Nun haben wir auch schon von verschiedenen maßgebenden Seiten sehr schöne Worte gehört. Ich erinnere an die Worte des Präsidenten Masaryk, der uns wohl seinerzeit als Kolonisten und Immigranten bezeichnet hat, der durch seine Unterschrift alle deutschfeindlichen Gesetze deckt. Nun hat er vor nicht langer Zeit ganz schöne Worte gebraucht, unter anderen:, >Jetzt ist die Zeit gekommen und ich habe nur den einzigen Wunsch, die politischen Verhältnisse in dieser Republik in anständiger Weise gelöst zu sehen.< Er sagte weiter: >Es ist mein unerschütterliches Prinzip, daß jede, nationale Minderheit in diesem Staate zur Geltung kommt.< Nun, meine sehr geehrten Herren, gewiß schöne Worte, vielleicht meint er sie auch ernst, aber er kann sie nicht in die Tatumsetzen wegen der Parteien, die ausnahmslos nationalchauvinistisch sind. Bei Ihnen sind alle Nationail-Chauvinisten, ob sie Sozialdemokraten oder Kommunisten sind. Das ist leider der große Unterschied bei den Deutschen und bei Ihnen. (Výkøiky.) Nun, meine Herren, auch andere schöne Worte haben wir gehört und gerade jetzt von meinem unmittelbaren Vorredner. Der ehemalige, strammen Musterantimilitarist und - so ändern sich eben die Zeiten - der nachmalige Kriegsminister Klofáè hat, uns sogar die Muster Schweiz in Aussicht gestellt. Auch Ministerpräsident Tusar hat den Vertretern des deutschen Volkes gegenüber, die seinerzeit unter Führung des Dr. Lodgman und Seliger bei ihm vorsprachen, auch sehr schöne Worte gebraucht. Nun sagen wir Deutschen, von den schönen Worten haben wir nichts, im Gegenteil; der Worte sind schon mehr als genug gewechselt. Wir wollen nun endlich einmal Taten sehen. Und wenn man sich die Tatein, die nachher geschehen sind, richtiger Gewalttaten, die Entrechtungen und Vergewaltigung vor Augen hält, so sage ich, wir hören die Botschaft wohl, uns fehlt aber der Glaube, Gerade heute habe ich ein Schreiben bekommen von einer Gemeinde, die ungefähr 80% deutsche Bevölkerung nach der letzten Volkszählung zählt, die Marktgemeinde Mißlitz. Man wollte in dieser Gemeinde zwei èechische Ortschaften, von denen die eine ungefähr 10 Km weit entfernt ist und in gar keinem Zusammenhange mit Mißlitz steht, eingemeinden, während man viel näher gelegene deutsche Gemeinden, in der Umgebung ausgeschlossen hat. Nun das ging aber doch nicht mehr und die Frage ist bis heute noch nicht erledigt. Vor einigen Tagen wurden die Gemeindewahlen ausgeschrieben. Kurz vor der Ausschreibung, der Wahlen hat man einige Hundert èechische Soldaten in diese Gemeinde hineinverlegt, nur einzig zu dem Zwecke, damit dann diese Soldaten bei der Wahl in dieser Gemeinde den Ausschlag geben und die Èechen dort selbst die Mehrheit bekommen. Meine sehr geehrten Herren, wenn Ihnen das im alten Österreich passiert wäre, was hätten Sie gemacht? Sagen Sie mir ein Beispiel dafür. Und schauen Sie sich Znaim an. Es ist geradezu eine Schande, was dort alles gemacht wurde. Man hat die deutschen Beamten, hunderte deutscher Eisenbahner ausgeschifft, an ihre Stelle ausnahmslos massenhaft Èechen hingesetzt. Nicht genug daran - ein solches Wahl Regiment wandert ja von Ortschaft zu Ortschaft - und nun haben Sie heute tatsächlich in Znaim auf diese Weise bei den Gemeindewahlen um ein paar Stimmen mehr bekommen. Genau so ging es in Pohrlitz. Dann kamen in Znaim die Wahlen in die Nationalversammlung und in den Senat und da hatten wieder die Deutschen mehr Stimmen aufgebracht; aber in der Gemeinde sitzen die Èechen heute als Herren, Meine Herren, wenn Sie sagen oder mir ein Beispiel hie für anführen, daß Ihnen das irgendwo im alten Österreich passiert ist, so würde ich das, gelinde gesagt, um nicht einen schärferen Ausdruck zu brauchen, Lumperei nennen. Dasselbe Ziel, das Sie durch die Zusammenlegung der Gemeinden, dann durch Mithilfe der Soldaten - insbesondere weise ich auf Brunn hin - verfolgen, bezwecken Sie auch durch die Nichtvornahme der Wahlen in vielen deutschen Gemeinden, weil Sie fürchten die Deutschen könnten dort selbst die Mehrheit behalten oder bekommen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir haben seinerzeit durch den Mund unserer Führer Lodgman und auch Seliger unsere Mitwirkung und unsere Mitarbeit der Regierung in diesem Staate zugesagt, aber nur unter gewissen Voraus Setzungen und Bedingungen. Wir, warten nun getrost auf die Erfüllung dieser Bedingungen, erst dann und nicht früher wird es sich zeigen, ob Sie uns hier in diesem Staate als gleichwertig betrachten oder ob Sie uns als minderwertige Nation weiterbehandeln wollen. Von der Erfüllung dieser Bedingungen wird es abhängen, wie wir uns zu dieser Regierung und wie wir uns zu diesem Staate verhalten werden. (Souhlas.) Das steht aber fest und da werden wir vor keinem Mittel zurückschrecken und koste es, was es wolle, wir werden uns niemals zu Staatsbürgern zweiter Klasse herabdrücken lassen. (Souhlas a nepokoj.) Bisher haben Sie es aber so gemacht und wir werden jetzt warten, was die Zukunft bringt. Wir werden uns nie zu Sklaven Ihrer Nation hergeben. Meine sehr geehrten Herren! Wir Deutschen haben wahrlich keine Ursache - denn die Zeiten haben sich geändert - den Kopf hängen zu lassen. Nein, die Zeiten sind schon wieder anders geworden. Sie selbst haben vielleicht das Meiste dazu beigetragen, daß es so geworden ist. Denn trotz Not und Schmach, trotz Bedrückung und Verfolgung, vielleicht nicht trotz, sondern infolge, lebt wie noch nie der alte deutsche. Geist in uns allen wieder auf und unseren Glauben an den endlichen Sieg der Gerechtigkeit nehmen Sie uns nicht weg. Wenn Sie glauben, daß das, was Sie mit uns Deutschen bisher gemacht habe, Gerechtigkeit ist, bleiben Sie dabei. Wir glauben es nicht und die ganze gesittete Welt kann es auch nicht glauben. Ja wir haben Ihnen vielleicht sogar viel zu verdanken, denn gerade diese unsinnigen Bedrückungen, gerade diese harte Schule, die das deutsche Volk mitzumachen hatte, hat es dahin gebracht, daß wir volklich noch nie so eng aneinander geschweißt waren wie jetzt. Das, was wir durch Jahrzehnte trotz vieler Mühe und Arbeit nicht erzielt haben, haben Sie bei unserem Volke in einein halb Jahren zu Wege gebracht, das ist das nationale Bewußtsein bei allen Deutschen zu wecken, und das ist heute unsere Hoffnung für die Zukunft, Heute ist unser Volk bis zum letzten Mann hinunter national-bewußt und daher blicken wir mit dem vollsten Vertrauen in die Zukunft, daß es auch einmal besser werden wird und muß. Wir alle sind der festen Überzeugung, daß der jetzige Zustand ein Übergang, eine Episode ist, die das deutsche Volk, das ja schon vieles überstanden hat, übertauchen wird. (Výkøiky.) Sie wollen es nicht als Übergang haben, sondern Sie möchten, daß dieser Zustand für uns Deutsche dauernd sein soll, das glaube ich Ihnen. Aber es ist doch unsere feste Überzeugung, daß es nur eine Episode ist, die vorübergehen wird, und wir haben den festen Glauben, daß für das deutsche Volk noch bessere Zeiten kommen werden und müssen. Und darum rufe ich meinem Volke zu: >Mut und Geduld wird alles zwingen!< Nun haben Sie uns, ohne uns zu fragen, gegen unseren Willen mit, Gewalt in diesen Staat hereingenommen, da müssen Sie nun eines machen, wenn Sie wollen, daß wir mitarbeiten. Da ist es vor allem Ihre Sache, Ihr verhetztes Volk - Sie haben seinerzeit die Geister gerufen, Sie müssen sie jetzt auch bannen - es ist Ihre Sache, dieses Ihr Volk aufzuklären über die Notwendigkeit der deutschen Arbeit für diesen Staat und dies umsomehr, als bekanntlich Ihre derzeitige Regierung auf sehr schwachen Füßen steht und die nur noch, wie die letzte Abstimmung gezeigt hat, von den Kommunisten gehalten wird. Geschieht es nicht nasch und gründlich, wie es das Staatswohl erfordert, so wird das vielleicht uns weniger Sorge machen, als der Regierung selbst. Denn das ist klar, ohne unsere Mitwirkung läßt sich das Staatsschiff nicht flott machen. Doch bitten werden wir nicht um Zulassung zum Rettungswerk. Wenn Sie noch immer glauben sollten - aus Ihren Zwischenrufen entnehme ich es, daß Sie diesen für uns Deutsche unerträglichen Zustand weiter aufrechterhalten wollen - daß Sie noch weiterhin ungefähr 40 % Bevölkerung vergewaltigen und entnationalisieren wollen, dann bliebe uns Deutschen nichts übrig, als in Ruhe abzuwarten, bis das Leck so groß geworden ist, daß selbst die verbohrtesten Dickschädel, die an Deutschenhaß krankhaft verlangten Kramáøe, Stránský und Konsorten und wie sie immer heißen mögen, einsehen müssen, sie vermöchten es ohne unsere Mitwirkung nicht mehr zu stopfen. Ich glaube aber, daß Sie eigentlich - wenigstens der bisherige Erfolg hat es gezeigt - kluge Politiker sind. Vielleicht ist schlau richtiger, sonst hätten Sie dieses Ziel nicht erreicht. Ich glaube daher, das Sie die Gefahr, in der Sie jetzt sind, erkennen werden, dies umsomehr, als die äußeren und inneren Verhältnisse, wie sie heute sind, geradezu dazu drängen, sobald als möglich Ordnung zu schaffen und Ihre eigenen Volksgenossen zu beruhigen. Um dieses Ziel in Ihrem eigenen Interesse zu erreichen, werden Sie, mögen Sie wollen oder nicht, es wird Ihnen zwar schwerfallen, ich weiß es, auch den verhaßten Deutschen entgegenkommen müssen, so weit es die Staatsraison erfordert. Wir kennen unsere Stärken, aber auch unsere Schwächen, wir haben Augen und Ohren. Wir kennen auch Ihre Stärken und Ihre Schwächen, Ich erinnere daran, daß, als Sie in der früheren Nationalversammlung unter sich gewesen sind, diese Nationalversammlung durch Obstruktion geendet hat. Wir wissen, daß in Ihren Reihen Risse sind, die nicht leicht zu verkleistern sind, Wie die Stimmung in Ihrem eigenen Volke für den Staat ist, wie patriotisch Ihr Volk ist, verweise ich nur auf die Staatsanleihe Zeichnung. Der geradezu klägliche Mißerfolg der Staatsanleihe-Zeichnung spricht Bände. Wenn Ihre eigenen Leute kein Zutrauen zu Ihrem eigenen Staat haben, wie wollen Sie es von uns, die Sie uns als minderwertig, als geduldet betrachten verlangen, daß wir Staatsanleihe zeichnen sollen. (Výkøiky.) Dazu kommen noch andere Dinge, die Rede Jurigas im Abgeordnetenhause sagt sehr viel. Täuschen Sie sich darüber nicht. Es gibt ein Lied: >Nad Tatrou sa blýská!< Täuschen Sie sich nicht, die Jurigas haben drüben in der Slovakei die Mehrheit, Der Ausfall der Wahlen ist für uns gar nicht ausschlaggebend und maßgebend. Er ist für uns gerade so wenig ausschlaggebend und miaßgebend, als wie Sie uns hier ein paar Parade-Slovaken vorführen. Wir wissen, wie die Wahlen gemacht worden sind.(Výkøiky.) Soll ich Ihnen darauf antworten, so erinnere ich nur an die tausend notariell beglaubigten Unterschriften, die notwendig waren, das sagt alles. Sie haben immer über die ungarischen Wahlen geschrieben, die ungarischen Wahlen sind aber nichts dagegen, wie Sie die Wahlen in der Slovakei gemacht haben.

Ich möchte noch hinweisen auf die schweren Gewitter, die im Osten aufsteigen. Ich meine die Frage von Teschen. Sie wissen, daß, wenn es zu einem Plebiszit kommen sollte, die Deutschen das Zünglein an der Wage sind, jene Deutschen, die Sie hier als Staatsbürger zweiter Klasse bisher behandelt haben. Ich wünsche gewiß, daß die Deutschen im Teschener Gebiet ihre Stimmen für unseren Staat abgeben. Aber was immer mit Teschen geschieht, fürchte ich, daß - es mag hinüber oder herüber fallen, man kann eine Lösung finden, wie man will, - es wird es immer ein Zankapfel zwischen unserem Staate und den Polen sein. Das wird man nicht aus der Welt schaffen, leider ist es so, gerade für uns wird es unangenehm sein, weil das ein Anlaß mit dazu sein wird, stets ein kolossales Heer gegenüber den Polen halten zu müssen. Daraus, wie das polnische Volk heute feindlich zu Ihnen steht, trotzdem Sie im alten Parlamente als gute Freunde mit den Polen durch Dick und Dünn gegangen sind, sehen Sie, wie schnell freundschaftliche Gesinnungen und namentlich politische Freundschaften schwinden. (Výkøiky.) Sie werden sich doch noch erinnern, wie es in den letzten Tagen, als der alte Staat auseinander gegangen ist, im Parlamente gewesen ist. Wie Sie jedoch heute zu den Polen stehen, hat nun ein polnischer Minister vom Minislertische aus gesagt und das, was er gesagt hat, ist bezeichnend; >Für uns Polen wäre ein Krieg mit den Èechen der populärste.< Sehen Sie, so stehen Sie mit den Polen und die Worte eines Ministers sind gewiß nicht zu unterschätzen.

Mit Rücksicht auf alles das von mir Gesagte, ist dieser Staat und diese Situation, in der er sich befindet, gewiß nicht zu beneiden. Wir wünschen nun nichts anderes, als die kommende Zeit möge anstatt, wie wir es jetzt noch haben, anstatt der Fortsetzung des Krieges, ein friedliches Nebeneinanderleben hier mit den anderen Nationen bringen, unter der Anerkennung der volklichen Selbstständigkeit jeder Nation. (Souhlas.) Aber nur auf dieser Grundlage, nicht aber durch weitere Entrechtungen, wie ich Ihnen solche sogar noch jetzt aus den letzten Tagen mitgeteilt habe, nicht durch Verfolgungen und nicht durch Vergewaltigungen, wollen wir, das sage ich Ihnen ruhig, auf der Grundlage der Selbständigkeit, am wirtschaftlichen Aufbau dieses Nationalitätenstaates mitarbeiten.

Eines möchte ich aber noch sagen, wenn Sie uns wirklich haben wollen, da muß endlich einmal die Zeit Ihres Siegestaumels und Ihres Siegesrausches zu Ende sein. Sie waren ja nie Sieger, Sie haben ja keinen Krieg mit uns gehabt und es konnte daher keine Sieger geben. Ich sagte, die Zeit des Siegesrausches muß einmal vorüber sein, wir sehen aber trotz Hunger und Elend, das überall herrscht, werden rauschende Sokolfeste veranstaltet. (Hlas: To vás pálí!) Ja, das brennt unsere Leute, die in diesem Staate nichts zu essen haben und hungern.

Wir wollen mittun, die Festzeit ist vorüber, die Friedensarbeit beginnt, sie wird hart Sein. Wir wollen mittun unter der Voraussetzung, daß Sie unsere politischen Forderungen erfüllen.

Was nun die wirtschaftlichen Fragen anbelangt, so will ich als Vertreter des Bundes der Landwirte - ich sehe die Zeit läuft etwas zu schnell - nur einige und kurz berühren. Wir Mitglieder des Bundes der Landwirte stehen auf dem Standpunkte: Will man ein kräftiges, tüchtiges und gesundes Volk haben, so müssen unserer Ansicht nach draußen am Lande, dem Reservoir, dem Jungbrunnen, aus dem sich immer wieder die städtische Bevölkerung ergänzt, günstige Bedingungen geschaffen werden. Um nun dieses Ziel sobald als möglich zu erreichen, müssen verschiedene Maßnahmen getroffen und in ein System hineingebracht werden. Meine sehr geehrten Herren! Mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit will ich nur zwei Fragen berühren, die heute am spruchreifsten sind und geradezu zur Lösung in den nächsten Tagen drängen. Das ist in erster Linie die umglückselige staatliche Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Produkte (Bravo!) und an zweiter Stelle die Art und Weise, wie die Kriegsanleihefrage gelöst werden soll.

Meine sehr geehrten Herren! Ein klein-wenig möchte ich auch eine andere Fragevorausschicken und will auf eines hinweisen, nämlich, daß die Lage der Landwirtschaft, insbesondere in den deutschen Gegenden, heute nicht so rosig ist, wie man in manchen Konsumentenkreisen annimmt. Es ist wohl Tatsache, es fällt mir auch gar nicht ein, dies zu leugnen, daß die Landwirte während des Krieges größere Einnahmen gemächt haben. (Výkøiky.) Aber meine Herren, wir können uns ganz ruhig aussprechen, es müssen doch nicht immer gehässige Zwischenrufe gemacht werden. (Výkøiky.) Ich kann auch grob sein, wie Sie, ich fordere Sie aber auf, nicht gehässig zu sein, denn ich glaube mit dem, was ich bisher gesagt habe, habe ich Sie noch in keiner Weise angegriffen. (Hlasy: Aber man weiss schon, was kommen wird!) Aha, Sie ahnen schon, darum müssen Sie schon vorher Zwischenrufe machen. Ich gebe zu, daß auch infolge der höheren Einnahmen viele Landwirte Geldbeträge in Raiffeisenkassen und Geldinstituten hinterlegt haben. Aber meine sehr geehrten Herren, diese Einnahmen sind absolut nicht gleichbedeutend mit Reingewinn. Das ist eben der große Unterschied gegenüber Ihrer Ansicht, Diese Geldbeträge sind nichts anderes als der Gegenwert für Verkauftes und Rücklagen für das während des Krieges nicht angeschaffte Inventar, Der Bestand an lebendem und totem Inventar ist heute in den bestgeführten Wirtschaften ärger als je in den Friedenszeiten bei den ärgsten Schlendrian es gewesen war. Gebäude wurden nicht repariert, Wirtschaftsgebäude sind vielfach dem Zerfall nahe, die Leute können nicht bauen, würden sie anfangen zu bauen, so reichen ihnen die paar Groschen nicht hin, die sie erspart haben und sie müßten wieder Schulden machen, Neubauten sehen Sie daher seit fünf Jahren bei keinem Landwirte draussen. Die Maschinen, Geräte sind in elendem Zustande, Nachschaffungen konnten infolge der riesig hohen Preise nicht gemacht werden. Die Stallungen sind sehr gelichtet, vielfach bis auf ein Viertel des Friedensstandes und das Lebendgewicht der einzelnen Tiere ist auf die Hälfte des Friedensgewichtes gesunken. Der Landwirt hat dafür wohl Geldbeträge eingenommen, die er vielfach in Kriegsanleihe angelegt hat, die er nun nach der unsinnigen Vortage ganz verlieren soll. (Hlasy: Warum haben Sie den Krieg unterstützt?) Soll ich vielleicht den Aufruf des Ministers Sonntag zur Zeichnung der Kriegsanleihe Ihnen zur Kenntnis bringen? Warum hat er sie unterstützt? (Bravo!) Ich könnte auch andere Aufrufe von maßgebenden Leuten Ihrer Partei bringen, zum Beispiel die ®ivnostenská banka hat alles Mögliche gemacht und veranlaßt, um soviel als möglich Kriegsanleihe zu bekommein. (Hlasy: Auch deutsche Banken!) Gewiß, das will ich ja nicht leugnen. Die Nachschaffung des requirierten Inventars war für die Landwirte nicht leicht möglich, auch wenn sie Geld hatten. Die Landwirte mußten ihre Pferde im Kriege um zweitausend Krönen, später sind es dann achttausend Kronen geworden, abliefern. Das war der höchste Preis für requirierte Pferde. Wenn aber heute der Landwirt ein Pferd kaufen will, so ist der Preis für ein Durchschnitts-Wirtschaftspferd 20.000 bis 25.000 K, Was helfen ihm da seine paar Groschen, wenn er das ganze ersparte Geld für ein Stück Vieh hergeben muß. Auf eines will ich noch hinweisen, wie sich die Geldentwertung zeigt. Heute kostet eine Kuh ungefähr 8000 K, Wissen Sie, was der Landwirt noch im Jahre 1916 für ein requiriertes Rindvieh bekam? Damals mußte er 5 Stück Vieh abliefern, um 8000 K zu bekommen. So schaut es meine Herren, in der Landwirtschaft aus. Äußerlich schaut es sehr schön aus, aber wenn man der Sache näher tritt! Meine Herren! Infolge der Requisitionen haben wir zu wenig animalischen Dünger - und der ist minderwertig - und wir haben fast gar keinen Kunstdünger; und dazu kommt die unglückselige Lohnfrage, die unerschwinglichen Löhne, die ungeheueren Steuerlasten und Abgaben. Der Achtstundentag ist das größte Unglück für die Ländwirtschaft, was man sich denken kann. Mußte man damit auch in der Landwirtschaft kommen bei der der Mehroder Minderertrag doch ganz vom Wetter abhängig ist? Ich anerkenne es in anderen Betrieben. Infolge des Achtstundentages und dazu des früh eingetretenen Winters im vorigen Jahre sind hunderte Metzen Kartoffeln in der Erde geblieben. (Hlasy: Wo ist das geschehen?) In meiner Gegend und auch in anderen, wenn Sie wollen kann ich Ihnen auch die Besitzer sagen. Infolge des Umstandes, daß kein Inventar nachgeschafft wurde, in folge des Mangels an animalischem und an Kunstdünger treiben wir Landwirte heute, das ist doch gar keine Frage, Raubbau und leben von den Reserven. Das werden und müssen Sie doch zugeben. Wir leben eigentlich nur von den Reserven und auch bei vielen Bauern fangen an, die Reserven auszugehenn. Wenn heute bei einem mittleren Landwirt ein Pferd umsteht oder ein Wirtschaftsgebäude niederbrennt, so wird dieser mittlere Landwirt sofort zum Bettler. Es ist gewiß keine Frage, daß unsere Erzeugnisse auch im Preise gestiegen sind, aber diese Preise stehen absolut in keinem Zusammenhange mit der Entwertung des Geldes, Ich verweise nur zum Beispiel darauf, daß das landwirtschaftliche Getreideprodukt heute 80 K im Preis steht. Sie möchten gerne, daß der Landwirt Ihnen wieder mit 5 K Getreide liefert, wie es seinerzeit der Fall war. Ich verweise darauf, daß die landwirtschaftlichen Produkte gegenüber den Friedenspreisen nur um etwas mehr als um das Dreifache gestiegen sind. Meine sehr Geehrten! Nennen Sie mir einen Artikel von Produkten und Erzeugnissen, welcher nur dreimal teuerer geworden ist als im Frieden. (Nepokoj, Mas: Eier, Butter! Butter ist 25mal so teuer als im Frieden!) Ja, wer hat heute und wieviel hat heute ein Bauer Eier und Butter zu verkaufen? Nun will ich darauf hinweisen, daß dagegen andere Artikel und gerade die, welche wir Landwirte am meisten notwendig haben, Eisen. Leder, Holz, Kohle usw. 10, 20 und 30mal teuerer geworden sind und unsere Artikel sind nur um etwas mehr als dreimal teuerer geworden.

Daß diese Preiserhöhung absolut in keinem Zusammenhang mit der Geldntwertung steht, will ich an einem drastischen Beispiel beweisen. Ein Mensch brauchte in Friedenszeiten zu seiner ganziäbrigen. Ernährung durchschnittlich 65 kg Roggenmehl, 40 kg Weizenmehl und 120 kg Kartoffeln. Das alles zusammen hat in Friedenszeiten 49 K gekostet und für diese 49 K hat sich der Landwirt einen für die damalige Zeit schönen und guten Anzug kaufen können. Heute kosten dieselben Artikel, aufgrund der heutigen festgesetzten Preise 163 K, ein Anzug dagegen kostet 1200 bis 1500 K und der ist nicht viel wert. (Výkøiky nìmeckých soc. demokratù: Von jedem Angestellten wird ebenso viel verlangt!) Wir Landwirte verlangen nichts anderes als das vorkriegszeitliche Preisverhältnis. Wir Landwirte sind gerne bereu, unsere Artikel und Erzeugnisse zu Friedenspreisen zu verkaufen, wenn wir die Bedarfsartikel, die wir brauchen, auch zu Friedenspreisen bekommen. (Souhlas.) Auch bei der Landwirtschaft - darüber kommen Sie nicht hinweg - sind für die Preise die Gestehungskosten maßgebend. Wir Landwirte wollen auch für unsere und gewiß schwere Arbeit unseren Lohn und gönnen fedem Arbeiter auch gerne seinen Lohn. (Výkøiky nìm. soc. demokratù.) Sie können ohne Landwirte nicht leben und die Landwirte ohne Arbeiter auch nicht. Und was wollen Sie an Stelle der Landwirtschaft setzen? (Výkøiky soc. demokr:. Gar nichts!) Ja gar nichts, dann ist es ein Rätsel, wie Sie es dann machen wollen, Sie sagen, daß es keine Landwirtschaft geben wird, und Ihre früheren Zwischenrufe sagten etwas anderes. Meine Herren! Sie dürfen sich nicht vorstellen, daß die Landwirtschaft ein Wohltätigkeitsinstitut ist. So ist es nicht und wenn Sie auch immer sagen, was man vom Ihnen so oft hört, die dummen Bauern, so dumm sind wir nicht, daß wir aus bloßer Liebe uns plagen und zur Liebe werden wir uns nicht zwingen lassen. (Nepokoj.)

Ich will weiter sagen, daß man im alten Staat die Sudetenländer als die Kornkammern! angesehen hat und auch die Slovakei konnte sich infolge ihrer nicht dichten Bevölkerung ernähren. Das wäre auch heute noch der Fall, wenn man uns wirtschaften ließe, wie wir es verstehen, und andere Leute, die nichts verstehen, uns nicht dreinreden täten, wenn nicht andere Leute in unser Handwerk hineinpfuschen würden. (Výkøiky nìm. soc. demokr.: Da müssten wir erst recht verhungern!) Wir Landwirte müssen den vom grünen Tisch aus kommenden Weisungen folgen, und Unberufene geben Verordnungen und Gesetze heraus. Es ist leider schon so, daß jeder, der zwei Blumentöpfe hat, schon etwas von der Landwirtschaft verstehen will und auch glaubt, dreinreden zu können. Zumindestens will er wissen, wie man Grieß oder Graupen anbaut. (Veselost.) Es wurde hier der Zwischenruf gemacht: Anbauzwang, Wie sich der kleine Moritz das vorstellt, das weiß ich nicht. Es ist doch zum Lachen, nachdem doch alles, angebaut ist. (Výkøiky soc. demokratù.)

Eine der wichtigsten Forderungen, die nun die Landwirtschaft jetzt aufstellen muß, ist die Aufhebung der staatlichen Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Produkte, Nehmen Sie sich ein Beispiel an den Polen, die jetzt, wie ich aus der heutigen Zeitung entnehme, die staatliche Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Produkte aufgehoben haben. Die Preiserhöhungen nützen meiner Ansicht nach nichts, weil ein entsprechendes Preisverhältnis zwischen landwirtschaftlichen Produkten und alten sonstigen Bedarfsartikeln nicht herzustellen ist. Preise, die heute festgesetzt werden, sind schon in l bis 2 Monaten überholt. Da gegenwärtig nun die Erzeugnisse der Landwirtschaft beschlagnahmt sind und Höchstpreisen unterliegen, so ist es selbstverständlich, daß die Landwirtschaft allein der geschädigte Teil ist. Man läßt sich leider von falschen Voraussetzungen leiten, daß die landwirtschaftlichen Produkte nicht das Ergebnis von Aufwendungen wie Kunstdünger. Saatgut, Maschinen. Arbeit u. dgl. sind sondern man meint, die landwirtschaftlichen Erzeugnisse sind eine Schenkung der Natur. Man sollte bei der Beurteilung des angemessenen Preises für landwirtschaftliche Produkte daran denken, daß die Kohle die nicht erzeugt, sondern nur aus der Erde hervorgeholt zu werden braucht, von 2.50 Kronen in Friedenszeiten auf 31 K loko Schacht gegenwärtig gestiegen ist. Daß wir Landwirte die Aufhebung der staatlichen Bewirtschaftung verlangen - (Výkøiky.) wenn bei Ihnen bei einer Rede fortwährend Zwischenrufe gemacht werden würden, sodaß der Redner absolut nicht sprechen kann, würde Ihnen das recht sein? - daß wir die Aufhebung der staatlichen Bewirtschaftung fordern, ist aber nicht so sehr eine Preisfrage. Denn die Landwirte wollen keineswegs aus der Not der anderen Nutzen ziehen; sie wollen lediglich solche Preise, die es ihnen ermöglichen, die Produktion voll und ganz aufrecht zu erhalten. Das liegt aber nicht nur in unserem Interesse, sondern auch in Ihrem Interesse. Sie sehen ja, daß die Hektarerträge immer mehr und mehr zurückgehen, Sie müssen ja infolge des Raubbaues immer mehr zurückgehen, aber anstatt, daß Sie mithelfen; daß es besser wird, tun Sie gerade das Gegenteil.