Pøíloha k tìsnopisecké zprávì

o 82. schùzi senátu Národního shromá¾dìní republiky Èeskoslovenské

v Praze v pátek dne 16. prosince 1921.

1. Øeè sen. Bartha.

Hoher Senat! Meine Parteigenossen und insbesondere unser Klubobmann Genosse Dr. Heller haben bereits eineganze Reihe von Posten, welche dieses Budget beinhaltet, eingehend besprochen und ich möchte nur kurz auf etwas hinweisen, das uns in so krassen Gegensatz zu dieser Regierung und ihren wirtschaftlichen Problemen bringt, das ist die Bodenreform. Die Bodenreform ist bestimmt eines der schwierigsten Probleme, welches ein Staatswesen zu regeln die Aufgabe hat, weil an diesem Problem nicht nur die Besitzer von Grund und Boden, nicht nur die in den landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Arbeiter und Angestellten interessiert sind, sondern die gesamte Bevölkerung des Staates, das Industrievolk mitinbegriffen. Das industrielle Proletariat hat an der landwirtschaftlichen Produktion und Gütererzeugung ein genau so großes Interesse, weil seine Lebenslage mit dieser Produktion im Zusammenhange steht. Das muß im vorhinein ausgesprochen werden, um die widersinnige Behauptung zu zerstören, als wäre die Bodenreform nur eine Angelegenheit des Staates und der ländlichen Bevölkerung. Wenn wir uns aber die Bodenreform, wie sie in der èechoslovakischen Republik bis jetzt durchgeführt wurde und noch durchgeführt wird, näher betrachten, so kann von einer Bodenreform, wie wir Sozialdemokraten - sie uns vorstellen, absolut keine Rede sein. Wir sehen hier klar, daß diese Bodenreform als ein Instrument der Èechisierung deutscher Sprachgebiete betrachtet wird und die Schöpfer dieser Bodenreformgesetze sich lediglich von nationalistischen Eroberungsplänen leiten ließen. Es wurde dabei übersehen, daß in absehbarer Zeit durch diese Bodenreform Ihr eigener Staat durch die Zersclilagung des Großbesitzes in kleine Zwergbesitze jeder Entwicklungsmöglichkeit beraubt werden muß. Wir glauben schon, bevor man an die Aufteilung der großen Güter in kleine Zwergbesitzungen schreitet, wäre es viel besser, man schritte sofort an die Sozialisierung dieser großen Güter; denn es ist falsch, was einer dieser Herren behauptet hat, daß die Produktion dadurch nicht gefördert wird, wenn der Großgrundbesitz als Privateigentum aufhört. Denn die Herrschaften, wie wir sie alle hier in Böhmen haben, diese Lobkowitze und diese Czernine, diese Bierbarone Dreher und Fürstenberge und Schwarzenberge und alle diese Berge, wie sie heißen, die kennen ihre. Güter gar nicht, die Bewirtschaftung dieser Güter wird besorgt von ihren Güterbeamten, und die werden sich bei der Sozialisierung genau so in den Dienst der Allgemeinheit stellen, wie sie es heute bei den großen Herren tun müssen.

Dieser Grundsatz ist aber bei dem gegenwärtigen Bodenamt nicht der Leitstern, sondern, wie ich schon angeführt habe, sind die Schöpfer von ganz anderen Anschauungen ausgegangen. Ich bin ebenfalls dafür, daß bei der Bodenverteilung alle jene Kleinbauern und Kleinhäusler volle Berücksichtigung finden sollen, welche ihre Kleinbetriebe in Ordnung halten und ihre Felder gut bestellen. Aber nicht berücksichtigt werden sollen die, welche das wenige, was sie heute besitzen, noch verludern lassen, statt Feldfrüchte bloß Unkraut ernten. Es käme daher nicht nur jener Grund und Boden in Frage, welcher bei dem großen Grundbesitz ist und sich nicht großzügig bewirtschaften läßt, sondern auch der Boden der Groß- und Mittelbauern, soweit diese ihren Grund und Boden zum Schaden der Allgemeinheit vernachlässigen. Wogegen ich mich. aufs allerentschiedenste ausspreche, ist die Zerschlagung von Gütern in ganz kleine Parzellen. Es ist grundsätzlich falsch, wenn man glaubt, daß der Kleinbetrieb in der Landwirtschaft dem Großbetrieb vorangeht. Der Groß- und Kleinbetrieb bei der Landwirtschaft ist ähnlichen Arbeitsmethoden unterworfen wie die Industrie. Daß falsche Anschauungen sich bei vielen festgesetzt haben, ist nicht zuletzt das Verschulden der Agrarier selbst. Denn sie waren es, die bei irgendeiner. Gelegenheit, wo es sich um einen sozialpolitischen Fortschritt für die landwirtschaftlichen Arbeiter handelte, einwarfen: Ja, das geht bei der Landwirtschaft nicht, wir sind anderen Naturgesetzen unterworfen, unser Betrieb kann nicht, wie der Herr Senator Zuleger sich ausgedrückt hat, nach den Methoden der Fabrikspfeife gerichtet werden usw. Es ist daher nur begreiflich, wenn bis heute derartige Anschauungen sich im Gehirne der Menschen festsetzen. Ich aber sage Ihnen, der Arbeitsprozeß der Landwirtschaft ist ähnlichen Methoden unterworfen wie der der Industrie. Bei der Großindustrie spielt nämlich die Arbeitsteilung die wichtigste Rolle und so ist es auch beim Großbetrieb in der Landwirtschaft. Nehmen Sie z. B. eine Schuhwarenfabrik. Da gibt es Zuschneider, Herrichten Stepper, Arbeiter, welche die Schuhe mittels einer Maschine nähen, sie ausputzen und zum Verkaufe fertigstellen. Das ist die Arbeit im Großbetriebe und deshalb ist sie rentabler, nicht nur wegen des maschinellen Betriebes, sondern auch deshalb, weildie Fingerfertigkeit der einzelnen in diesen Betrieben gerade auf ihr Fach eingearbeiteten Arbeiter besser vonstatten geht. Genau so vollzieht sich der Arbeitsprozeß beim Großbetrieb in der Landwirtschaft.

Wenn wir in landwirtschaftliche Großbetriebe Einsicht nehmen, so sehen wir genau denselben Arbeitsprozeß schon bei der Saatbestellung. Die nötigen Bespannungen werden da mit den entsprechenden Hilfsmitteln, die die Saat bereiten, hergerichtet, dahinter geht die Säemaschine, es wird dadurch und durch andere Vorkehrungen der Boden gewalzt und zugeschlichtet und die Saat ist im Boden. Anders ist die Sache beim Kleinbetrieb. Da muß jede einzelne dieser Arbeiten separat verrichtet werden. Es gehört nicht zu den Seltenheiten, daß die Arbeit des Kleinbauern, bevor er sein Stückchen Saat in den Boden bringt, speziell beim Frühjahrsanbau einigemale infolge des Regenwetters auf einem und demselben Felde eine Unterbrechung erfahren. muß. Genau so und noch viel drastischer ist das dann bei der Ernte der Fall. Der Großgrundbesitzer aber wird sein Getreide mit Mähmaschinen abmähen, er hat genügend Leute, die er zum Binden dirigieren kann. Er kann die nötige Anzahl Bezüge beistellen, welche das Getreide in die Scheunen oder Schober bringen, oder er drischt es sofort auf dem Felde, wenn es möglich ist, der ganze Arbeitsprozeß vollzieht sich infolge der Arbeitsteilung wie ein Uhrwerk, genau so wie bei der oben angeführten Schuhfabrik. Wenn Sie heute, meine Herren, auf die Äcker,schauen, so sehen Sie, daß es infolge der Trockenheit unmöglich war, daß die kleinen Besitzer ihr Feld beackern können. Die Großgrundbesitzer aber haben ihre Felder mittels Dampfpflug, mittels Motorpflug bereits umgepflügt und sie für die Frühjahrssaat bereitgestellt. Das bedeutet, daß für die Erzeugung von landwirtschaftlichen und allen anderen Produkten, wenn das kommende Frühjahr nicht günstig ist. bei der, kommenden Ernte große Schwierigkeiten entstehen werden. Wenn wir uns die ganze Produktion, wie wir sie heute im Großbetriebe haben, ansehen, so finden wir, daß unsere Städte einzig und allein durch die Großbetriebe mit Milch versorgt werden. Wenn aber so weiter reformiert wird, wenn noch soviel Boden beschlagnahmt werden. wird, werden wir in ganz kurzer Zeit die Erfahrung machen, daß unsere Städte schon in den nächsten Jahren keine Milchversorgung mehr haben, daß die Säuglinge und die stillenden Mütter in den Städten ohne das wichtigste Nahrungsmittel, ohne die Milch, dastehen werden.

Es wird behauptet - und leider tun dies auch unsere èechischen Parteigenossen - daß der Kleinbetrieb in der Landwirtschaft erträgnisreicher ist als in der Industrie. Diese Behauptung wird damit begründet, daß angeblich beim Großbetrieb der Landwirtschaft der Achtstundentag besteht, während der Kleinbauer 16 und noch mehr Stunden auf seinem Betriebe arbeitet. Erstens ist unsozialistisch, wenn man eine große Klasse von Menschen wieder zur Sklaverei degradieren möchte, aber es ist auch nicht wahr. Selbst wenn der kleine Landwirt 24 Stunden arbeiten würde, würden die Gestehungskosten immer noch höher sein. als bei dem mit rationellen technischen Hilfsmitteln ausgerüsteten landwirtschaftlichen Großbetrieb.

Das wichtigste bei der ganzen Produktion ist, durch welche Einrichtungen, Mittel und Methoden wir in den Stand gesetzt werden, den Grund und Boden ertragreicher zu machen, damit er uns mehr als jetzt im Interesse unserer Volksernährung Getreide abwirft. Und da meine ich schon, wenn wir das wollen, müssen wir den Großbetrieb vorziehen, weil er mittels der technischen Hilfsmittel, die ihm heute zur Verfügung stehen und die noch mehr verbessert und ausgestaltet werden können, in der Lage ist, dort, wo heute ein Halm oder eine Ähre steht, in kurzem zwei oder drei Halme und Ähren erstehen zu lassen. Um das zu erreichen, ist die Tiefkultur des Bodens Vorbedingung. Der mittels Dampfpflug oder Motorpflug tief aufgewühlte Boden gibt der Pflanze nicht nur mehr Nährboden, er schützt auch vor größerer Dürre und Nässe. Denn dieser tiefaufgewühlte Boden hält länger feucht in einem trockenen Jahr, er ist bei einem nassen Jahr - und das gilt vornehmlich dort, wo schwere Böden sind - durchlässiger, sodaß die Bodenfrüchte nicht so unter der Nässe zu leiden haben.

Das allerwichtigste aber für eine rationelle Ausbeutung des Grundes und Bodens ist der Frucht- und Stoffwechsel. Und da fehlt es bei unseren kleinen und mittleren Bauern noch sehr an Verstand- nis. Es hat ihnen dieser Tage bei der Budgetdebatte mein engerer Landsmann, Kollege Zuleger, erzählt, daß er auf 1 ha Boden nur 21 oder 22 Meterzentner Kartoffeln geerntet hat. Ob aber diese Ernte nicht im Zusammenhänge mit dem Fruchtwechsel steht? Denn gerade die Kartoffel ist jenes Produkt, das der Landwirtschaft mitunter große Schwierigkeiten verursacht. Ich bin zwar kein Bauer, aber als Ökonomierat unserer Stadt steht mir die Aufgabe zu, den städtischen Land- und Forstbetrieb mitzubewirtschaften. Ich habe dieses Jahr auch im Saazer Bezirke bei 13/4 ha Boden 120 q Kartoffeln geerntet. Natürlich muß da, wie schon erwähnt, speziell beim Kartoffelbau, auf den Fruchtwecbsel geschaut werden. Aber - und wir haben das bei der staatlichen Bewirtschaftung von Kartoffeln, erfahren, wobei ich selbst in meinem Gebiete daran beteiligt war - wir haben gesehen, daß in unserem Bezirke, der gewiß nicht zu den rückständigsten auf dem Gebiete der Agrikultur gezählt werden kann, Kartoffel abgeliefert werden, deren Saatgut vielleicht schon von den Großvätern dorthin gebracht wurde.

Natürlich dann kann, wie Kollege Zuleger sehr richtig sagte, das keine Speisekartoffel sein; das ist nur Schweinefutter. Es kommt aber, meine Herren, darauf an, daß, auch die Düngemittel beim landwirtschaftlichen Bodenbetrieb berücksichtigt werden. Wir, sehen auch hier, daß den Düngemitteln icht die nötige Sorgfalt zugewendet wird, daß immer wieder frisches Saatgut angekauft und Bodenwechsel zwischen Körner, Hackfrucht, Hülsenfrüchten, Klee und altem Boden stattfindet. Nach all diesen Grundlagen ist der Großbetrieb dem Kleinbetrieb überlegen, da er über geschultere Kräfte verfügt als der Kleinbetrieb. Nun gibt es aber, meine Herren, unter den Kleinbauern solche, die zwar einwandfrei zugeben, daß der Großbetrieb in der Landwirtschaft dem Kleinbetrieb beim Getreidebau überlegen sei, aber bei der Viehzucht ist es schon wesentlich anders, da sei nämlich der Kleinbetrieb dem Großbetrieb vorzuziehen. Auch das stimmt nicht, meine Herren. Sie suchen das zwar mit Statistiken zu beweisen, aber hier kommt nicht die Stückzahl in Frage, sondern die Gewichtszahl. Und noch Eines, meine Herren. Wie ich schon eingangs erwähnte, werden die ganzen Industriestädte Böhmens vom Großbetrieb mit Milch versorgt, in der nächsten Zeit aber werden sie ohne Milch dastehen, wenn so weiter reformiert wird. Wenn aber diese großen Bevölkerungsschichten unserer Industriezentren und Städte lediglich auf die Einfuhr ausländischer Nahrungsmittel angewiesen wären, wäre unsere ganze Volkswirtschaft samt dem Staate über kurz oder lang dem Untergange geweilt.

Meine Herren, gestatten Sie mir, daß ich noch einige Worte über unser gegenwärtiges Ernährungswesen verliere. Der Herr Sen. Zuleger hat in seiner Rede eine ganze Reihe von Anklagen erhoben, von denen so manche berechtigt sind. Er hat Ihnen den notleidenden Bauernstand sehr drastisch vor Augen geführt und es fehlten ihm nur noch die großen Geldsäcke der Saazer Hopfenbauer, um Ihnen das ganze Elendsbild darzustellen. Gewiß, bei den Vorschreibungen, bei den Anforderungen, bei der Aufbringung der Getreidefrucht geht es genau so zu, wie im alten Österreich. Aber ich meine, da sind die Herren von dieser Seite nicht ganz freizusprechen, denn hätten sie nicht der staatlichen Versorgung den größten Widerstand entgegengebracht, hätten sie sich mit in den Dienst der großen Sache gestellt, so hätte gar nicht passieren können, daß der Staat gezwungen worden war, unfähige Leute dort einzustellen, die die Vorschreibungen und die Aufbringung des ganzen, staatlichen Ernährungsdienstes durchzuführen hatten. Der Herr Senator Zuleger hat Ihnen auch, erklärt, daß infolge der Dürre die Landwirte gar nicht in der Lage sind, das vorgeschriebene Getreide abzuliefern. Gewiß haben sich manche von der diesjährigen Ernte mehr versprochen, als der Drusch ergeben hat. Aber gar so schlimm steht denn die Sache doch nicht. Ich will wieder auf meine eigene Bewirtschaftung hinweisen. Ich habe die erste Ablieferung durchgeführt, wir haben ebenfalls schon die zweite Ablieferung durchgeführt; dann kommt noch in Betracht, daß hier nicht so viel Getreide zur Verfügung steht, weil ich die übrige Bespannung mit Hafer und Schrotgetreide versorgen muß, r weil ich dazu an 200 q Hafer und Schrotgetreide notwendig brauche und trotzdem ist immer noch so viel übrig, um die Regie decken zu können. Aber, meine Herren, wir dürfen nicht vergessen - und dass ist wohl hier das wichtigste - daß heute nicht nur die industriellen Arbeiter unter der fürchterlichen Arbeitslosigkeit Leiden. Gehen Sie hinaus in das Saazer Gebiet, gehen, Sie in die Stadt Saaz, in diese hochentwickelte grüne Hopfenstadt, Sie finden dort über 1000 Arbeitslose, davon 50% Landwirtschaft liche Saisonarbeiter. Diese landwirtschaftlichen Arbeiter sind sogenannte "Sommerweiner". Bei uns bezeichnet man die Hopfengärtner als "Sommerweiner", was wahrscheinlich von Winzer abgeleitet ist. Sie haben auf den Rübenuns d Gemüsefeldern gearbeitet und sie sind heute arbeitslos, haben keinen Verdienst. Bei den großen Schwarzenbergischen Besitzungen sind Wechselschichten eingestellt, es wird wöchentlich nur an drei Tagen gearbeitet, es müssen die Arbeiter abwechseln, sie haben nur drei Tage Arbeit in der Woche. Also genau so wie in unserer Textilindustrie. Für die findet man kein Wort. Man findet nur Worte der Not und des Elends für die Agrarier, die landwirtschaftlichen Produzenten, nicht aber für den landwirtschaftlichen Arbeiter. Bei unseren Bezirkskrankenkassen, die durchschnittlich nur 8000 Mitglieder zählen, zahlen wir wöchentlich über 4000 Kronen an Krankengeldern ohne Medikamente aus. Und diese Krankengelder werden zum großen Teile von diesen arbeitslosen landwirtschaftlichen Saisonarbeitern geholt, die sich die Krankheit auf den kalten Rübenfeldern der Großgrundbesitzer geholt haben.

So, meine Herren, liegen die Dinge, und da spricht man noch von den "roten Krankenkassen". Verleumdungen, meine Herren, sind es. Sie wissen gar nicht, was die Krankenkassen leisten, weil Sie keinen Einblick in die Dinge haben. Die Krankenkassen müssen einen Teil der Altersversorgung, der Arbeitslosenversicherung und der Altersversicherung mit auf ihren Schultern tragen, und dann hat man noch die Frivolität, von den "roten Krankenkissen" zu sprechen, wo man nicht weiß, wohin die Gelder kommen. Ich meine, es ist Aufgabe auch derlandwirtschaftlichen Betriebsunternehmer, daß sie das Seil nicht allzu straff anspannen, denn es könnte doch einmal reißen. Wenn Sie erklären, es soll nicht aus den Taschen der Kleinen gehen, gut, es geht aus allen Taschen, alle müssen beisteuern bei der kolossalen, fürchterlichen Wirtschaftskrise.

Meine Herren, ich habe in großen Umrissen darauf verwiesen, daß nicht nur die Bodenreform, sondern unsere ganze Volkswirtschaft arg darniederliegt. Weil die gegenwärtige Regierung nicht die Mittel und Wege findet, um diese fürchterlichen Zustände auf dem Gebiete unserer Volkswirtschaft und unseres Ernährungswesens zu beseitigen, deshalb haben und können wir zu dieser Regierung kein Vertrauen haben und werden gegen dieses Budget stimmen. (Souhlas a potlesk.)

2. Øeè posl. Jelinka.

Hoher Senat! Obwohl wir wissen, daß die Verhandlungen über das Budget im Senate eine bloße Formalität sind, haben wir uns doch entschlossen, an denselben teilzunehmen, und beabsichtigten zum Voranschlag rein sachlich zu sprechen. Ich selbst habe mir einige das Handelsressort betreffende Angelegenheiten zurechtgelegt, deren Erörterung mir von einer gewissen Wichtigkeit erschien. Wie immer aber, so hat sich auch diesmal aus der sachlichen eine politische Debatte entwickelt, ein Beweis, daß die nationale Frage vorderhand noch immer die wichtigste, das. ganze Staatswesen bis ins Innerste berührende Frage ist.

Daß der Senat jede Bedeutung verloren hat, daß alle von seinen Mitgliedern gestellten Anträge wertloses Papier bedeuten, daß er machen und lassen muß, was andere Faktoren wünsch, das ist Ihre Schuld, meine Herren von der Majorität, die sich nicht aufbäumen gegen die entwürdigende Rolle, die Ihnen als freigewählten Volksvertretern zugemutet wird. Die Luegerschen Barrierestöcke seligen Angedenkens sind Helden an Nackensteife und Selbstbewußtsein gegen die Mitglieder unserer Majorität (souhlas), welche wohl den Mut aufbringen, in den einzelnen Ausschüssen und selbst hier im Hause gegen das Budget zu sprechen, manchmal sogar in sehr scharfen Ausdrücken, die aber nie und nimmer den Mut finden, auch gegen die von ihnen bekämpften Posten des Budgets zu stimmen. Obwohl gewisse Anzeichen darauf schließen lassen, daß die unter so großen und schweren Schmerzen geborene Koalition bedenkliche Risse aufweist und ihrer Dauer gewiß kein allzu langes Prognostikon gestellt werden kann, so werden doch bei der Abstimmung alle Schattierungen Ihrer Parteien für den Voranschlag stimmen und der Regierung das Vertrauen aussprechen, das sie weder bei, uns, noch bei einem großen Teile Ihres Volkes genießt. Die bisherige Debatte bewies uns neuerlich die nicht zu verhüllende Kluft innerhalb der Majorität, die letzte Debatte hat uns bewiesen, daß sowohl der Name der Republik, wie die sogenannte Staatssprache der Republik nicht anerkannt werden von einem großen Teil Ihres Volkes, und die Harmonie der Mehrheit zeigt sich bei jeder Gelegenheit im allerschönsten Lichte. Ob die Auslandspropaganda dazu beitragen wird, z. B. die gestrige Rede oder die Szenen, die sich anläßlich der Rede des Kollegen Walló in diesem hohen Hause abgespielt haben, klar und offen den großen Freunden bekannt zu geben, weiß ich nicht.

Vielleicht wird der "Matin" morgen schon die Nachricht bringen, daß sich Walló und die verehrten Mitglieder der nationaldemokratischen Partei vor Rührung über den unzweideutigen Beweis von Liebe und Zusammengehörigkeit umarmten und küßten und sich ewige Treue schwuren. (Veselost.) Dies könnte, dem Stile des Memoire III entsprechend, ausgeschmückt und die Èechoslovakei der Welt als ein Eiland himmlischer Freuden dargestellt werden, Wir freilich betrachten diese Liebesergüsse ein wenig anders und sehen in ihnen nur einen neuerlichen Beweis der künstlichen, widernatürlichen Konstruktion dieses Staates. (Souhlas.)

Die einzelnen geehrten Redner der Majorität haben größtenteils, wie ich schon vorhin sagte, nicht sachlich, sondern politisch gesprochen und ich werde mir erlauben, einzelnen derselben zu entgegnen, obwohl dies bereits von meinen Verbandsgenossen geschehen ist.

Herr Dr. Franta meinte zu Beginn seiner Ausführungen, daß es den Deutschen in diesem Staate viel besser ergehen würde, wenn sie es verstanden hätten; sich gleich zu Beginn diesem Staate vollständig anzuvertrauen, wenn sie es verstanden hätten, gleich zu Beginn diesen Staat als den ihrigen anzusehen. Herr Dr. Franta scheint absichtlich vergessen zu haben, daß diesbezüglich. Schritte seitens der Deutschen unternommen worden sind. Ich will Sie nicht an das hier schon oft besprochenen Beisammensein des Abg. Ra¹in mit dem Abg. Seliger erinnern. Ich will Ihnen nicht wieder die Worte vorbringen, die ja heute zu geflügelten Worten geworden Sind. Aber ich will eine vielleicht Ihnen oder vielleicht der breiten Öffentlichkeit weniger bekannte Tatsache erzählen. Bald nach Bildung des Národní výbor in Brünn hat sich auch auf deutscher Seite ein sogenannter Deutscher Nationalrat gebildet und dieser Deutsche Nationalrat hat, wenn ich nicht irre am B. November 1918, an den Národní výbor ein Schreiben gerichtet, in dem er ihm seine Konstituierung anzeigt und ihn auffordert, in den wirtschaftlichen und nationalen Angelegenheiten mit ihm zu verhandeln. Dieses Schriftstück, das rekommandiert abgeschickt wurde, ist bis heute nicht beantwortet. (Hört! Hört!) Sie sehen daraus, meine Herren, daß wir damals das Bestreben hatten, mit der geehrten Majorität in Fühung zu treten, daß wir damals schon zu Beginn dieses Staates das Bestreben hatten, unsere nationalen Angelegenheiten mit Ihnen, wenn ich so sagen darf, in freundschaftlicher Weise zu lösen. Sie aber haben uns die Antwort derart gegeben, daß Sie eine Erledigung unseres Schriftstückes bis zum heutigen Tage verzögert haben. Herr Dr. Franta meint auch, wir wären speziell mit Schulen übersättigt. Ich gäbe rundweg zu, meine sehr geehrten Herren, daß unser deutsches Schulwesen sich bis zum Umsturz auf einer ziemlichen Höhe der Entwicklung befand. Wenn. Ihre Schulen nicht so ausgestaltet waren, wie Sie es wünschten, so sind Sie, meine. Herren, bezw. diejenigen schuld, die Ihr Volk früher vertreten haben. Ich habe schon anläßlich einer früher abgeführten Debatte darauf hingewiesen, das es speziell die Vertreter des èechischen Volkes waren, welche sich mit aller Energie gegen das Reichsvolkschulgesetz gewehrt haben und welche namentlich von der Errichtung von Bürgerschulen nichts wissen wollten. Es ist z. B. in den Protokollen des mährischen Landtages nachzulesen, daß die Vertreter des èechischen Volkes, um eine Beschlußfassung über das Landesgesetz zum Reichsvolkschulgesetz unmöglich zu machen, den Saal verliessen mit dem schärfsten Protest gegen diese Schulen. Erst viel später - ich glaube, es war inzwischen ein Zeitraum von zehn Jahren verflossen - haben Ihre Vertreter die Wichtigkeit und Bedeutung speziell der Bürgerschulen anerkannt, und von diesem Zeitpunkte an erfuhren Ihre Wünsche, speziell was Mähren anbelangt, vollste Berücksichtigung.. Ich würde sehr bitten, wenn einer der geehrten Herren, welche gegen die Deutschen in diesem Sinne gesprochen haben, alsob sie die èechische Bevölkerung, was ihre kulturelle Entwicklung durch die Errichtung von Schulen betrifft, gehindert haben, auch nur einen einzigen Fall in den letzten 20 Jahren bekannt gäbe, wo die Wünsche der èechischen Bevölkerung, speziell bezüglich Volkschulen und Bürgerschulen; nicht berücksichtigt worden wären. (Výkøik sen. Hartla.)

Der Herr Senator Propst Valou¹ek hat den Deutschen in Mähren Unverträglichkeit und Ungerechtigkeit vorgeworfen und weiterhin gesagt, daß alles dasjenige, worum die rechen auf kulturellem und sachlichem Gebiete verkürzt wurden, erst nachgeholt werden müsse, dann erst würde den Wünschen der Deutschen nähergetreten werden können. Nun wundert es mich sehr, daß gerade Herr Senator Valou¹ek, der ein langjähriges Mitglied des mährischen Landtages war, den Deutschen Mährens den Vorwurf Gier Ungerechtigkeit und Unverträglichkeit macht. Propst Valou¹ek hätte genau wissen müssen und weiß, daß speziell die Deutschen von Mähren ihren èechischen Mitbürgern stets entgegengekommen sind und zu einer Zeit, wo die Deutschen noch die numerische Übermacht im mährischen Landtag hatten, zu dem sogenannten "mährischen Ausgleich" schritten, welcher das Verhältnis zwischen der èechischen und der deutschen Bevölkerung vollständig, und auf gerechte Weise löste. (Sen. Valou¹ek: Toho pøíèinou byla jenom na¹e veliká smíølivost!) Das war nicht die Ursache. Daran waren nicht Sie, sehr geehrter Kollege Valou¹ek, schuld. Es war bereits im Jahre 1896, daß wir an diese Frage herangetreten sind, die wir dann 1905 gelöst haben. Meine sehr geehr ten Herren! Ich speziell stehe auf dem Standpunkt, daß uns Deutschen die Sperrung von Schulen, die von. Ihnen in so brutaler Weise vorgenommene Drosselung unseres Schulwesens gegenwärtig wohl schädigen kann. Aber die Kultur des deutschen Volkes hängt nicht von Ihrer Gnade ab, Pater Valou¹ek. (Souhlas. - Výkøiky sen. Valou¹ka.) Sie wird dadurch gar nicht berührt, sie ist, Gott sei Dank, durch tausendjährige Arbeit so festgelegt, daß Sie ihr nichts anhaben können. Wenn Sie und Ihre Genossen heute die Gnade haben, uns alles zu versprechen, bis auch Sie auf dieser Kulturstufe stehen werden, dann ist dies erstens einmal eine sehr problematische Sache und zweitens - nehmen Sie es mir nicht übel - dann müßten wir sehr lange warten. (Sehr gut! - Výkøiky.) Sie wissen, daß wir auf eine viel längere Kultur zurückblicken können; auf eine tausendjährige Kultur. Ich frage Sie nur: Wo waren denn die Vertreter des èechischen Vollfes, als unsere Minnesänger sangen, als unser Nibelungenlied erklang, als in Weimar das klassische Zeitalter befruchtend und belebend auf den ganzen Erdban wirkte? Icn will durchaus nicht sagen, meine geehrten Herren, daß Sie vielleicht keine kultur haben. Im Gegenteil. Ich gehöre zu denjenigen, welche Ihre Kultur hochschätzen und achten. Aber das eine müssen Sie doch zugeben, daß Ihre Kultur jung ist, daß Sie zurückblicken können höchstens auf einen Zeitraum von 150 Jahren. Ich schätze hoch ihre licter Vrchlický und Èech, Jungmann, Havlíèek und Machar. Ich achte hoch die Kunst eins Manes, ich achte hoch Ihre Gelehrten Dobrovský und Palacký, Ihre Komponisten Smetana und Dvoøák. Das ist ganz richtig. Dann dürfen Sie doch nicht vergessen und fragen, wann eigentlich die Kulzur des èechischen Volkes begonnen und wer dazu beigetragen hat. (Sen. Valousek: Daleko pøed tím ne¾li pøisla nìmecká, byla v Praze universita! - Sen. Dr. Spiegel: Aber die war doch nicht èechisch!) Und gerade weil Sie sagen, die Universität in Prag - - - (Sen. Valou¹ek: Ale proè nebyla v Berlínì, je¹tì jste tam nezardousili Slovany? - Sen. Dr. Spiegel: Weil Prag die Hauptstadt des Deutschen Reiches war, Berlin war damals nicht der, Mittetpunkt des Deutschen Reiches!) Gerade, weil Herr Senator Valou¹ek auf die Prager Universität hinweist, erlaube ich mir daran zu erinnern, daß es damals niemand anderer war, als der Ihnen verhaßte Kaiser Josef II., der an der Prager Universität eine Lehrkanzel für èechische Sprache und Literatur errichtete. (Hört! Hört!) Und die von ihm errichtete Lehrkanzel war es, welche befruchtend auf die Entwicklung des èechischen Literatur im 19. Jahrhunderte wirkte. (Sen. Hartl: Reden Sie nicht, bei Kulturfragen von der deutschen Universität! - Sen. Valou¹ek: To bylo truchlivé, ¾e v Praze teprve Josef II. musil zaøizovati, stolici pro jazyk èeský! - Sen. Dr. Spiegel: Es war doch damals die GelehrteSprache lateinisch! Wo hat es anderswo eine solche Lehrkanzel gegeben?) Ich leugne nicht den Bestand Ihrer Kultur, ich behaupte nur, es fehlt ihr noch die Patina.

Auch Sen. Krojher, der das Prototyp eines Verkünders wahrer christlicher Nächstenliebe zu sein scheint (veselost), hat über die politischen Verhältnisse gesprochen und hat sich auf das alte Österreich berufen, aber wenn es ihm paßt. Er hat sich auf das alte Österreich berufen, als er über die Grundsteuer sprach, und er hat das alte Österreich verflucht in dem Augenblicke, wo er über politische Angelegenheiten gesprochen hat, und er war es gerade, der von der sogenannten "deutschen Vorherrschaft" in Österreich gesprochen hat. Sagen Sie mir im Ernst, wann war denn diese deutsche Vorherrschaft im alten Österreich wirksam? Vielleicht war sie es in den ersten Jahren der konstitutionellen Ära, und da müßten Sie gerechter Weise zugestehen, daß gerade in dieser Ära die besten Gesetze, welche wir im alten Österreich hatten, geschaffen worden sind. Ich brauche Sie bloß an das Rechsvolksschulgesetz zu erinnern. Daß aber damals die Deutschen ihre Majorität nicht ausgenützt haben, dafür ist der beste Beweis, daß sie nicht die Staatssprache festgesetzt haben, daß sie auch nichts unternommen haben, was gegen die Èechen gerichtet war. Und später waren Sie doch immer in der Majorität, Sie hatten Ihre. Vertreter im Eisernen Ring, Sie waren im Hohenwartklub. Sie waren später in der Majorität bei Taaffe und bei Badeni! Also hatten Sie meiner Ansicht nach Zeit genug, um das nachzuholen, was Ihnen die Deutschen nicht gegeben haben. Warum haben Sie denn damals den Ihnen günstigen Zeitpunkt nicht ausgenützt? Das war wieder ein Fehler Ihrerseits! Der Herr Senator Krojher hat auch selbstverständlich wie alle Ihre Redner von dem sogenannten...... (Sen. Hard: Erinnern Sie sich daran, was in Prag bei dem Badenisturz vorgegangen ist, wo Sie drei Tage geplündert haben, das hat Ihnen das alte osterreich gestattet!)..... von dem sogenannten Nationalstaat gesprochen, Außer dem Pater Krojher hat auch der Eisenbahnminister dies in Olmütz wiederholt. Ich glaube, man muß nicht gerade Theologie studiert haben und ein angeborenes Talent zur Führung des Eisenbahnressorts haben (veselost), um einzusehen, daß ein Staat, der von 13. Milionen Menschen beivohnt ist, dann kein Natioiialstaat ist, wenn, er fünf bis sechs Nationalitäten in sich vereinigt. Sie können das bei jeder Gelegenheit hier im hohen Hause, bei allen Versammlungen draußen verkünden mit jenem Pathos das Ihnen in diesem Augenblicke zur Verfügung steht, aber Sie werden die Tatsche nicht aus der Weit schaffen, daß dieser. Staat kein Nationalstaat ist, sondern nur in Ihrer Phantasie als Nationalstaat gelten kann. (Souhlas. - Výkøiky.)