Die Ideologie vom èechischen Staate und dem Rechtsanspruch auf den ganzen Staat als Nationaleigentum war so stark, daß sie auch in der Stellung des èechischen Staates zur deutschen Wirtschaft zum Ausdrucke kommt. Nun gestatten Sie, daß ich etwas ausführli
cher bei der wirtschaftlichen Frage verweile. Ich stelle zum ewigen Andenken fest, wie der gewesene Handelsminister Dr. Stránský seine Auffassung über die deutsche Industrie bekannt gegeben hat. Er sagt: >Leider sind die Verhältnisse in der Industrie derart, daß es keinen anderen Ausweg gibt, wenn man den entscheidenden Einfluß der Èechen in einer ganzen Reihe Von Industriezweigen erhalten will. Ich muß leider feststellen, daß von 3,500.000 Baumwollspindeln etwa 85 % in deutschem und 15 % in èechischem Besitze sind. Ich muß leider feststellen, - sagt immer noch der Minister, - daß die Wollindustrie fast mit 90 % in deutschem Besitze ist und nur mit etwa 10 % in èechischem Besitze. Ähnlich ist es bei der Glasindustrie u. s. w. Das Ernennungsrecht der Regierung soll zu einem gewissen Grade diese ungünstige Situation korrigieren und dem Vorstande bleibt es vorbehalten, sich selbst das Präsidium zu wählen.< Nun möchte ich Sie bitten, einmal sich das Beispiel auf die. Schweiz zu übertragen und sich vielleicht einen Schweizer Handelsminister zu denken, der unter Anderem sagen würde, daß leider die Schokoladeindustrie in der Schweiz in französischem Besitz, daß leider die Uhrenindustrie in deutschen Händen sich befinden. Was würde mit einem solchen Handelsminister geschehen? Hier aber in der höheren Schweiz kann ein Handelsminister ganz kaltwegs als Ziel seiner Politik angeben, die deutsche Industrie hinter die èechische zurückzustellen, trotzdem sie weitaus größer und mächtiger ist. Diese deutschfeindliche Wirtschaftspolitik hat niemand besser charakterisiert, als einer ihrer tüchtigsten Männer. Dr. Matys, jetzt Generaldirektor der Prager Eisenindustrie. Er hat darauf hingewiesen, wie unsinnig es sei, die Aus- und Einfuhrbewilligungen, die Devisenpolitik vorwiegend vom nationalen Gesichtspunkte zu behandeln, und er sagte ausdrücklich, er habe sich vergebens bemüht, die Anschauung zur Geltung zu bringen, daß man die Deutschen nicht einfach vom Ausfuhrhandel ausschliessen könne, daß die Regierung verpflichtet sei, ihren Waren und Erzeugnissen über die Grenze zu helfen, aber dieser Standpunkt habe länge kein Verständnis gefunden. Und er hat meines Erachtens nach auch heute noch kein Verständnis gefundein. Nun ist gerade jetzt das Kriegsanleihethemaa sehr aktuell. Es wird noch anderen Ortes darüber gesprochen werden, ich möchte es anderen Herren überlassen. Dagegen möchte ich eine andere Frage berühren, die meines Erachtens noch von niemandem besprochen worden ist, und das sind die Katastrophalen Folgen der brutalen und raschen Währungstrennung, die damals beim Umsturz vorgenommen worden ist. Unsere deutschen Banken, Sparkassen und Kreditinstitute, unsere Privaten, Industriellen u. s. w. hatten in der Postsparkassa und in Wiener Großbanken ungeheuere Guthaben. Nun ist die Währungsreform so rasch und mit so brutaler Rücksichtslosigkeit durchgeführt worden, daß alle diese Personen und Körperschaften keine Vorsorge mehr treffen konnten wegen Überführung dieser Depots in die Èechoslovakei, ausgenommen - und da setzt der unerhörte Skandal ein, - ausgenommen gewisse èechische Geldinstitute und Private, welche von gewissen Herren einen Wink bekamen. Vergleichen Sie die Bilanzen der meisten èechischen Sparkassen und Banken mit denen der deutschen Institute, so werden Sie deutlich die Folgen dieser katastrophalen Währungstrennung auf deutscher. Seite und den Vorteil einer rechtzeitigen Verständigung auf èechischer Seite sehen. Wir haben es mit einem Raubzug auf den deutschen Besitz zu tun und es ist ein sehwacher Trost, daß der Staat darunter genau so leidet wie das deutsche Volk. Also auch das Èechische Volk hat nichts davon, den Vorteil hat nicht das èechische Volk, den hat eine gewisse Gruppe von Spekulanten und Schiebern. (Sehr richtig!) Den Zweck dieser plötzlichen Währungstrennung sieht man in zahllosen Fällen an unserer Industrie. Die deutsche Großindustrie, die vielfach mit eigenem Gelde gearbeitet hatte und nie einen Bankkredit in Anspruch zu nehmen brauchte, ist heute, weil ihre Guthaben in Wien liegen und sie in Kriegsanleihe festgelegt ist, genötigt, Bankkredite in Anspruch zu nehmen und nun ist wiederum äußerst geschickt, rechtzeitig eine solche Schiebung im Banklenwesen vorgenommen worden, daß alle Geschäfte der ®ivnostenská banka in die Hand gejagt wurden. Dadurch bekommt das èechische Bankwesen Einfluß auf die deutsche Industrie. Davon rührt der Einfluß des èechischen Bankwesens auf die Industrie, das ist der ganze Zweck der Währungstrennung und der ganzen Finanzpolitik des Ministers Ra¹ín gewesen. (Výkøiky.)Nun, meine Herren, statt die Kriegsanleihe einzulösen, hallten Sie ein Riesenheer, damit Sie auf den Willen der französischen Herren bereit sind, nach Norden oder anders wohin zu marschieren. Ihre Wirtschaftspolitiker haben nicht die Fähigkeit, staatlich zu denke nicht einmal die Fähigkeit positiv èechisch national zu denken. Ihre nationale Wirtschaftspolitik ist vor allem auf die Schädigung der deutschen Volkswirtschaft gerichtet. Daß Sie dadurch selbst den Ast absägen, auf dem Sie sitzen, sehen Sie nicht. Sie jagen dem Fantom nach. Ihre èechischen Günstlinge und Banken in den Besitz der deutschen Großindustrie zu setzen, Sie sehen aber nicht, daß Sie das Vertrauen zu dem Staate völlig untergraben und der Korruption Tür und Tor öffnen. Sie setzen den Krieg fort, diesmal in der Form des verschleierten Wirtschaftskrieges, und Ihre Finanzen werden noch zerrütteter, als sie ohnehin schon sind. Und das allertraurigste ist, daß die große Korruption, die eingerissen ist, beinahe gar nicht mehr ausgerottet werden kann, denn der redliche Industrielle, der anständigste ist einfach gezwungen, mitzumachen und zu bestechen, damit er überhaupt seine Industrie aufrecht erhalten und den Betrieb weiterführen kann. Er macht sich mitschuldig, er darf nicht reden, er kann nicht reden, weil er sonst riskiert, bei allen möglichen anderen Angelegenheiten von gewissen Regierungsorganen in der allerunangenehmsten Webe schikaniert und geradezu an den Betelstab gebracht zu werden. Darum sitzt die Korruption so ungeheuer tief. Sie haben, als Sie diesen Staat schufen, in dem großen Irrwahn gelebt, daß Sie hier eine Insel des Glückes in dem Meer des Elends werden bilden können. Sie waren in dem Irrwahn aller Wirtschaftsdilettanten befangen, die meinen, man könne wirtschaftliche und finanzielle Probleme mechanisch lösen. Diese Herren hatten keine Ahnung von dem innigen, geradezu unlösbaren Zusammenhang der wirtschaftlichen Verhältnisse und Beziehungen innerhalb der österreichisch-ungarischen Monarchie, innerhalb des alten, Wirtschaftsgebietes und Mitteleuropas, Sie haben wie mit einem Beil Adern und Nerven einfach zerschnitten, und wundern sich nun, daß nicht nur der Stumpf, Deutschösterreich, verblutet, sondern auch der Leib, und das ist dieser Staat, Ich habe schon früher von der Redte des Ministers Bene¹ in dieser Angelegenheit gesprochen. Eine einzige Stelle möchte ich bei dieser Gelegenheit noch näher besprechen. Dr. Bene¹ machte damals der èechischen Politik dem Vorwurf des Provinzialismus und deutete vorsichtig an, daß die Entente die kleineren Völker für unseriös hält darunter wohl auch das èechische Volk. Und deswegen sieht sich die Entente nach meiner bescheidenen Meinung nach einem Ersatz für diese unseriösen Völker um und der ist scheinbar zu finden in der Donaukonföderation bezw. in dem Süddeutschen Staatenbund unter der Führung Bayerns, Wie sehr die Entente die Donaukonföderation fördert. und; wie sehr sie dabin arbeitet, dafür gibt es nichts Deutlicheres als gerade wieder die Rede des Ministers Bene¹ der ausdtrücklich erklärte: >Diese Bestrebungen sind stets an unserem Widerstand gescheitert.< Nun, wenn niemand anderer widerstanden hat als das èechische Volk, dann wird zum Schluß doch die Entente über den Kopf der èechischen Regierung hinweggehen, so wie sie es in dem Falle von Teschen tat und die Donaukonföderation errichten. Wir wollen keine Donaukonföderation, keine Wiederherstellung des alten Österreich aber eines wollen wir wir wollen, daß die alte Wirtschaftsgemeinschaft, wie sie früher vor dem Kriege bestanden hat, wiederhergestellt werde; wir wollen, daß die Grenzen aufgemacht werden, aus dem sehr einfachen Grunde, weil unsere Industrie eine Exportindustrie ist, weil sie nicht leben kann und angewiesen ist auf die alten Markte im alten Österreich und ehemaligen Ungarn und Polen. Und wenn Sie, meine Damen und Herren, diesem. Diktat der natürlichen Verhältnisse nicht folgen werden, so werden Sie niemals die Volkswirtschaft dieses Staates auf eine gesunde Grundlage bringen. Wenn der ehemalige Handelsminister gesagt hat, wir sollen nach dem Westen exportieren, so r ist dafür kein Wort der Kritik scharf genug. Es ist schon banal geworden, auf diese Abhängigkeit des größten Teiles unserer Exportindustrie von den alten österreichischen und ungarischen Märkten hinzuweisen. Unsere Produktion und unser Handel sind in Ihrer Absatzorganisation, in ihren Mustern und Qualitäten in ihrem Produktenaustausch auf diese bereits erwähnten Märkte angewiesen. Dort ist unsere Ware hochwertig, während sie, nach den Westen exportiert, minderwertig ist und wir können mit dieser hochwertigen Ware ganz andere Mengen Rohstoffe in diesen warenhungrigen Süd- und Südoststaaten kaufen als wir in Westen bekommen können. Es gibt nur dann eine Gesundung unserer Produktion und daher auch eine gründliche Reform unserer sozialen Verhältnisse, wenn , die alten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den alten ehemaligen Wirtschaftsgebieten wieder hergestellt werden. Der Gedanke, meine Herren reich zu werden dadurch, daß man den Käufer arm macht, das ist die Politik des Krämers, nicht aber des weitblickenden Kaufmanns.(Souhlas nìm. senátorù.) Dem weitblickenden Kaufmann ist keine Kundschaft angenehmer als eine zahlungsfähige und reiche Kundschaft. Wenn die Entente wirklich an die Errichtung der Donaukonföderation geht, dann werden die natürlichen Verhältnisse, wie sie die Geographie und die Jahrhunderte alte Geschichte diktiert, wiederum zur Geltung kommen, dann wird Wien nach wie vor der Treffort bleiben zwischen Süden und Norden, und dann wird die Slovakei wieder dorthin gravitieren, wohin sie die Flußwege und die Strassen weisen, nach dem ungarischen Tieflande, Das aber, meine Herren, ist es, was den èechischen Nationalpolitikern arg das Konzept verrückt, darum ist die Regierung in der peinlichen Lage, aus politischen und aus Prestigegründen den einzigen Weg, der aus dem Elend herausführt, nicht beschreiten zu können und das èechische Volk und das deutsche Volk müssen mit zusammengebissenen Zähnen willenlos die Korruption dulden, die sich aus dieser unglücklichen Wirtschaftspolitik und auswärtigen Politik ergibt. Wohin wir die Blicke werden, überall sehen wir Feinde und Gegner dieses Staates. Kein Staat der Welt besitzt eine so ungünstige strategische Lage als dieser Staat. Vorgeschoben in das deutsche Siedlungsgebiet ist er auf allen Bahnen Und Strassen und Wasserwegen entweder auf die Freundschaft seiner Nach baren angewiesen oder ist gezwungen, sich den Durchzug mit politischem und militärischem Druck zu sichern. Aber wie lange ein derartiger Druck ausgeübt werden kann, das ist eine andere Frage, Insbesondere ist es geradezu als Selbstmord zu bezeichnen, wenn die Regierung dieses Staates um der Gunst Frankreichs willen sich in dauernden Gegensatz zu Deutschland stellen will. Solange Sie die Politik mit Frankreich machen, müssen Sie nach dem Satze handeln >Deine Feinde sind auch meine Feinde<. Will Frankreich diese Rolle nicht mehr spielen und braucht Sie Frankreich nicht mehr oder findet es jemanden, der ihm besser dient als Sie, dann werden Sie den Fußtritt erhalten (Výkøiky.) - ich will nicht den Ausdruck Fußtritt gebrauchen - dann werden Sie genau dieselbe Erfahrung machen, die Sie bereits in Teschen gemacht haben. Der Herr Minister Bene¹ hat schon mehrmals den Gedanken der zentraleurpäischen Politik vertreten, und hat sogar das verpönte Wort >Mitteleuropa< gebraucht. Nun freilich denkt er sich dieses Mitteleuropa in anderer Form als wir, er denkt es sich unter Führung des èechischen Volkes. Meine Herren! Wir haben hier eine politische Idee vor uns von einer Kühnheit der Konzeption, die ihresgleichen sucht. Die von Ihnen so viel gescholtene Idee Berlin-Bagdad ist geradezu kindisch klein gegenüber dieser Idee, gegenüber dem Gedanken, daß ein 7 Millionen-Volk nahezu 100 Millionen Men sehen in Mitteleuropa kontrolieren soll. So imponierend der Gedankenflug ist, so nahe ist der kühne Flieger dem Absturz. Denn diese Idee ist nur durchführbar mit den Mitteln rücksichtloser Gewalt. Was hier gewollt wird, ist Macthtpolitik schlimmster Sorte, schrankenloser Imperialismus, der höchstens noch vergleichbar ist mit dem Imperialismus Polens, das seine Grenzen von 1772 wünscht. Wohl häufen sich die Stimmen im èechischen Lager, welche für freundschaftliche Beziehungen zu Deutschland sind. Solange aber das èechische Volk Deutschland ggegenüber sich auf den Siegerstandpunkt stellt, solange es. Frankreichs Vasall bleibt, solange wird es nicht mehr erzielen als korrekte Beziehungen. Diese korrekten Beziehungen werden aber nur solange andauern, solange das militärische Übergewicht bei der Entente gelegen ist. Man wird sich in Deutschösterreich und Deutschland den augenblicklichen Tatsachen fügen müssen, aber der Stachel wird zurückbleiben. Die Èechen haben 3 Jahrhunderte gearbeitet an der Erfüllung ihrer Ideen, Glauben Sie wirklich, meine Herren, daß das deutsche Volk, das über ganz andere Kraftquellen verfügt, sich jemals innerlich mit den heutigen Zuständen abfinden werde? Das ist der Fluch des Werkes von Versailles, daß dort die Keime zu neuen Verwicklungen gelegt worden sind, und daß es nur erhalten werden kann durch brutale Gewalt. Militarismus in Permanenz, das ist das Ergebnis der Verhandlungen der Geheimdiplomatie in Paris, Einst stand am Balkan Volk gegen Volk, heute ist der Balkan bis an das Fichtelgebirge herangerückt worden. Wo man einst im bequemen Eilzug von Bodenbach bis Triest, von Karlsbad bis Podwoloczyska fahren konnte, wo Güter in ungehemmtem Ausmasse zollfrei tausende Kilometer gerollt werden konnten, dort steht heute alle paar Hundert Kilometer nicht etwa nur ein Grenzstein, sondern ein Spalier von Soldaten, die den bedauernswerten Reisenden ein paar Eier als Kontrebande abnehmen. (Vesetost.) Heute müssen Reisen zu Zentralstellen gemacht werden, lediglich um der Korruption Geld zu stecken um irgend einen elenden Waggon Ware über die Grenze zu bringen. Heute verkündet das Regierungsorgan stolz die Ankunft einiger Kisten Waren im Hamburger Hafen, während früher exotische Waren natürlich in Schiffsladungen in den beiden Häfen Hamburg und Triest angekommen sind. Glaubt man, meine Herren, daß die Völker nicht zwischen einst und fetzt vergleichen? Der Reiz der Neuheit ist verflogen, der Alltag macht seine Rechte geltend. Die Versprechungen sind nicht erfüllt worden, das irdische Paradies, das man dem Volke versprochen hat, ist dieser Staat nicht geworden. Die Unzufriedenheit wächst und von allen Ecken und Enden droht dumpfer Groll zu den Ohren der Regierung, Wenn diese Mehrheit und die Regierung auf der abschüssigem Bahn, die Sie eingeschlagen haben, weitergehen, dann werden Sie der sozialen Revolution entgegengehen. Wer soziale Reformen will, muß nach meiner Ansicht zuerst eine Produktionspolitik treiben, denn Sozialpolitik setzt voraus, daß gearbeitet wird, daß produziert wird. Wenn daher der Ministerpräsident ein schönes soziales Programm entwickelt hat, so muß er nach meiner Ansicht vor allem auf seine Kollegen dringen, welche für die Produktion zu sorgen haben. Das ist freilich nur möglich, wenn, wie ich schon ausgeführt habe, die ganze Orientierung der äußeren und Wirtschaftspolitik völlig geändert wird. Das aber ist natürlich nichts anderes, als von Ihnen zu verlangen, daß Sie auf die bisherige Ententeorientierung verzichten. Wir wissen, daß Sie dies nicht machen werden und machen können. Die Folgen dieser Politik tragen aber nicht nur wir, sondern auch das èechische Volk muß sie tragen. Wir müssen für den Anblick von rauchenden Schloten und wimmelndem. Arbeitsleben uns begnügen mit dem Anblick von Fahnen, die Sie als echte und rechte Demokraten an den Geburtstagen verschiedener Potentaten herausstecken. Denn das müssen wir sagen, höflichere Herren, als in diesem Staate gibt es überhaupt nicht. Sie grüssen auch dann noch, wenn man Ihnen gar nicht dankt. Wenigstens habe ich nichts davon gehört, daß die englischen oder griechischen Schulen am 28. Oktober ebenfalls Fahnen herausstecken. (Veselost.) Aber es scheint, als verberge sich hinter diesen Festumzügen, Kostümen; Schaustellungen doch eine Idee. Die alten römischen Imperatoren gaben >panem et circenses<. Brot können Sie Ihren Leuten nicht geben, dafür aber geben Sie ihnen reichlich circenses. Es ist Ihnen im Laufe der Jahrzehnte gelungen, Ihr Volk durch und durch zu politisieren. Das ist Ihre Stärke, aber, meine Herren, das ist auch Ihre Schwäche, denn Sie haben Ihr Volk überpolitisiert, so daß es die Dinge überhaupt nur noch vom politischen Gesichtspunkte und nicht vom rein sachlichen Gesichtspunkte sehen kann. Und darum begreife ich, daß Abg. Udr¾al der Einzug der Deutschen in dieses Parlament ersehnt hatte, weil, wie er sagte, das konstruktive Element in diesen Saal hereinziehen werde. Der Wunsch des Herrn Udr¾al kann in Erfüllung gehen, allerdings kann er nicht , verlangen, daß wir unsere konstruktive Kraft in den Dienst eines Staates stellen, der uns feindlich gesinnt ist und uns in jeder Weise drückt und knechtet. Wenn er will, meine Herren, daß wir mitarbeiten sollen, dann müssen Sie es uns möglich machen, daß wir uns ein wohnliches Gebäude errichten< ein nationales Einfamilienhaus, wenn Sie wollen, als Doppelhaus an das Ihrige angebaut. Wenn Sie uns aber in eine Zinskaserne zwingen, in eine Kellerwohnung einsperren (Výkøik.), dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn wir sehnsüchtig ausschauen nach einem Gebäude, in dem uns eine behagliche Wohnung gesichert ist.
Das èechische Volk ist heute in dem Glauben befangen, daß die staatliche Neuordnung Mitteleuropas für ewige
Zeiten bestimmt ist. Allerdings tut man nur so. Tatsächlich kommt immer und immer wieder die Sorge zu Ausdruck, daß es einmal doch anders werden könne, auch in dem Ausspruch des Abgeordneten Klofáè, daß er nur 50 Jahre Ruhe wünsche, denn dann drohe dem èechischen Volke keine Gefahr mehr. Was meint er damit? Nur, eines wohl, daß es der Regierung und ihren Nachfolgern gelungen sei werde, innerhalb 50 Jahren das deutsche Sprachgebiet derart mit èechischen Kolonisten zu besetzen, daß eine absolut verläßliche Kontrollmannschaft über die unverläßliche Grenzbevölkerung, also die Erneuerung einer Art Militärgrenze geschaffen sein wird. Aber auch das ist eine arge Täuschung; der sogenannte deutsche Besitzstand in vielen Städten und Dörfen Böhmens, Mährens und Schlesiens ist beim Umsturz innerhalb 24 Stunden zusammengebrochen. Auch der von Ihnen angestrebte èechische Besitzstand kann über Nacht zusammenbrechen, wenn einmal in Mitteleuropa eine neue weltpolitische Krise hereinbricht. Er ist gleichfalls ungesund, künstlich, nicht natürlich fundiert und gleichfalls ein Produkt der wandelbaren Machtverhältnisse, Es ist nun einmal nicht anders: 80 Millionen sind mehr als 7 Millionen und dauernd lassen sich 80 Millionen nicht von 7 Millionen beherrschen, aber auch nicht kontrollieren. Wenn Sie nichts anderes wollen, als daß Ihr 7 Millionen -Volk ein glückliches, freies und selbstständiges Leben führe, dann ist der Friede zwischen uns sofort gemacht, denn auch wir wollen nichts anderes, wir wollen Ihnen nichts nehmen, Sie sollen dasselbe Selbstbestimmungsrecht für sich haben, das wir für uns in Anspruch nehmen, wir wollen mit Ihnen das, was uns wirklich gemeinsam ist, gemeinsam verwerten, daher auch in gemeinsamer staatlicher Form, aber, wie schon gesagt, als Einfamilienhaus neben Ihrem Einfamilienhaus. Wenn ich heute den Vorschlag mache, Volk neben Volk zu konstruieren (Výkøik.) und die Völker selbst zu einem höheren Einheitsbundsstaat zusammenfassen, so sage ich eigentlich nichts anderes als was der Völkerbund letzten Endes anstrebt: die Umgestaltung der ganzen Staatensysteme in befreundete, mit einander verbündete Gruppen von Nationen. Einen Völkerbund alber, der nichts anderes ist als eine Feuerwehr, der nichts anderes zu tun hat, als mit Hilfe von Exekutionstruppen die Ruhe aufrecht zu erhalten, wie dies in Teschen der Fall ist, ein solcher Bund ist eine Farce, ein Tummelplatz für Intriguen, eine Verlockung für geheime Bündnisse, die geignet sind, im Rate des Völkerbundes imperialistische und eigensüchtige Zwecke zu vertreten. Es gibt, meine Herren, keinen wahren Völkerbund ohne eine Revision der Friedensverträge. Ich weiß, daß Sie das ablehnen und daß Sie daran nicht glauben, und ich weiß, daß die in Italien, England und Amerika und sogar in Frankreich laut werdenden Stimmen, die eine Revision verlangen, heute noch in der Minorität sind, aber sie werden in die Majorität kommen, werden ununterbrochen zunehmen, und es wird klarer und immer klarer laut werden, daß das größte Pfuschwerk der Weltgeschichte der Friedensvertrag von Versailles ist. Der èechische Abgeordnete, der im Abgeordnetenhaus als erster der Wahrheit die Ehre gegeben und die. Lage der Mehrheitsparteien seines Volkes richtig kennzeichnete, mag heute als einsamer Rufer in der Wüste angesehen werden, aber ich bin überzeugt, man wird ihn sehr bald als Wahrheitskünder erkennen. Gott gebe, daß es nicht zu spät ist. Wir Deutschen werden aber zu warten wissen, Inzwischen aber werden wir die Politik des herrschenden Systems bekämpfen und an der inneren Erneuerung unseres deutschen Volkes arbeiten. Wir haben keine Ursache den Kopf hängen zu lassen. Sie sind nicht stark genug und kein politisches. System ist raffiniert genug, uns zum inneren Verzichte auf unser Ideal der Selbstbestimmung zu zwingen. (Souhlas nìm. senátorù.) Wir bieten Ihnen die Hand zum Frieden: Selbstbestimmungsrecht für alle Völker, um einen formellen Zusammenschluß zu einem staatlichen Organismus möglich zu machen, der den Anstoß zu einer organisatorischen Zugammenfassung der genreinsamen Interessen vorerst Mitteleuropas und später Europas geben wird. Auch wir wollen wie Herr Bene¹ eine zentraleuropäische Politik machen, aber nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen, wir wollen nicht eine zentral-europäische Politik der Beherrschung, nicht eine, die auf Zwang beruht und auf der Ausnützung vergänglicher Bündnissysteme, sondern eine, die auf der Erkenntnis der Interessengemeinschaft der Völker beruht, die an Steile des Kampfes ums Dasein die gegenseitige Hilfe im Dasein setzt. (Souhlas a potlesk nìmeckých senátorù.)2. Øeè sen. Luksche.
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wenn ich mich in der Debatte zur Regierungserklärung zu Wort gemeldet habe, so will ich vorausschicken, daß ich, um Ihre Zeit nicht allzulange in Anspruch zu nehmen, ohne einleitende Worte sogleich auf das zu sprechen kommen will, was ich als deutsches Mitglied dieses Senates, als Mitglied des Bundes der Landwirte hier von dieser Stelle aus sagen will. Was vor allem die Stellung der Deutschen in diesem Staate, ihre Lage in demselben anbelangt, in diesem Staate; in dem wir gegen unseren ausdrücklichen, klar und deutlich geäußerten Willen, in den wir mit brutaler Gewalt, gegen alles Recht, in den wir, ich möchte sagen, durch den größten Betrug, den die Welt je gesehen hat, ich meine das Selbstbestimmungsrecht, das uns versprochen wurde und direkt gegen dieses Selbstbestimmungsrecht hier hineingepfercht worden sind, und wo wir heute noch gewissermaßen als Kriegsgefangene behandelt werden (Hlasy èeských senátorù: No! No!), Zumindest als Staatsbürger zweiter Klasse, so gilt für uns der Friede - so nennt man das Schandwerk von Saint-Germain, es ist ein Hohn auf das Wort Friede, was in diesem Friedenswerk geschaffen wurde, - so gilt dieser Friede für uns Deutsche hier als Rechtsgrundlage. Nun fällt dabei schwer ins Gewicht, daß dieser Friede heute noch nicht von allen Staten ratifiziert, daß er sogar von einem Staate, der ausschlaggebend in diesem Kriege gewesen ist (von Amerika), nicht nur nicht ratifiziert ist, sondern auch gar nicht ratifiziert werden wird. Es ist heute nicht abzusehen, was das noch für Folgen für Europa und speziell für diesen Staat haben kann.