Pøíloha

k tìsnopisecké zprávì o 80. schùzi senátu Národního shromá¾dìní republiky Èeskoslovenské

v Praze ve støedu dne 14. prosince 1921.

1. Øeè sen. Fahrnera.

Verehrte Herren! Ein neuer Stern ist am Völkerhimmel im Aufstiess begriffen. Der Stern des freien Volkes der Iren, Wir begrüßen es und danken ihm für die Kämpfe, die es für uns gekämpft hat; denn sein Kampf war unser Kampf und sein Sieg ist unser Sieg. Wir freuen uns heute, diesen Glückwunsch an das freie irische Volk senden zu können. Wir anerkennen aber auch die Einsicht des stolzen, weltumspannenden Englands, daß es seine Waffen senkte vor dem heiligsten Rechte der Völker, vor dem Tempel des Selbstbestimmungsrechtes, den es mit Blut nicht besudeln wollte. Ich glaube, es ist dies ein Memento für alle minores gentes, daß sich das heiligste Recht der Völker nicht auf die Dauer durch Gewalt und Bajonette unterdrücken läßt.

Nun gestatten Sie, verehrte Herren, daß ich Sie aus diesem Reiche der Freude und der Freiheit zurückführe in unseren nüchternen Alltag, zur noch nüchterneren Debatte über das Budget, Es wurde dem jetzigen Kabinett vorausgesagt, daß es ein Kabinett der Mäßigung sein soll. Aber zu unserem Bedauern müssen wir konstatieren, daß die Verfolgungen, die unsere Angestellten, unsere Arbeiter und unser Volk überhaupt seit Beginn des Staates verspürt haben, nicht im geringsten nachgelassen haben, Wir erinnern Sie, daß gleich nach dem Zusammenbruche die Verfolgungen der deutschen Staatsangestellten und Arbeiter einsetzten, die jeden finit Erbitterung erfüllen mußten, Hunderte und hunderte von deutschen Angestellttn und Arbeitern wurden auf bloße Denunziationen hin aus dem Dienst entlassen und auf die Straße geworfen. Und wenn sie dann bei den einzelnen Zentralen nachfragen, so finden sie auch nicht ein einziges Protokoll, das aufgenommen wurde, und nicht einen einzigen Fall, der tatsächlich untersucht worden wäre. Es sind nur Pauschalverdächtigungen, und trotzdem sind diese Leute auch heute noch ohne Posten und wissen nicht, wie sie ihr Leben fristen sollen. Wenn wir das Ihnen vorhalten so gebrauchen Sie die Ausrede: das ist die Revanche für die Haltung der Deutschen unseren Beamten in Österreich gegenüber!

Ich stehe 25 Jahre im gewerkschaftlichen Kampfe und ich werde Ihnen nachweisen, daß es auch in Österreich den èechischen Kollegen besser ergangen ist, als den deutschböhmischen Staatsangestellten. Ich will Sie erinnern, daß auch in Österreich die Èechisierung der Ämter in Deutschböhmen auf der Tagesordnung war und wir uns eben deshalb zusammenschließen und eine Organisation deutscher Staatsangestellten gründen, mußten. Damals war es der Statthalter Thun, der uns sofort zu sich rufen ließ und uns erklärte: es gibt keine deutschen Staatsanjsestellten in diesem Staate, es gibt nur österreichische Beamte. Statthalter Thun, der mich sogar durch Gendarmerie bei meiner Agitation überwachen ließ, und als er sah, daß wir uns von ihm nicht im geringsten einschüchtern ließen, sofort den deutschen politischen Beamten verbot, sich unserem Verbande der Staatsangestellten anzuschließen, Andererseits aber hat derselbe Statthalter Thun dem Verbande der èechischen Staatsangestellten nicht die geringsten Schwierigkeiten gemacht und hat es ruhig zugelassen, daß sich die èechischen politischen Beamten diesem Verbande anschließen. So sah es schon damals aus. Und Kollege Pánek, der gerade vor mir steht, wird genau wissen, wie lange wir kämpfen mußten, bis wir durchgesetzt haben: deutsche Beamte nach Deutschböhmen, und wie lange wir kämpfen mußten, bis das nationale Schlüsselverhältnis bei der Anstellung der Staatsangestellten anerkannt würde.

Nun waren wir, nun waren die deutschen Staatsangestellten auch beim früheren. Ministerpräsidenten Èerný, und da ist es mir passiert, daß, als ich von >deutschen Staatsangestellten< gesprochen habe, er mich sofort korrigiert und erklärt hat, er kenne weder deutsche, noch èechische Staatsangestellte in der Èechoslovakei, er kenne nur internationale Staatsangestellte. Ich weiß gerade nicht, ob der Herr Ministerpräsident Èerný ein internationaler Staatsangestellter ist; ich glaube, er gehört in ein, ganz anderes Lager, Als unlängst ein Kollege voll der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Budgetdebatte des Senatsausschusses von der >deutschen Gendarmerie< gesprochen hat, hat Dr. Èerný sofort erklärt: wenn von >deutscher< Gendarmerie gesprochen wird, da werden Sie einsehen, daß diese Frage mit besonderer Vorsicht behandelt werden muß, Aber derselbe Herr Minister Èerný erinnert sich doch öfter daran, daß es auch deutsche Gendarmen gibt, aber nur in dem Augenblick, wenn es heißt, deutsche Gendarmen gegen èechische Arbeiter zu schicken, oder umgekehrt, die èechischen Gendarmen gegen deutsche Arbeiter zu schicken. (Souhlas na levici.) Da weiß man ganz genau, daß es deutsche und èechische Gendarmen und Staatsangestellte gibt.

Meine Herren, erinnern Sie sich nur daran, wieviele èechische Beamte in den Wiener Zentralstellen waren. Ich gebe zu, daß ein größerer Teil der Beamten in den Zentralstellen deutsche Beamte waren, aber nicht deutschböhmische Staatsangestellte; es waren dies die Beamten aus jenen Wiener Beamtendynastien, die schon von vornherein auf die Staatsämter die Hand gelegt hatten, oder alpenländische Beamte. Aber wir deutschen Staatsangestellten in Böhmen haben es durch unsere Organisation nie durchgesetzt in diesen Zentralstellen zu sein, außer einigen Leuten, die durch private Protektion hineingekommen sind.

Die zweite Art Èechisierung, die Sie durchführen, wird natürlich dann gekleidet in den Mantel der sozialen Reform, Ich erihnere da nur an die sogenannte Bodenreform, die ja schließlich und endlich keinen anderen Zweck hat, als dem deutschböhmischen Lande den deutschen Charakter zu nehmen. Sie erklären, Sie müssen aus strategischen Gründen den Waldgürtel enteignen. Sie erklären, Sie müssen aus strategischen Gründen die deutschen Staatsangestellten bei den Grenzbahnen versetzen. Ich frage Sie: gegen wen ist den diese Strategie gerichtet? Der Herr Minister des Äußern erklärt hier im Hause, daß er Deutschland gegenüber das korrekteste Verhältnis aufrechterhalte und daß nicht ein Funke von einem Zwist oder Mißverständnis herrsche, Wir können dann da nur annehmen, daß diese Strategie gegen das deutschböhmische Volk gerichtet ist. Und dann wundern Sie sich, wenn die Erbitterung in deutschen Kreisen wächst, und dann wundern Sie sich, wenn diese Erbitterung auch in Staatsangestelltenkreisen wächst? Als die deutschen Güterangestellten im Bodenamte vorsprachen und sich erkundigten, was mit den deutschen Angestellten und Arbeitern geschehen werde, hat ein hoher Funktionär die Antwort gegeben. Ihr könnt nach Rußland auswandern! Meine Herren, der Boden, den diese Leute mit ihrem Fleiße, mit Einsatz ihrer Gesundheit durch Jahrzehnte bearbeitet haben, ist deutscher Boden (souhlas na levici), und eine Regelung dieser Frage gibt es erst dann, wenn die Existenz aller Güteraneestellter und Arbeiter sichergestellt ist und erst dann werden die einheimischen Parteien in dieser Frage ein Wort der Zustimmnung zu reden haben.

Sie schicken in die deutschen Gebiete, in die deutschen Ämter Ihre Legionäre zur Kolonisierung, Nun gestatten Sie mir, daß ich ein Wort an die èechischen Legionäre richte und ich bitte sie, sich diese Warte hinter ihren Spiegel zu stecken, Wenn wir Deutsche um unsere Freiheit kämpfen würden und wir hätten deutsche Legionäre, seien Sie überzeugt, daß die deutschen Legionäre keine andere Forderung aufstellen würden als die, für die Frauen und Kinder der Gefallenen und für die Invaliden zu sorgen. (Souhlas nìm. senátorù.) Der Dank für die zurückgekehrten deutschen Legionäre wäre nichts anderes als ein kleines eisernes Kreuz mit der Aufschrift! Die freie deutsche Bevölkerung den Freiheitskämpfern!, und kein einziger deutscher Legionär würde aus seinem Patriotismus und aus seiner Pflicht ein Geschäft machen. (Souhlas nìm. senátorù.)

Dies gilt auch für einen Teil der èechischen Staatsbeamten. Ein großer Teil derselben - ich sage es ganz offen - ist mit dem Kurse, wie er jetzt hier inauguriert wird, nicht einverstanden, Aber diejenigen, die heute unsere deutschen Staatsangestellten immer verdächtigen, machen es nicht vielleicht aus Liebe zu ihrem èechischer Volke oder aus Liebe zum èechischen Staate, nein, sie machen es nur, damit sie an deren Stelle kommen. also aus keinem anderen Triebe, als aus Geschäftspatriotismus. (Souhlas nìm. senátorù.) Müssen wir uns nicht wundern, wenn heute an èechische Staatsangestellte das ehrlose Ansinnen gestellt wird, sie sollen in den deutschen Gegenden draußen die deutschen Beamten bespitzeln und überwachen? Wenn heute, ein deutscher Abgeordneter gilt einem derartigen ehrlosen Ansinnen an einen, deutschen Beamten beranireten würde würde ihn der deutsche Beamte mit Entrüstung zurückweisen, weil, Gott sei Dank, in allen unseren deutschen Staatsaneestelltenkreisen der Sinn für Ehre nicht geschwunden ist. (Souhlas nìm. senátorù.)

Aber nicht nur auf dem Gebiete der Staatsanaestelltenèechisierung, auch durch die Schuldrosselungen müssen wir konstatieren, daß die Èechisierung immer mehr um sich greift, und wir bedauern es, daß es gerade ein sozialistischer Minister war, der gleich nach dem Zusammenbruch bei den Schaaldrosselungen mit Vehemenz ein gesetzt hat, der auch nicht Halt davor gemacht hat, daß deutsche Kinder ihrem Volke entfremdet werden. Er hat gewiß seiner sozialistischen Überzeugung große Opfer bringen müssen. Aber Ehre, wem Ehre gebührt: er hat auch persönliche Opfer gebracht, denn er war der einzige èechische Minister, der nach dem Zusammenbruch das >e< seines deutschen Namens auf den Altar des neuen Vaterlandes als Opfer, hinlege. (Veselost.) Jede Kritik an den Verhältnissen in diesem Staate ist, so sagen Sie, staatsfeindlich. Ja, dann frage ich Sie: Wer ist noch >staatsfreundlich

Nun frage ich Sie, warum war denn Geld hier, als es geheißen hat, die Mobslisierung durchzuführen? Da bat sich der Kollege Navrátil nicht gefunden, der da. aufgetreten wäre und gesagt hätte, zuerst muß den Ärmsten unter den Armen, den Pensionisten, zuerst muß den Staatsangestellten geholfen werden und dann erst reden wir über eine Mobilisierung. Damals war Geld vorhanden, Zuerst hat es geheißen, es kommt ein großes Ausstattungsstück, und als die Bevölkerung damals murrte, hieß es, ja das Ausstattunsssstück zahlen nicht wir, das zahlen die Ungarn, und als Urigarn dazu lächelte und man auch in London darüber lächelte, da hat es dann geheißen, wir werden die Sache selbst bezahlen, wir machen nur eine Probemobilisierung. Kollege Udr¾al hätte es nicht erst sagen müssen, daß es eine Probemobilisierung war, Nach einigen Tagen schon als wir auf der Straße die Kriegsschauspieler gesehen haben, habe ich sofort gesagt, daß es nur eine Probemobilisierung ist, denn alle Helden waren wie auf einer Probe in Zivil. (Veselost.) Es war nur ein Glück, daß es nicht zur Aufführung gekommen ist, denn wenn diese Helden im Zivil nach Ungarn gekommen wären, ich glaube, sie hätten nicht einmal a auf die ungarischen. Mädchen einen besonderen Eindruck gemacht.

Dann hören wir immer: ja, ihr müßt euch auf den Boden des Staates stellen. Was heißt das, >sich auf den Boden des Staates stellenböhmisch<, Wenn wir vor 15 Jahren einem Èechen gesagt hätten, er ist ein Èeche, so wäre er beleidigt gewesen. Da mußte man sagen, er ist Böhme. Heute haben Sie sich damitabgefunden und Sie haben gesagt, der Staat ist der èechoslovakische Staat. Wir wissen, aus welchen Gründen das Geschehen ist. Sie verlangen von uns Patriotismus. Sie sagen aber nicht welchen Patriotismus. Meinen Sie den Patriotismus, wie Sie ihn in Österreich geübt haben, oder meinen Sie den Patriotismus, den die anderen Völker in Österreich übten? Das sind Begriffe, über die wir uns einmal aussprechen müssen. Sie reden immer von Demokratie, Wie meinen Sie diese Demokratie? Verstehen Sie unter >demos< das èechische Volk oder andere Völker? Nach meiner Überzeugunäg sollten Sie nur von Èechakratie reden; denn wir haben in diese Verhältnisse nichts drein zu reden, Sie reden vom Parlamentarismus, wo ist der Parlamentarismus? Ich sehe im Rudolfinum fünf Scharfrichter, die denselben umbringen, die am grünen Tische sitzen und um die Kuhhaut knobbeln, um Strick, Kleidung,und Gewänder der Gehänkten, und die heißen also dann Hüter des Parlamentarismus. Wir sind das Volk. das auf Ordnung schaut, das Pflichtgefühl hat, aber wir müssen erst Ordnung sehen und sehen, daß auch Sie Ihre Pflicht erfüllen. Und gleich bei Beginnt als der Staat gegründet wurde, war es Kollege Klofáè, der uns damals zurief: >Der Staat wird eine höhere Schweiz werden!< Wie wir Deutsche nun schon naiv sind, haben wir uns gleich Turistenanzüge gekauft, Wadenstutzen und Bergschuhe und haben ums gefreut, die Berge der èechischen Freiheit besteigen zu können, Wir mußten aber die Wadenstrümpfe und Bergschuhe wieder ausziehen und Zugsliefel anlegen, weil wir von Niederung zu Niederung, von Sumpf zu Sumpf, von Morast zu Morast geführt wurden, und statt der Luft, der Bergfreiheit, strömt uns die Luft der Grüfte und Kerkermauer entgegen. (Souhlas nìm. senátorù.) Plötzlich fiel Kollege Klofáè als Turist von der höheren Schweiz herunter und sagte: ja, meine Herren, wir leben auf einem Schiff. Da ist er nun zur Schiffahrt übergegangen. Er hat gesagt: >Wenn Ihr dieses Schiff sabotiert, dann geht Ihr mit uns zugrunde.< Angenommen, aber nicht zugegeben, daß wir auf einem Schiffe sind. Was sollen wir sagen, wenn wir auf dem Schiffe einen Kapitän sehen, der nichts von der Schifffahrt versteht, wenn wir einen Steuermann sehen, der nichts von der Schifffahrt versteht? Wenn wir aber auf diesem Schiffe unsere heiligsten kulturellen und wirtschaftlichen Güter haben und zuschauen, daß der Steuermann immer mehr auf Klippen gerät, und sehen müssen, daß die heiligsten Güter auch zugrundegehen müssen, was sollen wir dann aber sagen? Wir sind ja gar nicht auf diesem Schiffe. Auf dem Schiffe - oder besser gesagt - dem Kapperschiffe - den unser deutsches Volk ist gekappert und von zwei Tauen ins Schlepptau genommen, das eine Tau heißt historisches Recht, das andere wirtschaftliches Notrecht - schwimmen wir eben mit. Die Leute, die am Friedenstische in ihrer Unwissenheit über uns das Urteil gefällt haben, werden auch schon langsam sehend und sie werden eines schönen Tages einanal einsehen, welche Fehler bei diesem Friedenskongreß geschehen sind. Ich glaube, dann wird auch für uns gerade so wie für andere Völker die Zeit, der Tag der Freiheit wie für das irische Volk kommen.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie im Wiener Parlament èechische Kollegen zu mir gekommen sind und gesagt haben: >Ihr kennt nicht die èechische Mentalität!< Ja, meine Herren, wir kannten sie sehr genau und ich will darauf hinweisen, daß gerade die deutschen Sozialdemokraten seitdem Brünner Parteitag und wir in der kritischesten Zeit, wo die Waffen der Zentralmächte siegreich waren, im Juli 1917 mit den Uchischen Kollegen darüber gesprochen haben, tob es nicht am Platze wäre, daß wir uns mit ihnen zusammensetzen und eine Lösung unserer Fragen durchführen könnten, Wir haben auf die Mentalität der Èechen Rücksicht genommen und auch der größte Teil des deutschböhmischen Volkes, Die Verhältnisse waren ganz anders. Nicht wir, die Deutschböhmen, sondern die alpenländischen,Deutschen waren seinerzeit gegen die Autonomiebestrebungen, die wir unterstützt haben. Die èechische Mentalität! Erinnern Sie sich doch nur an das österreichische Abgeordnetenhaus, als seinerzeit Sektionschef Dr. Mataja in einer Rede den Ausdruck gebrauchte: >Im Verkehr mit der Postdirektion ist die èechische Sprache zulässig für Postämter dritter Klasse.< Welcher Sturm ging damals durch das österreichische Parlament wellen des Wortes >zulässig©rámek, so antwortet er darauf das Publikum in Paris hat sich daran gewöhnt und es geht Sie nichts an, Sie sind nicht dazu da, etwas dreinzureden.

Dieselbe Deutschfeindlichkeit, die wir im Innern des Staates sehen, sehen wir auch in unserer Außenpolitik. Die ganze Außenpolitik, die Dr. Bene¹ inauguriert hat, ist von Deutschenhaß erfüllt. Ich will mich nicht weiter mit diesen Fragen beschäftigen. Ich gebe Dr. Bene¹ nur folgenden. Rat. Er soll von der Èechoslovakei eine Gefahrenkarte anlegen und in die Gefahrenkarte die inneren und die äußeren Feinde eintragen, Ich bin überzeugt, wenn nichts, so wird das ihn zu einer Politik bringen und er wird auf anderen Wegen wandeln, als auf denen, auf welchen er jetzt wandelt. Ich kann nur offen sagen, auch dieser Kampf muß ein Ende haben, die Geduld, des deutschen Volkes geht zuende. Wir Haben Ihnen x-mal zugerufen: Caveant consules! An Ihnen wird es sein, daß Sie unser deutsches Volk endlich einanal dahin bringen, daß es sieht, die Unterdrückung hat ein Ende. Wellen Sie das. nicht, dauert die Unterdrückung fort, dann wird es Ihre Schuld sein, wenn aus diesem >caveant concules< ein >ceterum censeo< wird. (Potlesk nìm. senátorù.)

2. Øeè sen. dra Naegle.

Hohes Hausl Der èechoslovakische Staat will und soll laut § 2 der Verfassungsurkunde eine demokratische Republik sein. Es haben in beiden Häusern der Nationalversammlung noch wenige Redner aus den Reihen der sogenannten Minderheitsvölker das Wort ergriffen, ohne daß sie sich genötigt gesehen hätten, auf den Widerspruch hinzuweisen, der in dieseln Staat uns auf Schritt und Tritt zwischen dem Begriff >demokratische Republik< und den tatsächlichen Realitäten begegnet. So ist auch die Art und Weise, wie im Parlamente des èechoslovakisehen Staates das Budget vorgelegt, durchberaten, beziehungsweise durchgepeitscht und schließich im Plenum beider Häuser die Debatte durchgeführt wird, nichts mehr und nichts weniger als der reinste Holten auf eine parlainentarische demokratische Behandlung. Irgendwelche Anträge auf Änderung eines Budgetpostens sind von vornherein zum Scheitern verurteilt. Ja, nicht einsmal von Redefreiheit kann hier die Rede sein. Im Budgetansschuß sollten die einzelnen Redner ihre Stellung zum ganzen Etat eines Ministeriums in höchstens 5 Minuten kennzeichnen, und, was wir hier unter dem vielversprechenrden Titel >Generaldebatte< und >Spezialdebatte< vorführen verdient schon um dessenwillen nicht diesen Namen, weil man uns noch weniger als im Ausschuß die nötige Redezeit zur Verfügung gestellt hat. Das muß in Zukunft anders werden. Ich soll heute im Namen meiner Partei als Generalredner zur Regierungserklärung und zum gesamten Voranschlage Stellung nehmen und dies alles innerhalb einer halben Stunde. Ich sehe mich deshalb genötigt, mich darauf zu beschränken, in wenigen Zügen auszuführen, warum wir auch der Regierung Bene¹ unser Vertrauen nicht zu schenken vermögen und den Voranschlag für das Jahr 1922 nicht genehmigen können.

Bevor ich jedoch darauf eingehe, muß ich meinem Herrn Vorredner, Herrn Dr. Franta erwidern, der die Liebenswürdigkeit hatte, in seiner Rede auch meiner zu gedenken. Er hat vorgeführt - ich weiß nicht, welche Gelegenheit er dabei im Auge hatte -, daß ich drei Verbrechen begangen hätte: Erstens hätte ichgesagt, in diesem Staate gebe es 3.800,000 Deutsche. Nun ist das das offizielle Ergebnis der Volkszählung vom Jahre 1910, das Sie überall nachlesen können, Welches Ergebnis die Volkszählung vom voriger. Jahre gehabt hat, weiß ich nicht, wie es auch Herr Dr. Franta noch nicht weiß. Folglich konnte ich mich auf dieses Ergebnis nach nicht berufen. Abgesehen davon, wissen Sie, meine Herren, daß wir hier ausdrücklich erklärt haben, daß wir das Ergebnis vom voritgen Jahre nicht anerkennen werden (souhlas nìm. senátorù) mit Rücksicbt auf die tiefen Terrorakte, de bei der Volkszählung gegen uns Deutsche verübt wurden, da das Ergebnis infoloedessen nicht ganz klar, da es ungerecht sein wird. Weiter hat Herr Dr. Franta gegen mich vorgebracht, ich hätte geleugnet, daß es eine èechoslovakische Sprache gebe. In diesem Betreff befinde ich mich in der allerbesten Gesellschaft, nämlich in der Gesellschaft des Herrn Dr. Franta selbst, Soviel ich weiß, hat Dr. Franta das Sprachengesetz, das in der ersten Nationalversammlung angenommen wurde, auch unterschrieben oder vielmehr dafür gestimmt. Nun ist in diesem Sprachengesetz ausdrücklich ein Unterschied gemacht zwischen der èechischen und der slowakischen Sprache, und jeder von uns weiß deck, daß von den seit dieser Zeit herausgekommenen Verordnungen und Gesetzen die in tschechischer Sprache erschienen, Gesetze in die slovakische und umgekehrt die in slovakischer Sprache erschienen, in die èechische Sprache übersetzt werden müssen. Daraus geht klar hervor, daß es keine èechoslovakische Sprache geben kann, sondern eine èechische Sprache und eine slowakische. (Souhlas nìm. senátorù.) Ich bin zwar kein slawischer Sprachkünstler - nichts weniger als das -, aber jeder Philologe wird das zugestehen, und die Philologen werden vom wissenschaftlichen. Standpunkte aus die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen haben, als auf einmal am Ende des Jahres 1919 hier in diesem Staate über die Nacht die èechoslovakische Sprache entstanden ist. Weiter hat mir Herr Dr. Franta den Vorwurf gemacht, ich hätte von Deutschland Hilfe für, die Deutschen in diesem Staate verlangt. Weinich Herrn Dr. Franta den Wortlaut meiner damaligen Rede vorlegen darf - er meint vielleicht die von München -, so wird er sehen, daß ich kulturelle Hilfe von Deutschland verlangt habe, Sie werden bei uns Deutschen es doch für selbstverständlich erachten, daß wir den kulturellen Anschluß und den kulturellen Zusammehang mit dem Deutschen Reiche nicht aufgeben werden, gerade so wenig, wie Sie Ihren kulturellen Anschluß an die anderen slavischen Völker aufgegeben haben, das wird Ihnen kein Mensch verdenken. So naiv bin ich nicht und keiner meiner Kollegen, daß wir daran denken, daß Deutschland uns Hilfe bringen könnte im jetzigen Augenblick, Nach Deutschland hinauszufahren und das. Deutsche Reich anzurufen, es soll uns Hilfe bringen, wäre absurd. Ich habe gesagt: im Augenblick. Nun, meine Herren, die Erde ist rund und was in Jahrzehnten sein wird, weiß ich geradeso wenig wie Sie, und wie die Verhältnisse bis dorthin sein werden, ob uns bis dahin nicht einmal wirklich Hilfe von Deutschland kommen wird, ist eine andere Frage. Darauf verlassen wir uns aber im jetzigen Augenblick nicht, weil wir ihn kaum erleben dürften, Es ist also ebenso unwahr, daß ich in irgendeiner vielleicht hochverräterischen Weise eine Hilfe von Deutschland verlangt hätte, wie auch damals in einer hiesigen èechischen Zeitung, im >Èeské Slovo< glaube ich, wörtlich stand, ich hätte in meiner Rede in München gesagt; >Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine rechen.< Es ist bedauerlich, oder ich kann eigentlich nicht gerade sagen bedauerlich, denn literarische Kentnisse kann man schließlich nicht von jedem verlangen, aber jemand, der etwas literarische Kentnisse hat, wird das Wort kennen, das von Ernst Moritz Arndt stammt und das tausendmal zitiert wird. Es heißt: >Der Gott, der Eisen waschen ließ, der wollte keine Knechte.< Das ist doch etwas anderes! Herr Dr. Franta hat in seiner Rede mich zugleich mit dem Kollegen Dr. Hilgenreiner als den größten Chauvinisten, auf deutscher Seite bezeichnet. Ich halte es nicht für notwendig, dagegen zu protestieren, ich habe schon einen Zwischeruf gemacht und sage jetzt auch: Wir sind keine Chauvinisten, sondern, was wir verteidigen, ist unser Recht. (Souhlas.) Und das haben wir bis jetzt verteidigt, und werden es auch in Zukunft verteidigen, Ich war als Rektor der deutschen Universität wiederholt beim Herrn Dr. Franta, als er Präsident des Landesverwaltungsausschusses war. Und er hat damals mit keinem Worte gesagt, daß die Forderungen, die ich an ihn stellte, nicht berechtigt gewesen wären, sondern er hat mir jedesmal, wenn ich bei ihm war, versprochen, daß er meinen Wünschen willfahren und für dieselben eintreten wird bei den anderen Herren des Landesverwaltungsausschusses. (Hört! Hört!) Er hat mit keinem Worte gesagt: Ich bitte, Herr Rektor, was Sie sagen, ist chauvinistisch, ist nationalistischl Wie können Sie mit derartigen Forderungen an mich herantreten! Und so wie diese Forderungen, die ich an Dr. Franta als Präsidenten des Landesverwaltungsausschusses vorgebracht habe, waren auch alle Forderungen, die ich mit meinen Kollegen hier und anderswo erhoben habe, berechtigt, denn wir kämpfen um unser Recht und wir sind in Abwehrstellung.

Bekanntlich hatte der Deutsche Parlamentarische Verband infolge der schauerlichen Ereignisse von Aussig und des unerträglichen Verhaltens der damaligen Regierung im August dieses Jahres sich für den Schluß der Sommersession von den Sitzungen des Parlamentes absentiert. Und als wir zu Beginn der Herbstsession wieder ins Parlament zurückkehrten, geschah dies auf einen am 8. Oktober einstimmig gefaßten Beschluß des Deutschen Parlamentarischen Verbandes, >auch gegenüber der neuen Regierung, an der seit Gründung des Verbandes folgerichtig vertretenen grundsätzlichen Politik festzuhalten und im übrigen unsere Stellungnahme und unsere Maßnahmen von den Taten der Regierung abhängig zu machen.<