Diese ganze Frage hängt, wesentlich mit der Organisation unserer Hochschulen zusammen und gestatten Sie mir, darüber ein Wort zu sagen. Die Organisation unserer Hochschulen ist die Organisation der Hochschulen des alten Österreich, und die hat sich wieder nach der Organisation der deutschen Universitäten gerichtet. Auch die technischen Hochschulen sind bis zu einem gewissen Grade nach demselben Geiste der Lehr- und Lernfreiheit organisiert, wie es die deutschen Universitäten gewesen sind, Und darin unterscheiden sich unsere Hochschulen, und nicht nur die deutschen, sondern auch Ihre, grundsätzlich von den westlicher Hochschulen, beziehungsweise Universitäten in Frankreich, England, und Amerika, welche alle durchgehends mehr nach dem Mittelsehultypus ausgestaltet sind. Von einer derartigenFreizügigkeit, wie sie an unseren Hochschulen möglich ist, ist an diesen Hochschulen die meist mit Internaten verbunden sind, keine Rede. Es ist vielfach und zwar von höchster Stelle als erstrebenswerters Ziel der Wunsch ausgesprochen worden, daß sich die Kultur der üechoslovakei westlich orientieren müsse oder solle. In dieser Beziehung können wir nicht zustimmen. Was die Organisation unserer Hochschulen anlangt, ziehen wir den bestehenden Typus volkommen vor gegenüber dem, was, wie ich gesagt habe, ein rnehr mittelschulmäßiger Betrieb, wie er sich an den amerikanischen, englischen und französischen Hochschulen und Universitäten zeigt, ist, Das ist von der größten Wichtigkeit. Wir wollen hier unsere deutsche Universität behalten. Wir wollen nicht eine Universität mit deutscher Unterrichtssprache werden, wir wollen vielmehr eine deutsche Universität bleiben, die vermöge ihrer Organisation ein Glied in der großen Zahl der deutschen Universitäten ist, ein Glied der deutschen Gelehrtenwelt sozusagen oder der Gelehrtenrepublik, wenn Sie es so wollen. Dazu brauchenwirden regen Austausch der Professoren. Sowohl unsere Professoren müssen an die anderen deutschen Universitäten, ob sie nun in Österreich, in der Schweiz oder im deutschen Reiche liegen, gehen können und wir müssen das Recht und den Wunsch haben, von drüben her unseren Nachwuchs zu beziehen. Schondaraus sehen Sie, daß es unmöglich ist, wie Ihr Irrenanstaltsdirektor Heveroch einem Klinikvorstand auftrug, die Beherrschung der èechischen Sprache in Wort und Schrift zu verlangen. Wenn Sie diesen Grundsatz für die Professoren der deutschen Universitäten aufstellen sollten, dann schließen Sie uns aus, dänn sind wir kein Glied der großen deutschen Universitätengemeinschaft und wir verkümmern vollständig.

Wir brauchen nicht nur den Austausch der Professoren, sondern wir wünschen auch den Austausch der Assistenten und Studenten. In dieser Beziehung - das werden Sie mir zugeben - kann uns weder die Regierung, noch - so ohlmeinend es vom Herrn Professor Mare¹ auch gesagt worden sein mag - die Nationalversamnilung helfen. Weder auf der einen Seite, noch auf der anderen Seite kφnnen wir in dieser Beziehung auf Verstδndnis rechnen, selbst wenn wir den guten Willen annehmen; zur Durchführung des Programmes brauchen wir bloß die Sehulautonomie. Es ist ein wahrer Jammer, daß Sehulangelegenheiten in diesem Staate noch immer genau so wie im alten österreich ein Politikum geblieben sind und zwar des Politikum katexochen, das Politikum höchsten und ersten Ranges, Man hat früher gemeint, daß man gerade auf dem Wege der Schule politischeZiele erreichenkann. Man hat gemeint, daß gerade die Entnationalisierung auf dem Schulwege am leichtesten durchzuführen ist. Das hat gestimmt tür Völker von Analphabeten und stimmt auch heute noch. Die nehmen natürlich diejenige Nation an, in deren Sprache ihre Schule eingerichtet wird. Das sei zugegeben, aber mit einem Külturvolk läßt sich in der Beziehung gar nichts anfangen. Das haben Sie an sich selbst in jeder Beziehung gesehen und deswegen, glaube ich, könnten Sie diese Drangsalierung - ich kann es nicht anders bezeichnen, ich bitte sehr um Entschuldigung, ich will damit nicht verletzen - aufheben und Sie sollten dadurch, daί Sie die Schulautonomie gewähren, diesen Zankapfel aus dem Wege räumen. Und von diesem Standpunkt der Schulautonomiie haben wir auch die Verlegungsfrage der deutschen Hochschulen aus Prag zu betrachten, welche ebenfalls in diesem Antrag vom Kollegen Mare¹ miterwähnt ist.

Im § 1 wird erwähnt, daß nicht nur die Errichtung von Hochschulen, ihre Erweiterung, sondern auch die Standortverlegung unä Standortsfrage in den Wirkungsbereich der gesetzgebenden Körperschaft zu fallen hat. In dieser Verlegungsfrage werden durchaus verschiedene Standpunkte eingenommen. Es ist uns da in den letzten Sitzungen des medizinischen Professorenkollegiums einigemal ein leider anonymer, aber in èechischer Sprache abgefaßter Aufruf zugekommen, aus dem hervorgeht, daß auch in sehr vielen èechischen Kreisen die Verlegung der deutschen Universität und der deutschen Hochschulen in das deutsche Siedlungsgebet, we es heißt sympetisch begrüßt wird. Ich darf vielleicht - ich bitte um Entschuldigung, wenn ieh nicht fehlerlos genug lese - das zur Kenntniss bringen (ète):

>K otázce pøelo¾ení nìmecké university a nìmecké techniky z Prahy do nìmeckého území. Otázka pøelo¾ení nìmecké university a techniky z Prahy do nìmeckého území stala se dnes po¾adavkem v¹ech nìmeckých politických stran bez rozdílu, i nìmeckých sociálních demokratù i agrárníkü. Take nepoliticke kruhy nìmecké a to nejrozvá¾nej¹í a nejdospìlej¹í hlavy mezi nimi dospìly z kulturních, hospodáøských a sociálních dùvodù k tomuto programu, který i u znaèné èásti èeské inteligence nenalézá odporu. Naopak pokládají Masaryk, ©ámal, Rádl a j. tuto otázku za zále¾itost kulturní, kterou mají Nìmci rozhodnouti sami, bez jakýchkoli pøeká¾ek se strany státu.< (Sen. dr Herben: Pane kolego, to jest nìjaká hloupá mystifikace! To nemù¾e ¾ádný Èech napsati! Tb jest podvr¾eno, Masaryk, Rádt, ©ámal!) In der Beziehung bin ich natürlich nicht weiter informiert. Das ist uns einigemale zugekommen. Ich muß sagen, daß diese Meinung auch sonst durchaus übereinstimmt mit merheren Äußerungen, die ich gehört habe, namentlich was die Begründung anlangt. Es heißt darin, die deutschen Institute würden natürlich cechischen Wohlfahrtszwecken zugutekommen, die Studenten hätten es besser u. s. w., es wäre die Möglichkeit einer Volksuniversität gegeben, die dann in Prag entstehen könnten u. s. w., lauter Begründungen, die ich oft von cechischen Kollegen gehört habe. So ganz Mystifikation ist das also nicht. Jedenfalls stammt es nicht von unserer Seite. Ich will aber zügeben, daß diese ganze Frage strittig ist, und daß wir selbst, die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei, ihr keine so besondere Beteutung zumessen, gegenüber dern skizzierten Programm, das wir in erster Linie durchzuführen wünschen, nämlich daß wir unseren Studenten sichern, auf allen Gebieten des deutschen Hochschulwesens deutsche Ausbildung zu erreichen und daß wir unsere deutsche Hochschulorganisation erhalten.

Gegenüber diesem wichtigen Programm erscheint uns diese ganze Frage mehr von untergeordneter Bedeutung. Ieh für meine Person halte die Unterbringung von Universitäten in großen Städten aus tausend Gründen für zweckmäßig, wenri auch gewisse nach rückwärts gerichtete Blicke das Hochschultreiben in Kleinstädten größere Annehmliehkeiteri zu bieten scheint.

Wie gesagt also, weder die Regierung, noch das Parlament kann den Bedürfnissen des deutschen Hochschulwesens selbst beim besten Willen entgegenkommen und es bleibt nichts anderes übrig, als daß wir immer und immer die Forderung,naeh der Schulautonomie erheben. Jede Nation in diesem Staate soll in den Stand gesetzt werden, ihre Schulangelegenheiten selbst zu verwalten. Deswegen war es sehr zu begrüßen, daß anläßlich der letzten Budgetdebatte mit überwiegender Mehreit eine Resolution angenommen wurde dahingehend, die Regierung wird aufgefordert, einen Gesetzesvorschlag einzubringen, nach welchem die einzelnen Nationen ihre Schulanglegenheiten selbst verwalten. Damals, zur Zeit der Budgetdebatte, haben sich namentlich die Genossen von der èechischen Bruderpartei vollkommen auf unseren Standpunkt gestellt, es schien ihnen eine vollkommen gerechte Sache. Wir vermissen bisher, däß die Regierung in dieser Angelegenheit etwas getan hat, und doch würde durch die Gewährung der Schulautonomie die Schule mit einemmal kein Politikum werden. Mit Beseitigung dieses schwierigen Standpunktes würde ein sehr wirksamer Schritt zu dem geschehen, was heute schon einigemal Konsolidierung des Staates genannt worden ist, was der Herr Ministerpräsident und Genosse Soukup als tatsächlich bereits bestehend ansehen, von dem wir aber meinen, daß es leider noch nicht erreicht ist, (Souhlas u nìmeckých senátorù.)

Øeè sen. dr Hellera:

Meine Damen und Herren! In der Debatte, die wir vorher über die Aussiger Vorfälle abgeführt haben, hat einer der Herren Kollegen -ich veiß nicht welcher - mich mit dem Zwischenruf unterbrochen; Co Vám schází? Was fehlt Euch? Sehen Sie, dieser Gesetzenwurf, der heute hier zur Beratung gelangt, ist mit einer der vielen Beweise dafür, was uns fehlt.

Die Republik besteht drei Jahre und in der böhmischen Landesverwaltungskommission sind wir nicht vertreten. Ich brauche Ihnen, meine Herren, die Wichtigkeit dieser Institution für das tägliche Leben, die so in die Augen fällt, nicht weiter zu erörtern. Der Landesverwaltungausschuss erledigt ja teils in erster,teils in zweiter Instanz diejenigen Dinge, die mit dem täglichen Leben verknüpft sind, die jeder einzelne Staatsbürger dringend braucht, die seine primitivsten Bedürfnisse betreffend, Dinge, an deren Regelung jeder einzelne im höchsten Maße interessiert ist. Und trotzdem war vom ersten Tage der Republik an diese böhmische Landesverwaltungskommision bestelt worden, ohne daß auf die Deutschen in diesem Staate Rücksicht genommen wurde, ohne daß deutsche Mitglieder ernannt wurden. Das ist der Zustand, wie er bis zum heutigen Tage besteht. Die Wirksamkeit der Landesverwaltungskommission wird aber eine noch viel größere werden, wenn die neue Regierungsvorlage über die Sanierung der Gemeindefinanzen Gesetz wird, Denn Sie wissen, daß die Autonomie der Gerneiden in dem Gesetz ungemein eingeschränkt wird zugunsten des Beaufsichtigungsrechtes der Bezirksverwaltungskommissionen und der zweiten Instanz, also jetzt der Landesverwaltungskommission. Die Bedeutung der Landesverwaltungskommission wird also nach Annahme des Gesetzes über die Sanierung der Gemeindefinänzen noch ganz bedeutend wachsen.

Meine Herren! Wir haben lange genug um die Stellung in der Landesverwaltungskommission gekämpft. Seit dem ersten Tage, da wir in diesem Hause sind, haben wir der früheren und der jetzigen Regierung unsere diesbezüglichen Wünsche vorgetragen. Es wurde auch immer anerkannt, daß unsere Wünsche vollständig gerechtfertigt sind. Ich freue mich, daß wir heute endlich so weit sind, daß wenigstens ein Anfang dazu gemacht wird, daß auch die deutsche Nation in diesem Lande in der Landesverwaltungskommission eine Vertretung erhält. Ich anerkenne vollständig - Sie können nicht erwarten, daß wir hier von Dankbarkeit überfließen, es ist das nicht ein Entgegenkommen - Sie, tragen mit der Annahme dieses Gesetzes einem berechtigten Wunsche der deutschen Bevölkerung Rechnung.

Bei dieser Gelegenheit kann ich aber auch nicht umhin, auf die Verhältnisse im Landesausschusse des Landes Mähren zu sprechen zu kommen.

Der Landesausschuss in Mähren ist eine Anomälie ohnegleichen, Während nach dem Umsturze die Landesverwaltungskommission in Böhmen vollständig neu ernannt wurde, besteht der Landesäusschuß in Mähren aus zwei Kategorien vön Mitgliederri, zunächst aus einigen Mitgliedern, welche noch gewählt wurden vom alten mährischen Landtag, also einer Institution, die es seit dem Umsturz nicht mehr gibt, und diese Mitglieder sind heute noch Mitglieder des mährischen Landesausschusses in der Fiktion, daß ihre Funktion erst erlischt bis wahrscheinlich ein neuer mährischer Landtag neue Mitglieder wählt. Einen neuen mährischen Landtag wird es aber wahrscheinlich nicht mehr geben, außer wenn wieder die Verfassung geändert wird, aber wenigstens nach der jetzt bestehenden Verfassung gibt es keinen mährischen Landtag und infolgedessen hat es auch zweifellos die rechtliche Funktion der Mitglieder des mährischen Landesausschusses, soweit sie vom ehemaligen mährischen Landtag gewählt sind, zu existieren aufgehört. Dann besteht eine zweite Kategorie von Mitgliedern, die von der Regierung nach dem Umsturz ernannt wurden, Durch diese Ernennung allein ist, meine ich, die Unrechtmäßigkeit jener Mitglieder bestätigt, die noch vom alten Landtag gewählt wurden. Entweder sind die Gewählten die rechtmäßigen Mitglieder des Landesausschusses oder die Ernannten. Aber, daß beide die rechtmäßigen Mitglieder des Landesausschusses wären, ist außer Frage.

Bei der Behandlung dieser Frage wurde unsere Partei noch ganz besonders benachteiligt, indem im mährischen Landesausschuß zwei deutschbürgerliche Mitglieder sitzen, aber kein einziger deutseber Sozialdemokrat. Alle unsere Bemühungen, die wir bis zum heutigen Tage darein gesetzt haben, in diesem Vertretungskörper vertreten zu sein, waren vergebens, sie scheiterten teils am Wiederstande der deutschbürgerlichen Parteien, welche sich an diese beiden Mandate klammerten, teils am Wider stande der Regierung, welche nicht ein drittes Mandat für die deutsehen Sozialdemokraten kreieren wollte. Wir haben deshalb heute eine Resolution vorgelegt, in welcher wir verlangen, daß der mährische Landesausschuß neu eingesetzt werde, und zwar nach den Grundsätzen, nach welchen der böhmische eingesetzt ist, Es ist in Schlesien Ordnung gemacht, es ist in Böhmen Ordnung gemacht, und es wird mit dem heutigen Gesetze vollständige Ordnung gemacht werden, auch in nationaler Beziehung. Unsere Beschwerden bezüglich Mährens richten sich nicht in nationaler Beziehung, sie richten sich dagegen, daß für das Land Mähren - wenn ich mich so vulgär ausdrücken darf - ne Extrawurst gebraten werde. Das ist nicht notwendig, daß ist durchaus nicht am Platze, Es mögen die Verhältnisse in Mähren genau so geregelt werden, wie in den anderen Ländern. Das bedeutet kein Antasten der sogenannten mährischen Landesautonomie, Mähren behält seinen Landesausschuß, die Grenzen sind nieht verwischt, es hat das mit der sogenannten Landesautonomie nicht das Geringste zu tun.

Nochmals möchte ich mit ganz wenigen Worten auf die Ausführungen des Kollegen Soukup in der vorigen Debatte zurückkommen, sie stehen mit dieser Sache im Zusammenhang. Kollege Soukup hat sehr warme Töne für die Versöhnung beider Völker und insbesondere für die Versöhnung der Arbeiterschaft beider Völker gefunden. Ich känn sagen, daß ich im Laufe des Jahres, daß ieh hier sitze, oft genug den gleichen Standpunkt vertreten habe. Sie sind in diesem Staate die Nation, die die Mehrheit repräsentiert, Sie sind - das kφnnen wir ruhig sagen - die herrschende Nation in diesem Staate. Der Schritt zur Aussφhnung muί also von Ihnen, ausgehen. Wir betrachten uns - Sie mögen anderer Ansicht sein - durch zahlreiche Bestimmungen Ihrer Verfassung geschädigt - Herr Kollege dr Klouda hat gemeint, Sie haben die Verfassung in der Revolutionsversammlung ohne uns gemacht und haben sie uns gegeben. Schon darin liegt eine solche Auffassung der Dinge, durch die eine Verständigung ungemein erschwert wird. Glauben Sie wohl, daß sich ein Volk vom anderen die Verfassung geben, schenken läßt? Die Verfassung eines Staates, des mehrere Völker umfaßt, kann nur sein das Resultat einer Verständigung der Völker, niemals ein Geschenk eines Volkes an das andere, eine Gabe eines Volkes an das andere sein. Das is das, was wir Ihnen vorwerfen, daß Sie alle diese Gesetze ohne uns gemacht haben, ob sie nun gut oder schlecht sind. Ein Teil ist ganz gut, die Wahlordnung z, B. ist zum großen Teile gut. Die Verfassung ist unserer Ansicht nach nicht gut. Das ist, was uns von vorneherein erbittern und verbittern mußte. Ich will mich der Hoffnung, der Genosse Dr Soukup Ausdruck gegeben hat, vom ganzen Herzen anschließen. Auch ich hoffe, daß es wenigstens der Arbeiterschaft beider Nationen gelingen wird, zu einer Verständigung zu gelangen, nicht nur im Interesse der Arbeiterschaft, und, ich bitte, ich verstehe unter Arbeiterschaft nicht nur die industriell mit der Hand arbeitenden Menschen, sondern Arbeiterschaft im weitesten Sinne des Wortes. So meine ich, daß diese nationale Versöhnung - einer Versφhnung bedarf es aber eigentlich nicht, wir sind ja keine Feinde - das dieser Ausgleich in nationalen Dingen zustandekommen wird im Interesse der gesammten Bevölkerung des Staates und vor allem im Interesse derer, die wir vertreten, der Proletarier in diesem Staate im weitesten Sinne des Wortes.

Der heutige Antrag ist - wenn Sie ihn annehmen, und ich hoffe, das kein Widerständ gegen ihn sein wird - vielleicht ein erster Schritt auf der Bahn, die zu einer nationalen Annäherung, sagen wir - ich will mich möglichst vorsichtig ausdrücken - auch in nationalen Dingen führen kann. Daß wir hier hiezu den Anstoß geben konnten und durften, gereicht uns zur besonderen Genugtuung, und es gereicht uns auch zur Genügtuung, daß Sie hier diesem ersten Anstoß gefolgt sind, indem Sie dieses Gesetz annehmen.

Noch ein Wort! Es ist in der vorigen Debatte oft und oft von Seite der Herren ein Zusammenwerfen zwischen uns und den bürgerlichen Parteien vorgenommen worden. Ein Herr hat uns hier einen Artikel aus dem >Aussiger Tagblatt<, vorgelesen und ihn uns zum Vorwurf gemacht. Es ist das ein deutschnationales Blatt, das sich nicht genugtun kann in der Bekämpfung der deutschen Sozialdemokraten. Es geht uns nicht das Geringste an, was in diesem Blatte steht, wir bekämpfen dieses Blatt genau so wie alle übrigen Blätter der deutschen bürgerlichen Parteien. Ich brauche nur auf die Verhältnisse hier und überall zu verweisen. Wir gehen mit den deutschen bürgerlichen Parteien in gar keiner Weise zusammen, wir geherl unseren eigenen Weg -die heutige Versammlung beweist es -wir machen unsere eigene Politik und haben nicht das Geringste mit den deutschen bόrgerlichen Parteien zu tun. Und deshalb möchte ich Sie bitten, diese Verwechslung, die sehr peinlich ist und die wir nicht wünschen, zu unterlassen.

Ich schließe mit dem Ausdrucke der Hoffnung, daß durch Annahme des heutigen Gesetzes und dann, wenn es auch drüben im Abgeordnetenhause angenommen sein wird, ein erster Schritt zur Annäherung der beiden Völker geschehen sein wird. (®ivý potlesk.)