Pøíloha k tìsnopisecké zprávì

o 5. schùzi senátu Národního shromá¾dìní republiky Èeskoslovenské

v Praze ve støedu dne 16. èervna 1920.

1. Øeè sen. Jessera.

Hohes Haus! Sehr geehrte Damen und Herren!

Ehe ich an die eigentlichen Ausführungen schreite, muß ich das hohe Haus leider mit einer persönlichen Angelegenheit beschäftigen. Im Abgeordnetenhause ist nach einem Zeitungsberichte von irgend einem Zwischenrufer anläßlich der Rede des Herrn Abgeordneten Dr. Kramáø mir zugerufen worden: Herr Abgeordneter Jesser! Wenn Sie gesiegt hätten, würden Sie uns alle gehängt haben! Es ist mir unerklärlich, warum gerade ich als Hängegendarm angesprochen worden bin, da ich nie auch mit einem Worte oder mit der leisesten Andeutung irgendwo und irgendwann politische oder Hochverratsprozesse befürwortet oder irgendwie vielleicht nur gutgeheißen hatte. Im Gegenteil, ich habe stets diese politischen Prozesse als einen Fehler schwerster Art angesehen und die Zukunft hat mir auch vollständig Recht gegeben.

Zunächst nun, meine Herren, muß ich mich einer Pflicht meiner Partei gegenüber entledigen. Meine Partei hat mir den Auftrag hiezu gegeben und ich schließe mich daher vollinhaltlich der Erklärung des Herrn Abgeordneten Jung an, ebenso der Erklärung des Abgeordneten Dr. Lodgman und dem entsprechenden Teil der Erklärung des Abgeordneten Seliger.

Der Herr Minister des Äußern Dr. Bene¹ hat in seiner Novemberrede, in einer übrigens geistvollen und interessanten Rede, auch dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß endlich die Konsolidierung Mitteleuropas fortschreite, daß endlich einmal Mitteleuropa beruhigt werde und zur Ordnung komme. Ich schließe mich diesem Wunsche vollständig an und glaube, daß sämtliche Abgeordnete hier denselben Wunsch haben werden, allein meine Herren, wir deutschen Abgeordneten sind der festen Überzeugung, daß die Konsolidierung Mitteleuropas niemals auf dem Wege erreicht werden kann, den der Herr Minister Bene¹ gehen will. Wir sind überzeugt, daß nicht nur wir, sondern auch das èechische Volk die schweren Folgen dieser Politik zu tragen haben wird. Es ist die Tragik der Geschichte des èechischen Volkes, daß es stets Ziele angestrebt hat, die über seine Kräfte gehen, daß es daher nach bewunderungswerter Kraftanstrengung schließlich unmittelbar vor dem Ziel zusammengebrochen ist, daß es nicht nur nicht das Ziel erreichte, das angestrebt wurde, sondern auch noch verloren hat, was es mit seinen Kräften hätte halten können. Ich bin nicht schadenfroh genug, um Genugtuung über diesen Irrweg zu empfinden, den Sie, meine Herren, betreten haben. Ich weiß, daß unser Volk schweren Schaden zu tragen haben wird und auch schon trägt. Aber ich frage mich, muß denn abermals eine Schlacht am Weissen Berge oder am Marchfeld geschlagen werden oder muß sich das Schauspiel des Ringkampfes wiederholen, in dem zum Schluß der Sieger von heute morgen auf die Schultern gelegt wird? Ich bin vielmehr der Meinung, daß die Verhältnisse innerhalb dieses geographischen Raumes, den wir Sudetenländer nennen, die beiden Nationalitäten geradezu verpflichten, miteinander auszukommen und miteinander zu leben. Die Konsolidierung Mitteleuropas muß in diesem Staate, in diesem Räume beginnen. Wir Deutsche in diesem Räume sind ein Randvolk, wir sind ein Randvolk des großen deutschen Siedlungsgebietes, wir sind aber auch ein Randvolk, gesehen vom èechischen Innern aus. Aus diesem Gesichtspunkte heraus ergibt sich für uns, daß unsere Politik nur eine sein kann: nach keiner Seite hin in grundsätzliche Gegensätze zu treten. Mit dem èechischen Gebiete verbindet uns vor allem das, was ich den engsten inneren wirtschaftlichen Markt neuen möchte, auch eine große Anzahl Verkehrsfragen. Mit Deutschland und Deutschrösterreich verbinden uns vor allem seelische Bande, Bande des Herzens, nicht nur gemeinsame Sprache und gemeinsame Kultur, sondern auch die gemeinsame nationale Entwicklung. Wir können daher niemals einen Zustand gutheißen oder uns mit ihm versöhnen, der uns in einen politischen Gegensatz zu Deutschland und Deutschrösterreich bringen könnte, oder von uns eine Gefolgschaft für einen uns fremden Staat, etwa für Frankreich verlangen würde. Ebensowenig können wir jene Bestrebungen gutheißen, die auf die Lockerung der Kulturgemeinschaft mit dem deutschen Volke gerichtet sind, und endlich lehnen wir eine Wirtschaftspolitik ab, die im Dienste eines wirtschaftlichen Kampfes der Westmächte mit Deutschland steht, und die darauf hinausgeht, das Deutsche Reich von Ost und Südost abzuriegeln. Wir lehnen es ab mit zuhelfen, das Deutsche Reich sozial und körperlich zu verkrüppeln, es zu einem Proletariervolke, zu einem verkrüppelten Volke zu machen. (Potlesk.) Es handelt sich nicht darum, ob dieser teuflische Plan glückt, wir lehnen auch, meine Herren und Damen, den Versuch einer solchen Wirtschaftspolitik ab. Das deutsch - èechische Problem kann meiner bescheidenen Meinung nach niemals als Problem der inneren Politik, noch viel weniger als Sprachenproblem gelöst werden. Es ist ein weltpolitisches Problem. Die Lösung kann nur im Zusammenhange mit der staatlichen, nationalen, wirtschaftlichen und sozialen Reform Mitteleuropas und Osteuropas durchgeführt werden. Die Pariser Friedensdiktate stellen einen solchen Versuch dar. Daß er mißglückt ist, haben wir aus dem Munde des Herrn Ministerpräsidenten anläßlich der Teschener Frage gehört, aber auch aus dem Munde des Herrn Dr. Bene¹, der in seiner. Novemberrede ausdrücklich erklärt hat, daß wir, das heißt nämlich die Friedenskonferenz, ganz Europa in einzelne Staaten und Völker zerstückelt haben deren eifrigstes Bestreben ist, entgegengesetzte und einander feindliche Koalitionen vorzubereiten. Nun war aber doch - nach der Meinung pazifistischer Kreisewenigstens - die Bildung der zwei großen und einander entgegengesetzten Koalitionen, der Mittelmächte einerseits und der Ententemächte andererseits, die eigentliche Ursache des furchtbaren Krieges und gerade die Beseitigung solcher Bündnissysteme ist der eigentliche Zweck des Völkerbundes.

Dieses Ziel ist nach dem Geständnis des Herrn Ministerpräsidenten nicht erreicht worden. Denn, so sagt er, der Völkerbund ist bisher nur ein theoretisches Schema geblieben und die ethische Voraussetzung der neuen Staatenbildung, wie das Selbstbestimmungsrecht, wird gerade fetzt im Teschener Gebiete von den Großmächten der Entente und von den Polen mißachtet. Nebenbei bemerkt, berufen sich in der Teschener Frage beide Teile, sowohl die Polen als auch die Èechen, sowohl auf das historische Recht, als auch auf das Selbstbestimmungsrecht; bei uns Deutschen aber in den Sudeteländern wird lediglich das historische Recht hervorgehoben und das Selbstbestimmungsrecht abgelehnt. Dieselben Ursachen nun, die den Weltkrieg hervorgerufen haben, bestehen in anderer Form weiter, und darum steht heute Polen im Kampfe gegen Sowjetrußland, darum muß sich das Russentum gegen den polnischen Imperialismus verteidigen, und darum, meine sehr geehrten Damen und Herren, droht dem neuen Bündnissystem dasselbe Schicksal, das das alte getroffen hat - der militärische Zusammenstoß, vorher aber der vergiftende politische und wirtschaftliche Kampf dieser Völker auf diesem Raum, Aus diesen vom Herrn Ministerpräsidenten und dem Herrn Minister des Auswärtigen zugegebenen Tatsachen der Labilität der staatlichen Zustände folgt mit eherner Logik: Die staatliche, nationale, wirtschaftliche und soziale Neuordnung Mittelund Osteuropas ist noch nicht abgeschlossen. Pflicht aller verantwortlichen Politiker scheint es mir zu sein, darüber nachzudenken, wie diese Neuordnung ohne neuerliche kriegerische Auseinandersetzungen und ohne Fortsetzung des Krieges in Frieden durchgeführt werden kann. Was in Paris getan worden ist, ist eine Rückbildung schlimmster Art, es ist eine Erneuerung jenes vielverspotteten Zustandes, wo alle Hundert Kilometer ein neuer Schlagbaum, eine neue Zollgrenze, eine neue Währung, ein neues Währungssystem den armen Kaufmann und Reisenden quälte. An die Stelle zweier großer Wirtschaftsgebiete der Vorkriegszeit sind sechs Wirtschaftsgebiete getreten, die sich voneinander abschließen, und der Grundzug der neuen Wirtschaftspolitik dieser neuen Staten ist die Schikane. (Souhlas nìm. senátorù.)

Herr Dr. Lodgman hat im Abgeordnetenhaus mitgeteilt, daß er und Abgeordneter Seliger vor dem Umsturz hier in Prag gewesen sind und den èechischen Herren vorgeschlagen haben, den Status quo aufrecht zu erhalten bis zur Entscheidung durch die Friedenskonferenz. Wären die Herren damals auf diesen Vorschlag eingegangen, so wären uns beiden Teilen viele Schäden, Ihnen aber viele Enttäuschungen erspart geblieben. Nicht zuletzt auch die Enttäuschung mit Teschen. Denn Teschen wäre in diesem Pakt miteingeschlossen gewesen. Sie sagen, meine sehr geehrten Herren, Sie haben uns nehmen müssen, weil sonst Ihr Staat nicht lebensfähig gewesen wäre. Sie sagen das deutsche Volk sei so stark, daß es ruhig einige Milionen verlieren könne, das èechische Volk aber so klein, daß es keinen Mann entbehren könne. Dazu bemerke ich: Seit wann hat ein kleines Volk mehr Recht als ein großes? Warum soll ein großes Volk kleiner werden? Damit ein kleines Volk größer wird? Ich kann die Logik dieser Argumente nicht begreifen und ich meine, ein offeneres und rücksichtsloseres Bekenntnis zur Annexionspolitik, als in" diesen Worten gelegen ist, ist wohl noch nicht abgelegt worden. Sie haben uns requiriert wie eine gute Kriegsbeute. (Souhlas nìm. senátorù.) Auch der Herr Ministerpräsident rät uns immer wieder, die Konsequenzen aus der Niederlage der Mittelmächte zu ziehen und uns mit den neuen Tatsachen abzufinden, oder, wie mir persönlich ein Bezirkshauptmann gesagt hat, die Deutschen müssten ihre Mentalität ändern, sie müssten ihre Ideale auf geben und auf ihre Hoffnungen verzichten. Nun das ist der Standpunkt des >Vae victis<. Wir sollen uns als Unterworfene fühlen, wir sollen, wie Herr Dr. Kramáø gesagt hat, in der Furcht vor den èechischen Herren ersterben. Was Sie wollen, meine Herren, liegt ja klar zu Tage. Sie wollen, daß wir deutschsprechende Èechen werden, mit anderen Worten; Daß wir uns nicht als Angehörige des deutschen Volkes im politischen Sinne fühlen, daß wir auch die Kulturgemeinschaft auf ein möglichst geringes Maß beschränken und daß wir uns in unserer Geistesverfassung, unserem Denken und Fühlen von Ihnen nur durch den anderssprachlichen Ausdruck unterscheiden. Darauf arbeitet Ihre ganze Kultur- und Schulpolitik hinaus, unsere Kulturgemeinschaft zu lockern. Sie sind auch in dieser Frage gelehrige Schüler Frankreichs, das ja mit ungeheueren Mitteln drüben in dem besetzten Rheinlande Kulturpropaganda in französischem Sinne treibt. Ihr Gesetz über die Volksbücherei gibt diesem Grundgedanken Ihrer Politik klaren Ausdruck. Sie wollen hier auf dem Umwege über die staatlichen Bibliotheksinspektoren und die jederzeit zu entlassenden Bibliothekare und einen unabsetzbaren Bücherrat auf die Ausscheidung und Einstellung von Büchern in deutschen Bibliotheken Einfluß bekommen. Ob Sie damit Erfolg haben werden, ist eine andere Frage. Für mich als Politiker kommt es lediglich darauf an, die Tendenz Ihrer Gesetzgebung festzustellen.

Nun möchte ich, meine sehr Verehrten, die Sonde der Kritik an ein so >oft und oft, ja fast zum Überdruß gebrauchtes Wort legen; und das ist das Wort: >Wie Du mir, so ich Dir<, oder: >Euch geschieht es jetzt ebenso, wie es uns im alten Österreich geschehen ist.<

Vorerst, meine Herren, sehe ich darin ein Bekenntnis, daß Sie eine bewußte Revanchepolitik treiben, daß Sie also bewußt dasselbe tun, was Sie uns als Fehler anrechnen. Sie sagen, daß wir für unsere Fehler gezüchtigt worden seien, daß in uns die Gewaltpolitik besiegt wurde, und daß nunmehr eine neue Ära der Demokratie, der Völkerversöhnung , usw. hereingebrochen sei. Sie aber, sehr geehrte Herren, leiten diese Ära nach Ihrem eigenen Bekenntnis damit ein, daß Sie die Fehler der Besiegten übernehmen. Sie gehen noch weiter darüber hinaus, denn was Ihre frühere Nationalversammlung beschlossen, was Ihre Zentralverwaltung getan hat, ist ein einziger ungeheurer Schritt nach rückwärts weit zurück, meine sehr geehrten Herren, über die Linien, welche das alte, vielgeschmähte Österreich erreicht hatte. Im alten Österreich gab es ein Minoritätenrecht, wenn es auch selbstverständlich ungenügend war. Sie reden zwar unendlich viel von Minoritätenschutz, Sie betonen täglich, daß in keinem Lande der Erde die Minoritäten derartige Rechte genießen, wie in diesem. Dabei muß aber das >Èeské Slovo< selbst zugeben, daß das Sprachengesetz den Deutschen in Prag hier überhaupt nicht mehr Rechte gibt, als irgendeinem gar nicht hierhergehörigen Volke. Ich zitiere wörtlich: >Das Gesetz ist so unerbittlich, daß es uns weit mehr bietet als wir überhaupt verdauen können.< Ich glaube, meine sehr geehrten Herren, Sie haben in Ihrem eigenen Hauptblatt das Bekenntnis, daß Sie uns unsere Minoritäten rechte, wie sie uns gebühren, nicht geben. Sie haben in Ihrer Zentnalverwaltung, abgesehen von der militärischen, wo einige Deutsche sitzen, keine deutschen Beamten. Nun haben Sie aber doch Ihre Ministerialbürokraten einfach aus den Zentralämtern und aus den Statthaltereien herausgezogen, ein Beweis, meine Herren, dafür, daß Sie im alten Österreich in der Bürokratie sehr reichlich bedacht gewesen sind. Dabei aber haben Sie noch immer Beamte genug, um die deutschen Beamten im deutschen Sprachgebiete durch èechische zu ersetzen, Sie haben genug Èechen, um in der Slovakei alle, aber auch alle alten öffentlichen Ämter mit Ihren èechischen Volksgenosen zu besetzen. Ich frage Sie, woher kommen denn alle diese Beamten, wo haben sie ihr Handwerk gelernt? (Souhlas nìm. senátorù.) Es ist daher nicht wahr, daß die Verwaltung des alten Österreich eine deutsche in dem Sinne war, daß das deutsche Volk, als Nation nämlich, geherrscht hätte. Wir aus dem alten Parlament können ja die große Zahl der nichtdeutschen Sektionschefs, Hofräte und Sektionsräte in den einflußreichsten Stellen genug als daß wir uns durch diese ewig wiederholten Behauptungen irre machen lassen sollten. Geben Sie uns doch den Anteil an der Zentralbürokratie, die Sie im alten Österreich gehabt haben. Warum wenden Sie da nicht das Sprüchlein an: >Wie im alten Österreich< und >Wie Du mir, so ich Dir.< Sie haben im alten Österreich den erbittertsten Kampf gegen die Fiktion eines deutschen Österreich gekämpft und haben immer wieder und mit Recht darauf hingewiesen, wie widersinnig es sei, daß in der Verfassung des alten Österreich der Bestand der Nationen verfassungsrechtlich nicht zum Ausdruck gekommen ist. Und heute tun Sie ganz dasselbe. Von rechts bis links auf jeder Seite hört man nur einen Ruf in diesem Staate, in dem das èechische Volk knapp die Hälfte der Bevölkerung zählt: >Dieser Staat kann nur ein èechischer Nationalstaat sein, darf nie und nimmer als Nationalitätenstaat konstituiert werden.< Und doch hat das alte Österreich in vielen Dingen den Nationalitäten Selbstverwaltung gegeben. Das Ausland weiß nicht, daß die deutsche und die èechische Nation in Böhmen und in Mähren die volle Selbstverwaltung auf dem Gebiete des Schulwesens, der Landeskultur und einiger anderer Organisationen hatte. Diese Zeugnisse wahrhafter, wenn auch bescheidener moderner Demokratie und Völkerfreiheit wurden aber durch die neue Verfassung vernichtet und an ihre Stelle trat die Herrschaft des einen Volkes über das andere. Wenn das kein Rückschritt ist, weiß ich nicht, was Rückschritt ist.

Es ist heute nicht die Gelegenheit, die zahllosen Fälle zu besprechen, wie Sie gegen unser deutschen Schulwesen vor, gehen. Nur einer immer wiederkehrenden Tatsachenfälschung muß ich hier entgegentreten. Es wird immer gesagt, man habe nur überflüssige deutsche Schulen dort aufgehoben, wo künstliche deutsche Mehrheiten oder deutsche Minderheiten gewesen seien. Wir konzedieren Ihnen sofort, daß in solchen Orten, entsprechend den geänderten moralischen Machtverhältnissen, auch tatsächlich an eine angepaßte Verringerung des deutschen Schulwesens gegangen werden muß. Und wir Deutsche in Mähreif haben uns ausdrücklich bereit erklärt, im Verein mit der Landesschulverwaltung diese Verringerung des deutschen Schulwesens in gewissen Orten, wie Kremsier usw. vorzunehmen. Die Landesschulverwaltung hat aber unser Anerbieten abgelehnt und autokratisch, über unsere Köpfe hinweg und ohne sich mit uns ins Einvernehmen zu setzen, die Schulen geschlossen oder verringert. Was Sie aber der Außenwelt verschweigen, ist, daß Sie in rein deutschen Gebieten unter dem Vorwand der Sparsamkeit deutsche Schulen sperren, noch häufiger aber verkleinern und zuammenlegen. Sie benützen die traurige Tatsache, daß durch dien Krieg die Schülerzahl gesunken ist, eine Folge der Hungerblokade und der Not, als Vorwand, um zu sagen, daß die vorschriftmäßige Durchschnittsschülerzahl nicht vorhanden ist und die Schule gesperrt werden müsse. Sie haben den Buchstaben des Gesetzes für sich, aber das sittliche höhere Recht haben Sie gebeugt. (Souhlas nìm. senátorù.) Gestatten Sie mir auf einen Scherz hinzuweisen, den die Weltgeschichte in diesen. Augenblicke macht. Sie haben in früheren Jahren im alten Parlamente, wenn wir auf die Frage von Elsaß-Lothringen zu sprechen kamen, uns immer wieder zugerufen: >Die Elsässer sind ja Deutsche, sie wollen aber keine Deutschen sein, sie wollen Franzosen sein!< Und nun haben Sie diese Erfahrung in Hultschin gemacht. In Hultschin ist die Bevölkerung slawisch, die Bevölkerung erklärt aber, sie wolle deutsch sein. Und nun kommen Sie und sind darüber entrüstet, daß die Hultschiner das machen, was Sie früher den Elsässern als Lob angerechnet haben. Sie berufen sich darauf, daß Sie deutsche Schulen in der Slovakei errichtet haben. Das ist doch das altermindeste, was Sie haben tun müssen, und Sie haben die deutschen Schulen errichtet, weil Sie das kleinere Übel sind gegenüber den magyarischein. Nun muß ich noch einmal auf die Unrichtigkeit des von Ihnen geübten Vergleiches von einst und jetzt hinweisen, und zwar mit Rücksicht auf die Staatssprache, Sie haben die Einführung einer offiziellen Sprache, einer Staatssprache beschlossen und sie ist auch tatsächlich nur eine logische Folge Ihres nationalstaatlichen Ideals, das wir aber nicht anerkennen. Trotzdem stelle ich mich des Vergleiches halber auf Ihren Standpunkt. Formell ist selbstverständlich deutsche und èechische Staatssprache dasselbe, sachlich aber nicht. Die Vergleichsmomente sind ganz verschieden. Die deutsche Sprache war, ganz albgesehen von der Tatsache, daß sie Staatssprache war, schon längst, schon im Mittelalter, die mitteleuropäische Verkehrssprache bis tief in den Balkan hinein. Sie ist es trotz des Zusammenbruches des alten Österreich auch heute noch und sie war es auch in Ungarn trotz der magyarischen Staatssprache. Seit Jahrhunderten war das Erlernen dieser Sprache für alle Völker Mitteleuropas eine Notwendigkeit. Es lag ein Zwang vor, aber ein Zwang der Verhältnisse, ganz ebenso wie zur englischen Sprache für denjenigen, der die Welt bereisen will. Ich kenne keinen Rangunterschied der Sprachen nach ihrem inneren Werte, Aber so wenig man leugnen kann, daß es große und kleine Menschen gibt, so wenig kann man leugnen, daß es Sprachen mit kleinem und großem Geltungsbereiche gibt. Die èechische Sprache soll von uns allen Deutschen erlernt werden, mehr als es bisher der Fall war. Wenn Sie aber glauben, ihr durch die Erhebung zur Staatssprache den Charakter einer Vermittlungssprache zu geben, so irren. Sie gründlich! Der Zwang, den Sie heute ausüben, ist nicht ein Zwang der natürlichen Entwicklung, die Staatssprache ist nicht durch die Verhältnisse aufgenötigt, sondern durch das Diktat einer Nation, und das ist denn doch ein gewaltiger Unterschied zu, der früheren Staatssprache, Ich möchte dabei auch auf ein pikantes Detail hinweisen, daß nämlich die deutschen Redner, welche jetzt bei Bezeichnung Ihrer Volkszugehörigkeit das Wort èechisch anwenden, nicht mehr mit dem Zuruf >Nicht èechisch, böhmisch!< unterbrochen werden, wie es noch während des Krieges der Fall war. Warum haben Sie auf einmal diese Zwischenrufe nicht mehr gemacht? Weil Sie heute Ihr Ziel erreicht haben, weil das, was Sie früher unter >böhmisch< aufgefaßt haben, nämlich alles, was in diesem Lande ist, nunmehr èechisch ist. Sie gebrauchen heute selbst offiziell nicht mehr >böhmischer< Staat, sondern èechoslovakischer Staat, Ich meine, alle diese Täuschungsversuche sind eines so kräftigen und tüchtigen Volkes, wie es das èechische ist, nicht würdig, das Volk ist wahrhaftig stark genug, seine wahren Rechte siegreich zu verteidigen. Sie sind wirtschaftlich und kulturell hochstehend genug, um ein glückliches Eigenleben zu führen, ohne annektierte Gebiete, die Ihnen innerlich ewig fremd bleiben müssen, und die, um sie zu halten, das èechische Volk zu einer hypertrophischen Entwicklung der Intelligenz und der Bürokratie und eines großen Heeres drängen. Ich weiß, daß sehr viele èechische Politiker keineswegs mit vollem Herzen bei der bisherigen Politik sind, namentlich viele der sozialdemokratischen Herren, und ich wage sogar zu behaupten, insbesondere der Herr Ministerpräsident. Denn er hat einst eine führende Rolle bei den mährischen Ausgleichsverhandlungen innegehabt, die bekanntlich die nationale Autonomie schufen, und ich kann nicht annehmen, daß er das, was er früher vollen Herzens und Eifer verteidigt und vertreten hat, heute verleugnen sollte. Aber denn noch muß es eine Erklärung geben für sein heutiges Venhalten und das seiner Volksgenossen. Und diese Erklärung liegt in der Entstehung dieses Staates, in dem Zwecke, dem er dienen soll. Die Entente, vor allem Frankreich, hat diesen Staat geschaffen nicht aus Liebe zur èechischen Nation, noch weniger aus Begeisterung und zur Erfüllung des Ideals der Selbstbestimmung der Völker, sondern lediglich als militärischpolitischen Verbündeten gegen Deutschland. Dr. Bene¹ hat in seiner Novemberrede folgendes erklärt: >Die kleinen Völker sollen den Westmächten helfen, in Mitteleuropa eine Konstellation zu schaffen, welche den Westmächten die Sicherung gegen die Expansion Deutschlands gegen Osten bietet, usw.< Die Entente muß den allergrößten Wert darauf legen, daß dieser Verbündete gegen Deutschland schlagfertig bleibt, und das kann er nur - so meint man es in Paris und glaubt es in Prag - dadurch erreichen, daß man diesen Staat zum Nationalstaat macht. Nur das èechische Volk aber ist der Verbündete Frankreichs und nicht die übrigen Völker dieses Staates. Und diesem Volke soll soviel Macht gegeben werden, daß es alle Frankreich feindlichen Regungen niederhalten soll. Nun fällt aber diese von der Entente geschaffene weltpolitische Zweckreform zusammen mit der Ideologie, die das èechische Volk seit uralter Zeit beseelt hat. und die so naiv in dem Wunsche zum Ausdrucke kommt: >Wenn es hier Euch Deutschen nicht gefällt, so wandert nach Berlin aus.< Alles, was innerhalb der Grenzen dieses Staates liegt, ist èechischer Besitz, und was die Deutschen inne haben, ist den Èechen genommen. Die Deutschen sind lediglich Nutznießer und das ist auch im allgemeinen die Auffassung des Volkes, Ich bedauere außerordentlich, diesen selben Unterton konstatieren zu müssen im Worte von den Einwanderein und Kolonisten, In diesem angezogenen Satze werden die >Kolonisten< den >Ureinwohnern< entgegengestellt. Den Ureinwohnern wird das Recht zugeschrieben, dem Staate die Form zu geben, den Kolonisten wird dieses Recht abgesprochen. Nun war die Welt bisher der allgemeinen Meinung, daß Kolonisation ein gutes Werk sei, umsomehr, als die deutsche Kolonisation in diesen Ländern friedlich erfolgte und die deutschen Kolonisten herübergerufen wurden und über Ihren Wunsch hereingekommen sind. Wenn Sie aber wollen, daß diese Leute, welche hier 500 bis 600 Jahre sitzen, sich bloß als Nutznießer betrachten sollen, dann dürfen Sie sich nicht wundern, wenn die Verbitterung grenzenlos ist, und kein Wort hat so unangenehm berührt, wie das Wort von den Einwanderern und Kolonisten. Und wenn Sie auf einen Stichtag zurückgehen wollen, weiß ich nicht, welchen Stichtag Sie wählen sollen; wenn Sie auf die Zeit der Völkerwanderung zurückgehen wollen, danm müßten Sie finden, daß hier ein ursprünglich deutsches Gebiet ist. Nun hat allerdings einer Ihrer Gelehrten, der Major ®unkoviè behauptet, daß das slavische Volk die Urbevölkerung in diesem Räume und in ganz Mittel-Europa gewesen sein soll. Nach dieser Theorie von der Urbevölkerung, wenn man bis zur Steinzeit zurückgeht, müßten auch die Italiener und Schweizer ihr Ränzlein schnurren und den Urbewohnern Platz machen. Und zu welchen lächerlichen Konsequenzen man mit dieser Theorie kommt, lehrt ein Hin weis auf Australien, Amerika und Indien, dann müßten ja auch die Engländer ihr Bündel schnüren und abmarschieren. Ich möchte wünschen, daß solche falsche und erbitternde Worte vermieden werden.