nicht zum Ziele, sondern die èechoslovakische Republik an den Rand des Abgrundes führte, wenn er offen und ehrlich erklärt hätte, daß er und die èechischen Regierungen unter Mißachtung des Minderheitenschutzgesetzes, unter Nichteinhaltung der im Memoire 3 zugesagten Versprechungen die brutalste Verfolgung der nichtèechischen Völker inauguriert und in seinem Lande Zustände geschaffen haben, die nur viel zu deutlich an das alte Österreich erinnern. Denn wie in diesem tobt auch bei uns in der Èechoslovakei der Kampf der Nationen, was bis jetzt jeden Staat vernichtet hat. Er hätte sagen müssen, daß es, gelinde gesagt, eine Unwahrheit war, wenn seinerzeit behauptet wurde, daß sich die Völker, die heute in der Èechoslovakei vereinigt sind, aus freiem Willen zu diesem Staat vereinigt haben. Dies vorausgeschickt, hätte Dr. Bene¹ den Mut finden sollen, ähnliche Worte zu sprechen wie der schon heute einmal genannte Andre Tardieu, der in der französischen Kammer darauf verwies, daß Frankreich seit 21/2 Jahren auf der schiefen Ebene hinabgleite und daß es die Trümmer der Friedensverträge nicht endlos werde verteidigen können. Herr Dr. Bene¹ hätte sagen müssen, daß auch in der Èechoslovakei in der Weise wie bisher der politische Kurs nicht weiter geht, und hätte, wenn er nicht genug Selbständigkeit besitzt, sich von der Entente die Ermächtigung zu einer Änderung seiner Politik erbitten können. Statt aber so zu sprechen, hält Dr. Bene¹ die Friedensverträge für das Um und Auf der europäischen Politik und, obwohl ich bin dessen überzeugt - auch er eine Revision der Friedensverträge für notwendig hält, ist er mit Frankreich schon durch die vertragsmäßig festgestellte militärische Mission so verkittet, daß er der Welt gegenüber nicht anders kann. Französisches Militäroberkommando und antifranzösische Politik sind leider sehr schwer miteinander zu verbinden.

Auf Genua folgen die Verhandlungen im Haag. Frankreich intrigiert schon jetzt gegen eine Beteiligung an der Konferenz im Haag und es wäre sehr interessant, vom Herrn Ministerpräsidenten Dr. Bene¹ zu erfahren, ob sich die Èechoslovakei im Haag auch dann beteiligen würde, wenn Frankreich nicht anwesend sein dürfte. Ich habe mir erlaubt, an den Herrn Ministerpräsidenten die Anfrage zu stellen, ob die Èechoslovakei im Haag vertreten sein wird, wenn Frankreich eventuell dieser Konferenz fern bleiben sollte. Herr Dr. Bene¹ ist nicht nur ein eifriger Verfechter der Friedensverträge, er hält auch, wie schon wiederholt erörtert wurde, die französische und englische Allianz für festgekittet, wenn auch vielleicht nicht mehr so wie vor einem Jahr, und geht über die unleugbar bestehenden tiefen Verstimmungen zwischen Paris und London mit einer die Frage als unbedeutend hinstellenden Geste hinweg. Mit umso größerem Interesse hören wir da eine englische Stimme über das Bündnis und die Friedensverträge. Es ist der bekannte Historiker Frederik Harrison, der am 17. Mai in einer großen Versammlung in London folgendes sagte>Die Zeit ist gekommen, da England nicht länger ein Bündnis aufrechterhalten kann, das auf unwahrer Freundschaft beruht. Frankreich und England verfolgen verschiedene Ziele und das müsse wir unseren Freunden und müssen wir der ganzen Welt klar machen. England kann und darf seine Unterschrift unter dem Versailler Vertrag nicht verleugnen, muß aber auf gewisse Änderungen der Friedensverträge bestehen.< Ich glaube, diese Worte beleuchten die Situation klarer als irgendein stundenlanges Exposé, das ängstlich jedes Eingehen auf die tatsächlichen Verhältnisse vermeidet.