Eine flüchtige Rundschau über die wichtigsten Gebiete des staatlichen Lebens wird uns die Antwort hierauf ganz von selbst auf die Lippen legen.

Ich beginne mit der äußeren Politik. Herr Dr. Bene¹ hat uns in seiner Programmrede gesagt, die Regierung arbeite mit an der Rekonstruktion Mitteleuropas. Aber als Mitschöpfer des so unglaublich leichtfertigen Friedenswerkes, das der. Welt keinen Frieden gebracht hat, muß der Herr Ministerpräsident doch wissen, daß man wohl von einer fortschreitenden Desorganisation und Destruktion, doch nimmermehr von einer Rekonstruktion Mitteleuropas reden kann. Das Chaos wird ja immer größer. Die sogenannten Friedensverträge und deren parteiische Durchführung - man denke nur an die Schmach in Oberschlesien - schaffen immer neueReibunszsflächen, zerstören immer wieder richtige Lebensmüglichkeiten. Wirtschaftlich kracht es in allen Fugen. Unzufriedenheit, Verdrossenheit und Verzweiflung aller Orten. Das ist die Rekonstruktion. an welcher die Regierung mitarbeitet. Und wie erfolgreich sie das tut, beweist ebenfalls wieder die oberschlesische Schmach, an welcher die Politik dieses Staates, wie der polnische Außenminister bestätigt hat, ganz ausgiebig beteiligt war.

Das beweisen aber auch die Ereignisse der letzten Wochen. Mit der vom Zaun gebrochenen, völlig unnötigen Mobilisierung, diesem skurrilen Spiel mit dem Kriegsfeuer, das leicht den ganzen Wetteil wieder in Flammen setzen konnte - damit hat man doch wahrlich.nicht der Rekonstruktion Mitteleuropas gedient. Aber. davon war ja auch nicht die Rede. Es mußten nur wieder einmal die alten Leidenschaften aufgestachelt werden. Es mußte nur wieder einmal auf der Weltbühne Vorstellung gegeben werden. Die Regiekosten hat natürlich der Steuerzahler, vor allem auch der deutsche Steuerzahler, zu tragen. Schwere Milliarden! Für die man großzügige Werke des Friedens hätte schaffen können. Sie sind einem Wahn zu liebe verpufft worden. Und dabei verriet man noch ganz ungewollt, daß doch die demokratische Republik und die Kleine Entente auf sehr schwachem Glauben stehen müssen, wenn ihnen eine rein innerpolitische Angelegenheit Ungarns, dieses knapp sieben Millionen zählenden Mittelstaates, so überaus gefährlich werden konnte. Jedenfalls aber wird Europa so nicht rekonstruiert. Nein, seien wir bescheiden, das bischen Ordnung, das wir noch haben, ist ausschließlich das Erbe der Vorkriegszeit. Aber das wird bald vierkonstruiert, bald verbraucht sein. Neues Positives wird nicht geschaffen. Und so gleichen wir und auch die Regierung dem Verschwender; der aus dem Vollen lebt, dabei aber vergißt, daß doch die Ersparnisse der Väter eines schönen Tages alle werden. Ja, Rekonstruktion täte uns not. Aber wir haben sie nicht. Sie wird nicht geleistet. Am allerwenigsten darf sich die Regierung dieses Staates rühmen, an der Rekonstruktion Mitteleuropas mitzuarbeiten.

Nun die innere Politik! Daß deren wichtigster Punkt die Bereinigung der sogenannten Nationalitätenfrage sei, scheint die Renderung allerdings zu ahnen, aber getan hat sie nach dieser Richtung noch nichts. Den Schlüssel zur Lösung dieser Hauptfrage meint Dr. Bene¹ in der Statistik gefunden zu haben. Ein verblüffend genialer Fund! Das Ergebnis der Volkszählung, von welchem doch auch die Regierung sehr gut weiß, daß es ziemlich stark "gemacht" ist. Nein, der Schlüssel zur Lösung dieser Frage heißt nur Gerechtigkeit. Die fordern wir Deutsche. Keine Zahlen! Gerechtigkeit! Nicht weniger und nicht mehr! Nur das, was uns als einem freien Volke, das leben und gedeihen will, von rechtswegen gebührt. Da, da müßte die Regierung endlich einmal Farbe bekennen. Ist dem Staate die Arbeit recht, die deutsche Hände leisten, sind ihm die Werte recht, die mit dieser Arbeit geschaffen werden - und der Kredit des Staates beruht nicht zum geringsten Teile auf, diesen Werten - sind ihm die deutschen Steuergelder höchst erwünscht und nicht minder die stramme deutsche Jugend, die ihm sein Heer füllt, dann muß ihm auch unser deutsches Volk als solches, als der Träger all dieser Wertvollen Dinge recht sein. Dann muß er aber auch der Seele dieses Volkes Rechnung tragen. In der Verwaltung, im gesamten Kultur- und Schulwesen, in sozialen und wirtschaftlichen Leben, kurz in allen Belangen, die ein Volk lebensfähig und zufrieden machen. Ich denke dabei zunächst an uns Deutsche in der sogenannten Slovakei. Wir Deutschen in der Slovakei verfolgen keinerlei abenteuerliche politische Pläne. Was man von Irredentismus faselt und ähnlichen Ideen, die bei uns in den Köpfen herumspuken sollen, ist wesentlich Gespensterfurcht, Angst vor dem eigenen Schatten, tendenziös aufgezäumte Verleumdung. Unzufrieden, verärgert und verzagt ist unser Volk, weil es für seine gerechten Wünsche nirgends Verständnis findet, weil man von ihm allerlei fordert, vor allem daß es sich rückhaltslos auf den Boden des Staates stellen möge, wobei es aber seine Forderungen stets nur abgewiesen sieht. Solange man uns aber als halbe Verbrecher behandelt, solange unsere Sprache in der Verwaltung einfach ignoriert wird, solange wir trotz aller schönen Worte unsere völkischen, kulturlichen, staatsbürgerlichen und wirtschaftlichen Belange nicht ehrlich und vollständig gewahrt sehen, solange kann es bei uns nur eins geben: ein tiefgehendes Mißbehagen, ein ganz selbstverständliches Mißtrauen. Da setze man ein! Da bessere man die ganze Lage? Aber gerade daran fehlt es. Nach dieser Richtung hin geschieht nichts. Man bringe uns Wohlwollen und Vertrauen entgegen, dann, wird sich Vertrauen auch bei uns einstellen.

Vergessen Sie nicht: Nicht wir haben uns dem èechoslovakischen Staat aufgedrängt, wir wurden, ohne erst gefragt zu sein, gewaltsam in diesen Staat hineingepreßt. Nicht wir also haben um Ihre Gunst um Ihr Vertrauen zu buhlen, sondern Sie müssen uns den Beweis liefern, daß wir zu diesem Staat Vertrauen haben können. Stellen doch vor allem Sie sich rückhaltslos auf die Grundlagen Ihres Staates! Erfassen Sie einmal diese Grundlagen! Sie sind die Grundlagen eines ausgesprochenen Nationalitätenstaates. Brechen Sie also mit dem Wahne eines Nationalstaates! Sie sind kein Nationalstaat! Das von Ihnen bisher verfolgte System des chauvinistischen Imperialismus bedeutet eine Unmöglichkeit. Chauvinistischer Imperialismus - hölzernes Eisen. Entweder - oder! Entweder imperialistisch - gut, Dann aber weg mit allem Chauvinismus! Wer Völker verschiedener Sprachen beherrschen will, darf nicht die Alleinherrschaft einer Sprache wollen. Oder chauvinistisch - gut Aber dann kein Imperialismus! Dann geben Sie uns Nichtslaven frei und beschränken Sie Ihre Herrschaft auf Ihre Siedlungsgebiete. Wir fordern diesbezüglich also eine völlig klare Richtung auf der ganzen Linie, hinsichtlich der, ganzen inneren Politik. Damit würde sich uns dann auch die Existenzberechtivung dieses Staates ganz von selbst ergeben. Wie der Einzelre seine Existenzberechtigung damit beweisen muß, daß er für die Gesamtheit etwas Positives leistet, so ist das auch bei Völkern und Staaten der Fall. Wenn Sie einen rechten Nationalitätenstaat darstellen, d. h. wenn Sie hier die Nationalitätenfrage wirklich gerecht, ich möchte sagen, mustergültig, also auch für andere Staaten vorbildlich lösen, dann erst haben Sie die Existenzberechtigung Ihres Staates in seinem gegenwärtigen Umfange erwiesen. Das bloße, durch geschickt ausgenützte Umstände bedingte Dasein des Staates ist noch lange kein Beweis für seine Notwendigkeit, für seine Existenzberechtigung.

So ähnlich ist es auch.mit der viel gerühmten Demokratie. Ach da muß uns erst gezeigt werden, daß es sich nicht bloß um billige Redensarten, sondern um Tatsachen handelt. Ich für meine Person stehe der Demokratie ziemlich skeptisch gegenüber. Aber wenn man sich schon mit besonderem Nachdruck eine demokratische Republik nennt, dann ist man auch verpflichtet, wenigstens den ehrlichen Versuch zu machen, den demokratischen Grundsatz durchzuführen. In einem demokratischen Staat hat sich alles nach dem Demos, nach dem Volke zu richten, u. zw. nicht nach einem abstrakt zusammenkonstruierten Volke, das irgendwo in Wolkenkuckucksheim wohnt, sondern nach dem tatsächlichen Volke, wie es in Raum und Zeit vorhanden ist. Wo auch nur eine Schichte des Volkes vergewaltigt wird, da gibts schon keine Demokratie mehr. Alles, auch die Staatsverfassung und die Staatsverwaltung, muß dem Volke auf den Leib geschnitten sein. Vor allem auch sprachlich. Die rücksichtslose Verwendung einer Sprache als sogenannte Staatssprache ist in einem Lande, wo ein Volk, das nach Millionen zählt, eine andere Sprache spricht, so undemokratisch als nur möglich. Und auch so unklug als, nur möglich. Insbesondere in unseren Tagen, da durch den Krieg und Umsturz die Staatssprachentheorie, wo sie geherrscht hat, gründlich abgewirtschaftet. hat. Das ist eine durchaus rückständige Theorie. Aber an Rückständigkeiten gibt es hier in Miesem Staate überhaupt keinen Mangel. Ist doch diese demokratische Republik ein Polizeistaat in folio. Man merkt es stark, daß ihre führenden Männer seinerzeit viel im zaristischen Bußland herumgereist sind. Wie sich einst Väterchen geräuspert und gespuckt, das haben sie ihm trefflich abgeguckt. Das wird jetzt unter der Spitzmarke "demokratische Republik" besonders uns Bewohnern der Slovakei als die ideale Freiheit vorgemimt. Ich lüfte meinen Hut vor dem seligen Metternich, der im großen und ganzen dieselbe, Staatskunst übte, aber wenigstens unter keinem falschen Namen. An brutalen und bornierten Schikanen haben auch seine Leute nicht mehr geleistet, als die Organe der demokratischen Republik. Wahrlich, wenn ich reche oder Slovake wäre, ich würde mich nachgerade schämen, die Worte,demokratische Republik" in den Mund zu nehmen. Denn mit den als kat exochen demokratisch geltenden Kinkerlitzchen wie Abschaffung des Adels und ähnlichem streut man doch nur politischen Waisenkindern Sand in die Augen. Der reife Kulturmensch, der sich in Geschichte und Leben umgesehen hat, weiß, wie derlei Dinge zu bewerten sind. Ein Staat, der noch nicht einmal eine parlamentarisch gemachte Verfassung, ja nicht einmal eine vom Parlament selbst festgelegte Parlamentshausordnung besitzt, der hat doch wohl noch alles zu leisten, was ihn als einen demokratischen Staat auszuweisen hätte.

Doch ich bleibe bei der Slovakei, dieser speziellen Domäne allermodernster demokratischer Regierungs- und Verwaltungs- kunst. O ja, verwaltet wird die Slovakei, und zwar so gründlich, so glänzend, daß man sagen kann, sie sei zu Tode verwaltet. Jedenfalls ist sie verwaltungspolitisch genommen ein wahres Trümmerfeld. Ein wüstes, buntes Durcheinander von alten ungarischen, alten österreichischen, neuen èechoslovakischen Gesetzen und ein womöglich noch bunteres Quodlibet von einanderoft geradezu widersprechenden Verordnungen schufen eine derartige Rechtsunsicherheit und Willkür, daß heute niemand mehr weiß, was wirklich gilt oder nicht gilt. Dazu das kostspielige Heer von Beamten und Beamtinnen, das sich zumeist ganz kopflos selber an der Arbeit hindert und nur eine Kunst aus dem "ff" versteht, den unglücklichen Staatsbürger, hauptsächlich den deutschen Staatsbürger, wenn er seine Dienste rotgedrungen in Anspruch nehmen muß, gründlich anzuflegeln. Wer seine Sache rasch und möglichst glatt durchgeführt haben will, muß ganz gehörig dahinter sein, denn sonst kann die Geschichte leicht irgendwo hängen bleiben, oder gar samt den eingereichten Akten in Verlust, geraten. Aber die Hauptsache ist, daß èehisch oder slovakisch amtiert wird, daß alle Aufschriften, sogar auf den Bahnhöfen, desgleichen rein èechisch sind, daß alle Zustelluntren, bescheide, Drucksorten u. dgl. eben,falls nur in dieser Sprache abgefaßt sind. Ob sie der deutsche Staatsbürger versteht oder nicht, ober durch sie oft in die peinlichste Verlegenheit versetzt, ja oft genug zu Schaden gebracht wird oder nicht, das ist unseren Verwaltungskünstlern einfach schruppe. Die Bevölkerunm soll eben zwangsweise slavisiert oder doch wenigstens zum Gebrauche der èechischen oder slovakischen Sprache verhalten werden. Frachtbriefe z. B. werden ja nur in diesen Sprachen angenommen. Da geht eben alles nach der Melodie "Und gehst du nicht willig, so brauch ich Gewalt". Und für solch eine elende nicht nur undemokratische, sondern volksfeindliche Verwaltung soll der deutsche Steuerzahler an 500 Kronen auf den Kopf gerechnet aufbringen und zahlen. Gegen diese Mißwirtschaft müssen wir uns entschieden verwahren. Wir sind sie mehr als satt.

Wir fordern für unser gutes Steuergeld eine europäische, pünktliche, rasche, unparteiische, unbestechliche Verwaltung, die uns nicht als Luft behandelt, sondern unserem Volkstum, unserer Sprache Rechnung trägt. Wir wollen in unserer Sprache verwaltet sein. Die Sprache ist ja kein Politikum, sondern Verständigungsmittel. In einem demokratischen Staate muß dies selbstverständlich die Sprache sein, die die Bevölkerung jeweils spricht. Demnach fordern wir für die deutschen Gegenden eine deutsche Beamtenschaft, insbesondere auch bei solchen Amtsstellen, wo unsere kulturellen, vor allem unsere Schulangelegenheiten verhandelt und erledigt werden. Es ist ein geradezu unerträglicher Zustand, daß im Preßburger Schulreferat kein einziger deutscher Beamte ist und daß unsere Schulen von slovakischen Schulinspektoren beaufsichtigt und überwacht werden. Da ist es denn nicht zu verwundern, daß unser Schulwesen in keiner Weise, ausgebaut und gefördert wird. Preßburg, dieses alte deutsche Kulturzentrum, hat noch immer keine deutsche Mittelschule, weder für Knaben noch für Mädchen. Die an einzelnen Mitteischulen eingerichteten deutschen Parallelklassen können doch nicht als ein Ersatz gelten. Wir fordern dringendst die Errichtung eines deutschen Realgymnasiums, also eine rein deutsche, deutsch geleitete und verwaltete Mittelschule. Wir wollen mit unseren Steuergeldern unser Schulwesen erhalten sehen. Zur Erhaltung slavischer Schulen zahlen wir unsere Steuern nicht. Und wie werden unsere Kulturbelange beim Preßburger Ministerium behandelt! Das Stadttheater in Preßburg, das vorwiegend mit deutschem Gelde erbaut wurde, dient nunmehr fast ausschließlich dem èechischen oder slovakischen Theaterwesen. Der deutsche Steuerzahler durfte in diesem Jahre im Hochsommer allergnädigst einige Wochen hindurch das Theater besuchen. Und dabei ist das slavische Theater natürlich leer und muß mit unseren Steuergeldern künstlich aufgepäppelt werden, da ja die angeblichen 41% Èechoslovaken in Preßbürg natürlich nur auf dem Papier vorhanden sind und jedenfalls keine entsprechende Zahl von Theaterbesuchern stellen. Wir sind unter keinen Umständen geneigt., dieses lebensunfähige slavische Theaterwesen auf Kosten unserer deutschen Kunst mit unserem deutschen Gelde zu erhalten. Wir fordern eine den tatsächlichen Verhältnissen entsprechende gerechte Verteilung der Theaterspielzeit. Für derlei Belange brauchen wir im Ministerium für die Slovakei eine deutsche Abteilung. Jetzt werden wir ja an der höchsten Verwaltungsstelle ganz verständnislos behandelt. Als eine Unzahl von Preßburger Straßen nach allen möglichen und unmöglichen mit unserer Stadt überhaupt nicht zusammenhängenden allslavischen Größen benannt wurde und wir deutscherseits auch die Berücksichtigung unseres Kulturkreises forderten, da wurden wir einfach abgewiesen.

Ja, was hätten wir nicht alles zu fordern, worüber hätten wir nicht Beschwerde zu führen! Sind wir doch auf allen Gebieten einer blinden Gewalt- und Willkürherrschaft ausgeliefert. Ich erinnere nur an die rohe Zertrümmerung. des Krönungshügeldenkmals in, Preßburg, eines Kunstwerkes, das für die Stadt einen doppelten Wert hatte, da es der Hand eines Meisters entstammte, den sie mit Stolz den ihren nannte. Der nicht endenwollende Ausnahmezustand mit seinen rücksichtslosen Ausweisungen und albernen Internierungen, die läppischen Zensurverhältnisse, das schändliche Spitzel- und Lockspitzelwesen, das brutale Hineinregierer, in unsere autonomen Körperschaften, die fortwährende Hinausschiebung der Gemeindewahlen, die bewußte und systematische Verelendung des Mittelstandes durch die noch immer nicht erfolgte Einlösung der Kriegsanleihe, die sogenannte Nationalisierung einzelner industrieller Betriebe, die schließlich dahin führen wird, daß in der demokratischen Republik gewisse Berufsarten nur dem Herrnvolke vorbehalten bleiben, und so weiter, wahrlich, es wird uns viel zugemutet und unsere ohnehin bewundernswürdige Geduld einer allzugroßen Belastungsprobe ausgesetzt.

So wollen Sie uns für Ihren Staat gewinnen. Nun, ich habe Ihnen schon,einmal gesagt: Sie sind herzlich schlechte Psychologen.Uns imponieren Sie mit dieser Politik nicht. Sie erreichen, mit ihr nur eines, und das können Sie haben, wenn es Sie darnach gelüstet: Eineherzliche Verachtung. Da werden Sie natürlich sagen: Staatsfeindschaft! Wie Sie meinen. Ich glaube, das sind gerade die rechten Freunde dieses Staates, die Ihnen offen sagen, woran er krankt und kranken muß, solange er nicht mit dem verrückten System bricht, welches auch die gegenwärtige Regierung befolgt. Wir brauchen uns mit unserer Staatsfeindschaft gar nicht so anzustrengen. Denn was wir mit ihr schließlich erreichen könnten, das besorgen Sie selbst mit Ihrer verrückten selbstmörderischen Politik auf das trefflichste und gründlichste. Wären wir wirklich die schlimmen Schädlinge, für die Sie uns halten und ausgeben, so brauchten wir bloß die schadenfrohen Zuschauer zu spielen und zu sagen: Nur so fort! Je toller, desto besser Desto rascher seid Ihr mit Euerem politischen Jägerlatein, zu Ende. Aber nein! So sprechen wir nicht. Aus dem einfachen Grunde, weil wir nun tatsäclilich mit Ihnen auf Gedeih und Verderb an diesen Staatskarren gespannt sind. Und da ist es uns nicht gleichgültig, welchen Weges er einherfährt. Stürzt er in den Abgrund, so ist das auch unser Schade. Darum müssen wir warnen und Ihren Wahn bekämpfen. Seien Sie froh und dankbar, daß wir es tun. Wenn Sie unseren Worten glauben wollten, wäre es Ihr Schaden nicht. Jedenfalls können wir Ihr System gewissenshalber nicht unterstützen. Die Regierung hat unser Vertrauen nicht, Ihren Voranschlag lehnen wir im allgemeinen und im einzelnen ab. (Potlesk na levici.)

7. Øeè sen. Knesche.

Hohes Haus! Nachdem die Kollegen meiner Partei die Forderungen der deutschen Landwirte vorbringen werden, so werde ich mich darauf beschränken die Forderungen und die Erfordernisse des landwirtschaftlichen Schulwesens zu beleuchten. Bevor ich jedoch auf das eigentliche Thema eingehe, muß ich auf die Anschuldigungen des Herrn Verordners erwidern. Es ist geradezu lächerlich, daß er ein Zeitungslüge herauszieht um daraus eine Waffe zu schmieden gegen den Sen. Jesser. Jesser war nie Monarchist, auch nicht im alten Österreich und es ist daher geradezu lächerlich und zeugt von bewußter Böswilligkeit. Doch diese Angriffe treffen nicht, denn wir können darauf hinweisen, daß der Vorwurf gegen Jesser schon längst erledigt, abgewiesen und dessen Nichtigkeit bewiesen worden ist. Aber er diene nur als Beispiel, um zu zeigen, wie gegen uns Deutsche vorgegangen wird.

Das landwirtschaftliche Schulwesen, welches ich behandeln will, ist so recht eine Blüte der neuen Zeit und muß deshalb unter diesen Gesichtspunkt genommen werden. Wie der landwirtschaftliche Beruf eng mit dem praktischen Leben verbunden ist, so soll auch die landwirtschaftliche Schule in enger Fühlung mit dem Leben stehen. Deshalb betrachtet man in unserer neuen Zeit die Entwicklung des landwirtschaftlichen Schulwesens unter wesentlich anderen Gesichtspunkten, als es früher geschehen ist. Es war der Grundgedanke des großen Albrecht Thaer, des Begründers der landwirtschaftlichen Wissenschaft, der von der Idee ausging, die Lehre mit dem Leben zu verbinden. Gerade die Landwirtschaftsschule soll mit der Praxis in engere Beziehung treten, sodaß das landwirtschaftliche Schulwesen mit den praktischen Landwirtschaftsbetrieben dauernd verbunden bleibt. Und diese Idee, meine Herren, muß heute noch als wahr anerkannt werden. Um die Landwirtssöhne für den Beruf zu erziehen, ist die Verbindung eines Wirtschaftsbetriebes mit der landw. Schule notwendig. Denn so anerkennenswert es ist, daß in der neueren Zeit so viele landwirtschaftliche Winter- und Fachschulen gegründet worden sind, so sollten gerade diese landwirtschaftlichen Schulen mit einem Ökonomiebetrieb, mit einer Wirtschaft verbunden sein. Freilich sind es die schlechten pekuniären Verhältnisse, die Finanznot überhaupt, die dagegen sprechen, aber ich glaube, daß es unendlich notwendig ist, daß unsere landwirtschaftlichen Schulen und in erster Dinie die landwirtschaftlichen Winterschulen alle in der Weise ausgestaltet werden. Es genügt nicht, daß man einer Schule beschlagnahmten Grund und Boden zuweist, es fehlt der fundus instructus, es fehlt der Stall und was zu einem ökonomischen Betrieb gehört. Böhmens Reichtum beruht in der Fruchtbarkeit der Felder und unsere Landwirtschaft, die so große. Werte schafft, kann nur dann ihre Aufgabe erfüllen, wenn alle Kräfte zusammengreifen, die Theorie und Praxis eng miteinander verbunden schon in den Schulen gelehrt wird, und der junge Mann.für den Beruf erzogen wird. Es ist eine erfreuliche Tatsache, wenn wir sahen, daß nach dem Zusammensturz die landwirtschaftliche Winterschule für die Söhne der Bauern einen gesteigerten Besuch aufweißt, daß die Landwirte selbst zur Einsicht gelangt sind, mehr als es früher der Fall war, daß die landwirtschaftliche Ausbildung, die landwirtschaftliche Schule wirklich notwendig ist. Gerade diese Form der landwirtschaftlichen Schule, die landwirtschaftliche Winterschule hat ganz besondere Beachtung und Berücksichtigung bei der landwirtschaftlichen Bevölkerung gefunden. Aber es ist eben notwendig, daß der Staat gerade diese Organisation vollende und nicht so halborganisiert und halbfertig dastehen läßt. Ich möchte ein Bild gebrauchen: Mir erscheinen die landwirtschaftlichen Winterschulen so wie die Dome des Mittelalters, groß und herrlich angelegt, aber sie sind nicht vollendet. Die Vollendung fehlt noch, freilich kostet sie Geld und ich sehe nirgends, daß dem im Budget in dieser Richtung Rechnung getragen worden ist. Für unsere Jugend ist das beste nur gut genug und wenn man für Waffen und Kanonen so und so viele Millionen hinauswirft, so soll man auch für die Heranbildung unserer landwirtschaftlichen Jugend das aufwenden, was die Zeit erfordert. Gerade wir deutschen Landwirte haben die Bewirtschaftung des Bodens viel schwieriger, weil wir in den Randgebirgen mit viel größeren Schwierigkeiten, mit Ungunst des Klimas zu rechnen haben und infolgedessen muß eben das Werk der Hände vom Geiste unterstützt werden, daß diese beiden vereint eine wirkliche zweitgeraäße Landwirtschaft schaffen. Es ist erfreulich, daß die landwirtschaftliche Winterschule jetzt so recht bekannt wurde, und auch in den landwirtschaftlichen Kreisen Anerkennung gefunden hat. Durch dass genossenschaftliche Vereinswesen an und für sich ist der Landwirt zur Mitarbeit gezwungen und angeregt worden und deshalb richtet sich sein Blick auf die landwirtschaftliche An- stalt und so ist diese Bauernschule, die landwirtschaftliche Winterschule, die Grundlage unserer ganzen landwirtschaftlichen Organisation, unserer Arbeit selbst geworden. Wer heute allein im Berufsleben dasteht, ist eben allein. Aber nur wenn sich die einzelnen zu gemeinsamer genossenschaftlicher Arbeit vereinigen und gerade zu dieser Arbeit schon in der Schule erzogen werden, dann kann das Ziel erreichtwerden, eine volle rationelle und zeitgemässe Wirtschaft in unserem Lande. Ein neuer Lehrplan wurde verordnet und ich muß allerdings sagen, daß dieser Lehrplan sehr gut gemeint ist. Er hat eine Fülle von guten Ideen, aber voll und ganz wird der neue Lehrplan erst angewendet werden, wenn die landwirtschaftliche Winterschule in der Weise ausgestaltet wird, wie ich bereits sagte, daß sie mit der Landwirtschaft, mit praktischen Betrieben verbunden wird.

Wir haben als höchste Form der landwirtschaftlichen Schule die landwirtschaftliche Hochschule. Unser Liebwerd von der Akademie zur Hochschule geworden, ist zugleich die älteste landwirtschaftliche Schule in Böhmen, denn sie ist als Ackerbauschule im Jahre 1850 gegründet worden. Es ist erfreulich zu konstatieren, daß diese landwirtschaftliche Bildungsstätte aus geringen Anfängen heraus sich zur Hochschule entwickelt hat. Aus einer Akademie ist eine Hochschule geschaffen worden, aber auch hier fehlt es eben an der richtigen pekuniären Unterstützung. Es ist nicht einer Hochschule würdig, daß die einzelnen Lehrkanzeln noch immer nicht vollkommen ausgebaut und ausgestaltet sind. Es ist ganz unhochschulmässig, daß z. B. zwei so heterogene Wissenschaften wie Rechtslehre und Nationalökonomie in einer Hand vereinigt werden. Diese Lehrkanzel für Volkswirtschaftslehre muß ebenso ausgestaltet werden, wie die für Rechtslehre. Gerade unsere Betriebslehre beruht auf der Volkswirtschaftslehre. Ähnlich ist es mit der Lehrkanzel für Agrikulturchemie u. Tierzucht. Es ist notwendig, daß unsere landwirtschaftliche Hochschule als höchste Bildungsstätte eine entsprechende Fürsorge und Ausgestaltung finde.

Der allgemeine Wunsch geht nach einer tierärztlichen Hochschule und ist bedingt durch die Notwendigkeit einer solchen Anstalt. Wer könnte sich dieser Einsicht verschließen, wo so große Werte in unseren Haustieren und in unserer Tierzuchtniedergelegt sind? Es ist nicht die Hauptsache, wohin diese Schule kommt, ob nach Prag oder nach Liebwerd, sondern Hauptsache ist, daß das Prinzip zugegeben wird, daß sie sein muß. Ich sagte, Böhmens Reichtum beruht in der Fruchtbarkeit seines Bodens. Wie die Landwirtschaft sich im Laufe der Zeiten entwickelt, hat, wie sie von Jahrzehnt zu Jahrzehnt eine immer höhere Stufe der Vollendung erreicht hat, so kann sie nur auf der Bahn der Entwicklung weiterschreiten, wenn auch von der Regierung ihr eine wirkliche Förderung zuteil wird. Diese Förderung muß aber von ganzer Seele und vom Herzen sein, nichts Halbes, nur das Ganze kann hier frommen. Wie für unsere Jugend das beste nur gut genug ist, so müssen wir verlangen, daß unsere landwirtschaftliche deutsche Hochschule in dieser Weise entsprechend ausgestaltet wird. Wir haben ein Recht darauf, wir Deutsche, mit. unserer deutschen Wissenschaft, mit unserer deutschen Bildung haben wir ein Anrecht darauf zu fordern, daß die Stätte für landwirtschaftliche Wissenschaft entsprechend gepflegt und ausgestaltet werde, damit unsere Jugend entsprechend herangebildet werden kann. Man werfe uns nicht mehr vor, wir wären Fremdlinge, Emigranten, Kolonisten u. s. w. Das ist ein längst überwundener Standpunkt, das ist nicht wahr! Wenn es auch der Dichter und Geschichtsschreiber Palacký gesagt hat, wir sind keine Fremdlinge auf diesem Boden, den vor Jahrhunderten unsere Väter und Großväter und Ahnen gerodet und aus einer Wildnis blühende Felder und Fluren geschaffen haben. Deshalb ist dieser Boden unser und deshalb, wurzeln wir mit jeder Faser unseres Herzens und unserer Sinne in dieser unserer Heimat. Das ist unser, so laßt uns sagen und so es behaupten. Keine Fremdlinge sind wir, keine Imigranten, sondern wir sind Söhne dieses Landes, wir sind Söhne dieser unserer teueren Heimat, wenn auch Deutschland unser geistiges Vaterland ist. Wer wollte es leugnen? Sind wir nicht durchtränkt mit deutscher Bildung und Gesittung? Haben wir doch von früher Jugend an nur deutsches Wissen gelernt und die Stunden reinsten Genusses, Stunden des Genusses in unserer Jugend, bestanden wohl darin, als der Geist der deutschen Klassiker zuerst auf uns einwirkte und als wir die Schönheit und Größe des deutschenteistes begeistertkennenlernten Und weil wir in Deutschland unser geistiges Vaterland sehen, da gibt es keine Grenzpfähle, keine schwarz-gelben und keine rot-weißen. Anderseits wurzeln wir mit unserer Existenz in dieser unserer teueren Heimat; wir sind die Söhne dieses Landes. (Potlesk na levici.) So ist unsere Stellung in diesem Staate von allem Anfang an gegeben. Unsere Ahnen haben weite Strecken dieses Landes kultiviert, das deutsche Gewerbe hat seinen Einzug gehalten, hat Städte gegründet und deshalb sind wir hier existenzberechtigt, es ist unser Land, es ist unsere Heimat. Da können wir uns nicht vertreiben lassen und wie das, deutsche Volk in früherer Zeit die Husiten-Stürme überstanden hat, die im furchtbaren Jahr 1421 über uns und unsere Ahnen hinweggebraußt sind, ohne das Deutschtum zu vernichten, so werden auch wir alles aushalten, was feindlich gegen uns anstürmt in jeder Gestalt, ob offen oder heimlich, hinterrücks, ganz einerlei, ob die Feinde mit offenem oder verhülltem Gesicht uns entgegentreten. Wir Deutsche bleiben treue Söhne unserer Heimat die wir lieben, jetzt, immerdar und allezeit. (Potlesk a souhlas.)

8. Øeè. sen. Hladika.

Meine Damen und Herren! Vor einigen Minuten haben wir in diesem Hause eine Rede gehört, die uns den Beweis erbracht hat, daß die heutige Zeit, wie wir es übrigens schon immer gesagt haben, nicht frei von reaktionären Erscheinungen ist. Der Herr Doktor Schmidt hat erklärt, daß ihm die heutige Zeit nicht passe. Ich glaube es ihm recht gerne, und aus, den Ausführungen des Herrn Schmidt war zu entnehmen, daß er eine andere Zeit wieder herbeisehnt, jene Zeit, in der die großen Männer, wie Karl, Wilhelm, Tisza in Ungarn eine Rolle gespielt haben. Herr Schmidt hat erklärt, daß er der Demokratie skeptisch gegenüberstehe. Ich glaub es ihm recht gerne. Herr Schmidt ist der Anschauung, daß die Abschaffung des Adels nur deshalb erfolgte, um der Bevölkerung Sand in die Augen zu streuen. Mit einem Wort, Herr Schmidt hat uns durch seine Ausführungen bewiesen, daß die Reaktion trotz der Umwälzung nach Beendigung des Krieges nicht beseitigt wurde, daß vielmehr noch starke reaktionäre Kräfte wirksam sind, das bischen Demokratie, das heute existiert, zu erwürgen. Die Reaktion, selbst wenn sie mit dem natioÜaleri Mäntelchen umgeben wird, ist deshalb nicht minder gefährlich als die offene Reaktion. Das wollte ich bei Einleitung meiner Ausführungen festgestellt hauen.