Herr Sen. Dr. Brabec hat in seiner gestrigen Rede der Völkerbundliga in Wien einen ausserordentlich ungerechtfertigten Vorwurf gemacht, nämlich den Mitgliedern, welche die Deutschen bei dieser Tagung in Wien vertreten haben. Er hat hier ausdrücklich erklärt, daß Senator L edebur und Abg. Medinger die Verfasser dieses Memoires sind und an der Verfassung desselben Anteil haben. Lind er hat auch davon gesprochen, daß in diesem Memoire bloß Ausfälle gegen das èechische Volk enthalten sind. Nun bin ich aufgrund eingeholter Informationen ermächtigt zu sagen, daß weder Sen. Dr. Ledebur, noch Abg. Dr. Medinger den geringsten Anteil an der Verfassung dieses Schriftstückes haben. Dieses Schriftstück ist verfaßt worden von der Liga in Wien und die Verfasser, die übrigens kein Geheimnis sind - Sie werden sie ja bei der Tagung kennen gelernt haben, Herr Dr. Brabec - haben erklärt, jede Verantwortung für dieses Schriftstück zu übernehmen. Es ist weiterhin Tatsache, daß unser verehrter Kollege Dr. Ledebur bei diesem Kongresse kein Wort gesprochen und daß Abg. Dr. Medinger nur den Standpunkt der Minderheiten bei dieser Tagung vertreten hat. Das war sein Recht, das war seine Pflicht, denn er ist in dieser, Eigenschaft zur Liga entsendet worden. Nach dieser Klarstellung - ich betone und wiederhole noch einmal, daß weder Sen. Ledebur noch Abg. Medinger Anteil an der Verfassung dieses Schriftstückes gehabt haben, daß dieses Schriftstück keine wie immer gearteten beleidigenden Worte gegen die Èechen enthält und daß Sen. Ledebur das Wort anläßlich dieser Tagung nicht ergriffen hat - hoffe, ich, daß Sen. Brabec nach dieser Aufklärung die Beschuldigungen, die er gestern unseren Verbandsgenossen zugeschleüdert hat, in eritsprechender Weise widerrufen wird.
Kollege Brabec hat auch wiederum von dem Märchen von den Kolonisten gesprochen. Nun möchte ich auch diesbezüglich sagen, daß es keine Schande wäre, wenn wir Kolonisten wären. Man beruft Kolonisten in das Land, wenn man mit seinen eigenen Leuten nicht vorwärts kommt, wenn man von ihnen weiß, daß sie das Landurbar machen können und daß sie beitragen zu einer weiteren Entwicklung. Es wäre also keine Schande, wenn wir als Kolonisten in dieses Land gekommen wären, gerufen von Ihnen, um das Land auf eine bessere Stufe der Kultur zu stellen. Aber es ist geschichtlich nachgewiesen, daß die Deutschen in Böhmen und Mähren keine Kolonisten des 12. und 13. Jahrhunderts sind: Es haben schon vorher germanische Völkerschaften in Böhmen gewohnt und die altdeutsche Sprache erklang damals von Eger bis tiefhinein in die Slovakei und in die Karpathen. Die èechisehen Forscher haben ja schon seit Jahrzehnten die Kolonistentheorie, die damals Palacký erfunden hat, als nicht mehr stichhältig angesehen. Es ist hier nicht der Ort, um über diese hochinteressante Frage zu sprechen. Aber ich glaube, daß es auch von Ihrem Standpunktgut wäre, wenn Sie sich mit dieser Frage näher beschäftigen würden.
Auch der letzte Redner Dr. Veselý hat über das Verhältnis der Deutschen und Èechen gesprochen und er sprach von einem Kampf der Völker, die dieses Reich bewohnen und dieser Kampf dauert nach seiner Ansicht schon weit über 1000 Jahre.
Nun, auch diesbezüglich scheinen Sie nicht vollständig mit der Geschichte Ihres engeren Vaterlandes vertraut zu sein. Ein Kampf zwischen Èechen und Deutschen hat eigentlich niemals stattgefunden, die Kämpfe zwischen Deutschen und Èechen werden erst seit rund 50 Jahren ausgefochten. Alle Kämpfe damals, welche den Hussitenkriegen vorangingen und welche später folgten, waren nur Kämpfe auf religiösem und wirtschaftlichem Gebiet. Die Deutschen blieben Katholiken und die Èechen wurden Hussiten, und dann erst haben sich diese grollten Kämpfe entsponnen. Herr Dr. Veselý hat aber ein neues Mittel angegeben, um eventuell eine Anbahnung zwischen beiden Völkern herbeiführen zu können. Er meinte, man sollte die Lyrik ausbauen. (Veselost.) Ob nun die Poesie der richtige Weg und, das richtige Mittel ist, um die beiden Streitteile zu versöhnen, weiß ich nicht, aber der Antrag ist jedenfalls neu und originell. Herr Kollege Veselý meinte auch, unsere Reden haben keinen Wert, sie enthalten immer dieselben Anklagen. Ich hätte gemeint, daß ein so ernst zu nehmender Mann, wie es Herr Veselý ist, unsere Beschwerden einmal prüfen und sie nicht gleich pauschaliter ablehnen sollte. Die Wünsche, welche das deutsche Volk in dieser Republik hegt, sind von uns durch unsere programmatische, staatsrechtliche Erklärung genau detailliert. Ich hätte aber vom ersten Justizminister der Republik erwartet, daß er sich mit dieser Frage ernster befassen würde und daß gerade ein Mann, wie er, den ich, ohne die Ehre der persönlichen Bekanntschaft zu haben, sehr schätze, nach seiner politischen Stellung derjenige sein sollte, welcher unsere Lage verstehen und sich bemühen sollte, übel die Denkungsweise des deutschen Volkes in diesem Staate nachzudenken und dann erst ein Urteil zu fällen.
Nun möchte ich noch einige wenige Worte über das Budget sprechen. Ich konstatiere gleich von vorneherein, daß die schärf- sten Anklagen gegen. das Budget - es ist bezeichnend, daß der Senat immer in Abwesenheit der Minister über das Budgetverhandeln muß - vom Generalberichterstatter und vorn Präsidenten des Obersten Kontrollamtes erhoben wurden. Der Herr Generalberichterstatter hat sowohl im Budgetausschuß des Senates, als auch hier alle Mängel aufgedeckt, welche das Budget enthält, und der Herr Präsident des Obersten Rechnungskontrollamtes hat mit einer rücksichtslosen Schärfe, wie sie kein oppositioneller Abgeordneter aufbringen könnte, darauf hingewiesen, daß namentlich die finanziellen Verhältnisse in unserem Staate derartig unkonsolidiert sind, daß es direkt ein Wagnis ist, mit einem derartigem Budget vor die Öffentlichkeit zu treten, Der Präsident des Obersten Kontrollamtes hat, namentlich, darauf hingewisen, daß die Finanzoperationen, welche seitens der èechoslovakischen Finanzverwaltung unternommen wurden, auf vollständig ungesünder Basis fußen. Ich glaube, ein schärferes Urteil über die Finanzverwaltung ist ger nicht möglich. Nun haben wir im Budgetausschuß erklärt - und auch hier ist bereits sehr viel darüber gesprochen worden - daß speziell das Kapitel "Staatsschuld" nicht entsprechend im Staatsvoranschlag verzeichnet ist. Wir haben darauf hingewiesen, daß diese außerordentlich wichtige Post denn doch eine größere Behutsamkeit im Staatsvoranschlag erfahren sollte. Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, daß wir bereits in der ersten Sitzung des Budgetausschusses des Senates - der Herr Berichterstatter des betreffenden kapitels steht gerade vor mir - und meine Wenigkeit, darauf hinwiesen, daß der Staatsvoranschlag nicht mehr und nicht weniger als 15 Milliarden Staatsschulden nicht enthält, weder als Betrag, als Summe, noch als Verzinsung. Seitens des anwesenden Vertreters des Finanzministeriums wurde gesagt, daß diese Beträge momentan nicht zu zählen wären. Das gebe ich zu, die Entente wird auf diese 750 Millionen Schweizer Franken noch eine Weile warten, aber endlich werden Sie sie doch bezahlen müssen. Und Sie werden auch bezahlen müssen die von mir mitgeteilten und damals noch vorerst unbekannten Schulden, die sie bezüglich der übernommenen Bahnen haben. Auch diese Sache wird bezahlt werden müssen. Ebenso wie Sie die Freiheit und die Uniformen der italienischen Legionäre bezahlen müssen, werden Sie auch die Schulden aus der Übernahme des Wagenparkes bezahlen müssen. Wenn man schon speziell vom Eisenbahnwesen spricht, muß ich sagen, daß dadurch, daß man in das Budget wohl die Einnahmen und Ausgaben des Bahnbetriebes einsetzte, jedoch vollständig darauf vergaß, daß man 11/2 Millionen Anleihen zu verzinsen hat, daß der gesamte Voranschlag des Eisenbahnministeriums vollständig falsch ist. Wir haben im Budgetausschuß und auch hier wiederholt den Wunsch ausgesprochen, es möge uns endlich die Höhe der Staatsschulden mitgeteilt werden.
Es wurde hier auch der Wunsch aus gesprochen, man möge uns egndlich einmal die gesamten Kostender Mobilisierung nennen, denn die Ziffer, die der Finanzminister anläßlich seiner kurzen Anwesenheit im Budgetausschuß vorgebracht hat, bezog sich nur auf die ersten drei Tage, wie er sagte, und es ist selbstverständlich, daß, nachdem. die Mobilisierung längere Zeit gedauert hat, diese Summe um ein bedeutendes überschritten wurde. Der Finanzminister hat auch damals im Budgetausschuß gemeint, daß die Anleihen deshalb nicht in einer entsprechenden Weise an den Mann gebracht werden, weil das Publikum, wie er meint, erschöpft ist. Nun, meine Herren, das Publikum ist nicht erschöpft. Das Publikum beteiligt sich tatsächlich an Neuemissionen bei Aktengesellschaften, Banken und Industrieunternehmungen. Nein, das Publikum ist nicht erschöpft. Es hat nur kein Vertrauen zu Ihnen, wie auch das Ausland kein Vertrauen zu Ihnen hat.
Ich habe eingangs gesagt, daß ich mir einige das Handelsministerium berührende Fragen zurechtgelegt habe, doch fürchte ich, daß die Zeit derart vorgerückt ist, daß ich dieselben nur summarisch behandeln muß. Der Staatsvoranschlag des Ministeriums für Industrie, Handel und Gewerbe vermag weder vom Standpunkt unserer Volkswirtschaft noch vom Gesichtspunkt der Wahrung der wirtschaftlichen Interessen der Deutschem Befriedigung auszulosen. In einer Zeit, in welcher wir alles daran setzen sollen, um die Produktivität der Industrie und des Gewerbes zu heben und unsere Handelsbeziehungen so intensiv wie möglich zu gestalten, scheint das Ministerium für Handel und Industrie gerade in der Entwicklung der Industrie und des Gewerbes sein eiriflußreiches. Schwergewicht auf die Reduzierung der wichtigen Erfordernisse unseres wirtschaftlichen Lebens zu legen. Wir alle sind Zeugen einer furchtbaren, krisenhaften Entwicklung Mitteleuropas, wie sie die Weltgeschichte bisher noch nicht gesehen hat. Von den katastrophalen Valutastürzen in den uns umgebenden Staaten, in Deutschland, osterreich und Polen werden wir unrettbar in Mitleidenschaft gezogen werden. Schon aus diesem Grunde wäre es unerläßlich, daß unsere gewerblichen und industriellen Produktionsmittel gefördert und unterstützt werden, und daß der drohenden Arbeitslosigkeit vorgebeükt werde. Leider ist jedoch das Bild, welches uns der Staatsvoranschlag bietet, keinesfalls danach angetan. Industrie, Handel und Gewerbe sind trotz der noch nicht dagewesenen Opfer, welche sie dem Staate bringen, im Staatsvoranschlage außerordentlich kümmerlich bedacht. Und doch beträgt die Steuer, welche gerade diese Kategorien des erwerbenden Bürgertums leisten, nahezu zwei Drittel aller Steuern. Ich will nicht eingehen auf das Verhältnis zwischen den einzelnen Ministerien. Ich will nicht darauf hinweisen, daß für öffentliche Arbeiten 369 Millionen, für Inneres 514 Millionen, für das Gesundheitsminísterium 149 und für das soziale Fürsorge-Ministerium 650 Millionen eingesetzt sind, jedes dieser Ministerien hat es notwendig, derart dotiert zu werden. Aber daß gerade das Handelsministerium nur mit dem geringsten Betrage im gesamten Staatsvoranschlag, mit 20,941.450 K figu- riert, ist doch ein Beweis dafür, daß Sie jenes Amt, welches besonders dazu beiträgt, diesen Staat zu erhalten, nicht in der entsprechenden Weise zu würdigen wissen. Die Stellung des Ressorts für Handel und Gewerbe im Staatshaushalt ist an und für sich kümmerlich und muß es befremdend wirken, wenn man die einzelnen Posten dieses Ressorts näher überprüpft. Die Ausgaben für Handelsberichterstattung sind dem Vorjahre gegenüber von 1,350.000 auf 500.000 Kronen, sohin um 850.000 Kronen verkürzt. Die Exportförderung wurde von 2,850.000 auf 1 Million, sohin um 1,850.000 Kronen reduziert, wohl deshalb, weil der Staat auf die Hebung des Exportes verzichtet. Der Staatsvoranschlag bietet auch kein vollständig klares Bild darüber, wie sich die einzelnen Präliminarposten auf die deutschen und èechischen Organisationen verteilen. Es ist bekannt, daß der Staat die Gewerbeförderungsanstalten mit Erhaltungsbeiträgen bedenkt. In welcher Weise jedoch diese Beträge für die einzelneu Nationen ausgegeben werden, ist im Staatsvoranschlage nicht enthalten. Wie auf allen Gebieten unserer inneren Politik, ergeben sich insbesondere auch auf dem Gebiete des Handelsressorts Klagen, aus denen mit voller Klarheit hervorgeht, daß die Regierung von der gleichen und gerechten Behandlung aller Staatsbürger und insbesondere des deutschen Volkes noch sehr weit entfernt ist. Die ständige Zurücksetzung der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Interessen, die ständige Zurücksetzung auf allen Gebieten der Staatswirtschaft, ist wahrhaft nicht geeignet, eine Konsolidierung im Innern herbeizuführen. (Pøedseda Prá¹ek pøevzal pøedsednictví.)
Von großem Interesse erscheint die Einschränkung der Post für Handelsberichterstattung im Auslande. Wir können darauf gespannt sein, bis eine genaue Rechnung darüber gelegt wird, in welcher Art und Weise diese Post für Handelsberichterstattung verwendet wurde. Der staatliche Gewerbeförderungsdienst ist in erfreulicher Weise gegenüber den Vorjahren um über 400.000 Kronen höher, somit mit einem Betrage von 1,500.000 Kronen bedacht. Auch da wäre es wichtig, wenn die, Zurücksetzung des deutschen Gewerbes, namentlich auf dem Gebiete des öffentlichen Lieferungswesens, ein Ende fände. Die Staatsbahndirektion, die Ministerien für Post und Telegraphen das Ministerium für nationale Verteidigung haben bei Vergebungvon Lieferungen nahezu ausschließlich nur den èechischen Gewerbe- und Handelsstand berücksichtigt. Auch in diesem Belange wird es notwendig sein, daß die Regierung ehestens, und zwar getrennt nach den Ressorts, darüber Bericht erstattet, welche Lieferungen dem deutschen Gewerbe und welche dem èechischen Gewerbe zugekommen sind. Zum erstenmal erscheint im Staatsvoranschlage des Handelsministeriums die Post von. 580.000 Kronen für die èechoslovakische Kommission für Staatslieferungen. Über das Organisationswesen und den Wirkufigskreis dieser Kommission ist bisher in der Öffentlichkeit nichts bekannt geworden. Die Kommission hat aber den Zweck, eine unparteiische, gerechte, von einseitiger Bevorzugung entfernte Vergebung staatlicher Lieferungen im Rahmen des Handelsressorts durchzuführen. Wenn Sie diesem Programm entsprechen, wäre gegen eine derartige. Errichtung dieser Kommission auch vom deutschen Standpunkte gewiß nichts einzuwenden. Aber jetzt schon muß mit allem Nachdruck die Forderung aufgestellt werden, daß in dieser Kommission deutsche Vertreter der Industrie und des Gewerbes, besonders aber auch Vertreter. der deutschen Gewerbeförderungsanstalten hinzugezogen werden in einem Verhältnis, wie es der wirtschaftlichen Stellung, der Steuerkraft des deutschen Volkes entspricht.
Ich möchte noch kurz darauf hinweisen, daß die nach dem Umsturz von Staatswegen eingeleitete Aktion für gewerbliche Kriegshilfekredite unsere Erwartungen in Folge des starken bürokratischen Charakters dieser Organisation sehr enttäuscht hat. Wir hätten gerne gesehen, daß diese Aktion allerdings mit Zuhilfenahme von Staatsmitteln durch die Verbände der gewerblichen Kreditkassen durchgeführt worden wäre. Sie wäre dann des bürokratischen Charakters entkleidet worden und hätte im Interesse des Wiederausbaues der durch den Krieg zerrütteten Wirtschaftsverhältnisse im Gewerbe, namentlich für die Heimlehrer aus dem Gewerbestande, viel segensreicher wirken können.
Aus dem mir zur Verfügung stehenden Materiale möchte ich noch ganz kurz Folgendes erwähnen. In den in der letzten Zeit an.die Steuerträger herausgegebenen provisorischen Vorschreibungen für die Vermögensabgabe wird die Vermögensabgabe allgemein auch von der Kriegsanleihe, und zwar unter Zugrundelegung eines Wertes von 40% des Nominales, bemessen. Dieses Vorgehen der Steuerbehörden, welches, wie verlautet, durch einen Geheimerlaß des Finanzministeriums veranlaßt wurde, steht mit den gesetzlichen Bestimmungen im vollsten Wiederspruch. Gemäß § 15, Absatz 1 des Gesetzes vom B. April 1920, Gesetzblatt 309, soll die Bewertung der Kriegsanleihe durch ein besonderes Gesetz erfolgen. Dieses Gesetz ist bekanntlich bisher nicht erlassen worden und es ist daher die Steuerbehörde keinesfalls berechtigt, die Bemessung der Vermögensabgabe von Kriegsanleihen auf Basis einer 40%igen Wertziffer des Nominales vorzunehmen. Die Steuerträger werden in den meisten Fällen selbstverständlich gegen die Vorschreibung. Rekurs die Parteien und für die, Behörden, die ohnehin schon überlastet sind, eine Unmenge überflüssiger Arbeit erwächst. Abgesehen davon werden die. Steuerträger durch das Vorgehen der Finanzverwaltung auch materiell schwer geschädigt; weil der Rekurs keine aufschiebende Wirkung hat, so daß die Steuerpflicht von Kriegsanleihen, die vorläufig keinen bestimmten Kapitalswert darstellen und kein Erträgnis bieten, unter Umständen sehr drückend sein wird. Es liegt auch auf der Hand, daß dieses Vorgehen der Finanzverwaltung auf die breiten Kreise eine geradezu aufreizende Wirkung haben muß und ich würde die Finanzverwaltung bitten, die Steuerbehörde in entsprechender Weise über diese Angelegenheit aufzuklären.
Ich eile zum Schusse: Das alte Österreich, dem Sie nach meiner vollsten Überzeugung ein dankbares Andenken zu bewahren allen Grund haben (Souhlas) krankte an dem Kampf der Nationen, und weil es diese Frage nicht in befriedigender entsprechender Weise lösen konnte, ging es zugrunde. So zehrt auch am Marke der Èechoslovakei der Kampf der hier vereinigten Völker und er muß ausgefochten werden. Wie, ist allerdings Ihre Sache: Er muß aber ausgefochten werden. Die Lösung dieser Frage hängt von Ihnen ab. Sie wissen sehr gut: Staaten. können vergehen, Völker aber bleiben. Sie können uns eine zeitlang quälen, in unserer Entwicklungsmöglichkeit drosseln, aber, auf die Dauer unterdrücken können Sie uns keinesfalls. (Souhlas). Sie sollten das Bestreben haben, uns in diesem Staate zu zufriedenen Bürgern zu machen, eingedenk des Wortes, das der Präsident dieser Republik gesprochen hat und das lautet: "Wir sind nicht so naiv zu glauben, daß sich die öeclioslovakei neben dem großen Deutschland erhalten könnte, wenn, unsere deutschen Bürger auf die Dauer unzufrieden sind." Nun, meine Herren, wir sind unzufrieden, es ist Ihre Sache, zu verhüten, daß die Worte des Herrn Präsidenten zur Tatwerden. (®ivý souhlas a potlesk.)
3. Øeè sen. Hilgenreinera.
Senatoren und Senatorinnen! Gestatten Sie mir, bevor ich meine kurzen Ausführungen beginne, eine persönliche Sache zu berühren, die aber von allgemeiner Bedeutung ist. Herr Kollege Dr. Franta war so liebenswürdig hier zu erklären, daß "an der Spitze der deutschen Chauvinisten hier im Senate ausgerechnet zwei Priester stehen, Dr. Naegle und Dr. Hilgereiner". Hochverehrte, der Herr Kollege - tut mir zu viel Ehre an, ich stehe nicht an der Spitze, bin kein Führer, ich diene als ganz gewöhnlicher deutscher Frontsoldat. Aber ich wundere mich, daß ein Mann aus einer Partei, die so großen Wert darauf legt daß jeder im Volke, auch der Priester, der èechische Priester, seine nationale Pflicht erfüllt, es dem Priester einer anderen Nation übel nehmen will, wenn auch er trachtet, seiner Pflicht nachzukommen. Was den ©rámeks und Kroihers recht ist, das muß auch den Naegles und auch meiner Wenigkeit billig sein. (Potlesk na levici.) Ich danke übrigens dem Herrn Kollegen für dieses Zeugnis, es wird unserem deutschen Volke ein Beweis dafür sein, daß die deutschen Priester voll und ganz ihre nationale Pflicht erfüllen. Und ich füge bei, sie erfüllen damit nur das vierte Gebot, welches sagt: "Du sollst Vater und Mutter ehren!" Denn mehr als Vater und Mutter muß uns jene große Mutter sein, aus der auch unser Vater und unsere Mutter die leibliche und geistige Kraft gezogen haben, so daß sie imstande waren, uns ein Stücklein mitzugeben. Und so ist es ein Stück Beachtung des vierten Gebotes, daß wir einstehen für unser Volk, eintreten für seine heiligenRechte. Und besonders, wenn ein Volk in Not ist, wenn es unterdrückt ist, dann ist es erst recht die Sache seiner Priester, daß sie sich ihres Volkes annehmen und sich nicht scheuen, sich an der nationalen Front voranzustellen. Deswegen haben wir deutschen Priester uns, gerufen von unseren Volksgenossen, in den Dienst der nationalen Pflicht gestellt. Der deutsche Priester lebt, arbeitet und stirbt mit seinem Volke, der deutsche Priester, lebt, arbeitet und - wenn es sein muß - stirbt für ein Volk. Eines freilich können Sie von uns Priestern erwarten, daß wir diesen nationalen Kampf nicht unnötig verschärfen, daß wir trachten, die persönlichen Spitzen so viel als möglich zu vermeiden und nationale Toleranzzupredigen. Wir haben religiöse Toleranzgelernt, wir müssen auch nationale Toleranz lernen, insbesondere in einem Staat, in dem die Nationen so durcheinandergewachsen sind, wie hier. Das können Sie von Lins verlangen und dieser Pflicht komme ich auch nach. Es geht keine meiner Wählerversammlungen vorüber, ohne d aß ich nicht erkläre, wir Deutschen werden nicht dadurch größer, daß wir andere Völker herabsetzen,.mit Schmähworten klein zu machen trachten. Ein Volk wird bloß größer durch Arbeit und durch Opfersinn und nur so kann es sich in dem Wettstreit der Völker behaupten. Ich möchte diese Angelegenheit damit bereinigt haben.
Ich danke dem Kollegen Franta auch deswegen für diese Äußerung, weil ich auf diese Weise eine, gewisse Sicherung bekomme gegenüber jenem Teile unseres Volkes, der von diesen Staate weniger optimistisch denkt als ich. Es gibt unter uns deutschen Politikern Optimisten, welche glauben, daß die Verhältnisse in diesem Staate, auch die nationalen, besser werden können und besser werden. Aber es gibt unter uns auch eine große Schar von Politikern, welche der Ansicht sind, daß es von Tag zu Tag schlechter wird und daß der Weg zu frohen Aussichten verstellt ist. Da liegt nun für jene, welche der optimistischen Anschauung sind - und dazu gehöre ich - ein gewißer Trost darin, wenn sie aus gegnerischem Munde hören, daß sie sich nichts vergeben haben, daß sie in nationaler Hinsicht nicht weiter zurückgewichen sind, als es das Interesse unseres Volkes zuläßt.
Ja, es gibt Optimisten unter uns. Aber wenn etwas imstande ist, die Hoffnungen dieses Optimisten herabzusetzen, dann sind es die Äußerungen gerade von jener Seite, von welchen hier deutschen Priestern, der Vorwurf des nationalen Chauvinismus gemacht wurde. Ichschätze in, jener Partei die einzelnen Vertreter als hochgebildete. Männer, aber gerade von dieser, der nationaldemokratischen Partei, werden die schärfsten Angriffe gegen unser deutsches Volk gerichtet, inbesonders von ihrer Presse. Ich erinnere nur an die " Národní Listy" und an das Mittagsblatt, die "Národní Dekmokracie", die geradezu öffentliche Brunnenvergiftung treiben. (Sen. Luksch: Sehr gut!) Jede Kleinigkeit, die draußen im deutschen Sprachgebiete vorgeht, wird von ihnen gewaltsam verdreht, und aufgebauscht. Man hat den Eindruck, daß man auf dieser Seite nichts mehr fürchtet, als daß sich Èechen und Deutsche etwas.näher kommen könnten. Und so wird denn gelogen und entstellt und Dinge, die nicht oder nicht so geschehen sind, in gehässiger Form unter die èechischen Massen hineingeworfen, alles nur um noch mehr den Spalt zu erweitern, der zwischen uns ohnehin klafft. Wenn man von dieser Seite von einem deutschen Sprachgebiet nichts wissen will, verstehe ich es; aber nicht einmal ein gemischtes Sprachgebiet will man zugeben, sondern spricht in der öffentlichen Diskussion immer nur noch vom "verdeutschten" Sprachtgebiet und spricht schon mit diesem Ausdruck Revindikatiostheorie aus, der gemäß wir Deutschen vom heimischen Boden vertrieben, entnationalisiert werden sollen. Wenn so, im Volke der Wahn genährt wird, daß es einmal eine Zeit geben könnte, wo dieser Staat tatsächlich ein reiner Nationalstaat sein werde, wo vom Böhmerwalde bis zu den Spitzen des Riesen- und Erzgebirges Èechen wohnen werden, dann gibt es gegen eine solche Auffassung von unserem Standpunkt aus nichts anderes, als den Kampf bis aufs Messer. Wenn man uns hängen will, dann man kann von uns nicht verlangen, daß wir auch noch den Kopf in die Schlinge hineinstecken, die man uns um den Hals legen will. Dagegen wehren sich. sogar die Slovaken, sie wollen nicht èechisiert sein, und haben es in diesem Hause soeben ganz deutlich kundgegeben, obwohl sie Ihnen in sprachlicher Hinsicht doch so nahe stehen. (Výkøik: My jsme jeden národ.) Es ist falsch, von "jeden národ" zu sprechen: Sie haben es doch gehört, die Slovaken wollen nicht eine Nation mit Ihnen sein und das ist das Entscheidende. Und wenn Kollege Krojher gestern gesagt hat: Bei uns bestehen noch die Choden und Hanaken und mährischen Slovaken; und dies sei ein Beweis, daß Sie nicht èechisieren so ist das nur ein Dreh. Die Hanaken und Choden haben keine eigene Sprache, sie sprechen ihren Dialekt sozusagen für den Hausgebrauch, haben aber die èechische Sprache als Schul- und Schriftsprache, sie sind Èechen voll und ganz, in der Schule und überall. (Odpor.) Genau so wie wir Deutschen eine Menge Dialekte haben, haben auch jene Dialekte. Aber das heißt doch nichts, die Slovaken wollen mehr sein, sie wollen eine eigene Schriftsprache haben. ein eigenes Volk sein. Das, was Sie den Slovaken zugestehen wollen, haben die Ungarn den Slovaken auch gegeben. (Výkøik: Pane kolego, také byl jeden jazyk spisovný.) Ich weiß, byl, ale není. Es g a b einmal eine gemeinsame Schriftsprache, für Sie Beide, aber sie ist nicht mehr. Wenn das slovakische Volk nun von Ihnen verlangt, wieder als eigene Nation zu gelten, so haben Sie nicht das Recht, zu sagen Nein, Du bist es nicht, wir sind eines. Umsomehr dürfen wir Deutschen uns dagegen wehren. Den Boden, auf dem wir sitzen, haben wir nicht geraubt und nicht gestohlen, den Boden haben wir uns zu eigen gemacht durch die fleißige Arbeit von. Jahrhunderten, und das ist auch etwas wert, mehr wert, als èechische Pergamente und Inschriften auf Rathhäusern, wie in Prachatitz und anderswo. Was unser ist, muß unser bleiben! Mit einer Seite nun, die von vornherein darauf ausgeht, diesen Staat dadurch zu einem Nationalstaat zu machen, daß man uns entnationalisiert, èechisiert, mit dieser Seite können wir überhaupt nicht verhandeln.
Aber ich bin überzeugt, daß es auch in der èechischen Nation eine ganze Reihe von Politikern gibt und auch in den breiten Schichten des Volkes sich weite Kreise finden, die nicht auf diesem Standpukt stehen, sondern die endlich einmal zu einem Frieden kommen wollen, alle diejenigen, die diesen Staat wirklich wollen und, weil sie einen eigenen Staat wollen, auch den Weg dazu wollen, den Weg zum Ausgleich unter den verschiedenen Völkern in diesem Staate. Diese Überzeugung trage ich, in mir und die verschiedenen andersklingenden öffentlichen Stimmen machen mich nicht leicht davon abwendig. Ich hoffe immer noch darauf und warte nur, daß diese Kreise den Mut finden, dies vor ihrem Volke öffentlich zu bekennen. Ich baue da auf Kreise, die über die nationale Kluft hinweg durch eine andere Grundlage verbunden sind, bei denen der Götze Nation nicht alles ist, sodaß sie alles andere vergessen, bei denen es vielmehr eine übernationale Gemeinschaft von wirtschaftlichen, sozialen oder kulturellen Interessen gibt. Ich erhoffe die Erlösung - geradeheraus gesagt - von den sozialistischen Parteien, von der agrarischen Seite, von der Lidová strana usw., von Parteien, die zum anderen nationalen Lager gewisse Interessenbeziehungen haben. Von der Seite erhoffe ich, daß man endlich einmal den Weg suchen und auch finden wird, um zu einander zu gelangen.
Hochverehrte Anwesende! Wir Deutschen sind nun einmal da, Sie müssen mit uns rechnen, ob Sie nun sagen, wir sind durch "Gottes Zulassung" oder durch "Gottes Willen" da. Nebenbei gesagt: es ist hier gestern von unserem Herrn Vizepräsidenten Dr. Soukup ein theologischer Streit abgeführt worden über den Unterschied der Ausdrücke "durch Gottes Zulassung" und "durch Gottes Willen". Die Sache ist nicht so schwer. Wenn man z. B. sagen würde, Dr. Soukup ist durch Gottes Willen unser Vizepräsident geworden, so würde das anklingen an das alte "von Gottes Gnaden". Wenn ich aber wagte, er ist durch Gottes Zulassung unser Vizepräsident geworden, dann könnte er mich deswegen klagen, weil das eine Beleidigung wäre. Das versteht auch ein Nicht-Theologe. Darum brauchen wir den Herren Slovaken keine Vorwürfe zu machen, wie es Kollege Dr. Soukup getan, wenn in ihrem Programm steht, daß "durch Gottes Zulassung" der,Krieg mit all seinem Unheil über uns gekommen ist. Aber das nur nebenbei.
Unsere deutsche Sache in diesem Staate liegt so: Wir sind in diesem Staate und sind in ihn hineingekommen nicht durch unseren Willen. Und ebenso baben wir die Verfassung nicht von uns, sondern von Ihnen aufgenötigt bekommen. Diese Tatsache steht fest. Weiters steht fest, daß die Deutschen in diesem Staate trotzdem ihre Steuer an Gut. und bei der Mobilisierung auch die Steuer an, Blut nicht schlechter bezahlt haben, als die Èechen. Weiterhin steht fest, daß die Deutschen hier in diesem Staate viel schlechter behandelt werden, daß sie an den höchsten Stellen nicht oder fast nicht vertreten sind. Das ist von mir selbst und auch von anderen im Laufe der Debatte im Budgetausschuß deutlich festgestellt worden. Man hat uns gestern den Grund hiefür gesagt. Herr Kollege Kroiher war gestern so liebenswürdig, es uns zu verraten, und er Eist hiebei biblisch geworden, ebenso wie vorhin Herr Kollege Fáèek. Er erinnerte an das Wort bei Paulus: "Ein Neophyt soll nicht Bischof werden", man soll bei einem Neugetauften vorsichtig sein. Also das ist es: wir sind Neophyten, Neugetaufte und Sie verlangen, daß wir erst eine längere Probe- und Bußezeit durchmachen, bevor wir in diesem Staate vollberechtigt werden. Ich sage Ihnen ganz offen; getauft sind wir längst, wir sind deutsch getauft mit dem Herzblüte unserer Mutter, die uns das Leben geschenkt hat, und an diesem Bekenntnis halten wir fest unser ganzes Leben. (Sen. Kroiher: Ale kdy¾ chcete nìco od republiky, tak musíte napøed té republice býti vìrni a dokázati vìrnost, a pak máte nárok na nejvy¹¹í místa.) Ganz gut, wir müssen zum Staate halten, aber èechisch werden Sie uns niemals taufen. (Sen. Hard: Zuerst muß der Staat gegen. uns gerecht sein, dann erst können wir uns teuf den Boden des Staates stellen!)