Wenn hier viele und meiner Ansicht nach vollberechtigte Klagen von unserer Seite vorgebracht werden, so bin ich im Grunde meines Herzens überzeugt, daß gar mancher unter Ihnen auf der èechischen Seite manches innerlich beklagt hat, was da gefehlt worden ist. Wenn hier scharfe Kritik geübt worden ist, hat vielleicht auch da mancher von Ihnen auf èechischer Seite sich sogar gefreut, daß von uns Deutschen das gesagt wurde, was manchen von Ihnen auf dem Herzen lag, was er aber aus nationalen Gründen zu sagen sich nicht getraute. Es sind uns nun von Ihrer Seite Zusagen gemacht worden, man hat uns direkt aufgefordert, Vorschläge zu machen, man hat erklärt, daß in vielen Dingen, selbst in der Verfassungsfrage, hat jemand drüben im Abgeordnetenhaus erklärt, noch nicht das letzte Wort gesprochen sei, daß auch in der Frage des Sprachengesetzes, der Schulautonomie und so weiter allen berechtigten Wünschen entgegengekommen würde. Andererseits hat man von uns Deutschen verlangt, daß wir mit einem bestimmten Programm und nicht mit Klagen hervortreten und daß wir uns in fördernder Mitarbeit auf die Seite dieses Staates stellen.

Sehr geehrte Herren Kollegen! Worte sind genug gewechselt, es muß nun zu Taten kommen. Unsere Beschwerden haben Sie gehört, und in Ihrer Hand liegt es, Unerträgliches abzustellen. Unsere bestimmten Vorschläge werden Sie hören. Es liegt ein Antrag vor auf Revision der Verfassung. Da können Sie zeigen, wie ernst es Ihnen mit Ihren Worten ist. Wir werden zum Sprachengesetz, zur Beam-tenfrage, zur öffentlichen Verwaltung, insbesondere zu den Schulfragen unsere bestimmten Vorschläge machen. Seien Sie aber also dann, was Sie uns immer versprochen haben, seien Sie wirkliche Demokraten, Geben Sie allen Völkern dieses Staates volle Gleichberechtigung. Sichern Sie den Völkern dieses Staates volle Gleichberechtigung. Sichern Sie den Völkern weitgehende Selbstverwaltung hier in diesem Staate, Ich meine keine solche Selbstverwaltung, die den Verkehr miteinander zerreißt. Wir sind schon viel zu klein geworden. Wir müssen uns erweitern, damit Handel und Verkehr sich entsprechend entwickeln. Aber eine solche Selbstverwaltung meine ich, eine Selbstverwaltung, die die Zusammenarbeit nicht schädigt. Was ist z. B. natürlicher, als daß ein Volk seine Schule selbst verwaltet? Das selige Österreich hatte nach der Seite hin einen guten Anfang gemacht, hatte die Landesschulräte national sektio-niert. Die Teilung der Landesschulräte hat im allgemeinen, so viel ich weiß, sich bewährt; es wurden Reibungsflächen vermindert. Die verflossene Versammlung hier in diesen Räumen hatte nichts Eiligeres zu tun, als ein Gesetz zu schaffen, das die Schulen wiederum zentralisiert, und man trägt sich mit dem Gedanken, die Sektionierung der Landesschulräte wiederum aufzugeben. Dadurch würde die Schule wieder zum nationalen Zankapfel gemacht. Sie haben viele deutsche Schulen aufgehoben. >Weil sie überflüssig waren,< sagen Sie. Das ist zwar nicht immer wahr; am Budweiser Gymnasium z. B. wurde die erste Klasse beseitigt, obwohl die genügende Schülerzahl eingetreten war. Aber nehmen wir an, es seien überflüssige Schu-len da, so ist es doch etwas ganz anderes, ob diese Aufhebung von Seilten der anderen Nation geschieht, oder ob die eigenen Volksgenossen sie vornehmen; im ersten Fall erscheint es als eine nationale Verfolgung, im letzteren Fall als eine notwendige administrative Maßregel. Geben Sie unseren Schulen Autonomie, lassen Sie jedes Volk seine Schulen selbst einrichten, leiten und seine Schulen selbst bezahlen!

Von der Universität ist hier schon ausführlich gesprochen worden. Ich sage nur soviel: Was Sie mit èechischen Hochschulen machen, das ist Ihre Sache, und es muß jedem Kulturfreund eine Freude sein, wenn es mit Ihrem Hochschulwesen vorwärts geht. Aber lassen Sie die Hand von den deutschen Hochschulen! Benennen Sie Ihre Hochschulen wie Sie wollen, und bauen Sie für Ihre Hochschulen, soviel Sie wollen und können! Sie brauchen dringend notwendige Neubauten und niemand neidet Sie Ihnen. Aber lassen Sie die deutschen Hochschulen ungestört, die zum Teil ebenfalls ann Platz Not leiden. Jedem das Seine, namentlich auf dem Gebiete der Schule! (Výkøiky.) Und so auf allen Gebieten: Schiedlich friedlich! Nur so kommt Friede ins Land, und Sie, wir alle brauchen den nationalen Frieden, Werden wir Nach-kriegsimenschen, räumen wir aus mit dem Gerumpel der Vergangenheit,Sie und wir! Richten Sie die Sprache, die Sprachen ein, wie es von höchster Stelle betont worden ist, als Verkehrsmittel, nicht als Kampfmittel! Bilden Sie die Verwaltung so aus, daß sie den praktischen Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht und machen Sie sie nicht zu einem Èechisierungsapparat! Suchen wir im öffentlichen Verkehr die nationale Frage möglichst auszuschalten, su-chen wir sie im Geiste der Gleichberechtigung, der freien Entwicklung der einzelnen Völker, im Geiste gesunder Demokratie zu lösen. Dann wird es vielleicht möglich sein, daß unser Volk uns ermächtigt, das, was Sie von uns verlangen, hier abzulegen, das aufrichtige Bekenntnis zu diesem Staatswesen, Ob wir Deutsche eine Irridenta oder ein Staatsvolk in diesem Staate sein werden, das hängt von der Entwicklung der nächsten Zeit ab und die Schlüssel dazu liegen in Ihren Händen, Lassen Sie mich da an ein Wort erinnern, das der Friedenspapst Benedikt XV. im Jahre 1917 in den Waffenstreit hineingerufen hat: >Die Völker - bedenke man das wohl - sterben nicht; gedemütigt und unterdrückt beugen sie sich knirschend in das auf gezwungene Joch, bereiten sich aber vor, es abzuschütteln und vererben Haß und Rachgier von Geschlecht zu Geschlecht.< Die Völker sterben nicht, Polen war 11/2 Jahrhunderte unter Fremdherrschaft, es ist nicht gestorben, Irland bereitet seine Befreiung vor. Sie Èechen und Sie Slovaken frohlocken heute, daß Ihnen nach so langer Zeit der Morgen der staatliehen, Selbständigkeit erwacht ist. Auch das deutsche Volk, unser herrliches deutsches Volk stirbt nicht, auch wenn es jetzt aus schweren Wunden blutet, die eigener Unverstand auch noch eitern macht. Unser deutsches Volk wird nicht sterben, es wird sich er-heben, mit weiten Schritten den Vorsprung wiederum einholen, den andere Völker ihm abgewonnen haben, aber nicht mit dem Schwerte, sondern mit dem Hammer in der Hand, um an der Kultur der Menschheit zu bauen, und jedes Volk, besonders der Nachbar, wird froh sein, es zum Freunde zu haben, Starren wir nicht alle auf das Gestern, das uns nicht mehr gehört, sondern denken wir an das Morgen, wo wir Verfehltes gut machen können, und suchen wir den Frieden!

Die zweite, meiner Ansicht nach wichtigere Lebensfrage bilden auch in diesem Staate die Neuordnung der zerrütteten Wirtschaftsordnung und die damit zusammenhängenden sozialen Probleme. Die Regierungserklärung, wie die führenden Parteien in den gesetzgebenden Versammlun-gen kennen und nennen den Heiland, der uns da von allem Leid erlösen soll: >Der Sozialismus, heißt es, bietet hier eine Bahn der Entwicklung, die nicht mehr Utopie ist, sondern verwirklicht werden muß, Sozialismus! Das Wort hat keinen eindeutigen Klang. Verstehe ich recht, so verstehen die Herren, die das Wort gesetzt haben, darunter Produktion für, Produktion durch die Gesellschaft. Also statt Gewinnwirtschaft Gemeinwirtschaft und darum Beseitigung des rein auf Privatprofit abzielenden Kapitalismus und andererseits Zurückführung der Produktionsmittel aus der Hand der Wenigen, welche sich ihrer im Zeichen der Geldwirtschaft bemächtigt und sie nach Marx zu einem Mittel der

Ausbeutung der Arbeitenden gemacht haben, in die Hände der Arbeitenden selbst, Zurückführung nicht durch Zerschlagung der Großbetriebe, sondern durch Vergesellschaftung aller Produktionsmittel. Aller Produktionsmittel, auch des selbstbewirtschafteten Besitzes, (®ivý odpor. Senátor Pollach: Nein, das ist ausgeschlossen!) Es ist ja ausdrücklich versichert worden, daß man nicht daran denkt, den Bauer am eigenen Grund und Boden oder den Handwerker in der eigenen Werkstätte, wo er der allein arbeitende ist, zu enteignen. (Vykøiky. Hluk.) Entschuldigen Sie, der offiziellen Erklärung des Erfurter Programmes entspricht das nicht; sondern es ist aufgenommen worden in die politischen

Programme in Österreich, Deutschland und bei uns, es widerspricht aber den ofiziellen Auslegungen des Erfurter Programmes, Ich lese Ihnen vor, was Kautsky in seiner Erklärung zum Erfurter Programm auf Seite 152 schreibt (ète): >Der Kleinbetrieb ist auf allen Gebieten dem Untergang geweiht. (Sen. Pollach; Das ist unsere Üeberzea-gung, das ist nicht das Programm!)... und die Sozialdemokratie will es den Bauern

und Handwerken nur ermöglichen, in ihrer Gesamtheit Arbeiter des Großbetriebes zu werden, ohne daß sie dem Proletariat verfallen.< (Sen. Pollach: Das ist das Deskriptive, nicht das Postulat!) Ich verstehe ganz gut, damit ist die geschichtlich notwendige Entwicklung charakterisiert, Damit ist aber auch gesagt: Für Euch Bauern, für Euch selbständige Arbeiter ist künftig kein Platz mehr. (Sen. dr. Helle: Nein!) >Der Träger der Wirtschaft aber wird ganz und gar der Staat sein.< (Vykøiky.) Die Sozialdemokratie will ja, (ète): >daß die arbeitenden Klassen die politische Macht erobern, damit sie mit deren Hilfe den Staatin eine große, im Wesentlichen sich völlig genügende Wirtschaftsgenossenschaft verwandeln.< (Sem Jarolim: In der alle Klassengegensätze aufgehoben sind!) Davon sprechen wir noch. Die völlige Vergemein-schaftung der Produktionsmittel wird uns dargestellt als eine, mit Unerbittlichkeit eintretende Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse, und das Herz des Proletariers wird' mit einem wahren Fatum-glauben an den unvermeidlichen Zusammenbruch des jetzigen Privatunternehmertums gesättigt. Ein unversöhnlicher Klassengegensatz, ja Klassenhaß, zwischen dem Unternehmer, dem eigennützigen Bourgeois einerseits und dem Proletarier, der auf alle Weise ausgebeutet werde und immer mehr verelendet, wird mit allen Mit-teln genährt. Im Sinne einer rein materialistischen Geschichtsauffassung erscheint da die gesamte Memschengeschichte als eine Geschichte von Klassenkämpfen, von im tiefsten Grunde wirtschaftlichen Kämpfen, Recht und Gesetz, Sitte und Sittlichkeit, ja sogar die Religion wird als ein Unter- drückungsmittel der jeweils wirtschatflich herrschenden Klasse ausgelegt (Hlas: Die Kirche, nicht die Religion!), sagen wir die Religion in der konkreten Ausprägung der Konfession. (Sen. Jarolim: Das isf ein wesentlicher Unterschied, Religion ist Ideologie, aber die Kirche ist ein Instrument unserer Unterdrückung!) Meine Herren! Mir ist jetzt namentlich darum zu tun, daß ich richtig ihre Auffassung kennzeichne. Und so wird im Herzen der arbeitenden Massen der Wahn genährt, daß nur ein Umsturz des gesamten herrschenden Systems den Arbeiter aus seiner Knechtschaft, die man immer in den schwärzesten Farben darstellt, befreit. Mit wachsender Ungeduld verfolgt nun der so erzogene Proletarier jene Entwicklung. Wenn er nun erleben muß, wie im gegenwärtigen Augenblick, daß er trotz des allgemeinen Wahlrechtes auf langehin sich nicht die Herrschaft gesichert sieht, in der die Gemeinwirtschaft auf der ganzen Linie verwirklicht werden könnte, dann erfaßt ihn nur zu leicht die Begier, der Weltgeschichte einen Stoß nach vorwärts durch Gewalt zu geben (Sen. dr. Heller: Das hat jede Klasse so gemacht!) und im Wege einer Proletarierdiktatur zu verwirklichen, was auf dem Wege der demokratischen Mehrheit nicht zu verwirklichen ist (Hlas: Wenn sie notwendig sein wird, wird sie schon kommen!), weil die Mehrheit im Staate an den Erlöser Sozialismus nicht glauben will, und so kann es geschehen, daß die Sozialdemokratie der Demokratie geradezu abschwört und ein Gewalt-, ein Minderheitsregiment aufzurichten sucht, das in sich selber den Keim des Todes trägt. Soll ich nun vom Standpunkt unseres Parteiprogramms zu diesem Allheilmittel für alle sozialen Schäden Stellung nehmen, so möchte ich folgendes bemerken: Wir stimmen vollständig damit überein, daß nicht das Privatinteresse des einzelnen, sondern das Wohl der societas, das Gemeinwohl der Leitstern der gesellschaftlichen Wirtschaftsordnung, also auch der Besitzverhältnisse sein muß. Darum schreiben wir der Rechtsorganisation der Gesellschaft, dem Staate, auch Weitgehende Rechte über das Privateigentum, insbesondere an den Produktionsmitteln zu, sogar das Recht der Enteignung für Produktionsmittel, für Industrien, Verkehrswege, für Naturschätze, für Grund und Boden, wo immer das vom Gemeinwohl nachweisbar gefordert wird. (Vykøik: Auch bei der Kirche?) Auch bei der Kirche, wo das nachweisbar gefordert wird; Die Arbeitspflicht erscheint uns selbstverständlich als sittliche Pflicht für jeden und wir können es nur begrüssen, wenn sie auch in der staatlichen Gesetzge-bung in geeigneter Weise zum Ausdruck kommt. Es sind ja biblische Gedanken, daß >der Arbeiter seines Lohnes Wert< ist und daß >wer nicht arbeitet, auch nicht essen soll<. Die Arbeit aber, wohlverstanden jegliche gemeinnützige Arbeit soll zu ihrem. vollen Recht und zu ihrem entsprechenden Lohn kommen. Das arbeitslose Einkommen soll eingeschränkt und möglichst unmöglich gemacht werden. In diesem Sinne sind wir Antikapitalisten (Sen. Jarolim: Wie wollen Sie das verwirklichen?) Das ist die zweite Frage. (Výkøik: Wie ist es im alten Oesterreich gewesen? Die guten Christen haben alles Fortschrittliche abgelehnt!) Das ist nicht wahr. Die Christlichsozialen sind immer schaffend gewesen, auch auf dem Gebiete der sozialen Gesetzgebung. (Výkøiky.) Wir stehen auf dem Boden Vogelsangs, wie das Zentrum in Deutschland noch heute. Übrigens wir haben die Erbschaft der Christlichsozialen nur cum beneficio inventarii, mit der Rechtswohltat des Inventars übernommen, wir stehen hier in Böhmen da als neue Partei. (Výkøik: Wir nehmen das zur Kenntnis!) Das arbeitslose Einkommen soll möglichst eingeschränkt werden. (Sen. dr. Heller: Wir wollen nur den Weg hören!) Ich kennzeichne nur Ihren Weg, denn ich habe zur Regierungserklärung zu sprechen, die ganz bestimmte Heilmittel für die jetzigen Schäden angegeben hat. (Sen. dr. Heiter: Sie sprechen von Ihrem Parteiprogramm, dann müssen Sie auch von Ihrem. Weg sprechen!)

Gewiß, das werde ich gleich tun. Wer arbeitet, der soll den Ertrag seiner Arbeit gemessen. Wer nicht arbeitet, natürlich Kranke und Greise ausgenommen, dem soll keine Möglichkeit geboten sein, müßig und doch gut, also auf Kosten der anderen zu leben. Bei dieser Gelegenheit darf ich mir eine Korrektur einer Rede meines! Parteigenossen Ledebur über dessen eigenen Wunsch erlauben, beziehungsweise eine Feststellung. Die Äußerung Ledeburs: >Was die Gewerbepolitik anbelangt, so ist es nicht möglich, alle mir zugekommenen Beschwerden und Forderungen vorzubringen, sie gipfeln in der Aufhebung und Auflassung der Zentralen, Verlängerung der Arbeitszeit und dergleichen< hat auf Seite der Sozialdemokraten mit Recht Widerspruch erfahren. Ich darf erklären, einmal daß Kollege Dr. Ledebur hier nur wiedergibt, was ihm an Beschwerden zugekommen ist, und zum zweiten, daß die Verlängerung der Arbeitszeit nicht christlich-soziales Programm ist, In allen diesen Dingen können wir, wie gesagt, ein gutes Stück miteinander gehen. (Výkøik: Wir danken für die Begleitung!) Ich dachte, Sie wollten alle gewinnen. Wo trennen sich nun unsere Wege? (Sen. dr. Heller: Dort, wo die Programme verwirklicht werden!) Nein, meine Herren! Unsere Wege trennen sich, wenn die Sozialdemokratie das Privateigentum an Produktionsmitteln grundsätzlich verwirft, wenn sie jedes private Unternehmertum als organisierte Ausbeutung der dabei Beschäftigten bezeichnet, wenn sie eine unüberbrückbare Kluft aufreißt zwischen Unternehmern und Arbeitern und einen Klassenhaß predigt, wenn sie davon träumt, daß die Ergiebigkeit der Produktion gleich hoch, ja noch höher sein werde, auch wenn sie alle wirtschaftliche Selbständigkeit vernichtet und jedes Eigeninteresse des Unternehmers ausschaltet, wenn sie alle Arbeitenden in die große Tretmühle des Staates einzwängt. (Sen. Jarolim: So haben Sie glücklich die Widerlegung von dem, was Sie vorhin als Programm verkündet haben!) Nein, Ihr Fehler ist, daß Sie den Weg zum Ziel machen, Wirtschaftssozialismus, Gemeinwirtschaft kann, nur ein Weg sein, aber nicht das Ziel. Das Ziel ist das möglichste Wohlbefinden aller Klassen hier im Staate, Wir gehen mit Ihnen den Weg der Sozialisierung, soweit dieser Weg zum Ziele, zum Gemeinwohl führt; nicht weiter. Zum Beispiel in der Bodenreform. Es ist von zwei sozialistischen Rednern betont worden: Aufteilung des Großgrundbesitzes unter die einzelnen. Landwirte wollen wir nicht, auch nicht eine Verstaatlichung, wir wollen eine Vergesellschaftung der großen Betriebe in der Weise, daß die Angestellten, die Arbeiter und Konsumenten, die Inhaber und Bebauer derselben sind. (Výkøik: Oder die Gemeinden!) Das kommt auf dasselbe hinaus. Auf diese Weise hoffen Sie die Produktion aufs höchste zu steigern und zugleich eine gerechte Anteilnahme am Ertrag zu regeln. Mit Verlaub, meine Herren, ich frage: Glauben Sie selber daran? ( Výkøik: Gewiss, sonst würden wir es nicht erklären! Sen. Jarolim: Glauben Sie an die Verwirklichung des Christentums?) Ich kann, offengestanden, es nicht glauben. Die staatliche Bewirtschaftung kann ich verstehen. (Sen. Jarolim: Sie leben doch vom Glauben!) Sie werden mir ersparen, auf einen solchen Angriff zu reagieren. Die staatliche Bewirtschaftung kann ich verstehen, venn ich auch weiß, daß sie im allgemeinen weniger produktiv ist als private Betriebe derselben Ausdehnung. Auch Gesellschaftsbetrieb, bei dem eine Gesellschaft andere in Dienst nimmt und sie für die Arbeit bezahlt, während ihr der Reinertrag zufließt, ist etwas Bekanntes; die landwirtschaftlichen Genossenschaften, Weidegenossenschaften, Molkereien, Lagerhäuser und dergleichen, die einen gemeinsamen Betrieb haben, sind ein Beispiel dafür. Hier werden entweder die Erzeugnisse eigenen Fleißes, die auf eigenem Grund und Boden erzielt wurden, zum Weitervertrieb übergeben, sodaß je nach der Lieferung der Anteil des Einzelnen herausspringt öder die Genossenschaft arbeitet mit fremden bezahlten Kräften, über die sie durch ihre Organe die Aufsicht führt. Diese Betriebe werden mit jedem Tage schwerer, was jeder weiß, der jetzt mit fremden Kräften zu wirtschaften hat. Aber was wollen Sie? Sie wollen gemeinsames Eigentum, Sie wollen gemeinsame Arbeit und gemeinsame Bewirtschaftung durch die Eigentümer, also gleichsam die Demokratie auf dem Meierhofe. (Hlas: Demokratisierung in den Fabriken und im Meierhof, gewiss!) Der Gedanke ist nicht neu und Versuche sind doch schon un-gezähltemale gemacht worden und sind sämtlich mißlungen, außer da, wo man von vornherein das Gelübde ewiger Armut abgenommen hat, Trappisten führen solche Betriebe tadellos durch, aber die Durchschnittsmenschen sind keine Trappisten. Die Menschen wollen möglichst reich sein, wollen möglichst genießen, wollen möglichst wenig arbeiten (Souhlas.) und vertragen sich miteinander im allgemeine herzlich schlecht. (Nepokoj. - Hlas: Was ist mit unseren genossenschaftlich bewirtschafteten Betrieben? Hlas: Oder unsere Konsumvereine?) Meine Herren, da arbeiten Sie nicht selbst, da arbeiten Angestellte, Vermutlich werden diese gesellschaftlichen Großbetriebe für die Bestellung der Leitung unter sich das allgemeine Wahlrecht einführen, für Mann und Frau und Kind, vielleicht mit Proportionalsystem und es werden in diesen Wirtschaftsbetrieben dann allerlei Reden gehalten werden, vielleicht so lange, wie hier im Senate. Das wäre alles ganz schön und interessant, aber die Ergiebigkeit der Wirtschaft, und darauf lege ich Nachdruck, die Ergiebigkeit der Wirtschaft (Hlas: Wird wachsen!) wird im ungekehrten Verhältnis stehen zu den Reden und zu den Parteiungen; Ich fürchte, die Gleichheit wird darin bestehen, daß alle gleich unzufrieden sein werden, (Hlas: Das sind Protezeiungen!) An erster Stele, meine Herren, die Fleißigen, Sehen Sie ja zu, daß kein einziger Privatbetrieb irgendwo übrig bleibt, denn es wird eine Flucht eintreten weg von diesen genossenschaftlichen Betrieben, weil jeder Landwirt lieber dem Grundsatze folgen wird: >Klein, aber mein<, als daß er mit allen möglichen Miteigentümern, fleißigen und faulen, braven und nichtsnutzigen das gleiche Land bestellt. (Souhlas. - Hlas: Das hat Eugen Richter im Reichstag auch, schon gesagt!) Und er hatte in diesem Punkte recht. Sie werden selbst zur Überzeugung kommen, daß es mit diesen Berufsorganisationen nicht geht. (Hluk. Výkøiky. Pøedseda zvoní.) Dieses reinsozialistische Wirtschaftssystem, das Sie als das Heil erkennen, ist ganz gut möglich, wenn es keine faulen und nichtsnutzigen Menschen mehr gibt. (Hlas: Das hat alles schon Stöcker vor 30 Jahren gesagt! Jiný hlas: Gerade den Faulen geht es in der bestehenden Gesellschaft am besten. Je fauler desto besser!) Werden Sie durch dieses neue Wirtschaftssystem neue Menschen schaffen? (Sen. Pollach: Aber zum Arbeitsrythmus können sie gezwungen werden!) Meine Herren, woher schafft aber der Sozialismus die neuen Menschen, wo sind die sittlichen Kräfte, durch die er neue Menschen erzieht? So viel mir bekannt ist, ruht der Sozialismus seit Marx auf der materialistischen Anschauung, die den Menschen, seine gesellschaftlichen, rechtlichen und sittlichen Anschauungen hauptsächlich von der Wirtschaftsform abhängig macht. Glauben Sie nun wirklich, daß die Menschen in und von einer anderen Wirtschaftsform besser werden? (Hlas: Ja!) Ich weiß, arge Not ist ein schlimmer Berater; aber der Wohlstand für sich allein, ohne sittliche Grundsätze, ist ein eben so schlimmer Berater. Meine Herren, Sie werfen ja gerade dem heutigen Unternehmer eben aus seinem Reichtum heraus Eigennutz vor; würde der Wohlstand für sich allein bei Ihnen andere Wirkungen haben? Und Sie brauchen lauter uneigennützige Leute, lauter fleißige, lauter reine Menschen, wenn ein solcher Gemeinbetrieb möglich sein soll. Und da will es mir scheinen, daß Sie ebensowenig mit wirklichen Menschen rechnen, wie seinerzeit der Liberalismus im Zeichen der Freiheit getan hat. Der Liberalismus hat geglaubt, wenn er die Freiheit gibt, dann kommen die Besten nach vorn. (Sen. Pollach: Aber was er geschaffen hat, ist doch geblieben!) Wir sprechen noch davon. Was ist dabei herausgekommen? Man hat nicht gerechnet mit der Gewinnsucht, mit der Gewissenlosigkeit, sein System hat daher Eigennutz und Ausbeutung des Arbeitenden gezeitigt und gerade die Arbeiterbewegung trat auf den Plan, um den Liberalismus zu sanieren. Und nun machen Sie den gleichen Fehler, was die Beurteilung des Menschen anbelangt, Sie überschätzen ihn, Sie rechnen mit Menschen, die nicht sind und die auch Sie allein nicht schaffen können. Kein Zweifel, Sie verstehen es Massen zu organisieren, Sie verstehen es die Arbeiter mit Gemeingeist für die Ziele der Arbeiterklasse, mit Parteidisziplin, ja mit Opfergeist im Dienst der Partei zu erfüllen und die anderen Parteien könnten sich daran ein Beispiel nehmen. (Sen. Pollach: Da sehen Sie schon die Wirkung auf die Menschen!) Ich antworte gleich. Das ist in erster Linie eine Kampforganisation; der Gedanke an die Befreiung des Proletariats hält sie zusammen, die Hoffnung auf die Macht, auf Besitz, auf die volle Freiheit, Wird sie auch Kräfte für die tägliche entsagungsvolle Zusammenarbeit, zur Selbstbeherrschung, zum rastlosen Fleiße, wie sie für solche Wirtschaftsgemeinschaften vorausgesetzt sind? Was man bisher am Sozialismus erlebt hat, läßt diese Frage nicht mit fa beantworten. (Hlas: Wir haben ja noch keinen Sozialismus erlebt!) Sie wissen ja aus der Geschichte genug, wie oft solche Versuche gemacht wurden, wie oft gemeinwirtschaftliche Betrieb versucht wurden. (Sen. Pollach: Das waren Experimente unter Luftabschluss, aber nicht Sozialismus. Da kennen Sie 'ie geschichtliche Entwicklung nicht!) Die Hauptsache beim Sozialismus ist und bleibt nicht die neue Wirtschaftsform, die Hauptsache sind und bleiben die neuen Menschen. (Hlas: Das hat man uns schon vor 30 Jahren erzählt!) Darum, meine Herren, noch einmal: die Sozialisierung nicht um ihrer selbst willen, sondern so weit sie dem Gemeinwohl förderlich ist und nicht gesunde Produktionskräfte ausscheidet! Wir verwerfen weiter den Klassenhaß und die Verhetzung der Klassen gegeneinander. (Hlas: Wie können Sie Klassenhass vorwerfen, wenn Klassen da sind! Das. verstehe ich nicht!) Es gibt ein Zusammenarbeiten von verschiedenen Klassen und Organisationen, gleich den verschiedenen Organen im menschlichen Leibe, die zusammen, nicht gegeneinander arbeiten. Wir verwerfen den Klassenhaß. Meine Herren, die >Bourgeoisie< ist nicht jenes Raubtier, als welches sie manchenorts dargestellt wird. Das Unternehmertum leistet viele und unentbehrliche Arbeit. Andererseits ist der Arbeiter in seinem guten Rechte, wenn er an den gebesserten Erwerbs- und Lebensverhältnissen seinen Anteil will. (Hluk.) Die Gegensätze sind nicht unversöhnlich, viele Interessen sind gemeinsam zwischen Unternehmer und Arbeiter und zwischen den verschiedenen Ständen. Auf Arbeitsteilung, auf gegenseitige Ergänzung, auf Solidarismus ist der ganze Fortschritt der Gesellschaft eingestellt. Daher nicht gegeneinander, sondern miteinander und so für einander, das muß die Losung sein. Sie haben sich früher diarauf berufen, daß Sie immer stärker und stärker werden. Wir lassen uns unser Urteil nicht trüben von dem großen Erfolg, den Ihr Sozialismus in der Ausbreitung der sozialdemokratischen Partei errungen hat. Wir schauen auf seinen Wegmacher, auf den seligen Liberalismus, Auch er wurde seinerzeit als ein Erlöser mit Enthusiasmus begrüßt, als er unter uns erschien und im Zeichen der Freiheit die wirtschaftlichen Ketten zu zerbrechen versprach, die die gebundene Volkswirtschaft um die Produktion geschlagen. Der Liberalismus hat unserer Produktion wesentliche Dienste geleistet, er hat nützliche, Kräfte frei gemacht, die vorher gebunden lagen. Aber die schrankenlose Wirtschaftsfreiheit hat auch die Ausbeutung und soziale Knechtung von Ungezählten mit sich gebracht, und die ihn früher wie einen Heiland begrüßt, fluchen heute seinem ausbeuterischen Kapitalismus, Liberal, einstmals ein Ehrenname, ein Schmuckstück in jedem Parteinamen, ist heute zum politischen Schimpfwort geworden, das jede Partei aus ihrem Parteinamen gestrichen hat.