Meine Herren! Die vom Ministerpräsidenten beiden Häusern zur Kenntnis gebrachte Regierungserklärung unterscheidet sich in keinem Satze von den üblichen Enuntiationen (Výkøiky), die der Chef einer Regierung bei gewissen Anlässen erstattet. Die getroffenen Maßnahmen der Regierung werden, wie immer, in das schönste und hellste Licht gesetzt, ein Programm für die Zukunft wird entworfen, jedem Einzelnen wird etwas versprochen, aber eine Garantie für die Erfüllung der entworfenen, meist hochfliegenden Pläne wird selbstverständlich nicht übernommen. Wir Deutschen stehen der Regierung kühl bis ans Herz gegenüber, umsomehr als der Herr Ministerpräsident über die unserer Ansicht nach sehr wichtige nationale Frage mit einer, dem Ernst der Situation gewiß nicht entsprechenden, fast gleichgiftigen Geste hinwegging. Der Hinweis auf das von den im Verbände vereinigten deutschen Parteien hinausgegebene Manifest, die Ableugnung der dort angeführten Tatsachen, deren Bezeichnung als unbegründet und übertrieben, ist ein Beweis für die Gesinnung der Regierung uns gegenüber, ein Beweis mehr, daß man die Deutschen in dieser Staate als eine quantité negligeable betrachtet, ein Beweis, daß man des Auslandes wegen der nationalen Frage ängstlich aus dem Wege geht, deren Existenz überhaupt nicht zugeben will. Und doch wäre es vom Herrn Ministerpräsidenten ehrlich gewesen, die Gefahren, die dem Staate auf Grund der tatsächlich bestehenden innerpolitischen Verhältnisse erwachsen werdein, in den Kreis ernstester Erwägungen zu ziehen, und bekannt zu geben, welche Folgerungen die Regierung aus den Erfahrungen der letzten eineinhalb Jahre zu ziehen gedenkt. Ich halte dafür, daß eine Vogelstraußpolitik gerade auf diesem Gebiete äussert verhängnisvoll wirken könnte. Wenn auch zugegeben werden muß, daß die trostlosen wirtschaftlichen Verhältnisse, die sich nicht ohne Schuld der Regierung so katastrophal gestaltet haben, heute das allgemeine Interesse erregen und das nationale Problem - wohl nur scheinbar - in den Hintergrund drängen, müssen wir Deutsche doch den Anlaß der Debatte über die Regierungserklärung dazu benützen, unsere Stellung zur Regierung in nationalen Angelegenheiten vorzubringen und gleich vorweg zu erklären, daß wir mit Rücksicht aus die Vorkommnisse der letzten 18 Monate zur Regierung kein Vertrauen haben, (Souhlas.), weil sie ausser Versprechungen und schönen Worten, die sie gebraucht, nichts getan hat, um das deutsche Volk, das bei den Friedensverhandlungen nicht zum Worte gelangen konnte, mit dem Umstürze mit den geänderten Verhältnissen durch Rücksichtnahme auf dessen völkische, kulturelle und politische Stellung zu versöhnen oder doch wenigstens durch weise Bedachtnahme auf seine Gesinnung milder zu stimmen. Wir können der Regierung kein Vertrauen entgegenbringen, weil sie im Gegenteil alles aufgeboten hat, um das deutsche Volks selbst unter Verletzung des geringen bei der Friedenskonferenz stipulierten Minderheitsschutzes in seinen heiligsten Gefühlen zu verletzen gewußt hat (®ivý souhlas a potlesk) und nichts unterlassen hat, um uns das >Vae< victis fühlen und uns in keinen Zweifel darüber zu lassen, daß es von nun an Herren und Knechte in dieser freien demokratischen Republik (®ivý souhlas a potlesk) gibt, die man ursprünglich ausbauen wollte zu einer Schweiz, später sogar zu einer höheren Schweiz (®ivý výkøiky), bis man sich endlich für den imperialistischen Zuschnitt mit demokratischem Mäntelchen entschieden hat. Das Ausland wird also aus der Regierungserklärung, aus der Erklärung des Herrn Ministerpräsidenten, nichts von den nationalen Zwistigkeiten, nichts von der Bedrückung der nichtèechischen Bewohner der Republik erfahren. Die offiziellen und offiziösen Blätter werden schon so berichten, daß die Herren in Paris und London im Glauben erhalten werden, die Handvoll Deutscher lebe hier wie im siebenten Himmel, sie sei glücklich, unter èechische Herrschaft gekommen zu sein, von nationalen Reibungen sei in diesem Lande nichts zu sehen und zu merken, die Völkerlebten tatsächlich in schönster, ungetrübter Harmonie, Trotz dieser Berichte und trotz der Gleichgültigkeit der Regierung besteht aber die nationale Frage und ist neben der heute schon so oft erwähnten Ernährungsfrage wohl die brennendste, diejenige Frage, vor deren befriedigender Lösung an eine ruhige Arbeit in den gesetzgebenden Körperschaften, an eine gedeihliche Fortentwicklung dieses Staates nicht gedacht werden kann. Erst wenn diese Frage im Einvernehmen aller die Republik bewohnenden Völker gelöst sein wird, erst bis die Völker das Recht der Selbstbestimmung erworben haben und alle ihre Angelegenheiten autonom werden erledigen können, erst dann wird der Staat seine Existenzmöglichkeit errungen haben; bis dahin ist er nichts anderes als ein Abklatsch des alten Österreich (®ivý souhlas.), eine gezwungene Vereinigung sich gegenseitig bekämpfender Völker und trägt, wie heute schon hier gesagt wurde, den Keim des Todes in sich. (Souhlas na levici.) Schon Palacký sagte im Jahre 1849 im Kremsierer Reichstag: >Eine unnatürliche Länderverbindung ist ein Fluch der Menschheit!< Ob Sie in Ihrem beneidenswerten Optimismus der Ansicht sind, das schwer kranke Kind, das Sie zur Welt gebracht haben, nach dem Rezept der letzten monatelangen Kur lebensfähig, gesund zu mache, weiß ich nicht. Meiner Ansicht nach ist die Kur eine vollständig verfehlte (Souhlas.) und ich sehe keine Möglichkeit, den Kranken bei dieser Art der Behandlung zu heilen. Zur Zeit des Umsturzes hat sich wohl jeder, der sich mit politischen Angelegenheiten befaßt und der das wenige Tage vor dem Umsturz mit dem Datum Paris versehene Manifest gelesen hat, in dem den Minderheiten dieses Staates die vollständige Gleichberechtigung verbürgt wird, so seine Gedanken darüber gemacht, wie wohl die Verfassung dieses Staates in Zukunft aussehen werde. Ich muß Ihnen aufrichtig sagen, ich als altes Mitglied des mährischen Landtages, als altes Mitglied des mährischen Landesausschusses, habe mir gedacht, in diesem Momente wäre eine Anpassung an den sogenanten mährischen Ausgleich das einfachste, was die Herren tun könnten, es wäre meiner Ansicht nach die richtige Erledigung, die richtige Anpassung an die herrschenden Verhältnisse. Sie werden ja wissen, daß der mährische Landtag im Jahre 1905 einen sogenannten >Ausgleich< geschlossen hat, welcher selbstverständlich - und das ist ja natürlich - auf die Majorität der Bevölkerung in entsprechender Weise Rücksicht genommen hat. Bei Anpassung des Ausgleiches an diese Verfassung wäre es selbstverständlich gewesen, daß Sie meine Herren von der Majorität, selbst die Oberherrschaft, die Oberhoheit in diesem Staate gehabt hätten, während es aber uns und den übrigen diesen Staat bewohnenden Völkern dennoch möglich gewesen wäre, in friedlicher, ruhiger Weise, wenn auch schon nicht mit, so doch neben Ihnen leben zu können. Sie wissen, wir haben durch den Ausgleich den Landesschulrat geteilt, wir besorgen uns dort, bis jetzt wenigstens, die Schulangelegenheiten jede Nation selbst, wir haben die gewerblichen Angelegenheiten und den Landeskulturrat ebenfalls geteilt. Ich in meiner Naivität malte mir das sehr schön aus. Ich habe mir gedacht, es wäre bei halbwegs gutem Willen möglich, die Völker dieses Staates auf Grund dieses Ausgleich zu vereinigen. Sie aber wollten dies nicht. Ihnen war jeder Gedanke auf Mässigung, auf Versöhnung fremd, siegestrunken sind Sie mit brutaler Macht über das deutsche Volk hergefallen und haben uns Ihre harte schwielige Hand fühlen lassen.

Und was haben Sie damit erreicht? Aus meinen vorigen Ausführungen ersehen Sie es! Das Parlament, das Sie geschaffen haben, was ist es denn? Sie haben einfach das Babel von der Donau an die Moldau verlegt, nur mit dem einzigen Unterschied, daß hier auch noch ungarisch gesprochen wird, was im alten österreichischem Parlament nicht der Fall war. Es ist eine ganze grosse Reihe von Beschwerden, - ich freue mich, daß der Herr Ministerpräsident im Hause erschienen ist, daß er wenigstens zum Schluß noch die Beschwerden hören kann. (Výkøiky.)

Pøedseda (zvoní): Prosím, aby p. øeèník nebyl vyru¹ován

Sen. Jelinek (pokraèuje): Wir haben im Laufe der letzten. 1 1/2 Jahres ganze grosse Reihen von Beschwerden an die Regierung entsendet. Es steht jedem Einzelnen von uns ein grosses Material hierüber zur Verfügung; wir haben die Beschwerden größtenteils oder vielfach der Regierung zur Kenntnis gebracht, wenngleich es, - ich bitte, wenn ich dies sage, den Herrn Ministerpräsidenten um Enschuldigung, - eine Einrichtung der <èechoslovakischen Regierung zu sein scheint, daß sie derartige Einlaufe schriftlicher Natur gewöhnlich unbeantwortet läßt. Der einzige, der eine Antwort erteilt, ist der Herr Präsident der Republik, Von den Herrn Ministern bekommt man sehr selten eine Erledigung, auch wenn es sich nicht um eine persönliche oder private Angelegenheit, sondern immer nur um eine die Öffentlichkeit berührende Frage handelt. Nun, ich kann mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit nacht einmal das gröbste Material, das ich zur Verfügung habe, vorbringen; da ich aber doch einiges vorbringen muß, bitte ich Sie um Entschuldigung und freundliches Gehör.

Sie haben sich in der ersten Zeit des Umsturzes und Ihrer Regierung sofort auf die damals noch deutschen Städte geworfen. Und da war wohl eine der ersten die Landeshauptstadt Brünn, welche Ihnen in die Augen stach und welche Sie unter allen Umständen haben wollten. Ich möchte Ihnen vorher beweisen, daß die Stadt Brunn zur Zeit des Umsturzes entschieden eine deutsche Stadt genannt werden mußte. Denn bei der letzten Gemeindewahl, welche knapp vor dem Umstürze stattfand, hatten wir im ersten Wahlkörper 789 deutsche und 143 èechische Stimmen. (Hlas: Mit allgemeinem Wahlrecht?) Das kommt noch. Im zweiten Wahlkörper 1937 deutsche und 700 èechische Stimmen, im dritten Wahlkörper 2956 deutsche und 898 èechische Stimmen. Im vierten Wahlkörper, in welchem die Wahl auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes, also auf breitester demokratischer Grundlage durchgeführt wurde, waren 12,332 deutsche und 5210 èechische Stimmen. Es war unter solchen Verhältnissen nicht möglich, die Stadt in Ihre Gewalt zu bekommen. Sie kamen mit Hilfe der Ihnen stets willfährigen Regierung auf den Gedanken, aus Brunn ein Großbrünn zu machen. Das ist vielfach schon geschehen und man hätte schließlich nichts dagegen einzuwenden, wenn nicht selbst bei der Schaffung von Großbrünn sich die Regierung hätte von nationalen Momenten leiten lassen, nur von solchen Momenten, welche die Stadt unbedingt den Èechen ausliefern mußten, (Výkøiky sen. Luksche.)

Pøedseda (zvoní): Slovo má pan Senator Jelineka nikoli pan senátor Luksch.

Sen. Jelinek (pokraèuje): Das ist ein grosser Unterschied, In die Gemeinde Brunn sind Ortschaften aufgenommen werden, welche weder in wirtschaftlicher noch sonstiger Beziehung mit der Stadt Brunn jemals in Verbindung standen, die Bevölkerung von Dorfgemeinden, welche gar keine Beziehungen zur Stadt hatte, welche nur aufgenommen wurde, um èechische Stimmen zu fabrizieren. Nun, das ist Ihnen ja gelungen, wir hatten ja gar keine Macht dagegen anzukämpfen und ausserdem hatten Sie ja noch das Gesetz geschaffen bezüglich der Teilnahme des Militärs an den Wahlen, Bei den letzten, Gemeindewahlen haben nicht weniger als 7000 Soldaten mitgewählt, bei den Wahlen in das Abgeordnetenhaus haben nicht weniger als 13,000 Soldaten mitgewirkt. Ich habe ja kein Urteil darüber abzugeben, ob es gut ist, das Militär in die Politik zu ziehen. Die Erfolge werden Sie ja selbst seihen. (Výkøiky.) Es ist nicht nur Brunn allein, das fallen mußte, wir haben eine ganze Reihe anderer Städte, welche gleichfalls denselben Weg auf Befehl der Regierung und der Majorität haben gehen müssen. Wir haben Pohrlitz, über welche Stadt hier in besonderer Weise noch gesprochen werden muß, wir haben Znaim. Der Fall von Znaim ist ein so krasser, daß jeder unbefangen und objektiv Denkende von der anderen Seite des Hohem Hauses zugeben muß, daß hier nichts anderes als nationale Animosität gegen die Stadt vorlag und die Absicht, aus dieser Stadt im Süden ein Bollwerk der Èechen zu schaffen. Denn das wissen Sie jeder, daß Znaim ein deutsche Stadt war bis zum letzten Augenblick. Ich weiß nicht, ob 5 oder 10 Prozent èechische Stimmen dort vorhanden waren. Was hat man gemacht? Man hat statt der 240 deutschen Beamtenfamilien, die aus einem von mir durchaus nicht goutierten Grund von Znaim weggegangen sind, einfach 1500 èechische Beamtenfamilien hingegeben und außerdem hat man 4000 Soldaten zur Wahl hinkommandiert. Das spielt in einer Stadt, die zusammen 6000 bis 7000 Stimmen hat eine grosse Rolle. Auch da. geehrter Herr Ministerpräsident, haben Ihre 4000 Soldaten und Beamten dazu beigetragen, daß die Stadt èechisch geworden ist. (Výkøiky. - Pøedseda zvoní.) Auch in anderen Städten, in Iglau, auch dort sind die Verhältnisse gerade so wie in Brunn und Znaim, nur mit dem Unterschied, daß die Wahlen in Iglau, nachdem langwierigen Verhandlungen mit der Regierung stattgefunden hatten, ob sie überhaupt stattfinden sollen, obzwar sie sonst überall im Juni d. J. abgehalten wurden, erst im September abgehalten wurden. Und trotz des Druckes der Regierung ergaben sie eine 2/3 Majorität für die Deutschen. Das ist natürlich für die Regierung wiederum Grund genug, um einen gegen diese ordnungsgemäß durchgeführten Wahlen geführten Rekurs nicht zu erledigen. Ich bitte den Herrn Ministerpräsidenten, die Güte zu haben, gegenüber dieser Tatsache dem unerhörten Vorgehen Ihrer Behörden freundlich seine Aufmerksamkeit widmen zu wollen. Ein neuer Fall ist auch in Mislitz, einem deutschen Städtschen in Südmähren zu verzeichnen. Dort sind, wie noch in wenigen Orten der Republik, bis heute die Wahlen nicht ausgeschrieben und die Stadt wird von einer Verwaltungskommissionn regiert, in der kein einziger Deutscher vertreten ist. Alle Vorstellungen, alle Beschwerden von Seiten der Deutschen bleiben unberücksichtigt und alle Vorstellungen der vereinigten politischen Parteien werden gleichfalls von der Regierung vollständig ignoriert. Aber ich glaube nicht, daß es klug ist von der Regierung, in einer solchen Weise gegen die Deutschen vorzugehen.

Ich möchte mir noch erlauben über die Schulangelegenheiten zu sprechen. In einer ganzen Reihe früher deutscher Orte sind nunmehr èechische Schulen errichtet worden. Wie ist da die Bezirkshauptmannschaft vorgegangen? Nehmen wir an, in dem Orte Einöd oder Baumöd, - das sind deutsche Gemeinden, - da ist der Bezirkshauptmann hingegangen, mit der Gendarmerie, mit Soldaten, Es wurden die Eltern der schulpflichtigen Kinder vorgerufen: >Wie heißen Sie?< Der Mann, hieß zufällig Pospí¹il. >Das ist ein Èeche, gehört in die èechische Schule.< (Smích.) Zum zweiten: >Wie heißen Sie?< Ebenfalls ein èechischer Name. Alle Kinder, deren Eltern èechische Namen haben, wurden einfach für die èechische Schule rekrutiert. (Hlasy. Habrman!) Vielleicht hätten wir genug deutsche Namen nur auf der Ministerbank, wollten wir eine deutsche Schule in einem deutschen Orte schaffen. Aber ist es jemals vorgekommen, daß wir so vorgegangen sind? Erstens hätte sich kein österreichischer Bezirkshauptmann dazu hergegeben, so einseitig national vorzugehen. Nehmen wir an, wir wären an den Ort gekommen und zufällig hätte der erste Mann Habrman geheißen. >Das muß ein Zufall sein, sein Kind muß in die deutsche Schule.< Der zweite hieße Sonntág. >Der muß auch in die deutsche Schule.< (Smích u Nìmcù.) Bei Sonntág wäre nur der Unterschied, daß die kleine Exzellenz, soviel ich die persönlichen Verhältnisse kenne, noch nicht schulpflichtig ist. (Hlasy: Jelinek!) Meine Herren, Sie machen mich auf meinen Namen aufmerksam, es ist eben ein Wahnsinn, daß Sie sich von dem Namen leiten lassen. In diesen gemischtsprachigen Ländern ist es selbstverständlich, daß im Laufe der Jahrhunderte eine derartige Mischung der Namen stattfindet. Auf den Namen allein darf man nichts geben. Ich wollte nur damit sagen, daß ein derartiges Vorgehen wohl in der Welt einzig dasteht.(Výkøiky.) Da nur der Herr Ministerpräsident hier anwesend ist und nicht der Minister für Unterricht und Volksaufklärung, so möchte ich ihn fragen, ob er denn weiß, daß es in Mähren èechische Schulen gibt, in welchen, weil die Kinder der èechischen Sprache nicht mächtig sind, deutsch unterrichtet werden muß? Das wissen Sie nicht. Ich bin in der Lage, Namen zu nennen. Heute ist es die Schule in Zwittau, in Freiau, in Einöd usw. Meine Herren! Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich an ein Wort, welches der Herr Präsident der Republik anläßlich einer Vorsprache, die ich aus ähnlichem Gegenstand bei ihm hatte, mir als Antwort gab. Er meinte, die Deutschen müssen sich daran gewöhnen, daß derartige künstliche Gebilde verschwinden. Ich gebe selbstverständlich dem Herrn Präsidenten der Republik Recht und habe nur den einen Wunsch, es möge dies auch auf der anderen Seite eintreten und es mögen auch bei Ihnen die künstlichen Gebilde sehr bald verschwinden. Nach dem, was ich hier in aller Eile und nicht vollständig angeführt habe, glaube ich sagen zu können, daß die Führer des èechischen Volkes durch dieses Vorgehen eine unauslöschliche Schmach auf das èechische Volk gewälzt haben, eine Schmach, die unvereinbar ist mit den von den Führern jeder Zeit im Mund geführten Worten >Humanität< und >Zivilisation<, eine Schmach, die unvereinbar ist mit dem Jahrhundert, in dem wir leben, die unvereinbar ist mit den Grundzügen einer demokratischen Republik. (Potlesk na levici. - Výkøiky.)

Wenn ich nun, meine Herren, in aller Kürze einige wirtschaftliche Angelegenheiten besprechen will, so möchte ich nur darauf hinweisen, daß der Herr Ministerpräsident in seiner Regierungserklärung für die Industrie und sämtliche Betriebe ein gewisses Endziel, welches ja nach seinem parteipolitischen Standpunkt ganz gerechtfertigt ist, angeführt hat. Wenn Sie diese Industrie so weit bringen wollen, daß Sie Ihnen für die Sozialisierung reif zu sein scheint, dann müssen Sie auch alles Mögliche anwenden, um diese Industrie tatsächlich aktiv zu erhalten. Meine Herren, seitens der Regierung ist in den letzten Zeiten zum Aufblühen oder Entfalten der Industrie sehr wenig getan worden. Bezüglich der Ein- und Ausfuhr sind seitens der industriellen Organisationenn wiederholt an die Regierung Eingaben gerichtet worden, welche jedoch denselben Effekt hatten, den ich bereits früher erwähnt habe. Eine große Wichtigkeit für die Industrie hat die Art und Weise der Behandlung der Kriegsanleihen. Ich wollte über diesen Gegenstand eingehend sprechen. Herr Dr. Heller, der erste Redner von deutscher Seite, hat aber diesen Gegenstand in so erschöpfender und ausgezeichneter Weise erörtert, daß ich nur sagen kann, daß ich mich seinen Ausführungen vollinhaltlich anschließe. Auch die Vermögensabgabe, die auch in Ihren Kreisen nicht die größte Begeisterung gefunden hat, ist jedenfalls darnach angetan, der Industrie große Nachteile zuzufügen. Von Ihrer Seite wurde ja bereits behauptet, daß die Vermögensabgabe in der Form, wie sie in der letzten Nationalversammlung angenommen wurde, überhaupt undurchführbar ist. Ich würde die Herren von der Regierung bitten, die eine Bitte richte ich an Sie, Sie mögen die Güte haben zu veranlassen, daß sämtliche Angelegenheiten, welche die Industrie betreffen, mit den industriellen Organisationen, auch den deutschen, besprochen werden. (Hlas: Mit den Arbeitern!) Das ist ein Anliegen, welches sie vorbringen werden. Ich betone hiebei die deutschen Industrie-Organisationen deswegen, weil bisher seitens der Regierung zur Behandlung dieser Fragen ausschließlich der Svaz eingeladen wurde. Ich würde den Herrn Ministerpräsidenten bitten, darauf Rücksicht zu nehmen, daß es auch eine deutsche Industrie gibt, welche sich gleichfalls organisiert hat und deren Organisation der Regierung stets mit Rat und Erfahrung zur Verfügung steht.

Von der Flut der sich überstürzenden Ereignisse der letzten Jahre auf wirtschaftlichem, politischem und sozialem Gebiet ist aber auch der Gewerbestand nicht unberührt geblieben. Wohl hat - ich gebe dies ruhig zu - der Krieg und die erste, sogenannte Friedenszeit mancher Gruppe des gewerblichen und kaufmännischen Mittelstandes eine befriedigende, manchen sogar eine gute Entwicklung gebracht. Wir dürfen aber trotzdem nicht übersehen, daß gegenwärtig viele gewerbliche Existenzen infolge der Material- und Rohstoffnot vollständig brach darniederliegen. Ich brauche nur hinzuweisen auf das Bau- und Bauhilfsgewerbe, welches infolge der Stillegung der Bautätigkeit, die übrigens schon ein oder zwei Jahre vor Ausbruch des Krieges zu bemerken war, direkt vor dem wirtschaftlichen Ruin steht. Viele tausende kriegseingerückter Gewerbeleute, deren Betriebe während des Krieges nicht aufrechterhalten werden konnten, sind zu den Trümmern ihrer einst so blühenden Betriebe zurückgekehrt. Will die Regierung eine von wahrhaft sozialer Einsicht getragene Politik machen, so wird sie es als unabweisliche Aufgabe zu betrachten haben, an die Aufrichtung und Stärkung der Tausende von vernichteten oder wenigstens gefährdeten Existenzen des gewerblichen Mittelstandes in eigenem Interesse zu schreiten.

Wir verlangen, meine Herren, keineswegs irgendwelche, eine Klasse oder einen Stand bevorzugende Maßnahme, Wir verlangen nur soziale Gerechtigkeit durch Schaffung und Schutz wirtschaftlicher Existenzmöglichkeit und nur nebenbei will ich bemerken, daß seitens der Regierung - schon seitens der früheren österreichischen Regierung - ein sogenannter Hilfskreditfonds ins Leben gerufen wurde, welcher jedoch gegenwärtig durch eine maßlos bürokratische Behandlung seinen tatsächlichen Zweck nicht erfüllt. Es wäre dringend zu wünschen, wenn die Regierung veranlassen würde, daß dieser Fonds tatsächlich selbständig gelenkt würde von den Kreditorganisationen, selbstverständlich unter Aufsicht und Kontrolle der Regierung.

Wenn nun, meine hochverehrten Damen und Herren, die Deutschen trotz dieser traurigen Verhältnisse, trotz dieser auf allen Gebieten nur vom nationalen Chauvinismus (Sehr richtig!) diktierten Verfügungen das Parlament betreten, so ist es vor allem ihre Pflicht, die völlige Beseitigung aller Gesetze und Verordnungen zu verlangen, die die Nationalversammlung bei vollständiger Mißachtung der Rechte der übrigen Völker beschlossen hat. (Sehr richtig!) Es wird Pflicht der Deutschen sein, für das Selbstbestimmungsrecht mit aller Energie und aller Tatkraft einzutreten und darauf zu sehen, daß überall dort, wo man, ohne uns zu fragen, über unser Schicksal entschieden hat, auf kulturellem und wirtschaftlichem, auf sozialem und völkischem Gebiet Remedur geschaffen, wird, im Zeichen wahrer Demokratie, entsprechend dem Charakter des Staates als eines Nationalitätenstaates. (Sehr richtig!) Trotzdem der Krieg und die letzten 1 ½ Jahre den Deutschen auf fast allen Erwerbs- und Berufszweigen bittere Enttäuschungen bereitet und schwere Wunden geschlagen, trotzdem wir sehen, daß Sie die Absicht haben, uns auf allen Gebieten zu überholen, auf kulturellem durch Erdrosselung unseres Schulwesens, auf wirtschaftlichem Gebiete durch Bevorzugung Ihrer Volksgenossen, trotz unserer großen Not verlangen wir vorerst die Sicherung unserer völkischen Rechte, die restlose Anerkennung unseres Volkes als gleichberechtigten Faktor dieses Staates. (Potlesk na levici.) Sie werden sie uns vielleicht schwer geben, aber Sie werden sie uns geben müssen, nicht aus Liebe, aus übertriebener Liebe zu uns, sondern im Interesse Ihres Staates. Und tun Sie es nicht, dann schaufeln Sie dem Staate selbst das Grab. (Sehr gut!) Und die Geschichte wird von Ihnen sagen müssen: Es war dem èechischen Volke mit Hilfe mächtiger Freunde vergönnt, ein altes Reich zu zertrümmern, es fehlte ihm jedoch die moralische Kraft, es fehlten ihm alle Fähigkeiten, den Staat aufzubauen und zu erhalten.(Sehr richtig! Potlesk nìmeckých senátorù.)