Und wenn ich mir nun erlaube, auf einige Äußerungen, die von anderer Seite in der Debatte gemacht worden sind, zurückzukommen, so will ich insbesondere auf eine Frage, es hat sie auch heute Kollege Jesser schon angeschnitten, ich muß direkt sagen, auf eine freche Lüge, ich kann keinen anderen Ausdruck dafür finden, dazu auch eine plumpe Lüge zurückkommen, daß wir, daß Deutschland, daß das deutsche Volk beschuldigt wird, es hätte den Krieg wollen, die Deutschen allein sind am Kriege schuld. Ich muß umsomehr auf diese Beschuldigung antworten, als drüben im Abgeordnetenhaus von einem Abgeordneten Ihrer Seite uns zugerufen wurde: >Ihr gehört mit Kaiser Wilhelm in ein Exil.< Nun, meine Herren, obzwar es gerade schade ist, darüber zu rechten und zu hadern, denn diese Frage, wer schuld war, wird nie restlos gelöst werden. Aber trotzdem will ich darauf hinweisen: Weiß man heute nichts von der seinerzeit panslavistischen Bewegung? Dr. Kramáø nannte sie einstmals neoslavistische Bewegung, und glaubt denn jemand, daß das Endziel der panslavistischen Bewegung nicht auch durch einen Krieg hätte entschieden werden müssen? Meine sehr geehrten Damen und Herren, weiß man nicht daß schon einige Jahre vor dem Kriege der damalige König Eduard von England, England, das den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands nicht vertragen konnte, ganz offen und rückhaltlos von der Einkreisung Deutschlands sprach? Ja wir wissen wohl, daß Deutschland auch schuld an dem Krieg ist, aber in einer anderen Art. Das geschah in dem Moment, wo Deutschland die bismarcksche Politik verlassen hat, wie man damals sagte, der Draht zwischen Berlin und Petersburg zerrissen wurde, kurz in folge der schlechten und ganz verfehlten Politik und Diplomatie Deutschlands, denn Deutschland brauchte doch keinen Krieg, Deutschland hätte viel günstigere Momente, viel günstigere Zeiten gehabt, einen Krieg mit sicherem Erfolg zu führen, und zwar nach dem russisch-japanischen Krieg, damals als Rußland militärisch, politisch und wirtschaftlich zusammengebrochen war, ja, meine Herren, das war die Ursache des Krieges. Frankreich hatte sofort verstanden, diese schlechte, verfehlte Politik Deutschlands sich zu Nutze zu machen, denn der Revanchegedanke ist dort drüben nie erloschen. Es ist ja bekannt, daß er sogar in der Schule gelehrt wurde und jedem Kinde der Revanchegedanke eingeimpft wurde. Und sofort hat Frankreich, wie ich schon sagte, es verstanden, mit Rußland ein Bündnis zu schließen - Geld spielte dabei keine Rolle - und dieses Bündnis mit Rußland wurde zum Verhängnis, nicht allein für Deutschland, sondern auch für Rußland, ja ein Verhängnis für ganz Europa, Meine Herren, wenn noch jemand daran zweifelt, wer eigentlich daran schuld ist, am Ausbruch des Krieges (Hlas: Die Agrarier!) - meine Herren, diese Weisheit hörten wir schon bei jeder Wählerversammlung als Schlagwort, diesen Zwischenruf hätten Sie sich schenken können - so will ich nur erinnern an die Worte des Präsidenten Clemenceau in der französischen Kammer in der ersten Sitzung nach dem Friedensschluß. Clemenceau sagte damals: >48 Jahre habe ich auf den heutigen Tag gewartet.<

Meine sehr geehrten Herren! Wollen Sie noch einen anderen Beweis dafür haben, wer den Krieg wollte? 48 Jahre hat sich Frankreich auf den Krieg vorbereitet und glauben Si. (Hlas: Deutschland nicht?) Deutschland brauchte ja keine Revanche, es hatte sie jedoch zu fürchten, denn Frankreich wollte Elsaß und Lothringen zurückhaben. Und glaubte jemand, daß Frankreich den Tag ohne Krieg erlebt hätte, daß Elsaß-Lothringen wirklich ohne Blutvergießen an Frankreich ausgeliefert worden wäre? Das glauben Sie ja selbst nicht. Und, meine geehrten Herren, wenn noch jemand daran zweifelt, wer den Krieg haben wollte, so brauchen Sie sich nur den Friedensvertrag selbst anschauen. Sie brauchen sich nur die Raubgier, die Eroberungssucht all der Teilnehmer am Kriege, die jetzt als Sieger daraus hervorgehen, insbesondere England, anzusehen, England, das heute mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung der Erde zu Seinen Untertanen infolge dieses Krieges zählt, und und schauen Sie sich auch Italien an. Die Frage, wer schuld an dem Kriege war, ist damit einwandfrei sichergestellt.

Noch auf eines möchte ich zu sprechen kommen. Diese Frage ist auch schon von einem Redner vor mir angeschnitten worden, und das ist Ihre Entschuldigung und Begründung, warum Sie uns Deutsche hier geradezu barbarisch behandeln (Hlas: Barbarisch?) Ja, barbarisch behandeln. (Hlas: Ein sehr starker Ausdrttckl) Sie begründen es damit, daß Sie immer sagen: Ja, was wäre mit uns geschehen, wenn die Deutschen gesiegt hätten? Und das ist für Sie die Begründung. Ihr Vorgehen gegenüber den Deutschen zu entschuldigen. Man brauchte eigentlich< die Frage gar nicht beantworten. Weil wir ja nicht gesiegt haben, so können Sie doch gar nicht wissen, wie man Sie überhaupt behandelt hätte. Nun bin ich aber anderer Meinung, Sie waren nämlich sehr Schlaue Politiker, Sie hatten immer zwei Eisen im Feuer gehabt während des Krieges, und Sie hätten daher überhaupt nie verlieren können, Sie mußten immer als Sieger aus diesem Kriege hervorgehen. Meine Herren! Wenn tatsächlich die Mittelmächte gesiegt hätten, in Österreich hätten nicht die Deutschen, sondern die Dynastie Habsburg hätte gesiegt. (Nepokoj. Výkøiky.) Aber, meine Herren, lassen Sie doch diese Zwischenrufe. Diese Dynastie Habsburg, die stand Ihnen näher als uns Deutschen, Sie waren doch vielmehr schwarzgelb, als wir Deutsche, Die Dynastie Habsburg war gerade für uns Deutsche ein Unglück. (Souhlas.) Und wenn es noch eines Beweises bedarf, ob Sie wirklich mehr dynastisch gesinnt waren, so schauen Sie sich doch die Loyalitätskundgebungen Ihrer seinerzeitigen Führer im alten Österreich an. Tun Sie nicht die Hände zusammenschlagen. Ihr. Volk, Ihre Führer, heißen sie nun Kramáø oder Klofáè oder wie immer. (Hlas: Das waren einzelne Fälle, aber Sie sprechen allgemein!) Einzelne Fälle? Sie geben also wenigstens einzelne Fälle untertänigster Loyalitätskundgebungen zu. Sie konnten damals nicht genug Ihr Österreichertum bei jeder passenden und auch nicht passenden Gelegenheit beteuern. Nun, wenn ich sage, für uns ist die Dynastie ein Unglück gewesen, so sage ich andererseits nach einem alten Sprichworte, es ist kein Unglück so groß, daß nicht auch ein Bischen Glück dabei wäre. Gerade infolge der Beseitigung der Dynastie der Habsburg - Lothringer wird es heute möglich sein; was früher nie möglich gewesen wäre, daß die Deutschösterreicher, die Deutschen Österreichs, einmal in einem. Staate mit den anderen Deutschen zusammenleben und zusammenwohnen werden. Das Hindernis war früher die Dynastie Habsburg. Und wenn auch heute Frankreich sich auf diesen Standpunkt stellt, ich glaube es hat bezüglich des Anschlusses ein Veto eingelegt, nun, so ist das vergänglich und es wird auch nicht lange dauern. Denn wir sehen ja schon jetzt nach kurzer Zeit, wie wir von, unseren guten Freunden behandelt werden. Wir sahen den Balkankrieg, wir sahen, wie Bulgarien und Griechenland zusammen Krieg geführt haben, und noch in demselben Jahre gegeneinander selbst; Krieg führen mussten. Ich bin daher überzeugt, der Friedensvertrag wird in nicht langer Zeit ein Fetzen Papier sein, und vielleicht werden wir schon in den nächsten Jahren Änderungen erleben, von denen wir uns heute absolut nichts träumen lassen, Glauben Sie ja nicht, meine Herren, daß die Weltgeschichte mit der Gründung Ihres Staates schon ihr Ende genommen hat. Vielleicht sind wir erst am Anfang von neuen Ereignissen. Wir wissen nicht, was die nächsten Jahre bringen werden. Sie machen uns das aber sehr schwer, daß das, unser Staat ist. Machen Sie es anders. Vielleicht werden dann auch wir anders sprechen. (Sehr gut!)

Wenn ich sagte, die Dynastie stand. Ihnen näher als uns, so erinnern Sie sich doch nur an das Jahr 1848. Wenn Sie nicht gewesen wären, so wäre die Dynastie Habsburg schon damals beseitigt worden. Denn im Jahre 1848 ging die Revolution in Wien von den Deutschen aus. Ich bitte freundlichst, Sie werden sich wohl daran erinnern an die historischen Worte, die damals Kaiser Ferdinand gesagt hat: Ja, ich muß bei meinen lieben Böhmen den Schutz suchen. Und er hat ihn auch gefunden, der Reichsrat kam nach Kremsier usw. (Výkøiky.) Das sind historische Tatsachen, über die ist nicht hinwegzukommen.

Und noch eines, nachdem in der Debatte Worte gefallen sind, Sie wären immer die Unterdrückten in dem alten Österreich gewesen, das hören wir so oft sagen, und darum müßt Ihr jetzt auch büßen. Ich weiß wirklich nicht, ob Ihr Volk sagen kann, es sei unterdrückt gewesen, wenn ich, um nur einen Fall herauszugreifen, an den Eisernen Ring im Parlamente erinnere. 14 Jahre haben Sie unter Taaffe den Eisernen Ring gebildet und haben dort 14 Jahre gegen die Deutschen regiert. Ja, es ist sogar vorgekommen - denken Sie sich, ob hier in Prag das möglich wäre - daß der damalige Präsident des Hauses, Kramáø, unter der Regierung Badeni, deutsche Wiener Polizei dazu benutzt hat, (Hlas: To u¾ ale bylo dávno!) und wenn es auch nachher gewesen wäre, so ist es ganz bezeichnend, daß ein èechischer Abgeordneter mit deutschen Polizisten deutsche Abgeordnete aus dem Parlamente einfach hinausführen ließ. Von einer Unterdrückung Ihres Volkes im alten Staate zu sprechen, ist also nicht am Platze, weil das absolut nicht der Fall war. Nun müssen wir mit den gegebenen Verhältnissen und Tatsachen rechnen und wir wollen auch damit rechnen. Diese nackten Tatsachen, der Friede von Saint-Germain haben es mit sich gebracht, daß Mitteleuropa balkanisiert wurde. Der Balkan, der früher bei Belgrad ein Ende hatte, reicht nun vom Mittelländischen Meer hinauf bis zur Ostsee. Erlassen Sie mir zu schildern. (Výkøiky.) Auch zu solchen Tatsachen wollen Sie Zwischenrufe machen? Das können Sie doch nicht leugnen, daß Mitteleuropa balkanisiert worden ist. Ich sagte, daß ich mich kurz halten will. Dieses Versprechen werde ich, wie ich sehe, infolge Ihrer Zwischenrufe nicht einhalten können. Alle diese einzelnen Staaten, die nun entstanden sind, sind lauter Zwergstaaten, zumeist kleine Gernegroße, sie leben auch alle über ihre Verhältnisse. Wie wird nun die finanzielle, politische, wirtschaftliche und nationale Zukunft dieser Staaten ausschauen und wie muß eigentlich ein so kleiner Staat gegenüber den Großstaaten bei Verhandlungen, sei es über Wirtschaftsverträge, sei es über politische Verhandlungen, dastehen! Er wird und muß selbstredend gegenüber Großstaaten gar nichts zählen. Wir alle waren der Meinung, daß der Weltkrieg der letzte gewesen sein wird und wir haben uns dessen gewiß auch gefreut. Aber gerlade durch die Schaffung von mehreren kleinen Staaten sind die Kriege nicht nur nicht aus der Weilt geschafft, wir kommen vielmehr aus der Kriegsgefahr gar nicht mehr heraus. Kaum sind wir mit dem Weltkrieg fertig und schon haben Sie die Gefahr mit Ihren besten Freunden aus dem Parlamente, mit den Polen, in Krieg zu geraten. (Výkøiky: Oho!) Das ist aber sicher, wir stehen hier, ich möchte sagen, auf einem Vulkan, genau so wie es immer unten bei den Balkanstaaten der Fall war, daß sich regelmäßig in Pausen von wenigen Jahren Kriege abgespielt haben, so werden auch wir jetzt damit zu rechnen haben.

Was nun die wirtschaftlichen Fragen anbelangt, kann man darüber denken, wie man will: Österreich konnte eigentlich wirtschaftlich - politisch war es ein Unglück- nicht besser zusammengelegt sein, als es war. Ich möchte nur wiederholen, daß einer Ihrer Politiker gesagt hat - ich glaube es stammt von Palacký: dieser Worte Palacký hat sich auch Dr. Kramáø im Parlamente bedient: >Wenn dieses Österreich nicht wäre, so müßte es für uns Slaven erst geschaffen werden.< Was nun die wirtschaftlichen Seiten der neuen Staaten anbelangt, so bin ich der Meinung, daß eigentlich jeder einzelne dieser Staaten - und da nehme ich keinen aus, auch nicht unseren Staat, trotzdem man. seinerzeit gesagt hat, hier werde, in wirtschaftlicher Beziehung Milch und Honig fließen - daß jeder dieser kleinen Staaten für sich allein wirtschaftlich nicht existenzfähig und auch nicht existenzberechtigt ist. Weil wir ein Bälkanstaat geworden sind und, wie ich schon sagte, die Kriegsgefahr nicht aus der Welt zu schaffen ist, müssen wir Militär im großer Zahl halten, und was heute das, Militär, was ein Soldat gegenüber früher kostet, wissen Sie. Schauen Sie sich diese einzelnen Staaten an, auch unseren Staat. Alle sind Binnenstaaten, kein einziger kann sich mit Außenhandel von irgend welcher Bedeutung beschäftigen. Der eine Staat hat das, was dem ananderen fehlt und umgekehrt. Wir zum Beispiel, heißt es, haben Kohle im Überfluß. Stimmt! Wir sind froh, daß wir sie haben. Die Kohle ist jedoch leider in der Erde und da sind nun verschiedene Ursachen gegenüber den Friedenszeiten, daß wir eigentlich sehr wenig Kohle aus der Erde fördern. Dann hat es geheißen: Wir haben Lebensrnittel und landwirtschaftliche Produkte im Überfluß. So weit mir aber bekannt ist, hat aber der seinerzeitige Ernährungsminister hier von dieser Stelle aus behauptet, daß wir nicht genügend landwirtschaftliche Erzeunisse haben, und daß wir daher ein importierender Staat sein werden. Er hat das mit Ziffern belegt, indem er sägte, wenn wir genug landwirtschaftliche Erzeugnisse haben sollten, müßte der Hektarertrag der bebaubaren Flächen, die wir haben, ungefähr bei 30 Meterzentner Getreidertrag geben. Nachdem aber bekanntlich der Hektarertrag kaum 12, 13 oder 14 Meterzentner beträgt, würden wir (Smích.) das sind nicht meine Worte und es ist daher nicht zum Lachen, der Minister hat es gesagt.- die Hälfte, sogar noch weniger haben. Dann haben wir noch zu bedenken, daß wir überhaupt sehr wichtige Sachen nicht haben, die wir jedoch unbedingt brauchen. Wir haben zum Beispiel keine Erze und daher kein Eisen, kein Salz, keine Erdöle. Sehen Sie, das ist der Staat, in dem, wie es geheißen hat, alles im Überfluß sein wird und wie ich schon sagte, Milch und Honig fließen wird. Genug haben wir nur an etwas, und da werden uns die anderen Staaten nicht nachkommen. Nämlich an Schulden, an falschem Geld und Soldaten, das haben wir im Verhältnis mehr als jeder andere Staat. Daß wir soviel Soldaten halten müssen, ist wohl erklärlich, nachdem uns seitens Frankreichs die Rolle zugewiesen wurde, der Gendarm von Mitteleuropa zu sein. Leider müssen wir die Kosten dafür selber zahlen, Frankreich steuert uns nichts dazu. Und das alles, trotzdem wir Siegerstaat sind, was man so häufig von Ihnen hört.

Auf eines möchte ich noch hinweisen, Sie nennen diesen Staat èechoslovakische Republik. Man sieht, daß Sie auch damals, als Sie diesen Namen in Umlauf gesetzt haben, also, bei der Taufe Ihres Staates, kopflos gewesen sind. Daß dieser Name >èechoslovakischer< Staat nicht nur sachlich unrichtig ist, sondern auch der Form nach nicht entspricht ist logisch selbstverständlich, wie der Abgeordnete Juriga im anderen Hause richtig gesagt hat, und sich dagegen gewehrt hat, daß von einem èechoslovakischen Staate oder gar von einer èechoslovakischen Staatssprache gesprochen wird. Wenn Sie wirklich den Staat nach den Nationen, wenn Sie ihn nach der Kulturstufe oder der Zahl der Angehörigen zu jeder Nation haben nennen wollen, dann müßte er èecho-deutsch-slovakisch usw. heißen. Sie sehen also, meine sehr geehrten Herren daß das der Sache und der Form nach nicht stimmt.

Nun, meine sehr geehrten Herren, wollen Sie wissen, was wir Deutsche hier in diesem Staate wollen. Wir wollen gar nichts anderes als Ordnung und Gerechtigkeit. (Souhlas.) Wenn Sie aber glauben, eine Vorherrschaft in diesem Staate ausüben zu können, so werden wir Deutsche uns mit Händen und Füßen dagegen wehren, weil eine Vorherrschaft jede Ordnung und Gerechtigkeit über den Haufen wirft. Ich freue mich, aus den Zwischenrufen zu entnehmen, daß Sie dasselbe, nämlich Ordnung und Gerechtigkeit wollen. Das steht jedoch fest, wir werden stets festhalten an unserem deutschen Wesen, ohne Haß und Voreingenommenheit gegen andere Nationen, wir werden aber unter allen. Umständen Gewalt- und Schreckensherrschaft mit allen Mitteln, welche wir haben und die uns zu Gebote stehen, bekämpfen. (Souhlas.) Daher setzen wir - und das können wir nicht genug betonen - an erste Stelle das Selbstbestimmungsrecht der Deutschen sowohl hier in den Sudetenländern als auch in der Slovakei.

Meine sehr geehrten Herren! Weiter fordern wir, wenn Sie uns hier in Ihrem Staate zur Mitarbeit eingeladen haben - vielleicht nicht dem eigenen Triebe folgend, sondern der Not gehorchend einladen mußten, - so fordern wir die Wiedergutmachung allen Unrechtes, welches von Ihnen in der brutalsten Weise (Výkøiky.) ich sage nochmals dieses Wort, während einein halb Jahren an den Deutschen geübt wurde. (Souhlas.) Was die Verfassung anbelangt, so lehnen wir diese ab, weil wir nur ein solches Verfassungswerk anerkennen können, Welches auf dem Willen der Bevölkerung, die diesen Staat bewohnt, aufgebaut ist. Wir lehnen diese Verfassung aber auch schon aus dem Grunde ab, weil deren Schaffung von einer unverantwortlichen Körperschaft herrührt, - das hätte jede Tischgesellschaft auch machen können; weil diese Schaffung schon ein Hohn auf das Wort Demokratie ist, Demokratie, welches Wort Sie so häufig, aber immer fälschlich, in den Mund nehmen. Denn wo Sie hinschauen, sehen Sie einen nationalchauvinistischen Imperialismus einen Absolutismus, die alle geradezu Orgien in diesem Staate wie in keinem anderen feiern. Eine weitere Forderung ist die Beseitigung aller bisherigen, in der alten Nationalversammlung, wie sie sich nannte, geschaffenen Gesetze, Wir fordern Sie nicht nur aus dem Gründe, weil aus jedem einzelnen Gesetze der Deutschenhaß förmlich herausspricht, wir fordern dies aber auch aus dem Grunde, weil meiner Ansicht nach eine provisorische Regierung nicht Gesetze von Dauer schaffen konnte. Diese bisherige Staatsgewalt konnte doch nur vorübergehende Befugnis haben. Gesetze von Dauer darf doch niemand anderer als eine gewählte Versammlung beschließen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das sind so in gedrängter Kürze einige unserer wichtigsten Forderungen, die ich hier angeführt habe; sie sind notwendig, wenn geordnete Verhältnisse in diesem Staate einkehren sollen, an denen Sie - nachdem Sie diesen Staat stets als Ihren Staat bezeichnen - ein größeres Interesse haben sollten als wir Deutsche. Hinweisen will ich nur, daß nicht so sehr das sudetenländische Deutschtum, sondern Ihr eigener Staat, die Regierung selbst, sich in einem sehr argen Notstand befindet, in wirtschaftlicher, politischer finanzieller und auch nationaler Richtung. Es ist dies auch erklärlich, wenn man sich die wirtschaftliche Seite vorhält. Es ist von meinem unmittelbaren Vorredner, Herrn Senator Klofáè, gesagt worden, daß in anderen Staaten die Korruption ärger sei, als in diesem Staat. Nun schauen Sie sich doch überall die Mißwirtschaft, die Koruption, die Protektion in diesem Staate an. Wenn ich als Kontraredner so die Verhältnisse schildere, schaut es natürlich anders aus, aber von dieser Stelle hat vorige Woche ein Redner von Ihrer Seite es auch mit fast denselben Worten Korruption, Protektion u. s. w. gekennzeichnet. Es ist einmal so. Aus der Geschichte kann man lernen, daß die Slaven niemals viel Glück bei Verwaltungen von Staaten hatten, Kaum sind sie eineinhalb Jahre hier an der Regierung, so sind schon ganz unhaltbare, geradezu russische Zustände eingetreten. Ja, meine Herren, wenn auch einige von Ihnen mit dem Kopf schütteln, so ändern Sie nichts daran, es ist so. Man könnte viele Fälle dafür anführen, zum Beispiel, um nur einen herauszugreifen, den Jirakprozeß und alles, was bei diesem Prozesse in die Öffentlichkeit gekommen ist, das spricht schon für sich allein Bände, Ja, das ist richtig, während der einein halb Jahre sind Sie Meister gewesen darin, in deutschen Gemeinden die Schilder herunterzureißen, deutsche Schulen zu sperren, Kaiser Josef Denkmäler zu stürzen, Lehrer, Beamte, deutsche Arbeiter in Massen auf die Gasse zu werfen und sie dem Hungertode preiszugeben. In diesen Dingen sind Sie unübertrefflich. Aber Regieren und Aufbauen, ob Sie das können, das haben Sie bisher nicht bewiesen, ja gerade das Gegenteil. (Výkøiky.) Wir werden warten, wie die Zukunft ausschauen wird. Wie häufig hören wir nicht: >die höhere Schweiz<, wie oft wird das in den Mund genommen, auch auf das geduldige Papier wird es geschrieben, und das reaktionäre Rußland in die Tat umgesetzt. Ja, die pflichttreuen deutschen Beamten haben Sie herausgeworfen und Protektionskinder mit nicht entsprechender Vorbildung in die Ämter hineingenommen. Der ganze große Hradschin reicht für die Ministerien dieses kleinen Staates nicht aus und die Hotels von halb Prag sind für die Zentralbüros in Anspruch genommen, und weil zuviel Beamte sind, geht eben nichts vorwärts und es sind heute aus einem Amtsschimmel, ich möchte so sagen, ein ganzer Stall voll geworden.(Veselost.)

Man nennt diesen Staat oftmals einen Freistaat. Ein ganz schöner Ausdruck! Aber leider fassen Ihre Leute dieses Wort Freistaat ganz anders auf. Jeder denkt sich, das heißt, jeder kann machen, was er will, Freistaat ist er auch für uns Deutsche, weil wir Deutsche bisher eigentlich vogelfrei waren. Wir hoffen aber, daß sich die Verhältnisse endlich einmal ändern werden. (Výkøik: To zále¾í jenom na vás!) Auch ich kann ein Lied davon erzählen. Mich haben Soldaten mit Bayonetten um Mitternacht aus dem Bette herausholen wollen, es war vielleicht mein Glück, daß ich damals nicht zu Hause war. Aus dieser einen Tatsache sehen Sie, was einem Deutschen hier in dieser Republik passieren kann.

Wenn Sie sagen ein Freistaat, so sage ich ein Freistaat vielleicht für chauvinistische Hetzer und Schilderstürmer, die unter den Augen der Obrigkeit, die Národní výbory will ich nicht einmal erwähnen, machen können, was sie wollen. Aber, meine Herren! ein Freistaat ist es aber auch aus dem Grunde nicht, weil Sie heute bewußt oder unbewußt, das sei dahin gestellt, ein abhängige Kolonie der Entente-Staaten geworden sind, eine Kolonie insbesondere von Frankreich und das gibt man auch schon von Ihren maßgebenden Leuten zu, nur wird es ein bißchen umschrieben. Der Abgeordnete Kramáø hat in der ersten Kammer von der Expansion des Entente-Kapitals, unter dem wir leiden, gesprochen. Das ist eben ein bißchen, wie ich schon sagte, umschrieben. Ja, die Dinge haben sich eben geändert. Frankreich braucht Sie heute nicht mehr und beim Geld, meine Herren, hören die politischen Freundschaften auf, Frankreich hat heute ganz andere Interessen, als sich für Sie noch weiter einzusetzen, insbesonders, wenn nicht dabei ein Geschäft , herausschaut. Ich erinnere nur daran, daß es seinerzeit, als es hätte zum Abschlüsse des Friedens kommen sollen, geheissen hat, wir in diesem Staate werden nicht schlecht fahren, wir werden sogar eine Kriegsentschädigung bekommen und zwar von Österreich und Ungarn. Dann hat man später längere Zeit nichts mehr davon gehört. Jetzt hört man wieder etwas ganz anderes. Wir müssen, heißt es, eine Befreiungsgebühr bezahlen, und der >Venkov<, ein Blatt einer der größten Parteien, die heute in der Regierung sitzen, sagte letzthin, daß Sie sogar eine Kriegsentschädigung zahlen müssen. Ja, sehen Sie, wie sich die Freundschaften schnell ändern und ich glaube, Sie selbst, werden Frankreich gegenüber bald den Standpunkt einnehmen: >Gott beschütze mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden werde ich es schon selbst besorgen.< Wir Deutschen haben nun gewählt, wir Abgeordnete und Senatoren haben auch, die Mandate angenommen, weil wir der ganzen Welt und der Öffentlichkeit Von hier, von dieser Stelle aus, zeigen und sagen wollen, daß es eigentlich im engeren Sinne des Wortes eine èechoslovakische Republik nicht gibt, sondern daß das, was man unter diesem Namen hier bezeichnet, nichts anderes als ein Abklatsch vom alten Österreich ist, ein Mischmasch vom vielen Nationen, das alte Österreich, aber in einer viel mehr verschlechterten Auflage. (Souhlas.) Nun haben Sie uns dreieinhalb bis vier Millionen Deutsche hereingenommen (Nepokoj, výkøiky.) das läßt sich gewiß schwer sagen, denn der Ausgang der Wahlen ist absolut nicht maßgebend für die Anzahl der Angehörigen der einzelnen Nationen. Ich erinnere nur daran, wie die Deutschen bei den Prager Mandaten hintergangen würden und auch andere Umstände spielten für den Ausgang der, Wahlen eine Rolle. Sie können daher absolut heute nicht sagen, ob drei oder vier Millionen Deutsche hier sind. Es frägtsich nur, ob Ihnen nicht vielleicht, wenn Sie glauben, daß wir drei Millionen sind, schon diese mit der Zeit zuviel werden. Ja, Sie wollten ja sogar seinerzeit noch mehr Deutsche hereinnehmen und wir Deutschen hier hätten auch gar nichts dagegen gehabt. Nun haben Sie uns gegen unseren Willen hereingenommen, Sie müssen uns nun nehmen, wie wir eben sind. Wir sollen in dien! Vertretungskörpern mitarbeiten, ich sage ja, wir wollen, aber nur unter gewissen Voraussetzungen. Wir wollen mitarbeiten, wenn unsere Forderungen, die wir als Deutsche hier zu stellen haben und von denen ich schon einige anführte, auch, vollends erfüllt werden. Sie haben uns hereingenommen, weil Sie selbst in den Friedenverhandlungen von St. Germain gesagt haben, Sie müssen uns haben, Sie können auf die deutschen Randgebiete nicht verzichten. Daher sind eigentlich, erst wir Deutschen diejenigen, die Ihren Staat gemacht haben. Sie sagen, allein hätten Sie nicht existieren können, daher müssen Sie nun auch auf unsere Forderungen Rücksicht nehmen. Nun sind wir Deutschen nicht so naiv, von Ihnen irgendwie Rücksichten zu erwarten, o nein, so naiv sind wir nicht, aus Liebe zu uns werden Sie es absolut nicht machen. Aber auf ganz andere Umstände setzen wir unsere Hoffnung, nämlich, das Gesamtwohl, das Staatswohl heißt gebieterisch, daß Sie endlich zur Einsicht kommen, daß es so nicht weiter geht; Ihr derzeitiges Regieren, das ist Ihre Gewalt- und Schreckensherrschaft, ist ein Selbstmord für Sie und Sie schaufeln sich selbst das Grab.